74
können wir hier nur andeutungsweise eingehen, obschon sie darinihre tiefere Begründung findet. Der subjektive Kriticismus Kant'sverdichtete sich in Jean Pauk — sowie nach anderer Seite hinin Wilhelm von Humboldt und Schiller — zu einer zwarebenfalls prägnant subjektiven und selbstbewußten, aber doch selbst-suchtslosen Originalität des Anschauens; der subjektive IdealismusFichte's, d. h. das Princip des absoluten Jchthums, spitzt sichdagegen in Schlegel zu einer Selbstbewußtheit zu, in welcherdas Moment des allgemeiu-Menschlichen aus dem Jchthum eli-minirt und an Stelle desselben die Zufälligkeit partikularerIchheit, d. h. des geistigen Egoismus, gesetzt wurde. BeiFichte ist es nicht dies oder jenes Selbstbewußtsein, sondern dasSelbstbewnßtsein, als diese Kraft des Geistes überhaupt, worinsein Princip wurzelt: es ist die im Menschen sich wissende Idee,was er als das Absolute setzt; bei Schlegel, in welchem das geist-volle Subjekt als einzelne Existenz mit dem Anspruch an absoluteBedeutung und Allgemeinzültigkeit anftritt, ist es lediglich derdie Idee wissende Mensch, der nun als absoluter Maaßstab gilt.Auch das Einzelste und Willkürlichste, was der Mensch undnamentlich der „Schlegel" genannte Mensch weiß, ist nunmehrabsolut berechtigt. — Es handelt sich nun weiter nur noch darum,diese absolute Berechtigung des Subjekts durch Nachweis der ihrgegenüberstehenden Bornirtheit zu bestätigen. Es ist deshalb diefortwährende Bemühung Schlegel's, überall in der GegenwartBeschränktheit, Verkehrtheit und Unfähigkeit zu entdecken. Einwirksames Mittel dazu ist die Vergleichung der Gegenwart mitder Vergangenheit; denn diese ist unschädlich, man kann sie ohneNachtheil für sich idealisiren, weil man darüber hinaus ist. Somuß sich denn nicht nur die Antike, sondern auch die Weisheitder Inder und das katholische Mittelalter dazu gebrauchen lassen,nach Befinden den idealen Maaßstab für die Nichtswürdigkeit
(SM)