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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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zweite unsermheucheln, übertreiben" entspricht. Unsere Eides-formel, daß der Schwörendenichts als die Wahrheit und dieganze Wahrheit" zu sagen gelobe, richtet sich daher mit großerVorsicht gegen beide Formen der Unwahrheit. In der That istder von dem alten Stagiriten aufgestellte Gegensatz, selbst in derForm des äußerlichen Verhaltens, schlagend: der Renommist, alsgroßsprecherischer Lügner, ist vorlaut, lärmend, eitel, phantastisch,unvorsichtig absprechend; der Ironiker dagegen zeigt sich wort-karg, scheinbar sich unterordnend, aber aufmerksam auf jede Blöße,zurückhaltend im Ausdruck seiner Empfindung, seine Geberdenbeherrschend.

Eins der wirksamsten Motive für^ die skomische Wirkungund von wahrhaft drastischem Effekt ist daher der Kampf zwischenden Vertretern dieser beiden Extreme, zwischen ^dem Ironikerund dem Renommisten. Um die Wirkung des schließlichen Re-sultats zu verstärken, nimmt der Erstere, der Großsprecherei desLetzteren gegenüber, anfangs den Schein gutmüthiger Gläubig-keit an, um ihn wie Prinz Heinrich den edlen Ritter Falstaffbei der Erzählung des Kampfes mit den Steifleinen sichmöglichst tief in seinen Lügen verstricken zu lassen, bis schließlich,nach Aufdeckung der Wahrheit, die Unverschämtheit des Groß-prahlers in klägliche Beschämung umschlägt; eine Beschämung,welcher sich freilich Falstaff durch neue lügenhafte Wendungenoder durch bonhommistische Vertuschung zu entziehen sucht.

Uebrigens haftet der Ironie ebensowohl wie der Neuommageeine verborgene Lust an der Täuschung, eine Schadenfreudeüber die gutmüthige Bornirtheit des Getäuschten, ja unter Um-ständen etwas Jesuitisches an. Denn dasJesuitische"') beruhttheils in der beabsichtigten Täuschung, daß der Redende zwardem Wortlaut nach die Wahrheit sagt aber zugleich mit demWorte eine Bedeutung verbindet, welche das Gegentheil von

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