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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
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384
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384 Hohenschwangau

1783. Zuerst erschien er 29. Mai in Kopenhagen,von hier verbreitete er sich über ganz Europa bisnach Syrien u. die Nordküste Afrikas. Nachdemer von Mitte bis Ende Juni an allen genanntenOrten gleichzeitig, beobachtet worden war, zog ersich wieder zurück u. verschwand 26. Septbr. inKopenhagen. Wo er einmal vorhanden war,konnte weder Sturm noch Regen ihn vertreiben,n. er war so dicht, daß man durch ihn die Sonneselbst am Mittag kaum sehen konnte. Da gleich'zeitig das große Erdbeben in Calabrien und dieheftigsten vulcamschen Eruptionen ans Island statt-fanden, so brachten einige Naturforscher, nament-lich van Swindcn und Toaldo, diese Erscheinun-gen mit dem H. von 1783 in Zusammenhang,nicht als ob derselbe in einer weiten Verbreitungvon Stoffen, die aus dem Krater stammen, seinenGrund habe, sondern wahrscheinlich waren jenegroßartigen vulcanischcn Ausbrüche eine theilweiseUrsache des H-s wenigstens mittelbar, indem dieglühenden Lavaströme eine ungeheure Menge vonVegetabilien verbrannten, wovon der aufsteigendeRauch durch den gerade herrschenden Nordwest inferne Gegenden verbreitet werden konnte. Einemerkwürdige Erscheinung wurde während des H-csvon 1783 beobachtet. In der Nacht des-20. Julibegann nämlich zu Bramley in Kent der Nebelnach einem heftigen Gewitter so stark zu leuchten,daß man dabei lesen konnte. Eine gleiche Er-scheinung, die 9 aufeinanderfolgende Nächte, vom18.26. Nov. 1859 dauerte, berichtete Wartmanin Gens. Die Entstehung des H-s erklärt sichfolgendermaßen: In Holland u. Nordwestdeutsch-land Pflegt man im Mai, wenn man anders vontrockenem Wetter u. trockenem Boden begünstigtist, das Moorland anzubrennen, um es zum Acker-bau tauglich zu machen. Der sich hierbei ent-wickelnde Rauch, der sich in der trockenen Atmos-phäre lange schwebend erhält u., falls der Windaus Nord oder Nordwest weht, in die südlicher u.westlicher gelegenen Gegenden verbreitet, ist der H.Das Herrschen der Nordwinde u. die Trockenheitsind daher nicht Wirkungen des H-s, sondern Be-dingungen für denselben; er vermehrt die schonexistirende Trockenheit dadurch, daß die in derAtmosphäre schwebenden Kohlentyeilchen einen Theilder Feuchtigkeit der Lust absorbiren. Specht.»

Hohenschwangau, königl. Lustschloß im Bez.-Amt Füssen des bayer. Regbez. L-chwaben undNeuburg, zur Gemeinde Schwangau gehörig, 3 ümsüdöstlich von Füssen, Lieblingsaufenthalt desKönigs Ludwig II. Das Schloß hieß ursprüng-lich Schwanstein u. kam 1832 in Besitz des da-maligen Kronprinzen Maximilian, welcher es durchDom. Quaglio in mittelalterlichem Stile wieder-herstellen ließ u. es oft bewohnte. Es liegt anseinem Marmorfelsen in prächtiger Wald- u. Ge-birgsgegend und enthält in seinem Innern viel-prachtvolle Säle (Schwanritter-, Helden-, Hohcn-stausensaal rc.), welche mit herrlichen Fresken u.enkaustischen Wandgemälden der hervorragendstenKünstler geschmückt sind. Das Geschlecht derSchwangauer, welches urkundlich im 12. Jahrh.vorkommt und dem die damals schon vorhandeneBurg gehörte, starb im 16. Jahrh. aus. DieHerrschaft kam 1534 an die Familie von Paum-

Hohenstaufen.

garten, welche 153847 an der Stelle der altenBurg ein neues Schloß errichten ließ, es mit derHerrschaft aber 1561 verpfändete. 1567 kaufteder Herzog von Bayern dieselbe, und meist hatteein apanagirter Prinz die Nutznießung. V,p1715 an diente das Schloß als Sitz eines Pfleg-amtes, welches 1804 dem Landgericht Schongaiieinverleibt wurde. 1820 sollte das Schloß abge-brochen werden u. war bereits an eine» Bauerverkauft, von dem es erst der Fürst v. Öttingen.Wallerstein und dann der Ingenieur Sommerkaufte, welcher es später dem damaligen Kron-prinzen und nachherigem König Maximilian II.von Bayern verkaufte. Auf dem Schlöffe H. sagteKonradin beim Antritt seines Zuges nach Italienseiner Mutter Lebewohl; hier soll Luther nach seinerUnterredung mit Cajetan in Augsburg 1518 eineZufluchtsstätte gefunden haben; im Schmalkal-dischen Kriege setzte sich Schärtlin von BurtenbaHu. später Moritz von Sachsen auf H. fest. In derNähe der Alp- u. Schwansee, der Wasserfall derPöllat u. die Marienbrücke. Vgl. Hormayr, Diegoldene Chronik von H., Münch. 1842. H.Beriij.

Hohenstadt (mähr. Habrzeh), Stadt.u. Haupt-ort im gleichnam. mährischen Bezirk (Österreich),au der Sazawa; Station der Mähr. Grenz- n.der Österr. Staatsbahn (nördl. Linie); slirjil.Liechtensteinsches Schloß, Armenhaus; Fabrikationvon Leinen- u. Baumwollenwaaren, Türkischroth-färberei; 2570 Ew., davon 1586 im Orte.

Hohenstaufen, Kirchdorf im Oberamte Göp-pingen des Württemberg. Donaukreises; Viehzucht,Käfebereitung, bedeutende Viehmärkte; 1250 Elv.

Auf dem nahen, 683 m hohen, gleichnamigen

Bergkegel (Hoher Staufsen) lag einst die Stamm-burg des Kaiserhauses H., welche im 11. Jahrh.von Friedrich von Büren, dem urkundlichenStammvater des Hohenstaufenschen Hauses, anStelle einer älteren Burg erbaut wurde. DieBurg kam nach dem Fall des Hauses H. anÖsterreich, wurde vom Herzog Albrecht 1370 andie Herren von Ricchheim verpfändet u. 1371 vondiesen an die Grafen von Württemberg verkanst.Die Burg wurde 1525 im Bauernkriege zerstört,und es sind kaum noch wenige Mauerreste übrig.Am Fuß des Schloßberges liegr die kleine Kirchedes Dorfes H., durch deren niedrige, dem Schlossezugewendete Seitenpforte Kaiser Friedrich I. täg-lich zur Messe schritt. Noch trägt die (jetzt zuge-mauerte) Thür die Worte: Um tranaidat 6aesar(Larbaronna), amor bonorum, bsrror maloruw,nebst einigen auf den Kirchenbesuch des KaisersBezug habenden Reimen. Vgl. die auf die BurgH. bezüglichen Schriften von Keller, Göppingen1860; Pleibel, Tübingen 1861; Kaiser, Gmünd1875. H- Berns.

Hohenstaufen, urkundlich richtiger: dieStaufer,deutsches Kaisergeschlecht, welches aus Schwabenstammte; als Stammvater wird Friedrich um 988genannt; Heinrich soll unter Kaiser Heinrich III.schon eine eigene Kanzlei in Waldhausen besessenhaben; dessen Sohn Friedrich von Büren (einemDorfe bei der Burg Staufen) ist der erste völligerwiesene, er lebte um 1056, zog sich auf denStaufen u. zeugte mit Hildegard außer anderenSöhnen Friedrich (s. d. 52) von Staufen, der