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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Historienmalerei. 339

durch der H. überhaupt ein Ende machte. An derStelle derselben begann jetzt das Genre, das Por-trait, die Landschaft und das Stillleben emporzn-blühen. Ein besonderer Zweig der Niederländ-ischen Schule, die Brab antische, trat in dererstenHälfte des 16. Jahrh. in den Vordergrund;als Hauptmeister gilt Quintin Messys, demsich Leonhard Orley u. A. anschlossen. Nebenihnen sind als bedeutende holländische Meister zunennen: Lucas von Leyden, Mabuse, Scho-reel, Heemskerk u. JanMostaert. Auch diemederrheinischen Meister sind hierher zu rechnen,namentlich Jan van Kalkar. Unter italienischemEinflüsse, der sich gegen das Ende der Periodemehr und mehr verstärkte, standen Martin deVos u. dessen Schüler, Heinrich van Balenu. Cornelius Cornelis. Es zeigte sich jenerEinfluß theils, hinsichtlich des Inhalts, in einerTendenz ans allegorische-mythologische Motive,theils, hinsichtlich der Technik, in dem Bestrebennach einer der Venerianischen Schule verwandtensinnlich-realistischen Coloristik. Eine gewisse Selb-ständigkeit bewahrten nur Franz Floris (1510bis 1570), Peter de Witte, Heinrich Goltzius,Benins u. einige Andere. 4) In Deutschlandbildet um die Mitte des 15. Jahrh. der oben-erwähnte Martin Schön (Schöngauer) das Ver-bindungsglied mit der niederländischen H. Ihmschließt sich zunächst aus der SchwäbischenSchule Hans Holbein d. Ä. in Augsburg an,während in der Fränkischen Schule, die durchMichael Wohlgemuth in Nürnberg (1434 bis1519) u. noch mehr durch seinen großen Schüler,Albrecht Dürer (1471 — 1528), zu hoher Ent-wickelung gebracht wird, eine weniger penible,vielmehr derbe und freie Behandlungsweise, ver-bunden indessen mit einem liebevollen Eingehenin die Natur, vorwaltet. Der Einfluß der Re-formation machte sich auch hier, namentlich in derWahl der Motive geltend; man wandte sich theilsder biblischen Historie, theils der mythologischenAllegorie zu, n. zwar in einer bei aller Realistikdoch sehr bemerkbaren Phantastik der compositio-nellen Gestaltung. Unter dem unmittelbaren Ein-flüsse Dürers, der nicht nur durch die tiefe In-nigkeit seiner Empfindung und die Größe seinesStils, sondern auch durch vielfache, selbst wissen-schaftliche Förderung der Technik (Anatomie undProportionslehre) sich große Verdienste um diedeutsche Kunst erworben hat, standenHans Burg-mair in Augsburg (1473 —1517) und Barth.Zeitblom in Ulm (1468 —1514). Vor Allemaber wurde der Schwäbischen Schule durch dengenialen Hans Holbein d. I. zu Basel (1498bis 1554), dem Meister der berühmten Todten-tänze, ein außerordentlicher Ansschwung verliehen,während die Fränkische Schule in den bedeutende-ren Schülern Dürers, namentlich Hans vonKulmbach, Aldegrever, Schänsfelin, diebeiden Beham, Glockendon, Altdorfer u. s. s.sortlebte. Diesen Schulen gegenüber bildete nuneine dritte, die Obersächsische, einen gewissenGegensatz, namentlich in dem Verwalten magererund in die Länge gezogener Formen; sie hat in-dessen nur einen bedeutenden Namen aufzuweisen,den durch Vater und Sohn repräsentirten Namen

Lucas Cranach, von denen der jüngere bis indas letzte Viertel des 16. Jahrh. hinabreicht. Mitdem Ende dieses Jahrhunderts verliert sich dieH. u die Malerei überhaupt in Deutschland, bissie erst nach länger als 100 Jahren, theils ineklektischer Weise, theils in Opposition gegen denUngeschmack der Zopfzeit, wieder zu einer gewissenBedeutung gelangt.

V. An der Nachblüthe der H., welche, gegendas Ende des 16. Jahrh. beginnend, bis zumSchluffe des 17. reicht, nehmen zunächst die Ita-liener n., im Anschlüsse an sie, die Franzosen, so-dann die Spanier u. die Holländer theil. 1 ) InItalien zeigt sich die Ernüchterung, welche mitjedem Verfall der Kunst verbunden ist, bes. in derWahl n. Behandlungsweise der Motive, da derinnere Schöpfungstrieb mit der erkaltenden Be-geisterung für die religiösen Ideen, welche in denalten Meistern zur Hervorbringung jener bewun-dernswürdigen erhabenen Werke geleitet hatte, ab-nahm, um einer mehr verständigen, handwerks-mäßigen und, was den Inhalt betrifft, doc-trinären Behandlungsweise Platz zu machen. Soentwickelte sich gegen das Ende des 16. Jahrh.jene, bes. durch die Carracci vertretene Richt-ung, welche man die akademische genannt hat.Als Schule concentrirte sich diese Richtung in Bo-logna, wo (um 1600) die drei Carracci: Lu-dovico mit seinen beiden Neffen Agostino undAnnibale, als eigentliches Ziel aller historischenComposition die Stilreinheit auf der Basis desStudiums der Antike proklamirten. Der Inhaltwar damit völlig freigegeben; es handelte sich nurnoch um eine Verwerthung der hervorragendstenEigenschaften der Meister aller Schulen; ein Stre-ben, das zu einer Verwischung der sonstigen Schul-differenzen u. schließlich zu einem mehr od. weni-ger geistlosen Eklekticismus, anderseits, wo die Na-tur zum maßgebenden Vorbilde genommen wurde,zu einem nicht minder geistlosen Naturalismusführte. In ersterer Richtung sind namentlichGuido Reni (1575 —1642) mit seinen zahlrei-chen Schülern: Francesco Albani, Domeni-chino, Guercino da Cento, Lanfranco,Sassoferrato u. A., zu erwähnen; eine beson-dere süßliche Richtung schlug Carlo Dolce mitseiner Tochter Agnese ein. Die zweite, natural-istische Richtung entwickelte sich zunächst aus einerOpposition gegen die mit jedem Eklekticismusnothwendig verbundene Charakterlosigkeit, die sichauf eine bloß äußerliche Auswahl u. Combinationtechnischer Vorzüge, beschränkte n. dabei die innereNothwendigkeit der natürlichen Gestaltung aus denAngen verlor. Indem aber der Naturalismusgerade auf den letzten Punkt sein Hauptaugenmerkrichtete, verfiel er seinerseits in Gewaltsamkeit u.Geschmacklosigkeit, die ihrerseits mit jeder einseiti-gen Natnrnachahmung verbunden ist. Haupt die-ser gleichzeitig mit Leu Carraccis entstehendenRichtung ist Caravaggio (Michel Angelo Ame-righi); ihm folgten Simon Vouet ans Paris,Carlo Saraceno, besond. aber Ribera, gen.Spagnoletto, aus Valencia, welcher in Neapel einezahlreiche Schule bildete, Jacques Courtois,Salvator Rosa, Fiamingo, Rusconi u. A.,welche sämmtlich der Mitte des 17. Jahrh. ange-

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