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Die Abendglocke klang so vollVon ferne durch die Stille;

Edigna sprach : „Mir ist so wohl,„Ich fühl's wir sind am Ziele."lind sieh! da steht das Zweigespann,Gar munter kräht der Gockelhahn,Und horch! das Glöcklein klinget,Das Ruh' der Müden bringet.

Edigna dankt dem Herrn, da schwebt

Im goldenen GefiederEin Engel neben ihr: sie bebt,

Stumm fällt sie vor ihm nieder;

Scheu blickt sie auf: da ist er fort,Da steht der Hahn, die Ochsen dort,Sie sieht das Glöcklein hangen:

Doch er ist heimgegangen.

Dort an des blum'gen Hügels Sanm'

Streckt mächtig seine AesteZum Himmel ans ein Lindenbanm:

Es gaukeln leichte MesteDnrch seine dunkle Krone hin,lind frendig sieht die PilgerinHernieder von den ZweigenZum Gruß die Vöglein steigen.

lind dieser Linde hohler Stamm

Ward ihre KlauSnerzelle:

Ihr Bett war Moos, zum Trunke nahm

Sie Wasser aus der O.uelle.

War nah' ein Bauersmann, der botDer edlen Jungfrau Milch und Brot:„Nichts," sprach sie, „soll mich nähren.Als Wurzeln nur und Beeren."

So oft zum Thal ihr Glöcklein klang

Beim leisen Abendwinde,

Da kam das Volk zum Lobgesang

Maria's zu der Liude.

Da leuchtete ein Lämpcheu mildDort vor Maria's Gnadenbild.Und sieh! das Oel zur FlammeEutguoll dem Lindeustamme.

Edigna half mit frommem SinnIn Krankheit, Noth und Plage:So flössen ihre Tage hinAls wahre Segeustage.

So lebte sie wohl viele Jahr',Da bleichte sich ihr blondes HaarUnd trüber, trüber immerWard ihrer Augen Schimmer.

Einst kniete sie in sel'ger Ruh'

Dort vor Maria's Bilde;Die Sternlein lächeln hold ihr zu,

Sie blinken gar so milde.

Und zu den Sternlein hoch emporHolt ihre Seel' ein EngelchorZu Gottes ew'gem Frieden;

Der Leib, der ruht hieniedcn.

Noch steht der Jungfrau wirthlich Haus,

Noch strecket ihre ZweigeDie stolze Linde grünend aus.

Das Oel doch ging zur Neige.

Noch tönt das Glöcklein hell: — der HahnHat längst den letzten Schrei gethan.Doch stets wird in GefahrenEdigna euch bewahren.

Die Wallfahrt zum h. Kvenz in Scheyeen.

Amtsgerichte Pfasfenhofen, 5 Kilometer von dieser Stadt eilt^ fcrnt, liegt aus einer anmuthigeu Höhe die Propstei und dasDorf Schelfern mit ca. 6(st) Einwohnern.

Scheycrn verdankt sein Entstehen dem bayerischen Herzog Arnulph I>,einem Sohne Lnitpold's. Die von ihm erbaute feste Burg ist das Urstamm-haus der bayerischen Grasen von Schelfern, die dasselbe bewohnten, bisGraf Otto III. Wittclsbach von Neuem erbaute und Otto IV. im I. lt^als Pfalzgraf von Wittclsbach austrat, von welcher Zeit an die Grafen vonscheuern als Wittelsbncher in der Geschichte erscheinen.