Druckschrift 
Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Einleitung.

Ähenn mau im gewöhnlichen Leben vonIronie" spricht, soversteht man meist nur darunter eine gewisse Form des Aus-drucks, welche im Wesentlichen sich dadurch kennzeichnet, daß das^Gegentheil von dem gesagt wird, was gemeint ist; sei esdaß der Redende die Absicht hat, mißverstanden zu werden, alsoüber seine wahre Meinung zu täuschen, sei es, daß er dabei dasrichtige Verständniß seiner wirklichen Meinung voraussetzt. Imechteren Falle bezieht sich jedoch die Absicht des Mißverständnissesnur auf denjenigen, gegen welchen die Ironie sich richtet, nichtaber auf die unbetheiligten Zuhörer. Im Gegentheil gewinntdie Ironie erst dadurch eine Spitze, daß die Letzteren durch die Hülleder Ironie hindurch die wahre Meinung, nämlich das Gegen-theil von dem Gesagten, erkennen, wodurch der Betroffene,welcher das Gesagte ahnungslos für aufrichtig hält, ihnen lächer-lich, gewissermaßen als ein leichtgläubiger Dummkopf, erscheint.Im zweiten Falle, nämlich wenn der ironisch Redende nicht dieAbsicht zu täuschen hat, sondern das Verständniß seiner wahrenMeinung voraussetzt eine Form, die im gewöhnlichen Leben,sowohl im Ernst als im Scherz, eine viel größere Rolle spielt,als man sich dessen bewußt ist, z. B. in solchen ganz trivialenWendungen wie:das ist eine schöne Geschichte!" und tausendanderen ähnlichen, die sofort von Jedem im gegentheiligen Sinne

XIV. M. S3g. 1* (IZ9)