Hohe Mense -
sind die Erklärer sehr verschiedener Ansicht: Einige,Gerhard u. Krnmmacher, in ihren Predigten überdas H. L. u. neuestens Hengstenberg u. Hahn er-klären das H. L. als eine Allegorie von der Ver-mählung Christi (Salomo) u. der christlichen Kirche(Sulamith); Andere erklären es ethisch, es werdedarin der Preis der Unschuld, die allen Lockungenwidersteht, dargestellt; so Ewald: od. man meint,daß darin die Idee der Ehe dargestellt werde, soDelitzsch (zuletzt, nachdem er es früher allegorischerklärt hatte); Andere wieder erklären es prophetisch,als eine Weissagung von den letzten Zeiten derKirche Christi, wie Goltz; noch Andere politisch:Das Königthum ist ewig eins mit dem wahrenVolksthum; oder sinnlich-erotisch, z. B. die neue-ren Ästhetiker; Viele halten das H. L. mit Herderfür eine Sammlung von Liedern, deren Gegen-stand Liebe sei. Grätz in seiner 1871 erschienenenÜbersetzung erklärt es für ein episch-lyrisches Ge-dicht aus der Zeit der Tobiaden mit der Tendenz,die reine gewissenhafte Liebe u. deren Kraft gegen-über der sinnlichen Leidenschaft darzustellen. Ständ-lein hat das H. L. für ein Drama gehalten, eineAnsicht, welche in neuester Zeit wieder von Bött-cher, E. F. Friedrich, Ewald u. a. vertheidigt wordenist. Neuere Übersetzungen u. Erklärungen vonHerder1777, Ewald 1826, 2. A. 1867; Umbreit 1828,Fr. Delitzsch, Lpz. 1851; H.A. Hahn, Berl. 1852;Hengstenberg, ebd. 1853; I. Böttcher, Die ältestenBühnendichtungen, Leipz. 1850; E. Meier, Tllb.1854; F. Hitzig, 1855; Grätz, Wien 1871; vomStandpunkte der Kunst, vgl. die Schriften vonBöttcher, 1850; Loßner, 1851 u. a.; Lessing hates in lateinische Hexameter übersetzt.
Hohe Mense, ein 1083 m hoher Berggipfel imMense- od. Reinerzgebirge des Glatzer Gebirgs-systems; ein majestätischer Berg n. hübscher Aus-sichtspunkt.
Hohes Neujahr, so v. w. Epiphania 2) s. d.
Hoher Peißenberg, s. Peißenberg.
Hohe Pforte (türk. Lab LU), ist in derheutigen Türkei sowol die Gesammtheit der höch-sten Würdenträger im ottomanischen Reiche, alsauch der Ort, wo diese zu ihren Berathungen Zu-sammenkommen. Die Pforte (in der VolksspracheLaoeUa Laplsi) umfaßt heutzutage folgende Ämter:
1) den Sitz des Großveziers u. seines Bureaus;
2) das Ministerium des Äußeren mit seinem Sekre-
tariate n. dem Übersetzungsbureau; 3) das Llo-äsoUUsi 'lVala, den allerhöchsten Staatsrath, andem sich die Chefs der verschiedenen Ministerienbetheiligen; 4) das LlscksobUsi astüiami acUls,den Rath des obersten Gerichtshofs, Ministeriumdes Innern n. der Justiz, zugleich mit der Be-fugniß, die Gouverneure u. die subalternen Offi-ziere zu ernennen u. abzusetzen; 5) das Lmsäiäivani Uumajum, ein mit der Privatkanzlei desSultans und der Psorte in direkter Verbindungstehendes Bureau. Die übrigen Dikasterien derVerwaltung (Polizei-, Finanz-, Handels-, Kriegs-,Marine-, Unterrichts-, Wakufs- rc. Ministerien)sind in besonderen Gebäuden nntergebracht u. er-scheinen ihre Chefs in der H-n P. nur, wenn siczum Llsävoblisi iVala zu einer wichtigen Berath-ung gerufen werden. Lagai.
Hohes Rad, ein 1506 in hoher Berg des
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Riesengebirges in der prenß. Provinz Schlesienmit herrlicher Aussicht.
Hoher Rath (jüd. Ant.), so v. w. Sanhedrin.
Hohe Salve, ein 1827 m hoher Berg derSalzburger Alpen in Tirol, südlich vom Kufstein,mit prachtvoller Aussicht ans die Tiroler u. Salz-burger Alpen.
Hohe See, haben oder halten, so weit vomLande entfernt sein, daß man es nicht sehen kannoder keine Gefahr mehr davon hat. Auf derHöhe eines Ortes sein, auf derselbe» geograph.Breite sein. Die Höhe von einem Vorgebirge, einerLandzunge rc. haben, heißt sich soweit luvewärtsvon derselben befinden, daß man sie umsegeln kann.
Hohe Staufen, ein 1775 m hoher Bergzugin den Salzburger Alpen auf der Grenze zwischenSalzburg u. Bayern.
Hohe Benn (fr. üautss La^nos), ein rauhes,waldloses, ca. 600—650 in hohes Plateau imprenß. Regbez. Aachen u. der belg. Prov. Lüttich;breitet sich zwischen der Warche, Onrthe, Roern. dem Tieflande aus, ist entweder mit Heidekrautüberzogen, od. mit mächtigen Torfmooren bedeckt,ein unwegsames Gebiet voll Nebel u. im Winterunter dem tiefsten Schnee begraben. Der höchsteGipfel, die Botranche, erhebt sich zu 695 in überdem Meere, ein anderer Gipfel ist die 656 inhohe Steinlei bei Montjoie. H- Berns.
Hoheit, Prädikat erlauchter Personen: Kaiser-liche H. für die Prinzen und Prinzessinnen auskaiserlichen Häusern, welche von Kaisern direct ab-stammen; Königliche H. für die von Königendirect abstammenden Prinzen u. die Töchter vondiesen, ferner die Großherzoge u. Erbgroßherzoge,mit Ausnahme Hessens, welche das PrädicatGroßherzogliche H. führen; H. ohne weiteren Zu-satz fuhren die übrigen Mitglieder der großherzog-lichen Häuser, die regierenden Herzoge in Deutsch-land nebst den Prinzen und Prinzessinnen ihrerHäuser mit Ausschluß der Seitenverwandten. Ineinem weniger engen Sinne ist H. die höchsteStaatsgewalt.
Hoheitsrechte (Majestätsrechte, Regalien, Auramaj sstakiea, Lo^alia), diejenigen Befugnisse, derenAusübung in einem Staate dem Inhaber derStaatsgewalt hinsichtlich der Regierung und Ver-waltung des Staates entweder verfassungsmäßig,od. kraft besonderer Rechtstitel zusteht. In ihrerGesammtheit aufgefaßt, sind daher die H. mit derStaatsgewalt identisch; sie erscheinen gegenüberderselben nur als einzelne Äußerungen des seinemBegriffe nach eigentlich nntheilbaren Herrscher-rechts, welche nur theils nach den verschiedenenFormen, in welchen, theils nach den verschiedenenObjecten, in Beziehung auf welche die Staatsge-walt dabei thätig hervortritt, als einzelne scheinbargetrennte Rechte hervortreten und von einanderwissenschaftlich unterschieden werden können. Manunterscheidet höhere u. niedere H.: L) Höhereod. wesentliche H. (LsAakiassssnbiakia, K. im-MLnsntsta, L. majora), in dem Begriffe der ober-sten Staatsgewalt liegende u. daher dem Staats-herrscher in seiner Eigenschaft als Inhaber dieserStaatsgewalt von selbst zukommende. Zu den-selben werden gewöhnlich die gesetzgebende,richterliche u.'v ollziehende Gewalt (die Nrias