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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
Entstehung
Seite
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iu eine Zwiespältigkeit des Daseins getrieben wird vom Alter-thum bis auf die Gegenwart eine Reihe von Wandlungendurchläuft, welche sich sämmtlich auf den Gegensatz eines posi-tiven und negativen Inhalts als eigentlichen Ziels des ironischenVerhaltens zurückführen lassen. Wir können deshalb der Kürzehalber, in Hinsicht auf den substanziellen Zweck, diesen Gegen-satz als den der positiven und der negativen Ironie be-zeichnen.

Indessen ist, wie schon bemerkt, das Wesen der Ironie mitdiesem Gegensatz, da er immerhin innerhalb der subjektivenSphäre verbleibt, noch keineswegs erschöpft. Die Ironie kannnämlich nicht bloß als theoretisches Verhalten eines ironischenSubjekts gegenüber einer bornirten Stellung aufgefaßt werden,sondern auch objektiv als die praktische Auflösung eines ge-gebenen Verhältnisses durch seine eigene Konsequenzen, indemdie naturgemäße Fortbildung desselben als Widerspruch gegen diein ihm zu realisirende Idee sich erweist. Im Großen undGanzen kann dieser Prozeß als die Ironie der Geschichtebezeichnet werden, sofern sich in ihm das Ideal der allgemein-menschlichen Entwickelung durch eine unabsehbare Reihe vonhistorisch aufeinander folgenden Stufen zu realifireu strebt.

Auch in dieser Fassung der Ironie läßt sich eine negativeund eine positive Seite unterscheiden. Die erste liegt darin,daß jede geschichtliche Epoche als ein uothwendigerweise einseitigesund beschränktes Streben nach Realisation der Idee erscheint,welches durch seine eigenen Resultate widerlegt wird; die positivegründet sich auf das ersichtlich ironische Verhalten desWelt-geistes" gegen die Repräsentanten jenes idealen Strebeus, d. h,gegen die historischen Helden. Was diese nämlich wollen, istzunächst, ihnen selbst meist unbewußt, nicht die Realisation derIdee und darin liegt ihre Schuld sondern ihr eigenes