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St. Edigna.
Kam eine Jungfrau keusch und rein,
Edigna war ihr Name,
Einstmals in's Bayerland herein,
Sie war von hohem Stamme,
Doch ärmlich war sie angethan,
Zwei Ochsen waren ihr Gespann,Ein Haushahn ihre Freude,Ein Glöcklein ihr Geschmeide.
Der heil'gen Jungfrau hatte sie
Geweiht ihr keusches Leben.
Gelobt, daß einem Manne nie
Die Hand sie werde geben.
Der Bater spricht: „Du wirst getraut!"Die Tochter: „Bin des Himmels Braut.Ich Hab's dem Herrn gelobet." —Der Vater zürnt und tobet.
Da flieht, den Stab in zarter Hand,
Zm groben PilgerkleideDie Tochter aus dem Vaterland;
Die sonst in Gold und SeideEinher trat in des Vaters Haus'
Arm und verlassen zieht sie aus,
Sie, der die Eltern fluchen,
Die Heimath sich zu suchen.
Einst brach der Abend furchtbar an,
Sie stand in Waldes Mitte,
Kein Ausweg rings und keine Bahn,
Es wankten ihre Tritte; —
Die Tanne kracht vorn Sturm geknickt,Nur selten durch die Wolken blicktDer Mond; der Wölfe HeulenHeißt jene rastlos eilen.
Da sinkt an einer Eiche Stamm
Edigna in die Kniee:
„Herr, rette mich, mich armes Lamm,
Daß ich dem Tod entfliehe!
Vergib, wenn ich gesündigt hab!"
Maria, der ich mich ergab,t;ch bin des Todes Beute,
Hilf, Hilf, Gebenedeite!"
Horch plötzlich klingt im Silberton
Ein Glöcklein; munter krähetEin Hahn; Edigna hoffet schonVom Himmel Rettung, spähet:
Da wird ein Wäglein sie gewahrDas zog ein kräftig Ochsenpaar,
Drauf klang die Glock' so heiter,Der Hahn stand auf der Leiter.
„Gott grüß'Euch, edle Jungfrau!" spricht
Der Mann, der's Wäglein lenket;
Sitzt auf bei mir, ihr zahlet nicht,
Bei Gott nur mein gedenket!
Ich führ' Euch: wo der Haushahn krähflWo das Gespann dort stille steht,Und wo das Glöcklein läutet.
Da ist Euch Ruh' bereitet."
Edigna fällt in's feuchte Moos,
Bor Freud' die Knie' ihr wanken:„Herr! Deine Gnade ist zu groß."
Ruft sie, „wie kann ich danken?
Preis Dir in Ewigkeit, mein Gott! —Du sahst, Maria! meine Noth:
Dank Dir, die mich befreite,
Preis Dir, Gebenedeite!"
Drauf vor den Mann die Jungfrau trat:
Und sprach mit sanftem Tone:„Der Himmel zahlt die milde That,
Er werde Euch zum Lohne!
Ich mußte aus des Vaters Haus,Arm ging ich in die Welt hinausUnd habe nichts zu schenken:
Doch Gott Wird Eu'rer denken."
Sie fuhren fort; ein ganzes Jahr
Schon dauerte die Reise;
Ihr Trank war Wasser, rein und klar,.
Und Wurzeln ihre Speise.
So fuhren sie Land aus und ein;
Edigna wünschte Ruh': doch nein!
Noch will der Hahn nicht krähen,Die Ochsen nimmer stehen.
So kommen sie in's Bayerland,
Ganz nah' zu jener Stelle,
Wo Kaiser Ludwig allbekanntBetrat des Todes Schwelle,Gen Fürstenseld im Ammerthal,Des strengen Ludwigs sühnend MalWar in der alten WeiseGelangt der Jungfrau Reise.