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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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Geschmack leichter anzupassen vermochte. Der edle Ritter vonla Mancha ist nicht eigentlich verrückt, obschon er dem lkrtheildes gesunden Menschenverstandes so zu handeln scheint; er hatnur, wie mau zu sagen pflegt, einen Sparren zu viel, und die-ser Sparren ist in seinen Kopf hiueingekommen durch die Ver-tiefung in die phantastischen Schilderungen des Ritterthums,welches zu seiner Zeit bereits eine abgethaue Welt war. Könnteman die Voraussetzung gelten lassen, daß die Bedingungen feinerPhantasiewelt noch in der Wirklichkeit existirten — und für ihnexistiren sie eben —, so erscheint sein Denken und Handeln nichtnur ganz vernüuftig, sondern sogar höchst edel, ja erhaben. Daßdie Wirklichkeit dieser Voraussetzung nicht entspricht: dieser ironischeWiderspruch des Ideals mit der Wirklichkeit drückt ihnen alleinden Stempel des Wahnsinns auf. Dieser Widerspruch ist dieQuelle, aus der Cervantes einen außerordentlichen Reichthumvon komischen Situationen schöpft; und, da die Wirklichkeit selberdas Ideal als ein bornirtes, d. h. als einen Jrrthum widerlegthat, so wird die Figur des „Ritters von der traurigen Gestalt"selbst zu einer Karrikatur des Ritterthums. Die Feinheit desimmanenten Witzes und die Leuchtkraft des objektiven, mit einemleisen melancholischen Anflug uns anmuthenden Humors, de»Cervantes in diesem merkwürdigen Buche entwickelt, womiter beiläufig gesagt, den Roman im strengen Wortsinne überhaupterst geschaffen hat, ist um so intensiver und packender, als derDichter die künstlerische Enthaltsamkeit besitzt, nie subjektiv zuwerden: er erzählt mit vollkommenem Anschein von Ernst dieThaten seines Helden gerade so, als ob die realen Bedingungenfür sein Handeln in voller Geltuugskraft existirten, als ob dieWindmühle nur Maske, in Wahrheit aber ein feindlicher Riese,das Barbierbecken nur ein maskirter Ritterhelm wäre u. s. f>!und eben dieser verstellte Ernst verleiht der Ironie eine unwider-

(SVS)