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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
27
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Harnstoff — Harntreibende Mittel. 27

der erwähnten Substanzen einen Harnstein, u. dieeinzelnen Substanzen bilden dann Schichten, welche- concentrifch auf einander folgen u. auf dein Quer-schnitt verschiedene, oft sehr zierlich gefärbte Zeich-nungen Larstellen. Meist bilden dabei die Urateden Kern, hie Phosphate die äußeren Schichten,oder zwischen den Uraten sind Oxalate abgelagert(gemischte H.). Außerdem enthalten alle H. Wasseru. eine größere od. geringere Menge organischerBestandtheile, welche die Salze gleichsam mit einan-der verkitten und das Schrumpfen der H. beimAustrocknen bedingen. — Über die Erscheinungen,welche H. in den Nieren Hervorrufen s. Nieren-steine und Nicrensteinkoliken. In der Harnblaseliegen die H. meistens im weitesten Theile der-selben, seltener im Harnblasenhals, u. sind entwederfrei u. beweglich, so daß sie bei jeder Änderungder Körperstellung auch ihre Lage verändern, besonders die glatten und runden Steine, oder sieliegen in Falten u. Ausbuchtungen (Divertikeln,s. d.) der Harnblasenwandung mehr od. wenigerfest eingeschlossen. Die rauhen u. zackigen Steineerregen eine Entzündung der Blase, die beweg-lichen verstopfen nicht selten beim Harnlassen dieHarnröhre u. bedingen eine plötzliche Unterbrech-ung des Harnstrahls; durch Druck auf die Ein-mündungsstellen der Harnleiter hindern sie denAbfluß des Harns aus den Nieren in die Blase,bedingen dadurch Ausdehnung der Harnleiter u.der Nieren (Hydronephrose), die häufig hohe Gradeerreicht. Die Haupterscheinungcn der H. in derHarnblase find das Gefühl eines fremden Körpersin der Blase, der seine Stellung ändert u. Stör-ungen in der Harnentleerung, oft plötzliche Unter-brechung des Harnstrahls, verursacht; oft könnendie Patienten nur in ganz eigenthümlichen Stell-ungen, die sie selbst sich heraussuchen müssen, ihrenHarnlassen; ferner Abgang eines trüben, blutigenoder eiterigen Harns, bes. nach starken Körper-erschüttcrungen (Fall, Fahren in stark schüttelndemWagen, Reiten), Schmerzen beim Harnlassen undoft auch beim Stuhlgang, die häufig bis in dieEichel ausstrahlen u. die Kinder zum fortwähren-den Ziehen an der Vorhaut veranlassen; zuweilenausstrahlende Schmerzen in die Hoden, Schenkelu. die Nierengegend; heftiger, schmerzhafter Harn-drang (Dysurie, in schweren Fällen Strangurie),krankhafte Zusammenschnürung des Afters rc. Dochalle diese Erscheinungen geben keine vollständigeSicherheit über das Vorhandensein oder Nichtvor-handensein eines Harnsteins, die erhält man nurdurch die Untersuchung mit der Steinsonde u. durchden Nachweis des Abganges der Steine mit demHarn. Diese Erscheinungen nehmen mit der Dauerdes Leidens allmählich an Stärke zu, selten daßinfolge einer Auflösung der H. dieselben Nachlassenn. vollständige Heilung eintritt. Werden die H.nicht rechtzeitig entfernt, so gehen die Kranken inder Regel an den Folgen der Blasenentzündnngund der gewöhnlich sich hinzugesellenden Nieren-erkrankungen zu Grunde. Bis jetzt ist kein Mittelbekannt, welches, innerlich genommen oder in dieBlase eingcspritzt, den Stein in derselben zur Ver-kleinerung oder Auflösung brachte, es bleibt alsonur die Entfernung der Steine durch eine Opera-tion möglich; kleinere Steine können, besonders

bei Frauen, häufig ganz durch die Harnröhremittels eigener Instrumente aus der Blase ent-fernt werden; bei größeren Steinen bleiben abernur zwei Möglichkeiten, entweder (auf unblutigemWege) Zertrümmerung des Steines in der Blase(Lithotripsie) u. Entfernung der Trümmer durchdie Harnröhre mir eigens dazu construirtcn In-strumenten (Lithotriptoren) oder (auf blutigemWege) Entfernung des Steins ans der Blase nachEröffnung derselben durch den Steinschnitt (s. d.).Bei allen Steinkranken ist aber ferner eine zweck-mäßige Lebensweise unumgänglich nöthig: eineausschließliche oder starke Fleischkost, der Genußstarker Biere u. Weine, überhaupt aller Spirituosenistznvermeiden; anzurathen leichtes, weißes Fleisch,fleißiges Wassertrinken, regelmäßige Körperbeweg-ung im Freien; von großem Nutzen, besonders beider von verschiedenen Seiten behaupteten erblichenAnlage zu H-n, und bei Abgang von Harngriesu. kleineren Steinen ist der Gebrauch kohlensaurererAlkalien, besonders der diese enthaltenden Mineral-wässer wie Karlsbad, Wildlingen, Teplitz, Salz-brunn rc. E. B-r„s.

Harnstoff, Carbamid, Carboxyldiamin,findet sich im Harn aller Thiere, namentlich derSäugethiere. Auch in anderen thierischcn Flüssig-keiten, wie im Fruchtwasser, im Blute, in derGlasfeuchtigkeit des Auges der Säugethiere, imSchweiße ist er gefunden worden, wiewol nur ingeringer Menge. Er wurde 1773 im Harn ent-deckt u. 1828 durch Wühler synthetisch dargestellt.Im Thierkörper bildet er sich durch die regressiveMetamorphose stickstoffhaltiger Gewebebestandtheileoder durch Zersetzung stickstoffhaltiger Nahrung u.wird durch die Nieren aus- dem Blute abgeschie-den. Bei gestörter Nierensecretion häuft er sichim Blute und in allen Körperflüssigkciten an (Urä-mie). Man stellt ihn aus dem Harn, sowie aufversch. Wegen künstlich dar, namentlich synthetischaus schweselsaurem Ammon u. cyansaurem Kali.Der H. krystallisirt in weißen, vierseitigen Prismen,bei gestörter od. zu rascher Krystallisation in feinen,weißen Nadeln. Er ist geruchlos, schmeckt bitter;löslich in Wasser u. Alkohol, unlöslich in Äther.Schmelzpunkt 120° 0. Er geht mit Säuren,Basen und Salzen Verbindungen ein. WichtigeZersetzungen des H-s sind: 1) die Zersetzung durchGährung (s. d. 8); 2) starke Mineralsäuren unddie Hydrate der Alkalien verwandeln ihn unterAufnahme von Wasser in kohlensaures Ammon(OÜ^zO-l-llllLO—(MllzszLOg); 3) salpetrige

Säure zerlegt den H. in Wasser, Stickstoff, Kohlen-säure (08^0-1-^O^—OOz -i- 48 -i- 282O); Chlorin Stickstoff, Kohlensäure und Salzsäure; 4) wirder über 100° 0. erhitzt, so entweicht Ammoniak;beim Erhitzen auf 150—160" 6. bleiben im Rück-stände Binret, Ammelid u. Cyannrsäure, bei nochstärkerem Erhitzen entsteht Cyansänre. Cyansäuremit Methylamin, Aelhylamin rc. statt mit Ammo-niak znsammengebracht, liefert die sog. zusammen-gesetzten oder copulirten H-e, d. h. solche, in denender Wasserstoff zum Theil durch Alkoholradicalevertreten ist. In ihren Eigenschaften sind sie demgewöhnlichen H. sehr ähnlich. Mit dem H. in naherBeziehung steht das Binret (s. d ). Broglie.

Harntreibende Mittel (Oiurstisn), Mittel,