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Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
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Harnblasenkrankheiten.

thce; beim Blasenkatarrh durch den Genuß leichtgährender Getrünke in Darreichung von Soda- od.besser Wildunger Wasser. Sind die Schmerzen auchnicht sehr heftig, so ist ärztliche Behandlung dochnöthig. Bildet sich eine starke Ansammlung von Urinin der Blase, so ist unverzüglich der Urin niit demKatheter zu entleeren u. die Entleerung so oft vor-znnehmen, als die ausgedehnte Blase fühlbar wird.Geschieht dies nicht, so kann es zum Platzen derBlase u. Erguß des Urins in die Bauchhöhle od.zu Vergiftung durch Wiederaufnahme des (zersetz-ten) Harns in die Blutmasse kommen, zwei Even-tualitäten, die immer den Ansgang in den Todnehmen, b) Der chronische Harnblasenka-tarrh ist eine ebenso häufige Krankheit wie deracute u. ein äußerst hartnäckiges Übel. Er ent-steht am häufigsten durch Vernachlässigung desacuten Katarrhs, durch Fortpflanzung eines chron-ischen Harnröhrenlrippers auf die Blasenschleim-haut, durch Harnstauungen in der Blase bei Harn-röhrenverengerungen u. durch den Reiz von Stei-nen in der Harnblase. Man findet die Schleim-haut schiefergran u. zwar meist insulär, die Blasen-wäudemehr od. weniger erheblich verdickt, die Blasen-höhle verkleinert od. die Blasenwände verdünnt u.die Blasenhöhle erweitert, in der Schleimhaut nichtselten Geschwüre u. zottenartige Wucherungen anden Geschwürsräudern, der Inhalt der Blase be-steht aus einer gallertartigen od. höchst übelriechen-den eitrigen Masse. Sehr häufig ist zugleich dieVorsteherdrüse angeichwollen, verdickt u. verhärtet.Die Erscheinungen des chron. Harnblasenkatarrh be-stehen in einem unangenehmen, des. nach dem Genußvon Bier u. anderen alkohol. Getränken bemerk-baren Druck in der Blasengegend mit mäßigemHarndrang; der Urin wird meist unvollständigentleert u. stauet sich gern in der Blase an. SeineEntleerung ist mühsam, seine Reaction in schlim-meren Fällen alkalisch. Im letzteren Falle ver-breitet er einen pestilenzialischen Gestank, im er-steren ist er entweder noch schwach sauer od. neu-tral. Läßt man den Urin im Nachtgeschirre stehen,so senkt sich alsbald ein mehlartiger, weißlicher,gelatinöser Niederschlag zu Boden, der ans Eiteru. Epithelzellen der Blase besteht. Sind Geschwürein der Blase vorhanden, so enthält der Urin Blut-spuren, ja selbst größere Mengen Blut. Die Krank-heit kann sich viele Jahrehinziehen u.beiVerschwär-ung der Blase selbst zum Tode führen; bei sorgfält-iger Kur kann Genesung erfolgen. Zu einer solchengehört aber vor Allem eine wohlangepaßte Diät.Der Kranke muß sich absolut aller alkoholischenGetränke enthalten, diesalzigenu.gewürztenSpeisen,ja selbst eine zu reichliche Fleischkost meiden, daletztere den Urin zu stark harnstoffhaltig macht,stets eine sehr warme Kleidung, am besten einewollene Binde um den Unterleib, tragen rc. AlsGetränk benutze er Wildunger, Biliner oder Sel-terswasser. Eine recht gute Wirkung hat der kur-mäßige Gebrauch des Wildunger Wassers in Wil-dungen selbst. Die weitere Behandlung dieserKrankheit ist Sachs des Arztes. 4) Der Har'n-blasenkrampf s. unter Blasenkrampf. 5) DerHarnblascnkrebs (Oaroinoma, vssicas). Erist in den meisten Fällen eine Fortsetzung vonKrebs eines Nachbarorgans, besonders des Mast-

darms u. der Gebärmutter, nur selten nimmt enseinen Ursprung von der Blase selbst. Die Er-scheinungen bestehen in häufigen u. copiösen Blut-ungen aus der Harnblase u. in dein Eintritt jenerfahlen Gesichtsfarbe, die dem Krebskranken eigen-thümlich ist. Bei der Untersuchung durch den»Mastdarm und die Scheide fühlt man leicht diekrebsige Verwachsung dieser Organe mit der Blase,während der primär in der Blase entstandene u.meist aus langen Zotten bestehende Krebs sich'nicht selten durch Anwesenheit von Zottenpartikelchenim Urine mit Bestimmtheit erkennen läßt. DerHarnblasenkrebs ist unheilbar. Dem Arzte bleibtnichts übrig, als Schmerzen durch Opium, Blut-ungen durch Eiswassercompressen auf die Blasen-gegend zu mildern n. den Kräftezustand des Kran-ken durch eine möglichst nahrhafte Kost zu unter-stützen. 6) Die Harnblasenlähmung (Ineon-tinsutia nrinns und Isoirnrin xarahckioa). DieHarnblase ist ein muskulöses Organ. Ist dieselbeleer, so findet man die Muskelfasern zusammen-gezogen, die Blasenwand bis 1 cm verdickt, dieBlasenhöhle bis auf ein Minimum verschwunden;bei der Anfüllung dehnt sich die Blase aus undbildet eine Höhle, die Vzb^z^^ssen im Standeist. Sind die Muskelfasern gelähmt, so findet keineZusammenziehung der Blase statt, der Urin häuftsich demzufolge in der Blase an (Harnverhaltung),n. bildet die letztere nicht selten eine kolossale rundeharte Geschwulst im Unterleibs. Da selten auch dasGefühl in der Blaseumusknlatur verloren gegan-gen ist, so haben in solchen Fällen die Krankenhäufig keine Ahnung von der enormen Urinan-sammlung in ihrer Blase. Bisweilen sind nurdie Kreisfasern, die um den Eingang der Blasecirculär verlaufen u. den Schließmuskel der Blasebilden, gelähmt, während die übrigen Muskelfa-sern, die des Blasenkörpers selbst, sich noch normalzusammenziehen. In einem solchen Falle fließt derUrin fortwährend abtröpfelnd ab, ein Zustand, denman häufig bei alten Leuten antrifft. Die Ur-sachen der Harnblasenlähmung liegen theils inallgemeiner Lähmung, wie sie in hohem Aller, inschweren Krankheiten und bei manchen Hirn- und-Rückenmarkskrankheiten (z.B NUckenmarksjchwind-sucht) beobachtet wird, theils sind sie rein localerNatur. So entsteht die Harnblasenlähmnng im letz-teren Falle nicht selten plötzlich durch zu langes An-halten desUrins beiSpielern, Gelehrten, bciFranewin Kaffegesellschaften u. in genirlen Verhältnissen.Bisweilen liegt ein organ. Blasenleiden (chron. Ka-tarrh, Blasensteine rc.) zu Grunde. Die Erkennungder Krankheit ist leicht. Den Patienten wird esschwer, den Urin aus der Blase zu pressen n. müssensie zu diesem Behufs stark drängen gleichwol er-folgt die Entleerung nicht in kräftigem Strahle;bei höheren Graden der Krankheit tröpfelt der Harnfortwährend ab, besudelt die Wäsche u. sind solcheKranke schon durch den urinösen Geruch ihrerBeinkleider rc. kenntlich. Untersucht man die Blasemit dem Katheter, so findet sich stets, daß sich dieBlase niemals vollständig entleert und fließt ausdem eingefuhrten Katheter stets noch eine mehr od.minder große Menge Urin ab. Die Heilbarkeitrichtet sich nach den zu Grunde liegenden Ursachen.Sind diese nur örtliche n. lassen sie sich beseitigen,