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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
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338
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338 Historienmalerei.

endlich Schiavone (1522—82), der sich, wie diespäteren Nachfolger, fast nur auf eine äußerlicheNachahmung der koloristischen Manier Tizians be-schränkte. ä) Die vierte Hauptrichtung der ita-lienischen H. wird durch die Umbrische Schule,deren Mittelpunkt Perugia war, repräsentirt. Vondieser Stadt erhielt ihr erster bedeutenderer Meisterden Namen Pietro Perugino (1466 — 1526).Im entschiedenen und bewußten Gegensätze gegenden hauptsächlich auf glänzendes Colorit n. sinn-lich-reizende Naturwahrheit tendirenden Realismusder Venetianer strebte sie vor Allem nach Innig-keit der religiösen Empfindung, verbunden mitkeuscher Strenge in Farben- u. Formengebung u.höchstem Liebreiz des Ausdrucks. Zur vollendetkünstlerischen Gestaltung gelangte diese Tendenz indem großen Schüler Peruginos, Rafael San-zio von Urbino (1483 —1520), der insofern alsder Großmeister der Blllthezeit der italienischenMalerei und somit dieser Kunstgattung überhauptbetrachtet werden darf, als er in seinen unsterblichenWerken die Vorzüge aller Schulen in sich verein-igte u. ebensowol Strenge u. edle Correctheit derZeichnung init Schönheit des Colorits u. höchsterAnmuth des Ausdrucks verband. Noch größeraber als durch diese äußerlichen Vorzüge erscheinter durch die inhaltsvolle Begeisterung u. den poet-ischen zugleich u. gedankenreichen Schwung seinerCompositionen. Wenn seine nächsten Schüler ihmauch in elfterer Beziehung nahe kamen, so gingihnen doch in letzterer Beziehung Vieles, ja Allesab, so daß sie bald nur in bloß äußerliche Nach-ahmung seiner Ausfassungs- u. Darstellnngsweiseverfielen. Neben Rafael arbeitete sein großerNebenbuhler Michel Angela, welcher wie Rafaeldurch Papst Julius II. nach Rom berufen wurde,wo sie im Vatican, St. Peter u. anderen Ortenihre umfangreichsten u. bedeutendsten Werke schufen.Der Manierismus, in den die Schüler Rafaelsverfielen, gibt sich schon in seinem nächsten undtalentvollsten Schüler, Giulio Romano (1492bis 1546), kund, der bei meisterhaftem Colorit u.großer Formengewandtheit theils in nüchterne Nach-ahmung verfiel, theils sich auf Darstellung vonsinnlich-lüsternen Motiven, bes. aus der antikenMythologie, verlegte. Außerdem sind noch zunennen: Primaticcio, Sabattini, Timoteodella Vite, Giovanni da Udine. Schon nachder Mitte des 16. Jahrh. kommt die Schule ziem-lich in Verfall, e) Als Fortsetzung der Florentin-ischen Schule Leonardos kann die sog. Lombard-ische Schule betrachtet werden, welche, theils inMailand, theils in Parma sich concentrirend, eben-falls einen Gegensatz gegen die Venetianische Schulebildete, indem sie, unter Vernachlässigung der Zeich-nung, das Colorit auf eine besondere Weise be-handelte. Namentlich war es, außer Luini,Boltrasfio u. il Sodoma, vorzüglich der be-rühmte Meister des Helldunkels, Antonio Al-legri, genannt Correggio (1494—1534), derin seinen Werken die malerische Schönheit durchdie tiefe Harmonie der Tonstimmung zu einer zau-berhaften Wirkung erhob. Seine Schüler ver-fielen jedoch bald, wie Parmeggianino, Ron-dano und Gatti, ins Süßliche, oder, wie Ba-rocci, ins Barocke (daher der Name), oder end-

lich ins Eklektische, wie später Schidone u. Pro.caccini, die schon dem Ausgange der Periode an-gehören. k) Endlich ist noch die Schule von ^Bologna zu erwähnen, welche, von FrancescoFrancia begründet (1450 — 1517), eine gewisseVerwandtschaft mit der Umbrischen Schule zeigt.Zu ihren hervorragenden Meistern gehört derSchüler Francias, Timoteo della Vite, undJnnocenzio da Jmola, die sich später indessenan die Umbrische Schule u. namentlich an Rafaelanschlossen. 2) Im Anschluß an die italienische H. -ist zunächst die französische, sodann die span.ische H. zu erwähnen, a) Der erste nennens- !werthe Historienmaler Frankreichs, Roux deRoux, hatte sich bereits nach Michel Angelo ge-bildet. Er gehörte, der sog. Schule von Fontaine-bleau an, die durch den von Franz I. an den ^französischen Hof berufenen Leonardo da Vinci be-gründet worden war. An Roux schlossen sich anPrimaticcio (1504 — 70) und dessen Schüler.Einen etwas höheren und selbständigeren Auf-schwung nahm die Schule unter Heinrich II., der 'besonders Jean Cousin (1500 — 89) u. JeanGoujou (st. 1571) mit Ausmalung der königl.Schlösser beschäftigte. Zu einer besonderen Blüthegelangte jedoch die französische H. in dieser Pe-riode nicht, b) Spanien nimmt gegen die Mittedes 15. Jahrh. unter niederländischem Einflußeinen Anlauf auf Classicität, der jedoch durch denim 16. Jahrh. sich bemerkbar machenden Einflußder italienischen Malerei u. namentlich der Veue-tianischen Schule bald in eine vorwaltend coloriji-ische Tendenz sich verwandelte. Schon früh zeigtsich hier, bei großer Neigung für ein tiefes undkraftvolles Colorit, ein Vorwalten weißlicher undschwärzlicher Grundtönung, das sich bis aus Endedieser Periode erhält. Die Motive sind durchaustypisch-religiöser, oft ans Fanatische streifender Art. ^Als hervorragende Meister sind zu nennen: Louis ;de Morales, Louis de Vargas (1505 — 68),Coello (1515 — 90), Fernande; Navarrete(1526 — 79) u. A. Die eigentliche Hauptblütheder spanischen H. fällt erst in die folgende Periode.

3) In den Niederlanden hatten am Schluffeder vorigen Periode die Gebrüder Hubert undJan van Eyck den Grund zu einer höherenKuustblüthe der H. gelegt. Sie nehmen in dieserBeziehung eine ähnliche Stellung ein, wie Fiesolein der italienischen Malerei. Ihre hauptsächlich-sten Schüler, Rogier von Brügge u. MartinSchongauer zu Kolmar (um die Mitte des 15.Jahrh.), später Hans Memling in Brügge (uni1480) u. Rogier van derWeyden (um 1530),blieben derselben Richtung treu, die religiösen Mo-tive in einer delicaten Manier zu behandeln, welchegroße Innigkeit der Empfindung mit einem lie-benswürdigen u. naiven Naturalismus verband.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrh. gewann dieReformation einen wesentlichen und nachhaltige» IEinfluß auf die niederländische H., namentlich hm- .sichtlich der Wahl u. Auffassnngsweise der Motive;an die Stelle des Madonnencultus u. der Heili-genlegende traten theils biblisch-historische, theilsmythologisch-allegorische Sujets, welche in einermehr und mehr naturalistischen Weise behandeltwurden, die zuletzt völlig genrehast wurde u. da-