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erweckt in dem Beschauer nothwendig die Empfindung der Weh-muth, namentlich wenn die Reste noch eine, wenn auch lücken-hafte Vorstellung von der ehemaligen Pracht und Herrlichkeitdes Baus gewähren; diese Wehmuth hat aber ihre Quelle ledig-lich in dem Gefühl, daß das Werk, und wenn es Jahrhunderteüberdauerte, doch schließlich der Naturmacht anheimgefallen ist,einer Macht, deren unerschöpfliche Lebenskraft, wie sie sich nichtnur in der Zerstörung, die der „Zahn der Zeit" an dem Werekausübte, sondern auch in der Ueberwuchernng mit frischer Vege-tation offenbart, mit tragisch-ironischer Wirkung gegen die End-lichkeit alles menschlichen Schaffens an das Gemüth anklingt.Aber gerade in dieser Uebermacht der Natur über die Kunst liegtzugleich der ästhetische Eindruck, den die Ruine macht, wennauch dieser Eindruck nicht mehr, sei es ein architektonisch- sei esein plastisch-ästhetischer, sondern ein malerischer ist. Denn dieBezeichnung des „Pittoresken", welche für die schöne Wirkungeiner Ruine gebraucht wird, besagt eben nichts Anderes, als daßdas Bauwerk nunmehr zur Natur, d. h. zur malerischen Staffageder Landschaft gehört.
In der Plastik, als dieser im eminenten Sinne idealenKunst, können solche karrikaturartigen Bildungen, worin sich dieIronie gegen die Bornirtheit und Thorheit des wirklichen Lebensausspricht, nur eine sehr untergeordnete Stellung einnehmen.
Zwar dringt sie hier, wie bemerkt, in die konstruktive Ge-sammtgestaltung selber ein, während sie in der Architektur nurals dekoratives Element auftritt, aber der der Ironie überhauptanhaftende Charakter der Refiektirtheit, d. h. die Verständigkeitder ironischen Beziehungen widerspricht jener naiven Unmittel-barkeit und ernsten Idealität, welche das eigentliche Wesen derPlastik ausmacht. Für die subjektiv-ästhetische Ironie bietet da-her die Plastik wenig Spielraum, wie denn in den Blüthe-
(SLS)