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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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; Kultur noch nicht überfirnißsten Völkern erscheint, gebietet über

^ zahlreiche ironische Motive, größtentheils in komischer Form. Daß

! die alte Pantomime, die ihrer Natur nach wesentlich auf Jmpro-

! visation innerhalb eines durch die Tradition geheiligten Rahmens

^ beruht, die Satire in allen Nuancen anwendet, darf als bekannt

" vorausgesetzt werden. Die heutige Ballettänzerei ist freilich nur

s eine traurige Selbstironisirung des im Tanze liegenden bedeu-

^ tungs- und anmuthsoollen Rhythmus und verhält sich zur Mimik

als echter Kunst ungefähr so wie die Ossenbach'sche Cancanmusik> (womit sie sich daher auch gern verbindet) zu Beethoven'scher

oder Mozart'scher Symphoniemusik. Auch gewisse Produc-tionen der Akrobatik und Gymnastik gehören zum Theil in dasGebiet der mimischen Ironie, z. B. die Evolutionen der Gro-teslreiter im Cirkus, die unter dem Schein, als wollten sie Reit-nnterricht nehmen, sich absichtlich in possenhafter Weise ungeschicktund ängstlich stellen, bis sie schließlich die gewagtesten Kunst-stücke produciren, und ähnliche Erscheinungen.

Was endlich die Poesie, die letzte in der Reihe der aufdie successive Anschauung sich beziehenden Künste und die höchsteForm künstlerischer Darstellung überhaupt, betrifft, so kann hiernur von ihrem Verhältnis zu ihrer der ersten Hauptgruppe an-gehörizen parallelen Schwesterkunst, der Malerei, die Rede sein,da sie bereits früher, bei Besprechung der literarischen Ironie, inBetracht gezogen wurde. Der Malerei gegenüber befindet siesich nun ebenfalls, ähnlich wie die Mimik der Plastik gegenüber,bedeutend im Vortheil und zwar hauptsächlich durch die successiveNatur ihrer Darstellung, welche ihr nicht nur überhaupt einenunendlich größeren Reichthum an konkreten Vorstellungen gewährt,sondern auch den Wechsel dieser Vorstellungen selbst, worin dieMöglichkeit eines Widerspruchs und damit die der Jronisirunggegeben ist. Aber auch von diesem durch die successive Natur

(SSt)