13
Hänngr'.
der Größe, Fangzeit und Entwickelung des H-sunterscheidet man verschiedene Sorten. Die Hol-länder nennen die noch nicht geschlechtsrcifen, dieerst im Sommer laichen werden, Matjes (Mäd-chen- oder Jungsern-H.), die mit vollem Rogenu. Milch versehenen Voll-H., u. die, welche be-reits gelaicht haben, Hohl-H. (Schoten, Ihlen).Die Richtung, welche die zum Laichen kommendenH. ihren Zügen geben, ist nicht alle Jahre gleich.An schönen Tagen gehen sie so nahe an die Ober-fläche des Wassers, daß der dichte Zug einen Sil-berschimmer auf demselben veranlaßt; wo sie tiefergehen, verräth sie das durch losgelöste Schuppengetrübte Wasser. Außerdem schweben den ganzenTag Möven n. andere Schwimmvögel als Feindeüber ihnen. Des Nachts erkennt sie der Fischeran dem sog. H-sblick, welcher dadurch entsteht,daß sich die H. während des Schwimmens ausdie Seite legen. Die H-sfischerei wird von denEngländern, Norwegern, Schweden, Dänen, Fran-zosen, Hanseaten n. Holländern in der Nord- n.Ostsee betrieben. Nachdem die Fahrzeuge (H-s-buisen, die kleinen Schlabber) die Häfen verlassenhaben, finden sie sich Ende Juni an den Shet-ländijchen u. Orkadischen Inseln ein, dürfen aber(wenigstens die Holländer) nicht eher als den 25.Juni das Netz auswerfen. Dieses ist mit klei-nen Tonnen versehen, von gutem Hanf odervon grober gelber persischer Seide gefertigt und,um die H. nicht durch die Helle Farbe zu ver-scheuchen, braun geräuchert. Die Maschen sindbei den Holländern von einer vorgeschriebenenGröße, damit sie die jungen, kleinen H- dnrch-lasseu; andere Rationen befolgen dies nicht, son-dern treiben vollständige Raubwirthschast. DasNetz wird Abends ansgeworfen u. gegen Morgenmit den gefangenen H-n in das Schiss gezogen.Ein Zug liefert häufig 4—1H Mill. H. Sogleichnach dem ersten Fange werden die meisten H.ausgesucht, in Tonnen gepackt und durch eigeneJachten (H-sjägers, Windjägers) nach Holland u.den NKüsteu gesendet; daher heißen dieselben auchJacht-H. (unrichtig Jagd-H.); sie werden zu Landeversendet, sonst mit der Post (Post-H., auch weilsie meist zu Präsenten dienen, Präsent-H.). DerAusschuß der H. heißt H-swrack und der nochschlechtere H-swrackwrack; die schon etwas faulgewordenen H. heißen Stank-H. Früher hieltman die H., in deren Magen sich ein röthlicherStoff zeigte, für krank u. ihren Genuß für schäd-lich; jetzt weiß man, daß dieser röthliche Stoffnur aus den Resten der gefressenen krebsartigenThiere besteht. Zn Ehren Benkelsons (s. d.), derdas Einsalzen der H. verbesserte, soll das Ein-salzen Bökeln (Pökeln) od. Einbökeln n. rothgesalzene H. Bötlinge (Bücklinge) genanni wor-den sein. Das Entsalzen der H. geschieht entwe-der sogleich auf dem Schiffe, od. auf dem Lande.Zuerst werden den H-n die Eingeweide u. Kiemenherausgenommen; dann werden sie in eine starkeLake von Boyscilz gelegt und in eichene Tonnengepackt. Da bei einem reichlichen Fange nichtZeit genug ist, alle H. sogleich einzusalzen u. eiu-zupackeu, so muß ein Theil 2 Nächte an der Luftoder in der Lake liegen bleiben (H. von 2 Näch-ten); die besseren (H. von einer Nacht) werden
sogleich behandelt. Diese Art einznbökeln nenntman das weiße Einsalzen; die zu Bücklingen(s. d.) bestimmten H. werden roth eingesalzeu,d. h. über 2 Nächte in der Salzlake liegen ge-lassen. Die eingesalzenen H. werden in besondereH-stvnneu verpackt. Unsorlirte Waare in ersterVerpackung nennt man Scepack, sortirte u. amt-lich gestempelte Brand-H.; das auf diesen einge-brannte Zeichen, wodurch 3 verschiedene Haupt-qualitäten bezeichnet werden, heißt H-szeschen,die H. selbst Brand-H. Man unterscheidet bei letzt-eren: Bartholomäi-Brand (Keulscher, Köln-ischer Brand, weil sie bes. nach Köln geschickt wur-den), Jacobi-, Kruis- (Crncis-, Kreuz-) Brand,nach den Tagen oder der Zeit gezeichnet, wo siegefangen sind. Diese Prüfung und Stempelungwurde in Holland bis 1857 von amtlichen Probir-meistern vorgenommen u. wird auch heute noch, wiein England, durch Regiernngscommissare ausge-führt, wenn der Verkäufer dafür bezahlt.
Die H-sstscherei wird schon seit etwa 700 Jah-ren betrieben; sie findet bes. an den großbritann-ischen, dänischen, norwegischen und go,ländischenKüsten, sowie in der Nord- u. Ostsee statt. DieFischer verkaufen die H. roh an die Kaufleule,welche das Einsalzen für eigene Rechnung besor-gen. Nach Wittmack betrug die Einfuhr von H-nins Deutsche Reich
1»'.9
Tonn.
16",
Tonn.
Tonn.
Ln.iLnn.
Davon ausden 'Niederlanden
651966
559165
554412,691L6o..?78r23
25323
46686
38112
!
52603« 67976
Bremen .
5586
3321
3964
603l! 6677
Hamburg.
61654
68634
67663
86076-102045
der Nordsee
65183
43387
51308
5l3i0 6265.S
der Ostsee
476091
386782
375088
484538,523484123 > 230
Dänemark
24
6
522
Belgien .
1051
2331
5404
45661 3334
Gesammtwerth 187S: L8,<iS0,0»v Ll.
Die Ausfuhr aus dem Deutschen Reich:
Davon nach
5534
15456
11413
4273
6453
Russland u. Polen .
2149
1331
529
902
1083
Oesterreich
2537
7196
821
2118
2275
Frankreich
49
2309
3874
71
41
aus der Ostsee.
373
3817
5352
439
Gesammtwerth 1873: LS:
,200 LI.
Holland betrieb früher sehr bedeutenden H-s-fang u. Hane die Blüthe seines H-shaudclS ' derguten Methode des Einsalzens, Soriirens n. derVerpackung zu danken. Die höchste Blüthe scheint^er holländische H-shandel im l?.Jahrh. erreichtzu haben. Seit aber die holländischen Fischernicht näher an Großbritanniens Küsten als l.0 Mfischen dürfen u. viele andere Nationen ihnen Äo-brnch thnn, sank der Erwerb des Landes, ,-.-,ol°land beschäftigt jetzt kaum noch 5000 Münchenmit dein H-ssange, welche nur noch einen Ertragvon SH Mill. LI erzielen. In Frankreich sendenbei. Dieppe, Bonlogne, Granville und HonfleurFahrzeuge auf Len H-sfang aus, doch ist auchhier der Ertrag bedeutend gesunken. Von Lenirischen, schottischen u. deutschen Gewässern kehrenjährlich nur noch etwa 1000 Schiffe mit H-n be-laden zurück. Der Sardiuenfang allein beschäftigt1400 Schaluppen. Belgiens H-sfischerei ist unbe-deutend, indem es etwa 3 Buisen nach der Nord-see und 7 kleinere Fahrzeuge nach der schottischen