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Hofmark -
Opitz verkehrte, studirte in Leyden, bereiste alsGesellschafter des Fürsten von Tremonville dieNiederlande, England, Frankreich, Italien, wurde1646 Rathsherr in Breslau, stand hier in großerAchtung, wurde kaiserlicher Rath, Vorsitzender desRachscollegium seiner Vaterstadt, wo er 8. April1679 st. Über seine nationalliterarische Stellungn. Bedeutung s. d. Art. Deutsche Nationalliteratur,S. 184—186. C. H. v. H., Deutsche Übersetzun-gen u. Gedichte, Brcsl. 1679, oft auch mit ver-änderten! Titel wieder aufgelegt. Darin: dieÜbersetzungen des sterbenden Sokrates von Theo-phile in Prosa mit eingelegten Versen u. des ge-treuen Schäfers von Guarini, zu welchen der Pro-log von Lohenstein verdeutscht war; 28 Helden-briefe, die von 14 Liebespaaren, zum Theil untererdichteten Namen gewechselt werden, mit prosa-ischen Anmerkungen, geistliche Oden, vermischteGedichte, poetische Grabschriften, poetische Geschicht-redcn, Hochzeits« und Begräbnißgedichte. DieseSammlung übergab H. selbst kurz vor seinem Todeder Öffentlichkeit. Seine meisten erotischen Ge-dichte, Lieder, Sonette, Briefe, Beschreibungen rc.hielt er „mit Fleiß zurück, um nicht mit diesenpoetischen Kleinigkeiten zu ungleichem Urtheil An-laß zu geben." Viele sind abgedruckt in: Herrn v.Hofmann u. anderer Deutschen auserlesene u. bis-her uugedruckte Gedichte, Lpz. 1695—1727, 7Thle., neue Aufl. Frkf. u. Lpz. 1734. Zimm-rmann.
Hofmark, der zu einem Rittergute gehörigeBezirk, bes. in Ansehung der über ihn zustehendenniederen Gerichtsbarkeit (H-gericht, Curtis); derBesitzer einer H. H-Herr.
Hofmarschallamt, das Amt,welchem dieSorgefür das jämmtliche Hauswesen eines färstl. Hofesobliegt.
Hofmeister, 1) (Ober-H.) Aufseher über einenfürstlichen Hof; 2) so v. w. Hauslehrer, bes. alsErzieher in adeligen Familien; 3) (Maier, Voigt)ein Aufseher aus einem Landgute.
Hofmeister, 1) Sebastian, eigentlich Wag-ner, genannt Doctor Baschion, reformator-ischcr Theolog, geb. 1476 in Schafshausen, wurdeFranciscaner, studirte in Paris u. wurde Lesemei-ster seines Ordens in Zürich, Constanz u. Luzern;mit Zwingli in Zürich bekannt geworden, arbeiteteer nach seiner Rückkehr nach Schafshauseu der Re-formation daselbst vor und nahm 1523 theil anden Religionsgesprächen in Zürich; nachdem ervor seinen Gegnern Schafshausen hatte verlassenmüssen, ging er nach Zürich, wurde Prediger inZofingen u. starb hier 1533. Er wirkte auch inAppenzell u. St. Gallen für die Einführung derReformation. Lebensbeschreibung von Kirchhofer,Zllr. 1808. 2) Wilhelm, verdienstvoller Botani-ker, geb. zu Leipzig 18. Mai 1824, erst Kaufmann,widmete sich von 1844 an botan. Studien u. wurde1851 von der Universität Rostock zum Or. xüU.Irvu. oausn ernannt, wurde 1863 Professor derBotanik und Director des botanischen Gartens inHeidelberg, 1872 siedelte er als Hugo Mohls Nach-folger berufen nach Tübingen über. Erst. 12. Jan.>877 in Lindenau bei Leipzig u. schr: Die Entsteh,ung der Embryo der Phanerogame:-:, Leipzig 1849.Vergleichende Untersuchung der Keimung, Ent-wickelung n. Fruchtbildung der höheren Kryptoga«
— Hofrccht
men u. der Coniseren, das. 1851; Lehre von derPflauzenzelle, ebend. 1867. Sein Handbuch derphysiologischen Botanik, ebend. 1867 ff., ist nichtvollendet. Zahlreiche Abhandlungen embryologi-scheu u. physiologischen Inhalts finden sich in denSchriften der köuigl. sächs. Ges. d. Wissenschaftenu. anderen Fachzeitschriften. U Löffler.* s> r.
Hofnarr, ehemals Person an einem fürstlichenHof, hauptsächlich zur Ünterhaltung durch witzigeEinfälle. Die Sitte, bei Gastmählern Lustiginacherzu haben, ist alt. Schon in Tenophons Sympo-sion kommt ein Lustigmacher (Gelotopöos) vor, n.in Nom waren in der späteren Zeit die Louriusan den Tafeln der Großen ganz gewöhnlich. Ali-gemein wurde diese Sitte im Mittelalter. IstH-en trugen eine eigene Kleidung; namentlich ansgeschorenem Kopf die Narrenkappe (Gugel,Kugel), d. i. eine runde Mütze, mit drei Esels-ohren u. einen Hahnenkamm u., wie das WammS,die Schuhe u. andere Kleidungsstücke mit Schellenbesetzt; dann einen großen mit Schellen besetztenHalskragen u. das Narrenscepter oder derNarrenkolben (Marotte), in einen geschnitztenKopf mit der Narrenkappe ausgehend. Unter denH°en waren Brusquet (unter Franz I.) u. Angchin Frankreich, Kunz von Rosen (bei Kaiser Maxi.),John Heywood (bei Heinrich VIII. von England),zugleich gewandte Hofleute, Klaus Narr, H. dersächsischen Fürsten, obwol oft derb u. plump inseinen Äußerungen, wurde von diesen hochgeschätztu. bei einer Vermögenstheilung zu 80,000 Thlr.angerechnet. Das Wesen mit den H-en artete baldaus, fast jeder Edelmann hatte einen od. mehreresolche, und Abenteurer durchzogen mit dem Titeleines Narren das Land u. verübten manchen Un-fug. Die Reichstage von 1497—1575 erließenmehrere Beschlüsse gegen dieses Unwesen, doch erstün 18. Jahrh. kamen die Narren allmählich ab,namentlich blieben sie noch lange in Rußland;Peter d. Gr. hatte oft zwölf H-en, die KaiserinAnna hatte noch sechs. Auch Friedrich Wilhelm I.von Preußen hielt sich noch H-eu u. in der Kur-pfalz gab es noch H-en unter Karl Theodor, 2.Hälfte des 18. Jahrh. Nick, Die Hof« u. VoW-narren, Stllttg. 1861, 2 Thle. SchrM.*
Hofrath, ursprünglich ein von dem Fürstenberufener Rechtsgelehrter, welcher ihn in Regier-nngsgeschäften beraihet; dann Beisitzer höhererVerwaltnngscollegien n. die Behörde selbst, end-lich in einer Anzahl deutscher Staaten Ehrenütelfür Beamte u. Gelehrte.
Hofrecht, das bei einem Hofgericht gütigeRecht; sodann im Mittelalter der Inbegriff der-jenigen Rechtsnormen, welche über die rechtlichenBeziehungen eines Herrn zu seinen Dienstpflichtigenu. umgekehrt, sowie der Letzteren unter einander,insoweit sich solche auf Dienst- u. Gutsverhältnisseerstreckten, in Gebrauch waren. Es existirtcn darnach:Ritterliche H-e, zu welchen neben dem eigent-lichen Lehnrecht bes. die Dienstmannenrechte, alsdie H-e ritterlicher Dienstleute (Miuisterialien), u.Bäuerliche H«e, von denen sich in den sogen.Ding- u. Hofrodeln eine große Anzahl vonAufzeichnungen erhalten hat, welche in neuererZeit znm Theil von Grimm, Weisthümer, Gott.1840 ff., 6 Thle., gesammelt worden sind.