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[1]: 1887
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Einleitung.

I.

°^^>allfahren heißt, einen bestimmten Ort, an welchem Gott oder dieHeiligen in besonderer Weise verehrt werden, zu dem Zwecke besuchen, umseiner Andacht daselbst obzuliegen, bestehe diese nun in Buße für begangeneSünden, im Erflehen bestimmter Gnaden oder in Danksagung für erhalteneWohlthaten. Solche Wallfahrten finden sich nicht nur in der katholischenKirche, sie waren auch bei den Juden und Heiden des Alterthums in Ge-branch und sind es noch heutzutage unter letzteren. Die Juden wallfahrte-ten zum Tempel in Jerusalem, die Samariter zum Berge Sichar, um dortGott anzubeten und Opfer darzubringen; die Griechen wallfahrteten zumTempel des Aesculap zu Epidanros für ihre Kranken, wo viele Votivtaselnzum Zeichen der Heilung aufgestellt waren; die Römer zu dem Tempeldesselben Gottes auf der Tiberinsel; Alexander der Große wallfahrtet? mitseinem ganzen Heere durch die Sandwüste nach Lybien zu dem berühmtenTempel des Jupiter Ammon, um durch Opfer sich die Gunst dieses Gotteszu erwerben; die Gallier zu ihrem Gotte Teutates, den sie vom Kopfe biszu den Füßen mit Votivtaseln, sowie hölzernen Händen und Füßen behingemDie Inder wallfahrteten in ungeheuren Schaaren nach der Pagode zu Ja-ganata am Ganges und noch heutzutage haben diese sowohl als die Chinesenund Japanesen ihre bestimmten Wallfahrtsorte, wohin sie wallen und Opferdarbringen. Die großartigen Wallfahrten der Mohamedaner nach Mekkaund Medina sind allgemein bekannt.

Es liegt demnach im Bedürfnisse des Menschen, der sich zu irgendeiner Religion bekennt und ist in der Religion selbst begründet, diejenigenOrte zu besuchen, welche zu dieser Religion eine besondere Beziehung haben.Solches ist auch stets von allen vorurteilsfreien Männern anerkannt wor-den. Als Goethe nach Maria Einsiedeln in der Schweiz kam und dortZeuge der großartigen Wallfahrt war, schrieb er: „Es mußte ernste Be-trachtungen erregen, daß ein einzelner Funke von Sittlichkeit und Gottes-furcht hier ein immer brennendes, leuchtendes Flämmchcn angezündet, zuwelchem gläubige Seelen mit großer Beschwerlichkeit heranpilgern sollen, uman der heiligen Flamme auch ihr Lämplein anzuzünden. Wie dem auchsei, so deutet es auf ein grenzenloses Bedürfniß der Menschheit nach