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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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als Portia ihn auffordert, sein Pfund Fleisch zu nehmen, aberkein Blut zu vergießen: „Gelt, ein wahrer Daniel, nicht Jude?",an die schmerz- und zugleich hohnvolle Ironie, mit welcher PrinzHeinrich, als Poins auf seine Frage, was er wohl denken würde,wenn er im Hinblick auf die Krankheit seines Vaters weinte,antwortet: „Ich würde dich für den prinzlicksten Heuchler halten",erwiedert: „So würde Jedermann denken, und du bist ein geseg-neter Knecht, daß du denkst, was Jedermann denkt. KeinesMenschen Gedanken halten sich besser auf der großen Heerstraßeals die deinen" u. s. f. —, an die sentimentale Ironie, mitwelcher Hamlet den Porik'schen Schädel apostrophirt und an diebittere Ironie, womit er die schnelle Heirath seiner Mutter nachseines Vaters Tode erklärt: „Oekonomie, Oekonomie; die Restedes Leichenschmauses sollten die kalte Küche für die Hochzeits-tafel liefern!"; an die persifflirende Ironie, mit welcher (in„König Johann") der übermüthige Bastard Fanlconbridge denfeigen und treulosen Herzog von Oestreich maltraitirt. Constanzewirft Letzterem seinen Wankelmuth vor:

.Hast geschworen,

Ich solle deinen Sternen nur vertrauen; und jetztTrittst selber du zu meinen Feinden über?

Du trägst ein Löwenfell? Pfui, wirf es abUnd häng' ein Kalbfell um die schnöden Glieder!

Oesterr.: Ha! sprach' ein Mann die Worte nur zu mir!

Bastard: Und häng' ein Kalbfell um die schnöden Glieder!

Oesterr.: Bei deinem Leben, Schurke, wag's zu sagen!

Bastard: Und häng' ein Kalbfell um die schnöden Glieder!

Mit diesem Refrain begleitet nun Faulconbridge jede weitereAeußerung des Herzogs, bis er ihn endlich zum Schweigen bringt:

Oesterr.: Hör', König Philipp, auf den Cardinal —

Bastard: Und häng' ein Kalbfell um die schnöden Glieder!

(S0S)