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der zeitgenössischen Bestrebungen abzugeben. Dies ist die inhalt-liche Seite der Schlegel'schen Romantik; die andere, formale,gewährt die direkte Kritik, die nothwendiger Weise negativ ist:sie verwendet das Epigramm statt der ernsthaften Prüfung, dieschonungslose Satire statt der Erörterung der Principien, diePersifstage statt der ruhigen Widerlegung. Da jedoch das aufsein Besserwissen eitle Subjekt sich nicht durch Leidenschaftlichkeitkompromittiren darf, weil es sich sonst als innerlich interessirtverrathen würde, so nimmt die Kritik die Miene scheinbarerKälte an, unter welcher sich der Hochmuth verstecken kann, d. h.die Kritik wird ironisch.
Wir haben in der obigen Charakteristik zunächst FriedrichSchlegel, als den geistvollen Vertreter der romantischen Ironie,im Auge gehabt; doch dürfen wir seinen Bruder W ilh e lm nichtganz unberücksichtigt lassen. Um eine Vorstellung von dessenWeise des Kritisirens zu geben, wollen wir eine Stelle aus seinerRecension der Berliner Kunstausstellung vom Jahre 1802 citiren,die von Anfang bis zu Ende ironisch gehalten ist. Er ist näm-lich der Ansicht, die ganze Ausstellung sei so miserabel, daß man,um überhaupt einen Grund dafür zu finden, zu Hypothesen seineZuflucht nehmen müsse. „Eine solche" — fährt er fort — „warz B., daß die Akademie nach ihrer Weisheit eine scherzhaftePrüfung des öffentlichen Geschmacks habe austellen wollen, wieschlecht ein Kunstwerk wohl sein dürste, ehe das Publikum esmerkt. Da wäre es denn sehr lobcnswürdig, daß selbst Vor-steher und Lehrer zu dieser ergötzlichen Unterhaltung die Händegeboten haben u. s. f. Man könne aber noch eine zweite Hypo-these zu Hülfe nehmen, die auf dem Grundsatz der Toleranzberuhe, daß allen Künstlern von Profession erlaubt sein solle, soschlecht zu malen, wie sie wollen, ohne daß sie deshalb aufhören,für rechtschaffene und wackere Leute zu gelten. Und um dies zu
(Sll)