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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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Nur in zweien seiner Stücke läßt er sich zu einer die göttlicheFreiheit seines Humors beschränkenden Herbigkeit satirischer Welt-anschauung herabsinken, nämlich im „Timon von Athen" undin „Troclus und Cressida", dieser, falls das Stück echt ist, fürShakespeare fast unbegreiflichen Travestirung der hellenischenAntike. (Auch der „Titus Andronikus" gehört in gewissem Sinnedazu.) Was seinen „Falstaff" betrifft, so mag hier die unsersWissens noch nicht aufgestellte Vermuthung Platz finden, daß esvielleicht nicht ganz zufällig ist, wenn der lustige dicke Ritter inallen Einzelheiten einen vollen Kontrast gegen den „Ritter vonder traurigen Gestalt" bildet; und zwar nicht nur in der äußerenErscheinung als diese feiste Fleischmasse gegen die dürre Trocken-heit Donquichotes gehalten, sondern auch in geistiger Beziehung:dieser ist ein biederer, durchaus redlicher, wenn auch verschrobenerIdealist, der in einer Zeit, da das Ritterthum nicht mehr existirte,es in seiner ursprünglichen Wahrheit zu reproduciren unternahm.Falstaff dagegen, wenn wir die ihn verklärende humoristische Hüllevon ihm abstreifen, ist, noch innerhalb der Ritterzeit epistirend, wenigmehr als ein materialistischer Lump, ein gewissenloser Schwindler,ein beuteljchneidender Poltrou, ein Schlemmer und Renommist— beide also Karrikaturen des Ritterthums und doch den schrei-endsten Gegensatz zn einander bildend. Wir überlassen es denShakespeareologen, die Frage, ob diesem kontrastirenden Paralle-lismus irgend eine historisch nachweisbare Intention des Dichterszu Grunde gelegen habe, zu entscheiden.

Aber auch neben den dramatischen Gestalten, zu denen sichder Shakespeare'sche Humor verkörpert, ist der Dichter uner-schöpflich an ironischen Wendungen und Situationen. Manerinnere sich beispielsweise an die Ironie der Antworten bei derEpisode der Kästchenräthsel („Kaufmann von Venedig"), au diepersifslirende Wiederholung der Worte Shylocks durch Gratiano-

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