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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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Wie in der Architektur die possenhaften Fratzen als ironischeDekoration des ernsthaften, bezw. heiligen Zwecks des Gebäudesfungiren, so können in der Musik possenhafte Worte, welche miteiner ernsten Melodie verbunden werden, oder umgekehrt: Worteernsthaften, bezw. traurigen Inhalts in Verbindung mit Melo-dien heiterer Natur, solchen ironischen Widerspruch hervorbringeu,Zu beiden Arten der Jronisirung liefern die zahlreichen Bänkel-sängerlieder drastische Beläge. Denn die Komik des Bänkel-sängerliedes besteht eben in dem Kontrast der parodirenden Knit-telverse mit der Melodie, indem Raubscenen undMorithaten"in lustigem, Schnurren und heitere Lieder in traurigem Rhyth-mus vorgetragen werden. Zuweilen haben solche Parodien einenecht künstlerischen Charakter, wie beispielsweise die prächtige, vonmelodischem Pathos übergnellende Komposition zu dem schon inder poetischen Form ironisch gemeinten LiedeAls Noah auSdem Kasten trat". Auch die Parodie auf die romantische Bal-laden-Dichtung gehören hierher; in ihnen liegt die Ironie nichtnur in der monotonen Wiederholung der Worte, sondern auchin ihrer Verbindung mit dem kontrastirenden musikalischen Rhyth-mus, z. B. in der aus dem bloßen RefrainEdeward und Kuni-gunde, Kunigunde und Edeward" bestehenden Balladenparodie.Auch viele Studentenlieder fallen in diese Kategorie.

Dergleichen musikalische Burlesken stellen sich indcß, ihresdurchaus harmlosen und anspruchslosen Charakters wegen, vonvorn herein außerhalb einer ernsthaften kritischen Würdigung.Andernfalls würden sie entschieden zu verwerfen sein, weil derdarin liegende Widerspruch zwischen Inhalt und Form, woraufallein die komische Wirkung beruht, das eigentliche Wesen derMusik, als Ausdruck seelischer Empfindung, völlig vernichtet. Esist daher schon als ein Mißbrauch, der nahe au Frivolität streift,zu betrachten, wenn gewisse Walzerkompouisten ihren heitere»

(SSV)