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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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Leben einer Buhlerin" u- s. f.), vollends eine specifisch morali-sirende Wendung, wobei die gesammte Komposition sich lediglichals ein Konglomerat von lauter tendenziösen Beziehungen rar-stellt, so hört mit der objektiven Unbefangenheit der Wirkungauch das ästhetische Interesse als solches auf und der malerischeInhalt sinkt auf das Niveau eines poesielosen moralisirendeiiNebus herab, bei welchem (außer etwa in technischer Beziehung)von künstlerischem Werth überhaupt nicht mehr die Rede istSolche Kompositionen (oder genauer: Kombinationen) gewinnendaher durch Transposition in die prosaische Worterklärung erstihre wahre Bedeutung, wie denn die Lichtenberg'schen Kom-mentare zu Hogarth in der That nicht nur interessanter, sondernauch geistvoller erscheinen als die Originalkompositionen selber,weil hier das Mittel, worin der reflexionsmäßige Inhalt zumAusdruck gelangt, nämlich das Wort, an sich eine dem reflekti-renden Denken homogenere Form ist. Wenn daher die Eng-länder so viel Wesens von Hogarth alsgroßem Künstler" machen,so beweisen sie wenn diese Bezeicbnung sich auf mehr als aufdie technische Meisterschaft beziehen soll damit nur, daß ihnenfür das wahre Wesen der malerischen (und überhaupt ästhetischen)Wirkung eines Kunstwerks das Verständniß abgeht.

Eine hinsichtlich des kombinatorischen (statt kompositionellen)Charakters verwandte Richtung hat W. v. Kaulbach in seinensymbolisch-historischen Darstellungen einzeschlagen, denen eben-falls dieses reflexionsmäßige Wesen anhaftet. Dieselben nehmen wie in den Fresken an der Außenseite der Münchener Pina-kothek zuweilen eine ausdrücklich satirische Wendung, wogegen,abgesehen von anderen Gründen (z. B- der monumentalen Be-stimmung des Gebäudes, welche solcher kleinlichen Jronisirungder modernen Kunstgeschichte widerspricht), derselbe Einwand wiegegen die Hogarth'schen Kompositionen erhoben werden kann.

(SLS)