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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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Aber auch wo wie in den großen Wandgemälden des Trep-penhauses im Neuen Museum zu Berlin solche satirischeTendenz nicht vorhanden ist, sondern der monumentale Cha-rakter in dem Ernst des dargestellten Inhalts gewahrt scheint,bleibt der Widerspruch zwischen dem kombinatorischen, d, h. durch-aus der Reflexion entstammenden Gepräge der Kompositionen undder malerischen Wirkung, welche erzielt werden soll, bestehen.We anders d. h. ästhetisch befriedigend erscheinen dagegendie nur grau in Grau (d. h. farblos) behandelten arabeskenartigverschlungenen Kompositionen des sich über den Hauptbildernhiuziehenden Friesbandes, worin die Weltgeschichte in humoristisch-satirischer Weise illustrirt wird! Aesthetisch befriedigend nurdarum, weil in ihnen der leichte humoristische Inhalt und dasMittel der Darstellung gleichsam ein illustratives Flächen-lelief einander vollkommen decken. In Naturfarben gemaltwürden sie noch unerträglicher sein als die Hauptbilder.

Gehen wir nunmehr zu den Künsten der zweiten Haupt-gruppe über.

Dieselbe Steigerung in dem Umfang und der Tiefe derironischen Ausdrncksfähigkeit wie in dem Fortgang von der Archi-tektur zur Plastik und von dieser zur Malerei finden wir nunauch in den drei Künsten dieser zweiten, auf die successive An-schauung bezogenen Gruppe: der Musik, der Mimik und derPoesie. Was zunächst die Musik, als diese in rhythmischenWohlklang verwandelte Bewegung der empfindenden Seele,betrifft, so zeigt sich ihre Verwandtschaft mit der ihr parallelenKunst der anderen Gruppe, der Architektur nämlich, schon darin,daß sie ihrer abstrakten Natur halber unfähig ist, die Ironie alskonstruktive Ausdrucksform zur Geltung zu bringen, sondern sichdamit begnügen muß, dieselbe als äußerlichen Widerspruch gegenden Empfindungsinhalt in bloß dekorativer Weise zu verwerthen.