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Das Reich der Ironie in kulturgeschichtlicher und ästhetischer Beziehung
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dem Redenden bekannten Tendenz". Indem nun auf letzterenPunkt, nämlich auf den verborgenen Zweck des Redens, derHauptaccent gelegt wird und es für das Verbergen einer geheimenAbsicht kein besseres Mittel giebt, als den Schein anzunehmen,daß man gerade das Gegentheil oder wenigstens etwas von demBeabsichtigten ganz-'Verschiedenes bezwecke, so liegt die BedeutungderJrouie" als einer Verstellung des Redenden sehr nahe.Die älteste bekannte Form solcher Verstellung ist die dersokra-tischen Ironie", welche darin besteht, den Schein anzuuehmen,als ob der Redende über eine dem gewöhnlichen Bewußtsein ge-läufige Sache nichts Bestimmtes wisse und den Wunsch hege,sich darüber bei denSachverständigen" Raths zu erholen; da-durch erhält diese Art der Ironie die Form der Frage. DaßSokrates unter diesem Schein des Sichunterrichtenwolleus dietiefere philosophische Absicht verbarg, dieSachverständigen"durch stetiges Weiterfragen schließlich zu Widersprüchen mit sichselbst und dadurch zu dem Eingeständniß zu bringen, daß sieselber nichts wüßten, ja daß vielmehr das Gegentheil von Dem wahrsei, was sie bisher dafür gehalten: diese schon den substanziellenInhalt der Ironie berührende Tendenz kann erst später in Be-tracht gezogen werden, da wir es hier vorerst nur mit ihrerformalen Bedeutung zu thun haben.

Aristoteles charakterisirt denIroniker" als Gegensatz zumRenommisten" (Alazonikos), indem er in die richtige Mittezwischen Beiden denjenigen hiustellt, dereinfach die Wahr-heit" redet. In der That entstellen beide, der Ironiker wie dergroßsprecherische Aufschneider, die Wahrheit, aber aus entgegen-gesetzten Gründen und nach verschiedener Richtung hin. DieserGegensatz wird am prägnantesten durch die beiden lateinischenAusdrücke äissimulurs und simuluro gekennzeichnet, indem näm-lich ersterer unserm deutschenverheimlichen, verhehle»", der

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