Druckschrift 
Bd. 10 (1877) Hansen - Jokuhama
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

7

Hardenberg.

selbst berufen, die Leitung aller fränkischen aus-wärtigen, Hoheits- u. öffentlichen Angelegenheiten,so wie der Lehnssachcn, u. 1800 wurde er Chefres magdcburg-halberstädtischen u. dann Chef deswestfälischen Departements u. des von Neufchatclu. Curator der Kunst- u. Bauakademie. Als GrafHaugwitz sich zurückzog, trat H. 1803 provisorischan dessen Stelle, bewirkte die Anschließnng despreuß. Cabinets an England, ohne indessen ansder strengen Neutralität herauszulreten, u. nahm1804, nachdem Haugwitz seinen Abschied genommenhatte, definitiv dessen Posten ein. Indessen nach derdurch Hangwitz in Wien 15. Decür. 1805 abge-schlossenen Convention zwischen Prcnsten u. Napo-leon u. den sich daran kuüpsenden, Preußen zur Ruheverurtheilcndcn Abmachungen überließ H. seineStelle wieder an Hängwitz u. trat in seinen vorigenPostent, als Chef des magdeburg-halbcrstädtischcnDepartements, zurück. 1806 nahm H. an denCharlottenburger Verhandlungen theil, die deinKriege von 1806 vorausgingen, und nach derSchlacht bei Jena folgte er dem König nachPreußen, übernahm auf Wunsch des Zaaren Alex-ander 1807 vom General Zastrow Las Portefeuilledes Auswärtigen, bat indessen nach dem Friedenvon Tilsit schon um seine Entlassung, lebte eineZeit lang an der russischen Grenze u. später aufseinem Gute bei Berlin. 1810 ernannte ihn derKönig, nach Steins Rücktritt, zum Staatskanzler,als welcher er nur nothgcdrnngen bis 1813 indas französische System einging, dann aber wäh-rend des Krieges von 1813 n. 14 den AufschwungPreußens in hohem Grade beförderte. Er Unter-zeichnete für Preußen den Frieden von Paris, n.hier noch erhob ihn 3. Juni 1814 Friedrich Wil-helm III. in den Fürstenstand, nach dem Rechteder Erstgeburt (während die anderen Glieder derFamilie Len gräflichen Titel führen sollten), unddotirte ihn mit der ehemaligen Connhurei Liehenu. dem Amte Quilitz, unter dem Namen Nen-hardenberg. H. ging nun mit den 3 Monarchennach London, wirkte höchst thätig beim Congreßin Wien, wo seiner Standhaftigkeit zu dankenwar, daß Preußen an Gebiet u. Volkszahl mehr,als es verloren hatte, wieder erhielt, n. an denVerträgen zu Paris 1815. 1817 wurde er Prä-sident des Staatsraths, den er, so wie das Ab-gabesystem u. das Staatsarchivwesen organisirtc,nahm dann an den Congressen zu Aachen, Troppau,Laibach u. Verona theil, so wie an den Ministerial-conserenzen zu Karlsbad u. Wien, machte nachdem Congreß von Verona eine Reise durch Nord-italien u. st. 26. Nov. 1822 in Genna. SeineBüste ließ der König 1824 im Staatsrathe auf-stellen. Er hinterließ Memoiren seiner Zeit von1801 bis znm Tilsiter Frieden, die er vor seinemTode im Mannscript dem Staatsrath Schöll über-gab n. welche der König, mit dem Siegel ver-schlossen, im Staatsarchiv niedcrlegen ließ u. erst1850 zu eröffnen befahl: heransgeg. unter dem TitelDenkwürdigkeiten des Fürsten H., von L. v. Ranke,Lpz. 1877. Die LIsm. ck'nn iromms ä'stat, Paris1828, 4 Bde., deutsch von F. A. Rüder, Lpz. 1828,2 Bde., welche sich das Ansehen gaben, als wärensie von H., haben wahrscheinlich Alphons vonBeauchamp zum Verfasser. Vgl. Klose, Leben

Karl Augusts, Fürsten von H., Halle 1851.Ans der Freiherrlichen Linie von Mederstedt inSachsen, begütert in den Herzogthümern Sachsen-Altenburg u. Sachsen-Meiningen (Schlöben, Rabis,Möckern n. Lichienhain) u. in der Provinz Sachsen(Obcr-Wicdcrstedt), stammt 3) Friedr. Ludw.Freiherr von, psendon. Novalis, geb. 2.Mai1772 zu Wiederstedt im Mansfeldischcn, erhieltvon seinen der Brüdergemeinde angehörigen Elterneine sorgfältige Erziehung, besuchte 1789 dasGymnasium in Eisleben, 1790 die UniversitätJena, wo er unter Fichte Philosophie studirtcu. durch Fr. Schlegel mit jenen jungen Männernbekannt wurde, die später den romantischen Dichter-bnnd schlossen. Er stndirte 1792 zu Leipzig und1793 zu Wittenberg die Rechte, worauf er inTennstädt (Thüringen) Beschäftigung fand. Imnahegelegenen Grüningen verlobte er sich mit dervon ihm besungenen reizvollen 13jährigen Sophievon Kühn, die ihm aber 1797 der Tod entriß.Seine Fragmente u. Hymnen an die Nacht sindZeugnisse seines Seelenschmerzes über diesen Ver-lust. 1795 wurde er Auditor an den Salinen inWeißenfels. Nachdem er 1797 in Freiberg nochdie Bergwissenschaften studirt u. sich hier mit JulieCharpentier, Tochter des Berghauptmanns, ver-lobt, wurde er 1799 Salinenassessor in Weißen-fels u. 1800 Amtshauptmann, konnte aber wegenKränklichkeit, welche auch Verschiebung seiner Hoch-zeit veranlaßt, seine Stelle nicht antreten. DieNachricht, daß sein Bruder ertrunken sei, zog ihmeinen Blntsturz zu, infolge dessen er langsamdahinsiechte, am 25. März 1801 zu WeißenselSin F. Schlegels Armen an der Schwindsucht starb.H. war ein Hauptvertreter der romantischen Schule,der Prophet derselben. Er strebte mit sittlichemErnste, Leben u. Poesie, Wissenschaft u. Religionzu verschmelzen. Sein unvollendet gebliebenerRoman Osterdingen sollte mit dem Geiste derPoesie alle Zeitalter, Stände, Gewerbe, Wissen-schaften n. Verhältnisse durchschreitend die Welterobern u. zugleich eine Apotheose der Poesie sein.Allein so schön seine Schilderung der Liebe Hein-richs u. Mathildens ist u. so ergreifend seine ein-gestreuten Lieder wirken, so thut doch der phan-tastische, mystisch-theosophische Grundinhalt den-selben Abbruch. Seine sämmtlichen Schriftenwurden von L. Tieck u. Fr. Schlegel (Berl. 1802,5. Aufl. 1838) herausgegeben. Die Gedichte er-schienen besonders Berl. 1857 u. in neuer Aus-gabe von W. Beyschlag, Halle 1869. Vgl. I.Wolf, Geschichte des Geschlechts der H., Götr.1823, 2 Thle. 1) Lagai.* L) Bq-r.

Hardenberg, Albrecht, reformatorischerTheolog, geb. 1510 zu Hardenberg in den Nie-derlanden, hieß eigentlich Rizäu s; von der evange-lischen Lehre angezogen, verließ er 1538 Löwen,wo er stndirte, ging nach Frankfurt u. dann nachMainz; t 539 nach Löwen znrückgekehrt, wurde erals Ketzer verfolgt und rettete sich in das KlosterAdnwert, wo er eine Lehrerstelle erhielt; von sei-nem Freund Johann a Laski znm offenen Be-kennen seiner evangelischen Gesinnung bewogen,ging er 1543 nach Wittenberg, und wurde hiermit Luther n. Melanchthon eng befreundet. Auf1 Empsehlnng des Letzteren wurde er 1544 Prediger