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lichen Kunst eine specifisch andere Bedeutung hat als das plastischeSchönheitsideal der antiken — sondern nur in dem Sinne, daßjetzt, am Ende des Mittelalters, überhaupt die Schönheit stattder kirchlichen Tradition die wesentliche Bedingung des Kunst-schaffens wurde. Wenn daher die Kunst noch immer die Gegen-stände des Dogmas als Motive behandelt, so sind diese für dieästhetische Auffassung weder die Hauptsache, noch bleibt sie dar-auf beschränkt, sondern sie bemächtigt sich allmählich des gan-zen Kreises allgemein-menschlicher Motive, selbst der antikenMythe und der irdischen Natur: das Genre und die Landschaft,die profane Historie und das Stillleben sind so als ästhetisch-ironische Widerlegungen des mittelalterlichen Dogmas von derMiserabilität des Diesseits und dem Elend des Daseins zu betrachten.
Entschiedener, weil noch bewußter, stellt sich die Literaturin ironische Opposition gegen die in der Kirche geübte Geistes-herrschaft. Zwei der ältesten Dokumente dieser Art sind der ausdem Jahre 1472 herrührende „Entchrist", der, als eine Satireauf das Pabstthum, eine Travestie der Passionsgeschichte ent-, hält, und das 1470 erschienene vsksnsoriuna inviolalas virgiui-tatis bsatus Narias vir^inis, eine offenbar ironisch gemeinte, ganzmateriell physiologische Abhandlung über die unbefleckte Empfäng-niß, worin die Beweise für deren natürliche Möglichkeit theilsaus der antiken Mythologie, theils aus der Naturgeschichte derFische entnommen worden! — Außerdem mag hier noch beiläufigan die Unzahl satirischer Werke erinnert werden, welche schon inden ersten Jahren der Reformation überall auftauchten, an die6p»isto1as obsLni'orum virorum, mit denen der edle Reuchlinund seine Genossen in groteskem Küchenlatein die Dummheit,Bosheit und Liederlichkeit der Mönche brandmarkten, an dieSatiren des Erasmus, besonders aber an die geistvollen Pam-phlete und Parodien des genialen Fischart, z. B. „der Bienen-
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