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Dem enthält, was der Andere darunter verstehen soll/ theilsdarin, daß er nicht die ganze Wahrheit sagt, sondern geradedas Wesentliche verschweigt, wodurch zugleich das Unwesentlicheeine Bedeutung erhält, welche vielmehr die Wahrheit in Un-wahrheit^ verkehren muß. Letzteres ist namentlich der Charakterdes Sophismus, jenes antiken Jesuitismus, gegen den Sokratesmit.seiner positiven Ironie'jankämpfte.
Wenn die sokratische Ironie hier als „positiv" bezeichnetwird, so liegt die Berechtigung dazu in dem Umstande, daß siesich eben dadurch von dem negativen Verhalten des Sophismusunterscheidet, daß sie nicht wie der letztere auf Verkehrung derWahrheit in Unwahrheit, sondern vielmehr gerade auf Entdeckungder Wahrheit, d. h. auf Herausschälung des wahren Kerns ausder ihn verbergenden Hülle der konventionellen Vorurtheile aus-geht. Die Methode ist in beiden Fällen eine ironische, d. h.formell negative, aber sofern die sokratische Ironie ihre negativeSpitze gegen etwas an sich Negatives — sei dieses nun Vor-urtheil oder Sophismus — richtet, muß das Resultat, demsubstanziellen Zweck gemäß, nothwendig ein positives sein, d. h.die Ironie wird durch die Zerstörung des negativen Scheinsselber positiv.
Diese Doppelseitigkeit der Ironie, daß sie trotz ihrer nega-tiven Form, d. h. als Verstellung des ironischen Subjekts, dochihrem letzten Zweck nach durchaus positiv sein und so der sub--stanziellen Wahrheit aufrichtig dienen kann, ist nicht nur ästhe-tisch, sondern auch kulturgeschichtlich von weittragendster Be-deutung: wir werden sehen, daß die Ironie — welche sich ge-schichtlich wie individuell überhaupt immer erst dann entwickelt,wenn die gediegene Einheit des Volks- oder Jndividualbewußt-seins aus der Unmittelbarkeit des Empfindens emporgerütteltund durch den zersetzenden Einfluß des reflektirenden Verstandes
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