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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
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Harnblascnnervcn Harnisch. 23

z. B. bei einer Überausdehnung der Blase, so istauch die Harnblasenlähmung heilbar; nament-lich ist in solchen Fällen eine häufige Entleerung derBlass durch den Katheter vorzunehmen u. ist derKatheter das beste Anregungsmittel der Blase zurZnsainmenziehung. Wo Rückenmarksschwindsucht,Geisteskrankheit, allgemeine Paralyse rc. vorhandenist, kann auf eine Beseitigung des Übels nicht gehofftwerden u. beschränkt sich der Arzt in solchen Fällenaus die häufige Anwendung des Katheters, umgrößere Harnansammlungen u. deren Folgen (s.Harnvergiftung) zu verhindern. 7) Die Harn-blasenpolypen bilden schmale, verzweigte, biseinen Zoll lauge Zotten, welche aus einer Schleim-hautstelle der Harnblase emporwuchern u. in ihren:Innern eine weite Blutgefäßschlinge haben. Siesind nicht zu verwechseln mit dem bisweilen in derHarnblase vorkommenden Zottenkrebse, welcher zuden bösartigen Neubildungen der Harnblase ge-hört. Auch die Blascnpolypen (papillärenFibrome),veranlassen wie die Zottenkrebse copiöse Blasen-blutungen u. erschöpfen leicht Len Kranken. DieErkennung geschieht durch die mikroskopische Unter-suchung mit dem Urin ausgeschwemmterkleiner Parti-kelchen der Neubildung. Die Behandlung erstrecktsich auf Stillung der Blutungen durch Eiswassercom-pressen u. zusammenziehende Einspritzungen in dieHarnblase. 8) Harnblasensteine s. Harnsteine. 9)Die Harnblasenunempfindlichkeit, Anacst-hesie der Blase, nächtliches Bettpissen (Lnu-rssis nocturna). Diese am häufigsten bei Kindernvom 8.12. Lebensjahre vorkommende Krankheit,die nicht zu verwechseln ist mit der allerdings auchin diesem Alter vorkommenden Nachlässigkeit, bestehtin einer Unempfänglichkeit der Blase aus Reize u. isteine Nervenkrankheit. Der Kranke fühlt den Reizdes augesammelteu Urins nicht od. wenigstens nichtso deutlich, daß er davon vom Schlafe auswacht.Gleichzeitig Pflegt aber auch eine Schwäche desSchließmuskels der Blase zu bestehen, sodaß der-selbe schon bei einem geringen Urindrucke in derBlase nachgibt u. die Blase sich öffnet. Die Ent-leerung des Urins erfolgt häufig schon wenigeStunden nach dem Zubettegehen. Die Krankheitverschwindet in der Regel im 14.15. Jahre vonselbst, nur wenige Kranke bleiben auch weiterhinBettpisser. Die Behandlung besteht vorzugsweisein der häufigen Einführung des Katheters, La durchdiesen ein günstig wirkender Reiz aus die Blaseausgeübt u. auch der Schließmuskel zu kräftigererZusammenziehuug angeregt wird. Zugleich ist da-für zu sorgen, daß die Blase vor dem Zubettegehengehörig entleert wird, daß der Kranke ca. 2 Stun-den vor dem Schlafengehen nichts trinkt, daß erwennmöglich nach einigen Stunden zur Urinent-leerung geweckt wird. In der kstux, vomioa be-sitzen wir außerdem ein Mittel, in vielen Fällenwirksam gegen das nächtliche Bettpissen entschreitenzu können. Kunze.

Harnblasennerven, s. Harnorgane.Harnblasenspaltung, Harnblasenvorfall(Invorai.» s. l?rokap8U3 vsoicas), seltener Bild»uugsschler, wobei die Harnblase vorn gespalten u.die Schobknochenverbindiiitg unvollkommen ge-schlossen ist. Über derselben zeigt sich die innereFläche der Harnblase als eine Platte, röthliche,

weiche, halbkugelige, immer feuchte Geschwulst, auderen unterem Ende die Mündungen der Harnleiterimmerfort Harn auslräuseln. Die Behandlungderselben ist eine sehr mißliche u. meist erfolglose,meist wird man sich darauf beschränken müssen, denHarn in einem passend angebrachtem Gefäße aus-zufangen.

Harnblasensteine, s. u. Harnsteine.

Harnblasenstich (ünnetio vsoioao), in hart-näckigen Fällen von Harnverhaltung das einzigeMittel zur Entleerung des Harns. Der Harnwird durch einen eiiigestoßenen Troicar entleert.

Harnett, County im Nordamerika!!. Uuionsst.NCarolina, 35° n. Br. u. 78° w. L.; 8895 Ew.Countysitz: Summerville.

Harnfistel, eine widernatürliche Verbindungzwischen einzelnen Theilen der Harnwege, besoud.der Harnblase od. der Harnröhre, u. der äußerenHaut oder einem benachbarten Schleimhantsystem,z. B. der Scheide beim Weibe, durch welche derHarn beständig nach außen abfließt. Stets sind essehr lästige, ekelhafte Leiden, deren Heilung oft aussehr große, ja unüberwindliche Schwierigkeiten stößt.

Harngeist, gefaulter u. destillirter Harn. Er istsehr reich au Ammon u. wird zur Fabrikationvon dessen Salzen in der Dllugerfabrikation benutzt.

Harngries, s. Gries.

Hornhaut (Anat., so v. w. Allautois,Bd. I-, S. 440.

Harninfiltration, Erguß von Harn aus denHarnorgauen, u. zwar besoud. aus den Nieren-becken, der Harnblase u. der Harnröhre in um-gebende Gewebe infolge von Verletzungen durchSchnitt, Quetschung oder Durchbohrung vonSteinen. Am häufigsten ist die H. am Mittel-fleische bei Fisteln der Harnröhre u. beim Stein-schnitte u. gehört zu den unangenehmsten Vor-kommnissen.

Harnisch) (Panzer, Küraß), derjenige Theil derin früheren Zeiten üblichen Rüstung, welcher denOberkörper gegen Hieb u. Stich schützen sollte.

Harnisch, Christian Wilhelm, bedeutenderPädagog, geb. 28. August 1787 zu Wilsna imBraudenburgischeu; stndirte seit 1806 in Halle u.Frankfurt a. O., wurde 1812 erster Lehrer amSchullehrerseminar in Breslau u. 1822 Directordes Seminars in Weißenfels; machte sich dortum Hebung des Volksschulwesens verdient u. wurde1842 Pfarrer zu Elbei bei Magdeburg; späteremeritirt st. er 15. Aug. 1864 in Berlin. Er schr.:Die deutschen Volksschulen, Berl. 1S12; Der Schul-rath an der Oder, Bresl. 1814; Ünterricht inder deutschen Sprache, Berlin 1818, 4 Bde.;Darstellung und Beurtheilung des Bell-Laucaster-Schulwesens, ebd. 1819; Das Turnen, ebd.1819; Schlesien, ebd. 1820; Geschichte des Turn-wesens, ebd. 1820; Handbuch für das deutscheVolks-schulwesen, Lpz. 1820, 3. Ausl. 1839; Land- u.Seereisen für die Jugend, ebd. 182132,16 Bde.;Die Raumlehre, Bresl. 1822, 2. Aust. 1837;Der Himmelsgarteu, ebd. 1824 n. Aust. 1839;Das preußischeSachsenlanL, Weißens. 1827, 2Bde.;Die deutsche Bürgerschule, Halle 1830; Anweisungzum deutschen Sprachunterricht, Bresl. 1831;Vollständiger Unterricht im evang. Christenthum,Halle 1831, 2 Bde.; Entwürfe u. Stoffe zu Unter-