Zu Dir rufen rvir.verbannte Söhne 6ii döiöitvilliK äsn 3.x08toIi8LllW 8öASH 61'tIlöM. LimMImiMU lies ilixl ZÄx>is1^0x>^s von des hochwiipdigsten Herrn Krzbischofs von Ireibuvg an den Merfasser. Aus den Schreiben der Bischöfe und Brdmannte Deutschlands, in denen dieselben dem Verfasser das erforderliche Material zu- weisen und die gewünschten Aufschlüsse geben, führen mir hier nur den Schlufz des Erlasses des verstorbenen Hochwürdigtlrn Herrn Erzbifchofs von Frei bürg an, welcher lautet: „Setbstverstüudlich steht Ihnen uuch dus Krz- bifchöfliche Archen und die uns zustehenden Wibt'iotheken zu Diensten, du wir zur Jörde- rung Ihres Löblichen Morhubens möglichst beitrugen möchten." des hochwürdigsten Herrn Irzbischofs von Ireibnrg an den Verleger. Seine Erzbifchöslichcn Gnaden vt'. Johannes Christian 'Moos haben mich beauftragt, Ihnen für die freundliche lieber- feudung des Werkes „'Das heilige Deutschland" den ver- bindlichlten Dank anszusgrechen. Dbglrich Hochdiesrlben fchon im Bcsilze des interessanten und erbaulichen Werkes waren, so wurden sie doch durch Ihre schakcns- werthe Aufmerksamkeit recht erfreut. Freiburg, den 25. März 1888. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebenster Dr. Lor. Werthmann, erzbifchöst. Hofraglan. I. Ilmpkedlung des Hoodvü rdigsten Herrn Hisodoks von lllainx. I^uer Wodlgeboren ditto iod insinsn leider sodr verspäteten dand für das mir übersandte Iluoli „das dsilgs deutsodland" annehmen xu wollen. Iod dabe mit grosser dreude darin gelesen und besonders dandbar anerdannt, dass auod die diöxose lllainx ausküdrliod und genau gesodildert wird. Indem iod dem svdönon Werde eins reodt grosse Verbreitung wünsods, xeiodne iod mit volldommensr Iloodaodtuag dusr Wodlgeboren ergebenster Nainx, den 23. Vpril 1888. f kitultl«, Liscdot von Nain?. II. dmpkedlung des Ho odwürdigsten Herrn Ilisodoks von Nünster. I^uer Wodlgeboren dattsn die dekälligdsit, mit ^usodrikt vom 20. ds. lVIts. das in Idrem Verlags ersedienene Werd: „Uns doilge deutsodland" mir gütigst üdsrrsioden xu lassen. duer Wodlgeboren dssdrs iod mied, dnlür srgsdenst meinen Oand abxustatten. Iod eraodte es lür ein verdienstvolles Ilntsrnedmen, die desodiodte der sämmtlioden Wallkadrtsorto in einem VIerde der- xustellon und dalts die Vrbsit kür geeignet, in rsiodem Nasse Xutxen xu stikten. Nünster, den 27. Närx 1888. ^ ^udktNN Lei'liUl'll, Liscdok von Nünster. III. dmpkedlung des Hoodwürdigsten Herrn Ilisodoks von Würxburg. I^uor Wodlgeboren dattsn die düto, mir das in Idrem gescdätx- ten Verlage jüngst ersedienene Werd „das deilge Ileutsedland" eto. als dratis-dxemplar gekälligst xu üdsrsenden. Indem iod mied xur Vnnadme desselden gerne bereit erdläre, desils iod mied xuglsiod, kür die wsrtdvollo dabe bestens xu danden, dotkend, dass das durod die Hsieddaltigdeit seines Indalts sied aus- xeiodnende 'Werd einen rsolit grossen dsserdrsis dnden werde. ln vorxügliodster Iloodaodtung dsstsdt duer Wodlgeboren ergebenster Würxdurg, den 2. Vpril 1888. s- dl'glix ^osepd, Lisedok von Vür?bnrg. IV. DinptödlnnA dos Ilood^vnrdiFston Herrn Disodoks von Diodstätt. Dv. ZVodlAodorsn! ^r. Disodötiiodon Dnadon dadon das van Idv. ZVodi^odoron ^üti^st ndorsandto V^erd „Das doiliZo Dontsodland" riodti^ ordalton und miod doauktraAt, Idnsn diorkür den Aoxiomondon Dand ans^n» sproodon. 80. Disodöd. Dnadon ^vordon das IVord s. im Diönosan- Dastoratdlatto ^nr Vn^oi^o und DmpkodlnnA dringen lassen. Zlit vor^nAliodor IloodaodtnnA dostodt Dvn ZVodlAodorsn ergsdsnstsr ZI. Dömstövk, disolroldedsr Lsdrst^r. V. DmptodlnnA dos Ilood^vürdi^stsn Ilorrn Disodoks von Drior. ZVodlAodoron doodrs iod mied, kür dio sodr kroundliodo ^usondnn^ der ?voi Dändo dos in Idrsin Vorlage orsodiononon ZVordos „Das doil^o Dontsodland" im ^.nktra^o 8r. Disodölliodon Dnadon don vordindliodston Dand ansi?us^röodon. Nanodkaodo Doruksardoiton dadon os dlooddoinsoldon disdor loidor niodt Aostattot, oin^odondo Dinsiodt von dem Duodo ^n noinnon. Indosssn ist dor Indalt soidst sodon oino Dür^sodakt von dom Anton Doisto, dor darin vodt. Dassoldo ist oin sxroodondor Dovois von dom Doiodtdum an Dnadonorton und IloiliA- tdümorn, doron siod unsor Vaterland nood orkrsnt, und os nntorlioZt deinem ^voikol, dass „Das doilizo Dontsodland" viol da/n doitra^on vird, dio Vorodrnn^ dieser doili^on Ktätten nieder ^n orkrisodon und 2n delodon. Zlan dark dador dem sodönon Dnodo eine roodt voito VerdroitnnA ^vünsodon, und vnrd dor 1Iood>vürdi^sto Herr niodt vor- kodlsn, doi Dolo^ondoit darant aukmordsam ?n maoden. In vor^ÜAÜodstor Doodsodät^un^ D>v. ZVodl^odoron erAsköN8tsr Drior, den 27. Zlär? 1888. Dr. D ZVillems, ZZiscdöli. Ledrst. Vorrede. chon oft wurde in katholischen Zeitschriften der Wunsch ausgesprochen, die Geschichte der sämmtlichen Wallfahrtsorte Deutschlands in einem Werke vereinigt zu sehen. Indessen hat bis jetzt noch Niemand sich veranlaßt gesehen, ein solches umfassendes Werk in Angriff zu nehmen. Wohl mögen Viele durch die großen Schwierigkeiten, welche einem solchen Werke entgegenstehen, davon abgeschreckt worden sein. Denn wenn auch über manche Wallfahrtsorte besondere Schriftchen erschienen sind, so sind doch über die meisten die geschichtlichen Nachrichten theils in sonstigen Werken zerstreut enthalten, theils noch gar nicht im Druck veröffentlicht. Existirten derartige Zusammenstellungen für alle einzelne Diözesen Deutschlands, wie solches bei der Diözese Mainz der Fall ist*), so würde eine solche Arbeit um ein Bedeutendes erleichtert sein, allein auch diese finden sich leider nicht vor. Es blieb demgemäß für den Verfasser kein anderer Weg übrig, als sich an die Hochwürdigsten Bischöflichen Ordinariate zu wenden und um geneigten Aufschluß darüber zu bitten, welche Wallfahrtsorte in den betreffenden Diözesen vorhanden seien und event, die Quellen geneigtest anzugeben, aus denen die Geschichte der Wallfahrtsorte eruirt werden könne. Die Hochwürdigsten Ordinariate haben diesem Wunsche entsprochen und theils direkt die gewünschte Auskunst ertheilt, theils die geeigneten in der Geschichte der Diözese bewanderten Männer angegeben, welche dieselbe ertheilen konnten. An diese wendete sich sodann der Verfasser und es waren dieselben auch alsbald bereit, ihn durch Lieferung von Beiträgen und Angabe von Quellen thätig zu unterstützen. Indessen auch dieses reichte in vielen Fällen nicht hin. Der Verfasser mußte sich oft direkt an die Pfarrer resp. Vorsteher der Wall- *) Falk, heiliges Mainz 1877. l» VI fahrtsorte selbst wenden, um von ihnen die geschichtlichen Notizen aus den Kirchenarchiven zu erhalten. So ist denn unter gleichzeitiger Benutzung der später angegebenen gedruckten Quellen das vorliegende Werk zu Stande gekommen und hofft der Verfasser, daß man dasselbe unter Anbetracht der vielen mit der Abfassung desselben verbundenen Schwierigkeiten mit Wohlwollen beurtheilen werde. Sollten trotz aller Vorsicht einige Wallfahrtsorte, was ja bei einem solchen Unternehmen leicht geschehen kann, übergangen worden sein, so soll die Geschichte derselben in einem besonderen Anhange beigefügt werden. Der Verfasser erfüllt sodann die angenehme Pflicht, für die so thätige und bereitwillige Beihülfe den Hochwürdigsten Ordinariaten Deutschlands, sowie den nachstehend ausgeführten Herren seinen aufrichtigen Dank auszusprechen. Cöln am Rhein. Der Verfasser. der geehrten Herren Mitarbeiter. Kaplan Beining in Herzfeld (Westfalen). Pfarrer Josef Bonn in Fischbach (Nassau). Vikar Brinkhaus in Stadtlohn (Westfalen). Pfarrer Bruns in Schöppingen. Hülfsgeistlicher Büchert in Ottbcrgen. Pfarrer Crämer in Bödingcn. Pfarrer Emil Decrignis in Pobenhauscn. Erster Seelsorger Fass in in Marienbaum. Pfarrer Frankeser in Sonsbcck. Regcns-Prof. Dr. Hipler in Braunsbcrg. Pfarrer Kansholz in Bieber. Pfarrer Knoblach in Fellen. Pfarrer Koch in Hammelburg. Cooperator Ludwig in Kämmerzell. ?. August in Moeller, Garnisonspfarrer und Domprcdiger in Fulda. Pfarrer Nook in Neustadt (Westpreußen). Kaplan Dr. Schmitt in Coesfeld. . Pfarrer Schönemann in Bernshausen. Pfarrer Scnberth in Ober-Elchingen. Erzpriester Dr. Soffner in Oltaschin. Pfarrer Dr. Sommer in Wollbrandshausen. Benvenut Stengele O. N. O. in Würzburg. Pfarrer Wilhelm Störk in Bleibach bei Waldkirch. Psarrvikar Stoff zu Eberbach. Pfarrer Michael Veh in Schiessen. Professor H. Weber in Bamberg. Fürstbisch, geistl. Nath und Pfarrer A. Welzel in Tworkau. Landdechant Pfarrer Wenker in Haltern. Domkapitular und Pfarrer Wessels in Nulle. Erzbisch, geistl. Rath n. Pfarrer G. W estermaper in Feldkirchen. ?. Adrian Zeininger, Guardian der Franziskaner-Resormaten zu Altstadt (Hammelburg). (Ein weiteres Verzeichniß wird am Schlüsse des Werkes beigefügt). Einleitung. I. °^^>allfahren heißt, einen bestimmten Ort, an welchem Gott oder die Heiligen in besonderer Weise verehrt werden, zu dem Zwecke besuchen, um seiner Andacht daselbst obzuliegen, bestehe diese nun in Buße für begangene Sünden, im Erflehen bestimmter Gnaden oder in Danksagung für erhaltene Wohlthaten. Solche Wallfahrten finden sich nicht nur in der katholischen Kirche, sie waren auch bei den Juden und Heiden des Alterthums in Gebranch und sind es noch heutzutage unter letzteren. Die Juden wallfahrte- ten zum Tempel in Jerusalem, die Samariter zum Berge Sichar, um dort Gott anzubeten und Opfer darzubringen; die Griechen wallfahrteten zum Tempel des Aesculap zu Epidanros für ihre Kranken, wo viele Votivtaseln zum Zeichen der Heilung aufgestellt waren; die Römer zu dem Tempel desselben Gottes auf der Tiberinsel; Alexander der Große wallfahrtet? mit seinem ganzen Heere durch die Sandwüste nach Lybien zu dem berühmten Tempel des Jupiter Ammon, um durch Opfer sich die Gunst dieses Gottes zu erwerben; die Gallier zu ihrem Gotte Teutates, den sie vom Kopfe bis zu den Füßen mit Votivtaseln, sowie hölzernen Händen und Füßen behingem Die Inder wallfahrteten in ungeheuren Schaaren nach der Pagode zu Ja- ganata am Ganges und noch heutzutage haben diese sowohl als die Chinesen und Japanesen ihre bestimmten Wallfahrtsorte, wohin sie wallen und Opfer darbringen. Die großartigen Wallfahrten der Mohamedaner nach Mekka und Medina sind allgemein bekannt. Es liegt demnach im Bedürfnisse des Menschen, der sich zu irgend einer Religion bekennt und ist in der Religion selbst begründet, diejenigen Orte zu besuchen, welche zu dieser Religion eine besondere Beziehung haben. Solches ist auch stets von allen vorurteilsfreien Männern anerkannt worden. Als Goethe nach Maria Einsiedeln in der Schweiz kam und dort Zeuge der großartigen Wallfahrt war, schrieb er: „Es mußte ernste Betrachtungen erregen, daß ein einzelner Funke von Sittlichkeit und Gottesfurcht hier ein immer brennendes, leuchtendes Flämmchcn angezündet, zu welchem gläubige Seelen mit großer Beschwerlichkeit heranpilgern sollen, um an der heiligen Flamme auch ihr Lämplein anzuzünden. Wie dem auch sei, so deutet es auf ein grenzenloses Bedürfniß der Menschheit nach — IX — gleichem Licht und gleicher Wärme, wie es jener Erste im tiefsten Gefühle, und sicherster Ueberzeugung gehegt und genossen."*) Es ist natürlich, daß bei den Christen jenen Orten, wo der Heiland selbst gelebt und gelitten hatte, besondere Verehrung gezollt wurde, daß sie es als ein hohes Glück betrachteten, diese durch das Wirken des Heilandes geheiligten Stätten besuchen zu können. Es ist ferner natürlich, daß diese Stätten schon durch die Erinnerung, die sie in sich tragen, besonders auf das Gemüth und Herz des Christen wirken mußten, so daß er sich an ihnen mehr als anderswo zur Andacht gestimmt sah. Hier glaubte er Gott näher, inniger mit ihm verbunden zu sein. Deshalb die seit den ersten Zeiten der Christenheit üblichen Wallfahrten nach Palästina, wie ja auch der h. Pau- lus, um ein Gelübde zu erfüllen, nach Jerusalem wallfahrtet?. Aus dem gleichen Grunde wurden auch die Gräber der Apostel, der sonstigen Prediger des Evangeliums, der hh. Märtyrer u. s. w. von den Christen besucht; man hegte die Ueberzeugung, dort eher Erhörung zu finden, wo diese Glaubenshelden ihr Blut für Christus vergossen und die Krone des ewigen Lebens empfangen hatten. Es kann demnach keinen Zweifel unterliegen, daß die Wallfahrten einem religiösen Bedürfnisse entsprechen und demnach als etwas durchaus Naturgemäßes aufzufassen sind. II. Indessen auch in kulturgeschichtlicher Beziehung sind die Wallfahrten von hoher Bedeutung. Das Schlesische Kirchenblatt schreibt darüber Folgendes: „Die Wallfahrtsorte sind Sitze der interessantesten Volksversammlungen. Alle Schattirungcn von Volksstämmen, die verschiedensten Trachten und Sitten finden sich hier vereint. Kein Nationalitätenhader wuchert in dieser bunten Menge; alle fühlen sich als Glieder der großen Familie der Christen verbunden. Keine bacchantische Lust stört hier den Zweck; die Weihe des Ortes veredelt die Physiognomie des Menschen. Als Erbauungsund Bildungsstätten für Kreise von unbegrenzter Ausdehnung sind Wallfahrtsorte in ihren Früchten ohne Berechnung. Ihr Gebiet umfaßt die idealen Zwecke der Menschheit und was sie in dieser Hinsicht wirken, entzieht sich meist der unmittelbaren Beobachtung, weil es sich innerlich vollzieht. Treffender als manches Andere bekunden Wallfahrtsorte in den Motiven ihres Bestehens, in den einzelnen Stadien ihrer Entwickelung und in ihrem Verfall das Wehen des Zeitgeistes. Ihre große kulturhistorische Bedeutung ist außer Zweifel. Es ist bekannt, daß die Verehrung von Stätten, wo Heilige wirkten oder Gnadenbilder zur Andacht aufforderten, oft die Wohnsitze der Menschen *) Man lese auch Goethe's Beschreibung des Rochusfestes in Biugen. geschaffen haben. Die Namen vieler Ortschaften bezeugen den religiösen Ursprung. Besonders einflußreich auf die Gründung und das Emporkommen von Städten und Dörfern hat sich der Marien-Kultus in katholischen Ländern erwiesen. Diese Thatsache ist kirchlich und psychologisch leicht verständlich. Die Verehrung der Gnadenmutter als der Personifikation der reinsten Mutterliebe mußte in den Völkern solchen Anklang finden, daß sie Aller Herzen entzündete. Es ist interessant, zu verfolgen, wie die Volkspoesie auch in der Bezeichnung der Orte, die ihren Ursprung der Verehrung der heiligen Maria verdanken, zum großen Theile aus dem reichen Borne der Kirche geschöpft haben. Da gibt es Kirchen, Städte und Flecken mit dem Namen „Maria Trost, Maria Schutz, Maria Sorg, Maria Lob, Maria Schein, Maria Hausmutter, Maria Stern, Maria Gnadenthal, Maria Heil" u. s. w. Am häusigsten ist der Name Maria Hilf. Wer wird nicht freudig erregt, wenn er hört, daß Wien einen Theil seines Weichbildes die „Maria-Hilf-Linie" heißt? Der Ursprung davon entstammt einer von den Barnabiten 1660 auf der Feldmark des Dorfes Schöff erbauten Maria- Hilf-Kapelle, deren Besuch so zunahm, daß als Folge davon statt der Kapelle eine Kirche und die große Vorstadt Maria-Hilf entstanden. So führte dieselbe Begeisterung, die Dichter und Künstler zur Verherrlichung der Heiligen in aller Gluth von Farben und Tönen, deren Menschen fähig sind, antrieb, dazu, in Zeiten, wo die persönliche Sicherheit noch so gefährdet war, selbst Umsiedlungen unter dem Schutz von Heiligen — nicht von Burgen, wie anderwärts in alter Zeit vielfach geschehen — zu gründen. Solche Ansiedlungen sind häufig Wallfahrtsorte geworden und sind als solche die treuesten Erben der Tradition, die beredtesten Zeugen einer Geschichte, die für der Menschheit Zwecke ersprießlicher gewirkt hat, als vieles Andere, das sich außerhalb vollzogen; besitzen sie gute Gcdenkbücher, so sind dies wahrhast literarische Schätze." III. Nichts destoweniger sind gegen die Wallfahrten viele Einwürfe und zwar nicht nur von Andersgläubigen, sondern auch von Katholiken erhoben worden. Inwiefern solche sich auf die Verehrung der Heiligen und Reliquien an und für sich beziehen, bemerken wir, daß hier nicht der Ort ist, darüber Belehrung zu geben, man möge die Werke nachschlagen, welche diesen Gegenstand speziell behandeln; hier handelt es sich um die Art und Weise, Gott und die Heiligen durch Wallfahren zu ehren. Wir geben nun zunächst zu, daß auch beim Wallfahren wirklich Mißbräuche vorkommen, diese aber sind so gering, daß sie nicht in Betracht gezogen werden können. Ueberhaupt bemerken wir, daß es keine auch noch so heilige Sache gibt, welche nicht von Menschen sei es aus Bosheit oder Unverstand mißbraucht wird. Dieses aber thut der Sache an und für sich keinen Ein- - XI — trag, denn wer wollte z. B. den Menschen das Essen und Trinken verbieten, weil Viele durch unmäßigen Genuß sich und Anderen Schaden bringen? Der erste Einwurf, den man gegen das Wallfahren vorbringt, besteht darin, daß man sagt, das Zusammenwallen von Personen männlichen und weiblichen Geschlechtes sei der Sittlichkeit nachtheilig. Es ist merkwürdig, daß man diesen Einwurf erhebt, wo es sich um einen religiösen Cult handelt, aber nichts zu erinnern findet, wenn es sich um weltliche Zusammenkünfte beider Geschlechter handelt. Da mögen Personen verschiedenen Geschlechtes zusammen Vergnügungstouren machen, da mögen sie auf den Bällen bis tief in die Nacht oder auch in den Morgen hinein sich im Reigen schwingen, das ist nicht der Sittlichkeit gefährlich, aber wo Personen verschiedenen Geschlechts im Geiste der Buße, zur Befriedigung ihrer Andacht, zur Verehrung Gottes zusammen reisen, da soll Gefahr für die Sittlichkeit vorhanden sein. Bedenken wir nun ferner, daß stets dafür Sorge getragen wird, daß bei Wallfahrten die Geschlechter getrennt einhergehen, daß an den Ruheplätzen und im Wallfahrtsorte selbst für Trennung derselben Sorge getragen wird, daß sowohl der begleitende Geistliche als die Brudermeister in dieser Hinsicht besonders auf Ordnung halten, so muß doch Jedem einleuchten, daß hier weniger Gefahr für Verletzung der Sittlichkeit vorhanden ist als anderwärts. Wollten zwei Personen in unlauterer Absicht zusammen kommen, so können sie dazu jedenfalls besser Gelegenheit finden, als bei einer Wallfahrt, wo sie den Augen so vieler Personen ausgesetzt sind. Dieser Einwurf ist also nichtig, ja wir können selbst nicht glauben, daß er ernstlich gemeint ist. Ferner wird gegen das Wallfahren der Einwurf erhoben, daß durch dasselbe Arbeiten versäumt und unnöthige Geldausgaben gemacht werden. Nun, die Geldausgaben sind eben beim Wallfahren weit geringer, als bei jeder Vergnügungstour. Denn es liegt schon in der Natur der Sache, daß derjenige, welcher eine Wallfahrt unternimmt, solches im Geiste der Buße thun und daher auch alle verschwenderische Ausgaben vermeiden soll. Wir haben uns davon überzeugt, daß viele, sehr viele Wallfahrer während der ganzen Reise trockenes Brod genossen und höchstens eine Tasse dünnen Kaffee dazu verzehrten; Geldverschwendung wird man also diesen nicht vorwerfen können. Auch die Arbeitsversäumniß kann deshalb nicht in Anschlag gebracht werden, weil von Seiten der Geistlichkeit die Gläubigen stets darauf hingewiesen werden, daß nothwendige Arbeiten durch Wallfahren nicht versäumt werden dürfen. Würde man nur im klebrigen durch andere Gelegenheiten so wenig versäumen, wie es durch das Wallfahren geschieht, gewiß würde man über den Fleiß der Menschen nicht zu klagen haben. Sodann wendet man gegen die Wallfahrten ein, es werde dadurch der Aberglaube gefördert. Wenn man unter Aberglauben die Verehrung und Anrufung der Heiligen versteht, so ist dieser Einwurf allerdings be- — XII — gründet, denn diese wird offenbar durch die Wallfahrten, welche zu Ehren der Heiligen geschehen, gefördert. Aber dieser Vorwurf richtet sich nicht gegen die Wallfahrten an sich, sondern gegen die Verehrung der Heiligen überhaupt, die in der Lehre der katholischen Kirche begründet ist. Versteht man aber unter Aberglauben hier den Glauben an Wunder, die an verschiedenen Wallfahrtsorten gewirkt sein sollen, so handelt es sich doch dabei um Thatsachen, welche also insoweit Glauben verdienen, als sie als solche erwiesen sind. Die Kirche aber, welche allerdings die Möglichkeit der Wunder zugibt, zeigt gerade in der Anerkennung ungewöhnlicher Thatsachen als Wunder die größte Vorsicht. Selbst wenn durch eine von den betreffenden Bischöfen eingesetzte Commission solche wunderbare Erscheinungen als thatsächliche anerkannt sind, will sie doch nicht, daß sie auf die kirchliche Autorität hin als Wunder erklärt werden, sondern sie legt denselben nur eine rein menschliche Glaubwürdigkeit bei (Dekrete des Papstes Urban VIII. vom 13. März 1625 und vom 5. Juli 1534). Die Kirche geht noch weiter, sie eifert geradezu gegeu dcu Glauben an Wunder, welche nicht von Seiten der Bischöfe einer genauen Untersuchung unterworfen worden sind. Somit kann in dieser Beziehung auf keine Weise der Kirche ein Vorwurf gemacht werden und wenn es so leichtgläubige Menschen gibt, die jede ihnen unbegreifliche Erscheinung für ein Wunder ansehen, so hat solches mit der Kirche und ihrer Lehre und ebenso mit den Wallfahrten nichts zu schaffen. IV. Es erübrigt uns hier noch, einige Belehrungen für diejenigen, welche eine Wallfahrt unternehmen wollen, beizufügen. Zunächst fragt es sich: wer soll wallfahren? So löblich und durch den Gebrauch der Kirche geheiligt das Wallfahren ist, so darf doch dadurch keine Pflicht vernachlässigt werden. Die Wallfahrten sind nicht geboten und deshalb stehen deine Pflichten höher als diese. Wenn eine Mutter an Sonntagen ihr Kind ohne Aufsicht zu Hause oder eine Krankenpflegerin den ihr anvertrauten Kranken ohne Pflege läßt, um der h. Messe beizuwohnen, so begeht sie eine Sünde; denn das Gebot, für das Kind oder den Kranken Sorge zu tragen, steht höher als das Gebot, eine h. Messe zu hören; um so mehr ist solches bei Wallfahrten der Fall, denn im ersteren Falle steht dem höheren Gebote doch noch ein Gebot entgegen, hier aber nicht einmal ein solches. Ebenso würde also derjenige sich versündigen, der am Sonntage eine Wallfahrt unternehmen wollte, aber dadurch die vorgeschriebene Beiwohnung einer h. Messe vernach- lässigte. Das Anhören der h. Messe ist ein Gebot, das Wallfahren nicht. Die zweite Forderung ist die, daß das Wallfahren in guter Meinung geschehe. Wer Wallfahrten unternimmt, um bei den Leuten für einen frommen Menschen gehalten zu werden, der ist ein Heuchler. Wer sich auf Wallfahrten begibt, damit er einige Tage von häuslichen Sorgen frei sei, ist ein — XIII — fauler Knecht, der nicht einmal für sein Haus Sorge trägt. Wer wallfahrtet und meint, das darauf verwendete Geld und die dabei angewendete Mühe werde ihm zehnfach vergolten durch eine reiche Ernte, durch Glück im Stalle u. s. w. — wer nur aus diesem Grunde wallfahrtet, der ist ein geistlicher Wucherer. Wer den Sonntagsgottesdienst in der Wallfahrtskirche sucht, weil er mit seinem Pfarrer in Feindschaft lebt, der feiert segenlosen Gottesdienst. Wer in die Wallfahrtskirche geht, weil ihn dort mehr Leute andächtig beten sehen, der ist ein Pharisäer. Alle, die in solcher Meinung wallfahren, haben ihren Lohn schon dahin, denn die böse Absicht macht das gute Werk zu nichte. Ueber andere böse Absichten wollen wir hier nicht reden. Die Meinung ist gut, wenn der Gläubige durch die Wallfahrt ein Gelübde erfüllen will, das er Gott gemacht hat. In diesem Falle ist der Gläubige verpflichtet, die Wallfahrt zu entrichten, wenn es ohne großen Nachtheil, ohne Vernachlässigung höherer Pflichten und in einer Weise geschehen kann, daß die Nebenmenschen kein Aergerniß daran nehmen. Uebri- gens ist anzurathen, kein Gelübde zu machen, bevor man mit seinem Beichtvater Rücksprache genommen hat. Die Meinung ist gut, wenn der Gläubige durch eine beschwerliche und mühevolle Wallfahrt etwas büßen will. Es versteht sich von selbst, daß dies nur dann einen Werth hat, wenn er auf die Verdienste des Leidens und Blutes Christi sein Vertrauen setzt und durch wahre Buße sich mit Gott aussöhnt. Deshalb ist es gut, wenn er dabei die Absicht hat, durch besonders gründliche Vorbereitung das h. Sakrament der Buße zu empfangen und sich von ganzem Herzen zu Gott zu bekehren. Die Meinung ist gut, wenn der Christ durch seine Wallfahrt Gott dem Herrn Dank abstatten will für geistige und leibliche Wohlthaten, die er von ihm empfangen hat. Die Meinung ist gut, wenn der Gläubige auf dem Wege und am Wallfahrtsorte seine zeitliche Habe und alle seine geistigen Anliegen in die Hände Gottes legen und vom Allerhöchsten den Segen herabflehen will über Felder und Fluren, über Wiesen und Gärten, über Kinder und Knechte, über Pferde und Rinder. Denn Alles steht in Gottes Hand und Gott der Herr will um Alles gebeten sein, und nur, was man erbeten hat, bringt Segen. Endlich kommt es noch darauf an, daß man in rechter Weise wallfahre. Das Wallfahren ist zunächst eine Bußübung oder auch eine angestrengte und andauernde Gebetsübung. Diese Eigenschaft verliert das Wallfahren ganz, wenn man im bequemen Wagen einen solchen Gang unternimmt, wenn man auf dem Wege nur an zeitliche Dinge denkt und nur von weltlichen Angelegenheiten redet, wenn man wenig oder gar nicht betet. Eine Wallfahrt ist keine Lustfahrt und eine Lustfahrt keine Wallfahrt. Die Wallfahrer sollen im Namen des Herrn ihr Haus und ihre Angehörigen verlassen, im Frieden von Allen scheiden und sich aussöhnen, wenn sie mit Jemand in Unfrieden ständen. Man soll den Weg zu Fuß machen, die meiste Zeit im Gebet zubringen und am Wallfahrtsorte die heiligen Sakramente der Buße und des Altars empfangen. Man soll auf dem Wege im Essen und Trinken sich etwas versagen aus Liebe zu Gott, für die Angehörigen und das Heil der ganzen Christenheit beten und mit heiligen Gedanken und frommen Entschlüssen wieder zu den Scinigen zurückkehren. Man soll ans dem Wege mit den Mitwallfahrern in Frieden auskommen, einander in Liebe ertragen und zum Guten aufmuntern. Dann geschieht die Wallfahrt im Geiste der h. Kirche und wird reichlichen Segen von Gott bringen. l Die heiligen drei Könige in der Domkirche zu Cöln. drei Magier, welche zuerst von allen Heiden den Erlöser am fünfzehnten Tage.nach seiner Geburt in Bethlehem angebetet Haben, sollen nach der Aussage des Epiphanius von Abraham abstammen, nämlich von den Söhnen, die ihm Cethura geboren, Ihre Namen, ihr Alter und ihr Aussehen, sowie die Geschenke, welche sie darbrachten, beschreibt der ehrwürdige Beda folgendermaßen. Der erste soll Melchior, ein Greis mit langem Bart und Haaren gewesen sein; er brachte Christo als dem Könige Gold dar. Der zweite Namens Kaspar, ein unbärtiger und zarter Jüngling, opferte ihm als Gott Weihrauch und der dritte, von dunkler .Hautfarbe und mit vollständigem Barte, mit Namen Balthasar, bezeugte durch den Myrrhen, daß Christus als Menschensohn sterben müsse. Daß man nun einen von ihnen schwarz und als Aethiopier zu malen pflegt, wie solches auf vielen alten Gemälden zu sehen ist, scheint daher gekommen zu sein, daß sowohl Beda ihm eine dunkle Hautfarbe zuschreibt, als weil in dem Psalm, der am Dreiköuigcntage in der Kirche gesungen wird, es heißt: „Vor ihm werden die Aethiopier niederfallen." Ferner glaubt man, sie seien Könige gewesen, da die Prophezeiungen Davids und des Jesaias sagen: „Die Könige von Tharsis und die Inseln werden Gaben opfern, die Könige von Arabien und Saba Geschenke bringen. Und die Völker werden wandeln in deinem Lichte und die Könige im Glänze deiner Geburt." Auch der Schrecken des Herodes und ganz Jerusalems, die kostbaren Geschenke, die sie ihren Schatzkammern entnommen haben sollen, die alte Ueberlieferung in Predigten, Gesängen, Hymnen und Gemälden bestätigen solches. Es kann aber nicht befremden, daß der Evangelist sie Magier und nicht Könige nennt, denn dadurch sollte gezeigt werden, daß unser Glaube mehr auf dem Zeugnisse der Magier d. h. der Weisen, als auf der Macht der Könige beruht. Daß sie gelehrte Sternkundige waren, deutet der h. Cyprian in seiner Rede über den Stern und die Magier an und deshalb offenbarte ihnen Gott die Geburt des Messias durch einen Stern und erleuchtete sie durch seine Gnade. Zudem mochten sie auch aus den Prophezeiungen Ba- laams, die im ganzen Orient bekannt waren, wissen, daß jener Stern di? Ankunft des Messias verkünde. Tertullian und andere melden, sie seien aus dem glücklichen Arabien gekommen, und auch dieses ist wahrscheinlich, sowohl weil dasselbe von Judäa aus nach dem Aufgange hin lag und reich an Gold, Weihrauch und Myrrhen war, als auch weil diese Annahme mit der Prophezeiung des Jesaias übereinstimmt, der sagt: „Alle von Saba (d. i. Arabien) werden kommen" und mit jenem Ausspruche Davids: „Die Könige von Arabien und Saba werden Gaben bringen." Und wiederum: „Es wird ihm das Gold Arabiens gegeben werden." Ueber den Weg, auf dem sie aus Furcht vor Herodes in ihr Land zurückkehrten, findet sich in einem alten, im Jahre 1500 ohne Angabe des Verfassers in Cöln gedruckten Buche, daß er durch jene Länder führte, durch welche einst Holofernes mit seinem Heere aus Chaldäa nach Judäa zog und im Leben des h. Theo- dosius heißt es, daß sie in der Höhle dieses heiligen Einsiedlers übernachtet hätten. Auch der gelehrte Kardinal Baronius ist dieser Ansicht. Dagegen ist die Sage, daß sie nach der Himmelfahrt Christi vom h. Thomas im christlichen Glauben unterrichtet, getaust und zu Bischöfen geweiht und sodann in hohem Alter gestorben seien, nicht begründet; die Reliquien deuten auf ein Alter von 20, 40 und 60 Jahre und ist demnach anzunehmen, daß ihr Tod bald nach ihrer Rückkehr in ihre Heimath erfolgt sein muß. Aus den Berichten der Kirchenvater und der älteren Geschichtschreiber müssen wir schließen, daß ihre Leiber im Orient in hoher Verehrung standen, bis sie von der h. Helena, der Mutter des Kaisers Konstantin, nach Constantinopel gebracht und in der Sophienkirche beigesetzt wurden. Dort verblieben sie bis auf den Kaiser Emmanuel, welcher sie dem mit ihm besonders befreundeten Bischöfe Eustorgius von Mailand zum Geschenke machte. Dieser brachte sie nach Mailand. Um den Anfang des Jahres 4159 starb der Erzbischof von Cöln, Friedrich II. von Altena, in Italien, wohin er dem Kaiser gefolgt war, und im Februar oder März 1159 wurde der Kanzler des Kaisers, Rainald von Dassel, vom Domkapitel und der Stadtgemeinde von Cöln ein- müthig zum Erzbischose gewählt. Mit der erzbischöslichen Würde von Cöln war auch die eines Erzkanzlers des deutschen Reichs durch Italien verbunden und der Einfluß Rainalds beim Kaiser war so groß, daß er unstreitig nach dem Kaiser für die wichtigste Person des deutschen Reiches angesehen wurde. Als Reinald nun 1164 vom Kaiser in Pavia Urlaub nahm, um sich nach Cöln zu begeben, beschenkte ihn dieser nicht nur mit einem bedeutenden Bezirke auf beiden Seiten des Ticino, sondern machte ihm außerdem mit den Gebeinen der h. drei Könige ein Geschenk, das damals einen unschätzbaren Werth hatte. Bei der Zerstörung der Vorstädte Mailands durch die Mailänder selbst im Jahre 1158 entdeckte man in der vor den Thoren gelegenen Kirche — 3 — des h. Eustorgius drei Särge mit Reliquien, die allgemein für die von dem h. Eustorgius aus Constantinopel herübergebrachten Gebeine der h. drei Könige gehalten wurden. Man brachte sie in eine Kirche der Stadt und 1162 sielen sie mit vielen anderen Reliquien in die Hände der Eroberer. Der Kaiser zeigte sich um die Erhaltung der Reliquien sehr besorgt und schenkte sie den einzelnen Bischöfen, die sie zu ihren heimathlichen Kirchen brachten; was er mit den bedeutendsten derselben, den Gebeinen der h. drei Könige beabsichtigte, läßt sich nicht nachweisen, so Vieles auch die Sage darüber zu erzählen weiß. Erst zwei Jahre später, kurz vor seiner Abreise, erhielt sie Rainald vom Kaiser geschenkt und führte sie nebst den Gebeinen des h. Felix und des h. Nabor mit sich nach Cöln. Was die Nachricht der lütticher Quellen betrisst, daß der Kaiser die Reliquien der h. drei Könige zuerst dem Bischöfe von Lüttich und erst nach dessen Tode dem kölner Erzbischose geschenkt habe, so ist wenigstens das Letzte entschieden unrichtig. Denn während Heinrich von Lüttich nach einer gleichzeitigen Quelle im August 1l64, nach späteren Lüttichex Quellen söge» erst am 6. Oktober starb, trat Ncinald am 16. Juni mit den h. Gebeinen seine Rückreise an, hat sie also schon vor Heinrichs Tode vom Kaiser zum Geschenk erhalten. Rcinald verließ, wie gesagt, mit seinen Schätzen am 16. Juni das kaiserliche Hoflager zu Pavia; auf dem kürzesten Wege aber, durch das südliche Deutschland, durfte er nicht nach Köln zurückkehren, da ihm die Wege durch seine Feinde verlegt waren. Diese Feinde, die nicht ausdrücklich genannt werden, waren ohne Zweifel der Pfalzgraf Konrad, der Landgraf Ludwig von Thüringen, König Konrads Eidam und der junge Herzog Friedrich von Rotheuburg. Die Hoffnung aus reiche Beute mochte sie nicht weniger bestimmen, als ihre Feindschaft gegen den Erzbischof, denn es läßt sich nicht bezweifeln, daß ein Fürst, der mehrere Jahre mit fast unbeschränkter Vollmacht in Italien gewaltet hatte, dasselbe nicht mit leerer Hand verließ. Reinald, der von Allem, was in Deutschland vorging, sehr genau unterrichtet gewesen zu sein scheint, beabsichtigte deshalb durch Burgund und Lothringen seinen Rückweg zu nehmen. Am 12. Juni sandte er von Ver- celli einen Boten nach Köln mit einem Briefe voraus, damit ein würdiger Empfang der Heiligthümer vorbereitet werde und setzte seine Reise über Turin und den Mont Cenis nach Burgund fort. Reinald beabsichtigte, um seinen Feinden zu entgehen, von Burgund aus auf einem Umwege durch Flandern zurückzukehren; sein Weg hätte ihn durch das Gebiet des Grafen Heinrich von Champagne geführt, der ihm befreundet war. Aber wahrscheinlich von diesem gewarnt, zog er von Viennc durch Hochburgund zum Rheine und weiter den Strom hinab. Bei den zahlreichen Traditionen über die Durchführung der Gebeine der h. drei Kö- — 4 — nige zu Salms, Estrabonne, Bisanz, Breisach, Mainz, Erpel ist diese Richtung wohl nicht zu bezweifeln. Am 23. Juli 1164 langte Ncinald mit den Heiligthümern zu Köln an und wurde nach dreijähriger Abwesenheit von der Geistlichkeit und der Bürgerschaft mit ungemessener Freude und den größten Ehrenbezeugungen empfangen; unter feierlichen Gesängen wurden die Reliquien im Dome des h. Petrus niedergelegt. Nichts Werthvollcres hätte der Erzbischof von seiner Reise heimführen können, als diese Schätze, die das heilige Köln mit einem geistlichen Glänze umgaben, wie er in dieser Weise keiner anderen Stadt Deutschlands je geworden ist. Theilt auch unsere Zeit den frommen Glauben des Mittclaltcrs nicht, der das Wohl und Wehe einer Stadt auf mystische Weise mit dem Besitze der Gebeine ihres Schutzheiligen verband, der mit den h. drei Königen den Wohlstand und die Blüthe Mailands nach Köln überbracht glaubte, so können wir doch nicht läugnen, daß der Hauptgrund des Aufblühens und späteren Ansehens der nicderrheiuischen Metropole nächst ihrer günstigen Lage und der Rührigkeit ihrer Einwohner vor Allem in dem fortwährenden Zusammenströmen von Pilgern aus allen Theilen der Welt zu suchen ist. — Nächst dem h. Grabe zu Jerusalem, den Gräbern der Apostelfürsten zu Rom, den Gebeinen des h. Jakobus zu Kompostclla wird vorzüglich Köln das Ziel, wo das ganze Mittelaltcr hindurch gläubige Gemüther Befriedigung des religiösen Bedürfnisses suchten. Dadurch hob sich bald der Reichthum und der Handel der Stadt; neue Straßen entstanden an bisher unbewohnten Plätzen, nicht gar lange nachher wurde die Stadt mit Ringmauern von größerer Ausdehnung umgeben und noch war kein Jahrhundert seit der Ucbcrbringung verflossen, als man es unternehmen konnte, über den Gebeinen der Heiligen den Prachtbau des kölner Domes zu wölben. Mit jener Zeit, sagt eine Quelle des 15. Jahrhunderts, habe Köln begonnen zu wachsen au Ruhm und Macht und noch höre der Zusammenfluß der Gläubigen aus den fernsten Gegenden und von den Inseln des Meeres nicht auf. Vom Welsen Otto bis in's 16. Jahrhundert hinein bezeugten die meisten deutschen Könige und Kaiser den h. Gebeinen persönlich ihre Ehrfurcht, glänzende Gefolge begleiteten sie; Könige von England, von Dänemark, von Portugal und Cypern, Herzoge von Lothringen und von Burgund werden unter den Wallfahrern genannt; jeder fürstliche Besuch ward der Stadt eine Quelle des Reichthums. Gewiß hat sich Reinald durch die Ueberbringung der h. drei Könige dauernde Ansprüche auf die Dankbarkeit Kölns erworben. Der Hildesheimer Kirche, wo er früher Propst gewesen, übersandte Reinald 1164 nach seiner Rückkehr aus Italien drei Finger von den Reliquien der h. drei Könige. Die Reliquien der h. drei Könige befanden sich bei ihrer Ankunft in Köln wahrscheinlich in einem einfachen hölzernen Schreine. Alsbald aber wurde der Wunsch rege, einen würdigen metallenen Schrein für dieselben zu beschaffen. Die Opfergaben, welche zu diesem Zwecke gespendet wurden, waren bedeutend und dem entsprechend wurde auch der neue Schrein angefertigt. Derselbe hatte die Form einer K?rche, ein höheres Mittelschiff und zwei Seitenschiffe; war 7^ Fuß laug, 3^ Fuß breit und 8 Fuß hoch. Er war über und über mit Gold, Perlen und Edelsteinen (266 Gemmen) bedeckt. Den reichsten Schmuck hatte der vordere Giebel, welcher mit kunstreich getriebenen Figuren, seltenen, schön geschnittenen Steinen und prächtigen Ornamenten besät war. Die drei Häupter trugen goldene Kronen, deren jede 6 Pfund schwer war. Die obere Abtheilung dieses Schreines enthielt die Reliquien der heiligen Felix, Nabor und Grcgorius von Spolcto. Im alten Dome stand der Rcliquicuschrein in der Mitte desselben und wurde beständig von zwei geistlichen Wächtern bewacht; nach Vollendung des Chores des jetzigen Domes ward derselbe in eine besondere Kapelle hinter dem Hochaltai gebracht und seit 1864 befindet er sich im nördlichen Transepte unter der Orgel. Die Reliquien der heiligen drei Könige standen stets in hoher Verehrung und nicht nur das Volk strömte in großen Schaaren nach Köln, sondern auch Könige und Fürsten pilgerten mit großer Begleitung dorthin, um an ihrem Grabe zu beten und reiche Geschenke darzubringen. Als Heinrich von Luxemburg im Jahre 1309 in Aachen zum deutschen Könige gekrönt worden, begab er sich mit seinem ganzen Gefolge und seinem Hofstaate nach Köln, um am Grabe der heiligen drei Könige seine Andacht zu verrichten. Er brachte reiche Gaben an Gold, Edelsteinen und drei kostbare golddurchwirkte Baldachine als Opfer dar. Im Jahre 1337 kam Herzog Albrecht von Oestreich und 1338 der König von England nach Köln. Beide opferten kostbare Kleinodien. Ueberhaupt kam selten ein gekröntes Haupt in die Nähe von Köln, ohne den heiligen drei Königen seinen Tribut zu entrichten. Als im Jahre 1789 in Frankreich die Revolution ausbrach, fürchtete man in Köln mit Recht, daß sich dieselbe bald auch bis dorthin ausdehnen werde. Man war demnach darauf bedacht, die Reliquien der hh. drei Könige, sowie die Schätze des Domes in Sicherheit zu bringen. Im Beisein des Domkapitels wurden die genannten Reliquien in eine hölzerne Lade verpackt und versiegelt. Ueber den Befund sowie die Einpackung wurde ein Protokoll aufgenommen und sodann die Reliquien dem Gencralvikar Cas- pers übergeben, welcher sie nach Arnsbcrg, der Hauptstadt des Herzogthums Westfalen, überbrachte und in der Kapelle des Klosters Wcdinghausen niederlegte. Mit den Reliquien wurde auch der Domschatz dorthin übcrbracht, — 6 — die goldenen Kronen aber wurden nach Prag geflüchtet, von wo sie nach Darmstadt kamen aber nie wieder nach Köln zurückkehrten. Als der Krieg sich auch in die Gegend von Arnsberg hinzog, wurde der Reliquienschrein nach Frankfurt am Main geflüchtet. Nachdem Arnsberg, Frankfurt und Darmstadt dem Landgrafen von Hessen-Darmstadt zuertheilt worden, bemächtigte sich derselbe des ganzen Domschatzcs nebst den Reliquien und erst im Jahre 1803 gelang es dem Domkapitel von Köln, die Reliquien, nicht aber den Domschatz zurück zu erhalten. Als bischöfliche Commissare reisten der Vikar Nettekoven und der Rektor Fr. Jos. Richartz nach Arnsberg, wo sie am 8. Dezember eintrafen. In Gegenwart dieser und der hierzu ernannten landgräflichen Commission wurde nun zur Ueberreichung der Reliquien geschritten. Zunächst überzeugte man sich davon, daß die in Köln der Lade aufgedrückten Siegel noch unverletzt waren. Sodann wurde die Lade geöffnet und davon Akt genommen, daß sich in ihr dieselben und keine anderen Reliquien befanden, als früher zu Köln hineingelegt worden. Endlich wurde die Lade wieder geschlossen und sowohl mit dem Siegel des Generalvikariates als dem der landgräflichen Commission verschen. Am 14. Dezember kamen die Kommissare mit den Reliquien inDeutz an, wo sie dieselben einstweilen in der Hauskapelle der dortigen Abtei ausstellten. Die Uebertragung in den Dom zu Köln sollte am 4. Januar 1804,, jedoch in aller Stille stattfinden. Zu diesem Zwecke begab sich am Nachmittage dieses Tages der Dompfarrer Marx mit mehreren Geistlichen und zwei Wagen nach Deutz. Dort legten sie ihre geistliche Kleidung an, nah- men den hölzernen Rcliquienkasten in Empfang und stiegen in die beiden Wagen. Im ersten saßen zwei Priester, im zweiten der Dompfarrcr Marx und ein anderer Priester mit den Reliquien. Als sie jedoch auf die Schiffbrücke kamen, gaben die Zollaufseher mit ihren Büchsen eine Ehrensalve und geleiteten sodann die Reliquien bis zum Dome. So wurde ohne Absicht der Uebcrbringer das Ereigniß bald kund; die Bürger verließen ihre Geschäfte und der Andrang auf den Straßen wurde so groß, daß die Wagen nur langsam vorwärts kommen konnten. Plötzlich ertönten die Glocken des Domes; die Bürger waren in den Thurm eingedrungen und hatten sich der Glockenseile bemächtigt. Nachdem die beiden Wagen vor dem Dome angekommen waren, stiegen die Priester aus und brachten den Reliquienbehälter in die große Sakristei. Am folgenden Sonntage, den 6., Januar, dem Titularfeste der hh. drei Könige, sollte die Beisetzung innerhalb der Kirche stattfinden. Zur festgesetzten Stunde füllte sich der Dom mit Andächtigen. Eine feierliche Prozession wurde durch die Räume des> Domes und hierauf Pontisikalamt mik Predigt gehalten. Sodann wurden die Reliquien in die drei Königenkapelle übertragen. Am folgenden Sonntage fand die Drei-Königsfeier mit großem Glänze statt, welche auf 8 Tage ausgedehnt wurde. ' Die heiligen Gebeine waren nun zwar im Besitze des Domes, aber der kostbare Schrein befand sich noch in Frankfurt, wohin ihn das Domkapitel von Arnsberg aus geschickt hatte. Der dortige Stadtmagistrat und der Landgraf weigerten die Herausgabe und es kostete viele Mühe und große Verdrießlichkeiten, bis sie sich dazu verstanden. Als der Schrein endlich in Köln ankam, fand man denselben sehr verdorben. Des leichteren Transports wegen hatte man ihn nämlich auseinander nehmen müssen und so waren einzelne Theile sehr beschädigt. Er wurde nun so weit möglich wieder hergestellt und am 8. Januar 1807 wurden die Reliquien in denselben eingelegt. Statt der früheren goldenen Kronen waren drei neue vergoldete angefertigt. Im Jahre 1820 wurde der Rcliquienschrein beraubt; man fand jedoch die gestohlenen Theile in einem Acker bei Melaten wieder. Besonders bemerkcuswerth ist die Feier des 700jährigcn Jubiläums der Ucbcrtraguug der Reliquien im Jähre 1864. Eine ganze Oktav hindurch, vom 23. bis 30. Juli, wurde dasselbe begangen. In großen Mengen strömten die Gläubigen nach Köln und die so geräumige Domkirche konnte die zahlreichen Prozessionen kaum fassen. Zum Schlüsse derselben wurden die Reliquien wissenschaftlich untersucht und dadurch constatirt, daß der eine bei seinem Tode ein Jüngling, der andere ein Mann und der dritte ein Greis war. Maria, die Königin des Friedens, in der Kirche zur Schnurgasse zu Köln. m Jahre 1631 mußte die Königin-Witwe Heinrichs IV. von Frankreich, Maria von Medici, aus Frankreich flüchten und begab sich zunächst nach Brüssel. Als aber, nun ein Krieg zwischen Frankreich und Spanien losbrach, begab sie sich nach Holland und von da nach England, da ihre Tochter Henrictte die Gemahlin Königs Karl I. von England war. Aber auch hier war ihres Bleibens nicht; nach vielem Herumirren durch Europa kam sie zuletzt nach Köln, am 13. Oktober 1641. Durch ein Breoe Papst Urban's VIII. erhielt sie die Erlaubniß, die Karmeliterinncn des Klosters in der Schnurgasse besuchen und in ihre Klausur eintreten zu dürfen. Man hat sie sagen hören; daß all ihr Trost, den sie in Köln gefunden, ihr von — 8 — diesen Nonnen gekommen sei. Sonst hatte auch wahrlich die Königin Maria wenig Trost. Sie, die einem König vermählt worden war, Mntter eines Königs und zweier Königinnen, die alle drei noch am Leben waren und auf dem Thron saßen, sie lebte in ihren alten Tagen, in dieser reichen Stadt, in Armuth und Noth. Ans Mangel an Geld war sie hier genöthigt, ihren königlichen Schmuck zu verkaufen, ihre Domestiken zu entlassen, sich auf's Allernothwendigste zn beschränken; und selbst dies, wie man damals laut gesagt hat, fehlte ihr oft. Es war für das leidenschaftliche, nach Macht begierige Herz so schwer, Frieden und Ruhe zu finden. Sie fand sie mehr als irgendwo bei den Karmcliterinncn von Köln. Schon in den Tagen ihres Glücks, als sie Frankreich beherrschte, hatte sie dem Orden derselben Wohlwollen und Theilnahme gezeigt; im Jahre 1613 hatte sie den Grundstein zum Klostcrgcbäude der Karmelitcrinnen in Paris gelegt. Lange sollte ihr Verkehr mit unserem Kloster nicht dauern. Schon am 3. Juli 1642 starb die Königin. Als sie krank wurde, ließ sie es sogleich den Karmcliterinncn sagen und sie bitten, für sie zu beten. Sie hielten auch die ganze Zeit ihrer Krankheit hindurch ein Gebet für sie; und die Vicaria (Vorsteherin) Jsabclla vom h. Geist, die ihre Verehrung für Anna vom h, Bartholomäus*) kannte, schickte ihr ein Bildniß derselben. Die Königin hatte große Freude, als sie es erhielt. Bis zu ihrem Hinscheiden stand es am Fuß ihres Bettes. Als sie fühlte, daß ihr Ende herannahe, verfügte sie über ihre Hinterlassenschaft. Ihre Kapelle mit Allem, was sie Kostbares enthielt, bestimmte sie zu zwei gleichen Theilen den Karmeliterinnen zu Antwerpen und zu Köln. Was aber für unsere Nonnen viel wichtiger war, den Tag vor ihrem Tode sagte sie: „Mein großes Bild von dem heiligen Holz unserer lieben Frau zu Scharfenhövel vermache ich den Karmcliteriuncn zu Köln." Dieses ist das berühmte Gnadenbild in der Schnurgasse, das Bild, bei dem die heilige Jungfrau Maria vom Frieden verehrt wird, vom Frieden mit Gott, mit dem Nächsten und mit uns selbst. Schon seit Jahren hatte die Königin dieses Bild der heiligen Jungfrau stets vor Augen gehabt, wenn sie zu Gott um Läuterung ihres Innern, um Frieden der Seele betete. Während ihres Aufenthaltes in Brabant hatte sie aus einem Stück „von dem heiligen Holze" der Eiche zu Scharfenhövel,'"*) das sie in der Schatzkammer des Kardinal-Jnfanten gefunden, ein *) Diese war eine Gefährtin der h. Theresa. **) Zu Scharfenhövel in Belgien stand seit alter Zeit ein prachtvoller Eichbaum, an welchem man ein Bild der Mutter Gottes angebracht hatte, zu welchem namentlich die Hirten von Sichern häufig beteten. Im Jahre 1548 fand ein Hirt, welcher mit seinen Schafen vorüberkam, das Bild auf dem Boden liegen und steckte es ein, um es mit sich Hause zu nehmen, war aber plötzlich an allen Gliedern erstarrt - t) Muttergottesbild machen lassen, das immer vor ihr stand, wenn sie in ihrer Hauskapelle ihre Andacht verrichtete. Wie ihre Gebete sich immer an dieses. Bild knüpften, so brachte sie auch die Erhörung derselben mit ihm in Verbindung. Noch am nämlichen Abend, als die Königin gestorben war, fuhr der außerordentliche päpstliche Botschafter Nosetti, der zugleich mit dem damaligen Nuntius zu Köln, Fabio Chigi, später Papst Alexander VII., der Königin in den letzten Tagen beistand, nach der Schnurgasse, um dem Kloster persönlich diese frohe Nachricht zu überbringen. Das Bild, obschon nun Eigenthum des Klosters, ward gleichwohl demselben noch nicht übergeben. Um ihren letzten Willen zu vollstrecken, hatte die Königin außer ihrem Sohne, König Ludwig XIII. von Frankreich, den Kurfürst Ferdinand von Köln bestimmt. Dieser ließ sogleich Alles, was sie hinterließ, versiegeln und verschließen. Es dauerte einige Zeit, bis. ein Abgesandter des Königs von Frankreich in Köln anlangte, um das, was die Königin angeordnet hatte, zu vollstrecken und die Leiche nach Frankreich- zu bringen. Bei seiner Ankunft ließ die Superiorin des Klosters, Jsabclla vom h. Geist, auf die Ucbergabe des Gnadenbildes dringen, an dem ihr so- viel gelegen war, während alles Andere, was die Königin dem Kloster vermacht hatte, ihr wenig am Herzen lag. Der Prior der Karmeliten, der mit Freuden den Auftrag Jsabella's übernommen hatte, gab sich alle Mühe, dasselbe für unser Kloster zu erhalten. Aber der französische Kommissar machte immer neue Schwierigkeiten und wollte, da Andere das Bild zu besitzen wünschten, das Testament in einer willkürlichen Weise auslegen. Die Sache zog sich in die Länge. Schon war das neue Jahr herangekommen. Am 5. Januar 1643, dem Vorabend des Festes der heil, drei Könige, war das Verlangen der Nonnen nach dem Gnadenbilde besonders lebhaft; sie wünschten sehnlich, das heilige Bildniß im Kloster zu haben, um vor demselben, dem Gebrauche des Ordens gemäß, die Gelübde zu erneuern und und konnte sich nicht von der Stelle bewegen. Als man den Schäfer zu Hause vermißte, ging der Eigenthümer der Schafheerde auf die Weide, um ihn zu suchen Er fand ihn unbeweglich unter dem Eichbaum stehen und nachdem er den Hergang vernommen, nahm er das Bild und setzte es wieder an seine frühere Stelle Nun strömten von allen Seiten Wallfahrer hinzu und da Jeder ein Stückchen von dem Eichbaume abschnitt, um es mit sich nach Hause zu nehmen, so ward derselbe ganz verstümmelt und man sah sich veranlaßt, denselben umzuhauen. Als nun Herzog Albert und seine Gemahlin Jsabella Clara Eugenia. regierende Fürstin der Niederlande, dorthin kamen und einen Theil von der Eiche zu erhalten wünschten, gab man ihnen ein ansehnliches Stück von iN/z Fuß Länge und I Fuß Breite und Dicke. Dieses übergaben sie ihrem Schatzmeister mit dem Auftrage, es sorgfältig aufzubewahren und zu ihren Kleinodien zu legen. Als der Herzog gestorben war, schenkte es die Besitzerin dem nachfolgenden Landesherr», dem Kardinal-Jnfanten Ferdinand, der es ebenfalls in hohen Ehren hielt. — 10 — Dadurch gleichsam mit einem neuen Geiste erfüllt zu werden. Jsabella schickte nach dem Prior und ließ ihn dringend bitten, noch einmal zu dem französischen Abgesandten zu gehen. Auf ihren Wunsch, wiewohl ohne alle Hoffnung, etwas auszurichten, machte er sich auf den Weg, begleitet von einem anderen Geistlichen seines Klosters. Unterdessen ließ Jsabella die Kloster- gemcinde sich zum Gebete versammeln und die heilige Kommunion empfangen. Als die beiden Karmcliten zu dem Gesandten kamen, der in dem Hause wohnte, wo die Königin gestorben war, fanden sie ihn ganz verändert. Er empfing sie auf's freundlichste, gewährte plötzlich, was er fo lange versagt hatte, stieg mit ihnen die Treppe hinauf und führte sie in das Zimmer der Königin. Der Prior, in größter Freude, nahm das Bild auf die Schulter und trug es hinunter. Sogleich ward der Wagen angespannt; die Damen der Königin stiegen ein, um das Bild an die Stätte zu begleiten, wo es bleiben sollte. Als der Prior das Bild im Wagen und den Schlag zugeschlossen sah, eilte er mit feinen Gefährten auf Nebenwegen dem Wagen voraus, um den Nonnen die gute Nachricht zu bringen. Diese waren außer sich vor Freude uiid eilten nach dem kleinen Vorhof ihres Hauses, um, wie eine der Nonnen sich ausdrückte, „jenes Friedcusgestirn, jenen neuen Stern des Morgenlandes zu begrüßen, der am Vorabend dieses geheimnißvollen Tages, des Festes der heil, drei Könige erschien, um das Dunkel und die Trübsal der Christenheit aufzuhellen, der zu seinem Eintritt das Hauptfcst dieser Stadt Köln wähltej^um gleichsam den Gipfel ihres Glücks zu bilden, da sie schon so reich war an unvergleichlichen Schätzen heiliger Reliquien, aber jetzt mehr als je geehrt ward dadurch, daß diese Königin des Friedens hierher ihren Wohnsitz aufzuschlagen kam, um inmitten so vieler Heiligen in Ruhe zu verweilen, wie es geschrieben steht: In oivitats sanetilloata, reguievi et in plsnituäins sanatorurn ästentio nrsa."^) Als der Wagen ankam, stimmte Jsabella das Lalve reZina an. Aus den Händen jener Damen nahm sie das Bild in Empfang. Das Thor ward wieder geschlossen. In langsamem feierlichem Zuge trugen sie den kostbaren, theuren Schatz nach dem Saale, der ihr Chor wär, und fetzten ihn auf den Altar. Darauf ward eine heilige Messe gelesen. In dem eben erwähnten Bericht heißt es noch: „Die göttliche Vorsehung hatte es so angeordnet, daß beim Eintritt derjenigen, die durch ihre Gegenwart und ihren Schutz dies ihr Haus glorreich zu machen kam, ohne irgend eine menschliche Voraussicht am nämlichen Tage und fast in der nämlichen Stunde zum ersten Male Hand angelegt wurde, den Bau des Klosters und der Kirche zu beginnen, die ihr geweiht sein sollte: was als etwas sehr Merkwürdiges erschien, und unserer würdigen Mutter Vicaria *) In der heiligen Stadt habe ich ausgeruht und unter zahlreicher Schaar von Heiligen ist meine Wohnung. und uns Allen den Muth sehr erhöhte, auf die Garantie und Bürgschaft einer solchen Beschützerin und Stifterin den Bau fortzuführen, wiewohl menschliche Klugheit viel dagegen zu sagen fand." Wie die Nonnen sich im Besitz des Gnadenbildes sahen, dachten sie auch sogleich darauf, es in ihrer Kirche zur öffentlichen Verehrung auszustellen, unter dem neuen und schönen Namen „Königin des Friedens." Es war gerade um die Zeit, wo Fabio Chigi, der Nuntius zu Köln, nach Münster zu den Friedensunterhandlungen abreiste. Schon vorher waren in Köln Friedens - Abgesandten zu vorlaufigen Unterhandlungen zusammengetreten, unter denen jener außerordentliche päpstliche Botschafter war, der den Nonnen zuerst die Nachricht von dem Vermächtniß der Königin überbracht hatte. Der Wunsch nach Frieden war während der Drangsale des langen Krieges, der schon fünfundzwanzig Jahre gedauert hatte, in allen Herzen so lebhaft geworden. Dazu kam eine Vision Jsabella's vom heil. Geist, die in ihrer entzückten Seele Gebet und unmittelbaren göttlichen Beistand als sicherste Abhülfe für jede Noth der Welt ansah, sicherer als alle Siege und alle Künste des Nnterhandelns und der Unterredung. Weil die Welt nach Frieden dürstete, weil Alles um Frieden betete, ward beschlossen, die heilige Jungfrau bei diesem Bilde als „Königin des Friedens" anzuflehen. Unter diesem Namen, wodurch man das Gnadenbild in der Schnurgasse von anderen vielbesuchten Marienbildern unterschied, ward es bald weit und breit berühmt. Die Nonnen waren von dem lebhaften Verlangen erfüllt, sobald als möglich das Gnadenbild auszustellen. Erst sollte es am Feste des süßesten Namens Jesu (14. Januar), daun an dem darauf folgenden Sonntag, dann auf Maria Lichtmeß geschehen. Aber immer von neuem sahen sie die Erfüllung ihres sehnlichen Wunsches hinausgeschoben. Doch in Geduld fanden sie sich darein; ruhig erwarteten sie „die Zeit und Stunde, die der Herr in seiner Allmacht festgestellt." Länger als zwei Monate dauerte es noch. Endlich kam der Tag, an dem die Ausstellung Statt fand, ein Tag, der ihnen wie durch göttliche Fügung dazu auserwählt schien, nämlich der Sonntag Lätare, der in diesem Jahre auf den IS. März fiel, „ein geheimnißvoller und vor allen für die Ausstellung dieser Königin des Friedens geeigneter Tag, der wahrhaft inmitten der Trauer und Trübsal ein allgemeines I-ue- tars oder Freue dich, der unserer Kirche eine freudige Zeit bringen sollte. An diesem Lätare - Sonntag, im Jahre 1643, ward Morgens um sechs Uhr das Gnadenbild aus der Klausur herausgetragen und in der Kirche auf den neben dem Hochaltar stehenden Credenz-Tisch gestellt. Hier blieb es stehen, bis das Hochamt ansing, das von dem oben erwähnten Karmelitenprior, Simon vom heil. Paulus, gehalten wurde. Beim Anfang der Messe nahm er es von dem Tischchen und stellte es auf den Altar. „Einer unserer Patres", so schließt die Nonne ihren Bericht, „hielt eine — 12 — schöne Predigt und verkündigte am Schluß jenen glorreichen Namen Unserer lieben Frau vom Frieden. Der Zudrang des Volkes war groß. Seine Erlaucht, der apostolische Botschafter und nachherige Kardinal Signor Noseiti, kam auch, eine Messe zu lesen; was er seitdem oft in dieser Kirche gethan hat, die ganze Zeit über, wo er in Köln war." Die vorstehende Schilderung haben wir sdem Werkchen des Professors I. H. Hennes: „Das Kloster der Karmeliterinnen in der Schnurgasse zu Köln" entnommen, welches uns die Berichte der Nonnen selbst vor Augen stellt. Wir wollen demselben noch kurz die Baugeschichte der Kirche sowie die Erzählung einiger wunderbarer Begebenheiten beifügen, welche auf die Fürbitte der Königin des Friedens geschehen sind. In der ersten Zeit, wo sich die Karmeliterinnen in Köln niedergelassen hatten, bewohnten sie ein dem späteren Kloster gegenüberliegendes Haus zur Miethe, an welchem sie eine kleine Kirche errichtet hatten. Sie faßten aber gleich den Entschluß ein geeignetes Kloster und eine Kirche zu erbauen und nachdem ein geeigneter Bauplatz erworben war, sollte am 16. Juli 1643 der Grundstein zu den Neubauten gelegt werden. Die Feier der Grundsteinlegung wird wie folgt erzählt: „Kurfürst Ferdinand kam selbst nach Köln, um dabei zugegen zu sein. Zuerst war ein Hochamt. Auf dem Martinsfeld war ein hoher und schöngeschmückter Altar errichtet, gerade an der Stelle, wo später das Gnadenbild stehen sollte, das an diesem Tage vom frühen Morgen an ausgestellt war „mitten in diesen Weingärten wie ein neuer fruchtbringender Weinstock." In der Nähe desselben waren Zelte angebracht für den Kurfürst, für den Adel, für den Bürgermeister und den Magistrat: niemand wollte bei dieser Festlichkeit fehlen. Ueberall waren Teppiche ausgebreitet, ringsumher Maien aufgestellt. Der Weihbischof las die Messe. Es war ein schönes musikalisches Amt, wozu der Kurfürst seine Hofkapclle von Bonn mitgebracht hatte. Darauf herrschte tiefe Stille; die Predigt begann. Dann segnete der Weihbischof den Grundstein. An demselben war eine kupferne Platte befestigt, worauf die Urkunde der Handlung eingegraben war. Der Kurfürst nahm unter Pauken- und Trompetenschall den Stein in die Hände, legte ihn und that den Hammerschlag. Dreimal wurden die Böller gelöst, Raketen und Feuerkugeln stiegen in die Höhe. Himmel und Sonne begünstigten das Fest; das Wetter hätte nicht schöner sein können." Im Jahre 1649 war das Klostergebäude so weit vollendet, daß die Karmeliterinnen am 14. Oktober ihren Einzug halten konnten. Nach vielen Mühseligkeiten ward 1685 auch die Kirche vollendet und es wird die Eröffnung derselben wie folgt beschrieben: „Am Borabend des Festes der h. Mutter Theresa, der auf einen Sonntag fiel, sollte die Feierlichkeit stattfinden. Alles ward dafür hergerichtet. Man ließ eine schöne Tragbahre machen, ruhend auf vier Säulen. — 13 — die versilbert und vergoldet und nach oben verlängert waren, wo sie durch Blumen und anderen Schmuck verbunden, eine Art von Himmel bildeten. Darauf befestigte man das Gnadenbild, am Abend vor der Feierlichkeit. Es sollte in Prozession getragen werden, unter dem Geleit der ganzen Gemeinde der Karmelitenpatres. Auf die Einladung der Nonnen boten die nicht weit vom Kloster wohnenden Stiftsherren von St. Severin sich an, der Feier beizuwohnen; es wollten sogar vier der ersten, in ihren Festgewändern, das heilige Bild tragen. Aus der kleinen Kirche sollte die Prozession ausgehen. Sonntags wurde die Trage da aufgestellt. Das Volk war so zahlreich herbeigeströmt, daß die, welche mit zur Prozession gehen sollten, Blühe hatten, durchzukommen und in die Kirche zu gelangen. Zum letzten Mal sang hier die Gemeinde das Martyrologium, hörte die Messe und empfing die h. Communion, um sich so durch innere Akte vorzubereiten, neue Gnaden zu empfangen beim feierlichen Eintritt in die neue Kirche. Um 10 Uhr kam der Prior mit der ganzen Gemeinde in festlichem Aufzug; er selbst sowohl als Diakon und Subdiakon in sehr schönen Gewändern, neu angefertigt für die Feier, nahm das h. Sakrament ans seinem alten Tabernakel, stimmte das Dsmtum ei-Ao an, desgleichen das (Zenitori Asnitoguo, gab zum letzten Mal den Segen in der kleinen Kapelle, was zu Thränen rührend war, besonders für diejenigen, die sich erinnerten, dreißig Jahre vorher am selben Tage hier den ersten Segen empfangen zu haben. Da die Kapelle so klein war und angefüllt vom Volk, wartete das Collegium von St. Severin vor der Pforte. Vier junge starke Männer brachten das h. Bild aus der Kapelle; die vier Stiftsherren übernahmen es nun und trugen es während der ganzen Prozession. Mehrere Kinder, als Engel gekleidet, gingen dem h. Sakrament und unserer lieben Frau vom Frieden zur Seite. Obwohl die Priorin nur acht oder zehn bestellt hatte, schlössen sich so viele au, daß ihrer über zwanzig waren. Die Prozession ging nicht ans dem nächsten Wege von der alten nach der neuen Kirche; man zog durch mehrere Straßen, um sie feierlicher zu machen und der Andacht des Volkes zu genügen. ' Es hatte etwas außsrordentlich Erbauendes, alle Glocken läuten zu hören da, wo die Prozession vorbei kam, was ziemlich lange dauerte. Unterdeß fiel wechscls- weise die Musik ein; Pauken und Trompeten erklangen; dazwischen der Gesang der Stiftsherren. Bei der St. Severinskirche angelangt, nahm man das Bild herunter und gab mit dem h. Sakrament den Segen. Alles lief cherbei, wie schon früher in der Kirche, um am Gnadenbild verschiedene Gegenstände anzurühren. Weiter ging der Zug, das Gnadenbild näherte sich, kam an auf dem Platz vor der Pforte der neuen Kirche; die Stiftsherren begannen das Tedeum und sangen im Choral mit den Patres. „Einer unserer guten Freunde hatte angeordnet, daß die Geschütze spielten, zum Zeichen des Triumphs, womit die Königin des Friedens und ihr lieber Sohn Besitz nahmen von ihrer neuen Wohnung." Der apostolische Nuntius erwartete die Prozession und las in der Kirche die erste Messe. Vorher hielt einer der Patres eine Predigt zu Ehren der h. Jungfrau, von der das Volk sehr ergriffen war. Es begann das Hochamt, das der Prior sang; es war die Mariahimmelfahrtsmesse, deren Jntroitus die Welt ermahnt, sich zu freuen im Herrn bei dieser Feier. Die Musik bei der Messe war sehr feierlich, wechselte ab mit Pauken und Trompeten und gleichsam als Widerhall erdröhnte das Geschütz. Desgleichen Nachmittags bei der feierlichen Vesper und Complet, aber besonders während des Tedeums, wobei das gesammte Volk mitsang, abwechselnd mit der Musik. Am anderen Tage, dem Feste der h. Mutter Theresa, war noch eine Feierlichkeit; die Messe, Vesper und Complet mit schöner Musik nebst Pauken und Trompeten und zwei schönen Predigten zu Ehren der Heiligen." Das Muttergottesbild wurde bald berühmt und nah und fern kannte man das Kloster das nach ihm: „bei unserer lieben Frau in der Schnurgasse" benannt wurde. Viele Tausende wallfahrten dahin, um in der Nähe dieses Gnadenbildes zu beten und Befreiung von allerlei Drangsalen und Uebeln zu erlangen, und viele Tausende haben den verlorenen Seelenfrieden wieder gefunden. In Noth und Gefahren gedachte man dieser Stätte des Trostes und der Hülfe. Ein alter Seemann, der weit weg, in den nordischen Meeren, an der Küste Schwedens in Sturm und Brandung seinen Tod vor Augen sah, betete zur h. Jungfrau in der Schnurgasse zu Köln, die er oft auf einem Schifflein stehend abgebildet gesehen und von der man ihm erzählt hatte, daß sie einst auch die vertriebene Königin von Frankreich glücklich über die empörten Wogen der Nordsee geleitet und im Sturm beschützt habe. Als er darauf gerettet in sicherer Bucht vor Anker lag, bedachte er, was doch das Theuerste sein möchte, was er besitze — und da fand er endlich, daß dieses ein silbernes Kreuz war, welches er auf seiner Brust trug und womit er für seinen Muth und seine Tapferkeit in einer Seeschlacht geschmückt worden war. Da beschloß er, dieses sein theuerstes Kleinod dem Muttergottesbilde zu opfern, trat sogleich seine Reise nach Köln an und verehrte, hier angekommen, dem Kloster sein silbernes Kreuz, welches noch heutzutage an dem Bilde zu sehen ist. Auch Papst Alexander VII. sandte sein emaillirtes, mit kostbaren Edelsteinen reich besetztes Portrait den Klosterfrauen in der Schnurgasse, um, wie er sich selbst ausdrückte, dasselbe dem Gnadenbild als ein Zeichen der innigsten Verehrung gegen die h. Jungfrau anzuhängen. Dieses kostbare Schmuckwerk wird leider seit der Säkularisation des Klosters vermißt und ist an dessen Stelle eine Nachbildung des päpstlichen Portraits auf Papier zurückgelassen worden. Als im Jahre 1683 die Türken mit einem Heere von fast 200,000 Mann vor Wien anrückten und die kaiserliche Residenz sich in großer Noth befand, da wurden mehrerwähnte Klosterfrauen von Wien und selbst von — 15 — Rom aus angelegentlichst ersucht, die heilige Mutter Maria vertrauensvoll anzuflehen, sie möge durch ihre Fürbitte bei Gott das deutsche Reich vor den schrecklichen Drangsalen des blutigen Krieges bewahren und die drohende Macht der Türken brechen. Die Nonnen entsprachen sofort der an sie gemachten Aufforderung und ließen am Lätare-Sonntag desselben Jahres ein allgemeines Gebet in ihrer Kirche abhalten. So viel ist gewiß: wunderbar erschien der bedrängten Stadt Wien ein Retter in der Noth in der Person des tapfern Polenkönigs Johann Sobiesky; der Halbmond mußte dem weißen Adler weichen. Und außerdem, wie viele einzelne bedrängte Menschen haben bei dem Bildnisse der Königin des Friedens Trost und Hülfe gefunden! Manches Blatt könnte man beschreiben, wollte man die unzähligen Heilungen aufzeichnen, deren Andenken uns in geschriebenen und mündlichen Ueberlieferungen erhalten sind. So ist selbst jetzt noch St. Maria in der Schnurgasse die Zuflucht in allen Anliegen und Nöthen und nicht leicht wird man diese Kirche betreten, ohne Jemand in stillem Gebet hier zu finden. Maria in der Kupfergasse zu Köln. Reisende, den sein Weg durch die schönen Rheiugegenden führt,, wird hier mehr Kirchen und Kapellen, die der Königin des Himmels geweiht find, als in manch anderen Gegenden finden. Diese, sowie die zahlreichen Wallfahrtszüge, die ihm am Rhein hinauf und hinab begegnen, geben Zeugniß von dem echt christkatholischen Sinne der Rheinländer, von ihrer besonderen Verehrung der allerseligsten Jungfrau. In dieser kindlichen Verehrung zeichnet sich besonders die altehrwürdige Stadt Köln aus. Zeugniß davon gibt besonders der zahlreiche Besuch der schönen Loretto- Kapelle in der Kupfergasse, die schon seit 200 Jahren mit einem wunderthätigen Gnadeubilde unserer lieben Frau geziert ist. Im Anfange des 17. Jahrhunderts mußte Anna von Jesus, Priorin des Karmelitenklosters in Herzogenbusch im Königreiche Holland das von ihr gestiftete Kloster in Folge der Eroberung der Stadt verlassen und flüchtete sich in das sogenannte englische Kloster in Antwerpen. Nachdem sie hier mit den andern Schwestern einige Zeit in größter Liebe und Eintracht gelebt hatte, begab sich ein Theil von ihnen nach Köln, wo damals Kurfürst und Erzbischof Ferdinand regierte. Die würdige Mutter wünschte hier ein Kloster zu gründen und kaufte deshalb das Haus des Weihbischofs auf dem Domplatze, wo sie 6 Jahre lebte. Hierauf erwarb sie die sogenannte Euria ^rapolitana und weihte Iv diesen Ort der seligsten Jungfrau Maria, dem h. Joseph und der h. Mutter Theresia. Der Ort, wo jetzt die Kapelle zur wunderbaren Mutter Gottes und die Kirche steht, ward von Gott selbst als ein Ort seines Wohlgefallens bezeichnet. Man hörte öfters an dieser Stelle die lauretanische Litanei von Engeln singen, sah auch 3 Fackeln wie Sterne darüber schweben als sicheres Zeichen ihrer einstigen Heiligkeit. Die würdige Mutter Norbertina von Jesu, welche 1668 im Rufe der Heiligkeit starb, sagte voraus, die neue Kapelle und die Kirche würden un- erachtet der vielen Anfeindungen dennoch erbaut werden, und bezeichnete die Stelle, wo einst der Hochaltar stehen werde, und der Erfolg bewahrheitete ihre Aussage. Im Jahre 1675 wurde die Kapelle erbaut und im Jahre 1775 der Grundstein zur Kirche gelegt und dieselbe auf's Herrlichste vollendet. Die Kapelle wurde nach dem Vorbilde des h. Hauses von Loretto gebaut an der Stelle, wo man einst den Gesang gehört und die Fackeln gesehen hatte. Vom 8. September, dem Feste Maria Geburt, an wurde bei ausgestelltem Allerheiligsten eine achttägige Andacht gehalten und täglich zweimal gepredigt. Der Kurfürst Maximilian Heinrich schenkte der Kapelle eine ein Pfund schwere goldene Kette. Diese nebst anderen werthvollen Geschenken sind aber leider verschwunden. Fast tägliche Wunder vermehren die Liebe und das Vertrauen zu unserer lieben Frau von Seiten der katholischen Bewohner Kölns in hohem Maaße und die Kapelle ist weit und breit berühmt. Maria-Ablatz zu Köln. ur Zeit, als edle Begeisterung die Herzen der deutschen Männer M^und Jünglinge durchdrang und sie anspornte, die heiligen Stätten in Palästina aus den Händen der Ungläubigen zu erobern, schloß sich auch ein kölnischer Ritter, Namens Bruno von Mauenheim dem Krcuzzuge Kon- rad's III. an. Bekannt ist das traurige Loos, welches die Christen bei dieser Unternehmung traf. Gleich vielen Andern wurde auch Bruno gefangen, mit Ketten belastet und in einen dunklen Kerker geworfen. Nach vielen Mißhandlungen bietet man ihm endlich die Freiheit an, jedoch unter der Bedingung, daß er seinen Glauben abschwöre. Mit Verachtung wies der Tapfere den schmachvollen Antrag zurück; dagegen wandte er sich vertrauensvoll an die seligste Jungfrau, die er allezeit verehrt hatte, und suchte bei ihr Schutz und Hülfe. Da erscheint ihm in einem Traumgesichte, von Glorie umstrahlt, die gute Mutter und löst die — 17 — Ketten von seinen Händen und Fußen. Der Ritter erwachr, die Fesseln liegen am Boden, die Thüren des Gefängnisses stehen .offen. Auf Mariens Schutz vertrauend entflieht der Unglückliche und erreicht glücklich das ehrwürdige Köln. Schon auf der Flucht hatte Bruno gelobt, aus Dankbarkeit der Mutter des Herrn in Köln ein Kirchlein zu bauen. Sogleich nach seiner Ankunft daselbst erfüllte er das Gelübde. Aber nachdem der Ban vollendet war, schien er ihm zu gering; er ging mit dem Plane um, eine größere Kirche zu bauen. Deswegen befahl er auch, die ihm zu kleine Kapelle abzubrechen. Da nun die Werkleute den Auftrag vollzogen, erblickten sie plötzlich an einer Seitcnwand ein schön gemaltes Mnttergottesbild. Man rief Bruno herbei, welcher zu seinem großen Erstaunen sah, daß das Bild jene Züge Mariens besitze, die er im Traume erblickt hatte. Sofort ließ er auf dieses Wunder hin den Abbruch einstellen und hing zum ewigen Gedächtnisse seine Ketten und Sporen in der Kirche auf. Man sieht sie noch heutzutage. Von nun an erschienen Pilger aus allen Gegenden Europa's in der heiligen Kapelle und keiner ging ungetröstet von danncn. Einst erschien auch eine Kaiserin zu Köln und wollte das wunderbare Bild mit eigenen Augen sehen. Zuvor aber sollten die alten Farben wieder erneuert werden. Der seligsten Jungfrau aber war dieses nicht angenehm. Beim Eintritte der Kaiserin verschwand jede Spur der Restauration. Zwei weitere Versuche blieben ebenso erfolglos. So behielt denn das Gnadcnbild bis auf den heutigen Tag seine ursprüngliche Gestalt und wird auch jetzt noch von zahlreichen Pilgern aus Nah und Fern besucht und verehrt. Die Verehrung des h. Makernus in Sk. Cäcilien und Lyskirchen zu Köln, sowie zu Kodenkirchen. er heil. Maternus war der erste Bischof von Köln. Indessen haben die Gelehrten sehr darüber gestritten, ob derselbe im ersten oder im vierten Jahrhunderte nach Christus gelebt habe. Daß ein Maternus im 4. Jahrhundert Bischof von Köln war, ist unbestritten, nur fragt es sich, ob ein Bischof gleichen Namens auch im 1. Jahrhundert regiert habe. In einer besonderen Abhandlung über die Ausbreitung des Christenthums in der Diözese Köln werden wir diese Frage ausführlich behandeln und theilen deßhalb die Resultate unserer Forschungen hier nur in Kürze mit. — 18 — Es war das Bestreben gewisser Zeiten des Mittelalters, jede Kirche- als die älteste darstellen zu wollen, um ihr so einen gewissen Vorrang vor den andern Kirchen zu sichern. Besonders aber bemühte man sich, den Ursprung derselben auf die Apostel zurückzuführen und so kam es denn, daß man die ersten Stifter dieser Kirche für Schüler der Apostel ausgab. Die Saie war dabei sehr beschäftigt, diese Stiftungen mit vielen Einzelheiten auszuschmücken, um sie dadurch glaubwürdiger zu machen. Indem man aber zugleich wirkliche historische Thatsachen aus späteren Zeiten in die frühere Zeit versetzte, verdunkelte man die Geschichte und brachte eine große Verwirrung hervor. In gleicher Weise ist es auch bezüglich der kölnischen Kirche geschehen.. Man übertrug die geschichtlichen Thaten des im vierten Jahrhunderte lebenden Bischofs Maternus auf den Maternus, welchen man als einen Schüler der Apostel annahm und schmückte sodann dessen Lebensgeschichte mit vielen anderen Episoden aus, welche mit der Zeit noch immer vermehrt wurden. So kennt die älteste Lebensbeschreibung dieses angeblichen Maternus eine ganze Reihe von Thatsachen nicht, welche später berichtet werden, also willkürlich hinzugefügt worden sind, z. B. daß er der von Christus aufcrweckte Jüngling von Naim oder einer der 72 Jünger Jesu gewesen sei. Aber diese älteste Urkunde enthält zugleich mehrere Thatsachen, welche nur dem Maternus des 4. Jahrhunderts zukommen können, und daraus müssen wir schließen, daß im ersten Jahrhundert ein h. Bischof Maternus nicht gelebt hat. — Auch alle anderen geschichtlichen Daten zeigen deutlich, daß die Stiftung der kölnischen Kirche zu oder gleich nach der Zeit der Apostel unmöglich geschehen sein kann und auch daraus müssen wir den Schluß ziehen, daß der h. Maternus, welcher in der kölnischen Kirche verehrt wird, derjenige des 4. Jahrhunderts ist und daß dieser zugleich als der Stifter und erste Bischof der kölnischen Kirche angesehen werden muß. Es war in älterer Zeit Gebrauch, daß diejenigen, welche sich dem Bekehrungswerke in Deutschland widmeten, sich hierzu die Erlaubniß vom Papste in Rom erbaten und deßhalb persönlich nach Rom reisten. Vom Papste erhielten Sie ihre Sendung und auf Grund dieser Sendung stifteten sie dort, wo sie wirkten, Bischofssitze. So finden wir es bei allen Aposteln des Evangeliums bis auf Bonifazius herab. Sollte nun der h. Maternus dieses Gesetz nicht beachtet und ohne diese Sendung aus eigener Machtvollkommenheit das Evangelium verkündigt und seinen Bischofsitz gegründet haben? Solches ist höchst unwahrscheinlich. Wir finden diese Annahme auch durch die Legende bestätigt, nur irrt dieselbe darin, daß, was vom Stuhle Petri, das heißt vom Papste in Rom gilt, auf die Person Petri übertragen worden ist. Der Weg von Rom führte ihn durch den Elsaß und über Trier und daher auch die beständige Ueberlieferung an diesen Orten. — 19 — Nach der Legende kam der h. Maternus mit den Heiligen Eucharins und Valerius nach Deutschland, um das Evangelium zu verkündigen. Zuerst traten sie im Elsaß als Apostel auf und kamen in ein Dorf am Jll, wo indessen der h. Maternus von einem heftigen Fieber ergriffen wurde und starb. Hierauf eilten die beiden anderen Apostel nach Rom zurück, wo sie den Stab des h. Petrus erhielten") mit der Weisung, denselben auf den Leichnam des h. Maternus zu legen, dann werde derselbe wieder auferstehen. Als sie nun nach dem Elsaß zurückgekehrt waren, thaten sie, wie ihnen befohlen war, und der h. Maternus stieg gesund und unversehrt aus dem Grabe hervor, in Folge dessen eine große Menge Volkes den christlichen Glauben bekannte und sich taufen ließ. Hierauf zogen sie nach Trier, wo sie bald viele Heiden zum Christenthum bekehrten und in dem Bache, welcher mitten durch die Stadt floß, tauften. Hier nun gründete Eucharius feinen Bischofsitz, während Valerius und Maternus in der Umgegend das Evangelium verkündeten. Der h. Maternus kam nach Köln, wo das Christenthum gute Ausnahme fand. Hier gründete er zwei Kirchen, deren eine er zu Ehren der Gottesmutter Maria, die andere, ein Oratorium zu Ehren des Apostelfürsten Petrus weihte. Die erstere Kirche wurde später der h. Cä- cilia geweiht. Daß der h. Maternus, d. h. derjenige des 4. Jahrhunderts hier eine Kirche errichtet habe, scheint durch den Bericht des Ammianus Marcellinus bestätigt zu werden, welcher bei der Ermordung des Kaisers Silvanus im Jahre 355 bemerkt, daß hier ein christliches Bethaus stand. Die vielen hier gefundenen Mosaikfußböden sowie die sonstigen Mauerreste deuten daraus hin, daß hier das Prätorium oder Hauptquartier des Militärlegaten gestanden hat. Nach der uralten, beständigen Ueberlieferung soll diese Kirche noch mehrere Jahrhunderte hindurch als bischöfliche Kirche gedient haben, welches auch dadurch eine Bestätigung zu erhalten scheint, daß bis in späterer Zeit die kölnischen Bischöfe in der Christnacht hier den Gottesdienst abhielten. Als man späterhin in der Nähe des vom h. Maternus erbauten Oratoriums zum h. Petrus eine neue Bischofskirche erbaute, nannte man diese Neumünster (novuin rnonnstsrinin), während die Cäcilienkirche Altmünster (vetus ruonastsriuin) genannt wurde. Das erwähnte Oratorium, welches in der Nähe der St. Andreaskirche gestanden, wird noch im Mittelalter als Kapelle zum h. Mathias und Viktor genannt und führte auch den Namen „der alte Dom." Auch in Tongern verkündete der h. Maternus das Evangelium und soll dort Viele zum Christenthums bekehrt haben. Reich an Verdiensten starb der h. Maternus zu Köln am 13. September vor dem Jahre 344, in welchem sein Nachfolger Euphrates als Bischof von Köln auf der großen Synode zu Sardika in Thracien erscheint. *) In Betreff der Ueberbringung des Stabes des h. Petrus besitzen wir außer dieser Legende keine geschichtlichen Nachrichten. 2* Eusebius schreibt im 5. Kapitel des 10. Buches seiner Kirchengcschichte, daß der Bischof Maternus von Köln im Jahre 312 mit anderen Bischöfen Italiens und Galliens nach Rom berufen worden sei, um die Lehre des Bischofs Cücilian von Karthago zu untersuchen und Optatus sagt im 1. Buche gegen Parminian, daß von diesen Bischöfen Donatus verurtheilt, Cä- cilian aber frei gesprochen worden sei. Im darauf folgenden Jahre befand sich der h. Maternus auf dem Concil zu Arles, dessen Akte er unterschrieb. Die Legende berichtet nun weiter, nach dem Tode des h. Maternus hätten sowohl die Trierer als die Tongerer Ansprüche auf dessen Leiche erhoben und Boten gesandt, um dieselbe abzuholen. Man habe sich endlich auf Anrathen eines Greisen dahin geeinigt, daß die Leiche auf ein Schiff gesetzt und dasselbe den Wellen überlassen werden sollte. Würde das Schiff sich ohne eines Menschen Zuthun stromaufwärts bewegen, so solle die Leiche Eigenthum der Trierer, wenn rheinabwärts, Eigenthum der Tongerer und würde es sich nicht bewegen, Eigenthum der Kölner sein. Das Schiff nahm seinen Lauf aufwärts bis zu dem etwa eine Stunde oberhalb Köln liegenden Dorfe Rodenkirchen, wo dann die Trierer die h. Reliquien in Empfang nahmen und nach ihrer Stadt brachten. Die Eingeweide des h. Maternus blieben jedoch in Rodenkirchen. Zur Entschädigung erhielt Köln die Hälfte vom Stäbe des h. Petrus, Tongern den Stab des h. Maternus. Besondere Verehrung genießt nun der h. Maternus zu Köln in den Kirchen Maria Lyskirchen und St. Cäcilien, sowie ferner zu Rodenkirchen. Diese Verehrung dauert mit Ausnahme von St. Cäcilien, wo eine feierliche Oktav gehalten wird, 14 Tage unter großem Zudrang des gläubigen Volkes. Alsdann kommen auch mehrere Prozesstonen aus verschiedenen Orten der Erzdiözese, um den Heiligen um Hülfe und Beistand in allen Anliegen anzurufen. Der Kreuzberg bei Bonn. estlich von Bonn erhebt sich auf dem sogenannten Vorgebirge der Krcuzberg, welcher seiner schönen Lage und Aussicht halber von den Besuchern des Rheines häusig bestiegen wird. Auf der Spitze dieses Berges steht eine prachtvolle Kirche, in welcher wir von Morgens bis Abends stets fromme Beter sehen. Oberhalb Lengsdorf und nahe bei dem Wege nach Jppcndorf stand auf dem Kreuzberge in alter Zeit eine Wallfahrtskapelle, in welcher von den umwohnenden Gläubigen das heilige Kreuz und die schmerzhafte Gottesmutter verehrt wurde. Jetzt ist diese Kapelle verschwunden und an deren Stelle befindet sich ein verfallenes Heiligenhänschen. — 21 — Wann die Wallfahrten zu dieser Kapelle entstanden sind, kann nicht angegeben werden; es steht aber fest, daß dieselben im Jahre 1429 in hoher Blüthe standen. Im dreißigjährigen Kriege wurde diese Kapelle großentheils zerstört und der damalige Erzbischof von Köln, Kurfürst Ferdinand von Bayern, beschloß, eine neue Kapelle zu bauen. Er entschied sich aber für die Stelle, wo die jetzige Kirche steht, weil ihm dieser Punkt geeigneter für den Ban erschien. Die Sage erzählt, der Kurfürst sei, um eine geeignete Stelle für den Neuban zu suchen, dorthin geritten, da habe sein Pferd ein tiefes Loch mit seinem Hufe in den Boden gescharrt und hieraus habe der Kurfürst den Schluß gezogen, daß er an dieser Stelle nach Gottes Willen die Kapelle bauen solle. Am 3. Mai 1627 legte er den Grundstein und an demselben Tage des folgenden Jahres wurde das Gotteshaus durch den Wcihbischof van Köln, Otto Gereon, feierlich eingeweiht. Das aus Birnbaumholz geschnitzte Gnadenbild der schmerzhaften Gottesmutter wurde bei dieser Gelegenheit in die neue Kirche gebracht, welcher der Kurfürst eine Reliquie des heil. Kreuzes und Reliquien des h. Scbastianus schenkte. Von nun an nahm die Wallfahrt zu dieser Kirche immer mehr zu. Da die Geistlichkeit von Bonn dem Bedürfnisse der Seclsorge nicht genügte, so wandte sich der Kurfürst 1636 an die Serviten zu Innsbruck um Ueberlassung von vier Ordensbrüdern. Am 4. März 1637 trafen vorläufig zwei Patres, Coele- stinns Maria Pappus und Amadcus Maria Stieber mit dem Bruder Ubal- dus von Regensburg ein. Sie bezogen ein kleines Haus auf dem Krcuz- berge, konnten aber dem Bedürfnisse nicht genügen, weshalb ihnen bald noch drei Patres aus Innsbruck folgten. Der Grund und Boden, auf welchem die Kirche erbaut worden, gehörte dem Propste des Cassinsstiftes in Bonn. Dieser trat denselben mit Umgebung an die Serviten ab und nun wurde das Kloster errichtet. Peter Stauber, früher kaiserlicher Rath bei der Regierung zu Innsbruck und jetzt Prior auf dem Kreuzberge, erzählte dem Kurfürsten von einem schönen Marienbilde, welches sich in dem Servitenkloster zu Innsbruck befinde. Der Kurfürst ließ eine Copie desselben anfertigen und ließ dieselbe 1641 in der Kirche auf dem Kreuzbcrge an der Wand des westlichen Kreuz- armes aufhängen. Am darauf folgenden Tage verrichtete ein Mann aus der Nachbarschaft in der Kirche fein Gebet. Da bemerkte er rings um das Bild einen hellen Schein und dieses bewog den Kurfürsten, eine ewige silberne Lampe zu stiften, welche vor dem Bilde aufgehängt wurde. Von den vielen wunderbaren Gebctserhörungen, welche von diesem Wallfahrtsorte berichtet werden, führen wir nur eine an. Der Ritter Walpott von Bornheim hatte einen kranken Sohn, dessen Ende man jeden Augenblick erwartete. Da alle menschlichen Hülfsmittel nichts fruchteten, gelobten die betrübten Eltern eine Wallfahrt nach dem Krcuzberge. Sofort trat bei ihrem Sohne Besserung ein und sie machten sich bereit, alsbald die Wallfahrt anzutreten in der Hoffnung, das Kind bei ihrer Rückkehr geheilt zu finden. Dieses aber sprach: „Lasset uns zusammen nach dem Kreuzbergc gehen!" Das Kind war genesen und vollführte in Gemeinschaft der Eltern die Wallfahrt. Wie der Kurfürst Ferdinand, so war auch sein Nachfolger Maximilian Heinrich ein Beschützer dieser Wallfahrt. Er vermehrte die Zahl der Mönche auf 16 und vermachte an das Kloster 4666 Reichsthaler sowie 366 Rthlr. für Seelenmessen. Das Jahr 1689 war für das Kloster und die Kirche auf dem Kreuzbergc ein Schrcckcnsjahr. Bei der Belagerung von Bonn plünderten die Franzosen das Kloster, dann aber schlug der Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg in dem Kloster sein Hauptquartier auf. Bei dieser Gelegenheit ließ er denn auch den Klosterbrunncn in dem Garten des Klosters graben. Bessere Zeiten traten für Wallfahrt und das Kloster ein, als der Kurfürst Clemens August Bonn zu seiner dauernden Residenz erwählte. Dieser beschloß nach dem Muster der zu Rom bei der Kirche St. Johannes im Lateran befindlichen h. Treppe eine ebensolche auf dem Krcuzberge zu errichten. Am 18 Juli 1746 legte er den Grundstein und im Jahre 1751 war sie vollendet. Sie besteht aus drei Treppen von je 28 Stufen; die mittlere ist aus kostbarem Marmor angefertigt und auf der zweiten, eilften und achtundzwanzigsten Stufe sind die Stellen, auf welchen das Blut Christi nach seiner Gcisselung zu sehen war, mit vergoldeten Kreuzen bezeichnet. In der Treppe selbst befinden sich sodann noch Reliquien von Heiligen. Das Portal des an der Kirche anstoßenden Gebäudes, in welchem sich die h. Treppe befindet, stellt den Palast des Pilatus dar. Auf dem Balkon steht Christus im Purpurmantel mit der Dornenkrone; Pilatus zeigt ihn de-m Volke, während im Hintergrunde Pharisäer und Schriftgelehrte sich herandrängen. Unter dem Chor der Kirche ließ der Kurfürst den im Grabe ruhenden Heiland mit den bewachenden Kriegern in Lebensgröße aus Stein aufstellen. Ebenso ließ er die Geburt des Heilandes und die Anbetung der h. drei Könige für die Kirche anfertigen, welche aber von den Franzosen zerstört wurden. Wenn der Kurfürst in Bonn anwesend war, bestieg er jeden Freitag den Krcuzberg, um sein Gebet zu verrichten. Alsdann ließ er sich einen Beutel mit tausend Gulden in Münze nachtragen, um dieses Geld an die Armen zu vertheilen. Sein Beispiel eiferte die Gläubigen zur Nachahmung an und auch die Vornehmen schämten sich der Wallfahrt nach dem Kreuzberge nicht. Unter den verschiedenen Prozessionen nach dem Kreuzberge zeichnete sich besonders diejenige aus, welche in der Nacht des Charfrcitags von Bonn aus dahin zog und die auch heutzutage noch im Gebrauche ist. Im Jahre 18(12 wurde das Kloster durch die Franzosen aufgehoben. Mit seinen sämmtlichen Ländereien wurde es als Eigenthum der französischen Nation erklärt. Die Gebäude wurden verpachtet und von dem Pächter zur Wirthschaft eingerichtet. Die Leichen der Mönche riß man aus den Särgen, um aus diesen Tische und Bänke für die Gäste anzufertigen. Die Kirche selbst war bis zum Jahre 1804 ganz verlassen, dann nahm sich der Bischof Berdolet von Aachen derselben an und stellte sie wieder unter geistliche Obhut. Die Klostergebäude wurden im Jahre 1810 öffentlich versteigert. Ankäufer war der Fabrikant Rosenkranz aus Poppelsdorf, welcher auch alsbald mit dem Abbruch derselben begann. Nur ein kleiner Theil der Klostergebäude blieb bestehen. Die Kirche würde dasselbe Schicksal gefunden haben, wenn es nicht dem Generalsekretär der Unterpräfektur Bonn, Kaspar Oppenhof, gelungen wäre, den desfalls gefaßten Beschluß rückgängig zu machen. Als am 5. August 1817 der Kronprinz von Preußen den Krcuzberg besuchte, gefiel ihm die Kirche mit ihren Einrichtungen ganz besonders. Dieses Denkmal, sagte er, müsse erhalten werden und alsbald bewilligte er für die Restauration der Kirche eine ansehnliche Geldsumme. Nach der Ausführung der Restauration besorgte der cmcritirtc Pfarrer Adolph Küpper den Gottesdienst aus dem Kreuzbergc. 1855 übernahmen die Jesuiten die Scclsorge auf demselben, wurden jedoch im Jahre 1872 vertrieben und seitdem ist die Wallfahrtsstätte wiederum verödet. Die schmerzhafte Mutter zu Bödingen. Verehrung der schmerzhaften Mutter Maria im Gnadenbilde zu Bödingen, auch Mariä-Bödingcn genannt, geht bis in das 14. Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit lebte als Einsiedler im sogenannten Forst, einem Walde zwischen Lauthauseir und Altenbödingen, ein frommer Junggeselle, mit Namen Christian von Lauthausen, welcher, erfüllt von großer Andacht und Liebe zur Mutter Gottes, weßhalb er in Urkunden „unserer lieben Frauen Knecht" heißt, nach einer Offenbarung, die ihm zu Theil geworden, ein Vesperbild, Maria mit dem Leichnam ihres göttlichen Sohnes darstellend, zu Köln aus Holz anfertigen ließ und in einem Kapellchen nahe bei der Einsiedelei zur Verehrung aufstellte. Schon bald erwies sich dieses Bild als ein wunderthätiges Gnadenbild, welches große Schaaren frommer Wallfahrer anzog. Christian von Lauthauseu und sein Pfarrer — 24 — Peter von Meisenbach aus Geistingen (Bödingcn gehörte nämlich zur Pfarre- Geistingen) beschlossen, die reichen Opfcrgaben, die von den Pilgern vor dem Gnadcnbilde niedergelegt wurden, zum Bau einer Kirche oder größeren Kapelle zu verwenden. Es wurde der Bau begonnen; allein an jedem Morgen fand man das Werk des vorigen Tages zerstört. Da flehte Christian inbrünstig um Auskunft zur lieben Mutter Gottes, die ihn in einer dreimaligen Erscheinung über die Stelle unterrichtete, wo die Kirche erbaut werden sollte, — nämlich „tu lüvio rrwntis" d. h. dort, wo sich die beiden von Lauthauscn und Oberaucl kommenden Hauptwcge kreuzen. Wie die Legende sagt, habe Christian das Bild auf seinen Maulesel geladen, der mit seiner Bürde durch die Sclbacher Schlucht und den Berg hinauf forttrabte, bis er wie festgebannt an der bezeichneten Stelle stehen blieb. An dieser Stelle, in der Nähe der Kirche, befindet sich noch eine der im Jahre 1756 von der Freifrau von Spies-Büllesheim zu Schloß Allner errichteten Stationen der 7 Schmerzen Maria, nämlich die 6. Station mit der Inschrift: Ist Ivllör 4Vortbvr IVo sonst ölll Vollöl- xnkvensdbat? Hoell/oss nVs ssllbsri VospsrvIllO, so Vusro IitrCII s,vbsVt erkVI/I-t. Im April des Jahres 1397 wurde der Bau der Kirche in Angriff genommen; der Pfarrer Peter von Meisenbach hatte gleich anfangs seinen Wohnsitz von Gcistingcn nach Bödingcn verlegt, sowohl um den Bau zu leiten, als auch um den von nah und fern zum Gnadcnbilde herbeiströmenden Pilgern seine scelsorgliche Thätigkeit zu widmen. Ihm standen außer besagtem Christian von Lauthauscn treu zur Seite seine beiden geistlichen Neffen Andreas und Walramus von Mcisenbach. Wie sehr aber mit dem Bau der Kirche auch die Bedeutung des Wallf ahrtsortes sich hob, geht wohl daraus hervor, daß Papst Bonifazius IX. durch Ablaßbreve vom 6. Februar 1492 mehrere vollkommene und unvollkommene Ablässe für die Kapelle der allcrseligstcn Jungfrau Maria in Bödingcn bewilligte, wie solche für Maria Einsiedcln in der Schweiz bewilligt waren. Nächst dem Bau der schönen Wallfahrtskirche lag dem Pfarrer Peter von Mcisenbach ganz besonders die Gründung mehrerer geistlichen Stellen oder Vikaricn in Bödingcn am Herzen und nachdem er vor und nach aus den Opfergaben und seinem eigenen Vermögen 9 Höfe und verschiedene Reuten zur Dotation erworben hatte, erwirkte er bei Papst Johannes XXIII. die Errichtung von vier ständigen Pfründen und die Anstellung von vier Vikaren, denen er selbst als Rektor vorstand bis zu seinem seligen Tode am 17. September 1417, in welchem Jahre auch der fromme Diener Mariens, Christian von Lauthauscn, gestorben zu sein scheint. Der genannte Papst rühmt in der, die Einrichtung der Vikarien betreffenden Bulle vom 19. September 1411: „die große Andacht und Verehrung, welche das christliche Volk zu der unlängst zu Ehren und unter dem Titel der — 25 — aller seligsten Jungfrau Maria und der heil. drci König?, kanonisch fundirten und geweihten Kapelle zu Bödingen hege." Als das Kölner Provinziell-Concil des Jahres 1423 für die ganze Kircheuprovinz auf den vierten Freitag nach Ostern ein besonderes Fest der Betrübniß und der Schmerzen Maria unter dem Kreuze — Compassions- fest genannt — anordnete, nahm die Verehrung der schmerzhaften Mutter in Bödingen noch mehr zu, so daß selbst die vier oder fünf Priester nicht mehr hinreichten, um die geistlichen Bedürfnisse der Tausende von Pilgern zu befriedigen. Das bewog den Landesherrn Herzog Adolf von Jülich- Berg, der sich nebst seinem Sohne Junghcrzog Rupert für Bödingen sehr interessirte, dort ein Ordenshaus regulirtcr Chorherren zu errichten und den Prior der Augustiner-Congregation zu Windesheim im Stifte Utrecht um die Erhebung der Kapelle in Bödingen zu einem Canonichcn-Kapitcl zu ersuchen, damit, wie er in der bezüglichen Urkunde vom 23. August 1423 sagt, der Dienst Gottes gemehrt werde besonders „allda zu Bödingen, wo die gebenc- dide Moedcr unß Herren sonderlinge barmhertzig und genedich is oeucrmetz groiße Mirakeln und tzcichen, die tzpt vur tzpt allda geschient." Nach erfolgter Bestätigung der Umwandlung der vier Vikarien in ein Kloster Seitens des Papstes Martin V. und des Erzbischofs von Köln,. Dietrich von Mörs, zogen am 27. Juni 1424 die ersten vier Klostcrgeist- lichen, aus Windesheim entsandt, in Bödingen ein und gründeten dort die Kanonie regulirter Chorherren nach der Regel des hl. Augustinus (Eanonio Nariauo-LöäiilA'eiisis); der bedeutendste unter ihnen war der hernach als Reformator der Klöster Deutschlands so berühmt gewordene Johann Busch, welcher in seinen Schriften uns auch Vieles über Bödingen mitgetheilt hat, u. A. „daß das ganze Jahr hindurch, vorzüglich an den Muttergottesfesten der Zulauf zum dortigen Gnadenbilde sehr groß war und über 3V Meilen im Umkreise die Pilger herbeiströmten, auch der Erzbischos sowie der Herzog dorthin kommen, daß viele Menschen von Leiden und Krankheiten mannigfacher Art befreit, sogar mehrere Tode zum Leben erweckt wurden." Diese Nachrichten des Johann Busch werden vervollständigt durch das Memorienbuch des Klosters, welches auf 81 Pergamentblättern die reichen Gaben und Messestiftungen enthält, die im Laufe der Jahrhunderte von den frommen Verehrern der schmerzhaften Mutter dem Kloster und der Kirche zu Bödingen zugewendet wurden (darunter die angesehensten Familien des Landes, Geistliche und Laien aus Rheinland, Westfalen und Holland). Als gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts an die schöne von Peter von Meisenbach erbante Kirche der majestätische Chor mit seinen sieben großen Fenstern (zu Ehren der sieben Schmerzen Mariä) gefügt worden war, da waren es unter Andern der Erzbischos Landgraf Hermann von Hessen, der Bürgermeister von Köln, Johann von Mcrl, der Ritter Bertram von Nessclrodc, welche prachtvolle Figurenfenster zu Ehren der schmerzhaften — 26 — Mutter für den Chor schenkten; das von Erzbischof Hermann (ch 1603) geschenkte Fenster ist größtcnlheils noch vorhanden und in jüngster Zeit re- staurirt worden. Die Familie von Nessclrode wählte in der Kirche zu Bödingcn ihre Familiengruft, stiftete dort einen eigenen Altar mit einer täglichen heiligen Messe und dotirte denselben mit dem Heiderhofe und dem Hasewinkelerhofe zc. Mit Epitaphien von in Bödingcn begrabenen Gliedern dieses edlen Geschlechtes, sowie der Edlen von Attenbach, die gleichfalls dort ihre Begräbnisstätte hatten, ist noch der Boden der Kirche bedeckt. Nicht selten kam es vor, daß fromme Verehrer der schmerzhaften Mutter von fern her ihren Wohnsitz nach Bödingcn verlegten, um zurückgezogen von der Welt sich mit den Klostergeistlichen dem Dienste Gottes und seiner gebenedeiten Mutter zu weihen. Andere sahen darin einen besonderen Trost, wenn sie wenigstens ihre letzte Ruhestätte in der Nähe des Gnadenbildes finden konnten. Viele ließen sich in die von dem 8. Prior, Jakob von Heggcn aus Aachen, im Jahre 1481 errichtete Bruderschaft der Mutter Gottes aufnehmen. Zahlreiche Prozessionen aus der Nähe und Ferne, sogar aus Holland, führten alljährlich Tausende von Wallfahrern zum Gnadenbilde; der Pfarrer von Much, Johann Knyß ordnete um das Jahr 1510 eine Prozession an, die alljährlich mit dem hochwürdigsten Gute von Much nach Bödingcn zog, also 4 bis 5 Stunden weit. Besonders bei öffentlichen Drangsalen nahmen die Christgläubigen vertrauensvoll ihre Zuflucht zur schmerzhaften Mutter. ,,1617 am Feste des h. Calixms (14. Okt.) kamen Aegidius Flam- mersheim, Pastor zu Geistingen und die Pastoren von Henncf und Happer- schoß in Prozession mit Kreuz und Fahnen, besuchten den Tempel der aller- scligsten Jungfrau Maria in Bödingcn und opferten eine Kerze wegen der Pest, die in mehreren Ortschaften herrschte, und diese Prozession geschah auf Anordnung unseres allergnädigsten Fürsten." Die Prozessionen von Uckerath, Blankenberg, Dattenfeld, Happerschoß, Geistingen, Siegburg, Stieldorf leben noch in der Erinnerung fort und sind theilweise noch in Brauch. Daß das Vertrauen der zur schmerzhaften Mutter Flehenden auch fortwährend mit Gebctserhöhungen belohnt wurde, berichtet der 15. Prior, Balthasar Sollingen aus Köln, 1621, indem er auf ein Bild die Worte (lateinisch) setzen ließ: „Mit verschiedenen Leiden und Krankheiten Behaftete fühlten, sobald sie ihre Gebete zur allcrseligsten Jungfrau Maria gerichtet uud ein Gelübde der Wallfahrt zu dieser Stätte gemacht hatten, sich alsbald getröstet und geheilt; ja oft haben hier Blinde ihr Gesicht, Lahme den Gebrauch ihrer Glieder, Gefangene die Freiheit, Pestkranke ihre Genesung wiedererlangt, und was noch wunderbarer ist, selbst Todte sind zum Leben zurückgerufen." Namentlich scheint das Wunder der Wiederbelebung todtgeglaubter Kinder behufs Erlangung der h. Taufe oft vorgekommen zu sein, so daß die geistliche Behörde im Jahre 1758, wo unter dem heiligmäßigen 27. Prior Heinrich Klein derartige Fälle sich häuften, eine Untersuchung anstellen ließ, über deren Resultat nichts bekannt ist. Weithin erstreckte sich die seelsorgliche Thätigkeit der Bödingener Kloster- Herren. Das zeigte sich namentlich im traurigen Zeitalter der Reformation. Die mächtige Schutzpatronin des Bödingener Klosters, die schmerzhafte Mutter, hat es nicht zugelassen, daß ihre lieben Söhne, die Augustinerchorherren, von den verderblichen religiösen Verirrungen des Augustinermönchs zu Wit- tenberg angesteckt würden. Im Gegentheil erwiesen sie sich sehr eifrig in der Vertheidigung des katholischen Glaubens und in der Abwehr der Ketzerei, und es steht fest, daß wir nächst Gott und seiner gebenedeiten Mutter Maria den Augustinern zu Bödingen die Erhaltung des katholischen Glaubens in dortiger Gegend zu verdanken haben. In den Pfarreien Geistingen, Blan- kcnberg und Uckerath traten sie den Neuerungen mit Entschiedenheit entgegen und führten die Irregeleiteten in den Schooß der Kirche zurück. Zu Dondorf, in einer dem Kloster Bödingen seit 1524 incorporirten Kapelle, scheiterte der letzte Versuch eines lutherischen Prädikanten, die Irrlehre zu verbreiten, am Feste Märiä Empfängniß 1610 durch die Bemühungen des frommen und gelehrten Kanonikus Gottfried Ense von Bödingen. Noch ist hier eines wunderbaren Schutzes zu gedenken, der Kloster und Kirche vor einer schrecklichen Feuersbrunst, von welcher Bödingen Ende Juni 1686 heimgesucht wurde, bewahrte. Darüber liest man im Dbeatrurn Luroxasura Band III, Seite 667 zum Jahre 1636: „Damahlen hat bey dem Regulier - Closter Büdingcn (allernächst bey Blankcnberg im Fürsten- thumb Berg) eine Fewersbrunst etliche umb das Kloster herumb gelegene Gebäuw, Häusern und Schewcrn ergriffen, dieselbige sampt den daselbst gestandenen Obstbäumen ganz und gar eingeäschert und großen Schaden gethan, wobey doch das Kloster (angesehen es unmöglich geschienen, daß das Fewer allda nicht eingegriffen und es zumal consumirt haben sollte) erhalten worden." Der genannte 27. Prior Heinrich Klein hat sehr viel zur Hebung der Andacht zur schmerzhaften Mutter gethan. Er sorgte dafür, daß der bestehenden Bruderschaft zu Ehren der schmerzhaften Mutter reiche Ablässe von Papst Benedikt XIV. bewilligt wurden; er errichtete in dieser Bruderschaft ein geistliches Bündniß zur Stiftung der samstägigen Messe 1762, er ließ einen neuen Muttergottesaltar aus kostbarem Marmor errichten, auf welchem das Gnadenbild zur Verehrung aufgestellt wurde. Als er im Jahre 1770, von einem Schlaganfall getroffen, die Würde des Priors niederzulegen genöthigt war, trat an seine Stelle Lconardus Gade aus Köln, der auch in seinem Geiste fortwirkte und als des Klosters „wahrer und eines ewigen Andenkens würdiger Hsstaurator in utrogus koro" gerühmt wird. Dieser starb am 27. März 1791. Zu seinem Nachfolger wurde Gottfried Oetrers- hagen aus Rosbach gewählt, welcher der 29. und letzte Prior der Maria- nischen Canonie Bedingen war; im Jahre 1803 wurde das Kloster aufgehoben. Obgleich durch diese Aufhebung des Klosters, sowie durch die vorausgegangenen und folgenden Kriegsunruhen, unter welchen auch Bedingen viel zu leiden hatte, die Wallfahrten zum Gnadcnbilde der schmerzhaften Mutter sehr beeinträchtigt wurden, so fanden sich doch an den Festen der Mutter Gottes, vor Allem am Compassionsfeste, sowie an den Samstagen der heiligen Fastenzeit, immer noch zahlreiche Pilger ein, und oft in so großer Menge, daß die geräumige Kirche sie nicht alle zu fassen vermochte; und so ist es geblieben bis auf den heutigen Tag; ja man kann wohl sagen, daß in den letzten Jahrzehnten der Besuch des Gnadcnbildes zu Bödingen, das seit 1832 zur selbständigen Pfarre erhoben ist, wieder bedeutend zugenommen hat, zumal im Jahre 1869 die Bruderschaft der schmerzhaften Mutter Maria erneuert worden und im Jahre 1870 auf Verwenden des damaligen Herrn Erzbischofs, jetzigen Kardinals Paulus Melchers, der sich selbst in die Bruderschaft aufnehmen ließ, Papst Pins IX. den Bruderschaftsmit- glicdern und den die Kirche zu Bödingen andächtig Besuchenden mehrere Ablässe bewilligt hat. Die Votivtafcln und andere Dankcszeichen, sowie Krücken und Ketten w., die früher in großer Zahl am Gnadcnaltare aufgehängt waren, sind mcisten- theils seit Anfang dieses Jahrhunderts entfernt worden, aber wunderbare Gcbetserhörungen finden noch immer statt. Die Siegbnrgcr Prozession, welche alljährlich am Feste Maria Verkündigung den dortigen Gnadenort besucht und oft an 500 Pilger zählt, ist am 25. März 1878 Zeuge gewesen, wie ein seit Jahren gelähmter OOjähriger Mann, H. H. aus Dricsch bei Sicgbnrg, der auf seiner Krücke die Wallfahrt mitgemacht hatte, vor dem Gnadenbilde geheilt wurde, und mit Hinterlassung der Krücke voll freudigen Dankes gegen die schmerzhafte Mutter heim zog. Auffallende Gnadcnerweisungen werden oft den mit Fallsucht Behafteten zu Theil und nicht selten vernimmt man die Kunde, daß solche Leidende durch ihre Andacht zur schmerzhaften Mutter in Bödingen von ihrem traurigen Uebel befreit worden. In gleicher Weise ist der andächtige Besuch dieser Gnadenstätte immer noch ein bewährtes Mittel, um Trost und Ergebung im Leiden, wahre Bußfertigkeit und eine selige Sterbestunde zu erlangen. — 29 — Bruch Hansen. uf der Anhöhe zwischen Erpel und Unkel liegt anmuthig das Dörfchen Bruchhansen mit seiner Wallfahrtskirche. Bereits im 16. Jahrhundert war dasselbe ein viel besuchter Wallfahrtsort; es besaß eine Kapelle, in welcher ein Bild der allerseligsten Jungfrau Maria unter dem Titel Älatsr aclmiral'ilis Gegenstand allgemeiner Verehrung war. Dieses Bild wurde später in der Kirche aufgestellt. Hand Jakob Spee von Laugenfeld machte eine Stiftung 1636 an die Kirche, welche 1675 die Jungfer Margaretha von Spee so vermehrte, daß eine samstägige heilige Messe gestiftet werden konnte, welche noch gegenwärtig gehalten wird. Neben dem Gnadenaltar befindet sich das Grabmal des „etlen und ehrenfesten Robertus Spe von Langenfelt" und in dem Schlußsteine des Chorgewölbes der Kirche außer anderen adeligen Wappen auch das der gräflichen Familie von Spee. Später wurde ein anderes Marienbild als Gnadenbitd in Bruchhauseu verehrt und zwar unter dem Titel „Zuflucht der Sünder". Es war Gebrauch, daß die Jungfrauen des Dorfes jährlich zur Kirchwcihe dieses Gnadenbild neu kleideten. Im Jahre 1745 nun wünschten die Jungfrauen, daß das Bild an dem Pfeiler aufgestellt werde, an welchem sich die Tafel mit dem Mitgliederverzeichnisse der Bruderschaft von Jesus, Maria, Joseph befand und der Pfarrer bewilligte gern ihre Bitte. Am 21. September dieses Jahres, also am Feste des h. Apostels und Evangelisten Matthäus, befanden sich Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr zwei betende Mädchen vor dem Bilde und bemerkten mit Erstaunen, daß den Augen der Muttcrgottcs eine hellglänzende Flüssigkeit entquoll, welche wie Thränen aussah. Sie wischten die Flüssigkeit weg, aber sie kehrte gleich darauf wieder zurück. In großer Aufregung liefen sie nun zum Küster und ersuchten ihn, sie zu begleiten, um die wunderbare Erscheinung zu sehen. Dieser eilte in die Kirche und überzeugte sich von der Wahrheit der Aussagen; auch ein Bürger von Rheinbreitbach, welcher anwesend war, um in der Kirche sein Gebet zu verrichten, war Zeuge des Vorganges. Man setzte nun den Pfarrer in Kenntniß, welcher nach sorgfältiger Prüfung sich von der Wahrheit des Thränenausflusses ebenfalls überzeugte. Das außerordentliche Ereigniß ward bald in der weiteren Umgebung bekannt und große Schaaren von Neugierigen eilten herbei, um das Wunder zu schauen. Aus vielen Ortschaften, als Honnef, Rhcinbreitbach, Erpel, Linz, Casbach, Geistingen, Dottendorf, Endenich, Lessenich u. s. w. kamen Prozessionen, um sich Maria, der Zuflucht der Sünder, zu empfehlen. Sobald die Kunde von dem wunderbaren Ereigniß dem damaligen Gcneralvikar von Sierstorpf bekannt wurde, befahl dieser dem Pfarrer von Bruchhausen, das Bild den Augen der Menge zu entziehen und dasselbe an einem verborgenen, aber würdigen Orte in der Kirche aufzubewahren. So- dann sollte er genaue Beobachtungen anstellen und Bericht erstatten, wenn sich die Erscheinungen wiederholen würden. Der Pfarrer indessen befürchtete, es werde ein solches Versahren allgemeinen Unwillen und Unzufriedenheit erzengen und begab sich deshalb nach Köln, um dem Generalvikar die Sachlage persönlich vorzutragen. Dieser beauftragte nun die Pfarrer von Unkel und Rheinbreitbach mit der Ausführung seiner Verordnung, welche auch zur Nachtzeit das Bild in eine Nische rechts neben dem Hochaltare stellten und diese mit einer hölzernen Thür verschlossen. Wie der Pfarrer von Bruchhausen vorhergesagt hatte, wurde die Aufregung bei Einheimischen und Fremden so groß, daß sie schon gleich am folgenden Tage nach der heiligen Messe den Pfarrer bestürmten, das Bild wieder beizuschaffen. Da er diesen Wunsch nicht erfüllen konnte, so bedrohte man ihn sogar mit dem Tode und nur durch die Dazwischenkämst des Schultheißen von Erpel, welcher auf die Stufen des Altars trat und mit lauter Stimme erklärte, daß der Pfarrer an der Einschließung des Bildes unschuldig sei, konnte ihn vor Mißhandlungen schützen. Jedoch die Aufregung ließ nicht nach, mehrere Nächte nacheinander wurde die Nische gewaltsam erbrochen. Auf den desfallsigcn Bericht des Pfarrers von Bruchhansen an den Gcncralvikar beauftragte dieser den Pfarrer von Nheinbreitbach, das Bild nächtlicher Weile von Bruchhausen heimlich nach Rheinbreitbach zu schaffen. Dieser ließ sich aber dazu nicht bestimmen; er ließ die Kirchmeister von Bruchhauscn zu sich kommen, legte ihnen den Auftrag des Generalvikars vor und suchte sie dazu zu bestimmen, das Bild durch die einheimischen Jungfrauen nach Nheinbreitbach bringen zu lassen. Diese versprachen solches, allein nach Hause angekommen, bereuten sie ihre Zusage, auch wäre die Ausführung derselben deshalb unmöglich gewesen, weil die Jungfrauen sich geweigert hätten, das Bild wegzutragen. Der Pfarrer von Rheinbreitbach stattete darüber Bericht an den Generalvikar ab und dieser verordnete nunmehr, das Bild solle in der Kirche zu Bruchhausen verbleiben, jedoch eine dicke, hölzerne Thüre mit einer in der Mitte eingefügten Glasscheibe vor demselben angebracht und diese mit zwei schweren Eichcnbalken und Schlössern versperrt werden. Der Schultheiß von Erpel solle dazu hülfreife Hand leisten. Indessen dauerte die wunderbare Thränenerscheinung bis zum März 1746 fort. Es war aber, besonders durch die genannten Maßregeln, der Ruf des Gnadeubildes weithin verbreitet worden und aus allen Gegenden, selbst von Würzburg, dem Bodensee, Tyrol u. s. w. strömten Wallfahrer hinzu, um das Wunder zu schauen. Mehr als hundert Personen, darunter nicht wenige Protestanten, legten Zeugniß über die Thatsache der Thränenerscheinung ab. Nun fand sich der damalige Kurfürst und Erzbischof Clemens August veranlaßt, selbst sich nach Bruchhausen zu begeben und sich persönlich von der Wahrheit zu überzeugen. Am 10. Dezember 1745 traf er mit großem Gefolge in Bruchhausen ein, wo sodann feierlicher Gottesdienst stattfand. Nach demselben ließ er das Bild in's Pfarrhaus bringen und entkleiden, um eine genane Untersuchung anstellen zu können. Dann setzte er eine Untersuchungskommission unter dem Borsitze seines Oberhofkaplaus Radcmacher ein. Diese trat dreimal zu verschiedenen Zeiten zusammen und nach geschehener Feststellung der Thatsache befahl er, in den Pfeiler, an welchem sich früher das Bild befand, eine passende Nische zu brechen und dieselbe zu verzieren. Sodann ließ er das Bild prachtvoll in Sammt und Silber kleiden und am 16. März 1746 mit großen Feierlichkeiten durch den Oberhofkaplan Rademacher in der Nische aufstellen. Der Dekan des Cassiusstiftes und die Pfarrer der Umgegend sowie die Gcrichtshcrrcn von Erpel assistirten dabei und eine ungeheure Schaar von Andächtigen war bei der Feier zugegen. Vor der Nische wurde eine Glasscheibe angebracht, und sodann dieselbe mit einem eisernen, vergoldeten Gitterwerk verschlossen. Papst Leo XIII. verlieh durch Breve vom 5. September 1879 einen vollkommenen Ablaß allen denjenigen, welche in den Oktaven von Mariä Geburt und Mariä Himmelfahrt die Kirche zu Bruchhausen besuchen und einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen auf alle Samstage des Jahres. Die Kirche zu Bruchhausen wird, besonders an den genannten Festen, fleißig von Wallfahrern besucht und nimmt die Wallfahrt besonders in letzterer Zeit immer mehr zu. Nothberg bei Eschweiler. /L^,ine uralte Wallfahrtskirche ist die Pfarrkirche in Nothbcrg, In dieser Kirche steht auf dem schönen Altare ein Bild der schmerz- haften Mutter Gottes. Vor diesem Bilde versammelten sich schon seit langen Zeiten alle Leidende der Umgegend, um in ihrer Noth und Betrübniß bei der Mutter der Schmerzen Trost und Linderung zu finden; daher der Name Nothberg. Seit undenklichen Zeiten wallten auch aus der Ferne zahlreiche Pilger herbei. Noch vor 60 Jahren erschienen jährlich gegen 100 Prozessionen bei dem Gnadenbilde und die dort aufgehangenen Krücken und Votivbilder bezeugten die wunderbare Erhörung vieler Leidenden. Zur Zeit der sogenannten Aufklärung wurden diese Bilder entfernt und als im Jahre 1829 der Erzbischof von Köln für alle Pfarreien an den Freitagen der h. Fastenzeit eigene Andachten einführte, blieben auch die Prozessionen aus; — 3^ allein auch jetzt noch ist der Besuch der Pilger besonders zur Fastenzeit in Nothberg sehr groß und man sieht Andächtige aus weiter Ferne hierherkommen, um der schmerzhaften Mutter ihr Leid zu klagen und Trost bei der Trösterin der Betrübten zu finden. Das Gnadenbild und die Wallfahrt zur schmerzhaf- ken Mutter in Hsimbach, Kreis Schleiden. er Pfarrer zu Heimbach, Johann Duimgcn von Bürvenich, ein besonderer Verehrer der lieben Mutter Gottes, ließ um das Jahr 1477 mit Erlaubniß des Herzogs Gerhard von Jülich und Berg, dessen Gemahlin Sophia und ihres Sohnes Adolf aus seinem Vermögen und den Beiträgen frommer Gläubigen in dem Walde Kermcter auf dem ostsüdwärts von Hcimbach gelegenen Berge, Verscheid genannt, eine hölzerne Kapelle errichten, in welcher er ein Bild der schmerzhaften Mutter aufstellte. Auch dotirte er diese Kapelle, damit in derselben regelmäßig Gottesdienst gehalten werden könne. Ueber das Gnadcnbild berichtet Michael Rademächer von Hcimbach, Landvogt zu Nidcggcn, 1523 Folgendes: Heinrich der Fluitter (Flötenspieler) aus Heimbach, der ein Strohdecker war, kam nach Köln und sah dort ein Muttcrgottesbild, welches ihm besonders gefiel. Gern wollte er es kaufen, aber man forderte 9 Mark für dasselbe und so viel Geld besaß er nicht. Nach Heimbach zurückgekehrt, sagte er: Hätte ich 9 Mark, so würde ich das Bild kaufen und in dem Busch aufstellen. Ein Bürger Heimbach's Heinrich Richardt, lieh ihm das Geld; er ging wieder nach Köln und kaufte das Bild. Bald jedoch schien ihm die zuerst gewählte Stelle uicht geeignet, er stellte das Bild an einem Kreuzwege in ein Bilderstöcklein auf und baute sich daneben eine Hütte, wo er der lieben Mutter Gottes mit Beten Tag und Nacht diente. Er prophezeite, daß nach seinem Tode Maria hier Wunder thun werde, und diejenigen seien schon geboren, welche hier ein schönes Münster würden erstehen sehen. Das Volk fing an zu dem Bilde zu wallfahrten und von Tag zu Tag nahm die Verehrung zu. Manchmal seufzte das Bild und weinte, daß die Thränen Herabflossen. Als nun die Wallfahrt immer mehr zunahm, sind etliche Doktoren, Prälaten und Kleriker, auch der Propst von Nidcggcn gekommen und haben dem Wallfahrten steuern wollen. Sie haben eine strenge Untersuchung angestellt, mußten aber zuletzt selbst das Lob unserer lieben Frau singen und den Fluitter mit seiner Maria in Ruhe lassen. Als dieser gestorben, hat man einen alten frommen Mann, Paulus Schilder, an das Bild gesetzt, um die Lichter zu unterhalten, die Opfer zu — 33 — sammeln, und die Pilgrime zu pflegen. Nicht lange darauf fand man diesen eines Morgens todt mit gefaltenen Händen und auf feinen Knieen in der Hütte. Darnach haben die Bewohner von Heimbach einen andern Mann, Thönniß Satelmächer an das Bild gesetzt. Auch er hat einige Zeit unserer lieben Frau gedient und ist dann dort gestorben. Nun verbanden sich drei Priester, der Pfarrer Johann Duimgen von .Heimbach, Johann von Hergarten und Pfarrer Florens von Blatten, um sich des Marienbildes anzunehmen und dort eine Kirche zu bauen. Die zwei letzten sind ihrem Gelöbnisse untreu geworden und Gott hat sie gestraft, da Johann von Hergarten schwachsinnig geworden und Florens rasch gestorben ist. Der Pfarrer von Heimbach aber blieb standhaft und baute eine hölzerne Kirche, welche nicht wenig gekostet hat, stoch vieles Andere hat er machen lassen und sein ganzes Vermögen verbaut. Er wünschte nun, daß Observanten zum Dienste der Kirche sich dort niederließen, diesen war aber wegen des Terminirens Düren zu nahe. Darauf versuchte er, mit den Cisterziensern in Bottenbroich bei Kerpen ein Einverständnis zur Uebernahme der Kapelle zu erzielen und wurde auch am 19. November 1480 der desfallsige Akt in Köln noteriell ausgefertigt. — Der Generalvikar und Weihbischof von Köln, Heinrich, Bischof von Carnien, weihte am 12. September 1481 zwei Altäre in der Kapelle und verlieh einen vierzigtägigen Ablaß denen, die nach Ablegung einer reumüthigen Beichte dieselbe besuchen würden. — Abt Arnold von Altenberg, Commissar des Cisterzienserordens für Deutschland, ermächtigte am Tage des h. Sixtus 1483 den Prior des Klosters Bottenbroich zur Uebernahme der Kapelle und gestattete zugleich auf Bitte des Herzogs Wilhelm von Jülich, daß dort ein Kloster Cisterzienserordens errichtet werde. Der Ort selbst aber wird schon in dieser Urkunde Mariawald genannt. Johann Noen von Hoch ward mit einigen Gefährten dorthin gesandt und alsbald fingen diese an, den Wald zu lichten, den Boden urbar zu machen, zu ebenen und in Aecker zu verwandeln. Die Bestätigung der neuen Stiftung geschah durch den Herzog Wilhelm von Jülich Berg am 14. Oktober 1439, durch Papst Alexander VI. am 23. Januar 1497 und durch den Erzbischof von Köln am 21. Oktober desselben Jahres. Nach dem Tode Johann's von Hoch im Jahre 1530 wurde Johann von Cöllen zum Prior erwählt, welcher 25 Jahre und 6 Monate dieses Amt bis zu seinem Tode bekleidete. Dieser baute mit seinen Mönchen, unterstützt durch reiche Almosen der Gläubigen, an die Stelle der hölzernen Kapelle über dem Gnadenbilde ein prächtiges Münster und schmückte es mit schönen Altären und kunstreich gemalten Fenstern. Der Ruf des Gnadeubildes zu Mariawald war so groß, daß der Erzbischof-Kurfürst Ferdinand von Köln die Erzbruderschaft von der schmerzhaften Mutter dorthin verlegte und ihr die Bruderschaft vom h. Kreuze in der Nähe von Bonn einverleibte. Wolfgang Wilhelm, Herzog von Jülich- 3 Eleve-Berg, bestätigte solches durch Patent vom 13. September 1606. Zur Förderung der Andacht wurden die Stationsbildcr und eine lauretam'sche Kapelle zu Mariawald errichtet und mit der Erzbruderschaft eine Kasse zur Unterstützung armer Pilger und dürftiger Studenten verbunden. Zm Jahre 1715 wurde das Innere der Klosterkirche erneuert, jedoch wurde dieselbe 1722 in der Nacht vor dem Passionssonntage bestohlen, wobei die Muttergotteskapelle ihrer silbernen Zierrathcn und Kleinodien beraubt worden ist. Am 20. April 1795, nach Aufhebung des Klosters, wurde das sämmtliche Vermögen desselben von den Franzosen inventarisirt. In der Kirche waren 12 Altäre und 8 Gemälde. Die Bibliothek enthielt bei 1000 Bände, unter welchen manche alte schätzbare Bücher sich befanden. Das Gnadenbild wurde in die Pfarrkirche nach Heimbach gebracht und es finden sich auch jetzt noch zahlreiche Pilger und Verehrer aus der weiten Umgegend vor demselben ein. Das Kloster Mariawald wurde um die Mitte dieses Jahrhunderts von Trappisten angekauft, welche jedoch bei Ausbruch des sogen. Kulturkampfes wieder aus demselben vertrieben und des Landes verwiesen wurden. Marienheide. egen Ende des 14. Jahrhunderts lebte in Marienheide ein frommer Klausner, Heinrich mit Namen, Gott und der heiligen Jungfrau innig ergeben. Er betrieb zwar auch einigen Ackerbau, mehr aber noch bebaute er den Acker seines Herzens, auf daß er die Früchte der guten Werke dereinst im himmlischen Vaterlande zu erndten verdienen möchte. Gott segnete ihn und gab ihm oft himmlische Tröstungen und Offenbarungen in der noch heute sichtbaren, in einen Felsen gehauenen Höhle. So erschien ihm auch einst in einer Nacht ein kleines Bild der gebenedeiten Jungfrau, welches ihn aufforderte, sobald als möglich nach Köln zu gehen und ein ganz ähnliches Bild für dreißig Thaler zu kaufen; es gefalle nämlich der göttlichen Majestät und der glorreichen heiligen Jungfrau, sich einen ewigen Dienst an dem Orte, wo er ihnen diene, zu gründen und er möge das Bild in einem ausgehöhlten Stamme zur Verehrung ausstellen. Als er erwachte, fing er an, über die Erscheinung zweifelhaft zu werden und fürchtete, er möge von dem Boten der Finsterniß, der sich in einen Engel des Lichtes verstellt habe, betrogen werden. Deshalb trug er mit Seufzer und Thränen in einem andächtigen Gebete Gott und seiner Mutter die ganze Sache vor und bat, die Erscheinung zu einem guten Ende zu führen. Die göttliche Mutter versagte dies auch nicht dem Seufzen ihres getreuen Dieners. Es trug sich nämlich zu, daß er am dritten Tage darauf dieselbe Erscheinung noch deutlicher hatte. Da eilte denn der Klausner sofort nach Köln und suchte das ihm wohlbekannte Bildchen in den Werkstätten aller Bildhauer und bei allen Trödlern, aber vergebens; er verglich alte Bilder mit dem, welches ihm erschienen war, fand aber kein ähnliches unter ihnen. Aller Hoffnung, ein solches zu erhalten, beraubt, gedachte er traurig wieder Köln zu verlassen. Schon war er in ein Schiff getreten, um über den Rhein zu fahren, als ihn, der bitter weinte, und ganz in Thränen gebadet war, eine Matrone erblickte. Von Mitleid gerührt fragte sie ihn um die Ursache einer solchen Trauer, die sie endlich mit vieler Mühe erfuhr. Da erwiderte die Matrone: „Sei guten Muthes und trockne deine Thränen! Siehe, über Meer ist mir vor einigen Tagen durch meinen Bruder ein Bild, der Art, wie du es suchst, übersandt worden, welches ich mein ganzes Leben bei mir zu verwahren beschlossen hatte; jedoch wenn ihm eine größere Ehre erzeigt werden soll, so geschehe der Wille des Herrn. Kehre mit mir um und nimm das Bild, welches du suchest." Der Klausner erkannte sogleich das Bild als dasselbe, welches ihm erschienen war. Er küßte es, dankte Gott, bezahlte die 30 Thaler und kehrte eilig nach seiner Heimath zurück. Aber noch ehe er an den Ort seiner Bestimmung kam, sollte das Bild sich durch ein Wunder als echt beweisen. Als er nämlich eben aus der Stadt Wip- perfürth trat, standen einige Weiber am Gaulbache um zu waschen. Als die eine das Bild erblickte, wurde sie von Verwunderung ergriffen und sagte zu ihrer Nachbarin: „Siehe, wie schön das Bild ist!" Darauf erwiderte diese: „Wenn mich jemand in meinem vollen Putze sähe, so würde er meiue Schönheit gewiß noch mehr bewundern, als die dieses Bildes." Doch o Wunder! Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, als sie plötzlich blind wurde. Sie konnte mit offenen Augen nichts mehr sehen, obgleich sie sich im Kreise herumdrehte, und wußte nicht, wie ihr geschehen war. Die anderen Weiber mußten sie an den Händen in die Stadt führen. Da gelobte sie der gebenedeiten Jungfrau eine Wallfahrt zu dem Bilde, und, als sie dieses Gelübde gelöst hatte, erhielt sie ihr Gesicht wieder. Der Klausner trug das Bild mit der größten Verehrung an den bestimmten Ort und setzte es in einen ausgehöhlten Stamm. Als dies die Gläubigen erfuhren, strömten sie meilenweit in großer Anzahl herbei und veranstalteten Prozessionen und feierliche Bittgänge. Nach wenigen Jahren wurde eine Kirche aus den Beiträgen der Gläubigen, besonders aber aus den Vermächtnissen des Klausners erbaut und das Bild in derselben aufgestellt. Als nun Graf Gerhard von der Mark dies Alles erfuhr, schenkte er mit Erlaubniß des apostolischen Stuhles 1420 den Ort mit vielen Freiheiten und Privilegien dem Orden der Dominikaner und ließ ein Kloster bauen für die Brüder, welche den Gottesdienst bei Tage und bei Nacht ver- richten sollten. Der Ordensmeister Fr. Leonard von Florenz schickte einen sehr religiösen und eifrigen Pater, Peter Richardi als Vorsteher des Klosters mit noch zehn Brüdern hierhin, welche mit unermüdlicher Anstrengung und der lobenswerthesten Ausdauer den öden und bis dahin fast ganz unbewohnbaren Ort zu bebauen suchten. Aber auch die Bittgänge und Prozessionen aus der weiten Umgebung nahmen in der Weise zu, daß die Kirche kaum den zehnten Theil der Frommen fassen konnte und zwei tragbare Altäre außerhalb derselben aufgestellt werden mußten. Jetzt stng auch das Bild an durch die größten Wunder zu glänzen. Blinde wurden sehend, Kranke und Lahme geheilt, Besessene vom bösen Geiste befreit — kurz, welche Kranken sich auch immer dahin begaben und der Mutter der Barmherzigkeit ihr Opfer brachten, erhielten hier Hülfe. Um die Sache außer Zweifel zu setzen, zeigt man noch dermalen einen roth seidenen Schleier, woran viele silberne Zeichen von denjenigen angeheftet sind, welche daselbst Erhörung fanden. 1505 wurde das Kloster durch den Pater Frankel reformirt, der dem Convcnt noch viele Güter beibrachte. Dieser Mann bekennt selbst, daß er durch die Marienheider Muttergottcs von einer schweren Krankheit befreit und am Magdalenenfeste 1505 ein gestorbener Knabe wieder in's Leben gerufen worden sei. Das Kloster wirkte segensreich für die Umgegend bis zur allgemeinen Aufhebung der Klöster fort, wo zwar die Mönche in demselben verblieben, da sie zugleich Pfarrdienste zu versehen hatten, aber keine Novizen mehr aufnehmen dursten. Die Mönche starben nach und nach aus, wo dann die Kirche zu einer katholischen Pfarre erhoben wurde. Das Muttergottesbild wird dort noch immer hoch verehrt. Seligenthal. twa 1^ Stunde von der Kreisstadt Siegburg entfernt, aus dem rechten Ufer des Siegflnsses, zieht sich ein vom Wahnbache durchstoßenes, anmuthiges, friedliches Thal hin, welches nebst der daselbst angebauten Ortschaft den bezeichnenden Namen „Seligenthal" trägt. Mehrmals im Jahre hallt dieses Thal wider von den Gebeten und Gesängen frommer Pilgerschaaren, welche zur Verehrung des h. Antonius von Padua oder des h. Rochus oder zur Gewinnung des Portiunkula-Ablasses die frühere Franziskanerkirche, jetzige Pfarrkirche von Seligenthal andächtig besuchen. Seligenthal ist ein sehr beliebter Wallfahrtsort und zwar haben sich die Wallfahrten aus der Zeit, wo dort das im Jahre 1803 aufgehobene Kloster der » — 37 — Franziskaner oder Minderbrüder (oonventus tratruva rnlnorurn s. ?ran- oisoi in vallö kolivi) bestand. Beinahe 600 Jahre hatte das Kloster bestanden. Dasselbe wurde nämlich 1231, in demselben Jahre, wo der h. Antonius von Padua starb, gegründet. Das noch vorhandene Klostersiegel, den guten Hirten darstellend mit der Umschrift „LiAilluva Ouaräiani vallis teliois", hat die Jahreszahl 1231. In einer Urkunde vom 23. September 1600, durch welche Johann Wilhelm, Herzog von Jülich-Cleve-Berg, die von seinen Vorgängern „unsern lieben andächtigen Guardian und Convent in Seligendall, Minoriten-Ordens in unserm Amt Blankenberg gelegen" verliehenen „Gissten, Gnaden, Gunsten und Privilegien" neu bestätigt und in welcher auch alle die darauf bezüglichen Urkunden seiner Vorgänger mitgetheilt werden, heißt es „dat ... der Eydelman Her Heinrich Greue zo Seyen Here des Landts von Blankenberg ind Fraw Mettil Greuenne syn huyßfrawe mit milder inniger und heilsamer Verdachtnusse Im Gebiede der hcrschaft syns Landts von Blankenberg zu loeue ind zo eren des Al- mechtigen Goitz, der hilliger Jonfrawen Marien ind des hilligen Oonkss- soris sent ^raneisouK eyn Eynsedelhuyß des Seligendals gestedicht ind ge- buwet haint ind aldae, zo waenen ind Goede zo dienen die Mynerbroidern geruffen haint ind eyne Almiße bewyst in Vrbar der vurß broidere ind ouch van synen gewißen guederen herna erclert dieselve Almiße u. s. w." Demnach haben also Graf Heinrich von Sayn (st 1247) und seine Frau Mech- thilde von Landsberg (st 1282) das Kloster (Einsiedelhaus) zu Seligenthal gestiftet und gebaut und Minderbrüder (von Köln, wo dieselben Heinrich von Sayn und Mechtildis schon 1219 ein Franziskanerkloster in Sion unweit der Severinskirche gegründet hatten) dorthin berufen, denen sie zum Unterhalt den Termin (Almuße) und Einkünfte aus mehreren Gütern nebst einer Mühle in Seligenthal und der Fischerei in der Sieg vom Broelbache an bis zum Woulfaß (Wolsberg) anwiesen, wozu 1296 Graf Dietrich von Heinsberg und Blankenberg noch eine Mühle im Kirchspiel Neunkirchen schenkte. Herzog Wilhelm von Juuch-Berg, welcher 1397 die vorgenannte Stiftung und Schenkung neu bestätigte, gab dem Kloster in demselben Jahre das Glock- und Offeramt zu Eitorf, welches am 3. Mai 1688 unter dem Guardian Otto Bodecker gegen 100 Goldgulden zur Stiftung eines Pri- missariats in Eitorf wieder zurückgegeben wurde. Manche Renten wandten die Landesherren dem Kloster zu, so z. B. 14 Malter Roggen von dem Buchheimerhos und der Allner Mühle zur Abhaltung eines Anniversars für die Verstorbenen der herzoglichen Familie. Das Kloster Seligenthal gehört somit zu den ersten Klöstern, die in Deutschland bald nach der Stiftung des Ordens gegründet wurden. Der h. Franziskus von Assist, geboren 1182 und gestorben 1226, stiftete den Orden der tratrss vainvros im Jahre 1209, und erst im Jahre 1223 wurde derselbe durch Papst Honorius III. bestätigt. Auf dem unter dem Vorsitze des h. Bonaventura im Jahre 1260 zu Narbonne abgehaltenen Generalkapitel wurde die kölnische Ordensprovinz in sieben Kustodien eingetheilt; die kölner Kustodie umfaßte damals acht Konvente, worunter auch der Konvent zu Seligenthal. Als in der Folge unter den Franziskanern bezüglich einer strengeren oder milderen Beobachtung der vom h. Franziskus eingeführten Ordensregel sich Parteien gebildet hatten, entschied das Concil von Constanz am 18. Mai 1516, daß fortan der Orden aus zwei großen Congregationen bestehen solle, von denen die eine die Anhänger der strengern Observanz — Observanten genannt —, und die andere die nach einer gelinderen Auslegung der Regel lebenden Franziskaner, die den Namen „Con- ventualen" führten, in sich vereinigte. Die Franziskaner zu Seligenthal gehörten zu den Conventualen, die gewöhnlich Minoriten oder auch wegen ihres schwarzen Habits schwarze Franziskaner genannt wurden. Die bald nach der Gründung des Klosters erbaute Kirche, von welcher, da die jetzige Kirche anscheinend dem 17. Jahrhundert angehört, noch ein jetzt als Sakristei benutztes schönes romanisches Chörchen vorhanden ist, wurde dem h. Antonius von Padua geweiht, der, schon ein Jahr nach seinem Tode in das Verzeichniß der Heiligen aufgenommen, alsbald unter dem christlichen Volke eine vorzügliche Verehrung fand und als mächtiger Fürsprecher bei Gott in den verschiedensten Anliegen angerufen wurde, wie es in jenem alten Lobgesange auf den h. Antonius von Padua heißt: „Er schließt oft des Todes Nachen, Treibt oft ab der Hölle Drachen, Dämpft des Meeres Wellen Wuth; Jetzt er schwere Krankheit heilet, Bald ein' and're Hülf ertheilet, Wiederbringt verlor'nes Gut." Die Verehrung dieses Heiligen nahm noch mehr zu, als um das Jahr 1649 durch den damaligen Kölner Provinzial Urban Bresser die Andacht der neun Dienstage zu Ehren des h. Antonius von Padua eingeführt wurde, mit welcher Andacht die Franziskaner in Seligenthal auch die Antoniusbru- derschaft verbanden, die allmonatlich am Sankt Antoniusaltar gehalten wurde. Noch heute bestehen diese Andacht und Bruderschaft und von Nah und Fern strömen die Andächtigen das ganze Jahr hindurch, besonders aber an den Dienstagen der heiligen Fastenzeit in großer Anzahl herbei, um die Fürbitte des Heiligen zu erflehen, deren Macht sich oft so wunderbar bewährt hat. Nebst dem h. Antonius von Padua wurde auch der h. Rochus von jeher in Seligenthal besonders verehrt. Zu diesem Heiligen nimmt die gläubige Christenheit ihre Zuflucht als zu einem Schutzpatron wider die Pest und dergleichen Epidemien. Als im Jahre 1414 zu Constanz die Pest ausbrach, da veranstalteten die dort zum Concil versammelten Väter eine feierliche Prozession zu Ehren des h. Rochus; alsbald hörte die Pest auf und — 39 — seitdem nahm die Verehrung dieses Heiligen immer mehr zu. In Seligen- thal, wo in der Kirche ein Altar zu Ehren des h. Rochus errichtet ist, besteht auch seit dem Jahre 1709 eine schöne Sankt Rochuskapelle, die, wie es scheint, in Folge eines Gelübdes oder zum Danke für glückliche Abwendung ansteckender Krankheiten erbaut worden ist; denn wie Urkunden melden, war im genannten Jahre mit der Vigil vom Feste der h. drei Könige eine entsetzliche, den ganzen Winter andauernde Kälte eingetreten, so daß der Weiustock und alle Winterfrucht erfror und in Folge dessen große Theuerung, Hungersnoth und Typhus entstand. Zahlreiche Prozessionen aus fast sämmtlichen Pfarreien der Umgegend führt das Fest des h. Rochus alljährlich nach Seligcnthäl, wo alsdann auch eine bedeutende Reliquie dieses Heiligen verehrt wird. Vierzehn Tage vor dem Feste des h. Rochus, am 2. August, findet dort ein überaus großer Concurs statt zur Gewinnung des Portiunkula- Ablasses. Schon am Vorabende sind die Beichtstühle belagert und die Beichtväter, die gewöhnlich in größerer Anzahl sich einfinden, müssen oft bis Mitternacht ihres heiligen Amtes walten, und am Festtage selbst füllt sich die Kirche in früher Morgenstunde wieder mit Andächtigen, die alle durch würdigen Empfang der heiligen Sakramente sich des vollkommenen Ablasses theilhaftig machen wollen. Es ist eine erhebende Feier, und gewiß zahllose Wunder der Gnade wirkt dex Herr an den Seelen, die in seinem heiligsten Herzen Frieden und Heil aufrichtig suchen Die Wallfahrt zur h. Maria in Nldenhoven. ine Stunde westlich von Jülich, an der Aachen-Jülicher Landstraße, liegt der Flecken Aldenhoveu, einst befestigt und der Sitz eines Amtmannes. Im Jahre 1654 befand sich ein zur Festungsbesatzung gehöriger Kriegsmann Namens Dietrich Müllfahrt mit seinem Sohne auf der Vogeljagd. Sie kamen an einen Lindenbaum und fanden in einer Höhlung desselben ein Bild der Mutter Gottes. Darüber waren sie sehr erstaunt und nach Hause gekommen machten sie ihren Nachbarn Johann Gatzweiler und Martin Lenardts Mittheilung von dieser Entdeckung. Anfangs wollten diese dem Berichte keinen Glauben schenken, begaben sich aber dennoch an den bezeichneten Ort und fanden Alles so, wie ihnen gesagt worden war. Alle Einwohner Aldenhovens geriethen über den Fund in Erstaunen, denn Niemand hatte je von dem Bilde an diesem Orte auch nur das Geringste gehört oder gewußt. Die drei Männer gingen nun oft des Abends zu der Linde hin, um dort ihr Gebet zu verrichten. Da bemerkten sie denn zu verschiedenen Malen — 40 — daselbst einen lichten Schein, der ihnen als etwas Uebernatürliches vorkam^ und sie beschlossen, an diesem Orte ein sogenanntes Heiligenhäuschen zu errichten. Sie machten nun dem damaligen Pfarrer von Aldenhsven, Reiner Breuer, Mittheilung von dem Funde und ihrem Vorhaben; dieser aber untersuchte mit Hülfe des Vikars Moll die Angaben der Männer und kam zu dem Resultate, es müsse diese Angelegenheit der höheren geistlichen Behörde unterbreitet werden. Der damalige Weihbischof von Köln, Paul Stravius, wurde mit der Untersuchung beauftragt. Er fand die Sache genau so, wie sie berichtet worden, um aber allen möglichen Mißbräuchen vorzubeugen, befahl er bei seiner Anwesenheit in Aldenhoven im September 1654, das Bild aus dem Lindenbaume zu nehmen und in der Pfarrkirche aufzustellen; gegen die Errichtung des Heiligenhäuschens hatte er nichts zu erinnern. Eines Tages war zur Bestürzung der Einwohner das Bild aus der Kirche verschwunden. Weder der Pfarrer, Vikar oder Küster, noch ein sonstiger Einwohner konnte über die Art des Verschwindens oder den Verbleib des Bildes Auskunft geben. Inzwischen wurde mit dem Baue des Heiligenhäuschens fortgefahren und siehe! kaum war dasselbe vollendet, so fand sich auch das Bild wieder und wurde in demselben aufgestellt.' Von nun an nahm die Verehrung des Marienbildes immer mehr zu und erregte die Aufmerksamkeit auch der weltlichen Behörde; in Folge dessen ward nochmals eine Commission ernannt, welche aus dem Dechanten von Jülich, Johann Scruterus, dem Pfarrer Petrus Strauß und dem Schultheiß Contzcn von Aldenhoven bestand. Noch hatte diese Commission ihre Arbeiten nicht vollendet, da traten Ereignisse ein, welche der ganzen Angelegenheit eine größere Wichtigkeit verliehen. Der Zudrang zu der Fundstätte nahm über alles Erwarten zu und aus der weiten Umgegend brachte man Kranke und Preßhafte herbei, welche durch die Fürbitte Mariens hier Heilung suchten. Im Jahre 1655 sollen über 20 wunderbare Heilungen an Blinden, Lahmen, Stummen und sonstigen Kranken hier geschehen sein. Solches kam auch dem Herzog von Jülich- Clevc-Berg, Philipp Wilhelm, zu Ohren, und dieser ließ eine Commission aus geistlichen und weltlichen Herren zusammensetzen, welche die berichteten Vorgänge auf das Genaueste untersuchen sollten. Das Resultat dieser Untersuchung war für den Herzog so überzeugend, daß er den Befehl gab, an der Stelle, wo der wunderbare Schein gesehen worden, eine Kapelle nach dem Vorbilde der Kapelle in Altötting zu erbauen. Diese wurde 1659 vollendet. Zugleich ließ er den Bau einer Wohnung für die dienstthuenden Geistlichen in Angriff nehmen und übertrug die Seelsorge den Franziskanern von Jülich. Hieraus entstand mit der Zeit das große Kapuzinerkloster. Immer mehr nahm die Wallfahrt zu: es kamen Prozessionen aus dem ganzen Gebiete des Nicderrheins und der Maas, aus Holland und Belgien — 41 — und oft konnten die Franziskaner dem Bedürfnisse der Pilger kaum genügen. Viele wunderbare Gebetserhörungen werden aus dieser Zeit berichtet. Besonders feierlich wurde im Jahre 1754 das hundertjährige Jubelfest, namentlich in den Oktaven von Maria Heimsuchung, Maria Himmelfahrt und Maria Geburt begangen. Von 57 verschiedenen Ortschaften erschienen große Prozessionen und die Stadt selbst war aus das Festlichste geschmückt. Im Jahre 1804 wurde in Folge der französischen Revolution das Kloster aufgehoben und die Gebäude wurden verkauft. Die Pfarre steigerte die beiden Kapellen, damit sie nicht zerstört wurden, an sich. Das Gnadenbild wurde in die Pfarrkirche übertragen, wo es sich auch jetzt noch befindet. Im Jahre 1354 wurde unter großem Zulaufe der Pilger das zweihundertjährige Jubiläum gefeiert. — Auch jetzt noch kommen das Jahr hindurch viele Prozessionen und einzelne Pilger nach Aldcnhoven, um bei Maria Trost und Hülfe zu finden. Bemerkenswerth ist noch, daß in den Jahren 1665, 1666 und 1667, während die Pest in der Umgegend von Aldenhoven schrecklich wüthete, dieser Ort gänzlich von der Plage verschont blieb. Sie schmerzhafte Mutter Gottes zu Bergheim. kHMigefähr in der Mitte zwischen Köln und Jülich liegt das Städtchew - Bergheim an der Erst, ehemals befestigt und der Sitz eines Amtmanns. Es besitzt nur eine Kapelle, die Pfarrkirche liegt in dem ehemaligen Dorfe Bergheimerdorf, welches aber jetzt mit dem Städtchen vereinigt ist. In dieser Kirche von Bergheimerdorf, welche vom Kloster Cornelimünster erbaut worden, geschah zur Zeit des Herzogs Wilhelm von Jülich-Eleve- Berg und der Markgräfin Sibylla von Brandenburg ein arger Frevel. Ein Kirchmeister von Bergheimerdorf und ein Brudermeister von Wiedenfeld schlichen sich in die Kirche und raubten dort verschiedene, zum heiligen Gebrauche bestimmte Gegenstände, unter anderen auch das hochwürdigste Sakrament mit der Monstranz. Sie zerbrachen die Monstranz und verkauften sie einem Juden in Köln, die heilige Hostie aber mit dem zerbrochenen Glase warfen sie in dem Bergheimerwalde in ein Gesträuch. Eines Abends kam der Förster Jakob Kremer von Oberaußem durch den Wald auf Bergheim zu. Da gewahrte er in einem Strauche ein brennendes Licht. Es war nur ein Heller Schein, der ihm aber mit einem Feuer keine Ähnlichkeit zu haben schien. Aengstlich ging er vorüber, aber die ganze Nacht konnte er keine Ruhe finden. Deshalb begab er sich am folgenden Tage wieder an die Stelle und suchte in den Sträuchern nach, aber vergebens. Am Abende kam er wieder dort vorüber und als er das sonderbare Licht auch jetzt wahrnahm, bezeichnete er den Strauch genau, um ihn am folgenden Morgen leicht finden zu können. Als er dann die Stelle untersuchte, wurde er der heiligen Hostie in dem zerbrochenen Glase ansichtig. Sogleich fiel ihm der Kirchenraub ein und er eilte nach Bergheim zum Magistrate, um die desfallsige Anzeige zu machen. Der Pfarrer begab sich nun in Begleitung vieler Einwohner an Ort und Stelle und überbrachte das h. Sakrament in die Pfarrkirche. Die beiden Verbrecher aber wurden bald entdeckt und am Erbsenbusche bei Bedburg hingerichtet. Der Förster Jakob Kremer errichtete an der Stelle, wo er das h. Sakrament gefunden, ein hölzernes Kreuz mit einem Marienbilde. Hier verweilte er oft im Gebete. Eines Tages schlief er während des Gebetes ein. Da rief ihm eine Stimme so laut und deutlich zu, daß er erwachte. Die Stimme aber befahl ihm, er solle an Stelle des Kreuzes eine Kapelle Hauen. In einem damals gedichteten Liede heißt es darüber: Die Stimme zu Jakob Förster sprach: So laut, daß er davon erwach, Befahl ihm, daß er sollt' aufsteh'n Und eilend hin nach Bethlehem geh'n. Da sollt er bauen ein Gotteshaus > Daß Pilger gehen ein und aus. Bald kamen häufig, Klein und Groß. Maria ließ sie nicht ohn' Trost, Sie waren krank, lahm oder blind, Gott macht sie alle gesund geschwind. Der Förster baute nun eine kleine hölzerne Kapelle, welche am Geburts- seste des h. Täufers Johannes zu Gottes Ehre eingeweiht wurde. Das Kreuz aber mit dem Maricnbilde stellte er in der Kapelle an derselben Stelle auf, wo er die h. Hostie gesunden hatte. Die Wallfahrt zu dieser Gnadenstätte wurde bald allgemein und so entstand in dem Jakob Kremer der Wunsch, an Stelle der hölzernen eine steinerne Kapelle zu errichten. Von allen Seiten wurde ihm Beihülfe zugesagt und als er auch von dem damaligen Pfarrer Wilhelm Löhr die Erlaubniß erhalten, ließ er auf der Bethlehemer Haide die nöthigen Ziegelsteine brennen. Noch hatte er den Bau nicht begonnen, da brach im Jahre.,1537 zwischen dem Kaiser Karl V. und dem Herzoge Wilhelm wegen des Herzogthums Geldern ein heftiger Krieg aus, der wegen der vielen Drangsale, die er mit sich brachte, das Jülicher Wehe genannt wurde. In diesem Kriege wurden auch die Ziegelsteine für die Kapelle weggeschleppt. Auch nach dem Kriege konnte so bald noch nicht mit dem Baue der Kapelle begonnen werden, denn vorerst mußten die Schäden geheilt werden, welche durch denselben den Bürgern und Bauern verursacht waren. Im Jahre 1608 wandte sich die Bürgerschaft von Bergheim deshalb an den Herzog Johann Wilhelm und erhielt am 7. März desselben Jahres den Bescheid, die eingegangenen Opfer sollten zum Neubau verwendet werden und er selbst werde für einen Zuschuß Sorge tragen. Er beauftragte auch den Einnehmer und Kellner Bertrant zu Berghcim, die nöthigen Hand- und Spanndienste zu besorgen, damit neue Ziegelsteine gebacken würden; dem jülich'schen Wehrmeister Johann von Jüden aber befahl er, für zehn Wagen Kalk zu sorgen. So kam denn bald die Kapelle zu Stande. Bei dem zahlreichen Besuche der Kapelle trat nun aber auch das Bedürfniß hervor, einen beständigen Gottesdienst an derselben einzurichten. Anfangs kamen Franziskaner von Brühl an den hohen Festtagen dorthin, um den Gottesdienst zu halten, aber bei der weiten Entfernung war es unmöglich, solches auf die Dauer durchzuführen. Deshalb verwendeten sich Bürgermeister, Rath und Scheffen von Berghcim bei dem Franziskaner- Provinzial l?. Theodor Rheinfeld um Einrichtung eines Klosters bei der Kapelle und Herzog Wolfgang Wilhelm schenkte zu diesem Zwecke 6 Morgen Ackerland und so viel Wald, als zum Haushalt der Mönche nöthig war. Zunächst baute man nun 1640 eine provisorische Wohnung; das Kloster wurde 1655 vollendet und da die Kapelle zu klein wurde, begann man 1664 mit dem Bau einer neuen Kirche. Das Kloster erhielt den Namen Bethlehem. Wie aus den Annalen des Klosters hervorgeht, kamen jährlich über 30 zahlreiche Prozessionen dorthin, oft zählte man über 12,000 Pilger. Die Gebetserhörnngen waren zahlreich; wir wollen nur einige kurz anführen. Im Jahre 1598 herrschte in der Pfarre Bergheim die Pest in so hohem Grade, daß täglich 12—18 Leichen bestattet wurden. Da ordnete der Pfarrer Petrus Klock eine Prozession nach Bethlehem an und von diesem Tage an hörte das Sterben auf. In den Jahren 1622 und 1623 herrschte die Pest in Düsseldorf; eine Prozession nach Bethlehem wurde abgehalten und die Krankheit verschwand. Ueberhaupt wendete man sich bei ansteckenden Krankheiten und Viehseuchen stets an die schmerzhafte Mutter in Bethlehem und fand immer Erhörung. Der Besuch dieses Wallfahrtsortes war so zahlreich, daß man in einigen Jahren bis zu 24,000 Kommunikanten zählte. Im Jahre 1802 wurde durch die französische Republik das Kloster aufgehoben. Der letzte Gottesdienst wurde am 2. Juni 1802 abgehalten. Nach dem Hochamte erschienen die Beamten der Republik und schlössen die Kirche. Daraus nahmen sie auch das Kloster in Besitz. Das Marienbild, sowie der Altar wurden in die Pfarrkirche zu Bergheimerdorf übertragen und befindet sich gegenwärtig noch daselbst. Das Kreuz, welches Jakob Kremer errichtete, befindet sich neben dem Gnadenaltare in der Mauer. Auch heutzutage wird das Gnadenbild fleißig besucht und aus 17 Pfarreien kommen Prozessionen jährlich dorthin. S. Salvator zu Nievenheim. m Kreise Neuß, 6 Kilometer von der Eisenbahnstation Dormagen entfernt, liegt das alte Dorf Nievenheim mit etwa 900 Einwohnern. In der dortigen Pfarrkirche befindet sich ein Salvatorbild, welches in der weiten Umgegend in hoher Verehrung steht. Ueber den Ursprung und die Geschichte dieser Wallfahrt finden wir Nachstehendes verzeichnet. In der Kirche zu Duisburg befand sich seit unvordenklichen Zeiten ein Salvatorbild, bei welchem sich viele wunderbare Gebetserhörungen ereignet haben sollen, in Folge deren eine Menge Pilger dorthin kamen, um ihre Anliegen vorzutragen. Besonders zahlreich waren die Prozessionen am Psingstfeste. Es wird berichtet, daß die Opfer so reichlich gespendet wurden, daß aus denselben 1415 der schöne Thurm an der Salvatorkirche erbaut werden konnte. Zu den Zeiten der Reformation kamen Wiedertäufer und lutherische Prediger nach Duisburg, welche die Mehrzahl der Einwohner aufreizten, so daß sie sich der Salvatorkirche bemächtigten und in derselben ihren Gottesdienst abhielten. Die Bilder wurden vernichtet und das altehrwürdige Salvatorbild aus der Kirche geworfen. Ein frommer Bürger aus der Stadt nahm dasselbe auf und trug es heimlich in seine Wohnung. Da es ihm aber dort nicht sicher genug schien, so beschloß er, dasselbe nach der Stadt Köln zu bringen, weil diese Stadt an dem katholischen Glauben festhielt. Aus dem Wege kam er eines Abends nach dem Dorfe Nievenheim und da er sehr müde war, wollte er dort die Nacht zubringen. Am folgenden Morgen machte er sich auf den Weg nach Köln, aber nachdem er eine Zeitlang gewandert war, fand er sich zu seinem Erstaunen vor Nievenheim wieder. Solches geschah zum zweiten und dritten Male und hieraus erkannte er, daß er das Bild nicht nach Köln bringen, sondern in Nievenheim belassen solle. Er trug nun das Bild in die Kirche des Ortes, wo der Pfarrer es mit Freuden annahm und an einem passenden Orte in der Kirche ausstellte. Alsbald erwies man dem Bilde eine hohe Verehrung und von allen Seiten strömte das Volk hinzu, um vor demselben seine Bitten und Anliegen vorzubringen. Wie aus den Akten hervorgeht, war bereits im Jahre 15S9 eine besondere Salvatorandacht eingerichtet worden, welche aus der weiten Umgegend zahlreich besucht wurde. Im Jahre 1660 war die Kirche und besonders der Theil, wo das Salvatorbild sich befand, baufällig geworden, so daß man das Bild nicht an seinem alten Platze belassen konnte. Bei dieser Gelegenheit stellte der Pfarrer bei der geistlichen Behörde den Antrag, das Bild auf dem Hochaltare zur Verehrung aufstellen zu dürfen. Der Weihbischof Adrian von Walenberg wurde mit der Untersuchung beauftragt und ertheilte schließlich die Bewilligung. — 45 — Als im Jahre 1667 die Pest in dem ganzen Lande herrschte, machten die Einwohner von Nievenheim das Gelübde, dem Salvatorbilde eine schwere silberne Krone zu verehren, wenn sie von dieser furchtbaren Plage verschont blieben. Ihre Bitten wurden erhört. Papst Benedikt XIV. verlieh der Salvatorkirche zu Nievenheim einen vollkommenen Ablaß. Das Salvatorfest beginnt am Vorabende des Fronleichnamsfestes und dauert cilf Tage lang. Ans weiter Ferne und der ganzen Umgegend kommen dann Prozessionen und einzelne Pilger heran, um hier Trost und Hülfe zu suchen. Das Bild stellt den Welterlöser in ganzer Figur dar; das Haupt mit langem, wallenden Haar; es ist mit einem faltenreichen, purpurnen Kleide und einem sammetnen, vorne offenen Mantel bekleidet. Die Füße stehen auf Wolken, die Rechte ist wie mahnend erhoben, in der Linken trägt sie die Weltkugel mit dem Kreuze. Ueber dem Bilde erhebt sich ein Thron, welchen vier Engel umschweben. Das Bild ist aus Eichenholz geschnitzt und 3 Fuß hoch. Nachstehendes Gedicht gibt eine schöne Beschreibung desselben Willst du, o Christ, den Himmel dir erwerben, So übe stets, was Jesu Bild loch lehrt. Es mahnet dich, dem Bösen abzusterben, Und das zu thun, was deinen Heiland ehrt. Die Krone hier ermahnt an Jesu Würde, An seines Reiches große Herrlichkeit! Wenn du ihm folgst und trägst des Kreuzes Bürde, So wirst du erben ew'ge Seligkeit. Die Linke, schau, sie trägt das Bild der Erde, Das jeden mahnt an Jesu große Macht; Er ist's, der Alles schuf durch's Wort: „Es werde!" Und dich auch stürzen kann in Todesnacht. Das Kreuz hier mahnet dich an Jesu Sterben, Wie er dich hat erlöst durch bitt'ren Tod. Du kannst allein dir Heil durch's Kreuz erwerben, An ihm drum halte dich in Freud und Noth! Die Rechte hat der Heiland hock erhoben, Zu segnen den, der seine Lehre übi; O möchtest du doch auch ihm jetzt geloben: Das nimmermehr zu thun, was ihn betrügt. Er droht zugleich dir auch mit ew'gem Fluche, Wenn schnöde du verachtest sein Gebet. Dein Seelenheil auf Erden einzig suche! Was nützt die Welt dir ohne sel'gen Tod. — 46 — Der h. Donatus zu Münstereifel. u Rom lebte um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein Jesuiten- patcr, Balthasar Balloni mit Namen, welcher einen besonderen Eifer in Entdeckung heiliger Reliquien an den Tag legte. Einst fand er in den Katakomben der h. Agnes den Leib des heiligen Donatus und auf seine Bitten schenkte ihm der damalige Kardinal Ginetti, welchem die Besorgung, dieser Katakomben anvertraut war, den heiligen Leib. Der damalige Jesuitengeneral schenkte nun 1647 mit Erlaubniß des Papstes Jnnocenz X. diese Reliquie dem Jesuitenkollegium zu Münstereifel. Die Uebertragung dorthin geschah Ende Mai oder Anfangs Juni 1652. Bevor wir die Geschichte dieser Uebertragung näher darstellen, wollen wir die Legende über das Leben dieses Heiligen berichten. Der h. Donatus soll unter dem rvmischen Kaiser Markus Aurelius gedient und als Soldat in der Donnerlcgion dieses Kaisers gestanden haben. Als der Kaiser um das Jahr 174 nach Christi Geburt einen Kriegszug gegen die Markomannen und Quadcn unternahm, nahm Donatus an diesem Kriege Theil. Es trat aber zu dieser Zeit eine große Dürre ein, so daß fast das ganze Heer wegen Wassermangel verschmachtet wäre. Donatus, welcher Christ war, hielt mit seinen christlichen Waffenbrüdern Rath, wie dieser Noth des ganzen Heeres abgeholfen werden könne; dann kniete er mit denselben vor dem ganzen Heere nieder und flehte zum Gotte der Christen, er möge durch Sendung eines erquicklichen Regens den Heiden seine Wun- dcrkraft beweisen. Ihr Gebet wurde erhört, denn alsbald öffneten sich die Schleusen des Himmels und ein reichlicher Regen floß vom Himmel herab. Später wurde Donatus wegen des christlichen Glaubens in Rom gemartert. Mit der Ucbcrbriugung der h. Reliquie nach Münstereifel wurde der Pater Hannos beauftragt. Als dieser in Euskirchen angekommen war, sandte der Rektor des Kollegiums von Münstereifel, G. Thenen, den Pater Heerde dorthin, um die Reliquien abzuholen. Am Vorabende der Abreise von Euskirchen bedeckte sich der Himmel mit Gewitterwolken und am folgenden Morgen brach ein furchtbarer Sturm los, so daß die Menschen in die größte Angst geriethen. Während dieses Sturmes las Pater Heerde in der Martinskirche zu Euskirchen die heilige Messe, aber kaum hatte er den Segen gegeben, da steigerte sich das Unwetter noch mehr. Die Kirche schien ganz in Feuer gehüllt, an allen Enden flackerte es auf und dabei donnerte es so gewaltig, daß man jeden Augenblick glaubte, die Kirche werde zusammenstürzen. Von den Fenstern stürzten große Quadersteine herab, ein Blitzstrahl traf den Altar und den Priester, das Altarbuch, das Meßgewand, die Albe und die ganze Kleidung des Paters geriethen in Brand und der Priester wurde allenthalben mit Brand- — 47 — wunden bedeckt. Der Pater aber rief Gott und den h. Donatus um Hülse an und alsbald waren seine Wunden geheilt. Inzwischen hatte die Prozession mit dem Leibe des h. Donatus Eus- kirchen verlassen, denn man glaubte nicht anders, als daß Pater Hecrde an seinen Wunden gestorben sei. Bald aber kam dieser der Prozession nachgeeilt und da man ihn heil und gesund sah, geriethen Alle in Erstaunen. Diese Heilung aber schrieb man der Fürbitte des h. Donatus zu. Mit großen Feierlichkeiten wurde der h. Leib iu der Iesuitcnkirche zu Münstereifel beigesetzt. In Gegenwart des Dechanten und der Kapitulare des dortigen Stiftes, des herzoglichen Statthalters, des städtischen Magistrates wurde der Schrein geöffnet. Derselbe war an zwei Stellen mit dem Siegel des Kardinal Ginctti verschlossen. Im Innern fand man sämmtliche Gebeine, außerdem eine steinerne Ampel, eine zerbrochene Glasviole, welche noch mit dem Blute des Heiligen gefärbt war, drei eiserne Ringe, die Dokumente über die Echtheit der Reliquien und die Schenkungsurkunde an den Pater Belloni und an das Collegium der Jesuiten iu Münstereifel. Hierüber wurde ein Protokoll aufgenommen und sodann der Sarkophag wieder geschlossen. In Folge des in Euskirchen geschehenen Ereignisses verehrte man den h. Donatus vorzüglich gegen die Gewitter. Von allen Seiten strömten die Pilger hinzu, Prozessionen kamen selbst aus weiter Ferne und so ward die Verehrung des h. Donatus eine allgemeine. Es wurde eine besondere Oktav zur Verehrung des Heiligen und zwar vom zweiten bis dritten Sonntage im Monat Juli eingerichtet. Bald liefen nun auch Gesuche um Ueberlassung von Reliquien aus verschiedenen Gegenden und von hochgestellten Persönlichkeiten ein. Schon im Jahre 1652 erhielten eine solche der Kurfürst von Köln, Erzbischof Max Heinrich und das Salvatorkloster in Münstereifel. Ferner wurden damit beschenkt 1714 eine vornehme Person in Wien, 1718 Friedrich August von Sachsen, 1738 das Kapuzinerkloster zu Arlon, 1745 die Gräfin von Vehlen, 1748 das Novizenhaus der Jesuiten zu Wien, 1749 das Jesuitenkollegium zu Mons im Hennegau und das kurfürstliche Schloß zu Trier, 1767 die Stadt Luxemburg, 1783 die Pfarkirrche zu Euskirchen, 1818 der Freiherr von Menge, 1845 die Pfarrkirche zu Basem. Von den wunderbaren Gebetserhörungen, welche auf Fürbitte des h. Donatus geschehen sind, können wir hier nur wenige berichten. — 48 — Im Jahre 1664 tobte ein schreckliches Ungewitter über dem Nonnenkloster zu Schweinheim und es schien, daß Alles zu Grunde gehen würde. Da gelobten die Schwestern eine große Wachskerze dem h. Donatus zu Mün- stereifel und alsbald legte sich der Sturm. Im Jahre 1700 brach im Jesuitenkollegium zu Münstereifel eine Feuersbrunst aus, bei welcher das Kloster in Gefahr stand, völlig eingeäschert zu werden. Man holte die Reliquien des h. Donatus herbei und rief ihn um Hülfe an. Alsbald legte sich der heftige Wind und das Kloster wurde gerettet. Im Jahre 1809 ward Münstereifel von einer schrecklichen Feuersbrunst heimgesucht und alle Versuche zum Löschen des Feuers waren vergeblich. Da brachte man die Reliquien herbei und betete vor denselben. Sogleich erlosch das Feuer und die Stadt war gerettet. Kalk. er Ort Kalk, welcher noch vor dreißig Jahren nur einige wenige Häuser zählte und eine Filiale von Deutz war, ist ein altberühmter Wallfahrtsort. Als im dreißigjährigen Kriege — so erzählt Rupert Herwegh, zu Anfang des vorigen Jahrhunderts Pfarrer zu Deutz — der Schwedenkönig Gustav Adolf die Stadt Deutz belagerte und seine wüsten Horden die ganze Umgegend sengend und brennend verwüsteten, war einzig das Bild der schmerzhaften Mutter Gottes, welches in einem Heiligenhäuschen zwischen Deutz und Köln stand, unversehrt geblieben. Das fromme Volk schrieb dieses Ereigniß einem ganz besondern Wunder zu, wodurch Gott seine Liebe zu Maria habe bekunden wollen, und von jener Zeit an wurde das Bild als ein Gnadenbild verehrt. Immer mehr wuchs die Andacht und der Zudrang frommer Pilger zu demselben und als gar das Erlöschen der Pest, welche im Jahre 1665 in Köln und Deutz gräßlich wüthete, der Fürbitte der schmerzhaften Mutter von Kalk zugeschrieben wurde, beschloß Andreas Stcprath, damals Pfarrer in Deutz und nachher Abt der dortigen Abtei, in der Nähe des Heiligenhäuschens eine Kapelle zu erbauen. Fromme Gaben dafür flössen reichlich, so daß er bald mit dem Bau beginnen konnte. Im Jahre 1667 wurde die Kapelle eingeweiht und das Bild in feierlicher Prozession in dieselbe übertragen. Der Ruf von Kalk war jetzt fest begründet, die Wallfahrten zur Muttergottes verbreitete sich immer mehr, so daß die Kapelle sich bald als viel zu klein erwies. Weil sie auch rasch hingebaut war, wurde sie bald baufällig, so daß am 18. Dezember 1703 ein Sturmwind dieselbe zertrümmerte; nur das Gnadenbild selbst blieb ganz unbeschädigt. Der Pfarrer Stepprath ließ nun das Bild nach Dcutz in die Pfarrkirche bringen und sammelte sogleich wieder Opfergaben zu einem Neubau, die so reichlich flössen, daß schon im folgenden Sommer 1704 die neue Kapelle fertig gestellt werden konnte. Hierauf wurde das Gnadenbild in einer Prozession nach Kalk gebracht und von vier Jungfrauen auf dem Altare in der neuen Kapelle aufgestellt. Von jetzt an mehrten sich die Prozessionen, welche nicht nur aus Köln und Deutz, sondern auch aus den Herzogtümern Jülich und Berg, sogar aus Westfalen hierhin wallfahrteten. Zur Hebung der Andacht und Verehrung der schmerzhaften Mutter zu Kalk wurde im Jahre 1710 vom Papste allen denjenigen ein Ablaß von 300 Tagen verliehen, welche vor diesem Bilde in gewohnter Weise für die Anliegen der Kirche, für Ausrottung der Ketzereien u. s. w. beten; ferner ein vollkommener Ablaß am Feste und in der Oktav von Maria Geburt. Von da an wuchs nun die Andacht in Kalk ungewöhnlich und die Zahl der täglichen Pilger von Nah und Fern wurde so bedeutend, daß sie im Jahr 1713 fast die Zahl von 17 000 erreichte. Beim Herannahen der französischen Nevolutionstruppen flüchtete man das Gnadenbild in die Pfarrkirche von Deutz. Wie wohl man daran gethan hatte, zeigte sich am 27. September 1796, wo rohe französische Kriegerhaufen die Kapelle erbrachen und die Kirchenbänke verbrannten. Das Bild wurde von da ab in Deutz verehrt und jeden Sonntag auf dem Altare ausgestellt, bis man es am 8. Oktober 1797 in feierlicher Prozession wieder nach Kalk zurückbrachte. Im Jahre 1829 wurde die Kapelle verschönert und das Gnadenbild vergoldet. Ein eigener Geistlicher war in Kalk nicht angestellt, sondern es war u nd blieb der Pfarre Deutz einverleibt; nur an den Hauptfesten war in der Kapelle eine heilige Messe und nachmittägiger Gottesdienst; an diesen Festen kamen dann aber so viele Prozessionen in Begleitung von Geistlichen, daß oft zwölf und mehr heilige Messen, thcilweise unter freiem Himmel gehalten wurden. Mit der Zunahme der Pilger wuchs auch die Einwohnerzahl von Kalk und deshalb wurde am 21. Mai 1830 ein eigener Rektor für die Kapelle ernannt, in der Person des Johann Classen, theils aus dem Grunde, um die Deutzer Pfarrkirche, welche sich schon damals als zu klein erwies, zu entlasten, theils und ganz besonders deshalb, um den frommen Pilgern Gelegenheit zu bieten, am Wallfahrtsorte selbst die heiligen Sakramente zu empfangen. Dem Rektor Classen, welcher am 17. Dezember 1836 in Kalk starb, folgten der Reihe nach die Rektoren Peter Joseph Müller, Joseph Oswald, Friedrich Külpmann und diesem im Jahre 1849 der Rektor Peter Nießen. Unter diesem letzteren nahm Kalk so sehr an Umfang und Bedeutung zu und wuchs die Einwohnerzahl in Folge des Eisenbahn- und Fabrikwesens und der gesteigerten Industrie so plötzlich, daß der Wunsch immer lauter und gerechter wurde, Kalk möge aus dem Deutzer Pfarrverbaude gelöst und zur eigenen Pfarre erhoben werden. Nachdem alle Hindernisse glücklich beseitigt und besonders die ersten nothdürftigsten Mittel für den Unterhalt des Gottesdienstes und der Pfarre beschafft waren, wurde von Seiten der geistlichen und weltlichen Behörden dem sehnlichen Wunsche entsprochen: Kalk wurde aus dem Pfarrverbande von Deutz entlassen und zur eigenen Pfarrei erhoben. Zum ersten Pfarrer wurde der bisherige Rektor Nießen am 17. Dezember 13S6 ernannt. Nach Erhebung des Ortes zu einer eigenen Pfarrei mußte naturgemäß das Hauptaugenmerk auf Erbauung einer neuen Pfarrkirche sich richten. Schon am Feste Maria Geburt im Jahre 1863 kounte der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt werden, wozu der Pfarrer selbst 48600 Mark durch eine allgemeine Collckte aufgebracht hatte. Der ganze Bau im Rohen kostete 120 000-130 000 Mark. Am 3. Oktober 1867 wurde die Kirche durch den Hochwürdigsten Herrn Weihbischof Dr. Baudri von Köln auf den Titel der Geburt Maria consecrirt. In der Kirche stehen außer dem Hauptaltare noch zwei Nebenaltäre; in der Kapelle stehen ebenfalls drei Altäre, von denen der Hauptaltar das Gnadenbild der schmerzhaften Gottesmutter enthält. Die neue Pfarrkirche liegr ^nz in der Nähe der Gnadenkapelle. Um sie herum ist ein prachtvoller neuer Kreuzweg angelegt, dessen Schluß eine herrliche Grotte des heiligen Grabes bildet. Ebenso stehen an der Landstraße von Deutz nach Kalk sieben schöne neue Stationen, die sieben Schmerzen Mariä vorstellend, welche auf Veranlassung des Pfarrers Nießen durch milde Beiträge beschafft wurden. Die vierzehn Stationen an dem Wege nach Mülheim scheinen, trotz mehrfach ausgesprochener Bitte um Restauration, dem Verfalle preisgegeben zu sein. In der Kapelle hangen zwei kleine Glocken; die eine hat nur die Jahreszahl 1669, die andere die Inschrift: Naria, Aratia, xlsna. ^nuo ckom. 1668. Für das Gnadenbild ist eine werthvolle, massiv silberne, stark vergoldete, mit kostbaren Diamanten im Werthe von 3000 Mark besetzte Krone vorhanden. Sie ist mit der Hand gearbeitet und über hundert Jahre alt> die letzten Diamanten dazu wurden im Jahre 1819 verehrt. Unter den verschiedenen Prozessionen, welche noch heute diesen Gnadenort besuchen, zeichnet sich besonders diejenige der Pfarre Deutz am Sonntage der Oktav von Mariä Geburt aus. Es besteht hier eine viel verbreitete Bruderschaft zu den sieben Schmerzen Mariä, deren Mitglieder am ersten Sonntage eines jeden Monats einen vollkommenen Ablaß gewinnen können. Die große sogenannte Kalker Andacht beginnt mit dem Feste Mariä Geburt und dauert bis zum Feste des h. Erzengels Michael. Während der — 51 — Oktav kann vollkommener Ablaß gewonnen werden. Ebenso ist an allen Samstagen Morgens 9 Uhr Segensmesse in der Kapelle mit vollkommenem Ablasse. Die Waldkapelle vom heiligsten Namen Jesu bei Rheinbach. z^,twa eine halbe Stunde von Nheinbach entfernt, in einsamem Walde, liegt eine Kapelle vom heiligsten Namen Jesu, welche von frommen Betern aus der Gegend und von Prozessionen fleißig besucht wird. Ein Bürger aus Rheinbach, so erzählt man im Volke, Hermann Cuchenheim mit Namen, hatte, um für sich und sein Haus gegen die Winicrkälte Fürsorge zu treffen, fünf junge Buchen im Nhcinbachcr Walde angekauft. Seinem Neffen, Johann Thynen, trug er auf, einen von den Bäumen für den häuslichen Bedarf zu zertheilen. Der junge Mann nahm die Art zur Hand, hieb wiederholt zu und spaltete das Holz in vier Theile. Als er es von der Erde aufheben wollte, glaubte er in dem Herzen des Baumstammes eine nebelartige Hülle, dem Spinnengcwebe vergleichbar, wahrzunehmen. Neugierig, was das zu bedeuten habe, sah er aufmerksam zu und erstaunt über die seltsame Sache rief er den Oheim, der gerade mit einer anderen Arbeit beschäftigt war. Dieser eilte auf den Ruf des Neffen herbei und beide betrachteten nun die unverhoffte wundersame Erscheinung: unter jener nebcl- artigen Hülle nämlich erblickten sie verwundert den heiligsten Namen Jesu, die beiden Buchstaben und L ganz deutlich ausgeprägt in dunkler, ins Schwarze spielender Farbe auf beiden Theilen der gespaltenen Buche. Diese Buchstaben hatten durch die Axtschläge etwas gelitten, erschienen aber in der Mitte des Baumes ganz deutlich ausgeführt. Voll Verwunderung über die seltsame Erscheinung fügte Hermann das in vier Stücke gespaltene Holz, so gut es ging, in der ursprünglichen Form wieder zusammen und trug es ehrfurchtsvoll in fein Haus, wo er es im Schlafzimmer neben dem Bette anbrachte. Es begab sich, daß damals im Jahre 1681 die Frau des Hermann an schwerer und langwieriger Krankheit darnieder lag. Mit frommem Sinn verehrte sie in stiller Andacht den heiligsten Namen Jesu, der in dem Holze verborgen war, und gewann so, wie sie später bezeugt hat, täglich in sichtlicher Weise ihre Kräfte wieder. Das seltsame Zeichen blieb jedoch nicht weniger als sechszehn Monate in der Verborgenheit, bis ein Bonner Bürger, mit Namen Heinrich Wil- h.lmi, seines Handwerks ein Kleidermacher, Geschäfte halber nach Rheinbach kam und in dem Hause Hermann's das Holz an dem Bette hängen sah. Auf die Frage, welche Bewandniß es damit habe, vernahm er das Geheim- 4* mß. Er meinte, es sei nicht schicklich, dasselbe an einem so unansehnlichen Orte anfzubewahren, da es größere Verehrung verdiente und begehrte, man möge es ihm schenken, er wolle es dem P. Quardian des kölner Convents vom Orden der mindern Brüder von der strengeren Observanz, Pater Heinrich Salm, seinem Anverwandten, übergeben zu dem Ende, daß die Andacht und Verehrung zu dem heiligsten Namen Jesu vermehrt werde. Hermann willfahrte bereitwillig diesem Wunsche. Nun war Heinrich hochbeglückt über das Geschenk und ließ es dankerfüllt am 2. Juni durch seinen Diener von Nhcinbach nach Bonn tragen. Es begab sich aber zu derselben Zeit, daß der durchlauchtigste Kurfürst Maximilian Heinrich, den die allgemeine Kriegsnoth seit dem Jahre 1673 in dem Benediktinerkloster St. Pantaleon zu Köln gleichsam wie in Gewahrsam eingeschlossen hielt, Bonn wiedersehen wollte und am 1. Juni den Neiscwagen bestieg mit den Worten: „Nun laßt uns fahren im Namen Jesu." Dieses war nämlich der Wahlspruch des Fürsten. Bei der Ankunft in Bonn fragte ihn der Stadtgouverneur Wilhelm Hermann, Freiherr von Enschcring, unterthänigst um die militärische Losung; der Kurfürst nannte den Namen Jesu. Tags darauf, am 2. Juni, an welchem der Kurfürst nach Köln zurückkehren wollte, begab es sich, daß Johann Bernhard Schorn, vormals Sekretär des Kurfürsten, aus irgend- welchem Anlaß in das Haus des Kleidermachers kam, Kenntniß von dem Holze erhielt, das vor zwei Stunden von Rheinbach gebracht worden war,, und inständigst den Heinrich ersuche, ts ihm zu geben, um es dem Kurfürsten zu schenken. Er erwartete nämlich zuversichtlich, durch dieses Geschenk, welches, wie er hoffte, dem Fürsten sehr angenehm sein werde, die verlorene Gunst desselben wieder zu erlangen. Heinrich übergab das Holz dem Johann Bernhard, welcher es dem Kurfürsten brachte, als dieser sich bereits zur Abreise anschickte, und zeigte es dem Hofpräfekten Johann Wilhelm Freiherrn von Rost, welcher sich über die seltsame Erscheinung wunderte und das Holz seinem fürstlichen Herrn übergab. Dieser hatte eben dem Gottesdienste beigewohnt und wollte wegfahren, indem er seiner Gewohnheit gemäß den Namen Jesu anrief mit den Worten: „Nun laßt uns im Namen Jesu nach Köln zurückkehren." Als der Kurfürst das im Innern des Holzes verborgene Geheimniß des Namens Jesu bemerkte, war er voll Freude und heiliger Andacht und wurde nicht müde, es ehrfurchtsvoll in die Hand zu nehmen und mit frommem Blick zu betrachten, dann befahl er es mit nach Köln zu nehmen. Hier wurde der Hergang auf das Genaueste urkundlich aufgezeichnet, der Kurfürst gab Auftrag, das heilige Holz mit einem silbernen Ornamente zu verzieren und wollte, daß es hernach zur allgemeinen Verehrung öffentlich ausgestellt werde. Um aber inzwischen die Andacht der gläubigen Pilger zum heiligsten Namen Jesu anzufachen, ließ er an der Stelle, wo der Baum gewachsen und jüngst ausgehauen worden war, zu ewigem Gedächtniß daran eine Kapelle errichten und neben dersel- / — 53 — ben eine passende Wohnung für fünf Klosterleute erbauen, welche den andächtigen Pilgern das h. Opfer darbringen, die hh. Sakramente spenden und das Wort Gottes verkündigen sollten. Dann übergab er den Ort den Franziskaner-Rekollekten, welche am 6. Mai 1686 dort eintrafen. In Köln hatte sich eine Bruderschaft des allerheiligsten Namens Jesu 'gebildet und war von dem Kurfürsten bestätigt worden. Sie wurde zu Pfingsten 1686 den 2. Juni, dem Jahrestage, an welchem dem Kurfürsten das Holz mit dem Zeichen des Namens Jesu zu Bonn überreicht worden war, in der Archidiakonalstiftsk'rche Maria zu den Stiegen zum ersten Male hochfeierlich mit Aussetzung des hochwürdigsten Sakraments des Altars und Nachmittags um 4 Uhr mit einer Predigt abgehalten. Am folgenden Samstage, dem Tage vor dem Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit, den 8. Juni, Morgens 6 Uhr, zog eine Prozession aus der genannten Stiftskirche nach gegebenem sakramentalischem Segen zum Kapellchen im Nheinbacher Walde und es wurde am Kreuze vor dem Severinsthor eine kurze Ermahnung gehalten. Zu der Bruderschaftsprozession waren alle Christgläubigcnf cierlich «ingeladen worden. In demselben Jahre, 1686 den 16. August, erhielt Gertrud Nen- nenbcrg aus Kesselingerdorf, als ein Bittgang an das Kapellchcn gelobt wurde, wunderbar ihre Gesundheit wieder. Sie war feit vierzehn Tagen vom Schlage gerührt und in Folge davon an einer Seite des Körpers bis zur Fußsohle gelähmt, hatte die Sprache und den Gebrauch ihrer Sinne verloren und die h. Oelung empfangen, da man ihr Ende erwartete. Als man sie zum Kapellchen brachte, begann sie auf dem Wege plötzlich zu genesen; die Sprache und der Gebrauch ihrer Sinne kehrte zurück und sie eilte raschen Schrittes den Begleitern vorauf. Dann beichtete sie bei dem Pater Präses Franz Mengels, empfing die h. Kommunion und gewann am Kapellchen ihre früheren Körperkräfte wieder, so daß sie Gott preisend und vollkommen gesund nach Hause zurückkehrte. Am 9. September desselben Jahres erklärte Margaretha Freden aus Rheinbach, in Mapen wohnhaft, eidlich vor vielen glaubwürdigen Zeugen, daß sie an den heftigsten Schmerzen litt, doch als sie im Kapellchen vom allerheiligsten Namen Jesu geweihtes Wasser trank, sich plötzlich erleichtert und wieder gesund fühlte. Im nämlichen Jahre sandte der edelgeborene Herr Bertram Marsilius von Nechtersheim genannt Krummel, Herr in Vettelhofen, zufolge eines Gelöbnisses an das Kapellchen eine elfpfündige Kerze und ließ drei h. Messen lesen. Dabei meldete in seinem Auftrage der P. Quardian von Ahrweiler, daß derselbe, dem Tode nahe und gleichsam schon in den letzten Zügen, jenes Gelübde gemacht habe, erhört worden und wieder vollends genesen sei. Im nämlichen Jahre bezeugte der Pfarrer Jakob Manderfeld von Ober-Büllesheim in einem Schreiben vom 36. Oktober, daß eine Frau, welche — 54 — ein halbes Jahr gekrümmt und an das Haus gefesselt war, eine Bittfahrt an das Kapellchen gelobte und derart genas, daß sie von da ab wieder aufrecht einher ging. Weitere wunderbare Gebetserhörungen, welche die Akten des Konvents berichten, müssen wir wegen Mangel an Raum übergehen. Weit wichtiger sind die Bekehrungen, welche an dieser Stätte erfolgten. Im Jahre 1683 wurden daselbst 1256 h. Messen gelesen, 13 919 Beichten gehört, 70 Predigten gehalten und es trafen 96 Prozessionen ein. 1691 werden 1269 h. Messen, 10403 Beichten, 63 Predigten und 57 Prozessionen verzeichnet. Der Besuch der Kapelle von Seiten der Gläubigen nahm derart zu^ daß die wenigen Ordensgeistlichen den Bedürfnissen derselben nicht genügen, konnten. Der P. Präses beantragte deshalb, an der Kapelle einen Ordens- convent zu errichten. Allein die Ordensoberen waren entgegengesetzter Ansicht. Das Kapcllchen war anfangs durch einen Weltgeistlichen aus Rheinbach versehen worden. Dann hatte der Kurrsürst Maximilian Heinrich den Ort dem Orden überwiesen und den nöthigen Unterhalt für 4 Religiösen ausgesetzt, damit sie nicht zu terminiren und durch Concurrenz mit anderen Religiösen aus den Bcttelorden den Bewohnern der Gegend beschwerlich zu fallen brauchten. Dem Vermächtnisse des Kurfürsten zur ferneren Unterhaltung war aber keine Folge gegeben worden und auch die Hoffnung geschwunden, daß man überhaupt etwas erhalten werde. Bei einer so kleinen Anzahl der Religiösen konnte die Ordensdisciplin nicht gehandhabt, ein Con- vent des Ordens aber nicht ohne Beschwerniß für die Nachbarschaft errichtet werden. Der Provinzial glaubte deshalb die am Kapellchen wohnenden Ordensväter in geregelte Convente zurückrufen zu müssen, falls das Gene- ralvikariat damit einverstanden wäre und einen anderen Geistlichen mit der fernerm Leitung betrauen wollte. Unterm 1. Dezember 1706 meldete der Ordenspriester und Pönitentiar am Dom zu Köln, Ferdinand Rasquin solche Absicht im Auftrage des Provinzials und des Definitoriums der kölnischen Ordensprovinz dem Generalvikar de Reux. Dieser dankte unterm 1. Februar 1707 den Vätern für die am Kapellchen geleisteten treuen Dienste und entband sie von der Leitung desselben. Am 16. Januar, dem Namen- Jesu-Feste, hatten diese zuletzt die gottesdienstliche Feier am Kapellchen abgehalten, dann zogen sie mit ihren Habfeligkciten ab und kehrten in den Convent auf dem Calvarienberge bei Ahrweiler zurück. Der von den Franziskanern verlassene Ort erhielt nun zur geistlichen Obsorge einen Weltpriester bis zum Jahre 1709, in welchem der Kurfürst den Ort den Servitenbrüdern vom Kreuzberge bei Bonn übertrug. Am 22. Dezember 1714 wurde denselben feierlich die Stätte übergeben und am Weihnachtsfeste verrichteten sie den ersten feierlichen Gottesdienst, wobei 400 Gläubige die hh. Sakramente empfingen. — 55 — Das Holz mit dem Zeichen des Namens Jesu befand sich 1683 in der Jesuitenkirche zn Köln und wurde bald darauf der Jesuitenkirche in Bonn überwiesen. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens beantragte die Stadt Rheinbach die Ueberlassung desselben an die Waldkapelle, welches auch geschah. Dadurch ward die Verehrung und Andacht an derselben nicht wenig gefördert. Zur Zeit der französischen Revolution war auch die Kapelle und das Kloster der Serviten bei demselben stark heimgesucht worden. Das Kloster wurde aufgehoben, die Klostergebäude nebst Kirche und allen Gerechtsamen 1802 verkauft. In denselben wurde eine Wirthschaft von einem abgefallenen Priester eingerichtet, jedoch späterhin alle Gebäude bis auf die Kapelle niedergerissen. .«Aber auch nach der Aufhebung des Klosters dauerte die Wallfahrt nach der Kapelle fort und durch die Bemühungen des Pfarrers Willms zu Rheinbach wurde dieselbe wieder hergestellt, so daß auch wieder Gottesdienst in derselben abgehalten werden konnte. Gegenwärtig wird die Seelsorge an derselben durch die Pfarrgeistlichkeit von Nheinbach ausgeübt. Der h. Gezelinus bei Schlebusch. eun Kilometer von der Stadt Mülheim a. Rh. entfernt, im Regierungsbezirke Düsseldorf, liegt das Dorf Schlebusch und in seiner Nähe im Buchenwalde eine Kapelle, welche dem h. Gezelinus geweiht ist und wohin besonders in der Zeit vom 3. bis 10. August die Landleute aus weiter Umgegend wallfahrten. Im 12. Jahrhunderte verbreitete sich der Orden der (Zisterzienser, besonders durch das Auftreten des h. Bernhard, überall am Niederrheine. Das erste und bedeutendste Kloster dieses Ordens in der Erzdiözese Köln war Altenberg, von den Grafen Adolf und Eberhard von Berg auf ihrem seitherigen Stammsitze gegründet. Altenberg war eine Pflanzstätte von Mo- rimund in Burgund und so waren denn von dort aus Mönche zur Gründung des neuen Klosters geschickt worden. Unter diesen befand sich auch der Laienbruder Gezelinus, angeblich der Sohn eines Edelmannes aus Burgund. Wir müssen hier bemerken, daß die (Zisterzienser gleich anderen Orden in damaliger Zeit ihre Güter nicht verpachteten, sondern selbst bewirthschafteten. So ward auch Gezelinus auf den abteilichen Hof Altenrath bei Schlebusch geschickt und dort ward ihm die Sorge für die Schafheerde anvertraut. So konnte er nun seinem Hange zum beschaulichen Leben im ein- samen Walde sich hingeben; auch war ihm Gelegenheit gegeben, durch Fasten — 56 — und Entbehrungen sich abzutödten. Wer auch viele Gnadenerweisungen, besonders von Seiten der Gottesmutter Maria, wurden ihm zu Theil. Zu jener Zeit war die Heiligthumsfahrt in Aachen und es zogen aus allen Gegenden, nicht nur Deutschlands, sondern von ganz Europa große Pilgerschaaren dorthin, um die heiligen Reliquien zu verehren. Auch der h. Gezelin trug ein sehnliches Verlangen in sich, nach Aachen zu pilgern, allein er durfte die Heerde nicht ohne Aufsicht lassen und er wußte auch Niemand, der in der Zwischenzeit seine Stelle bekleiden könnte. Da erschien ihm ein Engel und forderte ihn auf, die Pilgerfahrt nach Aachen zu unternehmen; er selbst werde inzwischen für die Heerde Sorge tragen. Voll Freude machte er sich auf den Weg, befriedigte seine Andacht und kehrte nach vier Tagen wieder zurück. Inzwischen hatte der Engel in der Gestalt Gezelin's die Schafe gehütet, so daß Niemand die Abwesenheit des Heiligen wahrgenommen hatte. Eines Sommers hatte es lange Zeit nicht geregnet und die heiße Sonne hatte Bäche und Quellen in der ganzen Umgegend ausgetrocknet. Auch die Heerde Gezelins litt durch die große Dürre. Da wandte sich der Heilige im Gebete zu Gott und stieß sodann im festen Vertrauen auf Gottes Allmacht und Güte seinen Hirtenstab in die Erde. Alsbald sprudelte ein reichlicher Quell hervor und labte die ganze Heerde. Durch dieses Wunder im Vertrauen noch mehr bestärkt, flehte er inständiger zu Gott um Hülfe für das arme Landvolk und siehe! noch nicht hatte er sein Gebet beendet, da zogen finstere Wolken am Horizonte auf und bald waren die dürstenden Felder durch einen reichlichen Regen erquickt. Mit dem h. Bernhard soll Gezelin auf so vertrautem Fuße gestanden haben, daß dieser ihm sein eigenes Ordensgewand übersandte. Der h. Gezelin wurde nach seinem Tode auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin neben der Kirche zu Schlcbuschrath beerdigt, da sich aber an seinem Grabe viele Wunder ereigneten, so errichiete man über demselben ein Chörchcn, das man mit der Kirche in Verbindung setzte. Hier ruhten seine Gebeine bis zum Jahre 1814, in welchem die Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen und statt derselben die Kapelle zu Schlebusch zur Pfarrkirche erhoben wurde. Am St. Andreastage wurden die Reliquien des Heiligen mit großer Feierlichkeit nach Schlebusch übertragen. Ueber der Quelle, welche durch das Gebet des h. Gezelin entstanden war, wurde bereits im zwölften Jahrhunderte eine Kapelle erbaut, welche noch heutzutage täglich von Leidenden von Nah und Fern besucht wird, da man dem Wasser dieser Quelle eine besondere Heilkraft zuschreibt. Die Besitzer der Rittergüter Reuschenberg, Morsbroich und Steinbüchel werden als besondere Wohlthäter dieser Kapelle genannt. Besonders aber war die Land- comtburei des deutschen Ordens in Morsbroich, in deren Nähe am Saume eines großen Buchenwaldes die Kapelle liegt, auf die Verschönerung und — 57 — Erhaltung derselben bedacht. Um einen geregelten Gottesdienst an den Festtagen des Kirchenjahres und während der Oktav des Gezelinusfestes zu ermöglichen, wurden der Kapelle viele Vermächtnisse und Gerechtsame zu Theil, welche indessen durch die Ungunst der Zeiten verloren gegangen sind. An dem Feste des h. Gezelinus, sowie in dessen Oktav kommen sowohl viele Prozessionen als auch einzelne Pilger zu der Kapelle und es hatte sich in Folge dessen auch ein bedeutender Jahrmarkt daselbst gebildet. Dieses aber brachte viele Unzuträglichkeiten mit sich und die Andacht wurde dadurch nicht wenig gestört. Auf Grund dessen verlegte die erzbischöfliche Behörde von Köln die Andacht im Jahre 1829 in die Pfarrkirche, nur an einem Tage sollte dieselbe in der Kapelle stattfinden. Nachdem aber im Jahre 1852 der Jahrmarkt aufgehoben und an Stelle der alten baufälligen Kapelle eine neue errichtet worden, werden alljährlich am Sonntage vor dem Feste des h. Laurentius die Reliquien des h. Gezelinus in feierlicher Prozession von der Pfarrkirche in die Kapelle übertragen, wo sie dann 8 Tage hindurch von den allerseits zusammenströmenden Pilgern verehrt werden. Unsere liebe Frau zu Hardenberg. n einem anmuthigen Thalgrunde, zwei Stunden von der Stadt Elberseld, liegt das alte Schloß Hardenberg. Daneben befinden sich kleine Häuserreihen und unter diesen die Wallfahrtskirche unserer lieben Frau mit dem daranstoßenden Klostergebäude. Beim Eintritte in die lange hochgewölbte Kirche erblickt man zur linken Seite eine sehr schöne Kapelle und auf einem glänzenden Marmoraltare n mannigfaltigem Schmucke, umgeben von zierlichen Ampeln und schweren Opferkerzen das wunderthätige Gnadenbild in prächtiger Einfassung. Maria ist abgebildet in ihrer unbefleckten Empfängniß. In unbefleckter Reinheit, mit gefallenen Händen, die Blicke zum Himmel gerichtet steht sie auf dem Mond, von dem eine Schlange unter ihren Füßen todt herunter hängt. Auf ihrem Haupte prangt eine Krone von zwölf Sternen. Vor ihr sitzen auf den Wolken zwei Engel, die ihr Lilien und Rosen darbringen, andeutend ihre Unschuld und den Wohlgeruch ihrer Tugenden. Die Gnadenkirche erbaute die fromme Witwe des Freiherrn Sigis- mund von Hardenberg, der katholisch geworden, und im Jahre 1670 wurde sie zu Ehren der h. Anna eingeweiht. Sodann berief sie Franziskaner dorthin, welche hier ein Missionshaus bauen und ein Kloster errichten sollten. Der erste Vorsteher dieser Niederlassung war Pater Kasparus Niesing. Die Mittel zum Baue dieses Klosters, welches 1680 errichtet wurde. — 58 — spendete vorzüglich die Tochter der genannten Witwe, Jsabella, welche an Friedrich Arnold von Schaesberg verehelicht war. Noch aber fand sich in der Kirche nicht das Gnadenbild. Wie dasselbe dorthin kam, wird wie folgt berichtet: Um das Jahr 1680 lebte in dem Franziskanerkloster zu Dorsten ein frommer Priester, Pater Anton Schirley, Vikar des Convents, aus Haltern gebürtig. Er hatte auf feiner Zelle ein Bild, welches unsere liebe Frau unter dem Geheimnisse der unbefleckten Empfängniß vorstellte und deshalb von ihm sehr geliebt wurde. Schon seit einigen Jahren pflegte er zur Nachtzeit vor diesem Bilde knieend seine Andacht zu verrichten. Es war im September 1680, als er gerade in stiller Nacht inbrünstig vor dem Bilde betend deutlich die Worte vernahm: „Bringe mich nach Hardenberg, da will ich verehrt fein!" In der folgenden Nacht hörte er das Nämliche mit dem Zusätze: „Binnen anderthalb Jahren wird ein großer Fürst erkranken und nicht eher genesen, er thue denn ein Gelübde nach Hardenberg, und der soll mir da ein Kloster bauen; das schreibe dem Pater, der jetzt den Bau anfängt!" In der dritten Nacht, als der Ordensmann voll heiliger Ehrfurcht noch inniger betete, wiederholte dieselbe Stimme das Vorhergehende. Der gottselige Priester schrieb nun an Pater Kaspar zu Hardenberg, er möge doch baldigst wegen einer hochwichtigen Angelegenheit nach Dorsten kommen. Dies geschah und das Erstaunen über das Geheimniß, welches Pater Anton ihm entdeckte, war groß. Die beiden Ordensmänner berathschlagten lange, was hier zu thun sei. Sie glaubten, der Zeitpunkt sei noch nicht gekommen, das Bild nach Hardenberg zu bringen; sie wollten zuvor noch recht innig beten, um den Rathschluß des Himmels zu Ehren der unbefleckten Jungfrau noch besser zu verstehen. Pater Kaspar vertraute auf seiner Rückreise das Geheimniß mehreren hochansehnlichen Personen, um später, wenn Alles eintreffen würde, treue und glaubwürdige Zeugen zu haben, welche die geschehene Offenbarung bestätigen könnten. Während man die Erfüllung des göttlichen Willens mit Vertrauen erwartete, siehe, da erkrankte im folgenden Jahre 1681 im Monat Juli auf dem Residcnzschlosse Neuhaus bei Paderborn der Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg. Derselbe liebte ganz besonders unsere liebe Frau; auf ihre Fürbitte setzte er immer sein Vertrauen, zu ihr redete er wie ein Sohn zu seiner Mutter. Die Krankheit, welche ihn befallen hatte, war so gefährlich, daß man an seiner Wiedergenesung verzweifelte und ihn schon für todt sagte. In diesem Zeitpunkte war es, wo Pater Anton das Marienbild nebst einem Briefe nach Hardenberg an Pater Kaspar sandte mit dem Bemerken, jetzt sei die Zeit gekommen, das oft verlangte Bild möge mit schuldiger Ehrerbietung aufbewahrt werden, Gott werde sein Werk offenbar machen. Weil der Abt des Klosters zu Werden, dem Pater Kaspar das Geheimniß auch anvertraut hatte, sehnlichst wünschte, das Bild zu sehen, brachte es — 59 — Pater Kaspar zu ihm. Kaum aber ward das Bild wieder nach Harden- berg zurückgetragen, als dem Abte der Gedanke kam, ob nicht der schwer erkrankte Fürstbischof von Fürstenberg jener Fürst sei, von welchem die Offenbarung gemeldet, daß er nicht eher genesen werde, bevor er nicht ein Gelübde nach Hardenberg mache und daselbst das Kloster baue. Mit dem innigen Verlangen und der zuversichtlichen Hoffnung, einen so großen Fürsten durch die Fürbitte unserer lieben Frau am Leben zu erhalten, eilt er von Werden in die Residenz nach Neuhaus, erhält dort eine Audienz beim Fürsten, erzählt ihm, was mit dem Bilde vorgefallen und wie der liebe Gott beschlossen habe, ihm auf die Fürbitte der allzeit unbefleckten Jungfrau das Leben zu erhalten. Mit großer Aufmerksamkeit und tiefer Rührung vernimmt der hohe Kranke diese Freudenbotschaft und antwortet: „Herr Prälat! zwar habe ich schon alle menschlichen und geistlichen Mittel angewendet, jedoch vergeblich; nun hoffe ich aber auf die Fürbitte der unbefleckten Jungfrau Maria gesund zu werden. Wenn ich diese Gnade wirklich erlangt habe, dann werde ich auch die jenem Priester geschehene Offenbarung erfüllen, sowie das Kloster in Hardenberg erbauen lassen." Hierauf bat er den Abt, seine Rückreise zu beschleunigen und zu Hardenberg sofort eine Novene für ihn halten zu lassen. Schon am 2. August, der ein Samstag war, wurde damit begonnen und die erste heilige Messe zu Ehren der unbefleckten Empfängnis; für den Kranken gelesen. Als nun dieser durch einen Eilboten hiervon benachrichtigt worden, that er am 5. August, wo das Fest Maria-Schnee gefeiert wird, das Gelübde, nach erhaltener Gesundheit persönlich sich nach Hardenberg zu begeben und allda Gott und der h. Jungfrau öffentlich Dank abzustatten. Von dieser Zeit an wurde es besser mit ihm; ja es erfolgte bald darauf völlige Genesung. Der Fürstbischof säumte nun nicht, sein Gelöbniß zu vollbringen. Am 25. Oktober 168l, an einem Samstag, kam er Morgens früh nach Hardenberg, hielt ein feierliches Amt und verkündigte dann laut in Gegenwart einer Menge Volkes, daß er in Folge eines Gelübdes hierher gekommen sei, um unserer lieben Frau für die Gesundheit zu danken, die sie ihm gewährt habe. Zuletzt verordnete er, daß auf seine eigenen Kosten das Kloster zu Hardenberg gebaut werde. Im folgenden Jahre machte der Erbprinz von Jülich-Berg eine Wallfahrt nach Hardenberg und ließ dann die Kapelle in der Kirche bauen und einen schönen Altar von Marmor errichten, auf welchem nun das Gnadenbild prangt. Von dieser Wallfahrt an nahmen die Wallfahrten nach Hardenberg, selbst aus weit entlegenen Gegenden, immer mehr zu. In neuerer Zeit mehrt sich von Jahr zu Jahr der Zudrang des Volkes. In dem Jahre, als das h. Gnadenbild auf dem Altare aufgestellt wurde, lag der protestantische Freiherr Franz von Wendt, Herr zu Krassen- stein, bei seinen Verwandten zu Hardenberg, wo er auf Besuch war, an — 60 — einer schweren Krankheit, welche ihm sogar den Gebrauch des Verstandes genommen hatte, hoffnungslos darnieder. Die Freifrau von Hardenberg nahm ihre Zuflucht zu einer Novene, indem sie neun Samstage das h. Meßopfer für den Kranken zu Ehren Maria's darbringen ließ, um durch ihre Fürbitte nicht nur die Gesundheit und den Wiedergebrauch der Vernunft, sondern auch die Bekehrung des Kranken zum katholischen Glauben zu erlangen. Kaum hatte der Priester beim Beginne der ersten Messe zu Anfang des Staffelgebetes das h. Kreuzzeichen gemacht, da richtet sich der Kranke im Bette auf und begehrt von seinem katholischen Diener, daß er ihn mit dem h. Kreuze bezeichne, damit der Teufel ihn nicht, wie er sagte, aus dem Bette hole. 'Schon ist die gnädige Frau aus der h. Messe zurückgekehrt, und es fährt der Kranke selbst noch immer fort, das h. Kreuzzeichen zu machen, um sich gegen teuflische Versuchungen zu schützen. Die Freifrau erkundigt sich nach seinem Befinden und der Kranke antwortet jetzt ganz vernünftig: „O meine liebe Frau Base, Gott sei gelobt und gedankt, der mir den Verstand wieder gegeben. Es ist nun ausgemacht, daß ich katholisch leben und sterben will; lassen Sie doch einen Beichtvater zu mir kommen!" Pater Kaspar erschien, und als dieser ihn fragte, warum er denn zur katholischen Kirche zurückkehren wolle, gab er zur Antwort, daß er schon vor geraumer Zeit Gott das Versprechen gemacht, katholisch zu werden, daß aber seine Brüder und Schwestern ihn daran so lange gehindert, bis er das Versprechen ganz vergessen und die Mahnstimme seines Gewissens nicht mehr beachtet habe. Jetzt in der Krankheit sei sein Gewissen erwacht, aber der Teufel habe ihm zugleich die Größe seiner Sünden vorgehalten und wegen bisheriger Verachtung der Gnade zur Verzweiflung an Gottes Barmherzigkeit hinreißen wollen. Da er nun durch eben diese Barmherzigkeit noch am Leben erhalten und ihm der Gebrauch des Verstandes wieder geschenkt sei, so dürfe und wolle er Gottes kräftiger Gnade nicht länger widerstehen, sondern sein Versprechen ungesäumt halten. Noch am selben Tage legte der Kranke das katholische Glanbensbe-- kenntniß ab, bereitete sich zu einer Generalbeicht vor und empfing noch des selben Abends die sakramentalische Absolution; am andern Morgen wurde ihm die h. Kommunion gereicht und die h. Oelung gegeben. Aber siehe da, der, von dem die Aerzte ausgesagt, daß er selbst im Falle einer Wiedergenesung nicht vor 9 Wochen das Bett würde verlassen können, stand noch desselben Morgens auf, setzte sich mit den Anwesenden zu Tische, aß und trank und lebte noch gesund bis zum Jahre 1686 zu Krassenstein, voll Dankes gegen Maria, die ihm mit der Gesundheit des Leibes auch die Gabe des h. katholischen Glaubens geschenkt hatte. Zum Danke für feine Begnadigung stiftete er eine Vikarie zu Hardenberg für ewige Zeiten. Am 8. September 1733 kam mit der Wallfahrtsprozession von Bochum ein von seinen betrübten Eltern mitgeführter dreizehnjähriger blinder Knabe nach Hardenberg. Als man ihn mit großem Vertrauen ganz nahe bei dem Muttergottesaltare niedersetzte, und alle Anwesenden mit eifriger Andacht laut für den Unglücklichen beteten, verlangte dieser auf einmal, daß man ihm das Tuch von den Augen wegnehmen möchte. Siehe da! der Knabe konnte ohne Schmerz und Beschwerde der Augen wiederum in einem Buche lesen. Die ganze Versammlung weinte fast vor Staunen und Freude und dankte Gott und seiner unbefleckten Mutter. Arnoldsweiler. ngefähr eine Stunde von der Stadt Düren cmfernt liegt das Dorf Arnoldsweiler, in dessen Kirche die Gebeine des h. Ar- noldus ruhen, welcher dort unter Zuströmen von Pilgern aus der ganzen Umgegend feierlich verehrt wird. Ueber diesen Heiligen berichtet uns eine alte Legende, welche in Handschrift in dem Stadtarchiv von Köln aufbewahrt wird und welche wir hier in treuer Uebersetzung mittheilen. Zu den Zeiten des ruhmreichen Königs Karl der Große kam in diese Gegend aus Griechenland ein Leierspieler mit Namen Arnoldus. Wegen seiner Fertigkeit in Musik und Gesang wurde er an den königlichen Hof berufen, wo er oft durch feine Kunst die Ohren des Königs entzückte und wegen seines frommen Lebens und liebevollen Umganges in kurzer Zeit von Allen geliebt und geachtet wurde. Wenn nun auch sein tugendhaftes Leben ihm bei Gott und den Menschen wohlgefällig machten, so zeichnete er sich doch besonders durch die Tugend der Wohlthätigkeit aus, die er an Armen und Waisen übte. Alles, was er durch seine Kunst verdiente, vertheilte er unter dieselben. Wir wollen hier, was uns von glaubwürdigen Zeugen berichtet worden, in Kürze erzählen. Zu jener Zeit verweilte der genannte König Karl mit seinem Hofe in der Nähe des Dorfes, welches Genetzweiler genannt wurde, um in dem dortigen Reichswalde zu jagen. In der Nähe dieses Dorfes liegt nämlich ein Wald, Bürgel genannt, welcher von mehreren armen Ortschaften umgeben war. Obgleich die Einwohner derselben besonders Mangel an Brennholz litten, so wagten sie doch nicht, sich solches aus dem Walde zu holen, weil dieser zum königlichen Fiskus gehörte. Der Gottesmann Arnoldus aber hatte Mitleid mit der Noth der Bauern und sann Tag und Nacht darüber nach, wie er derselben abhelfen könne. Da gab ihm Gott, den er eifrig um Erleuchtung anflehte, einen trefflichen Gedanken ein. Als der König eines Tages sich zu Tische setzen wollte und seine Hände wusch, trat Arnoldus auf ihn zu und sprach zu ihm: O erhabener König, ich bitte dich — 62 — demüthigst, meine Bitte anzuhören und gnädigst zu erfüllen. Als der König ihn nun ersuchte, seine Bitte vorzutragen, fuhr er fort: Ich bitte dich, mein König und Gebieter, du wollest mir so viel von dem benachbarten Walde als Eigenthum schenken, als ich während deines Mahles zu Pferde umreiten werde. Alsbald sagte der König diese Bitte zu. Arnoldus zögerte nun nicht, er bestieg ein schnellfüßiges Pferd und begann seinen Ritt. Um aber in kurzer Zeit ein möglichst großes Gebiet zu umreiten und dadurch Vielen Hülfe leisten zu können, hatte er im Voraus von Strecke zu Strecke kräftige Pferde aufstellen lassen, um diese zu besteigen, wenn das vorher benutzte Pferd müde war. So gelang es ihm, den ganzen zwei Meilen langen und eine Meile breiten Wald zu umreiten, ehe noch der König vom Mahle aufgestanden war. An jenen Stellen aber, wo er die Pferde gewechselt, hatte er in die Eichbäume mit seinem Schwerte besondere Zeichen cingehauen. Der König wunderte sich über die so bald erfolgte Rückkehr und noch mehr, als Arnoldus ihm mittheilte, daß er in dieser Zeit den ganzen Wald umritten habe, worüber er sich durch die angebrachten Zeichen überzeugen könne. Der König mußte feine Zusage erfüllen und als Zeichen der Uebertragung des Waldes überreichte er ihm vor dem ganzen Hofe seinen goldenen Ring, den er an der Hand trug. Arnoldus aber dankte Gott und bemerkte dem Könige, daß Gott ihn für diese Gabe in der Ewigkeit reichlich belohnen werde, denn er wolle dieselbe zum Heil ihrer Seelen verwenden. Sodann vertheilte er den Wald unter die anliegenden Dörfer, deren Namen wir hier angeben wollen Arnoldsweiler, Eller, Oberzier, Niederzier, Lich, Embt, Angelsdorf, Elsdorf, Paffendorf, Glesch, Heppendorf, Sindorf, Manheim, Kerpen, Blatzheim, Golzheim, Buer, Morschenich, Mer- zenich. Alle Bewohner dieser Ortschaften mögen der Wohlthat eingedenk sein, welche ihnen dieser heilige Mann erwiesen und durch Gebet, Almosen und Verehrung des Heiligen ihren Dank an den Tag legen. Nachdem Arnoldus Alles, was er besaß, an die Armen gespendet hatte, flehte er beständig zu Gott dem Herrn, daß dieser ihn so lange leben lasse, bis er alle seine Sünden auf Erden getilgt habe, und in dieser Gesinnung beschloß er, eine Pilgerreise zum h. Jakobus in Compostella zu machen. Allein Gott, welcher allein Herr der zukünftigen Zeiten ist, fügte es so, daß er von seinem Vorhaben abstehen mußte. Als er an den Fluß Garonne gekommen, war in der dortigen Gegend eine verheerende Hungcrsnoth ausgebrvchen, wodurch er an der Fortsetzung der Pilgerfahrt gehindert ward. Er kehrte dort bei einer armen Witwe ein, nur darauf bedacht, diese sowie die anderen Nothlcidenden jener Gegend durch Almosen zu unterstützen. Sodann betete er ohne Unterlaß zu Gott, dieser möge ihm durch ein Zeichen zu erkennen geben, wann das letzte Jahr seines irdischen Lebens herangekommen sei. Und im Vertrauen auf Erhörung warf er den Ring, den ihm einst der König gegeben, in den Fluß, in der Erwartung, dieser werde ihm von — 63 — Gott wieder zugeführt werden, wenn sein letztes Lebensjahr angebrochen sei. Und Gott hatte sein Gebet erhört. Eines Tages kamen wie gewöhnlich Arme zu ihm und begehrten Speise und Trank, um ihren Hunger zu stillen. Da aber der Heilige keine Lebensmittel vorräthig hatte, so gab er ihnen Geld, damit sie auf dem Markte sich Speise kaufen könnten. Diese min kauften nebst anderen Speisen auch einen Fisch und als sie diesen ausweideten, fanden sie im Magen desselben einen goldenen Ning. Sie beschlossen, denselben ihrem Wohlthäter zu überbringen, welcher bald erkannte, dass es derselbe Ning war, den er vor einiger Zeit in den Fluß geworfen hatte. Hoch erfreut darüber, daß der Herr sein Gebet erhört habe, beschloß er nun, nach Hause zurückzukehren, um sich dort aus den Tod vorzubereiten. In Gcnetzwciler angekommen, vertheilte er Alles, was er noch besaß, unter die Armen und starb bald darauf selig im Herrn. Dort wurde er in einer Kapelle beigesetzt und es wird auch der Ring, von wrlchem oben die Nede war, daselbst den Gläubigen gezeigt. Sein Fest wird am 18. Juli unter großem Zulaufe der Christgläubigeu aus der ganzen Umgegend feierlich begangen. Durch Dekret der Kongregation der Riten vom 13. März 1886 wurde das Fest des h. Arnoldus für die ganze Erzdiözese Köln auf den 18. Juli festgesetzt. Die Wallfahrtskirche zu Oxhoven. /Ophoven liegt im Kreise Heinsberg an dem Flusse Roer. Die jetzige in romanischem Stile erbaute Pfarr- und Wallfahrtskirche war ursprünglich die Klosterkirche der Cisterzienserinncn zu Ophoven. Im Jahre 1863 beurkundet der Propst Arnold von St. Gereon in Köln, daß sein Bruder, der Edle Otto von Born nebst seiner Gemahlin Petronella auf seinen Rath und mit seiner Zustimmung ein Allodium zu Ophoven dem Convcnt in Ophoven in Gegenwart Heinrichs von Wassenberg und vieler anderer Edlen, sowie auch in Gegenwart und unter Zustimmung seines Sohnes Goswin und seiner (Arnolds) geschenkt habe. Dieselbe Schenkung habe Otto in Gegenwart der Äbtissin und des Konvents von Herkenrode wiederholt. Am Begräbnißtage hätten sodann Petronella und ihr Sohn Goswin diese schon längst gemachte Schenkung aus dem Altare der allerseligsten Jungfrau in Ophoven bestätigt. In einer Urkunde des Jahres 1818 der Äbtissin Jutta von Herkenrode, in welcher sie der Privilegien des Cisterzienserordens erwähnt, heißt es am Schlüsse: „Da wir nun zu der Kirche der seligen Jungfrau Maria in Ophoven einen Convent entsandt haben, so haben auch die dorthin ge- sandten Brüder und Schwester an denselben Privilegien Antheil, was wir durch gegenwärtige Urkunde und unser Siegel bezeugen." Es folgt also hieraus, daß das Kloster Ophoven von Herkenrode aus mit Mönchen und Nonnen besetzt wurde, weshalb auch, wie oben gesagt wurde, die Stiftung Otto's von Born vor der Äbtissin und dem Convente von Herkenrode wiederholt wurde. Fragen wir nun nach dem Jahre der Gründung des Klosters in Ophoven, so crgicbt sich bereits aus dem Vorstehenden, daß diese nach 1182, wo das Kloster in Herkenrode gestiftet wurde, und vor 1203, wo Probst Arnold die Urkunde ausstellte, geschehen sein muß. Wir können indessen diese Zeit noch genauer bestimmen. Kardinal Guido, päpstlicher Legat, stellte im Jahre 1201 oder 1202 eine Bcstätigungsnrkunde für das Kloster zu Ophoven aus, in welcher er demselben den Novalzehnten im Dekanate Was- senberg, „den der verstorbene Bischof Albert von Lüttich ihm geschenkt und der Erzbischof Adolf von Köln in einer heil. Synode beider Kirchen confir- mirt hatte", bestätigt. Bischof Albert 11. von Lültich wurde gewählt am 18. November 1194 und starb am 1. Februar 1200. Das Lagcrbuch von Ophoven, welches in allen übrigen Nachrichten durchaus zuverlässig ist, setzt diese Schenkungsurkunde des Bischofs Albert in das Jahr 1196 und somit hätten wir für die Gründung des Klosters in Ophoven die Zeit von 1182 bis 1196 anzunehmen. Die Urkunde vom Jahre 1203 besagi serner, daß am Begräbnißtage des Stifters Otto dessen Witwe Pctronella und ihr Sohn Goswin die Stiftung auf dem Altare der seligen und glorreichsten Jungfrau in Ophoven als Almosen dargebracht und mündlich bestätigt haben. Hieraus müssen wir den Schluß ziehen, daß die Beerdigung des Stifters Otto von Born in der Kirche zu Ophoven stattgefunden habe, wenn auch gegenwärtig weder ein Grabstein vorhanden, noch die Stätte bekannt ist, wo das Grab gewesen. Die Schenkung der Herren von Born war sehr bedeutend. Das Lagerbuch nennt sie „sehr reiche Schenkungen." Es gehörten dazu mehrere Höfe in und bei Ophoven und sie umfaßte beinahe die ganze Feldmark von Ophoven und den größten Theil der Wiesen an der Roer. Wenigstens gehörte dieses Alles bis 1804 zu Dalheim, wohin das Kloster später verlegt wurde. Diese Verlegung fand im Jahre 1247 statt. Die Schwestern fanden die Lage ihres Klosters zu Ophoven zu geräuschvoll für ihr beschauliches Leben. Da sie im Jahre 1231 von Heinrich, Herr von Helpenstein, eine Mühle und ein Grundstück zu Dalheim angekauft hatten, so verlegten sie ihr Kloster dorthin, wo sie auch bis zur Aufhebung in Folge der französischen Occupation verblieben. Von da an wurde Ophoven von einem Vicecuratus oder Vicepastor verwaltet, der von der Äbtissin zu Dalheim eingesetzt wurde. Gegen Ende — 65 — des 16. Jahrhunderts trat aber die Äbtissin von Dalheim die Klosterkirche an die Gemeinde Ophovcn ab, welche nun zur Pfarrkirche erhoben wurde. Das Pastorat verblieb bei dem Kloster Dalheim. Bei der Gründung der Klosterkirche zu Ophoven wurde die allerseligste Jungfrau unter dem Titel ihrer Himmelfahrt als erste Patronin erwählt und ist es auch für die jetzige Pfarrkirche geblieben. Die zweite Patronin ist die h. Agatha. Kostbare Reliquien verliehen der Kirche zu Ophoven ein Ansehen, welches weit über die engeren Gebiete hinausging. Seit unvordenklichen Zeiten wurden daselbst ein Schuh der Mutter Gottes und das Haupt der h. Agatha aufbewahrt. So hervorragende Reliquien übten eine mächtige Anziehungskraft auf die Gläubigen aus und von Nah und Fern kamen Prozessionen und einzelne Pilger, welche dieselben verehrten. Wie diese Reliquien nach Ophoven gekommen sind, kann aus Mangel an Urkunden nicht nachgewiesen werden. Der Schuh der Muttergottes, welcher in einem silbernen Behälter eingeschlossen war, blieb zur öffentlichen Verehrung ausgestellt, bis er in der Nacht vom 7. auf den 8. Dezember 1826 nebst mehreren Kirchengefäßen gestohlen wurde. Die Diebe wurden leider nicht entdeckt. Der Verlust des h. Schuhes war für die Kirche und die Gemeinde Ophoven außerordentlich schmerzlich, aber es sollte ihnen sehr bald eine Entschädigung werden und zwar in demselben Monate, in welchem der freche Diebstahl ausgeführt wurde. Diese bestand in einer Partikel vom Kleide der Mutter Gottes, welche von Rom aus geschenkt wurde und jetzt in einer kleinen Monstranz zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wird. Die Beglaubigung der Accht- heit ist zu Rom am 4. Dezember 1826 ausgestellt und befindet sich im Pfarrarchive zu Ophoven. Weitere Geschenke an Reliquien kamen im Jahre 1861 nach Ophoven, nämlich eine zweite Partikel vom Kleide de^ Mutter Gottes, eine vom Gewände des h. Joseph, eine von den Gebeinen der h. Agatha und mehrere von den Gebeinen der zwölf Apostel. Die Beglaubigungsurkunde vom 16. August 1861 befindet sich ebenfalls im Pfarrarchiv. Außer dem Schuh der Mutter Gottes wurde zu Ophoven auch ein Marienbild als wunderthätig verehrt. Es ist eine hölzerne Statue mit dem Jesukinde, jetzt beide bekleidet und mit silbernen Kronen geschmückt. Für die Oktaven von Maria Himmelfahrt und Mariä Geburt waren von den Päpsten verschiedene Ablässe bewilligt worden. Der heilige Schuh und das Gnadenbild wurden besonders von Frauen vor ihrer Entbindung verehrt und man segnete dort leinene Bänder, welche von den Geängstigten in ihrer schweren Zeit als Gürtel getragen wurden. Im Lagerbuche ist eine ganze « Reihe von Heilungen solcher Frauen protokollarisch verzeichnet; aber die Gnadenerweisungen beschränkten sich nicht auf solche Fälle, sondern es kamen auch Heilungen von Blinden, Lahmen, innerlich Kranken und äußerlich schwer Verletzten vor. Ein Obristlieutenant, dem nach der Erklärung der Aerzte ein Arm hätte abgenommen werden müssen; ein Wassersüchtiger, eine Frau, welche an Brustkrebs litt und viele Andere wurden durch die Berührung des h. Schuhes geheilt. Andere, welche in plötzlicher Lebensgefahr die Hülfe unserer lieben Frau von Ophoven anriefen oder ein Gelübde zu ihr machten, wurden auf wunderbare Weise gerettet. Es ist demnach nicht zu verwundern, daß Ophoven in der Nähe und Ferne hochberühmt wurde und daß eine Menge Prozessionen dorthin kamen. Aachen, Köln, Düsseldorf, Eleve, Meppen, Jülich, Brüssel, Antwerpen, Roer- mond, Herzogenbusch und viele andere Städte werden im Lagerbuche als Orte bezeichnet, welche Kranke und Pilger dorthin schickten. Auch hochgestellte Personen hatten ein großes Vertrauen zu unserer lieben Frau von Ophoven. Der Kurfürst Johann Wilhelm von Düsseldorf und seine Gattin machten in Person eine Pilgerfahrt nach Ophoven. Im Jahre 1714 den 25. Juli erschien auf Ersuchen dieses Kurfürsten der Pastor Abraham Zohren mit dem Schuh der Mutter Gottes und den Dokumenten auf dem Schlosse zu Düsseldorf. Nachdem er eine Ansprache gehalten, bot er dem kürfürstlichen Paare die Reliquie zum Küssen dar, was dreimal an drei aufeinander folgenden Tagen geschah. Auch in der Stadt Düsseldorf fand die Verehrung von Seiten der Bürger statt und die Reliquie wurde von 3000 Personen geküßt. Im folgenden Jahre, am 31. August 1715, kam das kurfürstliche P aar nach Ophoven, um den Schuh der Mutter Gottes zu verehren, den die hohen Herrschaften denn auch „auf ihren Knieen liegend in höchster Reverenz und Devotion küßten." Mit dem Verluste des h. Schuhes, welche Reliquie eine unbeschreibliche Anziehungskraft auf die Gemüther ausübte, nahm die Wallfahrt nach Ophoven bedeutend ab, aber auch in unseren Tagen hat sie nicht ganz aufgehört. Einzelne Pilger kommen noch sehr zahlreich, selbst aus weiter Ferne, heran und in den Oktaven der Himmelfahrt und Geburt Mariä auch mehrere Prozessionen aus der Nachbarschaft. Die Mutter Gottes hat ihre Hand von den Hülfesuchenden noch nicht abgezogen, und in der allerncuesten ! Zeit ist noch eine Heilung vorgekommen, die von einem Arzte als eine wun- j derbare erklärt worden ist. Auch werden jetzt noch die oben erwähnten leinenen Bänder in der Kirche zu Ophoven gesegnet und von den Frauen als Gürtel getragen. Das uralte Gnadenbild ist, wie bereits erwähnt, jetzt bekleidet. Es s stellt die Mutter Gottes auf einen Thron sitzend dar. Auf ihrem linken Knie steht das Kind, welches sie mit ihrem linken Vorderarme und ihrer linken Hand umschlungen hält; die Rechte ist frei, wie um ein Scepter zu halten. Die ganze Figur mit dem Throne, der Mutter und dem Kinde ist aus einem Stücke und zwar aus Eichenholz geschnitten und ungefähr 2 Fuß 9 Zoll hoch. — 67 — Es ist sehr zu bedauern, daß das Bild und namentlich die Figur des göttlichen Kindes in barbarischer Weise verstümmelt worden ist; dem Kinde nämlich fehlen beide Arme. Der rechte Arm, welcher frei ausgestreckt war, ist am Rumpfe glatt abgeschnitten, der linke, der mit seinem oberen Theile am Oberkörper des Kindes angelegen zu haben scheint, ist ebenfalls abgehauen oder abgebrochen; ebenso ist der vordere Theil der Gewandung und des Körpers des Kindes, welches auf dem linken Knie der Mutter aufrecht steht, von oben nach unten in senkrechter Richtung glatt abgehauen; ein auf dem Knie der Mutter ruhender Fuß ist aber noch ganz unversehrt. In gleicher Weise ist die linke Hand der Mutter zugleich mit der vorderen Gewandung des Kindes abgehauen und der rechte Arm in der Mitte durchschnitten, so daß sich der vordere Theil mit der Hand abnehmen läßt. Die Heiligthümer und die Heiliglhumsfahrken zu Aachen. ie Aachener Heiligthümer werden eingetheilt in die großen und in die kleinen. Die großen Heiligthümer sind: 1. ein gelblichweißes ans Baumwolle fein gewebtes Kleid der allerseligsten Jungfrau Maria; 2. die Windeln, in welche der Heiland als Kind eingewickelt war; 3. das Tuch, in welches der Leichnam des h. Johannes des Täufers nach der Enthauptung eingewickelt wurde; 4. das Tuch, welches die Lenden Christi umgab, als er den Kreuzestod erlitt. Die kleinen Heiligthümer, welche noch jetzt im Dome vorhanden sind: 1. Das Brustbild Karl's des Großen mit einem Theile der Hirnschale dieses Kaisers; 2. ein Reliquienbehälter in Form eines Vorderarmes, in welchem sich ein Armknochentheil Karl's des Großen befindet; 3. Kaiser Karls Hüfthorn; 4. ein griechischer Reliquienschrein mit silbernen Ornamenten und mit Reliquien des h. Felix, der h. Jungfrauen Maria und Christina und noch anderer Heiligen; 5. ein Reliquienbehälter in Gestalt einer griechischen Kapelle enthält das Haupt des h. Athanasius; 6. ein verschließbares Brustkreuz, welches eine Partikel vom h. Kreuze einschließt. Karl der Große soll dasselbe während seines Lebens bei sich getragen haben; s* 7. ein großes Stück vom h. Kreuze in Gold gefaßt und in einem goldenen Kreuze eingeschlossen; 8. ein elfenbeinener Reliquienschrein mit körperlichen Ueberresten des h. Speus und mehrerer anderer Heiligen; 9. ein Reliquienbchälter in Form einer Truhe, in welcher die vier größeren Heiligthümer während der Heiligthumsfahrt aufbewahrt werden; 10. ein kostbares Neliquiar aus vergoldetem Silber und mit einer Menge von Edelsteinen besetzt, enthält Gebeine des h. Simeon; 11. ein prachtvolles, kelchartiges Neliquiar mit einem Kristallbehälter, worin sich der lederne Gürtel des Heilandes befindet und welcher noch mit dem Siegel Constantin's des Großen versehen ist; 12. ein schönes und kostbares monstranzartiges Reliquiarium von vergoldetem Silber, in dessen Kristallgefäß sich ein Theil des Gürtels der h. Jungfrau befindet; 13. ein prachtvolles Schaugefäß mit einem Theile des Strickes, womit der Heiland an die Geißelsäule gebunden wurde; 14. ein hohes, sehr zierliches und eigenthümlich geformtes Schaugefäß, in dessen Kristallbehälter Reliquien der h. Jungfrauen Katharina und Agnes, sowie anderer Heiligen aufbewahrt werden; 15. ein Bergkristallgefäß mit Ueberbleibscln der h. Ursula und ihrer Gefährtinnen, sowie Gebeinen des h. Stephan, Königs von Ungarn, und seines Sohnes, des h. Emmrich; 16. ein thurmartiges Neliquiar mit Monstranzfuß, in dessen Kristallbehälter Partikel einer Rippe des h. Königs Stephan wie auch anderer Heiligen aufbewahrt werden; 17. ein Standbild der Mutter Gottes, welches ein Schiffer, weil er auf ihre Fürbitte aus Lebensgefahr errettet wurde, dem Dome schenkte; 18. eine in Gold gefaßte Partikel des h. Kreuzes; 19. ein kunstreiches Standbild des h. Petrus, in der Rechten ein Glied der Kette tragend, womit der Apostel im Gefängnisse zu Rom gefesselt war; 20. ein monstranzartiges Neliquiar mit einer Partikel des h. Kreuzes und mit Haaren der seligsten Jungfrau; 21. ein agraffenartiger Reliquienbehälter mit Stückchen von den Windeln des Heilandes; 22. aus neuerer Zeit ein schönes Reliquiengefäß mit einer Kreuzpartikel; 23. ein Schaugefäß in Gestalt einer auf einem Fuße ruhenden Rose mit Reliquien vom Papste Leo III., welcher den Aachener Dom im Jahre 804 einweihte; 24. ein Marmorschrein mit heidnischen Figuren, in welchem einst die Gebeine Karl's des Großen geruht haben sollen; — 69 — 25. der Marmorstuhl Karl's des Großen, zu dem eine Treppe hinaufführt, und welcher derselbe sein soll, auf dem die Leiche Karl's des Großen sitzend im Grabe gesunden wurde. Später nahmen die deutschen Könige auf demselben nach der Krönung die Huldigung entgegen; 26. ein kreisförmiges, eigenthümlich gestaltetes Reliquiar, Hierothek genannt, mt einem Theile des Schwammes, womit der Heiland getränkt wurde; einem Dorne aus der Dornenkrone, Reliquien des h. Zacharias, Haaren des Apostels Bartholomäus und zwei Zähnen des Apostels Thomas; 27. ein großer prächtiger Reliquienschrcin mit den Gebeinen Karl's des Großen; 28. Reliquienkapelle von vergoldetem Silber mit einer Reliquie vom Nagel des h. Kreuzes, einer Partikel vom Kreuzholz und einem Schienbeine Karl's des Großen; 29. eine Kapelle mit Reliquien von verschiedenen Heiligen; 39. die Arche der h. Jungfrau oder der Marienschrein, in welchem die vier großen Heiligthümer, mit Ausnahme der Zeit der Heiligthums- fahrt, stets aufbewahrt werden. Dieser Schrein ist ein prachtvolles und sehr reich ausgestattetes Kunstwerk. Nachdem Karl der Große das Münster zu Aachen vollendet hatte, war er darauf bedacht, diese seine Lieblingsstiftung sowohl mit herrlichen Metallgefäßen und priesterlichen Gewändern, als auch besonders durch Heiligenreliquien zu schmücken. Mehrere Reliquien erbat er sich von Rom. Jerusalem, jedoch vor Allem Constantinopel, verschaffte ihm den größten Theil von diesem Schatze. Angilbert, der Abt von Centulum, erzählt, wie Karl mit aller Sorgfalt und Anstrengung viele Reliquien für seine Hofkirche sammelte. „Aus allen Landen" sagt er, „brachte er diese zusammen, durch die Legaten, welche er überall hinsandte, sowohl nach Jerusalem, Constantinopel, Rom, als durch ganz Italien, Germanien, Burgund und Gallien." Spätere Zeugen stimmen damit überein, daß Karl einen außergewöhnlichen Schatz von Reliquien aus dem Osten und Westen zu Aachen vereinte. Angilbert zählt ferner in einem Inventarium der Besitzungen seiner Kirche auch die dort vorhandenen Reliquien auf und bemerkt dabei, daß Karl's Güte ihm von allen in Aachen vorhandenen Uebcrbleibseln einen kleinen Theil für seine Abtei abgetreten habe. Wir finden nun heut zu Tage noch zu Aachen die Reliquien wieder, von welchen Angilbert spricht und die er mit Namen nennt, als: Reliquien voin h. Kreuz, von dem Gewände des Herrn, von dem Schwamm, dem Strick und den Nägeln der Kreusiqung, von dem Haare Mariä; Reliquien von den hh. Thomas, Bar- — 70 — tholomäus, Zacharias, von Simeon, Johannes dem Täufer, Stephanus und Anastasius. Es kann also schwerlich bezweifelt werden, daß bereits zur Zeit Karl's des Großen diese Reliquien in Aachen vorhanden waren. Auch schenkte Kaiser Lothar Theile einzelner dieser Reliquien dem Kloster zu Prüm, wo er Mönch wurde, die wieder von den Aachener Heiligthümern herstammen müssen, eben so wie andere, welche in Angilberts Register neben den genannten erwähnt werden und wahrscheinlich später in Aachen verloren gegangen sind. Aachen wurde zuerst am Ende des 9. Jahrhunderts durch die Normannen größtentheils verwüstet und später durch ungeheure und wiederholte Feuersbrünste zerstört, wodurch die Marienkirche nicht weniger als die übrigen Gebäude großen Schaden litt. Im Anfang des 13. Jahrhunderts war jedoch ein Inventarium der vorhandenen Reliquien gemacht worden und dieses stimmt mit der Angabe Angilberts, wie auch mit den dort gegenwärtig noch aufbewahrten Reliquien überein. Der allerschrecklichste Brand war der vom Jahre 1656, wobei beinahe alle Kirchen und 4660 Privathäuser in Asche gelegt und alle Archive vernichtet wurden, die als Beweisstücke für die geretteten Reliquien gedient hatten. Wir können hier nicht von jeder einzelnen Reliquie insbesondere angeben, woher sie höchst wahrscheinlich gekommen ist und bei welcher Gelegenheit; doch wollen wir in allgemeinen Zügen mittheilen, wie Karl der Große sie nach Aachen hat bringen lassen. Nicht blos auf sein Ansuchen erhielt er Reliquien vom Papste; für jeden Dienst, den er dem römischen Hofe erwiesen, mögen ihm wohl eine oder mehrere Reliquien zum Geschenk gemacht worden sein. Und bei seiner Krönung wird Leo III. ihm für alle Kostbarkeiten, welche er den Kirchen zu Rom schenkte, ohne Zweifel viele Reliquien zum Gegengeschenke gegeben haben für seinen eigenen Dom zu Aachen. Die h. Kreuzpartikeln müssen unter Anderm aus Rom gekommen sein; der Schwamm, die Nägel und der Leidensstrick aus Constantinopel. Das Haar der h. Jungfrau ist wahrscheinlich von Alphonsus II. von Castilien im Jahre 793 an Kaiser Karl geschickt worden. Dieses wurde nebst einer Abbildung der h. Mutter Gottes durch die Stadt Aachen der frommen Kaiserin Joscphine von Frankreich zum Geschenke angeboten. Die Ueberreste des h. Thomas kamen wahrscheinlich aus Italien; von denen des h. Bartholomäus kann dies nicht mit Sicherheit gesagt werden. Die Reliquien der hh. Zacharias und Jakobus sind wahrscheinlich aus Constantinopel gleich denen des h. Johannes des Täufers und des Stephanus; die von dem Mönch Anastasius kamen wahrscheinlich aus Rom. Das Inventarium des 13. Jahrhunderts spricht auch von kleineren Reliquien der Marienkirche, welche in der genannten Urkunde Angilbert's nicht vorkommen, wovon ein Grund der Umstand gewesen sein mag, daß sie — 71 — gerade wegen ihrer Kleinheit weniger eine Theilung zuließen. Hierunter befanden sich z. B. als etwas sehr merkwürdiges, Ringe der Kette, womit der h. Petrus gefesselt gewesen; eins der vereinzelten Beispiele, daß der Papst mehr als ein Stückchen von der Kette weggeschenkt hat. Karl's große Verdienste um das Christenthum konnten den Papst zu einer solchen Freigebigkeit bewegen. Von den übrigen kleineren Reliquien existiren weniger Beweise für ihren Ursprung. Diese sind: Stücke von der Dornenkrone, das Rohr, die Aufschrift des Kreuzes. Sodann kommen bei Floß (Aachener Heiligthümer) das Tuch, womit Christus im Grabe umhüllt war und der Gürtel des Herrn zur Sprache. Das Leichentuch kam wahrscheinlich aus Constantinopel, sei es nun, daß es ein sinäon (Stück grobes Leinen) gewesen ist, das den Leichnam des Herrn bedeckt hat, oder ein snäg.riuin (Schweißtuch), eine Kopfbedeckung Christi. — Ueber den Gürtel ist noch weniger bekannt. Ferner wird aus Karl's Tagen noch ein Jagdhorn, 1 Fuß 10 Zoll lang, zu Aachen bewahrt, welches ihm, wie die Sage lautet, von Harun al Raschid geschenkt worden ist; und das Kreuz, welches Karl auf der Brust getragen haben soll. Die vornehmsten Reliquien, welche Karl für Aachen gewonnen hat, sind: Das Kleid der Mutter Gottes, das Tuch, worin das Kind Jesus gewickelt wurde, das Lendentuch, welches der Herr am Kreuze trug und das Tuch, worin der Leichnam Johannes des Täufers nach der Enthauptung weggetragen worden ist. Das Kleid Maria kam wahrscheinlich aus Constantinopel unmittelbar in Karl's Besitz. Die Windeln des Heilandes kamen gleichfalls aus Constantinopel, doch man weiß nicht, in welchem Jahre von Karl's Regierung. Die Legende läßt Karl alle diese Heiligthümer von seinem vermeintlichen Zuge nach dem Orient mitbringen. Von dem Lendentuch ist sogar schwer zu beweisen, daß Karl dieses in Person aus Constantinopel erhalten hat. Von Johannes' Tuch läßt sich das noch weniger bestimmen. Wie die Ueberlieferung besagt, hatte Karl der Große die Anordnung getroffen, daß die Heiligthümer alljährlich am Mittwoch der Quatemberfasten nach Pfingsten zur öffentlichen Verehrung ausgestellt würden. Auch sollen schon in damaliger Zeit Prozessionen nach Aachen gekommen sein; namentlich wird einer Prozession aus Prüm erwähnt- Die ersten geschichtlichen Nachrichten über die Wallfahrten stammen aus dem 13. Jahrhundert. Es wird uns nämlich aus dieser Zeit berichtet, daß unzählige Pilgerschaaren selbst aus weiter Ferne nach Aachen zur Verehrung der Heiligthümer hinströmten. Vorzüglich sind die großen Wallfahr- IM aus Ungarn berühmt, welche aber gleichzeitig auch andere Wallfahrtsorte wie Köln u. s. w. besuchten. Im Jahre 1357 erschien die Königin von Ungarn mit einem Gefolge von 700 Reitern in Aachen, um bei den Heiligthümern ihre Andacht zu verrichten. — König Ludwig von Ungarn ließ im Jahre 1382 im Münster die ungarische Kapelle bauen und stellte bei derselben einen Geistlichen seiner Nationalität an, damit die zahlreichen Pilger in ihrer Muttersprache beichten und die Predigt anhören konnten. — Diese ungarischen Wallfahrten dauerten bis zum Jahre 1776 fort, wo Kaiser Joseph II. sie untersagte. Mit den Ungarn kamen die „Wiener", worunter die Böhmen, Slaven u. s. w. verstanden wurden. Sie waren so zahlreich, daß sie ebenfalls eigene Altäre und eigene Priester im Aachener Münster hatten. Im Durchschnitt betrug die Zahl der österreichisch-ungarischen Pilger an 5000; sie wurden durch die Klöster und die Stadt bewirthet und vom Bürgermeister und den städtischen Beamten freundlich empfangen. Im Jahre 1433 war der Zudrang der Pilger in der Stadt Aachen so groß, daß einige Häuser wegen Uebcrfüllung mit Pilgern einstürzten und dabei 18 Personen um's Leben kamen. Im Jahre 1447 mußten wegen des Zudranges die Stadtthore geschlossen werden; sie wurden erst wieder geöffnet, wenn eine Schaar abgezogen war. — Im Jahre 1496 zählten die Thorwächtcr an einem Tage 142,000 Pilger, von welchen 80,000 Gulden geopfert wurden. — Im Jahre 1510, als Philipp von Vigneulles die Wallfahrt nach Aachen machte, fand er alle Landstraßen in der Nähe der Stadt von Pilgern bedeckt; in und um den Dom brannten so viele geopferte Kerzen, daß derselbe wie im Feuer stand. Als er sich nach einer Herberge umsah, mußte er über eine Stunde hin und her reiten, bis er ein Unterkommen sand. Die Ausstellung der Heiligthümer geschieht wie auch früher alle sieben Jahre. Eine Ausnahme wurde nur bei Gelegenheit der Krönung des deutschen Kaisers im Dome zu Aachen gemacht. Wenn in der Zwischenzeit Könige und Fürsten mit hohem Gefolge in Aachen erschienen, so wurden ihnen nur die kleinen, nicht aber die großen Heiligthümer gezeigt. Die Ausstellung der Heiligthümer geschieht in folgender Weise. An der West- und Südseite des Domes befindet sich je eine Galerie. Nachdem mit den Glocken am Vormittage ein Zeichen gegeben ist, erscheint auf denselben zuerst ein Prälat und verkündet, daß die Heiligthümer gezeigt werden sollen. Zugleich ermähnt er die Zuschauer zum fleißigen Gebete. Dann erscheint eine Anzahl Geistlicher in prächtigen Kirchengewändern mit Weihkessel und Rauchfässern. Zwei Geistliche legen nun zunächst das Kleid der Mutter Gottes auf die Brüstung der Galerie, nachdem zuvor auf derselben ein kostbarer Stoff aus Gold und Seide ausgebreitet ist. Dabei wird laut verkündet, welches Heiligthum gezeigt werde und hierauf werden unter Mu- — 73 — sikbegleitung vierstimmige Psalmen gesungen. So geschieht es mit allen vier großen Heiligtümern. Am Nachmittage werden die Heiligthümer auf dem Hochaltare und im Chöre ausgestellt. Die Pilger versammeln sich in den dazu bestimmten Kirchen der Stadt, von wo aus sie prozessionsweise zum Dome geführt werden. Hier gehen sie um den Hochaltar, bei welcher Gelegenheit denn auch Devotionsgegenstände von Priestern an die Heiligthümer angerührt werden. Die Wallfahrt zur h. Luftildis in Lüftelberg. in im Jahre 1608 von Kornelius Curtius verfaßtes Dokument berichtet uns über die h. Luftildis Folgendes: „Nicht weit von Rheinbach liegt ein Dorf auf einer Anhöhe mit einer schönen Kirche und einem marmornen Denkmale der heiligen Jungfrau und Braut Christi Luftildis, Lüftelberg genannt. In dieser Kirche, nicht weit vom Eingange, befindet sich ein Altar mit der Statue der h. Luftildis. Vor demselben steht ein großer Kasten mit einer Oeffnung, durch welche Getreide zu Ehren der Dienerin Christi von den allenthalben zusammenströmenden Gläubigen eingeschüttet und sodann unter die Armen vertheilt wird. Besonders Taube und Kopfleidende pilgern das ganze Jahr hindurch, vorzüglich aber am 23. Januar dorthin, da dieser Tag der seligen Jungfrau und Braut Christi geweiht ist. Hinter dem Altar der Kirche, fast in der Mitte erhebt sich etwa 6 Fuß über dem Boden der Kirche das Grab der Heiligen aus Porphyr oder Marmor von grünlichblauer Farbe und solcher Glätte, daß es dem Eise nicht nachsteht, mit Leuchtern und Kerzen umgeben, ein sehr altes Denkmal, welches die Verehrung der Heiligen seit alter Zeit beweist und bis auf den heutigen Tag von Allen bewundert wird. Neben dem Kirchhofe sieht man eine große, schöne Wiese, welche zur benachbarten Burg gehört. In dieser befindet sich, durch eine Mauer von dem Kirchhofe getrennt, ein Hügel, auf welchem die Magd Gottes ihre Wohnung gehabt haben soll, von der auch noch die Spuren zu sehen find, damit sie ganz in der Nähe der Kirche dem Gottesdienste leichter beiwohnen könne. Denn von dieser Wohnung führte ein Weg nach dem Thurme und in der Mauer befand sich eine Thüre, die jetzt vermauert aber noch deutlich zu erkennen ist. Hieraus läßt sich der Schluß ziehen, daß die Selige unermüdet im Dienste Gottes war, sowie auch, daß sie aus der Burg, zu welcher die Wiese gehört, herstammte. Immerhin bleibt es zu bedauern, daß Niemand von den Vorfahren ihr Geschlecht, ihr Alter, ihr Leben und ihren Tod beschrieben hat. Aber desto sicherer ist sie im Buche des Lebens ausgezeichnet, je we- — 74 — Niger sie auf Erden bekannt ist. Indessen ist auch möglich, daß in ihrem Grabe sich eherne Tafeln, oder im Archiv der Burg Dokumente befinden, die über ihre Zeit, ihr Leben und ihren Tod berichten, worüber man Auskunft von den Vormündern der Edlen von Schall begehren müßte. Auch das Grab der Heiligen müßte man mit gebührender Ehrfurcht und mit Erlaubniß des Erzbischofs öffnen und fleißig nachforschen, ob etwas darin verborgen, was der Seligen zu Ehren der Nachwelt überliefert werden könnte. Eine Spur des Alterthums dürfen wir aber nicht unberücksichtigt lassen, nämlich eine neue Glocke, welche folgende Inschrift trägt: „Luchtel bin ich genant, die name up der alter Clocken is mpr bekant. Lanc-ta Imelltiläis virAO ora pro noiris. ^.nno Ost rnillesirno guinAöntesirno trioasimo oots-vo." Aus dieser Inschrift geht deutlich hervor, daß die alte Glocke dieselbe Inschrift, nämlich den Namen der h. Luftildis, hatte, wie die neue. Nun aber ist vor drei Jahren eine andere alte Glocke unbrauchbar geworden, welche im Jahre 1316 gegossen war. Nehmen wir nun an, daß die erstgenannte Glocke eben so alt war, so folgt daraus, daß die h. Luftildis vor 300 Jahren als Heilige verehrt wurde. Bedenken wir aber, daß die h. Luftildis schon lange gestorben und der Ruf ihrer Heiligkeit sich schon lange verbreitet haben mußte, ehe eine Glocke mit ihrem Namen benannt wurde, so dürfte es nicht gewagt erscheinen, anzunehmen, daß sie vor etwa 400 Jahren, also im dreizehnten Jahrhundert gelebt habe. Die h. Luftildis war nun aus edlem Geschlechte, treu im Glauben, eine heilige und treue Jungfrau, eifrig im Dienste Gottes, ergeben den Werken der Barmherzigkeit, freigebig gegen die Armen und Allen ein besonderes Vorbild der Tugend und Frömmigkeit. Denn ein Gemälde, welches in dieser Kirche von der Decke herabhängt und mehrere Episoden aus ihrem Leben sowie Schriften in sehr alten fast verwischten Zügen enthält, beweist dieses zur Genüge. Es sollen aber mehrere solcher Gemälde vorhanden gewesen sein, welche das Leben der Heiligen darstellten. Aus diesem noch vorhandenen Gemälde ergibt sich nun Folgendes: Der Vater der Jungfrau mußte mit Anderen Ländereien theilen, worüber ein großer und heftiger Streit entstand, so daß man sich nicht einigen konnte. Endlich wählte man die h. Luftildis, um den Streit zu entscheiden. Diese, welche stets, wenn sie ausging, Spindel und Rocken bei sich trug, umschritt die Ländereien und zog, wo sie hinging, den Faden her, so daß durch denselben die Theilung angezeigt wurde, womit denn auch Alle zufrieden waren. Aus dieselbe Weise soll sie auch einen Wald getheilt haben und dort, woher sie ging, ein Graben entstanden sein, welcher noch heute zu sehen ist und der Graben der h. Luftildis genannt wird. Auf diesem Graben aber wächst weder Kraut noch Gras und es erinnert dieses an eine Geschichte, welche Eusebius im 25. Kapitel des 7. Buches seiner Kirchengeschichte von dem h. Bischof Gregor von Neocaesarea erzählt, welcher einen — 75 — Streit der Brüder über einen Fischfang dadurch schlichtete, daß auf seinen Befehl der Fischteich austrocknete. Die Stiefmutter der h. Luftildis trug dieser, als sie noch jung war, auf, die Krähen von den Aeckern zu verscheuchen. Als diese aber einst großen Schaden auf denselben angerichtet hatten, gerieth die Stiefmutter in Zorn und mißhandelte das arme Kind mit heftigen Schlägen. Wundern darf es uns nicht, daß diese Thiere früher großen Schaden anrichteten, obschon solches heute seltener vorkommt. Denn Johannes Cincinnius von Lippe erzählt im 30. Kapitel des Lebens des h. Ludgerus, daß eines Tages ein Pächter des Hofes zu Melden sich bei dem Heiligen darüber beklagt habe, daß die Krähen ihm seine Früchte zu Grunde richteten. Der Heilige gebot ihm im Scherze, die Krähen in einem Stalle einzuschließen. Der einfältige Landmann nahm diese Worte im Ernste und befiehlt den Krähen, mit ihm einzutreten. Diese gehorchen. Dann schließt er sie ein und macht einen Vertrag mit ihnen, daß sie seine Saaten verschonen müssen. . Die Stiefmutter suchte ihre Stieftochter stets bei dem Vater zu ver- läumden; sie sei träge, sorglos, zur Arbeit ungeschickt, nicht aufmerksam bei Hütung der Gänse, sie stehle Brod und gebe es den Bettlern, mehr geneigt zum Beten als zum Arbeiten. Sie beauftragte Knechte und Mägde, heimlich Gänse zu stehlen und dem Gutsverwalter zu bringen, als wenn dieselben durch Unachtsamkeit der h. Luftildis von der Heerde weggekommen wären, um so den Unwillen des Vaters zu erwecken. Einst hatte die mildthätige Jungfrau, da eine passende Gelegenheit sich darbot, ihren Schooß mit Brod gefüllt, um dieses unter die Armen zu vertheilen. Da begegnete ihr der Vater und fragte sie entrüstet, was sie in ihrem Schooße habe. Die Jungfrau erschrak heftig, als aber der Vater in den Schooß blickte, sah er statt Brod Kohlen. Es wurde ihr nunmehr verboten, Brod im Hause wegzunehmen und den Armen zu geben. Als einst ihre Stiefmutter in dem Backhause beschäftigt war, trat sie zu derselben hin und bat um ein Brod. Während sie aber ihren Schooß öffnete, damit man das Brod hineinlege, warf der Knecht glühende Kohlen in denselben, welche sie aber wunderbarer Weise nicht verbrannten. Nachdem die Jungfrau älter geworden war, wurde ihr gestattet, in der Wohnung, welche, wie wir gesehen, neben dem Kirchhofe errichtet war, ihr Heim aufzuschlagen. Dort lebte sie nun im Dienste Gottes fromm und gottselig bis an ihr Ende. Kaum war sie von dieser Erde abgeschieden, so wollte Gott auch alsbald ihre große Heiligkeit kund thun. An ihrem Sarge nämlich wurde ein vom Teufel Besessener geheilt. Der Ruf dieses Wunders verbreitete sich in der ganzen Gegend. Von wüthenden Hunden Gebissene, Kranke, Lahme und Blinde brachte man hin und viele wurden von ihren Leiden befreit. Daher diese allgemeine Verehrung, die ihr alle Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag zu Theil geworden ist." Cornelimünster. H^ie Reichsabtei Cornelimünster an der Jnde wurde von Ludwig dem Frommen 821 unter der Leitung des h. Benedikt von Aniano gestiftet. Damals erstreckte sich der Ardennerwald bis in die Nähe von Aachen. Der Kaiser schenkte dem h. Benedikt den ganzen Distrikt dieses großen Waldes, der eine Stunde weit das neue Kloster in der Runde umgab und in Folge dessen das sogenannte Münsterlaud bildete. König Ludwig II. schenkte dem Abte Adalongus 876 die königliche Villa Crassiniacum (Grcssenich). Im Jahre 881 ward die Abtei unter dem Abte Rodoardus zugleich mit Aachen und vielen andern Festen, Klöstern und Flecken von den Normannen eingeäschert. Unter Adagrinus (941) blühte die klösterliche Zucht in der Abtei. König Otto I. bestätigte im Jahre 948 auf Bitten seines Bruders Bruno und des Abtes Berthold I. von Cornelimünster die Immunität dieser Abtei. Im Jahre 1963 übergab Kaiser Heinrich IV. die beiden Abteien Malmedy und Cornelimünster dem Erzbischof Anno II. von Köln. Als im 12. Jahrhundert über die von Ludwig I. dem Kloster bewilligte Zollfreiheit MißHelligkeiten entstanden, forderte Kaiser Friedrich, als Schutzherr des Klosters, von der Stadt Köln deshalb Genugthuung. In der Fehde, welche die Stadt Aachen im Jahre 1319 mit Graf Gerhard von Jülich wegen der Vogtei von Aachen führte, überfielen die Bürger das Kloster, dessen Abt es mit dem Grafen von Jülich hielt, erschlugen mehrere Mönche und verbrannten das Kloster. Auf Befehl des Kaisers Heinrich VII. mußten jedoch die Aachener das Kloster wieder aufbauen, welches sich bis zur französischen Besitznahme erhielt. Bei der Abtei war auf Befehl des Kaisers Ludwig des Frommen ein Spital für Reisende und Pilger erbaut. In der Kirche dieser Abtei, welche gegenwärtig als Pfarrkirche dient, werden verschiedene Reliquien verehrt, deren vorzüglichste sind: 1. das Leintuch, in welches der Leichnam unseres Herrn eingewickelt wurde, als man ihn nach der Abnahme vom Kreuze ins Grab legte; 2. das Tuch, mit welchem der Herr beim letzten Abendmahle die Füße seiner Jünger abgetrocknet hat; 3. das Haupt und der rechte Arm des h. Cornelius. Die beiden ersten Reliquien hat die Kirche zweifelsohne von ihrem Stifter erhalten, denn nach der Geschichte übergab Kaiser Karl seinem Sohne auf seinem Sterbebette verschiedene kostbare Reliquien, welche er Kirchen zu- ertheilen sollte. Auch deutet der Bau des Hospitals für Pilger darauf hin, daß damals schon Wallfahrten dahin stattfanden. Wann aber die Reliquien des h. Cornelius dorthin gekommen, können wir nicht sagen; so viel steht fest, daß der Name Cornelimünster erst später in Gebrauch gekommen ist. — 77 — Zugleich mit der Heiligthumsfahrt zu Aachen fand auch eine Wallfahrt nach Cornelimünster statt, und zwar alle sieben Jahre am 17. Juli, und begaben sich die Pilger, welche nach Aachen kamen, auch nach Cornelimünster. Auch jetzt noch findet diese Heiligthumsfahrt statt. Außerdem aber wird die Kirche das ganze Jahr hindurch besucht, besonders aber am Feste des h. Cornelius und während der Oktav desselben. Wir sind im Besitze einer Bulle des Papstes Jnnocenz VI. vom 3- August 1358, wodurch derselbe allen Christgläubigen einen Ablaß von einem Jahre und vierzig Tagen verleiht, welche bei der genannten Heiligthumsfahrt oder am Feste des h. Cornelius, oder an nachstehenden Festtagen diese Kirche besuchen: Christi Geburt, Auferstehung, Pfingsten, der h. Dreifaltigkeit, an den 4 Hauptfesten Marias, dem Feste der Geburt Johannis des Täufers und am Feste der Kirchweihe. Das heilige Kreuz zu Süchterschgid. liegt in der Pfarre Uckerath im Siegkreise. Daselbst befindet sich eine Kapelle mit einem wunderthätigen heiligen Kreuze, welches in der ganzen Umgegend verehrt und von vielen Pilgern besucht wird. Ueber die Entstehung dieser Wallfahrt berichtet uns die Stiftungsurkunde der dortigen Seelsorgerstelle wie folgt: „Eine Fran hatte zwei Söhne und was von diesen angerührt wurde, ward sogleich in Kreuze verwandelt. Deshalb ließ diese Frau ein Kreuz anfertigen und ein kleines Bethaus errichten, in welchem das Kreuz aufgestellt wurde. In Folge dessen wurden ihre Söhne von dem genannten Uebel befreit. Ueber diesem Bethause sah man häufig vier Lichter erscheinen und dadurch nahm die Andacht zu dem h. Kreuze zu und von allen Seiten strömten die Gläubigen herbei, um ihre Verehrung kund zu thun. Noch mehr wuchs der Zulauf des Volkes, als an Stelle des kleinen Bethauses eine Kapelle errichtet wurde und ein Mann, welcher ein Bein gebrochen, plötzlich daselbst geheilt wurde. Durch dieses und viele andere Wunder veranlaßt, beschlossen Eva von Oetgenbach und Margaretha von Bourscheid, beide nacheinander Gemahlinnen des Bertram von Nesselrode und Herrinnen von Ehrenstein, dortselbst eine Stiftung zur Anstellung eines Priesters zu machen, welcher die seclsorglichen Bedürfnisse der Pilger befriedigen sollte. Bertram von Nesselrode erfüllte diesen Beschluß und die von ihm ausgestellte Urkunde datirt vom 21. September 1560 Wenn auch nicht mehr so zahlreich wie früher, so wird das h. Kreuz doch heutzutage noch von vielen Gläubigen besucht und verehrt. Kevelaer im Kreise Geldern. m rheinischen Gebiete der Diözese Münster liegt der berühmte Wallfahrtsort Kevelaer, über dessen Entstehung Folgendes berichtet wird: „Während des 3vjährigen Krieges wohnte in dem Städtchen Geldern ein Bürger Namens Heinrich Buschmann. Er ernährte sich und seine Familie durch einen kleinen Hausirhandel, indem er von Dorf zu Dorf zog und seine Waaren zum Kaufe anbot. Im Jahre 1641 kurz vor Weihnachten kam er auf seinen Wanderungen an einem Hagelkreuze auf der Ke- velaer'schen Haide vorbei und verrichtete dort seiner Gewohnheit gemäß sein Gebet. Da vernahm er eine Stimme, welche ihm zurief: „Hier sollst du mir ein Heiligenhäuschen bauen!" Bestürzt suchte er nach dem Rufer umher, konnte aber nirgends Jemand finden. Nun hielt er die Stimme für eine Täuschung und ging seines Weges weiter. Einige Tage später kam er wieder an demselben Kreuze vorbei und wieder hörte er dieselbe Stimme. Als aber nun zum dritten Male dieser Ruf an ihn ergangen war, hielt er denselben als einen Auftrag des Himmels und sann darüber nach, wie er denselben ausführen konnte. Obgleich arm, legte er nun doch täglich einige Pfennige, die er sich ersparte, zurück. Da geschah es, daß zur Winterszeit zwei hessische Soldaten aus der Festung Luxemburg nach Geldern kamen; welche zwei Abbildungen von dem berühmten Gnadenbilde jener Stadt mitbrachten, die für einen zu Kempen im Gefängnisse liegenden Lieutenant der Compagnie des Kapitains Machewitz bestimmt waren. Da den Soldaten das Geld ausgegangen war, so boten sie der Frau Buschmann eines der Bilder für einen Blaumüser (15 Neichspfennige) zum Kaufe an, diese aber ging auf das Anerbieten nicht ein. Nachdem Buschmann den ganzen Winter hindurch gespart hatte, glaubte er bei Beginn des Frühjahres so viel Geld zu besitzen, um den Bau ausführen zu können. Da erwachte seine Frau eines Nachts aus dem Schlafe, sah zu ihrer Verwunderung ihr Zimmer hell erleuchtet und mitten in diesem Lichte ein Heiligenhäuschen mit einem Muttergottesbilde, welches demjenigen ganz ähnlich war, das die Soldaten ihr gezeigt hatten. Als sie dieses Gesicht ihrem Manne erzählte, befahl ihr dieser, die Soldaten aufzusuchen und das Bild zu kaufen, während er mit der Errichtung des Heiligenhäuschens beschäftigt war. Sie machte sich alsbald auf den Weg, fand aber das Bild bereits im Besitze des Lieutenants, der nun auf freiem Fuße lebte. Dieser weigerte sich anfangs, das Bild zu verabfolgen, als er aber die wunderbaren Erscheinungen vernähn?, stellte er der Frau anheim, zwischen beiden Bildern zu wählen. Hocherfreut eilte die Frau mit dem Bilde nach Hause, wo dasselbe auf einer hölzernen Tafel befestigt und in dem Heiligenhäuschen aufgestellt wurde. Inzwischen hatte sich das Gerücht von den Erscheinungen und der Errichtung des Kapellchens in der ganzen Stadt Geldern verbreitet und war auch zu den Karmeliternonnen gedrungen. Diese verlangten, das Bild zu sehen und Buschmann überließ es ihnen bis zum folgenden Tage. Als er es zurückholte, lief'das Volk zusammen und opferte Geld und Wachskerzen. Buschmann brachte das Bild nun zu den Kapuzinern, wo es bis zum dritten Tage verblieb; da aber auch diese von dem Volke überlaufen wurden, ersuchten sie Buschmann, das Bild an seinen Bestimmungsort zu bringen. Am letzten Mai, einem Samstage, kam der Pfarrer Johannes Schink von Kevelaer nach Geldern, holte das Bild ab und stellte es am folgenden Tage in dem Heiligenhäuschen auf. Schon an demselben Tage strömten die Andächtigen von allen Seiten herbei und da wunderbare Gebetserhörungen alsbald in großer Zahl stattfanden, sandte die bischöfliche Behörde von Roermond für den Sommer zwei Priester, welche dem Pfarrer von Kevelaer und den Geistlichen aus der Nachbarschaft beim Gottesdienste und Beichthören der vielen Pilger behülf- lich sein sollten. Bald stellte sich die Nothwendigkeit heraus, bei dem Heiligenhäuschen eine Kapelle zu bauen, zu welcher im Oktober 1643 der Grundstein gelegt und welche am 20. November 1645 feierlich eingeweiht wurde. Von da an nahmen die Wallfahrten so zu, daß die bischöfliche Behörde es für geeignet erachtete, Ordensleute zur Besorgung der Wallfahrt zu berufen. Es wurden deshalb Oratorianer von Mecheln berufen und für dieselben eine Wohnung erbaut. Am 11. Februar 1647 fand durch eine bischöfliche Commission in Venlo eine eingehende Untersuchung über die geschehenen Gebetserhörungen statt und acht Genesungen wurden für wirkliche Wunder erklärt. Dadurch aber erhielt die Wallfahrt einen noch größeren Ruf. Damit die Pilger nicht den Unbilden des Wetters ausgesetzt seien, wurde um das Heiligenhäuschen die kleine sechseckige Kapelle gebaut. Im Jahre 1664 wurde das Gnadenbild in einen vergoldeten Rahmen eingefaßt und 17 Jahre später schenkte der Reichsgras Wolfgang von Oet- tingen eine große, mit Figuren verzierte, vergoldete Silberplatte. — Der Kurfürst von der Pfalz übersandte in Folge eines Gelübdes am 26. August 1693 eine 16 Pfund schwere silberne Lampe und um dieselbe Zeit die Stadt Düsseldorf eine silberne mit kostbaren Steinen besetzte Krone. König Friedrich Wilhelm I. durchreiste im Jahre 1714 die ihm im Traktat von Utrecht zugefallene neue Provinz und kam am 16. Juli von Geldern aus nach Kevelaer. Der Superior ?. I. Otto von Nespen führte ihn überall umher. Gegen das Ende der Unterhaltung wünschte der König — 83 — einige Rosenkränze zu haben, welche ihm bereitwillig übergeben wurden. Sodann verlangte er die großen Kerzen zu sehen, welche von höher gestellten Personen geopfert würden. Aus diesen wühlte er die größte und brachte sie selbst als Opfer dar. Sodann forderte er den Superior auf, für sich eine Gnade zu erbitten. Dieser bat um Schutz der katholischen Religion und besonders des Gnadcnortes Kevelaer, sowie daß in Zukunft die Pfarrstelle daselbst mit einem Oratorianer besetzt werde. Der König gab seine Zustimmung. Am 12. Juli 1728 erschien Herr von Walrave, Gouverneur von Magdeburg, im Auftrage des Königs von Preußen in Kevelaer und opferte für denselben eine 50pfündige Wachskerze. Unter dem Leuchter, auf den die Kerze gestellt wurde, ließ er die Inschrift anbringen: H-isäsrious IVilllel- mus rsx sinAuIari in L. V. U. akksetu eersura Ina oiatulit XVI. llulü XVIILXIV. itsruingus prasvaisso sauto rsAio XII. llulü XVIIGXXVIII. Im Sommer 1738 kam König Friedrich Wilhelm I. mit den zwei ältesten Prinzen nach Kevelaer und besuchte das Gnadenbild; sodann begab er sich zu den Buden und kaufte Rosenkränze und Gebetbücher für wackere katholische Soldaten, welche er sodann benediziren ließ. Viele Geschenke und Opfergaben wurden der Wallfahrt zu Theil. Am 14. Juni 1725 sandte ein Baron von Fürstenberg 106 Goldpistolen; am 15. August 1726 brachten die Gräfinnen von Bentheim und Nesselrode persönlich Geschenke in Gold und Silber; 1731 opferte der Fürst Salm-Salm eine weiße Wachskerze von 160 Pfund; am 27. August 1734 erschien der Kurfürst und Erzbischof Clemens August von Köln als Pilger, las in der Gnadenkapelle am folgenden Tage die h. Messe und brachte als Opfer eine Monstranz, ein Ciborinm, einen Kelch, zwei Ampullen, ein kostbares Meßgewand u. a. dar. Im Jahre 1742 wurde das 160jährige Jubiläum gefeiert. Wenn schon für die vorangegangenen 166 Jahre die Zahl der jährlichen Pilger auf 166,666 angegeben wird, so kamen in diesem Jahre oft an einem Tage über 36,666 Pilger, so daß sie im Freien übernachten mußten. Beim Ausbruche der französischen Revolution besetzte Vandamme das Dorf Kevelaer, ließ das Oratorium umschließen und drohte, die Patres als Geiseln fortzuführen, wenn ihm nicht 15,000 Livres ausgezahlt würden. So schwer dieses Opfer war, kam es dennoch zu Stande. Die Franzosen zogen ab; da aber die Beschlagnahme der Kapellen und des Klosters zu befürchten war, ließen die Oratorianer alle Kostbarkeiten nach Wesel und Münster und von da nach der Insel Nordstrand, wo sie ein Kloster hatten, bringen. Bei einem Brande in Nordstrand gingen sie zn Grunde. Inzwischen waren die Franzosen über die Grenze geschlagen worden, kamen aber 1794 zurück und blieben bis 1814 im Lande. Die Pilger wurden mißhandelt, ihre Kreuze und Fahnen zerbrochen. Jedoch nach eini- k* — 84 — gen Jähren ließen diese Verfolgungen nach, bis im Jahre 1802 das Kloster aufgehoben und die Kapellen geschlossen und versiegelt wurden. Es geschah solches am 18. Juni, an welchem Tage die Prozession von Amsterdam, die sich stets durch ihren Glanz auszeichnete, ankam. Die Aufregung unter den Pilgern war sehr groß. Jedoch Herr van den Bosch aus Goch, ein besonderer Beförderer der Wallfahrt, wußte zu bewirken, daß die Kapellen am folgenden Tage wieder geöffnet wurden. Die französische Negierung ließ die Gebäude und Gärten 1804 verpachten. Dem Bischof Berdolet von Aachen, dessen Diözese Kevelaer zugetheilt worden, gelang es, dieselben für die Wallfahrt zu retten, die Oratorianer aber blieben verbannt. Bald waren jedoch die Wallfahrten wieder so zahlreich wie früher, man zählte jährlich etwa 100,000 Pilger. — Am 25. Oktober 1833 kam der damalige Kronprinz, später König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen nach Kevelaer, nahm Alles genau in Augenschein und erkundigte sich eingehend über die dortigen Verhältnisse. — Im Jahre 1842 wurde die 200- jährige Jubelfeier großartig begangen. Die stets zunehmenden Wallfahrten (286 Prozessionen jährlich) riefen das Bedürfniß einer großartigen Wallfahrtskirche hervor, welche denn auch in gothischem Stile erbaut wurde. Unzählig sind die wunderbaren Gebetserhörungen; welche an dieser Gnadenstätte sich ereigneten. Wir wollen nur eine derselben hier anführen, wovon viele Zeugen noch leben. Agnes Schiefer wurde im Jahre 1830 in dem Dorfe Dansweiler, Landkreis Köln, geboren. In Folge einer langwierigen Krankheit war sie gelähmt und konnte sich nur aus Krücken fortbewegen. Dabei wurde sie von heftigen Krämpfen befallen. Alle ärztlichen Mittel waren vergebens. Da faßte sie den Entschluß, mit der Prozession von Brauweiler nach Kevelaer zu pilgern und weil sie nicht gehen konnte, wurde sie auf einem Ge- sähr mitgenommen. Am 5. September 1849 kam sie in Kevelaer an; an demselben Tage ging sie zur Beichte und am folgenden Morgen zur h. Communion. Nachdem sie gefrühstückt hatte, wurde sie von einigen Freundinnen zur Gnadenkapelle gebracht, wo sie im Gebete verharrte. Gegen Mittag begaben sich die Gefährtinnen zum Essen, Agnes aber blieb zurück. Als sie darauf gegen 2 Uhr zur Kapelle zurückkehrten, fanden sie die Kranke entkräftet und ohnmächtig vor dem Gnadenbilde liegen. Sie trugen sie vor die Kapelle und schien sie auf einen Stuhl; da aber die Pilger von allen Seiten sich um sie drängten, ward sie in das Krankenhaus des Klosters gebracht. Dort blieb sie ruhig aus einem Bette liegen; nach einer halben Stunde hörten die Krämpfe auf und später kam auch die Besinnung zurück. Alsbald stand sie auf, zog ihre Schuhe an und eilte ohne Krücken und ohne jegliche Unter- — 85 — stützung zur Gnadcnkapelle, um der Trösterin der Betrübten für ihre wunderbare Heilung zu danken. Auf dem Rückwege nach Brauweiler trug sie in der Prozession das Kreuz voran. Später nahm sie den Schleier und trat in ein Kloster Marienbaum bei Fanten. 'M^Hlarienbaum, im Kreise Rees, Regierungsbezirk Düsseldorf gele- (AM- gen, hat etwa 1000 Einwohner und ist als Wallfahrtsort sowie in klösterlicher Hinsicht sehr merkwürdig. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wo es zur Pfarrgemeinde Bynen gehörte, indem es damals nur aus wenigen isolirt gelegenen Ackerhöfen bestand, wurde von einem dort wohnenden Schäfer ein Muttergottes- dild in einer Eiche gefunden, bei welchem verschiedene Wunderwerke an denen, welche dort durch Anrufung der allerseligsten Jungfrau Maria, als Fürsprechern: bei ihrem Sohne, ihre Genesung suchten, sollen stattgefunden haben. Da nun die untersten Aeste dieser Eiche so gewachsen waren, daß sie eine Treppe bildeten, so wurde deswegen dieser Ort Trappenbaum genannt. Herzog Adolf VII. von Eleve ließ 1441 eine Kapelle neben der besagten Eiche bauen, welche am 23. August 1441 von dem Generalvikar Johannes Venecompensis, welcher unter dem Kurfürsten und Erzbischof Theodor, Graf von Mörs, stand, eingeweiht wurde. Diese Kapelle ist späterhin bei dem Kloster auch immer stehen geblieben. „Da nun jene Kapelle mit ihren Altären und sonstigen inwendigen Zierraten fertig geworden, so hat der Erzbischof von Köln das besagte Muttergottesbild in einer feierlichen Prozession aus dem Baume nach der Kapelle gebracht und selbiges auf den in derselben stehenden hohen Altar gestellt." An diese Kapelle wurden von Zeit zu Zeit große Geschenke gemacht, unter Anderen von dem Herzog Johann I. von Eleve 1449, Sohn des genannten Herzogs Adolf. Er zierte sie mit einer silbernen Ampel, welche Tag und Nacht vor dem Gnadenbilde brennen sollte. Die Herzogin Maria von Eleve, geborne von Burgund, beschloß, bet dieser Kapelle ein Brigittenkloster zu errichten. Solches geschah im Jahre 1453. Nachdem der Bau des Klosters im Innern und Aeußern so weit zu Stande gebracht war, daß die Nonnen darin wohnen konnten, war die Herzogin darauf bedacht, die Genehmigung bei dem römischen Stuhle, sowie die Bewilligung des Erzbischofs von Köln, Rupert von der Pfalz, einzuholen. Die Genehmigung wurde vom Papste Pins II. am 15. April 14'60 zu — 86 — Siena in Italien gegeben. Zwei Ordcnsgeistliche und sieben Nonnen wurden mit sehr großer Feierlichkeit von den Nathsherren des clev'schen Hofes und den Scheffen aus Vynen am 25. Juli 1460, am Aposteltage des h. Jakobus, eingeführt, womit nun der Klosterdienst zuerst seinen Anfang nahm. 344 Jahre wurde dieser Dienst fortgesetzt und das Kloster blühte so sehr auf, daß späterhin 60 Nonnen und 25 Ordensgeistliche sich in demselben befanden. Aus der Aufhebung der Klöster in Frankreich (1790) entwickelte sich die Veranlassung zur Aufhebung derselben auf dem linken Nheinufer (1802). Das Kloster Marienbaum blieb unter vielen Quälereien noch bis 1804 bestehen. Dann wurde es säkularisirt, das Klostergcbäude abgebrochen und die Ländereien verkauft. Die Kirche wurde als Pfarrkirche erklärt. Im August und September ziehen viele Pfarrgemeinden von beiden Seiten des Rheines singend und betend mit Kreuz und Fahne nach Marienbaum und opfern Wachskerzen. Auch aus dem Münsterlande und Holland nehmen viele Prozessionen nach Kevelaer ihren Hin- oder Rückweg über Marienbaum. Das Gnadenbild ist aus Metall, etwa 1 Fuß hoch und stellt Maria mit dem Jesukinde auf dem Arme dar. Sonsbeck. ^Mm Kreise Mörs, 8 Kilometer von Xanten entfernt, liegt der Flecken M Sonsbeck, in dessen Kirche die Reliquien des h. Gerebernus aufbewahrt und verehrt werden. Das Leben dieses Heiligen ist enge mit demjenigen der h. Dimphna verknüpft und theilen wir dasselbe demnach nach den besten Quellen mit. T-er christliche Glaube wurde in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts in Irland durch den h. Patrizius gepredigt, den man mit Recht den Apostel dieser Insel nennt. Doch muß seine Lehre nicht überall Eingang gesunden haben, weil man dort in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts noch Heiden antraf, wie das Leben der h. Dimphna beweist. Diese wurde im Norden Irlands geboren. Ihr Vater war König über einen kleinen Theil des Landes und dem Heidenthum ergeben; ihre Mutter hingegen war Christin und erzog in ihrem Glauben sorgfältig ihre Tochter, welche durch den Priester Gerebernus getaust wurde. Nach dem Berichte des Hugo Vardäus, ehemals Guardian der irischen Minoriten, soll Dimphna seit ihren kindlichen Jahren in einem Nonnenkloster zu Aismor, nahe bei der Stadt Luthe, erzogen worden sein, wo auch ihr Andenken in Segen geblieben ist. Dimphna nahm zu an Jahren und — 87 — Weisheit und faßte den Entschluß, ihr Leben Gott zu widmen- Inzwischen fiel ihre Mutter in eine tödtliche Krankheit und da sie ihr Ende herannahen suhlte, befahl sie ihre Tochter Dimphna dem Schutze des h. Gerevernus und starb ruhig in der Hoffnung, daß dieser Priester stets die junge Dimphna beschirmen werde. Der König war über den Tod seiner Gemahlin untröstlich, denn er liebte sie innig wegen ihrer vortrefflichen Tugenden und außergewöhnlichen Schönheit. Um seine Trauer zu lindern, riethen ihm seine Hofleute eine zweite Frau zu heirathen, welche der verstorbenen an Schönheit ähnlich wäre. Dem König gefiel dieser Vorschlag und auf seinen Befehl reisten Boten durch das ganze Land, um eine solche Person aufzusuchen. Nach dem Zeugnisse des h. Hieronpmus in seinem zweiten Buche gegen Jovinian hatten die irischen Heiden sehr abscheuliche Gewohnheiten in Bezug auf das Heirathen, und darin standen sie mit den Persern und anderen östlichen Völkern auf einer Stufe, welche sich nicht scheuten, sich mit ihren Töchtern, Müttern und Schwestern ehelich zu verbinden. Erst durch das Christenthum wurden diese abscheulichen Gebräuche abgeschafft. Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, daß die Höflinge, nachdem sie vergebens eine Frau, welche der verstorbenen Königin gleich, gesucht hatten, ihrem Oberherrn den Vorschlag machten, er solle seine Tochter Dimphna, die ihrer Mutter an Tugenden und Schönheit gleich war, zur Ehe nehmen. Dem König gefiel dieser Vorschlag und er theilte seiner Tochter mit, daß er sie heirathen und zur Königin machen wolle. Dimphna aber weigerte sich und stellte ihrem Vater vor, wie schändlich ein solches Begehren sei. Da dieser aber auf seinem Willen beharrte, erbat sie sich eine Bedenkzeit von vierzehn Tagen, welche ihr auch bewilligt wurde. Inzwischen theilte Dimphna das Begehren ihres Vaters dem Priester Gerebernus mit und fragte ihn um Rath, was in dieser Bedrängniß zu thun sei. Dieser, welcher die Verhältnisse wohl kannte, rieth als einziges Auskuuftsmittel an, vom Hofe in ein fremdes Land zu fliehen. Der Rath ward angenommen und Dimphna begab sich in Begleitung des Priesters und eines treuen Dieners heimlich aus ein Schiff und landete bald darauf zu Antwerpen. Hier blieben sie einige Tage, um bei den Einwohnern Erkundigungen über die umliegenden Gebiete einzuziehen. Dann wählten sie Gheel zu ihrem Wohnsitze, wo sich damals eine Kapelle zu Ehren Gottes und des h. Martin befand, in welcher Gerebernus oft das h. Meßopfer darbrachte. Als der irische Fürst hörte, daß seine Tochter geflohen sei, ließ er sie in seinem ganzen Reiche suchen, jedoch vergebens. Da er nun vernahm, sie sei auf das Festland geflüchtet, beschloß er, mit zahlreichem Gefolge nach Antwerpen zu reisen. Dort verblieb er einige Tage und sandte Diener in die Umgegend, um den Aufenthaltsort seiner Tochter zu erforschen. Diese — LL — kamen in ein Dorf mit Namen Westerloo, wo sie übernachteten. Als sie am folgenden Tage bei ihrem Abschied mit irischem Gelde bezahlten, bemerkte ihnen der Wirth, daß er noch mehr solchen Geldes besitze, aber den Werth davon nicht kenne. Die erstaunten Diener fragten ihn, von wem er das Geld erhalten habe, worauf er sonder Arglist antwortete, daß ein irisches Mädchen, welches etwa eine halbe Meile entfernt im Walde wohnte, ihm das Geld zum Einkaufe von Eßwaaren gesandt habe. Mit Hülfe dieses Mannes begaben sie sich zu der Stelle, wo Dimphna sich aufhielt, und erkannten sie sofort als die Tochter ihres Königs. In aller Eile kehrten des Königs Diener nach Antwerpen zurück, er- « freut über die Entdeckung der Königstochter. Ohne Zögern brach dieser mit seinem Gefolge auf und fand Dimphna mit Gerebernus zu Ghcel. Der heilige Priester, welcher die wehrlose Jungfrau gegen die wüthenden Angriffe ihres Vaters vertheidigen wollte, ward alsbald durch das Gefolge des Königs enthauptet. Nun suchte der lüsterne Vater seine Tochter bald durch Versprechungen, bald durch Drohungen zu bestimmen, seinem Willen sich zu fügen, jedoch alle angewandte Mühe blieb erfolglos. Wohl war ihr ihr Beschützer Gerebernus genommen, aber jetzt konnte er für sie im Himmel beten; auch ward sie durch die Gnade Gottes gekräftigt, so daß sie lieber sterben, als durch die Sünde befleckt werden wollte. Rasend vor Wuth befahl der Fürst, seine Tochter zu tödten, doch da Niemand dies wagte, nahm der entartete Vater sein Schwert und schlug seinem Kinde das Haupt ab. Solches geschah am 30. Mai gegen Ende des 6. Jahrhunderts. Die Leichname der Blutzeugen des Glaubens wurden von den Einwohnern von Gheel nicht weit von der Stelle ihres Martertodes zur Erde bestattet. Durch mannigfaltige und wunderbare Heilungen, welche sich hier ereigneten, wurde ihr Grab ein Zufluchtsort für leidende und unglückliche Menschen, so daß man beschloß, die Leiber auszugraben und sie mit größerer Ehrerbietung zur Verehrung der Gläubigen auszustellen. Als man das Grab öffnete, fand man zwei schneeweiße steinerne Kisten, welche man wegen ihrer auffallenden Gestalt und Farbe für ein Werk der Engel hielt. — Durch die vielen wunderbaren Heilungen, welche zu Gheel auf die Fürbitte der hh. Dimphna und Gerebernus sich ereigneten, wurden viele Personen veranlaßt, dort Hülfe und Trost in ihren Leiden zu suchen. Es waren nicht nur die Bewohner der umliegenden Orte, sondern auch die weit entfernter Städte, welche die hh. Märtyrer zu verehren kamen. Auch aus der Stadt Xanten kam jährlich eine Prozession, um die h. Reliquien als gottesfürchtige Pilger zu besuchen. Die geistlichen und zeitlichen Vortheile, welche Gheel durch den Besitz der Leiber der hh. Dimphna und Gerebernus zu Theil wurden, regten in ihnen den Wunsch an, diese kostbaren Pfänder zu gewinnen. Als sie nun einst wieder mit der Prozession nach Gheel ka- - 89 — mm, nahmen sie heimlich die Reliquien beider Heiligen weg, verbargen sie auf ihren Wagen und führten sie mit sich. Als aber die Einwohner von Gheel erfuhren, daß ihre Reliquien geraubt seien, ergriffen sie alsbald die Waffen und verfolgten die Diebe. Diese sahen sich bald genöthigt, die Flucht zu ergreifen, wobei sie den Sarg, in welchem sich die Reliquien der h. Dimphna befanden, zurückließen. Den Sarg, in welchem die des h. Gerebernus ruhten, brachen sie ans und nahmen den größten Theil derselben mit. Dieses soll sich in der Mitte des 10. Jahrhunderts ereignet haben. Ob die Reliquien des h. Gerebernus zuerst in Xanten und nachher in Sonsbeck verehrt wurden, ist nicht ganz klar. In dem von P. Cameracensis geschriebenen Leben dieses Heiligen wird Sonsbeck nicht erwähnt, wo doch späterhin der h. Gerebernus hoch verehrt wurde. Hierbei ist zu bemerken, daß zur Zeit des Raubes der h. Gebeine Sonsbeck mit Xanten nur eine Gemeinde bildete. In Sonsbeck war vor Zeiten ein Hof des Grafen von Eleve. Der Bewohner (Villicus) mit den Hörigen war Pfarrgenosse von Xanten. Wegen der Entfernung waren sie oft gehindert, dem Gottesdienste in ihrer Mutterkirche beizuwohnen; sie erbauten also mit Bewilligung des Grafen von Eleve auf seinem Grunde eine Kapelle und übergaben die Bedienung einem eigenmächtig gewählten Priester, weshalb sie von dem Dechant zu Xanten excommunicirt wurden. Durch gütige Vermittlung wurde ihnen endlich im Jahre 1203 durch Erzbischof Adolph von Köln gestattet, nebst der Kapelle einen eigenen Priester zu behalten, der den Gottesdienst verrichtete, nur sollte er keinen Send (s^uoäus laicalis) halten und vom Dechant zu Xanten eingesetzt werden. Diese Kirche war der h. Catharina geweiht, wie ans einer Bulle des Papstes Eugen IV. vom Jahre 1431 hervorgeht. Da dieselbe also erst um 1200 erbaut wurde, so geht daraus hervor, daß die Reliquien des h. Gerebernus zuerst in Xanten aufbewahrt wurden. Diese Kirche, seit lange Kapelle des h. Gerebernus genannt, war also die erste Pfarrkirche von Sonsbeck und liegt östlich von Sonsbeck aus einer Anhöhe, wo sich auch der Kirchhof befindet. Nachdem dieselbe ihren Rang als Pfarrkirche verloren, werden alle Gottesdienste in derselben durch den Pfarrer der St. Maria-Magdalenenkirche in Sonsbeck abgehalten, welcher dafür nach einer päpstlichen Bulle von Julius II. (1512) den fünften Theil des Opfers erhält, welches in der St. Gerebernuskirche dargebracht wird. Die Magdalenenkirche befindet sich innerhalb des Städtchens. Im Jahre 1431 erhielt sie das Recht, in ihr alle Sakramente mit Ausnahme der Taufe zu spenden; jedoch später, als man bei einer Belagerung von der Katharinenkirche abgeschlossen war, wurde auch der Taufstein in dieselbe gebracht und so wurde sie die Pfarrkirche. Sonsbeck litt viel durch die Unruhen des 16. Jahrhunderts. Die Kirchen wurden geschlossen oder zum lutherischen Gottesdienst verwendet, die — 9V — kirchlichen Güter eingezogen. Jetzt wohnt der evangelische Prediger, der dort in einem in letzter Zeit gebauten Tempel den Dienst verrichtet, noch in einem Hause, das früher zu einer Kaplanei der Katholiken gehörte. In jener Zeit gingen auch viele Reliquien des h. Gerebernus verloren; was noch von denselben übrig geblieben, wurde in einem Schreine aufbewahrt, den man jährlich in der Prozession umträgt. Die Kapelle, in welcher das Gedächtniß des h. Märtyrers verehrt wird, ist ein schöner und geräumiger Bau aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach einer in einem Chorpfeiler eingemauerten Inschrift aus dem Jahre 1478. Das Mauerwerk des Thurmes, welcher mit dem Giebel der Kirche abschließt, erhebt sich mit dem Glockenstuhle über das Dach und endigt in eine prachtvolle Spitze. Nordwärts neben dem Thurme befindet sich ein Gelaß, in dem ehemals ein Klausner wohnte, welcher die Gaben der Gläubigen empfing, die ihre Andacht zu verrichten kamen. Man opferte kleine goldene, silberne, zinnerne, eiserne oder wächserne Arme, Beine oder Leiber, welche dann zum Besten der Kirche verkauft wurden. Zwei Reihen Pfeiler theilen die Kapelle in ein Mittelschiff und zwei Seitenschiffe. Das Chor mit sieben Fenstern enthält den der h. Katharina geweihten Hochaltar, am Ostende des südlichen Seitenschiffes steht der Altar der Mutter Gottes und dem entsprechend im nördlichen Seitenschiffe der Altar des h. Gerebernus. Die steinerne Altartafel, in der ein Theil der Reliquien des Heiligen eingeschlossen ist, war früher der Länge nach ausgehöhlt und die Gläubigen krochen aus Ehrfurcht auf ihren Knieen durch die- selbe. Die Bilder der hh. Dimphna und Gerebernus, ehemals mit Reliquien versehen, stehen auf dem Altar, während dieselben Heiligen auf einem anderen Bilde am Eingang des Chores sitzend dargestellt sind. In der Pfarrkirche von Sonsbeck sind gleichfalls diese Heiligen bildlich dargestellt. Der Teufel, welcher uuter den Füßen der h. Dimphna liegt, trägt die Königskrone, eine Anspielung auf ihren Nater. In der neuen gothischen Monstranz, in welcher das h. Sakrament aufbewahrt wird, find ebenfalls die Bilder dieser Heiligen angebracht. Die Ablässe, welche von den Vorstehern der h. Kirche an die Kapelle von Sonsbeck verliehen wurden, beweisen klar, daß der h. Gerebernus dort von Alters her sehr verehrt wurde. Leo X. verlieh einen Ablaß von 50 Jahren und 50 Qnadragenen allen Christgläubigen, welche die Kapelle des Heiligen an gewissen Festtagen besuchten, besonders am Tage des h. Gerebernus, am Sonntag nach dem 13. Juli; auch verlieh der Papst den Priestern besondere Vollmachten, welche an diesen Festtagen in der Kirche der h. Magdalena oder in der Kapelle des h. Gerebernus Beicht hörten. Jnnocenz XIII. ertheilte im Jahre 1722 hundert Tage Ablaß denjenigen, welche die Kapelle des h. Gerebernus Sonntags besuchten und dort die lauretanische Litanei und 5 Vater unser beteten. Papst Clemens XII. ordnete 1739 die feierliche Prozession an, welche jährlich aus der Magdalenenkirche zur Kapelle zieht und Benedikt XIV. verlieh am 13. Februar 1756 allen Christgläubigen einen vollkommenen Ablaß, welcher den 1. Sonntag nach dem 13. Juli verdient werden kann, welchen Ablaß Pius VI. durch Bulle vom 8. März 1793 auf die ganze Oktav ausdehnte. Am Ostersonntage zog man nach der Vesper zur Kapelle des h. Gerebern, wo eine Predigt gehalten wurde. — Am 25. Mai, dem Feste des h. Urbanus, begann gegen 9 Uhr eine Predigt in der Gerbernuskapelle, in welcher der Prediger die Gläubigen zum Gebet und Almosengeben ermähnte, damit Gott die Früchte der Erde segnen und erhalten möge. Die h. Messe, welche hierauf gehalten wurde, nannte man Hagelfeier und mußte am Sonntage vorher angekündigt werden. Am Sonntag nach St. Lambertus (17. September) war das Kirchweihfest der Kapelle. Man ging dann prozessionsweise zu derselben, wo Messe und Predigt gehalten wurde. — Das größte Fest mit vollkommenem Ablaß wird am Sonntag nach dem 13. Juli abgehalten. Zehn oder zwölf Tage vorher sandte der Pfarrer von Sonsbeck Zettel an die umliegenden Pfarrer, damit am Sonntage vorher die Feier angekündigt werde. In der Pfarrkirche zu Sonsbeck wurden die Gläubigen sowohl in der Frühmesse als im Hochamte besonders dazu ermahnt. Der Guardian der Kapuziner zu Xanten wurde ersucht, zwei Beichtväter zu schicken und die Predigt wurde in niederdeutscher Sprache gehalten. In der Prozession werden die Bilder der hh. Gerebernus und Dimphna umgetragen. Der Festtag des 15. Mai wird in Sonsbeck gleichwie auch in Gheel feierlich begangen. Früher brachte man auch Blödsinnige nach Sonsbeck, die dort einige Zeit verblieben, jedoch dieser Gebrauch hat aufgehört. Der h. Gerebernus wird besonders gegen Gicht und Lahmheit verehrt und es werden daselbst Ninge gesegnet, welche die Leidenden bei sich tragen. Die schmerzhafte Mulkergoktes zu Telgte. ie Stadt Telgte, 2 Stunden von Münster entfernt, ist eine der ältesten Städte Westfalens und die dortige Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter verliert sich in das graue Alterthum, so daß wir über die Entstehung derselben keine sichere Kunde haben. In alter Zeit stand bei der Pfarrkirche auf dem Kirchhofe ein Bild der schmerzhaften Mutter Gottes in einem schlichten Gehäuse, so daß die davor Betenden unter freiem Himmel knieten. Dessenungeachtet begaben sich manche fromme Verehrer Mariens dahin, um vor diesem Bilde ihre Andacht zu verrichten. Wie aus den Akten des hochfürstlichen Vikariat-Gerichtes zu Münster hervorgeht, hatte ein Mann aus dem Bisthum Münster, Heinrich to Laer, großes Bedauern mit dem schlechten Hause der Gottesmutter und schenkte am 19. März 1466 dem Kirchenpflcger zu Telgte 24 Mark Goldes, damit dafür eine Statue des h. Andreas zur Aufstellung in der Pfarrkirche angeschafft und ein Obdach vor dem Bilde der h. Jungfrau Maria auf dem Kirchhofe daselbst gebaut werde, um die dort knieenden Andächtigen gegen Wind und Wetter zu schützen. So entstand die erste Kapelle, welche nach alter Beschreibung von Ziegelsteinen ganz einfach gebaut und mit Ziegeln überdeckt wurde. Da aber nun zu gewissen Zeiten des Jahres die Zahl der Pilger so groß war, daß sie in der Kapelle nicht Raum fanden, so wurde alsdann das Bild in die Pfarrkirche gebracht. Nach einem noch erhaltenen Briefe aus dem Jahre 1560 veranlaßte der damalige Pastor von Telgte, Wenc- marus Voet, der auch Domkapitular von Münster war, die prozessionsweise Uebertragung des Gnadenbildes in die Pfarrkirche, und zwar am Montage nach der Oktav des heiligen Pfingstfestes. Am Nachmittage dieses Tages wurde die feierliche Vesper und am folgenden Tage das Hochamt von der Himmelfahrt Maria gehalten. Wie aus demselben Briefe hervorgeht, war diese Uebertragung damals schon ein alter Gebrauch. Nachdem sodann das Bild in feierlicher Prozession durch die Sladt getragen worden, brachte man es wieder in die Kapelle. An den beiden genannten Tagen hielt der Kirchenvorstand die Ehrenwache bei dem Gnadenbilde und nahm die Opfergaben in Empfang. Als die Irrlehre Luthers und die Neligionsneuernngen in Deutschland auch im Münsterlande Eingang fanden, wurde die Stadt Telgte gewiß durch die Fürbitte der Gottesmutter von dem Unglücke, dem heiligen Glauben untreu zu werden, bewahrt. Aber die darauf folgenden Kriegsunruhen verursachten, daß die Wallfahrt zur lieben Frau nach Telgte fast ganz abnahm, bis endlich im Jahre 1650 Christoph Bernard von Galen zum Bischof von Münster gewählt wurde. Dieser gelehrte und der Himmelskönigin von Herzen ergebene Bischof beschloß, zu Telgte statt der jetzt ganz verfallenen Kapelle eine neue auf eigene Kosten bauen zu lassen. Am 22. Mai 1654 wurde das Gnadcnbild in die Pfarrkirche übertragen und alsbald mit dem Abbruch der alten und dem Bau der neuen Kapelle begonnen. Am 2. Juli 1657 weihte er selbst das neue Gotteshaus ein und verordnete, daß die Prozession von Münster, welche schon früher üblich war, in Zukunft an diesem Tage abgehalten werden sollte. Bald nahmen nun auch die Bittfahrten nach Telgte zu; Telgte wurde immer mehr der Sammelplatz der Andacht; man eilte dahin, um hier vor dem Bilde der heiligen Jungfrau, der Trösterin der Betrübten, Heil von Gott zu erbitten. Wunderbare Ge- betserhörungen kamen vor. So berichtet vom Jahre 1654, wo das Jubi- — 93 — läum der heiligen Kapelle stattfand, der damalige Kaplan zu Telgte, C. P. Nitschen. Während des großen Jubiläums, welches der Kurfürst Clemens August am S. Juni 1754 und die folgenden Tage halten ließ, kamen über 5V Prozessionen, selbst aus weiter Ferne, nach Telgte. Während dieses Jubiläums sollen auch viele Wunder geschehen sein. Der Erzbischof Clemens August schenkte der Kapelle eine kunstreiche, aus geschlagenem Silber verfertigte Ampel und dem Gnadenbilde eine kostbare Bekleidung von Silber, Gold und Edelsteinen. Diese großartige und mit dem reichsten Segen begleitete Jubelfeier wirkte überaus günstig auf die Wallfahrt nach Telgte. Die Wallfahrten mehrten sich immer mehr und als das Jahr 1854 herannahte, dachte man daran, die 200jährige Jubelfeier in Telgte auf das Festlichste zu begehen. Der hochwürdigste Bischof von Münster, Johann Georg, ließ die Gnadenkapelle in Telgte sehr schön renoviren und mit den herrlichsten Gemälden verzieren, und bevor das Fest begann, erließ er einen das Herz ergreifenden Hirtenbrief, worin er die Gläubigen zur zahlreichen Theilnahme an der Jubelfeier zur Ehre der glorreichen Himmelskönigin einlud. Allenthalben wurde der Ruf des frommen Oberhirten mit Freuden vernommen; von allen Seiten aus Nah und Fern zogen die Pilger herbei. An manchen Tagen zählte man in Telgte 20,000—30,000 Menschen und die Prozession aus Münster allein war etwa 10,000 Personen stark. Nur Gott allein kennt die Gnaden und den Segen, den er den treuen Verehrern seiner heiligsten Mutter in dieser Zeit gespendet. Die Liebe und Verehrung zur hochgebenedeiten jungfräulichen Mutter des Herrn ward neu belebt und angefacht und ein unbezweifelter Erfolg der Jubelfeier war und ist die große Theilnahme, welche die frommen, dem heiligen Glauben treu ergebenen Westfalen an der Wallfahrt nach Telgte heute noch zeigen. Der Nnnaberg bei Haltern. iüHs^ngefähr eine halbe Stunde von Haltern entfernt liegt der so- genannte Annaberg, früher Königsberg genannt, welcher in der ganzen Umgegend als Wallfahrtsort berühmt ist. Auf demselben befindet sich eine Kapelle mit einem wunderthätigen Bilde der h. Mutter Anna. Ueber den Ursprung dieser Wallfahrt berichtet der Pastor Boeker, welcher vor 200 Jahren lebte, Folgendes: „In dem Kirchspiel Haltern, an dem Wege nach Dorsten, auf dem Königsberg, ist eine kleine Quelle und wie mir gar alte, glaubwürdige Leute oft berichtet, vor vielen Jahren weit und fern gar berühmt, St. Annen-Brunnen oder das heilige Wasser ge- nannt. Eine halbe Stunde davon, an dem Wesel'schen Wege, hat auch eine Kapelle gestanden, ebenfalls St. Anna geheißen, wovon die Ruinen noch heut zu Tage zu sehen, aber vor 40 Jahren ungefähr niedergefallen. (Diese Kapelle stand auf dem Tannenberg im Kirchspiel Lippramsdorf, aus ihr soll das Bild der h. Anna herstammen, welches noch jetzt in der St. Annen- Kapelle aufbewahrt wird.) — Während des hessischen Krieges war die Kapelle fast in Vergessenheit gekommen, behielt aber immer St. Anna Namen, wurde auch noch von guten Leuten besucht und gebraucht. Nachdem aber im Jahre 1648 der westfälische Frieden geschlossen und im folgenden Jahre am Sonntage Invooavit pnblicirt wurde, lebte die Andacht und Wallfahrt zur h. Mutter Anna wieder auf. Dies Alles habe ich meiner Schuldigkeit nach dem Herrn Vicedominus, Ferdinand von Bucholtz, Archidiakonus in Haltern, treulich berichtet, welcher mir dann die Quelle zu reinigen und auszubessern anbefohlen. Dieselbe wurde täglich mehr besucht, besonders an den Festen der allerseligsten Jungfrau Maria und der h. Mutter Anna. Im Jahre 1651 habe ich wiederum dem Herrn Archidiakonus bei seiner Gegenwart in Haltern die Sache vorgetragen, welcher selbst den Berg besuchte und den Auftrag ertheilte, die Quelle zu reinigen, ein Bethaus zu errichten und Alles anzuordnen, was der Ehre Gottes und der h. Mutter Anna förderlich wäre. Gott hat Gnade gegeben und wurde der Berg von so viel Leuten aus der ganzen Umgegend besucht, und so viele Opfer dargebracht, daß davon am Tage vor Mariä Himmelfahrt ein kleines Bethaus nahe bei der Quelle im Beisein des Herrn Amtsdrosten, Johannes von Racsfeld, Herrn zum Ostendorf und Vincenz von Besten, Gografen, aufgerichtet und nach und nach vollendet werden konnte, zur Ehre des allmächtigen Gottes, der allerseligsten Jungfrau Maria und der glorwürdigcn Mutter Anna. — Was Gott weiter geben wird, steht in Gottes Namen zu erwarten." Soweit der Pastor Bockcr. Der Pastor Thevcs, welcher 1783 starb, berichtet Folgendes: „Der Annaberg ist deshalb berühmt geworden, weil ein Schäfer aus der Nachbarschaft, der mit dem Aussatze behaftet war, als er sich in der Quelle wusch, plötzlich geheilt wurde. So finde ich es in alten glaubwürdigen Schriften aufgezeichnet." Nunmehr wurde der Annaberg von Pilgern aus der ganzen Umgegend immer mehr besucht. Da kam einstens — so wird erzählt — Christoph Bcrnard von Galen, Fürstbischof von Münster, auf einer Reise von Coes- feld nach Oßendorf an dem Annaberg vorbei; er sah eine Menge Wallfahrer, zog nähere Erkundigung ein und nachdem er erfahren, daß die Quelle und das Bethaus auf dem Berge ein besuchter Wallfahrtsort sei, gab er den Befehl, daß eine größere Kapelle erbaut werden solle. — Christoph Bcrnard, dieser um die gauze Diözese so hochverdiente Fürstbischof von — 95 — Münster ist also der Erbauer der größeren St. Annen-Kapelle; den westlichen Eingang schmückt sein Wappen und die Inschrift: Von (Lottes Elvaäs Ellristolk Lervllarci Lisallotk ^u Nunster ^.äivivistrator Eorvs^ äess II. II. Ileielis llurst, LurA^ratl ^u Ltrollsr^ Herr su Lorllelo eto. ^vuo 1654. In Folge dessen nahm der Besuch des Annaberges zu, die Andacht wuchs mit jedem Jahre. Um den Gottesdienst daselbst noch mehr zu regeln und zu heben, wurde die Besorgung desselben den hochw. U. Jesuiten, von denen zwei in Haltern ihr stetes Domizil hatten, in die Hände gegeben. Dieselben verkündeten auf dem Annaberge während der Sommermonate den Pilgern und Umwohnern das Wort Gottes, spendeten die heil. Sakramente und hielten in der ganzen Umgegend alljährlich zu festgesetzten Zeiten Volksmissionen, wodurch sie so segensreich wirkten, daß die Irrlehre, welche seit der Reformation in dieser Gegend schon weit und breit um sich gegriffen, gänzlich wieder ausgerottet und daher der Annaberg für ganz Münsterland ein mächtiges Bollwerk gegen den Protestantismus und ein höchst wichtiger Gnadenort wurde. Nach Absterben des letzten Jesuiten ging die Besorgung des Gottesdienstes auf dem St. Annaberge wieder auf die Pfarrer von Haltern über. Die Kriegsjahre und ungünstige Zeitverhältnisse sind den Wallfahrten nach dem St. Annenberge hindernd entgegen getreten. Ganz aufgehört haben sie indeß doch niemals. Der verdienstvolle Pastor Büttner, der im Jahre 1844 starb, hat Vieles zur Hebung der Andacht auf dem Annaberge gethan. Unter ihm wurden die Wallfahrten zahlreicher und haben in den letzten Jahren bis auf den heutigen Tag zugenommen. Im Jahre 1854 am Feste der Himmelfahrt der unbefleckten Jungfrau Maria und an den sieben unmittelbar darauf folgenden Tagen wurde auf dem Annaberge das zweihundertjährige Jubelfest gefeiert, wozu Papst Pius IX. unterm 29. November 1853 einen vollkommenen Ablaß verliehen. Vom Feste des h. Johannes des Täufers bis zum Feste Mariä Geburt kommen fast täglich fromme Wallfahrer, oft aus weiter Ferne, zu diesem Gnadcnorte und ungefähr 16 Prozessionen aus den benachbarten Gemeinden besuchen den Annaberg; einzelne dieser Prozessionen zählen 1699 bis 2999 Pilger. Die Verehrung der h. Mutter Anna und der fromme Besuch des Annaberges hat in den letzten zwanzig Jahren ganz besonders zugenommen. Herzfeld. cHm Kreise Beckum, nicht weit von Hovestadt, an der Lippe liegt das katholische Pfarrdorf Herzfeld, in dessen Kirche sich das Grabmal der h. Jda befindet, welche in der weiten Umgegend in hoher Verehrung steht. Ueber diese Heilige wird uns von verschiedenen Geschichtschreibern Manches berichtet und es gehen in einzelnen Punkten ihre Ansichten weit auseinander. Die wichtigste Quelle über ihr Leben ist die Lebensbeschreibung derselben, welche gelegentlich ihrer Canonisation im Jahre 980 von dem Werdener Mönche Uffing verfaßt worden ist. In Kürze theilen wir nachstehend die wichtigsten Ereignisse aus ihrem Leben mit. Die h. Jda wurde um das Jahr 766 nach Christi Geburt von vornehmen und begüterten Eltern in Brabant geboren. Ihr Vater war Bernard, ein Oheim Karl's des Großen, ihre Mutter Gundlinde, eine Tochter Adalbert's, eines Herzog im Elsaß. Ueber ihre Jugendgeschichte besitzen wir keine Nachrichten, indessen können wir nicht daran zweifeln, daß sie eine fromme und religiöse Erziehung genossen habe. Im Jahre 786 unternahm der Kaiser Karl einen Feldzug gegen Frankreich, um einen daselbst ausge- brochenen Aufruhr zu dämpfen. Einer der Befehlshaber des dazu bestimmten Heeres war Egbert, der Sohn Bruno's, eines Bruders des berühmten Wittekind. Dieser Egbert hatte sich durch feine Treue, Tapferkeit und Frömmigkeit die besondere Zuneigung des Kaisers erworben, so daß dieser ihn auf dem Zuge gegen Frankreich um sich haben wollte. Als aber eben das Heer ausgerückt war, wurde er krank und konnte den Marsch nicht fortsetzen. Der besorgte Kaiser übergab ihn der Pflege feines Oheims Bernard, des Vaters der h. Jda. So kam Egbert in das elterliche Haus unserer Heiligen, welche ihn besonders pflegte, so daß Egbert bei der Rückkehr des Kaisers wieder gesund und wohl war. Durch ihre liebevolle Pflege und überhaupt ihr ganzes einnehmendes Wesen hatte die Jungfrau auf den Ritter einen solchen Eindruck gemacht, daß er dieselbe zu seiner steten Lebensgefährtin zu haben wünschte. Diesen Wunsch theilte Egbert seinem kaiserlichen Herrn mit, welcher darüber sehr erfreut war und da auch die Eltern der h. Jda ihr Einverständniß bekundeten, so fand die Vermählung statt. Kaiser Karl aber stattete den Bräutigam mit bedeutenden Gütern aus und machte ihn zum Präfekten eines Landstriches in Westfalen, wahrscheinlich des Dren- gaues an der Lippe. Dorthin nun begaben sich die jungen Eheleute bald nach ihrer Hochzeit. Schon waren sie auf dem rechten Ufer der Lippe angelangt und sahen auf der anderen Seite des Flusses ihre Besitzung vor sich liegen, als sie, von der Nacht überfallen, ihren Weg nicht weiter fortsetzen und den Fluß über- — 97 — schreiten konnten. So übernachteten sie denn auf dem rechten Ufer der Lippe, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das Dorf Herzfeld steht. In der Nacht, so meldet die Geschichte, erschien nun der h. Jda ein Engel, welcher sie aufforderte, an der Stelle, wo sie sich befänden, eine Kirche zu bauen. In dieser solle sie Gott preisen und verherrlichen und nach ihrem Tode neben ihrem Manne ihre letzte Ruhestätte finden. Als Jda am Morgen erwachte, theilte sie ihren Traum ihrem Manne mit, welcher sich mit dem Unternehmen völlig einverstanden erklärte. Die frommen Eheleute ließen hierauf an der bezeichneten Stelle am rechten Ufer der Lippe ein Kirchlein bauen und dasselbe zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria und des h. Bischofs Germanus einweihen. Wahrscheinlich geschah diese Einweihung durch den h. Bischof Ludgerus. Um das neue Kirchlein siedelten sich allmälig Leute an und so entstand der Ort Herzfeld. Den Gottesdienst an der neuerbauten Kirche versah Bertgerus, ein frommer Priester, welchen Jda aus ihrer Heimath als Beichtvater mitgenommen hatte. Er war ein Mönch aus dem Kloster Corbie bei Amiens an der Somme, an welches Kloster er auch später über die h. Jda, als diese gestorben war, einen Bericht erstattete. Von Gott erhielt er die Gnade, daß er seinen Tod vorher erkannte und sich auf denselben vorbereiten konnte. Er starb nach dem Empfange der h. Communion, während er die h. Messe las, in seiner priesterlichen Kleidung am 26. November 830 zu Herzfeld. Er wurde neben dem Grabe der h. Jda beigesetzt. Wie lange Egbert und Jda zusammen als Eheleute lebten, ist uns nicht überliefert worden, wahrscheinlich starb Egbert im Jahre 811, nachdem er mit seiner Gemahlin nachweislich 5 Kinder gezeugt hatte: Ludolf, Herzog von Sachsen und Schirmvogt des Klosters Corvey an der Weser; Cobbo, Graf von Tecklenburg; Warinus, Abt von Corvey; Adela, Aebtissin zu Herford und Hadewig, ebenfalls Aebtissin zu Herford. Jda überlebte ihren Gemahl und beschloß, die noch übrige Zeit ihres Lebens Gott allein zu widmen. „Mit welcher Strenge," sagt ihr Biograph, „die h. Jda nach dem Tode ihres Gemahls ihren zarten Leib behandelte, ist sehr schwer zu sagen. Die ganze Lebenszeit, welche ihr noch übrig war, brachte sie in einer unglaublichen und von Wenigen nachzuahmenden Enthaltsamkeit zu." Ein Manuscript des Klosters Corbie vom Jahre 979 sagt ferner: „Nach der Mittheilung unseres Bruders Bertgerus ließ Jda, die Gemahlin des Sachsenherzogs Egbert, nach dem Tode ihres Gemahls an der Kirche eine Halle bauen, indem sie über eine Sandbank der Lippe ging und die auf den Rücken eines gezähmten Hirsches gelegten Steine, aus welchen die Halle gebaut werden sollte, an einen Platz nahe bei der Kirche brachte. In dieser Halle hat sie nachher zurückgezogen mit verschleiertem Haupte nach dem Beispiele ihrer Verwandten Begga und Gertrud gelebt, ist daselbst gestorben und begraben." ? Diese Halle stand bis zum Ende des 13. Jahrhunderts an der Südseite neben dem Chöre der Kirche zu Herzfeld. Es war ein kleiner, viereckiger, gewölbter Anbau mit kleinen länglichen Fenstern und zwei kleinen Thüren, von denen die eine auf der Westseite nach außen und die andere auf der Nordseite in die Kirche führte. Die ganze Länge dieser Halle betrug ungefähr 30 und die Breite 20 Fuß. Nach der Ostseite war im Innern eine Nische, in welcher ein Altar stand. Sie war von der h. Jda nach dem Tode ihres Gemahls an dem Platze gcbauet, wo dieser begraben lag; später (980) wurde sie vom Bischof Dedo als Kapelle zu Ehren der h. Jda eingeweiht und seitdem immer mit dem Altare der h. Jda, auf welchem ihre Gebeine ruhen, als Kapelle benutzt. Im Jahre 1784 wurde sie abgebrochen und an ihrer Stelle eine neue, einem Saale ähnlich, erbaut. In dieser Kapelle steht eine große hölzerne Tumba, auf welcher das Bild der h. Jda in ruhender Stellung angebracht ist und welche die Inschrift trägt: „Lauoto. läa Aeusro souoti tNpiui elara," (die h. Jda berühmt durch das Geschlecht des h. Pipin). Unter di?ser Tumba steht der steinerne Sarg, in welchem die Gebeine der h. Jda nach ihrem Tode beigesetzt wurden und bis zum Tage ihrer Heiligsprechung ruhten. Der Sarg ist aus grauem Stein, im Lichten 5 Fuß 10 Zoll lang, 1 Fuß 1 Zoll tief, am oberen Ende 1 Fuß 6 Zoll und am unteren Ende 1 Fuß 4 Zoll breit. Seine äußere Länge beträgt 6 Fuß 4 Zoll, die Höhe 1 Fuß 4 Zoll und die Breite 1 Fuß 9 Zoll. Er ist theilweise beschädigt, indem einige Stücke ausgeschlagen sind, welche sich aber noch vorfinden. Auch finden sich noch einige Stücke vom Deckel, der ganz zertrümmert ist, vor. Diese Beschädigungen sollen einige holländische Soldaten angerichtet haben, welche in ihrem Fanatismus auch den Schrein, worin die h. Gebeine ruhten, beraubten und dadurch die Gebeine selbst verunehrten. So lange die h. Jda lebte, ließ sie den Sarg täglich zweimal mit Nahrungsmitteln und sonstigen Gaben für Kranke und Arme anfüllen, welche sie dann an diese, die zur bestimmten Zeit an ihrer Thüre erschienen, austheilte. Nachdem die h. Jda in Zurückgezogenheit und Wohlthun mehrere Jahre zugebracht hatte, siel sie in eine lange und schmerzliche Krankheit und da sie ihr Ende herannahen fühlte, ließ sie ihren Beichtvater Bertgerus und andere Diener Gottes zu sich kommen und bat diese zu beten, damit Gott in der entscheidenden Stunde des Todes ihr einen glücklichen Heimgang in's bessere Leben schenken möge. Dann empfing sie mit rührender Andacht die h. Sterbesakramente und verschied im Herrn am 4. September 814. Ihre Gebeine wurden in den steinernen Sarg gelegt und neben ihrem Gemahl beigesetzt. Viele Wunder geschahen am Grabe der Heiligen und von allen Seiten strömten die Leidenden hinzu, um durch ihre Fürbitte Heilung zu finden- Aber bald ließ die Verehrung nach. Da geschah es, daß unter König Ar- — 99 — inilf die Abtei Werden einen Gütcrtansch mit Otto dem Erlauchten von Sachsen, dem Enkel der h. Jda, einging und somit in den Besitz der Güter zu Herzfcld und der Umgegend kam. Von nun an wurde der Gottesdienst in der Kirche zu Herzfeld durch Mönche des Klosters Werden versehen und die Verehrung der h. Jda nahm wieder zu. Um das Jahr 980 lebte im Kloster zu Werden der fromme Abt Ludolph. Dieser bat den Bischof Dodo eindringlich, die Gebeine der h. Jda aus dem Grabe zu erheben und diese für eine Heilige zu erklären. Dodo, dem der Nnf der Heiligkeit und die vorgefallenen wunderbaren Ereignisse nicht unbekannt geblieben waren, gab den Bitten des frommen Abtes nach und bestimmte den Tag zu der heiligen Handlung. Als nun der festgesetzte Tag der Pfarrgemeinde bekannt gemacht war, strömten die Andächtigen von Nah und Fern in großen Schaaren herbei, um der schönen und erhebenden Feier beizuwohnen. Am bestimmten Tage kam der Bischof an, besah das Grab der h. Jda, betete an demselben und empfahl das, was er zu thun beabsichtigte, dem Rathschlusse Gottes. Darauf legte er die bischöfliche Kleidung an und schritt unter Begleitung des Abtes Ludolph, des Pfarrers Hugo und der vielen übrigen anwesenden weiß gekleideten Geistlichen zum Grabe. Hier angekommen ermähnte er zuerst alle Anwesenden, Gott, den Anfang alles Guten anzurufen, daß er bei dem Beginnen und Vollbringen dieses Werkes seinen heiligen Willen offenbaren und seine Gnade verleihen wolle. Nachdem in dieser Meinung das Gebet verrichtet war, ließ er mit Zustimmung und auf den Wunsch aller Anwesenden den Deckel vom Sarge wegnehmen. Kaum war der Deckel vom Sarge entfernt, so stieg aus diesem ein Wohlgernch empor, der alle Anwesenden und die ganze Kirche erfüllte, so daß Alle gleich erkannten, daß hierin sich die Heiligkeit der h. Jda offenbarte. Darauf küßte der Bischof die h. Gebeine, hob sie voll Ehrfurcht aus dem Sarge und legte sie behutsam in den für sie zur Aufbewahrung angefertigten Schrein nieder. Während dieses geschah, sang die anwesende Geistlichkeit Psalmen und Freudenlieder. Darauf folgten den mit Kreuz, brennenden Kerzen und Weihrauchfässern unter feierlichem Gesänge voranschreitenden Geistlichen der Bischof und der Abt, welche den Schrein, in welchem die Gebeine jetzt ruhten, trugen und in aller Ehrfurcht auf den Altar niedersetzten. Hierauf hielt der Bischof an das Volk eine eindringliche Rede über die Heiligkeit der h. Jda und mit einem Ns Osuw wurde die Feierlichkeit geschlossen. Um aber die Verehrung der h. Jda weiter zu verbreiten, nahm der Bischof einige Partikel an sich und das Haupt nahm der Abt Ludolf für das Kloster Werden mit sich. Nach der Feier der Heiligsprechung weihte der Bischof den südlichen Anbau, die frühere Wohnung der h. Jda, zum Dienste Gottes ein und zwar zu Ehren der Gottesmutter Maria und der h. Jda und kündigte darauf den in der Pfarre und der Nachbarschaft Wohnenden an, daß der Tag der . — 100 — Heiligsprechung und der Weihe bei seiner jährlichen Wiederkehr als ein Feiertag begangen werden solle. Diese damals vorgeschriebene Feier findet noch heutzutage am 26. November in der Pfarrkirche zu Herzfeld Statt und wird dieser Tag vom Volke Winter-Jda genannt im Gegensatze zu der Feier des 4. September, des Todestags der h. Jda, welche man Sommer-Jda nennt. Als der Bischof Dodo nun Alles vollendet hatte, gab er den bischöflichen Segen, entließ das Volk und kehrte mit seiner Begleitung nach Münster zurück. Dies geschah am 26. November 980. Von der vorgenannten Einweihung ist wohl zu unterscheiden die Einweihung der Kirche selbst, welche zu Lebzeiten Egberts und der h. Jda geschehen ist. Das Andenken an diese wurde am dritten Pfingsttage durch eine feierliche Prozession begangen. Die Prozession wird jetzt am Fronleichnamsfeste abgehalten. Am 26. März 1802 wurde das Haupt der h. Jda von der Abtei Werden wieder an die Kirche zu Hcrzfeld zurückgestellt. Am 26. November 1862 erhielt die Kirche zu Ostinghausen den rechten Vorderarm der h. Jda und die übrigen Reliquen der h. Jda wurden 1882 theils in einen kostbaren Reliquienschrein, theils in ein besonderes Rc- liquiar eingeschlossen. Im Jahre 1880 ward das 900jährige Jubiläum der Heiligsprechung hochfeierlich begangen. — Außer den genannten Festtagen wird am Dienstage jeder Woche ein Hochamt zu Ehren der h. Jda gehalten. Skadtlohn. ste Wallfahrtskapelle, worin das Bild der h. Mutter Gottes verehrt wird, liegt zehn Minuten in östlicher Richtung von der Stadt auf dem sogenannten „heiligen Berge" und ist umgeben von einem Kranze alter Linden und Kastanicnbäume. Ueber Ursprung und Geschichte des Gnadenbildes und der Wallfahrten weiß man mit Bestimmtheit nichts anzugeben. Im Jahre 1611 wurde Stadtlohn von einem großen Brande heimgesucht und nach der Sage sollen die Pfarr- und Stadtarchive durch denselben vernichtet sein. Schon zur Neformationszeit war Stadtlohn ein besuchter Wallfahrtsort und Tilly, der nach der berühmten Schlacht bei Stadtlohn (6. August 1623) 8 Tage in Stadtlohn verweilte und hier viele Briefe an seinen Kaiser geschrieben hat, soll öfters die Gnadenkapelle besucht haben. Das Gnadenbild, eine sitzende Madonna, das Jesukind auf den Armen tragend, schön polychromirt, deutet auf ein Alter von einigen Jahrhun- — 101 — derten hin. Ein solches Alter der Gnadenstätte bekunden auch die uralten Linden. Die Kapelle in ihrer gegenwärtigen Gestalt datirt aus dem Ansänge des vorigen Jahrhunderts und ist erbaut oder vielmehr erweitert worden von dem Fürstbischof von Münster Christian von Plettenberg. Das Wappen dieses Bischofes und die Gedenktafel sind eingemauert in die Frontseite der Kapelle. Der östliche Theil der Kapelle ist der älteste, wahrscheinlich ursprüngliche. Gegenwärtig wird die Kapelle nach den Plänen des Architekten Hertel von Münster in der schönsten Weise restaurirt. Nach einer Chronik im Pfarrarchiv — angefangen vom Jahre 1742 — kommen Prozessionen, von Geistlichen geführt, aus folgenden Ortschaften des Münsterlandes und Hollands zur Gnadenkapelle: Bocholt, Epe, Metelen, Ottenstein, Coesfcld, Ramsdorf, AHaus, Velen, Wüllen, Wessum, Dörningen, Oldensaal, Welbergen, Neuwenburg, Vreden, Weseke, Südlohn, Schlott-Gor, Hengelo, Rhede, Zwittbrock, Heiden, Schöppingen, Borken, von Wegdam, Rossum, Hacksbergen, Lutten, Groß-Rehen, Nienborg, Gemen, Barlo, Bnrlo, Altstätt, Gescher. Die meisten der angeführten Prozessionen kommen auch bis zur gegenwärtigen Zeit. Die Prozessionen aus Holland dürfen seit 10 Jahren in Folge der Kultnrkampfgesetze nicht mehr erscheinen. Die Wallfahrten beginnen am Feste der hh. Apostel Petrus und Paulus mit der Prozession von Epe und endigen am Namensfeste Mariä mit der großen Prozession von Vreden, die gewöhnlich von vier Geistlichen begleitet wird. Die meisten Prozessionen kommen an den Sonntagen, haben an der Gnadenkapelle ein Amt und nach demselben Predigt. In der feierlichsten Weise wird der Festtag Mariä Heimsuchung seit alten Zeiten hier am Orte gefeiert. An diesem Tage macht die Pfarrgemeinde Stadtlohn im Verein mit den nächsten Nachbarpfarren Südlohn und Gescher die Wallfahrt zum heiligen Berge. In feierlicher Prozession wird das h. Sakrament von den Ortsgeistlichen zur Kapelle getragen und dort das Hochamt gehalten. Nach demselben hält der Pfarrer von Südlohn die Predigt. In derselben feierlichen Weise, aber ans einem anderen Wege, wird das h. Sakrament zur Kirche zurückgetragen. An dem Thore der Stadt, in das der Weg von Südlohn mündet, muß einer der Geistlichen von Südlohn das h. Sakrament aufnehmen, es in die Kirche tragen und das vonrn abhalten. Das ist die Erinnerung an die frühere Znhörig- keit Südlohns zu Stadtlohn. Die Errichung der Pfarrei Südlohn und ihre Abzweigung von Stadtlohn ist im 13. Jahrhundert geschehen. Nach einer alten Urkunde im Pfarrarchiv mußte in früheren Zeiten der Pfarrer von Südlohn schon am Tage vor dem Feste Mariä Heimsuchung in Stadtlohn erscheinen und im Beichtstuhl Aushülfe leisten. Der volksreichste Tag ist in Sadtlohn der Festtag Mariä Geburt, wo die Gnadenkapelle von drei großen Prozessionen und vielen kleinen besucht wird. — 102 — Die meisten Prozessionen opfern eine Kerze. Ueberaus groß ist die Menge der Weihegeschenke in Gold und Silber, die in früheren Zeiten dein Gnadenbilde geopfert sind und fortwährend geopfert werden. Alle Pilger, die nach Empfang der h. Sakramente die Gnadenkapelle besuchen, haben einen vollkommenen Ablaß. Am 16. September 1886 wurde das Gnadcnbild von frevelhafter Diebeshand gestohlen. es geblieben war. Als aber die Lehre vom Kreuze immer weiter verkündet war und die Zahl der Gläubigen stets wuchs, da trieb der Glaube und das durch ihn den Christen gewordene Glück dieselben an, den h. Stätten eine besondere Ehrfurcht zu widmen. Eine solche erwies man auch insbesondere dem h. Grabe. Gottlose Menschen aber, wahrscheinlich Heiden, verschütteten nun, um das Andenken desselben zu vertilgen, die Grabeshöhle und häuften einen Erdhügel darüber. Als später der Kaiser Hadrian das wieder aufgebaute Jerusalem wegen neuer Empörung der Juden zerstören und eine neue Stadt unter dem Namen Aelia erbauen ließ, welche den Cal- varienberg mit einschloß, wurde der Grabeshügel überpflastert und ein Tempel der Venus darauf erbauet; an der Stätte, wo der Heiland gestorben ist, wurde eine Bildsäule dieser Göttin der Unzucht und an dem Orte seiner Auferstehung eine Statue des Jupiter aufgestellt. So dachte der heidnische Kaiser den Glauben an die Geheimnisse der christlichen Religion zu vertilgen, indem er die Orte entheiligte, wo sie vollbracht waren. Im Jahre 326 reiste die Kaiserin Helene, die Mutter Constantins des Großen, nach Jerusalem, um die h. Oerter zu besuchen. Da entstand bei ihr das Verlangen, das h. Kreuz wieder aufzufinden. Sie ließ überall suchen, wo sie nur hoffen konnte, es zu finden, aber es zeigte sich wenig Aussicht für den Erfolg ihrer eifrigen Bemühungen. Niemand konnte sagen, das Kreuz je gesehen zu haben und die Erinnerung, die sich unter den Christen etwa hätte erhalten können von dem Orte, wo es verborgen, war gänzlich erloschen durch die Länge der Zeit und durch die abgöttischen Gebräuche, welche dort fast 200 Jahre geübt worden. Denn dieser Götzendienst hatte den Christen sogar die Freiheit benommen, dahin zu gehen, um dort zu Das h. Kreuz zu Coesfeld. — 103 — beten, weil es sonst den Anschein hätte haben können, als ob sie die Venus verehrten. Diese Schwierigkeiten indessen entstammten nur noch mehr den Glaubenseifer der h. Helena und durch eben diesen Eifer erlangte sie vom h. Geiste, der das Innerste der Herzen kennt, die Erleuchtung, welche sie finden ließ, was sie so eifrig suchte. Sie forschte nun nach so vergeblichen Versuchen bei den Christen wie bei den gelehrtesten Juden, die sie nach Jerusalem kommen ließ, nach dem Orte, wo der Heiland gelitten, und Alle bezeichneten denselben Ort, und Gott gab der h. Helena noch durch ein besonderes Zeichen zu erkennen, daß es die rechte Stelle sei, wie der Geschichtschreiber Nufin bemerkt. Angetrieben vom h. Geiste ließ sie nun gerade an diesem Orte unausgesetzt nachgraben und in einer großen Tiefe fand man das h. Grab und neben demselben drei Kreuze, auch die Ueberschrift, welche an dem Kreuze Christi befestigt gewesen war, sowie die Nägel, welche seinen h. Leib durchbohrt hatten. Die Freude, einen so kostbaren Schatz gefunden zu haben, wurde indeß sofort getrübt, als man die Schwierigkeit bemerkte, das Kreuz des Heilandes von den Kreuzen der beiden Schacher zu unterscheiden, da die Inschrift von demselben getrennt war. Zwar bemerkte man an dem einen Kreuze noch ein Zeichen, welches darauf hindeutete, daß die Inschrift daran befestigt gewesen; dies gab aber eine zu schwache Andeutung, der man nicht mit Sicherheit vertrauen mochte. Mau kann sich denken, in welch schmerzlicher Verlegenheit die Kaiserin sich befand. Der h. Ma- karius, Bischof von Jerusalem, ein Mann von Weisheit und Glaubenskraft, welcher auf dem Concilium von Nicäa durch Eifer für die Wahrheit sich ausgezeichnet hatte, war der frommen Kaiserin in allen ihren Sorgen und Bemühungen zur Seite gewesen. In der großen Verlegenheit, welche jetzt eingetreten, wendete er sich inbrünstig betend zu Gott, und gewiß nicht ohne höhere Erleuchtung kam er auf einen Gedanken, der ebenso von der Stärke seines Glaubens zeugte, als er mit dem besten Erfolge gekrönt wurde. Eine vornehme Matrone in Jerusalem lag dem Tode nahe. In Gegenwart der Kaiserin und des Volkes ließ man sie die Kreuze berühren, die beiden ersten umsonst; als sie aber das dritte berührt hatte, stand sie vollkommen genesen auf und war kräftiger als je zuvor. Dasselbe geschah mit einem Todten, der wieder lebendig wurde in dem Augenblicke, wo er mit dem Kreuze berührt wurde. Helena sandte die h. Nägel und einen Theil des Kreuzes an ihren Sohn, den Kaiser; einen ändern Theil gab sie der Kirche, welche sie zu Rom erbaut hatte und welche den Namen: Kirche des h. Kreuzes zu Jerusalem führt. Eben dieser Kirche gab sie die Inschrift des Kreuzes, welche sich daselbst, jedoch nicht ganz, noch gegenwärtig befindet. Es ist ein weiß über- tünchtes Brett von neun Zoll Länge; die Buchstaben sind roth, aber einige fehlen und lassen erkennen, daß das ganze Brett eine Länge von 12 Zoll — 104 — gehabt haben muß. Den größten Theil des h. Kreuzes übergab die h. Helena in einer silbernen Kapsel den Händen des Bischofs von Jerusalem zur Aufbewahrung für alle künftigen Zeiten. Mit heiliger Sorgfalt wurde von nun an dieses hehre Denkmal des Heiles in der dafür erbauten prächtigen Kirche aufbewahrt und dem Bischöfe allein stand es zu, kleine Theilchen davon zu verschenken, welche man als ein Unterpfand der Gnade und des Segens in höchsten Ehren hielt. In unseren Gegenden sind wohl die Reliquien des h. Kreuzes zuerst durch Karl den Großen verbreitet worden, von dem bekannt ist, daß er eine große Menge derselben aus dem Orient erhielt. (Siehe die Beschreibung der Reliquien von Aachen.) Der Tradition zufolge ist auch das Crucifixbild, welches sich in der Lambertuskirche zu Coesfeld befindet und wegen der Partikel vom Kreuze, an welchem Jesus Christus für uns gestorben ist, seit Jahrhunderten von den Einwohnern wie von unzähligen Pilgern von nah und fern verehrt wird, von diesem Heiligen übersendet worden. In dem Haupte dieses Crucifixbildes befindet sich nämlich eine auf Ebenholz befestigte und mit Silber eingefaßte Partikel des h. Kreuzes, welche an den Wallfahrtstagen den Gläubigen zum Kusse dargereicht wird. Von den ersten Zeiten an wurde diesem Crucifixbilde nicht nur von den Einwohnern Coesfelds und der umliegenden Dörfer eine große Verehrung zu Theil, es kamen auch aus sehr entlegenen Orten Pilger herbei, um hier ihre Noth zu klagen, ihre Sünden zu beichten und christliche Buße für dieselben zu thun; man hat Pilger in härenen Bußkleidern, ja in eisernen Panzerhemden hier ihre Andacht verrichten und den Kreuzweg gehen sehen. Es ist hier noch ein eisernes Panzerhemd vorhanden, welches ein Pilger getragen haben soll. Einer Nachricht zufolge waren sogar Pilger aus Ungarn und Siebenbürgen gekommen, nm hier ihre Andacht zu verrichten; auch liegen Beispiele vor, wo Christen-Sklaven während ihrer Gefangenschaft das Gelübde gemacht hatten, nach ihrer Befreiung zum h. Kreuze uach Coesfeld zu wallfahren, und ihr Gelübde treu erfüllend, zum Andenken die Schlösser, welche sie in ihrer Gefangenschaft getragen, zurückgelassen haben. Auch diese Schlösser werden hier noch aufbewahrt. Die Verehrung des h. Kreuzes wurde noch gehoben durch die Approbation der Kreuzandacht durch mehrere Päpste und durch Ablässe, welche 1300, 1312, 1320, 1350 und 1449 verliehen wurden. Papst Bcnedikt XIII. verlieh sodann am 23. Juni 1727 einen vollkommenen Ablaß allen Denjenigen, welche das wunderthätige Kreuz besuchen und uach abgelegter Beicht und Kommunion die gewöhnlichen Ablaßgebete verrichten. Am 15. Februar 1633 kam der Landgraf Wilhelm von Hessen nach Coesfeld und legte der Stadt und den umliegenden Dörfern Contributioncn auf. Aus der Kirche wurde der katholische Gottesdienst verdrängt und die Prediger, welche er bei sich führte, mußten den calvinistischen Gottesdienst — 105 — darin ausüben. Einige Soldaten aus dem Heere trieben ihren Offizieren zu Gefallen sogar mit dem Kreuze ihren Spott, verstümmelten es an Händen und Füßen und gingen damit um, es zu verbrennen. Die Strafe für diese Frevelthat blieb der Sage nach nicht lange aus; alle Soldaten, welche daran Theil genommen, will man bald darauf auf dieselbe Weise verstümmelt gesehen haben. Man rettete indessen das Kreuz vor der Wuth dieser Unmenschen und bewahrte es in bürgerlichen Häusern, bis endlich Christoph Bernhard von Galen, um das Jahr 1660 Bischof von Münster, durch eine Summe Geldes die Hessen zum Abzüge bewog und so die Stadt von ihrem Joche befreite. Der Bischof stellte nun den katholischen Gottesdienst wieder her, ließ einen neuen Altar für das Kreuz bauen, verbesserte den Kreuzweg, ließ auf demselben Kapellen und Stationen errichten und bestimmte für deren Erhaltung eine jährliche Rente von 10 Thlr., welche noch jetzt von der Familie dieses hochseligen Bischofs bezahlt wird. Am Pfingstmontage und Dienstage wohnte er mit seinem ganzen Hofstaate der feierlichen Prozession bei, wobei das Kreuz umhergetragen wurde, und suchte auf jede Weise die Verehrung desselben zu fördern und die Andacht der Gläubigen zu erhöhen. Im Jahre 1659 ließ er sogar sogenannte Kreuzthaler schlagen, ein Beweis der großen Verehrung, die er zu diesem Crucifixbilde hegte und des Vertrauens, welches er zu dem hegte, woran dieses Bild so lebhaft erinnerte. Auf der einen Seite ist das gabelförmige Kreuz geprägt mit der Umschrift: Erux iniraculosa Gosteläionsis. Um den Thaler herum liest man die Worte: kroto^S populuva tuurn llowins eruois per siAnaeuIuiu. Auch nach dem Tode dieses frommen Bischofes währte die Verehrung des Kreuzes fort und zahlreich strömten die Gläubigen, besonders um Pfingsten, nach Coesfeld. Jubelfeste unter ungeheurem Andränge des Publikums wurden 1750 durch Fürstbischof Clemens August, sodann 1806 und zuletzt 1850 acht Tage hindurch gefeiert. Besondere Wallfahrtstage sind die Tage des h. Pfingstfestes und das Kreuzerhöhungssest, welches am Sonntag nach dem 14. September gefeiert wird. Am Pfingstmontage wird das h. Kreuz in Prozession um die Stadt getragen. Am Pfingstdinstage, dem Hauptwallfahrtstage, an welchem Tausende nach Coesfeld strömen, wird das h. Kreuz den vom Fürstbischof Bernhard von Galen eingerichteten großen Kreuzweg, der fast 3 Stunden lang ist, getragen. Auf dem Kreuzwege liegen zwei Kapellen, in welchen an diesem Tage das h. Meßopfer dargebracht wird; zugleich werden auf demselben mehrere Predigten gehalten. In der Nähe von Münster auf dem Wege uach Coesfeld steht eine Nachbildung unseres h. Kreuzes, welche von den Münsteranern als „Coes- felder Kreuz" fleißig besucht und verehrt wird. — 106 — Skromberg im Kreise Beckum. A^sie Entstehung der Wallfahrt zu Stromberg wird in folgender Weise erzählt: „Vor gar langer Zeit lebte auf der Burg zu Stromberg ein Graf, der seine Tochter einein benachbarten Frauenkloster zur Erziehung übergeben hatte. Oft kam er zum Besuche seines Kindes dorthin. In dem Kreuzgange des Klosters hing ein altes Krucifix, welches dem Grafen besonders gefiel und vor welchem er oft ein Gebet verrichtete. Da dieses Krucifix von den Nonnen wenig beachtet wurde, so erhielt er es auf seine Bitten gerne zum Geschenke. Voll Freude nahm er das Bild mit sich nach Hause und als er Abends bei seiner Burg anlangte, ließ er es unter einen AHornstrauch stellen, um es am folgenden Morgen in die am Fnße des Berges gelegene St. Lambertuskirche zu bringen. Nachdem dieses geschehen, fand man des folgenden Tages das Bild wieder unter dem Ahornstrauche stehen. Niemand konnte sich dieses erklären, denn die Kirchthüren waren die ganze Nacht hindurch geschlossen gewesen. Man trug das Bild zur Kirche zurück, aber trotz aller Vorsicht befand es sich am folgenden Tage wieder unter dem Ahornstrauche. Zum drittenmale ward es in die Kirche gebracht und es wurden um die ganze Kirche Wachen ausgestellt, damit Niemand in dieselbe gehen könne. Auch jetzt fand man des folgenden Tages das Bild wieder auf dem Berge. Nunmehr erkannte der Graf darin eine Fügung Gottes und er ließ an der Stelle des AHornstrauches eine Kapelle errichten, in welcher das Kruzifix zur Verehrung aufgestellt wurde." Urkundlich steht fest, daß diese Kreuzkapelle bereits im 12. Jahrhundert bestand und zu dieser Zeit Prozessionen aus weiter Ferne dorthin wall- fahrteten. Im Jahre 1187 hatte sie einen eigenen Geistlichen, welcher zum 1. Kreuzznge unter Gottsried von Bouillon einen Geldbeitrag leisten mußte. Otto, Bischof von Münster, der im Jahre 1218 auf einem Kreuzzuge zu Cäsarea in Syrien starb, wurde in der Krcuzkapelle beerdigt. Im Jahre 1316 brannte die Kapelle ab, das Kruzifix aber blieb unversehrt. Papst Johannes XXII. forderte nun die Christgläubigen zu Beiträgen für den Wiederaufbau derselben auf und der Stromberger Burgmann Conrad von Batenhorst errichtete die neue Kapelle aus eigenen Mitteln und stattete sie reichlich mit Gütern aus. In Folge dessen wurde ihm und seinem Sohne das Patronatrecht über die Kapelle verliehen. Heinrich von Mörs, Bischof von Münster, welcher am 2. Juli 1150 auf seinem Schlosse zu AHaus starb, wurde in der Kreuzkapelle begraben. In dem Kriege der Spanier gegen die Niederlande kam es häufig vor, daß die streitenden Parteien Uebcrfälle und Plünderungen in das deutsche Gebiet machten. Als nun am 24. Juni 1600 die Prozession zu Stromberg mit dem heiligen Kreuzbilde gehalten wurde, stürzte plötzlich eine Schaar holländischer Soldaten aus einem Schlupfwinkel, brachen in die Kreuzkapelle ein und raubten Alles, was einigen Werth hatte. Dann sielen sie über die Theilnehmer der Prozession her und entrissen ihnen das wunderthätige Kreuzbild, um sich des Silbers zu bemächtigen, womit der ganze Körper des Heilandes überdeckt war. Da das Silber aber fest angeheftet war, schlugen sie mit Aexten den Kopf und die Arme vom Rumpfe, nahmen das Silber an sich und warfen die Stücke des Kruzifixes weg. Zwei Jesuiten, welche damals auf dem Stromberge den Gottesdienst besorgten, wurden geschlagen und in das nahe gelegene Gehölz verfolgt. Da sie das verlangte Lösegcld nicht bezahlen konnten, wurden sie nach Oelde geschleppt, wo sie dann von einigen Freunden mit einer Summe von 200 Thalern losgekauft wurden. Die umher zerstreuten Stücke des Kruzifixes wurden nach Münster geschickt und wieder zusammengesetzt. Die ruchlosen Tempelschänder sollten aber der verdienten Strafe nicht entgehen. In dem Orte Ostbeveren stießen sie auf einen Hausen spanischer Soldaten, von denen sie sofort angegriffen wurden. Denjenigen, welcher dem Kruzifixe das Haupt abgeschlagen, wurde der Kopf gespalten, die klebrigen wurden theils niedergemacht, theils schwer verwundet; nur Einige entkamen dem Blutbade durch die Flucht. Die Schwerverwundeten wurden nach Telgte gebracht, wo sie von den Jesuiten verpflegt und auf den Tod vorbereitet wurden. Im folgenden Jahre konnte in Folge der Kriegsunruhen keine Prozession abgehalten werden; auch ließ man das Kreuzbild der größeren Sicherheit halber in Münster. Der westfälische Geschichtschreiber Schecken berichtet indessen, Hirten auf dem Felde hätten wahrgenommen, wie auf dem Stromberge Lieder gesungen worden und Schellen geklingelt Hütten, gleichsam als ob das Kreuz von Unsichtbaren in Prozession umhergetragen worden. Im Jahre 1602 brachte man das Kreuz wieder nach Stromberg und hielt auch die uralte Kreuztracht ab. Anna Christina Schumacher, die am Leibe und an den Beinen so aufgeschwollen war, daß sie nicht gehen konnte, wurde bei dieser Gelegenheit geheilt. Die Zahl der Pilger betrug über 60,000. Nach und nach aber nahm die Wallfahrt ab bis zur Gefangcn- nehmung des Erzbischofes Clemens August von Köln, durch welches Ereig- niß der Eifer für die katholische Sache namentlich in Westfalen neu belebt wurde. In der Nacht vom 21. auf den 22. November 1844 wurde die Kreuzkapelle erbrochen und aller Werthsachen, auch des wnnderthätigen Kreuzes, beraubt. Sofort schickte man nach allen Richtungen Leute aus, um den Dieben nachzuforschen. In einem Gebüsche westlich von Stromberg fand man das Kreuz von der Spitze der Monstranz, sowie ein Pslugeisen, sodann unter einer Brücke auf der Straße nach Beckum den kupfernen Fuß der Monstranz. Einige Monate später kam der israelitische Kaufmann Abraham Gutmann aus Berchum zu einem Silberschmicde in Hagen und bot demselben altes Silber zum Kaufe an. Dieser schöpfte Verdacht und benachrichtigte die Polizei, welche den Juden einkerkerte, jedoch aus Mangel an Beweis wieder frei lassen mußte. Im Jahre 1847 wollte Gutmann nach Amerika auswandern und ließ seine Effekten auf den Bahnhof zu Dortmund fahren. Ein Fuhrmann, welchem Gntmann Geld schuldete, befand sich auf dem Bahnhofe und da er dort erfuhr, daß Gutmann auswandern wolle, erbrach er eine Kiste desselben, um sich durch Entnahme von Gegenständen schadlos zn machen. Er nahm aus der Kiste ein Bettkissen, als er dieses aber auf den Boden warf, entstand ein ganz eigenthümlicher Ton. Dadurch aufmerksam gemacht, untersuchte er das Bettkissen und fand in demselben Silberstücke mit dem Namen Stromberg. Alsbald wurde die Polizei benachrichtigt und der Jude wanderte in's Gefängniß. Die anderen Theile der Kirchengeräthe fand man später in einem Walde, allerdings sehr verstümmelt; nur das Kreuzbild, das Werthvollste, fehlte noch. Da geschah es, daß am 3. September 1854 der Schäfer Anton Mers- mann in einem Eichenschlage seine Schäferschippe in den Boden stieß und einen harten Gegenstand gewahrte. Bei näherer Untersuchung fand er zuerst den Rumpf des Bildes, dann aber auch, getrennt von demselben den Kopf, die beiden Füße, die beiden Arme und die rechte Hand. Die linke Hand konnte man jedoch trotz eifrigster Nachforschung nicht auffinden. Das Bild wurde dem Bildhauer Broker und dem Silberarbeiter Brandkamp zu Beckum zur Reparatur übergeben. Bei dieser Gelegenheit fand man auf der Rückseite des Christuskörpers zwei mit Kupfcrplatten geschlossene Nischen; die eine enthielt kleine Holzsplitter, die andere 23 in rother Seide eingewickelte Reliquien, jedoch war die Schrift aus den dabei befindlichen Pergamentstreifen erloschen. Am 14. September sollte das Bild von Beckum nach dem Stromberge überbracht werden. Nachdem in der Kreuzkapelle der Segen gegeben, setzte sich die Prozession nach Beckum in Bewegung. Die Geistlichkeit von Beckum kam der Prozession entgegen, welche um 1 Uhr in die Pfarrkirche einzog. Das Kreuz wurde auf den Hochaltar gestellt und von Neuem benedizirt. Der Generalvikar Melchers von Münster, der Bischof von Mainz, Freiherr von Kettler, höhere und niedere Geistliche, viele Mitglieder des hohen Adels und eine unzählige Menge Gläubiger waren dabei zugegen. Nach dem feierlichen Gottesdienste ging die Prozession zunächst nach dem Eichenwalde, wo das Kreuzbild aufgefunden worden. Dort hielt der Bischof von Mainz eine ergreifende Predigt. Dann setzte sich die Prozession, mehr als 20,000 Personen stark, nach Stromberg in Bewegung, woselbst unter wiederholter Feierlichkeit das Kreuz an seinem altenDrtcaufgestellt wurde. — 109 — Eine Menge frommer Pilger besucht noch immerfort die h.Kreuzkapelle und viele wunderbare Gebetserhörungeu werden von dort berichtet. Das h. Kreuz zu Rranenlmrg. g^cber diesen Wallfahrtsort theilen wir nachstehend die alte Legende in ihrer Ursprache mit. Dit is die Legende ende dat tcicken ende mirakell des heiligen Cruces von Cranenborgh vp wat tyt ende woe dat gevonden is. In einer tyt dat Gott onse lieve Here die gesontmeker syn myrakulen ende genaden doen ende openbaeren wolde in deser tegenwordiger Statt van Cranenborgh om syn macht ende grote genade ende salicheit die dacr in den heiligen Sacramcnt onfienliche allen glovigen ende verharden menschen tho openbaeren, want daer geschreven steet: „Tis noet datier miraculen ende teichenen geschyen om der ongelovige ende versteender herten wille," doe ge- viele op einen Paesdach, als alle guedt salige kersten menschen sollen gaen totter saliger werschap, dat heilige Sacrament tho entfangen, soe quam ein Schaepherde, die buiten Cranenborgh inden Nyenhoff woenden ende ontfynck ouk dat heilige Sacrament. Lude alß hy dat heilige Sacrament ontfangen hadde, doe en konde hy des niet genutten ende behielt in syne monde ende droeghet mit hem in Nickswaldt daer syn schaepe gyngen, ende clam mitten heilige Sacrament op einen Boem, ende liet dat werdighe Sacrament ohtter syne monde glyden tusschen te veen tacken ende ginck tot syne Schaepen. Daernae quaem hem so groeten rouwe int herte dat hy weder qnaem toe Cranenborgh, ende dede des syne Byechte weder den selven Priester, die hem dat heilige Sacrament hadde gegeven, die doe tertyt pastoer toe Cranenborgh was, ende hyet Heere Henrick van Gelre, doe die hyrde alsulcke voer synen Priester hadde gebracht, des waert die uttermaten seer bedroeft in Hertte ende vraechde den Hyrde van der Stede, daert heilige Sacrament lach ende reyt mytter Monstrantien toe den walde voerschreven nae den heiligen Sacrament, ende naem den Hyrde voerschreven miet hem, dat hy hen leyden am den Boem daert heilige Sacrament op lach. Doe die Hyrde den Priester am den Boem hadde gebracht, doe hiet die Priester den Hyrde op ten Boem climmen omme toe sien, off dat Sacrament daer noch leghe. Doe clam die Hyrde opten Boem ende vandt dat Sacrament daer noch ligghen ende seyde, dattet noch daer leghe. Doe clam die Priester op ten Boem ende wolde dat Sacrament daer äff nemen, doe hy daer nae tasten, doe entsanck hem dat Sacrament in den Boem, als»e dat hy des niet meer en sach. Doe waert die gnede Priester anderwerff mit ronwen seer bevangen, ende clam weder — 110 — van den Boem, ende viel ncder op die eerde op syn knyen legen dat Ehr- werdige Sacramcnt, ende batt Gott oetmoedelychen, dat hy on also lange gespaeren wolde op eertrycke, dat hy möcht sicn, mat gott hier in wercken wolde. Daer nae gcvieldt aver acht ende twintich Jhaer, dat de vocrschre- ven Priester badt des herthogen knechten van Geler om einen Boem, tcgen dat Hochtyt van Midwinter, also dat sy hem einen Boem gaven. Des was in der tyt ein Coster toe Cranenborgh gcheiten Mcyerick, den sande die Priester voerschreven toe walde om den Boem toe haelen, des qnam die Coster onwetende aen den Boem, daer dat heilige Sacrament in maß ge- soncken en hyewe den Boem neder, ende voerden den op des Priesters hoff voerschreven. Des waes die Boem so groet, dat hy op den kersavcnt niet all gebrandt en waert. Maer dacrnae des Guedesdages voer Palmen solde Mcyerick voerschreven den Boem voert ophouwen, doe hy opten Boem sloech, doe cleefden die Boem ontwe, daer viel dat heilige Cruis vth in alre formen ende gclickenisse, als men noch huiden te daghe siet, ende daer en quaem nye messe noch ysseren aen toe snyten noch to vermaecken, ende iß gewasscn ende gespraten nth den selven Boem, daer dat heilige Sacrament in gesoncken was. So hevet sich die natuir des verwandelt in ein Beelt ende figuer mit geneichden hoffde ende mit uthgercckten armen ende syn voeten oner ein, want gott onse lieve Heer die gesondtmaker niet en wolde, dat syn heilich Lichnam in den Boem tho vergeves, ende sonder gehocchnisse solde hebben gelegen, ende om syn passie ende doechden des heiligen Sacraments daer datselve gloriose lichnam in coemet, dat daer gebaren iß van Maria der heiligen magct ende Joncksrowen toe apenbaren, mennigcn verhaerden ouge- lovigen mensche, die syns bitteren torments ende Crucinge geen memoricn noch verstentenisse en hebben. Daerom so heuet die selve onse Lieve Heer Jesus Christus, die vele Dinge gehenght ende liet geschicn op dcser werelt om mennicherhande saecken Wille, die wy niet alle gewetcn en können noch vorstaen, So hefset hy verhengt, dat ein Beelt dat signrirt is nae synre menscheit alß hy gehanget hevet aen den heiligen Cruis overmits heilicheit ende machten des heiligen Sacraments is gewaschen in ein Boem. Sulcks iß vocrtkommen mennighen menschen om salichcit ende Heils wille, ende oick om meerer verstentenisse ende geloven wille des heilighe Sacraments, want voel teicken ende Mirakulen geschiet syn overmits den heiligen Sacramcnt hier op ecrtrick in mennigcn landen, So iß gcuoech den gocden gelovigeu minschen gcschreven ende gesacht, woe dat vonden iß, dat voerschreven Beelt ende teicken des heiligen Cruis end passie onß Heren Jesu Christi. Ende dit geschieden in den jhar ons Heren doe men schreeff Duesent driehondcrt ende acht. Darnae was dit voerschreven Cruiß in desen kerken ein Jhar lanck dattct niet vcrheven en waert. Doe sandt Gott syn genaden ende barmhertichcit hier also, dat vele teicken ende mirakulen geschiet syn beyde aen mannen ende vrouwen, aen Jonck ende alt, die Gott ende dat heilige — 111 — Cruis aengeroepen hebben, ende syn verloest vom mennigerhande lyden, anxt, bedroeffnisse, krankheiden ende ongcvall hoers lpffs." Im Jahre 1416 am 1. Mai stiftete die Einwohnerschaft von Kranen- burg eine Vikarie zum h. Kreuz, welche vom Grafen Adolf von Eleve genehmigt wurde. Dessen Sohn Johann erwirkte vom Papste 1436 einen Ablaß für die Pilger. Viele Prozessionen und ebenso einzelne Pilger aus der weiten Umgegend wallfahrteten hierhin, um das h. Kreuz zu verehren und seine Hülfe zu erflehen. Auch Bruderschaften vom h. Kreuz wurden daselbst errichtet, welche allgemeine Verbreitung fanden. — 115 — Die Wallfahrt zu unserer lieben Frau in Andechs oder der heilige Berg. icht weit vom östlichen Ufer des Ammersee's erhebt sich 1954 Fuß über der Meeresfläche ein Berg, ans welchem das Schloß und die Wallfahrtskirche Andechs steht. Rapoto, Ratbod, Rathold, auch Rasse, angeblich ein natürlicher Sohn des Königs Arnulf (ch 899) soll der Gründer von Andechs und der Stammvater der Grasen dieses Namens sein. Sein Sohn, Graf Ratho, wird als ein tapferer Held in den Kriegen gegen die Ungarn gerühmt. Als er im Jahre 949 mit Juditha, der Gemahlin des Baiernherzogs Heinrich, eine Wallfahrt zum h. Grabe im gelobten Land unternahm, sammelte er auf dieser Reise viele heilige Reliquien und baute nach seiner Rückkehr unweit des Ammersees zu Wörth an der Amper eine Kirche und ein Kloster, in welchem er die von der Reise mitgebrachten Heiligthümer zur Verehrung ausstellte. Unter denselben nennen die Chroniken ein Stück von dein Schweißtuche Jesu, mit welchem er am Oelbcrge den blutigen Angstschweiß abtrocknet«; ein Stück von dem Tischtuche beim h. Abendmahle; ein Stück von dem Tischtnche Maria's, ein Stück von der Hirnschale der h. Magda- leua; die Gebeine des greisen Simeon, sowie des h. Timotheus, des Schülers des Apostels Paulus; das Haupt der h. Agatha; Gebeine der hh. Apostelfürsten, sowie der übrigen Apostel, z. B. Haupt und Arm des h. Philipp, die Hirnschale des h. Georg u. a. m. Ratho starb im Jahre 954. Als im darauf folgenden Jahre die Ungarn ihre Einfälle in Bayern erneuerten, flüchteten die Mönche die Reliquien nach Andechs. Dort wurde der Neliquienschatz durch Spenden noch bedeutend vermehrt. Graf Otto von Kastel schenkte einen Theil des Schleiers, des Gürtels und des Haarbandes der allersel. Jungfrau, serner ein Bild derselben; Agnes, die Tochter des Grafen Berthold von Andechs und Herzogs von Meran, einen Theil der Dornenkrone Christi; die h. Elisabeth Landgräfin von Thüringen, deren Mutter aus dem gräflichen Hause Andechs war, mehrere Reliquien sowie ihr Brautkleid. Vorzüglich werden aber dort drei in einer Monstranz eingeschlossene Hostien verehrt, von welchen zwei Papst Gregor der Große (oder Gregor VI., welcher 1946 in Deutschland war?) und die dritte Papst Leo IX. consecrirt haben soll, welche ehedem im Besitze der Kaiser Heinrich II. und Heinrich III. gewesen und von Bamberg nach Andechs gekommen sind. Als im Jahre 1209 die Burg Andechs nebst der dortigen Kapelle vom Herzog Ludwig I. zerstört wurden, verbargen die Mönche die Reliquien s* — 116 — in eisernen Truhen und vergruben dieselben. Viele Jahre hindurch blieben nun die Ruinen ein Schutthaufen, bis ein wunderbares Ereigniß die Aufmerksamkeit der Umwohner wieder auf dieselben hinlenkte. Ein blindes Weib von Widersberg, einem kleinen von Andechs eine Stunde entfernten Dörfchen, so erzählt die Legende, wurde im Traume ermahnt, sie solle nach Andechs zu der Ruine der zerstörten Kapelle gehen und dort mit der Wurzel einer Wachholderstaude, welche zur linken Seite der Stelle des ehemaligen Altars stand, ihre Augen bestreichen. Sie that es und wurde von der Stunde an wieder sehend. Dieser Vorfall erregte großes Aufsehen und als der Herzog Ludwig der Strenge, der Stifter des Klosters Fürstenfeld, das Ereigniß erfuhr, beschloß er, daselbst eine neue Kapelle errichten zu lassen, welche um das Jahr 1277 vollendet wurde. Ungefähr 160 Jahre später wurden durch ein anderes merkwürdiges Ereigniß die Reliquien ihrer Verborgenheit entrissen. Während nämlich ein Franziskanermönch, Jakob Dachauer, in der Kapelle die heilige Messe las, kam im Angesichte des versammelten Volkes eine Maus aus dem Altare mit einem Zettel hervor, auf welchem der Priester mehrere Namen der in der Kirche verborgenen Heiligthümer las. Dieses führte auf die Vermuthung, daß die Reliquien unter dem Altare verborgen seien. Auf die desfallsige Anzeige hin begaben sich die bayerischen Herzoge Stephan III., Friedrich und Johann nach Andechs, ließen ungesäumt an der genannten Stelle nachgraben und am 25. Juni 1388 fand man denn auch die gesuchten Heiligthümer. Von nun an wurde der Zulauf des Volkes so bedeutend, daß die Kapelle die Andächtigen nicht fassen konnte. Deshalb beschloß Herzog Stephan 1389, die Heiligthümer nach München zu bringen und dort in der Kirche der alten Burg, dem heutigen sogenannten alten Hof, aufzustellen. Auf Verlangen der bayrischen Herzoge ertheilte Papst Bonifaz IX. zur Feier eines großen Gnadenfestes zu München im Jahre 1392 auf die Dauer von fünf Monaten, nämlich von Ostern bis Ende Juli einen vollkommenen Ablaß allen, welche in dieser Zeit nach München wallen, dort sieben Tage verweilen und vor den Reliquien ihre Andacht verrichten würden. In unglaublicher Zahl strömten die Pilger dahin und München war kaum im Stande, die Menge der Andächtigen aufzunehmen. Hieraus ist der große Münchener Sommer-Jahrmarkt, der sogenannte Jakobi-Dult entstanden, welcher heute noch fortbesteht. Herzog Ernst I. ließ im Jahre 1433 ans dem Berge Andechs auf dem Platze, wo die alte Kapelle stand, eine neue Kirche (St. Nikolai) und neben derselben aus den Ruinen des Schlosses ein Gebäude für einen Propst und sechs Kanoniker mit reichlicher Stiftung errichten. Nach deren Vollendung wurden die Heiligthümer von München wieder an ihre frühere Stelle gebracht. Herzog Albrecht III., der Fromme, — 117 — verwandelte das Collegiatstift in ein Benediktinerkloster um und führte deshalb ein größeres Gebäude auf, zu welchem Papst Nikolaus V. dreitausend Gulden spendete und die sämmtlichen Klöster des bayrischen Oberlandes Holz und Steine lieferten. Sieben Benediktiner aus Tegersee wurden in das neue Kloster berufen; ihr erster Abt war Eberhard Stöcklin. Die feierliche Einweihung geschah am 17. Mai 1455. Herzog Albrecht stattete die mit vielen Privilegien und Ablässen begnadigte Kirche mit Kleinodien, Gold und Silber aus. Er starb 1460 und wurde nebst seiner Gemahlin Anna und seinen Söhnen, den Herzogen Johann und Wolfgang in derselben beigesetzt. Im Jahre 1471 wurde die Kirche von Kaiser Friedrich III. und 1501 von Kaiser Maximilian I. besucht, welche dieselbe mit Privilegien ausstatteten. Ihrem Beispiele folgten viele andere Fürsten und Herzoge des In- und Auslandes. Vom Jahre 1622—26 soll die Zahl der Wallfahrer 600,000 betragen haben. Als im Jahre 1623 die Schweden in Oberbayern einfielen, verstümmelten sie viele Bilder der Kirche. 1669 traf ein Blitzstrahl den Thurm der Kirche und legte diese, sowie das angrenzende Kloster in Asche. Nur die h. Kapelle blieb mit ihren Schätzen verschont. Durch Unterstützung des Churfürsten Ferdinand Maria, sowie durch Beiträge der Pilger wurde die Kirche wieder hergestellt. Bei der dritten Säkularseier der Klosterstiftung im Jahre 1755 wurde sie reichlich ausgeschmückt. Der Reliquienschatz war immerfort vermehrt worden nnd die Verzeichnisse geben die Zahl der Heiligthümer auf 288 an. Wir können dieselben hier nicht namentlich aufzählen und bemerken nur, daß auch zwei Marienbilder, auf dem Hochaltar und dem unteren Choraltar besondere Verehrung genießen. Eine ganze Reihe von wunderbaren Gebetserhörungen, welche in dieser Kirche stattgefunden, ist uns überliefert worden. Wir wollen deren nur eine hier anführen. Eine Jungfrau, Namens Maria, welche seit ihrer Geburt blind war, erhielt im Traume die Weisung, sich nach Andechs zu begeben und dort in der Kirche Hülfe zu suchen. Nach längeren Bemühungen fand sie auch einen Begleiter, Johann Winter von Waidhofen bei Kloster Hohenwart, welcher sie nach Andechs führte. Sobald sie dort im Gebete vor dem Bilde Maria's kniete, erhielt sie alsbald einigen Schein der Augen, so daß sie die Umrisse des Bildes erkennen konnte. Am folgenden Tage, den 5. Juni 1625, begannen ihre Augen unter der h. Messe zu triefen und in dem Augenblicke, wo sie die h. Kommunion empfing, erhielt sie ihre vollständige Sehkraft. Zur Bekräftigung des Geschehenen ließ der Herr Johann Wilhelm, Freiherr von Nohrbach auf Schenkenau und Waidhofen, unter dessen Herrschaft das begnadigte Mädchen wohnte, am 13. Juni des- — 113 — selben Jahres eine Urkunde ausfertigen, welche mit Unterschrift und Siegel verschen ward. Bis zum Jahre 1803 dauerten die Pilgerzüge nach Andechs ununterbrochen fort und waren so zahlreich, daß das Personal des Klosters auf 30 Religiösen vermehrt werden mußte, um die religiösen Bedürfnisse der Pilger befriedigen zu können. Im Jahre 1803 wurde die Aufhebung des Klosters verfügt. Die kostbaren Reliquicngefäße, Monstranzen, Kelche und Kreuze wurden eingeschmolzen, die Reliquien dagegen mit den Aufschriften dem damaligen Abte größtenteils wieder zugestellt. Das Kloster wurde aufgehoben, bis König Ludwig I. von Bayern wiederum Benediktiner dorthin berief und so das Kloster wieder herstellte. Von da an wurde der heilige Berg zu Andechs auch wieder ein Gegenstand hoher Verehrung und zahlreiche Pilger wallfahrten das ganze Jahr hindurch dorthin. Besonders zu bemerken aber ist die große Prozession aus München, welche jährlich am Christi-Himmelfahrtstage dahin wallfahrtet. Das Stift und die Kirche zum heil. Ulrich und zur heil. Afra in Augsburg. ie Verehrung der heiligen Ulrich und Afra ist besonders in der Diözese Augsburg so verbreitet, daß wir Veranlassung nehmen müssen, ausführlicher auf die Beschreibung ihrer Wallfahrtsstätte in Augsburg einzugehen. Vorab wollen wir zum näheren Verständnisse die Lebensgeschichte dieser beiden Heiligen kurz erwähnen. Zur Zeit der letzten Christenverfolgung kam der h. Bischof Narzissus auf seiner Flucht nach Augsburg. Damals lebten in diesem Orte viele vornehme, reiche Römer, die noch Heiden waren. Als Narzissus und sein Diakon Felix, beide fremd und unbekannt, in die Stadt traten, fragten sie nach einer Herberge, wo sie übernachten könnten. Man zeigte ihnen ein schönes, wohlgebautes Haus. Hier wohnte ein übelberufencs, leichtsinniges Mädchen, mit Namen Afra, nebst drei eben so leichtfertigen Dirnen: Digna, Eunomia und Eutropia. Afra hatte von ihrer Kindheit an keinen Unterricht in der wahren Religion erhalten, sie kannte nur den abscheulichen Greuel des Götzendienstes, den ihre Mutter von der Insel Cypern, wo sie früher lebte, mit nach Augsburg brachte. Afra gab sich daher, noch jung und schön, ohne Scheu dem Laster preis. Als sie die zwei fremden Männer, die um ihren Lebenswandel nichts wußten, erblickte und sogleich merkte, daß sie von hohem Stande seien, nahm sie dieselben freudig auf und bereitete ihnen ein prächtiges Mahl in der Absicht, sie in ihr Garn zu locken. — 119 — Bevor aber der fromme Bischof Narzissus sich zu Tische setzte, betete er mit seinem Gefährten laut das Tischgebet und segnete die Speisen. Afra erstaunte, denn noch nie hatte sie solches gesehen noch gehört. Die Andacht des Bischofs und die heiligen Worte drangen ihr zu Herzen. Sie fragte ihn, wer er sei. Als sie nun vernahm, er sei ein Bischof der Christen, war sie wie vom Donner getroffen. Schon Manches hatte sie vom frommen Lebenswandel der Christen gehört, der Anblick dieses heiligen Mannes rührte sie aber noch mehr. Voll Scham und^Reue fiel sie ihm zu Füßen und sprach: „O Herr, ich bin es nicht werth, daß Du mein Haus betrittst, denn ich bin das sündigste Weib der ganzen Stadt." Narzissus lehrte sie nun Jesum Christum kennen, der in diese Welt gekommen, die Sünder alle selig zu machen. „Seine Liebe zu den sündigen Menschen," sprach er, „kann von der Sünde nicht befleckt werden. Seine Liebe ist gleich dem Glänze der Sonne; sie erleuchtet die ganze Erde, sie leuchtet auch in die Sümpfe und Moräste und wird dadurch nicht verunreinigt. So bleibt auch rein dix Liebe Jesu, welche mit ihrem Lichte die Sünder erleuchtet. Oeffne nur, meine Tochter, deine Seele dem Lichte des Glaubens, damit du von allen Sünden gereinigt und von der reinen Liebe Jesu erfüllt meinen Eintritt in dein Haus ewig segnen mögest." Afra erwiderte: „Ach, wie könnte ich von so vielen Sünden gereinigt werden. Meine Sünden sind mehr, als die Haare meines Hauptes." Narzissus antwortete: „Glaube an Christus, laß dich taufen und du wirst selig werden." Sogleich eilte Afra getröstet und hocherfreut hinaus, um auch ihre Dienstmägde an dem Heile, das ihr angekündigt worden, Theil nehmen zu lassen. „Dieser Mann, der in unser Haus kam," rief sie ihnen zu, „ist ein Bischof der Christen. Er sprach zu mir: Wenn du an Christus glaubst und dich taufen lässest, so kannst du rein werden von allen deinen Sünden. Was sagt ihr nun dazu?" Alle Drei sprachen einmüthig: „Du bist unsere Gebieterin. Wir folgten dir, da du sündigtest, wie sollen wir dir nun nicht folgen, um Verzeihung zu erlangen?" Indessen war es Nacht geworden. Der heilige Bischof stimmte mit seinem Diakon Felix Gott einen Lobgesang an und brachte beinahe die ganze Nacht mit Beten und Psalmensingen zu. In stiller Andacht und tiefer Verwunderung hörten Afra und die drei Mägde den schönen Gesängen zu. Als es Tag geworden, suchten Gerichtsdiener überall in der Stadt nach den beiden Fremden, da man entdeckt hatte, daß sie Christen seien, und als sie erfahren hatten, daß sie sich im Hause der Afra aufhielten, lauerten sie an der Hausthüre, um sie bei ihrem Austritte zu verhaften und vor Gericht zu führen. Endlich drang einer von den Gerichtsdienern in das Haus und sagte zu Afra: „Ich habe erfahren, daß gestern zwei Männer zu dir gekommen sind. Ich weiß, daß sie Christen sind, denn sie bezeichneten ihre Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes, an dem ihr Christus gestorben ist. Wo sind diese Männer? Zeige sie mir!" Afra entgegnete: — 120 — „Wie können Männer, die Christen sind, bei einem Weibe einkehren, wie ich bin? Zu mir kommen nur solche, welche ein Leben wie ich führen." Der Gerichtsdiener forschte nicht weiter und ging fort. Da aber Afra fürchtete, es möchte der Richter kommen und ihr Hans durchsuchen lassen, so verstecktste den heiligen Bischof und seinen Gefährten sorgfältig hinter einem Haufen von Flachsbündeln, lief dann eilig zu ihrer Mutter Hilaria, die in einem anderen Hause wohnte, und erzählte ihr Alles, was vorgegangen war. Hilaria erstaunte sehr, als ihr aber Afra sagte, daß der Bischof auch zu ihr kommen wolle, um sie zur Christin zu machen und ihre Sünden zu vergeben, da rief sie voll Freude: „Gott gebe, daß dieses Heil auch mir widerfahre!" und war voll des Trostes, als Afra sagte, daß sie während der Nacht die Männer zu ihr führen werde. In der folgenden Nacht kamen nun die beiden Männer, geführt von Afra, in das Haus der Hilaria, welche sogleich die Kniee des Bischofs umfaßte und sprach: „Herr, hilf mir, daß ich Verzeihung meiner Sünden erlange!" Der Bischof tröstete sie und sprach: „Selig ist dein Glaube, mit welchem du so schnell die Wahrheit aufnimmst. Fanget nun alle an, mit dem heutigen Tage zu fasten und zu beten; sieben Tage will ich euch unterrichten, am achten Tage aber will ich euch taufen und ihr werdet rein werden von euern Sünden und jede Schuld soll euch entlassen werden." Hilaria rief nun auch ihren Bruder Dionysius herbei, der ebenfalls zu dem heiligen Bischof Zutrauen faßte und nun mit Mutter und Tochter und den drei Dirnen dem Unterrichte beiwohnte und sich mit allem Eifer auf die Taufe vorbereitete. Am achten Tage, als alle im christlichen Glauben unterrichtet waren, empfingen sie mit heiliger Inbrunst die Taufe. Das Haus der Hilaria weihte der Bischof zu einem christlichen Bethause, dem er Dionysius, den Bruder der Hilaria, zum Vorsteher gab. Afra änderte nun gänzlich ihren bisherigen Lebenswandel, was in der Stadt das grüßte Aufsehen erregte. Sie wurde als Christin angeklagt und da sie standhaft den Glauben bekannte, auf einer Insel des Lechftusses nicht weit von Augsburg verbrannt. Ihr Leichnam, der unversehrt blieb, wurde von den drei Mägden erhoben und von ihrer Mutter in eine Gruft, welche sie schon früher für sich hatte Herrichten lassen, begraben. Während des Begräbnisses aber, von Feinden verrathen, wurde sie auf Befehl des Richters ebenfalls mit den drei Mägden in der Gruft verbrannt. Dieses geschah im Jahre 304. Der h. Ulrich war ein Sohn des Grafen Hubald von Dillingen und in Augsburg geboren. In seiner Kindheit war er immer kränklich und so mager und abgezehrt, daß seine Eltern ihn vor den Augen Fremder gewöhnlich verbargen, weil sie sich seiner schämten. Doch Gott erhielt ihm wunderbar die Gesundheit, so daß er, zum Jüngling herangereift, den frommen Ordensmännern im 'Kloster zu St. Gallen zur Erziehung übergeben werden konnte. Hier unter frommen Mönchen wohnend legte er den Grund zu seiner künftigen Heiligkeit, wozu ihn die gottselige Klausnerin Wiborada, die in der Nähe des Klosters lebte, besonders ermunterte. Eines Tages gab sie ihm einen Gürtel, den sie selbst verfertigt hatte, mit der dringenden Ermahnung, er solle ja nicht vergessen, daß er deshalb von ihr mit diesem Gürtel der Enthaltsamkeit umgürtet worden, damit er jeden Umgang mit dem weiblichen Geschlechte meide, in Versuchungen zu Gott um Beistand flehe und, falls der Feind nicht weiche, Feuer mit Feuer vertilge. Diese Worte machten einen so tiefen Eindruck auf sein reines Herz, daß er von nun an die größte Strenge gegen sich selbst anwendete. Er trug ein rauhes Bußgewand, schlief mit dem Haupte auf einem harten Steine und wartete stets als der Erste auf einem Stuhle oder auf der Erde hingestreckt auf den Anfang der Metten. Die guten Mönche des Klosters gewannen ihn wegen seines kindlich frommen Gemüthes und seiner engelreinen Unschuld so lieb, daß sie wünschten, er möge immer bei ihnen bleiben. Ulrich fragte die gottselige Klausnerin um Rath. Diese betete drei Tage lang und sagte ihm dann, daß es der Wille Gottes nicht seif daß er in das Kloster trete, er solle vielmehr gegen Aufgang der Sonne, dort wo ein Fluß zwei Länder scheide, als Bischof dem Herrn dienen und daselbst auch Leiden erdulden, wie solche keiner seiner Vorfahren weder von Heiden noch von schlechten Christen erduldet habe, doch werde er zuletzt den Sieg erringen und dann in Ruhe seine Tage verleben. Bald darauf riefen ihn seine Eltern zurück und übergaben ihn der Leitung des weisen Bischofs Adalbero von Augsburg. Er war jetzt 18 Jahre alt und in Tugend und Wissenschaften wohl ausgebildet. Der Bischof erkannte bald diese guten Eigenschaften an Ulrich und machte ihn zum Kämmerer an seiner Kirche; hierauf ertheilte er ihm die heiligen Weihen und erhob ihn zum Domherrn. In dieser Würde lebte Ulrich immer demüthig; er vermied jede Gefahr, die seiner Seele drohte; Gebet und Studium waren seine Beschäftigung; den Armen vertheilte er fast alle seine Einkünfte. Nach einiger Zeit machte er eine Wallfahrt nach Rom zu den Gräbern der hh. Apostel Petrus und Paulus. Der h. Vater, Papst Sergius III., nahm ihn huldvoll aus und offenbarte ihm, sein Bischof Adalbero sei in Augsburg gestorben und er sei zu seinem Nachfolger von Gott bestimmt. Ulrich erschrak und weigerte sich, diese Würde anzunehmen. Aber der Papst entgegnete ihm: „Wenn du die Kirche von Augsburg, welche jetzt keinen Hirten hat, gegenwärtig nicht annimmst, wo sie noch des Friedens genießt, so wirst du sie verwalten müssen, wenn sie von ihren Feinden zerstört und geplündert sein wird." — 122 — Verwundert über diese Worte des erleuchteten Papstes kehrte der h. Ulrich nach Augsburg zurück, fand dort den Bischof Adalbero schon zur Erde bestattet, und an dessen Stelle einen andern, mit Namen Hiltin, gesetzt. Ulrich legte nun seine Domherrnwürde nieder und zog zu seiner Mutter, die er kindlich pflegte. Nach dem Tode des Bischofs Hiltin wurde Ulrich von Kaiser Heinrich I. zu seinem Nachfolger bestimmt und in seinem 31. Jahre, am Feste der unschuldigen Kinder, geweiht. Jetzt traf buchstäblich ein, was der Papst ihm vorhergesagt hatte. Das wilde Volk der Hunnen und Slaven war bis in die Gegend von Augsburg mordend, plündernd und sengend vorgedrungen, selbst die Stadt Augsburg wurde von ihnen eingenommen, die Hänser wurden niedergebrannt, die Kirchen und auch der bischöfliche Dom wurden zerstört; in der ganzen weiten Gegend des Lechflnsses lag Alles in Schutt und Asche; wo man hinblickte, war nichts als Jammer, Elend und Noth. Auch die gottselige Klausnerin Wiborada wurde von ihnen erschlagen. Die Leiden des h. Ulrich waren groß, aber er verzagte nicht. Schleunig sammelte er die überallhin zerstreuten Gläubigen seines Bisthums, verschaffte ihnen so viel als möglich leibliche und geistliche Hülfe und ließ die niedergebrannten Kirchen, unter diesen die Kirche der h. Afra, wieder prächtig auferbaueu. Während an dieser Kirche die Bauleute noch beschäftigt waren, erblickte der fromme Lambert, ein Geistlicher des h. Bischofs Ulrich, in einem Gesichte den verstorbenen Bischof Adalbero im Priestergewande, der ihm winkte. Er nahete sich ihm und vernahm nun aus dessen Munde den Befehl, daß er dem h. Ulrich melde, er werde von Gott belohnt werden für das Gebet und Almosen, das er für ihn dargebracht habe und er werde mit Bischof Fortunat am nächsten Grünendonnerstag kommen und mit ihm das heilige Oel weihen; auch würde die Gruft der Kirche der h. Afra zusammenstürzen, darum solle er fester bauen. — In der Folge hat sich dieses bestätigt. Nachdem der Heilige Alles wieder in guten Stand gesetzt hatte und sei ne Heerde in Ruhe zu weiden gedachte, brach neues Unglück herein. Die Ungarn überschwemmten in zahllosen Schaaren das deutsche Land und belagerten auch die Stadt Augsburg. In dieser Noth ließ nun der h. Bischof alle Säuglinge der ganzen Stadt in die Kirche tragen und auf die bloße Erde niederlegen. Dann warf er sich mit dem ganzen Volke auf die Kniee und rief zu Gott um Hülfe. Und siehe da! die Ungarn zogen plötzlich ab; Augsburg war gerettet. Nun war zwar der Friede zurückgekehrt, aber auch jetzt konnte er sein Bisthum nicht so verwalten, wie er wollte. Er war nicht nur Bischof, sondern auch Reichsfürst und mußte daher nach der Einrichtung der damaligen Zeit am Hoflager des Kaisers erscheinen und demselben mit seinem — 123 — Rathe beistehen. Kaum war aber der Kaiser mit Tode abgegangen, so eilte er wie ein liebender Vater zn seinen Kindern mit heiliger Freude zu seiner Heerde zurück und führte sein hohes Amt mit allem Eifer. Da er wußte, daß er ohne die Gnade Gottes nichts vermöge, so betete er unablässig. Niemals, außer in dringenden Geschäften, versäumte er den Ehor; außerdem betete er noch die Tagzeiten der seligsten Jungfrau und anderer Heiligen und täglich den ganzen Psalter; auch die Nächte brachte er oft im Gebete zu. Er schlief nur kurze Zeit und sein Bett war eine auf dem Boden ausgebreitete Binsenmatte. Seinen Leib behandelte er ungemcin strenge und beobachtete das Fasten auf das Genaueste. Täglich wusch er . zwölf Armen die Füße und so oft er speiste, mußten Arme an seinem Tische sitzen, die er dann selbst bediente. Die Armen lagen ihm sehr am Herzen; einer seiner Priester mußte sie aufsuchen und ihnen reichen, was sie bedurften. Für die Armen und Kranken stiftete er ein eigenes Spital bei der h. Krcuzkirche; täglich besuchte er sie, tröstete sie und unterrichtete sie in der h. Religion. Seine Wohnung und sein Tisch stand den Gästen immer bereit; er selbst aß wenig, nur einmal im Tage und zwar gegen Abend. Oft stand er ganz nüchtern vom Tische auf, während die Gäste meinten, er habe gegessen. Während der h. Fastenzeit verdoppelte er seine Bußübungen und während der h. Charwoche benutzte er jeden Augenblick zu Gebet und guten Werken. — In der österlichen Zeit visitirte er die Klöster und das Jahr hindurch die Gemeinden seines Bisthums. In jeder Gemeinde ließ er die rechtschaffensten Männer zn sich kommen und erkundigte sich bei ihnen nach den eingeschlichenen Mißbräuchen und Ilnordnungen, um diesen abzuhelfen. — Als eines Tages einige Bauern aus dem Allgäu-Gebirge zu ihm kamen und ihm klagten, daß sie ans eigenen Mitteln eine Kirche gebaut hätten, aber noch kein Bischof gekommen wäre, um sie zu weihen, weil sie in einer unzugänglichen, schauerlichen Gegend wohnten, machte sich der h. Bischof alsbald ans den Weg, überstieg die mit Schnee bedeckten Gebirge und weihte die Kirche. Während er auf solche Weise unermüdet sein Amt verwaltete, brach ein neues Leiden über ihn herein. Luitolf, des Kaisers Otto I. Sohn, und der Herzog Arnulf von Bayern hatten sich in Folge eines Streites gegen den Kaiser empört. Ulrich hielt treu zum Kaiser; deshalb fielen beide Herzoge mit ihren Kriegshaufen in das Gebiet des h. Bischofs ein, plünderten das flache Land und Arnulf belagerte ihn im Schlosse Menchingen, wohin er sich geflüchtet und verschanzt hatte. Der Heilige suchte den grimmigen ? Feind zu versöhnen, allein vergebens. Die Soldaten des Herzogs bestürmten das Schloß, Ulrich aber nahm seine Zuflucht zum Gebete und flehte Tag und Nacht um Hülfe. Da erschienen plötzlich sein Bruder Dietpold und Graf Adalbert, dem Ulrich seine Truppen anvertraut hatte, griffen mit ihren Heerhaufen sogleich die Belagerer an und schlugen sie in die Flucht. — 124 — Kaum war der h. Bischof befreit, so suchte er den Kaiser mit seinem aufrührerischen Sohne zu versöhnen, und es gelang ihm durch freundliches Zureden wirklich. In dieser Zeit hatte der h. Bischof ein merkwürdiges Gesicht. Als er sich einst zur Ruhe begab, erschien ihm die h. Afra in kostbarer Kleidung und befahl ihm, aufzustehen und ihr zu folgen. Sie führte ihn auf das Lechfeld, eine große, weite Ebene unweit Augsburg, wo der h. Apostel Petrus mit vielen anderen Bischösen und Heiligen eine Synode hielt, wichtige Angelegenheiten schlichtete und den Herzog Arnulf wegen Zerstörung vieler Klöster zur strengen Verantwortung zog. Hierauf zeigte ihm die h. Afra das Schlachtfeld, wo König Otto mit dem christlichen Heere nach blutigem Kampfe die Ungarn überwinden werde. Auch dieses Gesicht fand seine Erfüllung. Herzog Arnulf wurde bei der Belagerung von Regensburg niedergehauen und der deutsche König Otto besiegte im Jahre 955 die Ungarn in einer blutigen Schlacht. Diese blutgierigen Naubhorden brachen kurz zuvor aus Ungarn in das deutsche Land ein, verheerten Alles, wohin sie zogen, mit Feuer und Schwert und wandten sich zum zweiten Male nach Augsburg. Die Kirche der h. Afra, welche außerhalb der Stadt stand, verbrannten sie und belagerten dann die schwachbefestigte Stadt, wo sich der h. Ulrich befand. Der Heilige gebrauchte auch jetzt wieder keine andere Waffe als das Gebet. Er hieß die Frauen und Kinder in die Kirche gehen und betete mit ihnen die ganze Nacht. Früh Morgens crmahnte er die Bürger zur Tapferkeit und zum muthigen Gottvertrauen und ertheilte ihnen die h. Kommunion, Er bestieg dann in seiner bischöflichen Kleidung ein Pferd und begleitete die Krieger zum Streite, die mehrmals die Ungarn von den Mauern der Stadt zurückschlugen, bis endlich König Otto ihr ganzes Kriegsheer vernichtete. Der König bezeugte öffentlich, daß er diesen Sieg dem Gebete des Bischofs verdanke. Nachdem die Ungarn aus dem Lande geschlagen und Ruhe und Friede hergestellt waren, stellte der h. Bischof die Afrakirche zum zweiten Male wieder her, erbaute eine andere zu Ehren des h. Johannes des Täufers, stiftete ein Frauenkloster und machte dann mit König Otto eine Reise nach Rom, wo derselbe zum Kaiser gekrönt wurde. Nach seiner Rückkehr machte er eine Wallfahrt nach Einsiedeln zur h. Mutter Maria, die er kindlich verehrte und weihte dort den h. Bischof Wolfgang zum Priester. Fünf Jahre darnach machte er, beinahe 80 Jahre alt, seine letzte Wallfahrt nach Rom zum Grabe der heil. Apostel. Von jetzt an führte er ein noch strengeres Bußleben, obgleich er im hohen Alter stand, und las noch täglich das h. Meßopfer oder sang das Hochamt. Bald aber wurde er so kraftlos, daß er sich in die Kirche führen lassen mußte, wo er dann der h. Messe in tiefster Andacht beiwohnte. Jetzt — 125 — brachte er seine letzten Tage in beständigem Gebete oder mit Lesen heiliger Bücher zu. Am 13. Juni 973 warf er sich nach Anhörung der h. Messe vor dem h. Kreuze ans sein Angesicht nieder und blieb gegen eine Stunde so liegen. Hierauf ließ er seine wenigen Kleidungsstücke und geringen Haus- geräthe nebst zehn Schilling Silber herbcibringen, vor den Altar mit den Worten: Wozu dies Alles? hinlegen und vertheilte sie dann sogleich unter seine Geistlichen und unter die Armen. Von jetzt an dachte er nur mehr an seine Auflösung und seine Vereinigung mit Christo. Er glaubte, er werde am Vorabende des Festes der h. Apostel Petrus und Paulus sterben und zog daher auch zur Vesperzeit sein Sterbekleid an. Auf dem bloßen Boden liegend erwartete er sein Sterbestnndlein, allein noch war seine Stunde nicht gekommen. Klagend erhob er sich und sprach: „O h. Petrus, du hast meinen Wunsch nicht erfüllt." Endlich nahte die Zeit seines Hinscheidens. Am Freitag nach dem Feste der Apostel ließ er sich vor Sonnenaufgang auf Asche legen und nachdem er seinen Geist in die Hände Gottes empfohlen, entschlief er sanft im Herrn am 4. Juli 973 im Alter von 83 Jahren. Seine heil. Gebeine ruhen in einem prachtvollen Sarge in jeuer Kirche der h. Afra, welche er zweimal herstellen ließ, und welche gegenwärtig die Domkirche St. Ulrich in Augsburg ist. Der Platz, auf welchem die St. Ulrichskirche und das damit verbundene ehemalige Benediktinerstift steht, lag ehedem außer der Stadtmauer und wurde erst später mit der Stadt verbunden. Hier sammelten sich, nach Beendigung der diokletianischen Verfolgung, in welcher die h. Afra den Martertod erlitten, die zerstreuten Gläubigen und hier erbauten sie über dem Grabe dieser Heiligen das erste Gotteshaus. Während der Heerzüge barbarischer Völker durch Bajuwarieu und das jetzige Schwaben, mag diese heil. Stätte wieder verwüstet worden sein; allein schon im Jahre 565, wo der Bischof Fortunat von Poitou sein Büchlein äs vita s. Ng.rtiui schrieb und darin auf die h. Afra anspielte, scheint die Grabstätte der h. Afra wieder als ein Hciligthum der Gläubigen verehrt und mit einer Kirche geziert gewesen zu sein. Wenige Jahre später (582) gründeten die fränkischen Könige, die sich dieser Gegend bemächtigt hatten, zu Augsburg ein Bisthum, und die Kirche der h. Afra ward nun eine Zeit lang die Kathedralkirche des augsburgischen Sprengels. Der erste Bischof dieser Kirche war Sosimus. Sein sechster Nachfolger Zaiso verlegte im Jahre 798 den bischöflichen Sitz in die Stadt, um in derselben mehr Schutz gegen die Raubanfälle wilder Horden zu haben, und erbaute daselbst eine Kathedrale zu Ehren der seligsten Jungfrau. An der Kirche der h. Afra blieben mehrere Kanoniker unter der Aufsicht des Bischofs und der h. Magnus gab denselben auf Verlangen des Bischofs Wikterp eine klösterliche Verfassung. In der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts wurde die Kirche der h. Afra sammt den Wohnungen der Kanoniker von den durch Thassilo herbeigerufenen Hunnen und Avaren zerstört, bald darauf aber unter Bischof Simpert mittelst der Unterstützung Karl's des Großen wieder erbaut. — Als der h. Ulrich (923) das Bisthum Augsburg antrat, lag die Kirche der h. Afra sammt den übrigen Gebäuden wieder in Trümmern. Dieselben Barbaren hatten diese h. Stätte auf's Neue verwüstet. Sein erstes Bemühen war, dieses Heiligthum wieder herzustellen. Unter seiner Aufsiät ward der Bau geführt. Kaum war er vollendet, so legten ihn die das Land verwüstenden Ungarn (9S5) wieder in Asche. Nur einige Altäre waren stehen geblieben. Ueber diese ließ Ulrich vorerst ein Schindeldach fertigen; dann aber führte er den Neubau weit herrlicher und fester aus als der erste gewesen. Außerhalb der Kirche an der Südseite bestimmte er seine Grabstätte. Hundert Jahre später war auch diese Kirche baufällig geworden. Bischof Embriko entschloß sich (1964) dieselbe abzutragen und an ihre Stelle eine neue größere Kirche zn erbauen, welche auch das Grab des h. Ulrich einschloß. 1971 ward die neue Kirche eingeweiht. Auch dieser Tempel stand nur 199 Jahre. Am 16. Juni 1183 brach in einer nahegelegenen Werkstätte Feuer aus, und Kirche und Kloster ward ein Raub der Flammen. Es war nämlich inzwischen aus dem Chorherrnstift ein Benediktinerkloster geworden. Bischof Bruno, der Bruder des Kaisers Heinrich II., hatte im Jahre 1916 12 wohlunterrichtete Mönche aus dem Kloster Tegernsee nach Augsburg berufen, ihnen den Mönch Reginbald aus dem Kloster St. Gallen als Abt vorgesetzt und die neue Gemeinde in die Gebäude an der St. Afrakirche eingeführt. Schon nach drei Jahren wurde Reginbald als Abt in das Kloster Ebersberg berufen und 1932 ans den bischöflichen Stuhl in Speier erhoben. In der Abtwürde zu St. Afra folgten ihm nacheinander drei seiner ersten Gefährten. Der letzte derselben, Friedebold, ließ durch den gelehrten Abt Berno die Lebensgeschichtc des h. Ulrich in reinerem Stile abfassen und erfreute sich des besonderen Vertrauens der h. Kaiserin Kunigund. Unter dem 6. Nachfolger Reginbalds, Adalbero, soll das Stift in die Stadtmauern eingeschlossen worden sein, damit es in Kriegszeiten mehr gesichert wäre. Derselbe Abt stellte auch die erste Orgel in seiner Kirche auf und schaffte die erste Glocke auf den Thurm. Unter ihm ließ Bischof Embriko die Kirche abtragen, bei welcher Gelegenheit die Reliquien der hh. Digna, Eunomia und Eutropia nebst denen der h. Afra, der hh. Bischöse Simpert, Wicterp, Nidgar nnd Adalbero wieder aufgefunden wurden. — 127 — 1994 drang der simonistische Bischof Heriman den Mönchen einen Fremdling als Abt ans, und nachdem dieser seinen Posten verlassen hatte, wiederholte er dasselbe Verfahren noch zweimal. Erst im Jahre 1109 konnten die Conventnalen wieder zu einer freien Wahl schreiten. Sie wähl' ten den gelehrten und frommen Egino aus ihrer Mitte. Dieser ausgezeichnete Abt mußte öfters der Rache des ungerechten Bischofs sich durch die Flucht entziehen und die meiste Zeit außer seinem Kloster zubringen. Deß-" ungeachtet erhielt sich Zucht und Ordnung im Kloster, das an mehrere andere Klöster vortreffliche Aebte abzugeben vermochte. Auf Egino folgten 6 Aebte, die ganz im Geiste desselben die Klostergemeinde regierten und sich um dieselbe höchst verdient machten. Ihre Namen sind Wollemar, Udalskalk, Hezilo, Ulrich I., Heinrich II. und Manegold (1122—1184). In dem letzten Jahre der Negierung des Abtes Manegold brach die schon erwähnte Fenersbrunst aus. Auf ihn folgte Abt Heinrich III., ein Mann von rein- sittlichem Wandel und großer Gelehrsamkeit. Er fing sogleich beim Antritt seines Amtes den Neubau der Kirche und des Klosters an und hatte die Freude, denselben schon im Jahre 1187 vollendet zu sehen. Kaiser Friedrich Barbarossa, ein besonderer Verehrer des h. Ulrich und großer Wohlthäter- des Stiftes, wohnte der feierlichen Einweihung der Kirche bei. Damalswurden auch die Reliquien des heil. Ulrich in der neuen Kirche feierlich beigesetzt. Dieser Bau, der sich 280 Jahre erhielt, verursachte dem Kloster eine- große Schuldenlast. Der vortreffliche Nachfolger Heinrich's III., Abt Er- chenbold, einer der größten Männer seiner Zeit (1190—1200), vermochte es, durch weise Sparsamkeit und klugen Haushalt nicht allein die Schulden zu tilgen, sondern auch den herrlichen Kreuzgang herzustellen, das Chor mit Gemälden zu zieren und der Kirche prachtvolle Ornamente zu verschaffen. Sein Nachfolger Ulrich II. (1200—1211) legte nach 11 Jahren sein Amt nieder, und die Mönche wählten Heinrich I V., der nur 6 Jahre der Klostergemeinde vorstand. Nach seinem Tode (1216) postulirten die Mönche- den Theodo oder Dieto ans dem Kloster Füssen als ihren Vorsteher. Nachdem dessen Nachfolger Luitfried schon 1230 seiner Würde entsagt hatte, wurde Hiltebrand gewählt, unter dessen Regierung der Versasser mehrerer historischen Werke, Adilbert, als Mönch im Kloster lebte. Um diese Zeit (1230—1243) scheint die klösterliche Zucht nachgelassen zu haben, denn Hiltebrands Nachfolger, Abt Gebwin, der eine strengere Ordnung einführen wollte, drang mit seinem Vorhaben nicht durch und resignirte, um weiteren Verdrießlichkeiten zu entgehen, seine Abtswürde im Jahre 1266. An diesen Mißständen trug ein unruhiger, stolzer Mönch, Namens Wernher, die Hauptschuld. Der Bischof nahm sich des Klosters an und setzte den Theo- derich von Roth als Abt ein. Allein diesem frommen Manne fehlte die nöthige Kenntniß und Kraft zur Reformirung des zeitlich und geistig herab- gekommenen Stifts. Zwei Acbte nach ihm, die 1288—1315 regierten, legten ihre Würde freiwillig nieder. Die erledigte Abtei übergab Bischof Friedrich seinem Vetter Marquard von Haglen, einem Dominikaner, gegen alle kanonischen Gesetze. Allein der aufgedrungene Abt zeigte sich besser, als man erwarten konnte, und regierte 19 Jahre lang (1315 1334). Er erfreute sich der besonderen Gunst Ludwig des Bayern, der ihn zu seinem Kaplan ernannte. Im vorletzten Jahre seiner Regierung ward das ganze Kloster, mit Ausnahme der Kirche, durch Fcuersbrunst in Asche gelegt. Den Wiederaufbau des Stiftes betrieb sein Nachfolger Konrad I. Winkler (1334 — 1355), der sich die Huld desselben Kaisers in dem Grade zu erwerben wußte, daß ihn derselbe zu seinem Kaplan und Beichtvater und zum Reichsfürsten ernannte. Konrad vollendete den von seinem Vorfahren noch begonnenen Bau seines Klosters und führte in demselben eine solche Ordnung ein, daß er als der Wiederhersteller des fast ganz verfallenen Stifts verehrt zu werden verdient. Kaum war der Bau vollendet, brannte das Kloster (1342) wieder ab, und der Abt mußte den Bau auf's Rene beginnen. Im Jahre 1355 endete der verdienstvolle Vorsteher sein Leben und hinterließ seinem Nachfolger Johann I. das Stift in gutem Stande, in welchem dieser es auch zu erhalten wußte. Ganz schlecht benahm sich sein Nachfolger Friedrich von Gnmmeringen, der sich in diese Würde cinzuschleichcn wußte und 13 Jahre lang (1366 bis 1379) sehr verderblich wirthschaftete. Nicht viel besser stand es unter Heinrich VI. von Gabelbach, der zwar fromm aber regierungsunfähig war und deßhalb im Jahre 1397 abgesetzt wurde. Nach ihm wurde der Abt von Füssen, Johann II., erwählt, daß er dem zeitlich und geistig herabgekomme- uen Kloster wieder aufhelfen sollte, wie er's auch in Füssen gethan hatte. Unter ihm kehrten die früher zerstreuten Mönche wieder in's Kloster zurück und Zucht und Ordnung wurde auf's Neue hergestellt. In demselben Geiste wirkte nach seinem Tode 1403 auch Johann III., der bisherige Abt von Ottobeuren, der früher dem Stifte St. Ulrich angehört hatte. Derselbe wohnte dem Concilium in Konstanz bei und führte bei dem im Jahre 1418 zu Mainz veranstalteten Provinzialkapitel das Präsidium. Nachdem er für das geistliche und zeitliche Wohl seiner Untergebenen und für die Reformation der Klosterzncht 24 Jahre lang gearbeitet hatte, entschlief er am 14. Juni 1428. Nach ihm wußte ein geborener Angsburger durch Heuchelei und Verstellung sich seinen Mitbrüdern so zu empfehlen, daß sie ihn zum Abte wühlten. Eilf Jahre gab er als Heinrich VII. seinen Untergebenen und allem Volke ein schlechtes Beispiel. Sein Nachfolger Johann IV. hatte fast 20 Jahre lang (1439—1458) Mühe und Arbeit, die dem Kloster geschlagenen Wunden zu heilen, was ihm größtentheils auch gelang. Im Jahre 1458 resignirtc er in die Hände des Bischofs und Cardinals Peter I., dem er auch die Wahl seines Nachfolgers überließ. Dieser berief den — 129 — Melchior Stamhamm aus dem Kloster Wiblingen und setzte ihn als Abt über das Stift St. Ulrich. Melchior berief gelehrte Männer ans dem Kloster Melk und brachte sein Stift in kurzer Zeit zu einer herrlichen Blüthe. Durch ihn wurden auch die Klöster Ottobeuern, Kühbach und Ful- tenbach reformirt. Sämmtliche Mönche mußten unablässig, entweder wissenschaftlich oder mit Handarbeit sich beschäftigen. Im Jahre 1472 legte er eine Buchdruckerei im Stifte an, und theils durch Kauf, theils durch Tausch ward die Bibliothek mit den prächtigsten gedruckten Werken bereichert. Sein Kloster war ein Seminarium für Gelehrte und eine Werkstätte für Künstler. — Schon im Jahre 1467 hatte er sich entschlossen, die den Einsturz drohende Kirche mit Ausnahme der Chöre der h. Afra und des h. Ulrich abzubrechen und einen neuen prachtvollen Tempel herzustellen. Zu diesem Zwecke berief er den Steinmetz Valentin Kindlin von Straßburg, der auch die Pfarrkirche in Landsberg erbaut hatte, und den Baumeister Hans von Hildesheim. Am Feste Mariä Himmelfahrt d. I. wurde vom Cardiual und Bischof Peter zum neuen Werke der Grundstein gelegt. Die beiden Baumeister, denen der Abt den Bau ganz überließ, führten das Werk so hoch auf, daß es über alle anderen Gebäude hervorragte, allein sie hatten nicht dafür gesorgt, daß das Fundament einer solchen Höhe entsprechend tief und fest sei. Im Jahre 1473 ward der Dachstuhl aufgesetzt und das Dach mit Ziegeln bedeckt. Das Gewölbe wurde eingebaut, die Fenster eingesetzt und das ganze Gebäude zur Freude des Abtes, des Conventes und des ge- sammten Volkes vollendet. Allein dieser Prachtbau, dem das entsprechende Fundament fehlte, dessen Dach nicht vollkommen gesichert, dessen Holzdecke nicht fest genug genagelt und dessen Fenster nicht hinlänglich geschlossen waren, stürzte schon im folgenden Jahre, am Feste der h. Apostel Petrus und Paulus zusammen. An diesem Tage brach nämlich zwischen 2 und 3 Uhr Nachmittags ein so heftiger Sturm los, daß alle Einwohner der Stadt in Schrecken geriethen und mit Zittern und Zagen dem größten Unglück entgegensahen. Bäume wurden entwurzelt, die Dächer von Kirchen und Häusern herabgeworfen und Mauern eingestürzt. An der neugebauten Kirche warf er zuerst das wenig befestigte Dach ab, stürzte die Mauern und Pfeiler um, legte das ganze Gebäude bis aus eine Mauer an der Hinteren Seite zu Boden, und so lag denn der Prachtbau, der so viel gekostet, als ein Schutthaufen da. Die Chöre und das Grab des h. Simpert blieben stehen, wurden aber sehr beschädigt. Der Pfarrer Hieronpmus Leiber und sein Hülfspriester Thomas Eber mit noch 33 anderen Personen wurden verschüttet; mehrere andere retteten sich in das Chor oder in die Kapelle des h. Bartholomäus und blieben am Leben. Abt Melchior war 5 Monate vor diesem entsetzlichen Unglück am 30. Januar 1474 gestorben und an seine Stelle war Heinrich VIII., Frieß genannt, erwählt worden. Dieser begann schon am 15. Oktober 1474 den s — 130 — Bau der Kirche. Als Baumeister ward ein Steinmetz, Namens Valentin, angestellt und 2 Jahre später ihm der berühmteste Architekt seiner Zeit, Burkard Engelberg, der auch am Münster zu Ulm gearbeitet hatte, beigegeben. Weil das Stift schon durch den Bau der vom Sturme zerstörten Kirche und durch verschiedene Baulichkeiten am Kloster ganz erschöpft war, mußte man zu der Mildthätigkeit frommer Christen seine Zuflucht nehmen. Der Herzog von Bayern forderte seine Beamten und Pfarrer, die Bischöfe von Augsburg und Konstanz ihre Gläubigen auf, den Neubau des Gotteshauses durch Beiträge und Sammlungen zu unterstützen. Zur Ermöglichung der täglichen Feier des Gottesdienstes während des Baues wurden die Altäre der h. Afra und des h. Bartholomäus wieder hergestellt und vom Weih- bischofe Ulrich auf's Neue eingeweiht. Abt Heinrich sah noch die Aufführung der Hauptmauern und Pfeiler des neuen Tempels nebst der Errichtung des Portals gegen das Predigerhaus und starb schon am 9. Mai 1482, allgemein betrauert wegen seiner ausgezeichneten Kenntnisse und Tugenden. Sein Nachfolger Johann V. von Giltingen (1482—1496) setzte den Bau eifrig fort, wölbte die Bogen und die Kapellen gegen die Stadt hin, legte das kühne und meisterhafte Gewölbe über der Kapelle des h. Simpertus an und errichtete das Portal gegen Mittag. Im Jahre 1493 wurden die Altäre des h. Benediktus und Dionysius eingeweiht. Beide Altäre waren mit prachtvollen Altarblättern verziert. Dieser Abt war in dem berühmten Kloster Hirschau gebildet worden und hatte in demselben auch seine Profeß abgelegt. Abt Melchior, sein Oheim, hatte es durchgesetzt, daß er dem Kloster St. Ulrich überlassen wurde. Um ihn zu einem Lehrer und Vorbilde für seine Untergebenen auszubilden, hatte der verständige und fromme Oheim ihn auf einige Zeit in die damals blühenden Klöster Melk und Te- gernsee gesendet. Nach seiner Rückkehr in's Kloster wurde er als Novizenmeister und Subprior angestellt. Johannes setzte als Abt das vom Oheim begonnene Reformationswerk in demselben Geiste und mit heiligem Eifer für die Ehre Gottes fort. Im Jahre 1489 berief er drei Priester und einen Laienbruder aus dem Kloster Melk, die ihn in Aufrechthaltung der Zucht und in Förderung des wissenschaftlichen Strebens unter seinen Untergebenen unterstützen sollten. Dieselben wurden schon nach 2 Jahren wieder in ihr Kloster zurückgerufen. Die guten Früchte seines Eifers zeigten sich immer mehr und bestimmten den Herzog Georg von Bayern, ihm auch die Visitation und Reformation des Klosters Wiblingen zu übertragen, was er zur allgemeinen Befriedigung durchsetzte. Für die noch immer nicht vollendete Kirche schaffte er eine Orgel und Verschiedenes zur Verzierung derselben an. Leider war es ihm nicht gegönnt, den Bau zu vollenden. Er starb am 28. Januar 1496 im 59. Jahre seines Alters. Nach dem Tode dieses ehrwürdigen Abtes nahm Bischof Friedrich Besitz von der Abtei. „Jetzt bin ich Abt," sprach str zu« den Conventualen, — 131 — „aber ich hoffe, es nicht lange zu sein. Vereiniget euch! Sobald ihr einen Abt gewählt habt, kehre ich zu meinem Bisthume zurück und überlasse diese Stelle dem von euch gewählten Abt." Schon zwei Tage später ließ er die Mönche zur Wahl schreiten. Diese wählten einstimmig den bisherigen Prior Konrad Mörlin. Demselben lag die Fortsetzung und Vollendung des Kirchen- banes sehr am Herzen. Im Jahre 1497 ließ er durch M. Adam einen Altar für die Simpertuskapelle fertigen und von Gumpold das Altarblatt malen; auch umgab er das Grab dieses Heiligen mit einem aus Erz gegossenen Gitter. In demselben Jahre legte er das Portal gegen die Stadt an und im Jahre 1499 vollendete er durch Auswölbung der Schiffe den ganzen prachtvollen Bau. So stand wieder ein neuer Tempel da, allein derselbe war nicht nach dem ursprünglichen Plane, wie es der Abt sammt dem Convente und der Gemeinde verlangt hatten, erbant worden. Es fehlten noch die im Plane verzeichneten drei Chöre, welche dem Tempel das Ansehen einer regelrechten Kreuzkirche verschaffen sollten, und die zwei Thürme. Zu den Chören wurde bei Gelegenheit der Einweihung des neuen Gotteshauses am 13. Juni 1500 der Grundstein gelegt. Kaiser Maximilian I. mit dem päpstlichen Legaten, Kardinaldiakon Friedrich und vielen Oberhirten und Fürsten des Reichs verherrlichte diese Feier durch seine Gegenwart. In feierlicher Prozession begab man sich zur umgebauten Kirche. Am Portale angelangt, weihte der Erzbischof von Mainz Alles, was zur Consekration der Kirche nothwendig war, Salz, Wasser und Asche; die Einweihung der Kirche überließ er dem Weihbischof von Eichstädt. Er selbst begab sich mit dem Kaiser, dem Kardinal und den anderen Fürsten an den Ort, wo die ersten Steine zum Chor gelegt werden sollten. Hier nahm er die Weihe der drei ersten Grundsteine vor, deren jeder sieben Fuß maß. Darauf wurden sie in den Grund hinabgelassen. Der Kaiser und der Kardinal stiegen auch hinunter. Der Kaiser, mit Hammer und einer Kelle von Silber versehen, legte in Gegenwart der Reichsfürsten den ersten Stein, der Kardinal den zweiten. Auf dem dritten Steine stand folgende Inschrift: Uesu Ollristo saerum O. Na- ximilianus Rom. Gassar ^.uAustus all III. läus Mullas a lunckamsntis lapiäem üuno priwnna posuit '^.nno NO. — Der Kaiser beschenkte das Stift zur Aufführung des noch zu vollendenden Baues sehr reichlich und wünschte, daß auch andere Fürsten und Stände sammt den Unterthanen des Reiches und seiner Erblande dazu hülfreiche Hand bieten möchten. Zu diesem Zwecke erließ er am 20. August 1500 an dieselben ein dringendes Schreiben, worin er ihnen diese Gott so wohlgefällige Unterstützung des Klosters an's Herz legt. Diese Festlichkeit überlebte der fromme, eifrige und tugendhafte Abt Konrad um 10 Jahre. Weil er sich auf das Rechnen wenig verstand, so belastete er das Stift mit vielen Schulden und Bischof Heinrich sah sich ge- 9» nöthigt, durch weise Verordnungen dem gänzlichen Ruin desselben vorzubeugen. Nach Konrads Tod wählten die Conventualen den Johannes Schrott zu ihrem Abte. Derselbe war erst 33 Jahre alt und so leichtsinnig, daß ihn Bischof Heinrich unter Administration setzen mußte. Diese Demüthigung wollte er sich nicht gefallen lässen. Er entfloh, begab sich nach Rom, gewann einen Kardinal für sich, ,der ihm die Gunst des Papstes Leo X. erwarb, und nun setzte er sich mit Hülfe dieser Gönner wieder fest in seiner Abtei. Ja er ward noch ausschweifender und verschwenderischer als zuvor, und nachdem er Güter und Mobilien verpfändet und 20,000 st. geborgt hatte, verließ er sein Kloster zum zweiten Male und entsagte endlich der Abtswürde im Jahre 1527. Sieben Jahre später starb er im Auslande. Ungeachtet des schlimmen Einflusses, den dieser Abt auf das Kloster übte, standen doch die literarischen Anstalten desselben in einem blühenden Zustande. Unter der Leitung gelehrter Ordensmänner wurde das Studium der lateinischen und griechischen Sprache, sowie auch der mathematischen Wissenschaften eifrig betrieben. Damals lebte auch im Kloster der Historiker Clemens Sender, der durch mehrere geschichtliche Werke sich einen Namen erwarb. Größeren Schaden als der ungeeignete Vorsteher verursachte dem Stifte die Lehre der Reformatoren, welche in Augsburg gar bald Eingang fand. Der Pfarrprovisor Johann Schmid bekannte sich öffentlich zur neuen Lehre und suchte auch die Pfarrangehörigen für dieselbe zu gewinnen. Das Stift wollte ihn absetzen, mußte aber dem Ungestüm des Volkes nachgeben und eine bessere Zeit abwarten. Nach der Entfernung des Johannes Schrott wählten die Conventualen den Johannes Könlin, einen geborenen Augsburger, zum Abte. Seine erste Sorge ging dahin, durch Verwerthung der Kostbarkeiten des Klosters die Schulden seines Vorfahrers zu tilgen und sein Stift durch kaiserlicheu Schutz gegen die Gewaltthätigkeit der Neuerer zu sichern. Karl V. bestätigte auf dem Reichstage zu Augsburg 1530 alle früher gegebenen Privilegien, nahm das Stift in seinen und des Reiches Schutz und fbefahl dem Magistrate, dasselbe in seinem Namen zu schirmen und seine Mandate auf's Genaueste zu beachten. So sehr auch dem neuen Abte die Vollendung und Zierde des neuen Gotteshauses am Herzen lag, so konnte er doch hierfür wenig thun. Unter seiner Regierung (1526—1539) kam der fanatische Bilderstürmer Martin Buzer nach Augsburg und veranlaßte durch seine Reden die wildesten Excesse. Schon im Jahre 1523 wurde das h. Sakrament schmählich profanirt und in die Karmeliterkirche geschleppt. Von 1529—1537 wurde der Gottesdienst öfters durch empörende Auftritte unterbrochen und der Gott geheiligte Tempel durch die unsittlichsten und schändlichsten Handlungen geschändet. Im Jahre 1534 untersagte der Magistrat dem Abte das Predigen in seiner Kirche und stellte einen Prediger der neuen Lehre aus. Drei Jahre später (1537) erging an den Convent der Befehl, entweder den kä- tholischen Gottesdienst abzuschaffen und die religiösen Bilder und Gemälde aus der Kirche zu entfernen oder die Stadt zu verlassen. Der Abt mit seinem Convente verließ die Stadt und flüchtete sich nach Bayern in das kurz vorher angekaufte Schloß Unterwittelsbach. Der abtrünnige Mönch Johann Gawold nahm von dem verlassenen Kloster Besitz; die Anhänger der neuen Lehre eigneten sich die St. Ulrichskirche an, plünderten die Altäre, zerstörten die Kunstwerke, raubten aus dem Gotteshause, was ihnen gefiel und stellten den Dr. Mayr als Prediger an. Johann Könlin legte am 17. März 1537 seine Würde nieder, und an demselben Tage wählten die in Wittelsbach verbannten^Conventualen den Simon Goll zu ihrem Abte. Derselbe war ein frommer Mann, unablässig sür seine Untergebenen bekümmert, ihnen überall mit Rath und That an die Hand gehend und Tag und Nacht dem Gebete obliegend. Er starb im Exil zu Wittelsbach am 5. Mai 1548. Wie die Geistlichkeit von St. Ulrich, so hatte auch der Kardinal und Bischof Otto Truchseß mit seinem Kapitel die Stadt verlassen müssen; allein noch im Jahre 1547 war derselbe wieder nach Augsburg zurückgekehrt. Die Mönche von St. Ulrich hatten nach dem Tode des Abtes Simon noch in Wittelsbach den jüngsten aus ihnen, Jakob Köplin, zum Abte erwählt. Seine ausgezeichneten Talente, sein thätiger Eifer und frommer Wandel hatten sie bestimmt, denselben, obwohl er der jüngste aus ihnen und noch nicht einmal Priester war, zu ihrem Vorsteher zu wählen. Der neugewählte Abt empfing die Priesterweihe und die Bene- diktion und nahm sogleich, noch im Jahre seiner Wahl, mit unerschrockenem Muthe von seinem Kloster St. Ulrich Besitz. Die Conventualen kehrten erst im Jahre 1549 wieder in die Stadt zurück. Sie fanden Alles verwüstet, die Kirche im kläglichsten Zustande' der Verheerung und Entehrung. Allein Abt Jakob war der Mann, der durch Verstand, Klugheit und Scharfsinn in rastloser Thätigkeit das in jeder Beziehung verwüstete Stift wieder herzustellen vermochte, so daß er der zweite Gründer desselben genannt zu werden verdient. Er fing sogleich an, das zehn Jahre lang auf eine recht unevangelische Weise verwüstete Haus des Herrn zu reinigen und in den früheren Stand setzen zu lassen. Leider konnte er die kostbaren Werke der berühmtesten Künstler, die zertrümmert und zerfetzt worden waren, nicht wieder herstellen. Es mußte Alles neu werden. Zu Ehren der Mutter Gottes errichtete er den kunstvoll geschnitzten Altar, dem h. Bischof Simpert verschaffte er eine neue Ruhestätte, und mit Hülfe der edeln Grafen Fugger wurden in Bälde mehrere Kapellen und Altäre wieder hergestellt. Sobald sich das Stift einigermaßen erholt hatte, ging er au den Ausbau des einen der beiden Thürme. Derselbe ragte schon über das Gewölbe der Kirche hinaus. Im Jahre 1594 legte Abt Jakob zum Fortbau den ersten Stein. Den Bau besorgten Meister Konrad Stas, Maurer, Jakob Stas, Steinmetz und Daniel Spaz, Zimmermeister. In wenig Jahren — 134 — wurde dieses massive und herrliche Gebäude mit einem Kostenaufwande von 15,000 Gulden zu jener majestätischen Höhe gebracht, in der es noch dasteht. Unter der 52jährigen Regierung des Abtes Jakob war das Stift St. Ulrich eine wahre Pflanzschule der Wissenschaften und der klösterlichen Zucht. Unter den vielen Zöglingen, welche an der Schule dieses Stifts gebildet wurden und dann um Aufnahme in dasselbe baten, hatte der Abt immer eine ergiebige Auswahl. Nur die talentvollsten und gesittetsten Jünglinge wurden aufgenommen. Darum war das Stift im Stande, auch an andere Klöster: Thierhaupten, Metten, Lambach, Anhäufen u. s. w. tüchtige Aebte und Vorsteher abzugeben. Bezüglich der ökonomischen Verwaltung, der Wiederherstellung der Klostergebäude und der Verzierung der Kirche kam ihm seine besondere Freundschaft mit den edlen Grafen Fugger gut zu Statten. Der verdienstvolle Abt schloß seine zeitliche, unermüdete Thätigkeit am 8. Februar 1600 im 76. Jahre seines Alters und wurde am Altare des h. Benediktus begraben. Hierauf erwählten die Mönche den Johannes Merk, einen Zögling des Stifts und Vertrauten des verstorbenen Abtes zu ihrem Vorsteher. Derselbe war von Mindelheim gebürtig, ein Mann, der mehr durch sichern Scharfblick und gesundes Urtheil als durch Gelehrsamkeit sich auszeichnete. Den von seinem Vorfahrer ihm hinterlassenen Reichthum verwendete er einzig für das Haus Gottes und zum Wohle des Stiftes. Im Jahre 1601 erbaute er die schöne, große Sakristei und über derselben die Kapelle der seligsten Jungfrau. Im Jahre 1603 ließ er die Gewölbe der Chöre und damit den ganzen Tempelbau vollenden. Im darauffolgenden Jahre wurde der von Johann Degler in Weilheim gearbeitete Choraltar und der von Rotenhammer gemalte Altar der Himmelfahrt Mariä aufgestellt. Dann wurde der Kreuzaltar mit den von Jos. Reichlin und Wolfgang Neidhard aus Erz gegossenen Statuen errichtet. Die beiden Altäre über den Gräbern der h. Afra und des h. Ulrich, wie sie jetzt noch stehen, wurden im Jahre 1606 gebaut. Im darausfolgenden Jahre, den 26. August 1607, weihte der Bischof Heinrich den Choraltar zu Ehren des h. Narzissus, und sein Suffraganbischof die beiden anderen zu Ehren der h. Afra und des h. Ulrich ein. Die Sakristei ward unter diesem Abte mit kostbaren Paramenten bereichert, der Kirche eine Orgel verschafft und bei all den vielen Ausgaben für Verschönerung des Gotteshauses dennoch das Einkommen des Stiftes noch vermehrt. Nicht bloß um das von Steinen erbaute Gotteshaus war der treffliche Abt Johannes Merk bekümmert, die Förderung des geistigen Wohles seiner Gemeinde lag ihm ebenso am Herzen. Mehrere seiner jüngeren Con- ventualen sendete er zur Fortsetzung ihrer Studien an die hohen Schulen in Dillingen, in Jngolstadt und Rom. Die vom Prior Gregorius Gastel verfaßte Studienordnung in St. Ulrich ist uns ein Beweis, daß die Studien in diesem Stifte mit großem Ernste betrieben wurden. Im Jahre 1613 trat dieser Abt der Verbindung mehrerer Benediktinerklöster zur Gründung und Erhaltung einer Universität in Salzburg bei. Uud weil jetzt seine Ordensmänner in allen Zweigen der Theologie gründlich unterrichtet waren, so bedürfte das Kloster zur Pastoration der damit verbundenen Pfarrgemeinde keines Weltpriesters mehr. Predigt und Katechese, Krankenbesuch und alle pfarramtlichen Geschäfte wurden fortan von Conventualen besorgt. Bei der Annäherung des Schwedenkönigs Gustav Adolf, der in Deutschland eingefallen war und vereint mit den protestantischen Mächten und Ständen immer weiter vorrückte, flüchtete der Abt am 6. April 1632 sich und mehrere Kostbarkeiten des Klosters nach Tprol, wo er drei Monate lang in Hall verweilte. Am 10. Juli desselben Jahres begab er sich nach Schwaz, wo er im Kloster des h. Georg tödtlich erkrankte und schon nach elf Tagen in Gegenwart zweier Aebte und mehrerer Religiösen selig im Herrn verschied. Sein Leichnam wurde in der Franziskanerkirche daselbst zur Erde bestattet. Der sel. Abt hatte bei seiner Entfernung von Augsburg den damaligen Prior Bernard Hertfelder als Administrator des Stiftes aufgestellt. Derselbe war von Augsburg gebürtig, hatte 2 Jahre lang Philosophie in Dillingen, dann die Theologie in Rom studirt und war daselbst im Jahre 1612 zum Priester geweiht worden. Seine ausgezeichneten Gaben und seine wissenschaftliche Bildung verschafften ihm großes Ansehen unter seinen Mitbrüdern, sein frommer Sinn und seine Freundlichkeit im Umgange machte ihn Allen beliebt. Deshalb ward er schon im Jahre 1615 zum Prior erwählt und mit den wichtigsten Geschäften betraut. Nachdem die Schweden am 26. April 1632 Augsburg besetzt hatten, forderte ihr König von der gesammten Geistlichkeit am 6. Aiai den Eid der Treue. Die Kanoniker von St. Moriz und vom Dome sammt allen andern höheren und niederen Geistlichen verweigerten denselben standhaft und mußten die Stadt verlassen. Ein Theil der Conventualen vou St. Ulrich mit ihrem Administrator legte endlich nach langem Widerstreben den Eid ab. Ungeachtet ihres Eides wurden sie am 14. Mai verhaftet und im Rathhause gefangen gehalten, nachdem sie eine Brandschatzung von 3606 Gulden bezahlt hatten. Am 24. Mai wurde diese Gefangenschaft in Hausarrest im Kloster St. Ulrich umgewandelt. Nun übertrug der Generalvikar Kaspar Zeiler dem Administrator und dessen Con- vent, die allein von allen Geistlichen in der Stadt bleiben durften, die ganze Seelsorge der Stadt Augsburg und alle Vollmachten bezüglich der Ehesachen, in denen der Administrator endgültig zu entscheiden hatte. Am 21. Mai 1635 wählten die Mönche den bisherigen Administrator zum Abte. Alles war erfreut über diese Wahl. Der Bischof Heinrich mit seinem gesammten Klerus, der Magistrat sammt der Bürgerschaft sprach dem Neugewählten den aufrichtigsten Dank für seine Ausdauer in den großen Drangsalen und Gefahren aus. Selbst Kaiser Ferdinand sprach ihm seine Anerkennung aus, bestätigte alle früheren Rechte und Privilegien des Stiftes und ließ in der St. Ulrichskirche am 15. Mai 1653 die Erwählung seines Sohnes, Ferdinand IV., zum römischen Könige vornehmen, was sich zu einer ausgezeichneten Festlichkeit für die ganze Stadt Ausburg gestaltete. Nach diesezn so verheerenden Kriege waltete der Segen des Allerhöchsten recht augenscheinlich über dem Kloster. Der Abt erlangte nach einem langwierigen Prozesse die Reichsunmittelbarkeit, konnte im Jahre 1655 das ganz herabgekommene Kloster Liezheim vom Herzog von Neuburg um 12,000 fl. für seinen Orden gewinnen, die Hosmark Dasing ankaufen und das Beste des Stiftes in jeder Weise fördern. Unter seiner Leitung wurden die Wissenschaften gepflegt und strenge Klosterzucht geübt. An die Universität Salzburg, deren Präses er war, sendete er mehrere ganz vorzügliche Lehrer, und mehreren auswärtigen Klöstern gab er aus seinem Convente vortreffliche Aebte. Vom Bischof von Augsburg ward er als Visitator der Benediktinerklöster im Augsburgischen ausgestellt. Als solcher war er bemüht, allenthalben den Geist des h. Benedikt in den Klöstern wieder zu erwecken und wissenschaftliches und religiöses Leben überall zu begründen. Unter all den Stürmen des Krieges und der unausgesetzten angestrengtesten Thätigkeit erreichte dieser Abt doch ein Alter von 77 Jahren. Im Jahre 1662 hatte er sein Jubiläum gefeiert, am 14. Mai 1664 vollendete er sein thatenreiches Leben. Sein Leichnam ward bei St. Ulrich begraben. Von ihm besitzen wir noch ein Betrachtungsbuch für die Novizen (Loala oooli), die Lasilina LL. Ilckalriai et -^trae und ein Tagebuch über den Schwedenkrieg von 1632—1634 (LxeAösis reruw Lueea-^uAustanum und dasselbe Buch deutsch unter dem Titel Schwed-Augsburg). Unter ihm starben auch die zwei berühmten Historiographen Karl Stengel und Regin- bald Möhner. Am 10. Juni 1664 wurde der bisherige Prior Gregor Jos, ein ge- borner Augsburger, zum Abte gewählt. Der Bischof ernannte ihn zugleich zum Visitator der Bencdiktinerklöster. Er hatte bald nach seiner Priesterweihe das Amt eines Subpräfektes und später das eines Oekonom im Con- vikte zu Salzburg verwaltet, dann war er Novizcnmeister, darauf Pfarrer und im Jahre 1656 Prior im eigenen Kloster geworden. Bei seinen gründlichen theologischen Kenntnissen war er auch tüchtiger Musiker und verständiger Architekt. Das sehr baufällige Kloster führte er fast ganz neu auf, die Klosterzucht überwachte er mit Strenge und von allen seinen Mönchen forderte er wissenschaftliche Thätigkeit. Zu diesem Zwecke bereicherte er die Bibliothek mit auserlesenen Werken und überzeugte sich von den Fortschritten seiner Mönche in Disputationen und Prüfungen. Allein schon nach zehn Jahren (1674) ward er in die Ewigkeit abberufen und an seine Stelle am 26. November 1674 der Prior Roman Daniel, wiederum ein Augs- burger, erwählt. Derselbe hatte in Dillingen und Salzburg studirt, dann die Pfarrei St. Ulrich als unermüdet eifriger Seelsorger pastorirt und seit 1671 das Priorat versehen. Fünf Jahre lang ward er und sein Stift von den kaiserlichen Truppen in Winterquartieren hart bedrängt; er aber tröstete sich mit dem leidenden Heilande und mit der schmerzhaften Mutter, deren Verehrung er außerordentlich förderte. Dem Kloster verschaffte er einen goldgestickten Ornat, der 2000 fl. kostete. Die jüngeren Religiösen schickte er zur weiteren Ausbildung theils nach Rom, theils nach Jngolstadt und Salzburg. Auch im eigenen Stifte wurde Philosophie und Theologie studirt. Unter seiner Regierung wurde in seinem Stifte die Wahl Joseph's I. zum römischen Könige mit großer Feierlichkeit vorgenommen. Er starb am Schlagflusse den 2. März 1694. Zehn Tage nach Romans Tod wählten die Conventualen den Wili- bald Popp aus Rain zum Abte. Derselbe war vorher Novizenmeister und Musikdirektor gewesen und hatte sich die Achtung und Liebe aller seiner Mitbrüder erworben. Als Abt lebte er ganz wie ein einfacher Mönch im Chor, bei Tisch und bei Exercitien. Ueberall war er Diener und Vorbild Aller. Zur 7. Säkularfeier der Einführung der Benediktiner bei St. Ulrich (1712) ließ er die Kirche restauriren, ein majestätisches, harmonisches Geläute herschaffen und das Gotteshaus mit kostbaren Ornaten schmücken. Was die Kirche noch in letzter Zeit an Kostbarkeiten besaß, war größtentheils dem frommen Abte Wilibald zu danken. Auf dem bayerischen Lechfelde erbaute er zu Ehren der h. Afra einen prachtvollen Tempel mir zwei Thürmen, der zur Zeit der Säkularisation in ein Pulvermagazin verwandelt wurde. Mehreren dem Stifte untergebenen Gemeinden baute er neue, schöne Pfarrkirchen. Eine derselben, in Erkhausen, hat die Säkularisation wieder niedergerissen. — Mit noch größerem Eifer sorgte er für wissenschaftliche Bildung seiner Conventualen, von denen er mehrere als Professoren nach Salzburg und Freising abgeben konnte. Unter seinen Zöglingen zeichneten sich Cor- binian Kham, Cölestin Mayr, Roman Kistler, Joseph Zoller, Benno Ruep und I. von Falkcnstein als Schriftsteller aus. Am 1. Januar 1728 feierte Abt Wilibald sein Jubiläum, am 11. Juni 1735 starb er im 82. Jahre seines Lebens, im 42. seiner Regierung. Aus ihn folgte Cölestin Mayr von Donauwörth. Er war nach seiner Priesterweihe Novizenmeister und dann Professor der Philosophie und Theologie an der Universität in Salzburg gewesen, wo ihm Anfangs das Amt eines Vicerektors, dann das eines Prokanzlers und endlich das eines Rektor Magnifikus übertragen wurde. Letzteres verwaltete er 3 Jahre lang, dann wurde er Propst in dem mit St. Ulrich verbundeneu Kloster Liezheim, wo er die schöne, prachtvolle Kirche erbaute. Als Abt zeichnete er sich wie sein Vorfahrer durch Liebe und Milde und durch aufrichtige Demuth aus. Jedes Lob verachtend, verbat er sich selbst eine Leichenrede nach seinem Tode, der ihn dem Stifte nach den trau- — 133 — rigen Verheerungen und Erpressungen des bayerischen Successionskrieges am 19. März in einem Alter von 74 Jahren entriß. Nach so vielen Aebten vom Plebejerstande wußte endlich der Patrizier Joseph Maria von Langenmantel die Insel und den Stab des St. Ulrichsklosters an sich zu bringen. Er war vorher Großkellner gewesen und zählte beim Antritte seiner Regierung 43 Jahre. Durch äußeren Anstand und adeliges Benehmen wußte er die Gunst der Fürsten sich zu gewinnen; bei seinen Ordensbrüdern aber erweckte er durch Mißtrauen und Verschlossenheit mehr Furcht als Liebe. Papst Pius VI. zeichnete ihn während seines Aufenthaltes in Augsburg vor allen Prälaten besonders aus. Am 4. Mai 1782 las derselbe auf dem Choraltare die h. Messe, besuchte die Gruft des h. Ulrich und verehrte die Reliquien desselben. In den ersten Jahren seiner Regierung herrschte im Kloster noch Zucht und Ordnung, als aber in der Folge die ökonomischen Verhältnisse immer verwirrter und die Schulden und Schuldforderungen immer unerschwinglicher wurden, ging es auch in dieser Hinsicht abwärts. Der Abt wollte nämlich ganz allein, eigenmächtig und ohne Rücksprache mit dem Convente herrschen. Erfahrene, redliche und treue Männer entfernte er aus ihren Aemtern, und in Wiederbesetzung derselben traf er insgemein eine recht unglückliche Wahl. Nachdem er lange in so ungeschickter Weise gewirthschaftet und verschwenderischer Auswand gemacht worden war, kam man zu der schrecklichen Ueberzeugung, das Stift müsse zu Grunde gehen, wenn nicht schleunige Hülfe geschafft würde. Jetzt nahm der Convent die Sache in die Hand und brachte es durch weise Einschränkung und durch vernünftige Haushaltung dahin, daß ungeachtet der vielfältigen Behinderung durch den Abt bis zu dessen Tod im Jahre 1790 zwei Dritttheile der Schuldenmasse, die über eine Million betragen hatte, getilgt wurde. Nach dem Tode des Patrizier's Langenmantel wählten die Mönche den Sohn armer Eltern in Augsburg, einen Mann von Verstand, gutem Willen und ausgezeichneter sittlicher Kraft. Es war dies Wikterp Grundner, der bisherige Archivar und Sekretär des Stiftes. Früher hatte er an der Universität Salzburg Kirchengeschichte und Kirchenrecht gelehrt. In der trübseligen Zeit der Verhandlung wegen der Ueberschuldung des Stiftes war er mit verschiedenen Aufträgen in Wien und München betraut worden, die er allesammt zum Besten des Klosters zu bereinigen wußte. Selbst mit der Armuth von Jugend auf vertraut, ward er ein Vater der Armen und ein Helfer der Nothleidenden. Seine geistlichen Mitbrüder suchte er durch Liebe, seine Gegner durch Wohlthun sich zu gewinnen. Das Archiv ward unter ihm geordnet, die Bibliothek bereichert, das physikalische Museum wurde mit neuen Instrumenten versehen und ein Naturalien-Cabinct ward angelegt. Bei den Fürsten war er wegen der Klarheit seiner Einsicht, wegen der Aufrichtigkeit seines ganzen Wesens und wegen seines redlichen Strebens sehr beliebt; den Gelehrten war er Freund und Gönner. Mehrere derselben dedicirten ihm ihre Werke. Die vielen Sorgen und Mühen, die Drangsale und drohenden Gefahren der französischen Revolution und die lästigen Einquartierungen zerrütteten seine ohnehin schwächliche Gesundheit der Art, daß er sein Leben nur bis in sein 51. Jahr zu fristen vermochte. Er empfing noch die h. Sterbesakramente, verordnete, daß sein Leichnam ohne allen Prunk begraben werde und starb den 22. Januar 1795. In dieser trübseligsten Epoche des Stiftes ward Gregor II. Schäfler, der Sohn armer Leute von Augsburg, zum Abte von St. Ulrich erwählt. Er hatte vorher in mehreren Pfarreien des Stiftes die Seelsorge mit größtem Eifer und von 1799—1795 die Kanzel von St. Ulrich mit großem Segen versehen. Die Geschäfte der Regierung und der Oekonomie waren ihm ganz fremd; allein deßungeachtet wußte er sein Ansehen zn behaupten. Frei von allem Stolze, ein Mann von einfachem, geradem Charakter, wich er dem Umgange mit den Großen des Reiches so viel als möglich aus; er lebte selbst äußerst sparsam und führte, wie es die Zeit erforderte, die Sparsamkeit in seinem Kloster durchgängig ein. Mit seinen Ordensbrüdern stand er im freundschaftlichsten Verhältnisse, und die angesehensten Männer freuten sich des trauten Umganges mit ihm. Im Jahre 1796 kamen eine Menge Flüchtlinge aus dem Schwarzwalde, aus der Schweiz und aus Schwaben in's Stift. Dasselbe hatte schon bei den Durchmärschen durch Einquartierungen und allerlei Kontributionen hart gelitten. Im Juli d. I. ging man damit um, die bedeutendsten Schätze des Stiftes durch die Flucht zu retten; allein man änderte den Entschluß, verbarg die besten Habseligkeiten und erwartete mit Furcht und Bangen den Ueberfall der Sanscülotten, die am 23. August die Stadt besetzten, im Kloster verschiedene Bureau's ausschlugen und sich köstlich füttern ließen. Am 21. September verbrannten sie noch vor ihrem Rückzüge die Lechbrücke, die das Stift in den folgenden Jahren wieder aufbauen mußte. Dieser Bau kostete 19,999 sl. Um diese Kosten zu bestreiken und die Gläubiger zu befriedigen, wurde das eingeschmolzene Silber nebst mehreren Revennen verkauft. Die Drangsale wurden immer größer. Im März 1799, als die österreichische Armee in Oberschwaben gegen die Franzosen vordrang, sollte das Stift in ein Militärspital umgewandelt werden. Der Kurfürst Clemens Wenzeslaus verhinderte dies, weil die Conventualen von St. Ulrich zur Pflege der Seelsorge in der Stadt unumgänglich nothwendig waren. Statt ihrer mußten nun die Karmeliten ihr Kloster räumen und den Soldaten überlassen. — Als im Monat Mai des folgenden Jahres die Franzosen wieder Augsburg besetzten, mußte St. Ulrich alles Kirchensilber ein- schmelzen und verwerthen lassen, um die fast unerschwinglichen Kontributionen leisten zu können. Bald darauf wurde das ganze Kloster mit Ausnahme — 140 — der Abtei, des Conventes und der Kanzlei zu einem Lazarethe für Verwundete mit Gewalt eingeräumt und vom 2. Juli 1800 bis Ende März 1801 als solches benutzt. Nach dem Lüneviller Frieden glaubte man wieder Ruhe hoffen zu dürfen und der Abt wendete Alles auf, das Gebäude wieder wohnlich herzustellen und die Schuldenlast zu tilgen. Allein auf dem Reichstag-Kongresse zu Regensburg im Jahre 1802 ward die allgemeine Säkularisation sämmtlicher Stifte im Widersprüche mit dem geschlossenen Frieden ausgesprochen, und Bayern kündigte schon im August d. I. dem Abte die militärische Besitznahme seines Klosters an, die dann im September wirklich erfolgte. Alle Bemühungen des Abtes, die Existenz seines Klosters zu sichern, waren umsonst. „Man wird mit Ihnen keine Ausnahme machen" — war die Antwort auf alle seine Vorstellungen und Bitten. Am 12. Dezember 1802 kündigte eine Commission dem Abte die Auflösung seines Stiftes und das Ende seiner Regierung an. Der Abt vernahm die Sentenz mit unerschrockenem Muthe und mit vollkommener Ergebung in den göttlichen Willen. Nun wurde Alles in Beschlag und unter Siegel genommen und den Stistsbeamten nach vorhergehender Beeidigung die Administration übergeben. Der seiner Regierung entsetzte Abt Gregor tröstete seine Mitglieder und ermähnte sie zur Ordnung und gewissenhaften Erfüllung ihrer Pflichten, von denen sie keine weltliche Obrigkeit entheben könne, und zur Einigkeit und Sündhaftigkeit. Die Conventualen blieben mit ihrem Abte vereint, besorgten den Gottesdienst und die Pastoration der Pfarrei wie früher und empfingen dafür nur die Stolgebühren. Im Jahre 1804, in einer Zeit, wo alles Religiöse verhöhnt und verspottet wurde und die Irreligiosität gewaltig überHand nahm, feierten sie noch das 15. Säkulum der h. Afra, wo auch die Reliquien der h. Martyrin erhoben und vom Bischof und Kurfürsten Clemens Wenzeslaus mit großer Festlichkeit in einen neuen Sarg eingeschlossen wurden, in dem sie sich noch befinden. Nach der Schlacht bei Ulm wurden eine Nacht lang mehrere hundert österreichische Gefangene bei grimmiger Kälte in der St. Ulrichskirche eingesperrt. Bald darauf ward das Kloster in ein französisches Spital umgewandelt, in dem wegen schlechter Vorkehrung eine gefährliche ansteckende Krankheit ausbrach, welche auch vier Priester des aufgehobenen Klosters, die der Krankenpflege sich gewidmet und den Sterbenden die h. Sakramente gespendet, dahin raffte. Auch der Abt ward von der Epidemie ergriffen und starb nach Empfang der h. Sakramente den 14. Januar 1806. Jetzt befahl der Bischof den noch vereinigten Geistlichen des Stifts, den durch die Franzosen verpesteten Ort zu verlassen und sich anderswo Unterkunft zu suchen. Nur der Pfarrverweser, der ehemalige Subprior und P. Thosso Roth blieben noch im Klostergebäude, bis es von der Krone Bayerns, dem -141 — es durch den Presburger-Frieden (26. Dezember 1805) zugefallen war, zu einer Kaserne gemacht wurde. Die ehemaligen Conventualen blieben noch über 1 Jahre in einem anderen Hause vereint, versahen den Gottesdienst in ihrer Kirche, pflegten die sehr beschwerliche Seelsorge in der ganzen Pfarrei und erhielten dafür nur ganz ärmliche Stolgebühren, bis sie am 18. November 1810 nach erfolgter Organisation der Pfarrei aus ihrem Wirkungskreise hinausgestoßen wurden. Auf die neuorganisirte Pfarrei wurde der ehemalige Kanoniker von Polling Vigelin Schlegel als Pfarrer gesetzt. Dieser starb schon am 12. Februar 1811 und an seine Stelle kam Ludwig Albrecht, bisher Pfarrer von St. Georg, und nach dessen Tod am 4. März 1814 der frühere Pfarrverweser von St. Ulrich, Benedikt Abt, der von der Pfarrei St. Georg wieder aus diese Pfarrei gefördert wurde und sie bis zum Jahre 1847 verwaltete. Der im gothischen Stile als Kreuzkirche gebaute majestätische Tempel des h. Ulrich und der h. Afra steht als eine der größten Zierden der Stadt auf einer Anhöhe und gewährt dem Auge von zwei Seiten, von Osten und von Süden, einen imponirenden Anblick. Das Innere dieser Kirche stimmt Jeden zur Ehrfurcht und Andacht. Kunstkenner staunen über die durchgängig kunstgerechte Ausführung des großen Gedankens, der dem Plane zu Grunde gelegen. Sie besteht aus dem Langhause, das in drei Schiffe sich theilt, von denen das mittlere 100 Fuß und die beiden Seitenschiffe je 50 Fuß in der Höhe messen, und aus den drei Chören, dem Hauptchor, dem Chor des h. Ulrich und dem der h. Afra, von denen die beiden letztern die Arme der Kreuzkirche bilden. Das mittlere Schiff ruhet auf 8 kolossalen, aus hartem Stein gehauenen gothischen Pfeilern, die in die Breite 8 Fuß 9 Zoll, in die Dicke 5 Fuß 7 Zoll messen. Die Wölbung der Schiffe stellt eben so viele mit Gurten verstrickte Gewölbe, als Bogen, sind vor und ihre Länge beträgt 187 Fuß 5 Zoll. Die Arme des Kreuzes, die beiden Seitenchöre, sind 49 Fuß lang, das Hauptchor hat eine Länge von 82 Fuß 3 Zoll und eine Breite von 39 Fuß 9 Zoll. Die Höhe und Wölbung der Chöre ist der des Mittelschiffes gleich. Die ganze Länge der Kirche mißt 318 Fuß 8 Zoll; die Breite 94 Fuß 6 Zoll; die Höhe 100 Fuß. Das Licht erhält diese Kirche durch 42 Fenster von verschiedener Größe, die zum Theil durch Glasmalereien altdeutscher Kunst geziert sind. Rechts und links am Chöre erheben sich die zwei Thürme, von denen jedoch der erstere nur bis unter das Dach aufgeführt wurde. Der Thurm auf der linken Seite wurde vom Abt Jakob Köplin im Jahr 1594 bis zu der Höhe aufgeführt, in der wir ihn jetzt noch sehen. Derselbe hat eine Höhe von 320 Fuß und ruhet auf einem Fundamente von 20 Fuß. Die Höhe bis zum Gewölbe beträgt 100 Fuß, vom Gewölbe bis zu den Glocken 60 Fuß, von diesen bis zu dem aus harten Steinen gefertigten Gange um den Thurm herum 30 Fuß, und von da bis zur Kuppel 20 Fuß. Die 142 — Kuppel soll 50 Fuß Höhe und das Uebrige bis zur Koppe noch 10 Fuß haben. Der vergoldete Knopf hat, wie berichtet wird, einen Durchmesser von 4^/z Fuß und faßt 4 Scheffel Korn. Bis über die Glocken ist der Thurm im Vierecke gebaut, von da an erhebt er sich weiter im Achtecke. Nach dem ursprünglichen Plane sollten zu diesem herrlichen Tempel vier Portale führen; es wurden aber nur drei gebaut, ein südliches, ein nördliches mit einer aus Stein gehauenen Fa?ade und ein drittes am evangelischen Predigthause, das durch dies Haus versperrt wurde. Das vierte hätte ebenfalls eine Fayade aus Stein erhalten, und die westliche Seite zieren sollen. Gegenwärtig sind alle diese Portale versperrt, das nördliche durch den Garten des protestantischen Pfarrers, das südliche durch die Kaserne, das westliche durch einen davor erbauten Bierkeller. Am 4. Juli 1873 und die ganze Oktav hindurch wurde der 900 jährige Gedächtnißtag des Todes des h. Ulrich unter ungemeinem Zulauf der Geistlichkeit und der Gläubigen höchst feierlich begangen. An einzelnen Tagen kamen 40,000—60,000 Wallfahrer dorthin, um den Schutz und die Hülfe dieses großen Heiligen anzuflehen. Das heilige Kreuz zu Biberbach. s war im Jahre 1525. Ein bayerischer Fuhrmann, welcher in's Wiirttcmbergische behufs Einkaufs von Wein gefahren war, kam auf der Straße von Donauwörth nach Augsburg mit seinem bespannten Wagen. Da gewahrte er, noch auf Württembergischem Gebiete, auf der Erde ein großes Crucifixbild, welches offenbar von den Bilderstürmern aus einer nahe gelegenen Kirche herausgeworfen war. Der Anblick dieses so schmählich und verächtlich hingeworfenen Christusbildes rührte sein Herz und er beschloß, dasselbe vor fernerer Entweihung und Verunehrung zu schützen. Daheim in seinem Bayerlande blühte ja noch der alte katholische Glaube und wenn auch dort die neue Lehre Manche irre geführt, der weitaus größere Theil des Volkes war der kath. Kirche treu geblieben. So lud er denn das Kreuzbild auf seinen Wagen und bedeckte es mit dem Wagentuche, um es den Blicken etwaiger des Weges kommender Bilderstürmer zu entziehen. Glücklich und wohlbehalten kam er nach Biberbach, als die Pferde an der den hh. Jakobus und Laurentius geweihten Kirche stehen blieben und durch keine Bemühungen von der Stelle zu bewegen waren, bis das Christusbild vom Wagen gehoben und in die Kirche gebracht war. Dort nun war das Bild bald ein Gegenstand allgemeiner Verehrung, welche durch mehrere wunderbare Gebetserhörungen noch vermehrt wurde. - 143 — Während im dreißigjährigen Kriege der Schwedenkönig Gustav Adolph am 24. April 1632 in Augsburg einzog, verweilten dessen Gemahlin längere Zeit in dem Fugger'schen Schlosse zu Markt in der Pfarre Biberbach. Ihr Hosprediger wüthete gegen alles Katholische und namentlich war ihm die fromme Verehrung des Christusbildes in Biberbach ein Greuel. Er ließ dasselbe unter Flüchen, Verwünschungen und wüsten Spottreden von der Wand herabreißen, demselben beide Arme und den linken Fuß abschlagen und den Rest als Vogelscheuche auf das offene Feld pflanzen. Die erschrockenen Einwohner ergriffen die Flucht, der Pfarrer, Ulrich Zusenschneider, wurde von den Schweden erschossen. Jedoch nicht lange darauf stürmte eine Abtheilung Croaten das Schloß Markt und machten alle Schweden, die nicht rechtzeitig die Flucht ergriffen hatten, nieder. Jetzt kehrten die gestüchteten Einwohner wieder zurück, sammelten alle Stücke des ihnen so theuer gewordeneu Christusbildes und verbargen es aus Furcht an einem dunkeln Orte des Kirchenbodens, wo es 1632 bis 1655 blieb und allmählich in Vergessenheit kam. Da geschah es, daß am Feste des hl. Jakobus und wiederum am Feste des hl. Laurentius die Kirche von einem Blitzstrahl getroffen wurde, der allerdings nicht zündete, aber doch drei Personen erschlug. Da erinnerte man sich des Kruzifixes, nahm es aus dem Versteck hervor und setzte es wieder zur öffentlichen Verehrung aus. 1681 wurde vor dem Kreuzbilde ein Altar errichtet und zugleich eine oberhirtliche Untersuchung über die vor demselben stattgehabten wunderbaren Gebetserhörungen abgehalten. Der fortwährende immer sich mehrende Zufluß zum Kreuze war die Veranlassung, daß am 16. Mai 1684 der Grundstein zu einer bedeutenden Erweiterung der Kirche gelegt wurde, welche sodann am 15. September 1697 konsekrirt worden ist. — Von einer Pilgerreise, welche der Pfarrer Antor Giether 1685 nach Rom machte, brachte dieser besondere Privilegien für die Altäre, sowie die Leiber der Heiligen Ludovikus, Valentin, Fortu- natus, Laurentius und Candida mit. Am 8. bis 14. September 1725 wurde das 166jährige und vom 8. bis 14. September 1825 das 266jährige Jubiläum feierlich begangen. Das Christusbild ist aus Lindenholz geschnitzt und ohne das Kreuz Fuß groß; es ist mit 4 Nägeln an das Kreuz geheftet und stellt mehr einen stehenden Christus dar, indem die beiden Füße aus einem Fußsockel gesondert ruhen und die Arme wagerecht ausgebreitet sind. Das Lendentuch schlingt sich in Form eines verkürzten Rockes von den Lenden bis beinahe auf die Kniee um den Leib. Statt der Dornenkrone umgibt das Haupt ein mehrfach in sich verschlungener Holzring. Wahrscheinlich stammt dasselbe aus dem 12. Jahrhundert. Mehr als 26 666 Pilger wallfahrten alljährlich nach Biberbach, vorzüglich an den Festen der Kreuzerfindung und Kreuzerhöhung, am Feste des — 144 — h. Jakobus und an den Freitagen in der Fastenzeit. Aus Augsburg zieht jährlich am 8. August eine zahlreiche Prozession dorthin. An dem wunderthätigen Kreuze befindet sich folgende Inschrift: Frommer Pilgram nimm hier in Acht: An diesem Kreuzbrett war gebracht, Im tausend fünf hundert sünf und zwanzigsten Jahr, Das uralte Gnadenbild auf dem Altar, Von Würtemberg durch ein Fuhrmann, Damals als Luther's Lehr' kam an, Die Roß und Wagen mußten stehen, Nicht wollten hier von dannen gehen, Als nun der Schwedisch Krieg kam an, Und floh von Haus fast Jedermann, Da ward dieß Gnadenbild veracht Hier unter's Kirchdach gebracht, Bis Gott nach drei und zwanzig Jahr, Dreimal mit Donner straft die Pfarr, , Man sucht und forscht der Ursach nach Und sieh es wird hier unter'm Dach Gefunden mehr das heilige Kreuz So ist bisher ein Trost allseits, Viel tausend es schon g'holfen hat, So g'fnnden Hilf hier in der That; Drum komm allher mein frommer Christ So Dir etwann auch übel ist, An Leib und Seel vertrau' auf Gott, Er kann Dir helfen in der Noth. Nvoxevil. Usnov. zum 3. Jubilmm welches gefeyert wurde vom 8. bis 14. September 1825. Bühl bei Immenstadk im Allgau. der Nähe des Gründen, der beinahe 6000 Fuß über der Meeres- fläche und 3500 Fuß über der Fläche des Albsees hervorragt, liegt eine halbe Stunde westlich von Jmmenstadt das Dorf Bühl (Bühel) mit zwei äus der Ferne sichtbaren am AbHange eines Hügels gelegenen Kirchen. Die eine ist dem h. Erlöser und dem h. Stephan geweiht, die andere aber der Mutter Gottes. Die letztere ist Wallfahrtskirche und ihre Entstehung wird wie folgt erzählt: An einem schönen Sommertage des Jahres 1665 ergötzte sich der damals regierende Graf Hugo von Königsegg-Rothenfels mit einer Kahnfahrt auf dem Alpsee. Sein Sohn Leopold Wilhelm und der Kapuziner ?. Cornelius waren bei ihm. Als sie so auf dem See gegen Bühl hinruderten, äußerte Gras Leopold, die Kapelle auf dem Bühl habe auffallende Ähnlichkeit mit der Lage der Lorettokirche in der Mark Ankona in Italien. Diese Aeußerung regte in dem Vater den Entschluß an, eine Loretto-Kapelle dort zu erbauen. Alsbald brachte er denselben zur Ausführung und am 8. September 1666 konnte der erste Gottesdienst in der neuen Kirche abgehalten werden. Am 9. Mai 1670 wurde sie durch den Weihbischof von Konstanz feierlich consekrirt. Das Gnadenbild ließ Graf Hugo durch einen Bildhauer von Loretto nach dem daselbst befindlichen Gnadenbilde anfertigen. Alsbald nach Erbauung der Kapelle strömten die Pilger aus der ganzen Umgegend hin, um die Hülfe Maria's daselbst anzurufen. Besonders aber wurde die Andacht durch ein wunderbares Ereigniß gefördert. Der Schloßvogt zu Rothenfels, Georg Friedrich Christmann, war schwer erkrankt und schien unrettbar verloren. Da machte seine Ehefrau ein Gelübde zur Mutter Gottes auf dem Bühl, worauf alsbald ein Umschlag in der Krankheit erfolgte und in Kurzem der Kranke völlig genas. Der Gründer des Gotteshauses, Graf Leopold, der sich als Reichsvicekanzler meistens in Wien aufhielt, sandte für die Kapelle ein sehr schönes Gemälde, die Verkündigung Maria's darstellend, eine treffliche Copie des berühmten Originalgemäldes in Florenz. Sein Sohn und Nachfolger, Sig- mund Wilhelm, verehrte einen prachtvollen Ornat und im Jahre 1689 nach feiner Vermählung mit einer Gräfin von Salm die beiden Vermählungsringe für Errettung aus einer Todesgefahr. Besonders im Frühjahre und Spätherbste strömen an den Samstagen unzähliche Pilgerschaaren nach Bühl hin. Vorzüglich aber am Schmerzens- tage, dem Tage der Himmelfahrt und der Geburt Mariä ist die Zahl der Pilger enorm und am letzteren Tage muß die Predigt im Freien gehalten werden, weil keine der beiden Kirchen die Zuhörer fasseu kann. Die Wallfahrt zu unserer lieben Frau in Buggenhosen. ^^wei Stunden von Donauwörth, in einem fruchtbaren Kesselthale und rings von waldigen Höhen eingeschlossen, erhebt sich in stiller Einsamkeit der freundliche Wallfahrtsort Buggenhofen mit seiner schönen, der Gottesmutter geweihten Kirche. Eine alte Sage, die sich im Munde des Volkes über 400 Jahre fortgepflanzt hat, berichtet über die Entstehung der Wallfahrt, „dem Einödbauer zu Abtsholz sei im Jahre 1471 im Traume die seligste Jungfrau erschienen und habe denselben aufgefordert, an einer 10 bestimmten Stelle im Krautgarten zu Buggenhofen nachzugraben, weil dort ein Bild von ihr in der Erde verborgen sei. Der Bauer beachtete die Aufforderung nicht und erst, als er zum zweiten und dritten Male ermahnt worden, gab er sich an die Arbeit und fand auch das jetzt noch erhaltene Gnadenbild mit dem Christuskinde auf dem linken Arme und einem Bunde verschiedenfarbiger Rohseide in der rechten Hand." Die Chronik des Klosters zum h. Kreuz in Donauwörth erzählt die Entstehungsgeschichte der Wallfahrt folgendermaßen: „Im Jahre 1471 geschah es, daß die Einwohner von Buggenhofen einen wilden mit Disteln und Dörnern besetzten Platz ausroden wollten. Da fanden sie in der Erde einen Altar, der aber theilweise verletzt war, und als sie tiefer gruben, fanden sie auch ein meisterlich geschnitztes Marienbild mit dem Kindlein auf dem Arme. Sie reinigten nun den Platz, richteten den Altar wieder auf, auf welchen sie das Marienbild stellten, und über demselben ein Dach zum Schutze. Von allen Seiten strömten bald Pilger schaarenweise hinzu und bald waren so viele Opfer gespendet, daß man daran dachte, hier eine Kirche zu bauen. Der Platz aber war eine Hofstatt des Klosters zum h. Kreuz und damit der Bau nicht verschoben werden könnte, kaufte die Gemeinde von dem Abt und Convent den Grund für die Kirche. Am 2. Oktober 1471 wurde von dem Abte Johann Strahler von Wörth und dem Abte Georg Floß von Deggingen der erste Stein zur Kirche gelegt. Eine Vertiefung unter dem Choraltar zeigt noch heute die Stelle an, wo man das Gnadenbild gefunden hat. Im dreißigjährigen Kriege wurde die Kirche dreimal vollständig ausgeplündert, aber nachdem derselbe geendigt, hob sich auch die Wallfahrt immer mehr. Zahlreich sind die wunderbaren Gebetserhörungen, welche hier stattfanden. Unter den vielen Prozessionen, welche zur hl. Maria in Boggenhofen wallfahrten, zeichnet sich besonders die von Donauwörth aus. Im Jahre 1530 wurde die Stadt und Umgegend von einer solchen Hitze heimgesucht, daß sich sogar die Wälder entzündeten. Nachdem aber Rath und Geistlichkeit diese Prozession gelobt hatten, ließ plötzlich die Hitze nach. Die Kirche ist in gothischem Style in Kreuzform gebaut. Der Hochaltar mit dem Gadenbilde und die beiden Nebenaltäre sind mit Alabaster und Gold reich verziert. Die Wallfahrt ist am bedeutendsten an dem Feste Mariä Himmelfahrt und dem Sonntage nach Phillippi und Jakobi, wo wegen des Volksandranges die Predigt im Freien gehalten werden muß. — 147 — Das Loretko-Kirchlein in der Sladt Burgau im Kreisy Schwaben und Neuburg. n der Stadt Burgau erhebt sich der Ritterberg, auf welchem ein kleines Kirchlein steht, welches von andächtigen Pilgern häufig besucht wird. Die Entstehung desselben erzählt eine alte Sage wie folgt: „Ein Ritter von Burgau lebte mit seiner Gemahlin Agnes in Friede und christlicher Eintracht. Da geschah es, daß der Ritter an den kaiserlichen Hos beschieden wurde uud in seiner Abwesenheit bestürmten plötzlich seine Feinde die Burg und nahmen sie ein. Vor Schrecken fiel die Burgfran in Ohnmacht und als sie wieder erwachte, befand sie sich in einem finstern Kerker, in welchen die Feinde sie geworfen hatten. In dieser Verlassenheit suchte sie Trost im Gebete und bat den Kerkermeister, ihr ein Bildniß der allerseligsten Jungfrau zu bringen, zu welcher sie stets ein besonderes Vertrauen gehegt hatte. Aber statt dessen gab ihr der rohe Mann ein Holzscheit mit der trotzigen Bemerkung, sie möge sich selbst ein solches daraus anfertigen. Auf ihre Bemerkung, daß sie dazu eines Messers bedürfe, reichte mau ihr ein altes verrostetes Messer, mit dem Bedeuten, es solle ihr die Freiheit geschenkt werden, wenn sie mit demselben ein Muttergottesbild zu Stande bringe. Im Vertrauen auf Gott ging Agnes hurtig an's Werk, sah aber bald ein, daß ihr Bemühen vergebens sei. Ermattet schlief sie endlich ein. Da erfüllte plötzlich ein himmlischer Glanz das finstere Gefängniß und im Traume sah sie die Mutter Gottes vor sich stehen, welche sie gar freundlich also anredete: „Dein großes Vertrauen, das Du immer zu mir getragen, will ich nicht unbelohnt lassen. Hier sind drei Bilder von mir. Nach deiner Befreiung baue mir an dieser Stätte ein Kirchlein und stelle eines davon in demselben zur Verehrung der Gläubigen auf. Das zweite aber sende nach Rom und das dritte nach Paris. Vertraue auch fernerhin meinem mütterlichen Schutze." Als am folgenden Morgen die Feinde kamen, um über sie wegen des Muttergottesbildes, das sie aus dem Holzscheite verfertigen sollte, zu spotten, zeigte die Burgfrau ihnen die drei Bilder, welche sie beim Erwachen neben sich gefunden hatte. Entsetzen ergriff nun die Bösewichter und sie führten Agnes in die Gemächer, welche sie früher bewohnt hatte. Sie aber spähete auf eine Gelegenheit zu entfliehen und da sich diese nach einigen Tagen darbot, führte sie ihren Vorsatz aus. Schon war sie bis zum Dorfe Rösingen gekommen, da merkten die Feinde ihre Abwesenheit und alsbald verfolgten sie ihre Spur. Aber auch jetzt fand Agnes Schutz; es entstand plötzlich bei heiterm Himmel hes war im Monat August) ein heftiges Gewitter mit e»uem 10* 148 — so furchtbaren Schneegestöber, daß alle weitere Verfolgung unmöglich war. So kam Agnes in Sicherheit, bis ihr Gemahl zurückkehrte, die Burg eroberte und im Triumphe mit seiner Gemahlin in dieselbe einzog. Agnes säumte nun nicht, an der Stelle ihres Gefängnisses eine Kapelle erbauen und das wunderbare Muttergottesbild in derselben aufstellen zu lassen." Das gegenwärtig? Kirchlein wurde 1692 von den Bürgern der Stadt nach der Gestalt des Hauses von Loretto aufgebaut. Auf einem einfachen Altare befindet sich das Gnadenbild und fortwährend strömen fromme Gläubige hierhin, um sich dem Schutze Maria's zu empfehlen. Die Wallfahrt zu den stellen Schmerzen Mariens in Elchingen. er mit der Eisenbahn von Ulm nach Heidenheim fährt, erblickt etwa 19 Kilometer von Ulm, beiläufig lU/z Kilometer vom linken Donauufer entfernt an einer die ganze Gegend beherrschenden Anhöhe ein terassenförmig ganz in Obstbäumen eingehülltes Dorf, dessen höchster östlicher Theil von einer großen, 325 Fuß langen Kirche gekrönt wird. Es ist der 531,2 Meter über der Meeresfläche erhabene Wallfahrtsort Ober- Elchingen, früher eine reiche Benediktinerabtei, aber seit 1802 säkularisirt. Theils der herrlichen Lage und reizenden Aussicht wegen (man sieht hier 10 Städte und zahllose Ortschaften) wird dieser Punkt von Touristen häufig besucht, und ist besonders im Sommer ein beliebter Ausflugsort, so daß fast kein Sonn- und Feiertag vergeht, an welchem nicht ganze Gesellschaften mit Musikbegleitung auf schön geschmückten Kähnen die Donau herunterschwimmen und in Elchingen Einkehr nehmen. Auch die Eisenbahn bringt viele Be-> sucher hieher. Das Kloster Elchingen wurde im Jahre 1128 vom Herzog Konrad von Sachsen und seiner Gemahlin Lucia, einer Schwester des Kaisers Konrad III. gegründet, und nachdem es im Jahr 1142 abgebrannt war, durch den Grafen Albert von Navenstein neu aufgebaut und mit vielen Gütern dotirt. Schon vor der Gründung dieses Mosters stand in dessen Nähe eine dem h. Pankratius geweihte kleine Kirche, welche (nach den Klosterakten) die erste christliche Kirche in dieser Gegend gewesen sein soll. Deßwegen wurde sie auch vom Kloster sorgfältig im guten baulichen Zustande erhalten. Nach der Säkularisation dagegen kümmerte sich Niemand mehr darum; sie zerfiel und wurde 1843 abgebrochen. - 149 — Das Kloster Elchingen hatte von seiner Gründung an bis zu seiner Auflösung sehr traurige Schicksale, brannte fünfmal ab, das letzte Mal am 10. Mai 1773, wo der Blitz in den Kirchthurm schlug und die ganze Kirche m Asche legte. Jetzt wurde die Kirche vom Abte Robert I. ganz neu und viel schöner aufgebaut, als sie früher gewesen war. Sie ist dreischiffig mit 9 Altären im Renaissancestile aufgebaut und gewährt durch ihre Stukkaturen, reichliche Vergoldung und ihre unvergleichlichen, vom kurfürstlich trierischen Hofmaler Januarius Zick ausgeführten Fresko-Gemälde einen majestätischen Anblick. Sie sollte zwei hohe Thürme erhalten, bis zu deren Vollendung hinter dem Chöre ein Jnterimsthurm angebracht wurde, allein die im Jahre 1802 erfolgte Säkularisation, wodurch das ganze Kloster mit allen seinen Schätzen und Gütern an Bayern kam, machte diesem schönen Plane ein Ende. Von aller Herrlichkeit, welche Elchingen besaß, ist ihm lediglich seine unvergleichlich schöne Wallfahrtskirche geblieben. Denn sämmtliche Kloster- gebäulichkeiten wurden auf deu Abbruch verkauft und niedergerissen. Doch die Andacht zur Siebenschmerzen-Mutter konnte nicht mit dem Kloster demolirt werden, sie wurzelte zu tief in dem gläubigen Volke. In der Kirche ist nämlich ein wunderbares Gnadenbild, „Mariä sieben Schmerzen" genannt. Dasselbe ist von Holz, etwa 4 Fuß hoch und, wie fast alle Marienbilder, bekleidet. Der Ausdruck des Gesichts ist zwar wehmüthig, aber wunderbar lieblich. Sieben Schwerter stecken in ihrer Brust. Dies Bild ist in einer Seitenkapelle links vom Kreuzaltare in einer von einem Baldachine überragten Nische oberhalb des Altares ausgestellt. Acht von Holz geschnitzte anbetende Engel mit Rosenkränzen umschweben die Gnadenmutter. Diese Kapelle selbst ist durch ein kunstvolles eisernes, theilweise vergoldetes Gitter abgeschlossen. Woher dies Bild kam, oder wann es aufgestellt wurde, ist unbekannt. Es muß aber schon sehr alt sein, weil die ältesten Klosterakten schon davon Erwähnung thun, als von einer berühmten Wallfahrt zu den sieben Schmerzen Mariens. Im Jahre 1485 machte Kaiser Friedrich III. von Ulm her eine Wallfahrt nach Elchingen, und zur Dankbarkeit für den ihm dort zu Theil gewordenen Empfang gab er dem Abte das Privilegium, den doppelten Adler an den Klostergebäulichkeiten anzubringen, d. h. das Kloster Elchingen wurde für ein freies Reichsstift erklärt. Den 6. April 1715 kam der bayrische Kurfürst Max Emanuel mit 3 Söhnen nach Elchingen, um vor dem dortigen Gnadenbilde seine Andacht zu verrichten. Derselbe schenkte der Kirche ein kostbares silbernes und vergoldetes Meßlavoir und dergleichen Kännlein, welche noch vorhanden sind. Auch der Reichsfreiherr Wilhelm von Stotzingen und dessen Gemahlin Euphrosine, geb. Freiin von Stein kamen oft nach Elchingen wallfahren und schenkten der dortigen Kirche uuuo 1645 eine kostbare Reliquie, nämlich ' — 150 einen Dorn von der Krone Christi in einem prächtigen silbernen Gehäuse, einer Art Monstranz von gothischer Arbeit, welche jetzt noch die Bewunderung aller Beschauer erregt. Dieser Edelmann ließ sich auch in die anno 1644 in Elchingen errichtete Bruderschaft „zu den sieben Schmerzen Mariens" einschreiben. Die Kirche erhielt aber von frommen Wallfahrern noch zahllose werthvolle Gegenstände, die aber alle bei der Säkularisation des Klosters spurlos verschwanden. Merkwürdig ist ein anderer hoher Besuch in Elchingen, nämlich der Napoleons. Derselbe fand sich aber nicht ein, um eine Wallfahrt daselbst zu verrichten, sondern um nach dem Siege über den österreichischen General Mack am 14. October 1805 sein Hauptquartier daselbst aufzuschlagen. Wegen dieses Sieges wurde Marschall Nep, der Lenker dieser Schlacht, noch am Nachmittage desselben Tages zum „Herzog von Elchingen" ernannt. Dann, als Ncy vor Napoleon trat, empfing ihn dieser sehr freundlich und sprach: „Marschall! Ich gratulire Ihnen zu Ihrem glücklichen Erfolg. Er kommt uns zwar theuer zu stehen, das ist wahr; aber Herzog eines so schönes Ortes genannt zu werden, ist auch nicht zu verachten. Was sagen Sie dazu." Uebrigens hausten die Franzosen damals furchtbar in der Kirche, welche sie in einen Pferdestall und Lazareth verwandelt hatten und trieben dort ihren Muthwillen mit Dingen, welche selbst den Barbaren heilig zu sein pflegen. Nach dem Abzüge der Franzosen und der Reinigung des Heiligthums kehrte in dasselbe wieder die andachtvolle Ruhe, welche auch nie mehr unterbrochen wurde. Der damalige Pfarrer und frühere Conventual P. Peter Martin mit einigen Klosterpensionisten, darunter der am 15. Januar 1857 im Rufe der Heiligkeit verstorbene und noch jetzt nicht vergessene P. Julian Edelmann, besorgten die Wallfahrt mit unermüdlichen Eifer. Der hochselige Ignatz Albert von Riegg, Bischof von Augsburg war für Elchingen so eingenommen, daß er es am 3. August l829 mit seinem Besuche beehrte und am 10. August 1835 daselbst firmte. Da seit dem 6. Januar 1876 die Ulm-Heidenheimer Bahn an Elchingen vorbei führt, so bringt fast jeder Zug Wallfahrer hierher, so daß die Kirche zu keiner Stunde des Tages leer ist. Besonders sind die Katholiken aus Ulm, und zwar aus den vornehmsten Ständen daselbst, eifrige Besucher der Elchinger Wallfahrt, und was das auffallendste ist, selbst viele und angesehene Protestanten kommen hierher zur Wallfahrt und beten mit einer solchen Andacht vor dem wunderthätigen Gnadenbilde, daß man mit Christus dem Herrn sagen möchte: „Wahrlich einen solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden." — Am besuchtesten sind die beiden Hauptfeste, nämlich Maria sieben Schmerzen und das Bruderschaftspatrocinium. An letzterem, — 151 — welches alljährlich am dritten Sonntage nach Pfingsten gehalten und der hohe Umgang genannt wird, kommen schon am Vorabende Tausende von Wallfahrern in großen Zügen unter Beten und Singen daher, um der schmerzhaften Mutter ihr Vertrauen zu beweisen und sie um ihre Fürbitte bei ihrem göttlichen Sohne anzuflehen. Ferner wird an jedem ersten Sonntage eines Monats nach dem Amte eine Prozession gehalten, unter welcher der Siebenschmerzen-Rosenkranz gebetet und am Ende in der marianischen Kapelle der Versikel: Orn pro nodis VirZo äolorosissiura eto. sowie die Oration: lutsrvouiat Kto. vom Priester gesungen wird. Zu bemerken ist noch, daß sich in den Jahren 1644—1690 der bekannte Pater Martin von Cochem im Kloster Elchingen aufhielt und sein Gebetbuch: „das geistliche Mprrhen-Büschlcin" daselbst verfaßte. Unsers Hhrrn Ruhe bhi Friedb^rg. s^j^nderthalb Stunden von Augsburg entfernt, an der Landstraße kA>^nach München, erhebt .sich auf einer ziemlichen jAnhöhe das Städtchen Friedberg und kaum eine Viertelstunde davon entfernt liegt die Wallfahrtskirche „Unseres Herrn Ruhe" mit dem städtischen Friedhofe. Die Entstehung dieser Wallfahrt wird wie folgt erzählt. Ein Bürger von Friedberg war nach dem gelobten Lande gepilgert und dort in türkische Gefangenschaft gerathen, in welcher er die härtesten Sklavendicnste verrichten mußte. Zu Jerusalem war er in den Besitz eines aus Holz geschnitzten Bildes gelangt, welches den göttlichen Heiland auf dem Kreuze ruhend darstellte und vor diesem Bilde gelobte er, in der Heimath eine Kapelle zu erbauen, wenn er mit Gottes Hülfe aus der Gefangenschaft befreit dorthin wieder gelangen werde. Glücklich kam er nach Friedberg zurück und erfüllte auch alsbald sein Gelübde, indem er auf seinem Acker an einer Stelle, die von Friedberg gerade so weit entfernt ist, als der Cal- varienberg von Jerusalem, eine Kapelle erbauen ließ, in welche er das mit gebrachte Bildniß aufstellte. Auf dem Wege von der Stadt nach der Kapelle ließ er in gleicher Entfernung wie zu Jerusalem die Stellen der drei Kreuzfälle des Heilandes durch gemauerte Säulen bezeichnen. Fast 100 Jahre stand die Kapelle, da sah man sich im Jahre 1496 genöthigt, wegen des Zudranges der Wallfahrer dieselbe zu vergrößern welches sodann unter Zufügung einer Meßnerwohnung 1606 abermals geschehen mußte. In diesem Jahre wurde sie von dem Weihbischofe Sebastian Priner aus Augsburg konsekrirt. Wir wollen hier einige wunderbare Erscheinungen mittheilen, welche, uns durch die Chrnoisten aufbewahrt worden sind. Am 6. Juli 1609 besuchten diese Kirche Maria Magdalena von Langenegg, Äbtissin des adeligen Stiftes zu St. Stephan in Ausburg und Anna von Wertenstein, Acbtissin von Edelstetten mit zwei Stiftfräuleins, einer Kammerjungfer und einem Bedienten. Magister Eustach Sedelmayer von Friedberg hatte ihnen die h. Messe in der Kirche gelesen, wobei auch der Meßner, sein Weib und sieben Leprosen, welche in dem zu Friedberg gehörigen Siechenhause wohnten, zugegen waren. Während der h. Messe und bis zum Schlüsse derselben hörten Alle eine liebliche Musik, als wenn sie von vielen hundert Glöcklein und Instrumenten herkäme. Einige der Anwesenden gingen während der h. Messe aus der Kirche, aber dort sahen sie weder einen Menschen, noch hörten sie die Musik, bis sie wieder in die Kirche eintraten. Am 24. September 1719 reiste Anton Lechner, Raths- und Handelsherr aus München nächtlicher Weise zu Pferde auf der Straße nach Friedberg. Als er in die Nähe von Unsers Herrn Ruhe kam, sah er von den Kirchenfenstern ein sehr Helles Licht herausstrahlen und hörte zugleich eine herrliche Musik. Als er nun näher zur Kirche heranreiten wollte, entstand plötzlich ein so heftiger Sturm, daß er seinen Weg nicht weiter fortsetzen konnte. Als in der ersten Oktoberwoche 1720 fünf Personen von Friedberg gegen 11 Uhr Nachts in der Nähe der Kirche mit dem Lerchenfang beschäftigt waren, strahlte drei Nächte hindurch ein Helles Licht von der Kirche auf die Aecker hinaus, so daß die Lerchen dadurch aufflogen und nicht gefangen werden konnten. Zugleich hörten Sie gar lieblich die Orgel spielen. Diese Erscheinungen veranlaßten einen so lebhaften Besuch der Wallfahrtsstätte, daß man beschloß eine große, prachtvolle Kirche zu bauen. Der damalige Stadtpfarrer, Maximilian Freiher von Egckher verfügte sich an die Höfe der Monarchen und anderer geistlicher und weltlicher Fürsten und wußte seine Bitte um Almosen mit solchem Nachdruck vorzutragen, daß er die Summe von 40,000 Florin zusammen brachte. Als er erfuhr, daß der Kurfürst Karl Philipp von der Pfalz sterbenskrank darniederliege, begab er sich zu demselben nach Mannheim, überbrachte ihm eine Abbildung des auf dem Kreuze ruhenden Heilandes und erweckte in demselben ein solches Vertrauen, daß er sich zum Erstaunen der Aerzte bald wieder erholte. Von nun an war Karl Philipp der größte Wohlthäter dieser Kirche. Auch der Kurfürst von Bayern, Karl Albrecht, der nachmalige Kaiser Karl VII., begünstigte den Kirchenbau und legte selbst am h. Benno 1731 den Grundstein zu demselben. 22 Jahre dauerte der Neubau und am 30. September 1753 wurde die neue Kirche von dem Augsburger Weihbischof Franz Xaver Freiherr von — 153 — Adelmann feierlich eingeweiht. Am darauf folgenden Tage fand die.Übertragung des Gnadenbildes auf den prachtvollen Hochaltar statt, den der ehemalige Weihbischof von Augsburg, Jakob von Mayr, hatte anfertigen lassen. Die Kirche ist 113 Fuß lang und 114 Fuß breit, hat 6 Gewölbe, welche auf je zwei massiven rechts und links stehenden Pfeilern ruhen; die Chornische aber besteht für sich in einer Länge von 45 und in einer Breite von 38 Fuß. Zu beiden Seiten des Choraltars stehen der Gnadenaltar mit dem Gnadenbilde, und der Bruderschaftsaltar mit einem Vesperbild?. Die Gewölbe sind mit Frescomalereieu geschmückt. Das alte Gnadenbild, ein Meisterstück orientalischer Bildhauerkunst, ist 2 Fuß 3 Zoll hoch und zeigt im Vordergrunde den Heiland, wie er aus dem Kreuze sitzt, mit der Linken das Haupt stützend, die Rechte in den Schooß legend. Hinter ihm sind 7 Figuren, welche 10 Zollhoch als Brustbilder hervorragen; der römische Hauptmann, die h. Magdalena, Nikodemus, Joseph von Arimathäa, Simon von Cprene, die h. Maria und der h. Johannes. Das ganze Bild ist aus einem Holzstücke gearbeitet. Der vorhin genannte Pfarrer stiftete in der Kirche eine Bruderschaft zu den sieben Schmerzen Mariä, welche vom Papst Benedikt XIV. bestätigt und mit Ablässen begabt wurde. Mit der Kirche ist ein schönes Priesterhaus verbunden, welches von einem Direktor und drei Hülfspriestern bewohnt wird. Die, Wallfahrt zum seligen Rasso in Grafrath am Ammerfee. Ungefähr 7 bis 8 Stunden von München entfernt liegt am Ammersee der heilige Berg Andechs. Auf diesem Berge stand ehemals eine Burg, welche von einem Rittergeschlechte bewohnt wurde, welches über einen großen Theil Bayerns seine Herrschaft übte. Der Stammvater dieses berühmten Geschlechts war Graf Rasso, der von König Arnulf abstammte und in den Feldzügen gegen die Ungarn sich auszeichnete, aber berühmter noch wurde dieses Geschlecht durch dessen Sohn Rasso, den die Kirche als einen Seligen verehrt. Dieser wurde mit seinem Bruder Friedrich zum Ritter herangebildet. Er war von außergewöhnlicher Leibesgröße und ausgezeichnet in den Ritter- spiclen, welche zur Vorübung in den Krieg dienten. Unter Herzog Arnulf II. kämpfte er als Anführer der Bayern im Kriege gegen die Ungarn. Im Jahre 942 stritt er, vereint mit Berchthold I. von Bayern, auf der Welser — 154 — Haide gegen die Feinde des Reiches und als diese nach sechs Jahren wieder zurückkehrten, schlug er sie unter Heinrich I. über die Grenzen zurück. Rasso legte nunmehr das Schwert bei Seite, ergriff den Pilgcrstab und wallfahrtete mit der Gemahlin des Herzogs Heinrich I. im Jahre 949 nach Rom und Jerusalem. Es war dies die fromme Juditha, die Tochter Arnulfs und Stifterin des Klosters Niedermünster in Rcgensburg, also eine Anverwandte Rassos. Aus dem gelobten Lande brachte Rasso eine Menge Heiligthümer mit, welche theilweise noch im Kloster Andechs aufbewahrt werden. Sodann erbaute er an einer von dem Flusse Amper gebildeten Insel ein Kloster für 12 Benediktinermönche und trat selbst 952 in dieses Kloster ein. Die Kirche wurde vom h. Bischof Ulrich zu Ehren unseres Heilandes und der h. Apostel Philippus und Jakobus eingeweiht. Am 19. Juni 954 endigte er sein heiliges Leben. Schon im nächsten Jahre wurde die Burg Wörth sammt dem Kloster von den Ungarn zerstört. Die Mönche hatten sich nach Andechs geflüchtet. Die Burg wurde nicht mehr aufgebaut; die Steine derselben verwendete man zum Aufbau des Klosters Baperdießen. Die Verwandten des sel. Rasso erbauten über dem Grabe desselben eine Kapelle zu Ehren des h. Laurentius, weil an diesem Tage der berühmte Sieg auf dem Lechfelde errungen war. Nachdem Rasso durch Papst Jnno- cenz II. selig gesprochen worden, erhielt sie den Namen Graf-Rath. Sie wurde dem neuerrichtetcn Chorherrenstift Dießen zugetheilt. Im Jahre 1132 legte Probst Hartwig von Bayerdießen den Grund zu einer neuen Kirche in Graf-Rath, welche dann 399 Jahre später restaurirt wurde. Bei dieser Gelegenheit fand unter dem Cardinal und Bischof Peter I. von Augsburg die feierliche Erhebung der Gebeine des Seligen statt. Solches geschah im Jahre 1468 und aus dieser Zeit stammt auch die in gothischen Buchstaben abgefaßte Grabschrift auf der Marmorplatte des Sarges, welche lautet: hie liegt begraben der Edel Fürst vnd Grafs fand Rasso, der dieß Gotz- haus zum ersten hat gestifftt zu Eren Unsern lieben Herrn und hie well warten des jüngsten Tags. Anno 954. Unsers liebe Frau zu Haupettshofen. ie auf die Wallfahrt Haupeltshofen bezüglichen historischen Nachrichten sind sehr spärlich, da die wichtigsten Dokumente, welche zur Zeit der französischen Revolutionskriege vom Benefiziat Weber unter dem Dache der Kerkerkapelle verborgen worden waren, bei ihrer Wiederauffindung am 24. Mai 1828 von dem freyberg'schen Rentenverwalter von Stöffelin in Nieder-Raunau eigenmächtig dem Feuer übergeben wurden. Als sicher jedoch ist Folgendes anzunehmen: Marquard von Freyberg, Kanonikus der Domstifte Salzburg, Eich- stätt und Augsburg, erbaute am Ansang des 17. Jahrhunderts die Kapelle gvd titulo äivas Vir^inis Oonsolatrivis aus eigenen Mitteln und stellte in derselben ein von Rom mitgebrachtes, gegenwärtig noch vorhandenes Marienbild auf, welches eine Copie des in der Kirche Naria ma^iore daselbst befindlichen Originals ist; dieselbe Abbildung, welche sich auch in Jngolstadt unter dem Titel Nater tor uäruirullilis befindet. Diese Kapelle, welche mitten im Walde stand, wurde bald aus der Nachbarschaft zahlreich besucht, und das Vertrauen zur Himmelskönigin fand in den verschiedensten Anliegen seinen Lohn durch auffallende Gebetserhörungen, denn schon in einem bischöflichen Dokumente vom Jahre 1632 ist von einer „Menge von Wundern" die Rede, und so kam es, daß sich bald eine vollkommene Wallfahrt ausbildete und die Kapelle namentlich an den Frauenfesten die Masse des zusammenströmenden Volkes nicht mehr fassen konnte. Bischof Heinrich von Augsburg bewilligte daher auf Ansuchen des noch lebenden Stifters unterm 14. August 1623, daß an diesen Tagen der Gottesdienst im Freien abgehalten werden durfte. Die regelmäßigen Gottesdienste wurden durch den Pfarrer von Alets- hausen abgehalten, unter dessen Jurisdiktion die Kapelle gehörte. Deshalb führte dieser bis zur Gründung eines eigenen Benefiziums immer auch den Namen „Kaplan bei Maria Trost"; aber auch die benachbarten Pfarrherren und weiter her fanden sich fleißig ein, und so kommt es, daß in den Jahren 1647—1682 mehr als 16,963, im Jahre 1683 allein 868 und im Jahre 1698 sogar mehr als 952 heilige Messen in der Kapelle gelesen wurden, wie aus einem damals in der Sakristei aufgelegenen Einschreibebuche noch zu ersehen ist. Ja, an manchen Tagen allein brachten sechs bis zehn Priester das heilige Opfer dar, und sind darunter solche aus weiter Ferne z. B. von Fulda, Bergs Andechs, aus verschiedenen religiösen Orden, Jesuiten, Kapuziner, Norbertiauer, Dominikaner u. s. w. Dazu kamen jährlich zahlreiche Prozessionen angezogen aus verschiedenen Ortschaften. Ja, selbst ihre Trauung ließen manche Personen höherer Stände in der Gnadenkapelle vollziehen; auch mehrere Jahrtagsstiftungen wurden bereits vor dem Jahre 1676 hierher gemacht, denen später weitere folgten. In diese erste Zeit des Bestehens der Wallfahrt mag auch ein Ereig- niß gefallen sein, das im Volksmunde noch in folgender Weise erzählt wird. Die Tochter einer Adelsfamilie aus Sachsen war von einem bösen Geiste besessen und hatte von demselben Vieles zu dulden. Nachdem schon alle Mittel zur Heilung versucht worden waren, wurde ihr einmal im Traume — 156 — bedeutet, daß sie nur allem bei dem Gnadenbilde in Haupeltshofen von ihrem Uebel befreit werden könne. Niemand wußte anfangs, wo dieser Ort sich befinde. Als man es endlich erfuhr, machten sich die Eltern mit ihrem unglücklichen Kinde auf den Weg und kamen ohne besonderen Unfall bis nach Aletshausen. Aber auf der Straße von hier nach Haupeltshofen wurde sie wieder, und zwar heftiger als je, von ihrem bösen Geiste ergriffen und neunmal mit aller Gewalt zu Boden geschleudert, so daß sie nur mit vieler Mühe an den Ort ihres frommen Vertrauens gebracht werden konnte. Hier fand sie denn auch die gesuchte Erlösung von ihrem unnatürlichen Uebel, und konnte gesund wieder in ihre Heimath zurückkehren. Zur dankbaren Erinnerung an die empfangene Gnade ließ sie zwischen Aletshausen und Haupeltshofen an den Stellen, wo sie vom bösen Geiste so heftig zu leiden hatte, ebenso viele steineren Bildsäulen erreichten; eine einzige davon, welche noch „zur fünften Bildsäule" genannt wird, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Im Jahre 1678 den 8. November stiftete Hans Dietrich von Freyberg ein eigenes Benefizium nach Haupeltshofen, „auf das gedachte Wallfahrt jederzeit in flore erhalten, und immerzu die Ehre Gottes und der über- gebenedeitesten Mutter iuud Jungfrau Maria je mehr und mehreres propa- girt und erweitert werde, welches vermittelst des Meßopfers, Beichthörens und Beten des h. Rosenkranzes zu Trost und Auserbaulichkeit der umliegenden Filialorte und Dorfschaften ganz nützlich geschehen kann." Damit war einem dringenden Bedürfnisse abgeholfen durch die Großherzigkeit und den religiösen Sinn der Freiherrn von Frepberg, welche auch in der Folgezeit noch lange Zeit für Benefizium und Kirche bedacht waren und namentlich die letztere mit Paramenten freigebig versahen. Daß aber zur Erhaltung des Benefiziums kein eigener Fond angewiesen, sondern einfach bestimmt wurde, die Leistungen für dasselbe seien von der Herrschaft zu bestreiten, gab in der Folgezeit Anlaß zu mehrfachen Anstößen und Zerwürfnissen, und führte zuletzt wieder die Auflösung des Benefiziums herbei, welche im Jahre 18^6 erfolgte, in welchem Jahre die Zahlung der sogenannten Haupeltshofer-Concurrenzgelder von der damaligen, Gutsherrschaft, dem Freiherrn Clemens Wenzeslaus von Freyberg-Knöringen verweigert wurde. Ein daraus entstandener langjähriger Prozeß von 1829 bis 1840 gegen den Lehenfolger wurde zum Nachtheil der Kirchenstistung Haupeltshofen entschieden aus Mangel an Beweismitteln. Doch wurde unterdessen ein Benisiziumsftmd gegründet, dessen Zinsen admassirt werden, bis das Benefizium wieder neuerrichtet werden kann, was in nicht zu ferner Zeit möglich ist. Unterdessen wird das Benefizium wieder vom Pfarrer in Aletshausen vikarirt und finden in der Wallfahrtskirche feierliche Gottesdienste statt an den Frauenfesten theils Vormittags theils Nachmittags, sowie am Palm- — 457 — sonntag und Gründonnerstag Nachmittags; außerdem ist der Samstag jeder Woche Wallfahrtstag, an welchem auch heute noch die Wallfahrt von den Gläubigen der umliegenden Orte sehr fleißig besucht wird und zahlreiche Gläubige die heiligen Sakramente empfangen. Auch finden noch von Seiten einzelner Gemeinden jährliche Bittgänge zum Gnadenbilde statt, so von der Gemeinde Schiessen, welche in ihrer Pfarrkirche ein Abbild dieses Gnadenbildes besitzt, welches selbst wiederum der Ursprung einer Wallfahrt geworden ist. St. Heinrich. m Starnbergersee liegt das Pfarrdorf Seeshaupt und eine halbe Stunde östlich davon entfernt ein Dörflein mit einer ziemlich großen Kirche Namens St. Heinrich. Es gehörte früher zur Pfarre Jssel- dorf, jetzt zur Pfarre Seeshaupt. Der Gründer dieses Ortes St. Heinrich war ein frommer Einsiedler Namens Heinrich, welcher im 42. oder 43. Jahrhundert daselbst im Rufe der Heiligkeit lebte und ein aus Holz geschnitztes Vesperbild in einer hölzernen Kapelle zur Verehrung aufgestellt hatte. Die Herkunft dieses Heinrich ist unbekannt. Einige halten ihn für einen herzoglich bayerischen Prinzen, Andere für den ersten Propst des Stiftes Beuerberg, welcher die Regierung seines Klosters niedergelegt hatte, wieder Andere für einen Grafen von Andechs und Diessen, der an einem Kreuzzug in's gelobte Land Theil genommen, nach seiner Rückkehr aber auf die Nachricht von der Untreue seiner Braut sein Leben unerkannt als Einsiedler beschließen wollte. Die Volkssage stimmt mit letzterer Angabe überein und ist von Fr. Trautmann in seinen „Münchner Stadtgeschichten" poetisch bearbeitet worden. Bei dem Brande des Pfarrhauses zu Jsseldorf (4699) sind fast alle Urkunden zu Grunde gegangen und das benachbarte Kloster Beuerberg hatte vor 4480 kein Interesse für St. Heinrich. Daher die Ungewißheit über die Abstammung des Einsiedlers. Derselbe starb um die Zeit des Kreuzauffindungsfestes und wurde neben seiner hölzernen Kapelle begraben, an deren Stelle später eine gemauerte Kirche gebaut wurde, welche 1324 von dem Bischöfe Friedrich von Augsburg feierlich eingeweiht worden ist. Sie enthält 3 Altäre. Auf dem Hochaltare ist oben die Kreuzabnahme darge- stellt, in der Mitte befindet sich das Bild der Mutter Gottes und zu beiden Seiten die Standbilder der Salome und Cleopha. Auf dem rechten Seitenaltare sind die Figuren der h. Zsidor und Oswald, auf dem linken der h. Nikolaus und Servatius. Der zur Zeit der Erbauung übliche Baustil ist durch spätere Veränderungen fast ganz verwischt worden. Dieser Kirche haben sich von jeher die bayerischen Herzoge angenommen. So ertheilten die Herzoge Stephau und Johann 1389 dem sogenannten Wegmann (welcher nicht blos den Meßnerdienst versah, sondern auch die Wege nach St. Heinrich gangbar zu erhalten hatte) verschiedene Privilegien, namentlich Freiheit von allen Steuern und Frondiensten und die Erlaubniß, für die Kirche St. Heinrich im ganzen Lande sammeln zu dürfen. Im Jahre 1494 wurden dieselben Privilegien von den Herzogen Ernst und Wilhelm erneuert und 1456 von Albert III. und 1472 von Albert IV. wiederholt. Albert IV. ernannte 1469 für diese Kirche Pfleger in der Person des Joh. Hefeblocher, Richters zu Pähl und des Joh. Weilhamer Stadtschrcibers zu München. Letzterer bat den Propst Courad Sieber von Jlmmünster, zwei Urkunden durch einen Notar abschreiben, bekannt machen und registriren zu lassen. Davon war eine ein Ablaßbrief des Weihbischofes Wilhelm von Augsburg vom 18. Oktober 1424, worin allen Gläubigen, welche an gewissen Tagen St. Heinrich andächtig besuchen, und andere guten Werke verrichten, oder zum Kirchenfonds für Beleuchtung und Ausschmückung ihre milde Hand aufthun, 40 Tage schwerer und 1 Jahr leichter Kirchenstrafen nachgelassen werden. Die andere Urkunde lautet: „Im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1324 ist die am See gelegene Kirche, zum Wegmann genannt, geweiht worden, welche bekanntermaßen in alten Zeiten von dem ehrwürdigen Bruder Heinrich aus Holz erbaut, sowie von dem ehrw. bater und H. H.Friedrich, Augsburgischem Bischöfe (zugleich mit einer Be- gräbnißstätte) zu Ehren der allerheil. Jungfrau Maria und der heil. Jungfrau und Martyrin Katharina wieder hergestellt wurde, auch an den übrigen Altären, nämlich auf der rechten Seite am Altar des heil. Jsidor und Oswald (und es sind auch zahlreiche Reliquien derselben dort aufbewahrt), am linken Altar, der geweiht ist zu Ehren der heil. Bischöfe Nikolaus und Servatius. Die Kirchweihe der erwähnten Kirche wurde zu allen Zeiten auf den nächsten Sonntag nach Galli angesetzt; dann allen Christgläubigen, welche diese Kirche wegen Lossprechung von ihren Sünden andächtig besuchen, sowie auch zu anderen heiligen Zeiten und an den hohen Festen der Geburt, Auferstehung und Himmelfahrt des Herrn, an Dreifaltigkeit, an den Festen der allerseligsten Jungfrau, an den Festen aller Apostel und an jedem Samstag im ganzen Jahr wurden von 24 Erzbischöfen und Bischöfen, von einem jeden derselben eine Carene und 49 Tage schwerer und 89 leichter Kirchenstrafen im Herrn nachgelassen. Und diesen Ablaß haben wir als einen auf Andringen und Bitten des Bruders Gottfried durch den Hochv. — 159 — Herrn und Vater Diöcesanbischof bestätigten in Wahrheit erkannt, und zur größeren Sicherheit ist das Vorangeschriebene durch das Siegel des Münchner Bürgers Mathias Sertlinger beglaubiget unterm Jahr des Herrn 1394 am Vorabend der Himmelfahrt U. H. Jesu Christi." Geschehen im Jahre 1463 der 11. Induktion, des Pontifikates Pius II. im V. Jahre am 13. Jan. Zeugen: Michael Charomaier Cleriker und Stephan Stangel, Laie. Notar: Andreas Faber, Priester. Im Jahre 1480 stiftete Albrecht IV. in St. Heinrich ein Ewigmeß- benefizium mit Ausnahme eines nur oder zweier Tage in der Woche und übertrug dieses Benefizium dem Kloster Beuerberg. Dazu gab er demselben folgende Güter: „Das Wohnhaus mit allem Zubehör an Grund und Boden, Holz und Wasser, namentlich den Schwarzenbach', den Bodenbach, soweit das Wismath geht, das in die Hub gehört. Die Hub zu Seeshaupt, die die Gebhart inne haben, und den Gereuthof zunächst bei Seeshaupt, wie wir sie von des Weges wegen bisher inne gehabt haben, also daß sie nun für ewiglich mit Stiften und Entstiften besetzen und entsetzen und damit handeln mögen rc. doch in der Gestalt, daß sie denselben Weg zu St. Heinrich davon versehen und wesentlich halten sollen nach redlicher Nothdurft :c. Am Donnerstag vor Pfingsten 1480. — Da der Ertrag des Obereigenthumes dieser Güter jährlich kaum 50 sl. erreichte, so wurden 1624 durch Bischof Vitus Adam von Freising diese Messen reduzirt auf wöchentlich 2 — mit Einwilligung des Kurfürsten Max I. vom 10. Dezember 1623. Am 23. Nov. 1480 wurde für die Wohlthäter der Kirche St. Heinrich von Rom aus ein Ablaß von 100 Tagen gewährt. Von dieser Zeit an wurde St. Heinrich immer berühmter, die Zahl der Wallfahrer nahm außerordentlich zu und es flössen reichliche Gaben zur Erhaltung und Verschönerung der Kirche. So hat die Stadt München zum ewigen Licht jährlich 1 Centner Talg geopfert. Die eigentlichen pfarramtlichen Verrichtungen, sowie die Gottesdienste an den Festen des Patrociniums und der Kirchweihe und einigen anderen Tagen wurden immer von dem Pfarrer von'Jffeldorf vorgenommen, während die Beuerberger Chorherren die gestifteten und stets zahlreichen Votiv- messen persolvirtcn, die Beichten der Wallfahrer entgegen nahmen und an einzelnen Festen, besonders der h. Jungfrau, Amt und Predigt hielten. — Am schmerzhaften Freitag und an den drei ersten Sonntagen nach Ostern kamen aus allen benachbarten und selbst aus weiten, entfernten Pfarreien Prozessionen nach St. Heinrich, wobei eine ungeheure Volksmenge zusammenströmte und die Verkaufsläden bis an den Wald reichten. In Folge dieses Andranges wurde das Schiff der Kirche vergrößert und mit drei Thoren versehen. — Noch jetzt wird an diesen 4 Tagen St. Heinrich stark besucht und das an demselben fallende Opfer ist die Haupteinnahme der gering dotirten Kirche. Im Jahre 1626 ließ Propst Eberhard III. dem h. Heinrich im Schiffe der Kirche ein steinernes Grabmal setzen in Form eines Sarkophags, welchen ein länglich piereckiger grauer Sandstein bedeckt, worauf Heinrich in erhabener Arbeit fast mannesgroß abgebildet ist — liegend, im Eremitenhabit mit einem Stricke umgürtet. Die Arme liegen kreuzweis über der Brust. In der rechten Hand hält er das Kreuz, in der linken den Rosenkranz. Oben stehen die Worte: L. Honrivus. Rechts ist das Klosterwappen (Schlüssel und Schwert) sammt dem Kirchlein und den darüber gesetzten Buchstaben E. H. Links Eberhards Wappen (ein Mann, einen Stab mit Kreuz führend); darunter das Kloster,.'und die Buchstaben L. L. Beiderseits steht die Jahreszahl 1626. Die Unterschrift lautet: „Hio oippus g.1) ^ärn. ksv. O. O. iLvsraräo Urnssuls IZs^erdörAensi positus L, üsnrici Corpus orrmt." (Dieses von dem wohlehrw. Herrn Eberhard, Propst in Beyerberg aufgerichtete Grabmal schmückt den Leib des sel. Heinrich). Ganz unten am Rande stehen zwischen 2 Blumen die Buchstaben ?. H. (Patron Heinrich). Der ganze Rand des Steines ist mit Laub und Blumen geziert. Im Jahre 1728 wurde die Kirche renovirt, wozu Kaiser Karl VII. einen milden Beitrag leistete. — 1759, nachdem schon im vorhergehenden Jahre in diesem Gotteshaus viel verändert und das ganze Chor von überflüssigen Stühlen und Bänken gesäubert, der Thurm ganz neu gedeckt worden, wurde mit Gutheißen des Gn. H. Prälaten Dom. Lechner ein roth- sammtner Rock und Baldachin mit Silber gestickt erlaubt machen zu lassen, so daß selber nach und nach aus dem Stockgefäll möge bezahlt werden. — 1773 wurde die Sakristei und das Oratorium oberhalb derselben neu aufgebaut. Inchenhoffln (St. Lvonhafld). er h. Leonhard stammte aus einem vornehmen, heidnischen Hause in Frankreich. Schon frühzeitig gelangte er an den Hof des Königs Clodwig I.; sobald er aber vom h. Remigius, dem Apostel der Franken, die h. Taufe empfangen hatte, verließ er den Hof und übergab sich ganz der Leitung dieses großen Bischofes, welcher ihm nach hinreichender Vorbildung die h. Weihen und den Austrag ertheilte, den umliegenden Völkern, die noch in der Finsterniß des Heidenthums schmachteten, das Evangelium Christi zu verkünden. Dieses that er mit solch segensreichem Erfolge, daß der Ruf davon sich selbst bis an den Hof des Fürsten verbreitete. Der König berief Leonhard an den Hof und wollte ihm einen Bischof- — 161 — "sitz verleihen; er aber wies in seiner Demuth alle Anträge zurück und erbat sich nur die Erlaubniß, Alle aus den Gefängnissen befreien zn dürfen, welche er dessen für würdig finde. Nachdem er dieses Liebeswerk vollbracht hatte, ging er in das Kloster Micy, welchem der h. Maximin vorstand, und nach dessen: Tode in eine Einsiedelei in einem Walde, vier Stunden von Limozes entfernt. Da in dieser Gegend nur wenige Christen waren, so verkündigte er auch hier das Evangelium mit solchem Eifer, daß Unzählige sich zum Christenthum bekehrten. Durch die Heiligkeit seines Lebens angetrieben, sammelten sich bald viele Jünglinge um ihn, in der Absicht, unter seiner Leitung ein gottseliges Leben zu führen und als er vom Könige Theodobert, dessen Gemahlin auf sein Gebet schnelle Genesung von einer gefährlichen Krankheit erhalten, den Theil des Waldes, in welchem die Zelle lag, zum Geschenk erhalten hatte, so entstand dort ein Kloster, welches unter dem Namen St. Leonhard sehr berühmt wurde. Im Jahre 559 berief der Herr seinen treuen Diener zur ewigen Belohnung zu sich. Die Verbreitung der Verehrung des h. Leonhard ist besonders dem Cisterzienserorden zuzuschreiben. Als das Cisterzienserkloster Fürstenfeld bei seiner Stiftung im Jahre 1266 das Patronatrecht über die Pfarrei Holn- dach (Landger. Aichach), zu welcher auch die Kirche zu Jnchenhofen gehörte, erhalten, so bestimmte es diese Kirche zum Mittelpunkte der Verehrung des h. Leonhard. Schon 1289 war in Jnchenhofen eine Kapelle des h. Leonhard, denn in diesem Jahre, an: 18. Januar, erhielt dieselbe von mehreren Kardinälen verschiedene Ablässe. Nunmehr aber strömten die Wallfahrer in solcher Menge nach Jnchenhofen, daß die Kapelle die Gläubigen nicht mehr fassen konnte und man bald an den Neuban einer größeren Kirche denken mußte. Im Jahre 1311 wurde der Bau begonnen und in Folge verschiedener Ablässe (von Bischof Gottfried zn Freising am 19. Juli 1312, von den Bischöfen von Regensburg und Bamberg am 22. Januar 1315 und vom Bischof zu Eichstätt am 29. März 1315 ertheilt) flössen reichliche Almosen zum Baue von Seiten der Gläubigen. Jedoch erst 1330 war die Kapelle theilweise und 1332 ganz vollendet. Am 17. Mai dieses Jahres weihte sie Bischof Heinrich von Kiew nebst 2 Altären ein und das Fest der Kirchweihe wurde auf den Sonntag nach Christi Himmelfahrt festgesetzt. Bischof Friedrich von Augsburg gestattete 1330 die Einverleibung der Kapelle in das Kloster Fürstenfeld und Papst Bonifaz IX. bestätigte am 24. Juni 1390 die Inkorporation der Pfarre St. Peter in Holnbach, worin St. Leonhard lag. Papst Martin V. ertheilte durch Bulle vom 19. November 1423 der Kapelle pfarrliche Rechte und löste sodann am 10. Dezember 1427 dieselbe förmlich von allem Pfarrverbande mit Holnbach. Die Wallfahrt nach St. Leonhard nahm inzwischen einen immer grö- ßeren Umfang, so daß die Kapelle zn klein wurde und man an den Bau ii — 162 — einer größeren denken mußte. Papst Martin V. verlieh am 14. Oktober 1428 allen denjenigen, die zn diesem Ban beisteuern würden, Ablässe. Jedoch nicht so bald muß der Ban erfolgt sein, denn erst in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts baute Abt Paul von Fürstenfeld eine neue Kirche, wozu Papst Pins II. am 14. Oktober 1460 einen Ablaß verlieh. — Auch ein Hospitium wurde bei der Kirche errichtet, in welchem acht Conventualeu des Klosters Fürstenfeld wohnten. Im Jahre 1383 besuchten die Herzoge Johann und Stephan die St. Leonhardskirche. Herzog Ludwig der Bärtige 1. Mai 1447), dem seine zweite Gemahlin Anna von Bourbon am 1. September 1403 einen Sohn gebar, opferte sich mit demselben dem h. Lconhard. Herzog Wilhelm II. h-ß 1417) schenkte der Kirche einen silbernen Kelch. 1631 besuchte Kurfürst Max I. aus Anlaß einer Viehseuche die St. Leonhardskirche und verehrte dorthin die Erstgeburt seiner Heerden zu Schleisheim, welche Opfergabe nach seinem Tode auch seine Witwe Maria Anna jährlich entrichten ließ. Auch schenkte er dorthin, nach der Volkssitte, sein eigenes Reitpferd nebst Sattel und Zeug. Von da an bis Ende des vorigen Jahrhunderts wurde stets aus dem Hofstalle ein Pferd dorthin geopfert. Als im Jahre 1704 der ganze Markt, die Kirche und das Hospitium von dem Feinde eingeäschert worden, ward Alles durch die Fürsorge des Klosters Fürstenfeld in 2 Jahren wieder hergestellt. Noch jetzt erfreut sich die St. Leonhardskirche eines lebhaften Besuches. Zur Zeit des h. Pfingstfestes erscheinen die in der nahen Umgebung wohnenden Landleute mit Kreuz und Fahnen; im Laufe des Sommers kommen Wallfahrtszüge aus entfernteren Gegenden. Besonders aber am Feste des h. Leonhard H6. November) sind die Prozessionen zahlreich und die Zahl der jährlich erscheinenden Wallfahrer wird über 5000 geschätzt. Die Kirche ist im Rundbogenstyle gebaut, 190 Fuß lang und 10b Fuß breit. Der Thurm mit 5 Glocken ist 280 Fuß hoch. Der Hochaltar, auf 8 Säulen ruhend, trägt in der Mitte das reich vergoldete Bild des h. Leonhard und die Bilder der hh. Apostel Judas Thaddäus und Simon. Oberhalb der Säulen ist die Krönung Maria dargestellt. Zu beiden Seiten des Hochaltars sind zwei kleinere Nebenaltäre, den Tod des h. Benedikt und den h. Bernhard darstellend. Das Deckengemälde des Chores stellt die Taufe des h. Leonhard dar, die des Hauptschiffes den h. Leonhard als Einsiedler, als Klostergründer und als Schutzheiliger der Bayerischen Lande. Das Gewölbe des Hauptschiffes ruht auf 16 Säulen. Von den Altären der beiden Seitenschiffe stellt der linke den h. Martin dar, wie er einem Bettler seinen Mantel theilt. Oberhalb der Säulenknäufe sieht man die Statuen des h. Gabriel und des h. Michael, zwischen ihnen jene der h. Veronika. Den rechtsstehenden Seitenaltar ziert ein Bild der Kreuzabnahme Jesu. Außer den ge- — 163 — nannten 5 Altären sind noch 3 kleinere vorhanden, welche den Abschied der Apostelfürsten Petrus und Paulus in Rom, den h. Sebastian und die Grablegung Christi darstellen. Die Deckengemälde der beiden Seitenschiffe enthalten die Darstellungen verschiedener Wunder, welche auf Anrufen des h. Leonhard gewirkt wurden. ngefähr 2/4 Stunde nordwestlich von Kempten liegt in einer freundlichen Ebene eine Kirche mit einem Klösterlein, Heiligkreuz genannt, welches seinen Namen von einem im Jahre 1691 an dieser Stelle errichteten Kreuze hat. Die Veranlassung zur Aufstellung desselben wird folgendermaßen erzählt: „Am 24. Juli, am Vorabende des Jakobitages, sah Elisabeth Hörner„ geb. Weger, da sie auf der Wiese Heu aufrechete, Helles klares Blut, das aus der Erde herausfloß, und ihre Füße blutroth färbte. Sie rief ihren Ehemann und ihre zwei Dienstmägde und einen Zimmermann, der im nahegelegenen Hause arbeitete, daß sie die wunderbare Erscheinung ansehen möchten. Diese fanden auf einer kaum tischgroßen Fläche an verschienen Stellen klares Blut aus der Erde aufwallen. Die Aufwallung dieses Blutes dauerte über eine Viertelstunde lang und erreichte die Höhe von einem halben Fuße. Die Fürstlich-Kemptensche Obrigkeit erhielt davon Kunde und vernahm die fünf Augenzeugen dieser auffallenden Erscheinung. Dieselben bestätigten ihre Aussagen mit einem Eide." „Die geistliche Obrigkeit ließ an Ort und Stelle eine Untersuchung vornehmen, um zu erfahren, ob die Erscheinung nicht eine natürliche Ursache habe. Beim Nachgraben fand man an der bezeichneten Stelle nichts als Mooserde und verfaultes Holz. Jetzt wurde an derselben Stelle ein hölzernes Kreuz errichtet, zu dem gar bald viele Leute der Umgegend, die von der Bluterscheinung auf der Erde gehört hatten, hin wallfahtteten. Der vom Blut besprengte Rechen ward besonders in Ehren gehalten und wird auch jetzt noch in der Kirche aufbewahrt. Alsbald geschahen Wunder an Kranken und Leidenden, die zu diesem Kreuz gebracht wurden und bei demselben ihre Andacht verrichteten. Vorzügliches Aufsehen machte die Heilung eines sehr elenden Mannes aus der Pfarrei Missen und einer bald ganz erblindeten Person aus Jmmenstadt." Allmälig kamen ganze Gemeinden, um an diesem Orte göttlicher Gnadenerweisungen ihre Andacht zu verrichten und die wunderbaren Erhörungen bezeugten die vielen Votivtaseln, welche am Kreuze angeheftet wurden. Heilig-Nreuz bei Kempten. — 164 — Kaum 3 Jahre nach dem oben erzählten Ereignisse erhob sich an Stelle des Kreuzes eine Kapelle und der Fürstabt von Kempten, Rupert von Bodmann, erlaubte, daß bei derselben auch eine Wohnung für einen Priester erbaut werde, welcher den erforderlichen Gottesdienst zu verrichten hatte. Im Jahre 1711 wurde sodann ein Kirchlein aus Stein errichtet, welches das Chor der jetzigen größeren Kirche bildet. Das wunderthätige Crucifixbild, welches bisher in der Schloßkirche zu Liebenthann verehrt wurde, ward im Jahre 1723 nach Heiligkreuz gebracht und auf dem Hochalter aufgestellt. Im Jahre 1730 wurde der Bau des Langhauses der Kirche begonnen und dasselbe im folgenden Jahre unter Dach gebracht. In demselben wurden die 14 Stationen des Kreuzweges aufgestellt. Von 1694 bis 1698 wurde der Gottesdienst von dem ältesten Capitu- lar des Stiftes Kempten, Bonifaz von Dachensweil, abgehalten. Dann trat an dessen Stelle der Kapitular Bernard Ungelter, Freiherr von Deisenhausen. Diese beiden wohnten in dem Hause für den Wallfahrtspriester, letzterer bis 1715. Hierauf wurde die Obsorge für den Gottesdienst den Franziskanern von Lenzfried übertragen, welche von 1715 bis 1717 in dem Schlosse Schwabelberg wohnten, am 18. Oktober 1717 aber, wo der Bau des Klosters in Heilig-Kreuz vollendet war, in dieses eingezogen. Anfangs war das Kloster nur ein Hospitium und von 2 Patres und 1 Laienbruder bewohnt, 1742 aber wurde ein eigener Convent errichtet und denselben ein Guardian vorgesetzt. Wie sehr die Wallfahrt besucht wurde, geht daraus hervor, daß die Zahl der Communikanten 1724 über 27,000 betrug und in den folgende» Jahren bis auf 37,000 stieg. Die Hauptfestc der Kirche sind das Kreuzerfindungs- und Kreuzerhöhungsfest, ferner zum Andenken an die wunderbare Bluterscheinung das 40 stündige Gebet am 24., 25. und 26. Juli. Die Einweihung der vollständig ausgebauten Kirche geschah am 2S. September 1780 durch den Fürstabt von Kempten, Rupert von Neuenstem, unter großer Feierlichkeit. Die erste Jubelfeier wurde 1791 drei Tage hindurch gehalten. Bei der Säkularisation der Klöster wurde auch der Franziskanercon- vent in Heiligkreuz ausgehoben und am 9. August 1807 zogen 6 Augustiner-Patres in das Kloster ein, von denen der letzte 1829 starb. Nun wurde in Heiligkreuz eine Expositur errichtet, wie dieselbe jetzt noch besteht. — 165 — Die Wallfahrtskirche zu Kirchhaskach bei Babenhausen. ^Zwischen den Städten Augsburg und Memmingen liegt eine ZDStunde von Babenhausen entfernt im anmuthigen Haselthale das Dorf Kirchhaslach mit der schönen Wallfahrtskirche. Aus der ganzen Umgegend, von Nah und Fern strömen unablässig die Wallfahrer dorthin, um auf die Fürbitte Maria's von Gott Gnaden zu erflehen und Hülfe und Trost in ihren Bedrängnissen zu suchen. Von der Straße führen mehrere Stufen zum Kirchhofe empor, in dessen Mitte die herrliche Kirche sich erhebt, eine der schönsten Zierden des ganzen Schwabenlandes. Ueber dem Tabernakel befindet sich auf Wolken ruhend, das Gnadenbild, die Gottesmutter Maria mit dem Jesukinde auf dem Schooße.' Es ist aus Holz geschnitzt, lieber die Entstehung dieser Wallfahrt wird Folgendes berichtet: „Um die Mitte des 14. Jahrhunderts, als Schwabens Gaue noch von ungeheuren Wäldern bedeckt waren, in denen Hirsche und Eber heerdenweise umherliefen, veranstaltete der damalige Burgherr von Babenhausen, Albrecht von Hohenrechberg eine Jagd in dem damals noch bewaldeten Haselthale. Plötzlich erregte das ununterbrochene, aus einem Dickicht herauskommende Gebell der Jagdhunde die Aufmerksamkeit der Jäger. Man glaubte, sie hätten ein Wild verfolgt und zu Tode gehetzt, als man aber näher zusah, fand man ein Marienbild mit dem Jesukinde, etwa anderthalb Fuß hoch, von den bellenden Hunden umringt. Der fromme Graf nahm das Bild mit sich nach Babenhausen ins Schloß. Allein dreimal soll es von da verschwunden und an derselben Stelle im Haselthale wieder aufgefunden worden sein. Der Graf glaubte darin einen Wink des Himmels zu erkennen und errichtete ou der Stelle ein Kirchlein, in welchem er das Marienbild aufstellte. Alsbald begannen auch die Wallfahrten von allen Seiten." Im Jahre 1450 wurde die Kapelle abgebrochen und an deren Stelle die jetzige herrliche Kirche gebaut. Die Marianischiz Wallfahrtskirche auf dem Koket bei Augsburg. ^er Sulzbacher Kalender vom Jahre 1869 enthält darüber Folgendes: „Eine der bekanntesten und beliebtesten Wallfahrtskirchen in Schwaben ist die auf dem Kobelberge bei Augsburg gelegene, im Jahre 1855 in passender und würdiger Weise restaurirte „Loretto-Kapelle", welche das ganze Jahre hindurch, besonders aber im sogenannten „Dreistigst" gar zahlreich und andächtig besucht wird. Ihre schöne Lage und Gestalt macht einen recht wohlthuenden Eindruck und es dürfte eine kurze Geschichte derselben hier wohl recht am Platze stehen. Das Heiligthum der Kapelle ist ein durch Alter und das Vertrauen des Volkes hochberühmtes Marienbild, welches zuerst in einer Kapelle des Hainhofer Schloßgartens, welche von dem durch seinen Hochedlen Sinn berühmten Anton Fugger erbaut worden war, verehrt wurde. Ungünstige Zeitverhältnisse, welche bald darauf eintraten, verursachten die Zerstörung dieser Schloßkapelle. Der neue Schloßbesitzer, ein Lutheraner, ließ jetzt das besagte Marienbild in eine alte Rüstkammer werfen. Indeß gelang es dem frommen Sinne des benachbarten Gutsbesitzers auf Westheim, Herrn Carl von Langenmantel, dies Marienbild wieder zu erwerben — im Jahre 1602. Derselbe C. von Langenmantel ließ jetzt, unterstützt von einigen Verwandten, auf dem benachbarten Kobelberge einen Theil des Waldes ausrenten und daselbst nach dem Muster des lauretanischen Hauses eine Kapelle erbauen, welche noch im Jahre 1602 vollendet worden ist. Alsbald begannen zahlreiche Wallfahrten zu dem in dieser Kapelle ausgestellten Marienbilde. Auch für Abhaltung des Gottesdienstes wurde durch verschiedene Geistliche der Umgegend Sorge getragen. Die Wallfahrt nahm dadurch stets mehr zu. Leider aber kam nun die traurige Zeit des Einfalles der Schweden (1632 zc.). Vor den raub- und mordlustigen Händen derselben wurde jetzt das ehrwürdige Marienbild beseitigt und in das Schloß Hainhofen in Verwahrung gebracht. Im Jahre 1636 wurde das Bild wieder mit hoher Feierlichkeit in die Kobel- kapelle zurückgebracht, bald nachher an dieselbe ein Langhaus angebant, auch ein Meßnerhaus erbaut, welches später in eine Wohnung des Kobelhemi (d. i. des Herrn Benefiziaten an dieser Kirche) umgewandelt worden ist. Im Jahre 1702 wurde das I. Säkulum der Kapelle hochfeierlich begangen. In den Tagen des sogenannten spanischen Successions-Krieges wurde dies Gnadenbild wieder geflüchtet, jedoch bald wieder zurückgebracht. Im Jahre 1728 wurde ein neues viel größeres und schöneres Laughaus an die heil. Kapelle angebaut und das ganze Gotteshaus würdig restaurirt. Die Zahl der Wallfahrer mehrte sich zusehends. Tausende von eiu- zelnen Pilgern aus allen Ständen und Gegenden, dann sehr viele Gemeinden, Bruderschaften und Vereine, kamen und kommen auch heut zu Tage zu gewissen Zeiten herbei, um in der ehrwürdigen Kobelkirche Jesum anzubeten und Maria anzurufen; ganz besonders geschieht dies in harten und schwere» Zeiten, und der fromme Glaube und die wahre Andacht hat stets erfahre», wie wahr es ist, was am Hauptbogen der Kobelkirche, am Eingange in das Chor geschrieben steht: Vori rskuAÜ loous ckornus Imurstana. d. ist: das lauretanische Haus ist wahrhaft eine Zufluchtsstätte." — 167 — Königinbild zwischen Burgau und Günzburg. ^Atste Stadt Burgau, uoch im vorigen Jahrhundert eine vorder- österreichische Herrschaft, war in religiöser Hinsicht bis zum Jahre 1725 eine Filiale der Pfarrei Knörringen. Verfolgen wir die Landstraße, so müssen wir gleich außerhalb ^Knörringen eine bedeutende Anhöhe ersteigen. Noch eine kurze Strecke Weges und wir sind an jenem Punkte, wo ein Seitenweg gegen Süden zu dem von der Landstraße nur einige Minuten fernen Pfarrdorfe Limpach führt und wo noch vor 90 Jahren eine berühmte Wallfahrtskirche gestanden. Königinbild hieß diese Wallfahrtsstätte, denn das daselbst aufgestellte Marienbild war ein königliches Bild, ein Geschenk der verwittweten frommen Königin von Polen, Maria Eleonore, einer geborenen Erzherzogin von Oesterreich und Schwester Kaiser Leopolds des Großen, zum zweiten Male verheirathet mit Karl V., Herzog von Lothringen. Immer war sie eine Verehrerin Mariens gewesen und besonders flehte sie zu ihrer mächtigen Fürbiite um einen Leibeserben. Am 20. Februar 1679 nun hatte sie kaum die Reise von Günzburg nach Innsbruck mit ihrem Gemahle angetreten, da empfand sie an der Landstraße, dem heutigen Pfarrdorfe Limpach gegenüber, zum ersten Male, daß sie gesegneten Leibes sei und daß Gott ihr Gebet aus die Fürbitte Mariens erhört habe. Sogleich stieg sie aus dem Wageu, dankte Gott fußfällig für die ihr verliehene Gnade, empfahl das theure Unterpfand, das sie unter ihrem Herzen trug, dein Schutze der göttlichen Mutter, mit dem Gelübde, zu Ehren Mariens an der Stelle, auf welcher sie kniete, eine Feldkapelle bauen zu lassen. Schon im Monat Mai wurde die Kapelle gebaut und am 15. Juni das von Eleonore dahin bestimmte Bild in derselben aufgestellt. Dieses Bild ist auf Leinwand gemalt und mißt mit dem vergoldeten Rahmen etwa 4 Fuß in der Höhe und B/z Fuß in der Breite. Der Pfarrer von Limpach war der erste, welcher mit seiner Schuljugend die nahe Kapelle zum Königinbild prozessionsweise besuchte. Aber bald nahm die Wallfahrt aus dem Kammel- und Mindel-, aus dem Günz- uud Donauthale so zu, daß schon 1682 eine größere Kapelle errichtet und auch diese schon i>n nächsten Jahre erweitert werden mußte. Auf Veranlassung Eleonorens wurde vou 1634 an zeitweise die heilige Messe in der Kapelle gefeiert. Zu diesem Zwecke schenkte sie drei silberne Kelche, ein Ciborium und mehrere Meßkleider, von denen einige das Werk ihrer eigenen Hände waren. Trotz der erwähnten Vergrößerungen blieb aber dennoch die Kapelle zu klein für die herbeiströmende Volkesmenge. Dieses bewog Eleonore, eine neue und geräumige Kirche zu bauen. Mit großer Feierlichkeit ließ sie am 16. August 1691 in ihrer persönlichen Gegenwart den Grundstein legen und — 168 — am Feste Mariä Opferung des folgenden Jahres das Gnadenbild auf dem Choraltare zwischen den Bildern der hh, Franziskus und Anton von Padua aufstellen. Am 22. August 1604 wurde das geräumige Gebäude durch bischöfliche Einweihung dem Allerhöchsten geheiligt, der vordere Altar der Himmelfahrt Mariä, der erste Seitenalter dem h. Joseph und der h. Anna, der zweite den hh. Franziskus Taverius und Theresia zu Ehren geweiht. Den Schlußstein zu dem schönen von ihr geschaffeneu Werke legte die Königin kurz vor ihrem Tode durch Stiftung eines eigenen Wallfahrtspriesters. Der erstgeborene Sohn der Königin, Herzog Leopold von Lothringen, trat in der Verehrung gegen Maria ganz in die Fußstapfen seiner Mutter ein. Er beschenkte die Wallfahrtskirche mit einem kostbaren Meßkleide und ließ 1718 eine bequeme Wohnung für die Wallfahrtspriester errichten. Sein Sohn, Kaiser Franz I. sowie die Kaiserin Maria Theresia wendeten ebenfalls dem Gnadenorte ihre besondere Gunst zu. Mit dem letzten Besuche der Habsburgischen Familie wurde Königinbild am 80. April 1770 beehrt. Die Erzherzogin Maria Antonetta, die Gemahlin des Königs Ludwig XVI. von Frankreich, hatte ihre Reise nach diesem Lande angetreten. Der 30. April war als Ruhetag in Günzburg bestimmt. Die Morgenstunden dieses Tages widmet Maria Antonetta der Verehrung Mariens in der Wallfahrtskirche. Bei dieser Gelegenheit verehrte sie derselben eine kostbare Lampe. Nicht so freigebig und wohlwollend wie die Voreltern, Eltern und Geschwister handelte gegen das Königinbild Kaiser Joseph II. Angesteckt von dem damals von Frankreich ausgehenden Geiste einer falschen Aufklärung war er ein Feind so mancher tief in das Leben des katholischen Volkes eingreifenden heiligen Gebräuche. Dazu rechnete er auch die Wallfahrten und so wurde leider die schöne Wallfahrt Königinbild, die seine Vorfahren aufgebaut, von ihm im Jahre 1787 niedergerissen. Gott aber, der auch Böses wieder zum Guten zu lenken weiß, wollte nicht, daß dieses fromme Werk des Habsburgischen Kaiserhauses bei der Nachwelt ganz aufhöre und fügte es darum, daß Kaiser Joseph wenigstens das Benesizium der Wallfahrtspriesterstelle in die Stadt und mit demselben das Gnadenbild in die Stadtpfarrkirche nach Burgan versetzte. Dieses Benesizium besteht daselbst heutzutage unter dem Namcn „zum königlichen Bild" und steht die Präsentation auf dasselbe dem österreichischen Kaiserhause , weshalb der jeweilige Nutznießer dieses Benefiziums „der kaiserliche Benefiziat" genannt wird. Das Muttergottesbild ist zur Zeit eine Zierde des nördlichen Seiteualtars der Stadtpfarrkirche Burgaus, welche in den Jahren 1789 und 1790 erbaut wurde. Die Wallfahrtskirche Mariahilf und das Franzis- kanerkloster auf dem Lechfelde. ^Zwischen den Flüssen Lech nnd Wertach zieht sich von Augsburg A aufwärts gegen Landsberg an der ehemaligen Grenzscheide zwischen Bayern und Schwaben eine unübersehbare Ebene hin, fast zehn Stunden lang nnd zwei Stunden breit, das Lechfeld genannt. Mitten in dieser Ebene liegt der weithin berühmte Wallfahrtsort Lechfeld mit einem Franziskanerkloster. Hier baute zuerst die Besitzerin des von da eine kleine halbe Stunde entfernten Schlosses Regina von Jmhosf, geborene Pemlin, Wittwe des Friedrich Raymnnd von Jmhosf, Bürgermeisters von Augsburg, im Jahre 1603 eine Kapelle nach dem Vorbilde des Pantheons zu Rom, welches 25 Jahre vor Christi Geburt von Markus Agrippa zu Ehren aller heidnischen Gottheiten erbaut, dann aber vom Papst Bonifaz VI. 610 zu Ehren der seligsten Jungfrau Maria und aller Heiligen eingeweiht wurde. Einst verirrte sich diese Frau auf einer Rückreise von Augsburg nach Unter- mcitingen im nächtlichen Nebel und versprach, wenn sie den Weg nach ihrem Schlosse wiederfinden werde, eine Kapelle zu erbauen. Nach langer Angst und inbrünstigem Gebete sah sie auf einmal aus der Ferne die Lichter ihres Schlosses. Hierüber hocherfreut befahl sie ihrem Kutscher, aus dieser Stelle als ein Zeichen seine Peitsche in die Erde zu stecken und fuhr dann frohen Muthes auf ihr Schloß zu. Dies war die Veranlassung zum Bau der Kapelle. Am 9. April 1803 wurde der Grundstein gelegt nnd der Bau im nämlichen Jahre vollendet. Von den Päpsten Clemens VIII. (1603) und Alexander VII. (1659) wurde die Wallfahrtskapelle mit besonderen Ablässen begabt. Alsbald erwachte im Volke das Vertrauen zu Maria in dieser Kapelle, das auch nicht unbelohnt blieb. Deshalb ließ die Stifterin, um das geistige Bedürfniß der Wallfahrer zu befriedigen, nahe der Kapelle ein Gebäude aufführen, in welchem mehrere Kapläne wohnen sollten. Diese ver- sahen nun alle priesterlichen Verrichtungen daselbst. Immer mehr nahm die Zahl der Wallfahrten zu, deren geistliche Bedürfnisse von den bald hierher berufenen Franziskanern befriedigt wurden, bis im Jahre 1803 das Kloster aufgehoben wurde. Da im Jahre 1827 König Ludwig I. von Bayern mehrere Klöster des Franziskanerordens wieder herstellte, war auch das Kloster Lechfeld unter diesen und wurde am 1. August feierlichst eröffnet. Unter dem Fürstbischof Alexander Sigismund von Augsburg wurde auf dem freien Platze vor der Wallfahrtskirche ein Calvarien- berg errichtet, dessen Ban 1718 begann und 1719 vollendet wurde. Im Verlaufe von mehr als 130 Jahren wurden die Kapellen und Figuren durch die Witterung sehr schadhaft, so daß man sich genöthigt sah, einen neuen — 170 — Kreuzweg zu errichten. In anderthalb Jahren war der herrliche Neubau rollendet und am 4. Oktober 1853 erhielt dieser Kreuzweg die kirchliche Weihe in sehr feierlicher Weise unter dem Zudrange einer äußerst zahlreichen Volksmenge. Mariabrunn bri Moching an der Nmper. ^^iese schöne Kapelle erhebt sich in anmuthiger Lage auf der mit Wald bekränzten Anhöhe westlich von dem Pfarrdorfe Moching an der Amper in dem Landgerichtsbezirke Dachau in Oberbayern und verdankt ihr Entstehen der dortigen berühmten Heilquelle Mariabrunn, deren Entdeckung in das Jahr 1662 fällt. Es war im Monat Juli 1622, als der Landmaun Stephan Schleierbeck von Moching in dem Walde ans jener Anhöhe mit Holzarbeiten beschäftigt von heftigem Durste ergriffen Labung suchte und diese in dem hellen klaren Wasser einer Quelle fand, welcher er auf die Spur kam und nachgrub. Der Trunk aus derselben gewährte ihn: nicht nur die gewünschte Erquickung, sondern auch noch eine andere heilsame Wirkung durch Erleichterung eines vicljährigen sehr lästigen körperlichen Gebrechens. Als er am folgenden Tage sich abermals an diesem Wasser labte, empfand er die nämlichen Wirkungen in noch höherem Grade. Bald verbreitete sich der Ruf von der Heilkraft dieses mineralischen Wassers und von nahe und fern kamen Hülfesuchende, deren glücklich erfolgte Heilungen gerühmt wurden. Es wurde nun als wirkliche Heilquelle allgemein gepriesen. Der Zudrang zu dem neu- entdeckten Gesundbrunnen mehrte sich von Jahr zu Jahr. Dadurch fand sich der kurfürstliche Pfleger zu Dachau, Geheimrath Georg Teisinger, bewogen, für die Errichtung einer förmlichen Badeanstalt zu sorgen. Teisinger ließ aus eigenen Mitteln daselbst eine niedliche Kapelle zu Ehren der allerseligsteu Jungfrau erbauen, wonach der Gesundbrunnen den Namen Mariabrnnn erhielt. Auch stiftete er im Jahre 1670 zu derselben ein Benefizium einer Wochenmesse, welche Freitags oder Samstags gelesen werden soll. Nach des Pflegers Teisinger Ableben widmete auch sein Amtsnachfolger, Geheimrath Mathias Marquard, der Badeanstalt zn Mariabrunn eifrige und thätige Fürsorge. So blieb sie im blühendem Zustande. Auch jetzt noch ist das Mineralbad Mariabrunn eines der vorzüglichsten Seifenbäder. Die Kapelle wnrde im Jahre 1846 völlig reparirt und sehr verschönert. Der Bau der Kapelle stellt eine schöne Rotunde mit einer stattlichen Kuppel dar, auf welcher sich der Thurm mit zwei Glocken und und einer Uhr zierlich erhebt. Der Hauptaltar in schöner frischer Gold- fassung mit einem sehr geschmackvollen Tabernakel im Silberglanze trägt das — 171 — Bild Mariä-Verkündigung. Von den zwei sehr niedlichen Seitenaltären ist .einer rechts zu Ehren des h. Joseph und der andere zu Ehren des h. Johann von Nepemuk errichtet. Die Landleute der Umgegend widmen dem Kirchlein häusigen Besuch, um ihre Andacht daselbst zu pflegen; in der Bittwoche kommen Gemeinden in Prozession zu demselben. Eine Menge in der Kapelle vorhandener Vo- tivtafeln zeugt von den vielen glücklichen Heilungen, welche von der Bade- auelle erfolgt sind. Dieselbe bewahrt auch die Krücke, welche die königliche Prinzessin Elisabeth von Bayern, Königin von Preußen, nach der in ihrer frühesten Jugend durch das Bad Mariabrunn glücklich erlangten Heilung zum Zeichen dankbaren Andenkens zurückgelassen hat. Maria-Eldern bei Ottobeuren. (Nach Sulzbacher Kalender 1874.) /M»ine halbe Stunde oberhalb Ottobeuren steht am rechten Ufer der Günz eine freundliche Häusergrnppe, die den Namen Eldern trägt. In dieser Häusergruppe hart am Wege gewahrt man ein absichtlich dahin gepflanztes und wohlgehaltenes Erlenbäumchen mit einer kleinen, unansehnlichen Gedenktafel, welche uns sagt: „Hier stand das Kloster und die Wallfahrtskirche Eldern, im Anfange dieses Jahrhunderts bis auf den Erdboden vernichtet." Die Geschichte der Entstehung, des Fortbestandes und der Zerstörung dieser heiligen Stätte soll hier kurz beschrieben werden. Im Jahre 1466 lag in einem Hause dieses Thales eine Person schon lange Zeit an einer sehr schmerzlichen Krankheit darnieder. Einst vernahm sie im Schlafe die Mahnung: „Wenn du gesund werden willst, so gehe in das Erlenwäldchen und bete dort vor dem Muttergottesbilde, das in einem Erlenbaume aufgestellt ist. Da wird dir geholfen werden." Ungeachtet ihrer Schmerzen und Schwächen machte sie sich in aller Frühe auf den Weg und schleppte sich in das bezeichnete Wäldchen. In demselben fand sie sogleich das aus Thon gebrannte Muttergottesbild, in sitzender Stellung, das Jesukindlein in den Armen. Voll Vertrauen flehte sie zur seligsten Jungfrau Maria, die da ist das Heil der Kranken und die Trösterin der Betrübten, sie wolle ihr Hülfe und Heil bei ihrem eingcbornen Sohne erbitten. Ihre Bitte wurde erhört. Die Nachricht von dieser Gebetserhörung verbreitete sich in der ganzen Umgegend und alsbald kamen Hülfsbedürftige aus der Nähe und Ferne, um Rettung und Hülfe durch die Mutter des Herrn zu erlangen. — 172 — Das Vertrauen der Bittenden wurde vielfältig belohnt, und der Zulauf der Hülfesuchenden wurde immer größer. Unter diesen machte besonderes Aufsehen die Heilung eines Kindes, das an einem Auge blind war. Die Mutter dieses Kindes war zur Stätte des Erlenwäldchens hingegangen, hatte vor dem Bilde der gebenedeiten Jungfrau voll Inbrunst gebetet, es möchte Derjenige, der auf Erden den Blinden das Gesicht gegeben, sich auch ihres Kindes erbarmen, und ihm das geblendete Auge öffneu. Auch sie wurde erhört. — Ein Frevler, der sich über diese neue Wallfahrt lustig gemacht hatte, wollte seine Ruchlosigkeit an diesem Bilde thatsächlich kund geben. Er schoß einen Pfeil auf das Bild ab und stürzte in demselben Augenblicke todt zur Erde nieder. Bald darauf baute ein Bauer aus dem uahe gelegenen Weiler Reuthe, Namens Jodok Maier, eine kleine hölzerne Kapelle, um das Bild gegen Sturm und Wetter zu sichern. Weil aber die Zahl der Pilger immer zunahm, so ließ der Abt Wilhelm von Ottobeuren über dieser hölzernen Kapelle ein Kirchlein von Stein aufführen, welches sein Nachfolger durch den Anbau einer größeren Kirche erweiterte, so daß das erstgebaute Kirchlein das Chor des Ganzen ausmachte. Diese Kirche wurde am 19. November 1187 durch den Weihbischof Ulrich Geislinger von Augsburg feierlich eingeweiht. Im Jahre 1596 wurde für einen Eremiten eine Wohnung angebaut, der die Kirche und den Kirchendienst zu besorgen hatte. 1522 empfahl Abt Leonhard von Ottobeuren nach glücklich überstandencr Pest sämmtlichen Pfarreien seines Reichsstiftes, eine jährliche Prozession nach Maria-Elderu zur Danksagung zu geloben. Als bald darauf der Magistrat von Menuingen sich der Glaubensneuerung zuwandte, und die dort wohnenden Franziskanerinnen auf alle mögliche Weise vom katholischen Glauben abtrünnig zu machen sich bemühte, ließ der genannte Abt diese Klosterfrauen nach Maria-Eldern bringen. Bei diesem Anlasse wurde die Eremitenwohnung, in welcher die Klosterfrauen ihre Wohnung nehmen sollten, erweitert und durch einen Gang mit der Kirche verbunden. Zwölf Jahre laug lebten dieselben in diesem Klösterlein, dann, nachdem sich die Stürme der Reformation in Memmingen gelegt hatten, kehrten sie wieder dorthin zurück. Von dieser Zeit an wurde das Klösterleiu nur von einem Meßner und von den Klostergeistlichen bewohnt, die zur Feier des Gottesdienstes von Ottobeuren dorthin kamen. Abt Alexander ließ in der Kirche einen prachtvollen Altar errichten und das Gnadenbild auf demselben aufstellen; AbtBonifaz errichtete zwei Seitenaltäre, welche 1618 durch den Augsburger Weihbischof, Sebastian Bräuning, consekrirt wurden. 1678 erhielt Abt Benedikt die bischöfliche Erlaubniß, In dieser Kirche das aller- heiligste Sakrament aufbewahren zu dürfen und es wurde nun in derselben die Bruderschaft vom h. Sakrament errichtet. Indessen mehrten sich die Wallfahrer von Jahr zu Jahr und es entstand allgemein der Wunsch, daß einige Patres beständig in Maria-Eldern wohnen und den Gottesdienst versehen möchten. Deshalb wurde das alte baufällige Meßnerhaus abgebrochen und ein neuer Bau, 176 Fuß lang und 35 Fuß breit aufgeführt. Als der Bau 1687 vollendet war, wurde in demselben ein Priorat errichtet und Abt Benedikt, welcher auf die Abtei resignirte, ward der erste Prior daselbst. Im Anfange des 18. Jahrhunderts war die Kirche baufällig geworden; 1702 wurde der Grundstein zu einer neuen Kirche gelegt und dieselbe am 9. Mai 1710 vollendet. Abt Rupert II. ließ von Ottobeuren bis zur Gnadenstätte eine schöne breite Straße anlegen und an derselben in sieben kleinen Kapellen die siebe^ Hauptgeheimnisse der Leidensgeschichte Christi darstellen. In der Wallfahrtskirche führte er die Bruderschaft vom hh. Herzen Jesu ein. Zur Zeit der Pest 1717 kamen alle Pfarreien der Umgegend in Prozession nach Maria-Eldern und gelobten, jedes Jahr eine Dankprozession dorthin zu veranstalten. Am 12. Oktober 1806 wurde zuletzt das h. Meßopfer in der Kirche zu Maria-Eldern abgehalten. Am darauf folgenden Tage versteigerte man Altäre und Glocken und alle Werthgcgenstände der Kirche und des Priorats. Am 20. Oktober schritt man zum Abbrüche der Kirche und sämmtlicher kirchlichen Gebäude. Man ließ keinen Stein auf dem andern, selbst die Fundamente wurden ausgegrabcn. Nur ein Erlenbaum bezeichnet, wie oben gesagt, die Stelle, wo das Heiligthum gestanden. Die Patres zogen wieder in ihr Mutterhaus Ottobeuren zurück, nahmen aber das Gnadenbild mit. Sie stellten es im Convent-Krankenzimmcr auf. Nun strömte alles Volk dorthin, um dem Bilde seine Verehrung zu bezeugen. Deshalb wurde dasselbe weggenommen und dem damaligen Landrichter von Kolb übergeben. Dieser überlieferte es dem Dekan Schedel in Pleß, damit dieser es an das Ordinariat in Augsburg übersende. Solches geschah am 15. Juni 1812. Der damalige Generalvikar Jguaz Lumpert bewahrte es aus und nach seinem Tode kam es in die Hände des Bischofs Jgnaz Albert Rieg. Von diesem erhielt es der im Jahre 1834 zum Abt von St. Stephan ernannte Abt Barnabas Huber und nachdem in Ottobeuren wieder ein Priorat des Benediktinerordens errichtet worden, wurde es am 10. Oktober 1841 der Kirche desselben übergeben. Dort wird es nunmehr von der weiten Umgegend fleißig verehrt. Mariahilf bei Füssen. uer Weihbischof die Priesterweihe erhielt und am 25. März seine Primiz in der Kapelle Maria Verkündigung am Fuße des Berges hielt. Graf Gaschin bat zunächst das geistliche Amt in Breslau um die Genehmigung, daß Ordenspersonen aus der Krakauer Diözese in der Bergkirche predigen, celebriren und beichthören können, wozu am 16. Februar 1656 der Consens erfolgte. Auf Einladung desselben Grafen, der Landhauptmann der Fürstenthümer Oppeln-Ratibor gewesen und Präsident der schlestschen Kammer geworden, versammelte sich am Tage des h. Petrus von Alcantara sIS, Oktober) in Zyrowa der Weihbischof.Sebastian von Rostock, Franz Zgnaz Freiherr von Wclczek, Kanzler der Kathedrale, Ärchidiakon von Op- peln und Propst von Ratibor, der Guardian Franz Rychlowski mit noch einem Franciskaner und viele andere Gäste. Damals übergab Constantin Zwanicki, Dekan von Oppcln, fürstbischöflicher Commissar und Pfarrer von Leschnitz die Bcrgkirche dem Orden und entsagte allen Rechten auf dieselbe; für die Einbuße am Opfergelde und an Begräbnißgebühren entschädigte der Graf die Stadtpfarrei mit einem Kapital von 500 Thalern. Hierauf begann er den Bau eines Klosters von Holz neben der Kirche und stellte die Fundationsurkunde am 16. Juni 1657 auf Schloß Zyrowa aus. In derselben bezeugt der fromme Wohlthäter: Da der allmächtige Gott in seiner Güte ihn mit zahllosen Gütern reich gesegnet, wolle er zum Dank dieselben in die himmlische Schatzkammer zurücklegen und da es für jeden Katholiken strenge Pflicht sei, für die Erhöhung der heiligen Kirche zu sorgen, so wolle er auf seinem Porambaer Grunde, auf dem St. Georgenberge, Chelm genannt, damit in dem St. Annakirchlein, wo bisher nur einigemal des Jahres Gottesdienst stattgefunden, täglich das h. Opfer dargebracht werde, eine Kirche und Kloster bauen, das innerhalb 4 Jahren ausgeführt sein soll. Die Urkunde wurde am 16. Juli in der Oppelner Kanzlei bestätigt und weil die Lrdensbrüder keinerlei Eigenthum besitzen, dem apostolischen Syndikus Wenzel von Twardawa auf Dzieschowitz übergeben. Der Ort war zur Anlage mies Klosters sehr geeignet; von dem Gipfel reicht weit hinaus der Blick auf das böhmische, mährische und ungarische Gebirge; nach Osten sieht man das berühmte Kloster Czenstochau. Die ringsum in Thal und Ebene Wohnenden schauen gern ans den mit dem Heiligthum gekrönten Gipfel. Wer mit der Eisenbahn von Cosel nach Oppeln fährt, kann bei Dzieschowitz die freudige Erregung so mancher Passagiere wahrnehmen, die mit Andacht hinüber blicken, da es in Oberschlesien wohl wenig Katholiken gibt, die nicht wenigstens einmal die wichtige Stätte besuchten. Graf Melchior stiftete am 21. September 1658 aus seinen zahlreichen Gütern, den Herrschaften Zyrowa, Rosenberg, Woznik und Polnisch-Neukirch ein Majorat und verpflichtete den jedesmaligen Besitzer: daß er katholisch — 204 — sei, das Kloster in gutem Stande erhalte und die daselbst' angesessenen Ordenspersonen mit Lebensmitteln versehe. Zum Ausbau des Klosters schasste er das Material herbei und starb 1665 in Polnisch-Neukirch. Dessen Neffe, Georg Adam Franz Graf Gaschin, geboren 1653, kaiserlicher Page, übernahm nach der Rückkehr in die Heimath sein Erbe und wurde bald darauf Majoratsherr. Er ließ die alte hölzerne Kirche aus dem Berge abtragen und eine neue größere massive mit mehreren Altären errichten, welche der Weihbischof Karl Franz Neander von Petersheide 1675 consecrirte. Der genannte Graf wurde 4678 Oberstlandrichter, 1695 Landeshauptmann, vergrößerte seinen Grundbesitz und sorgte auch für die religiösen Bedürfnisse seiner Unterthanen. Schon der Oheim hatte die fromme Absicht, zu Ehren des Leidens Christi auf dem Berge nach dem Vorbilde Jerusalems die Kreuzwegsstationen zu errichten. Die örtliche Beschaffenheit mit den Thalern, Höhen und Gräben eignete sich vortrefflich zur Repräsentation vom Oclbergc, Berg Moria, Bach Cedron, Thal Josaphat, Hügel Golgatha. Am 28. Jau- nuar 1700 erhielt er die schriftliche Genehmigung vom Bischof, der aber die Aufsicht und Besorgung der Kalvarien-Andacht dem Pfarrer von Leschnitz übertrug. Der Graf berief aus Italien Baumeister und Maler, welche bis 1709 das neue Jerusalem „die Calvarie" mit 33 Kapellen errichteten; zunächst 17 größere, nämlich die des Erzengels Rafael, den Speisesaal, 2 Kapellen auf dem Oelberge, wo Christus Blut geschwitzet und gefangen ward, die Brücke über den Cedron mit einer Kapelle, das östliche Thor, durch welches man Christus in die Stadt führte, das Haus des Annas, des Kaiphas mit dem Gefängnisse, worin der Herr die Nacht zubrachte, den Palast des Herodes, wo er verlacht wurde, den des Pilatus mit den Stationen der Geisselung, Dornenkcönung, ltloes llomo, Verurtheilung; daim 14 Stationen bis Golgatha, 1360 Schritte umfassend, nämlich die Kapelle wo ihm das Kreuz aufgelegt wurde, die Kapelle, wo er der h. Jungfrau begegnete, das westliche Thor, wo er das zweite Mal fiel; für die weitere» Geheimnisse waren Figuren aus Holz und Stein gearbeitet, auf dem Kal- varienberge aber stand die Kirche der Kreuzigung mit dem h. Grabe. Alle Kapellen waren massiv, mit Bildern und je 2 bis 3 Altären ausgestattet. Außerdem errichtete der Graf zu Ehren der Gottesmutter die Kirche Mariä Verkündigung und Himmelfahrt, das Grab Mariens mit 10 anderen Kapellen, welche der schmerzhafte, Grabes und triumphirende Weg genannt werden. . Nachdem die Calvarie herrlich aufgeführt worden, wurde doch die Andacht nicht von Priestern geleitet. Der Pfarrer lehnte die Abhaltung wegen Ueberbürdung ab und die Ordcnspriester beriefen sich auf die Bestimmung des Bischofs vom Jahre 1700, ja der Provinziell reichte 1711 dem Fundator mehrere Gründe schriftlich ein, darunter den, daß nach einer Konstitution Urban's VIII. Mönche sonst ihren Ordensregeln nicht nachkommen können und so ruhte die Abhaltung. Die Kapellen verwuchsen mit Hecken und Zäunen. Papst Clemens XI. privilegirte am 29. Mai 1715 den St. Anna- Altar auf 19 Jahre, was der Genaralvikar Leopold Graf Frankenberg unterm 7. September verlautbarte. Das Privileg wurde 1726 erneuert. Georg Adam Franz Graf Gaschin starb am 6. Oktober 1719. Als Majoratsherr folgte Franz Karl, kaiserlicher Rath und Kämmerer, der ohne Leibeserben am 20. April 1733 verschied. Johann Joseph, der jüngere Bruder, geboren 1681, wohnte in Polnisch-Nenkirch, hielt sich aber in Zprowa ans, begann 1733 auf dem St. Annaberge ein neues umfassenderes und dauerhaftes Kloster im Geviert neben der Kirche aufzuführen, dessen Ausbau er aber nicht erlebte, da er schon am 6. Juni 1738 starb. Erst Karl Ludwig, dessen Halbbruder, vollendete den Ban, an dem sich viele Wohlthäter betheiligten. Der Fürstbischof Philipp Gothard Graf Schaffgotsch, der 1749 eine Generalvisitation in Oberschlesien hielt, besuchte am 15. Juni den h. Berg. — Im Frühlinge 1753 gingen einige Mönche zur Erholung aus. Der Weg führte sie zu einigen Kapellen, deren vermorschte Bilder nicht mehr kenntlich waren. Sie beschlossen, wenigstens die 14 Kreuzwegstationen zu besichtigen; 13 trafen sie in traurigem Zustande an, aber die Statue des dritten Falles Christi konnten sie im dichten Walde durchaus nicht finden. Auf dem Rückwege bemerkten sie die Abwesenheit des mitgenommenen Hundes und als sie nach ihm riefen, stieß er ein klägliches Geheul aus. Sie gingen auf den Schall zu und fanden, was sie vorher vergeblich gesucht. Der Hund, der die Statue des zur Erde gefallenen Erlösers für einen unglücklichen Menschen hielt, hatte sich zum Antlitz gelegt und das Gesicht benetzt. Es wurde einstweilen ein Fußsteig aus dem Kloster dahin angelegt. Von den 5 Söhnen des am 11. Februar 1754 verstorbenen Grafen erhielt der älteste, Anton, das Majorat. Inzwischen hatte der Provinziell Stefan Staniewski und sein Nachfolger Romuald Pluzinski sich bereit erzeigt, die von den Vorgängern verschmähte Calvarienandacht halten zu lassen. Der Graf hoch erfreut ließ die alten Kapellen, welche inzwischen in dem schlesischen und im 7jährigen Kriege halb verfallen waren, erneuern, breite Wege aushauen und zu den 33 noch einige neue Kapellen hinzubauen. Er selbst brachte bei den Arbeiten ganze Tage zu und ließ sich öfters das Essen aus Zyrowa holen. Nach einigen Jahren stand das herrliche Werk zu Ehren des leidenden Erlösers und seiner gnadenreichen Mutter vollendet da. Der sich m Oppeln aufhaltende Fürstbischof ertheilte am 6. September 1764 dem Guardian Severin Rössel die Fakultät zur Benedicirung der erneuerten und neuen Kapellen. Am 13. dieses Monats Nachmittags wurde die erste feierliche Calvarienandacht eröffnet, welche die gräfliche Familie, der Adel der Umgegend und eine große Menge Volkes durch ihre Gegenwart verherrlichten. Die Rosenkranzbruderschaft ans Ratibor, geführt von einem Dominikaner war zuerst angelangt. Als die Glocke der Kreuzkirche am Beginn der Andacht erklang, ergriff Alle eine solche Rührung, daß Priester und Laien, Reiche und Arme laut schluchzten und das Weinen Thäler und Höhen erfüllte, ja die Musik übertönte. Die erste Predigt lautete über den Spruch! „Alles ist bereit; gehe hinaus ans die Landstraße und nöthige sie hereinzukommen." Hierauf trugen die Priester ein großes Kreuz zur Kirche des h. Kreuzes und nach den Vespern folgte eine zweite Predigt. Tages darauf am Feste Kreuz-Erhöhung nach dem Gottesdienste besuchte die Prozession alle Stationen und war bei jeder Kapelle eine ExHorte. Mehr als 3400 Pöni- tenten empfingen die h. Communion. Später kamen die Cisterzienser aus Himmelwitz, die Franziskaner aus Cosel unb andere Priester und Mönche, nicht blos aus benachbarten Orten, sondern aus Böhmen, Mähren, Polen und Deutschland, mit ihnen unzählige Pilger, die Kreuze, Fahnen und Musik bei sich führten. Am nächsten Feste Mariä Himmelfahrt erschien auch der Fürstbischof G raf Schaffgotsch mit zahlreichem Clerus und blieb zwei Wochen; die Gefährten hörten Beicht und der Oberhirt communicirte während jeder Messe trotz großer Hitze in der Kirche. Einigemal besuchte er barfuß den ganzen Leidensweg und die Marienstationen. Kurz vorher hatte Clemens XIII. am 15. Juli 1765 die Calvarien bestätigt und vollkommenen Ablaß ertheilt denen, welche an den einzelnen Festen die Stationen besuchen und Jndulgenz der sieben Hauptkirchen zu Rom bei Besuch der Marienwege. Als der Graf Gaschin vorstellte, daß lahme oder schwache Pilger, auch schwache Frauen nicht im Stande seien, den Berg zu besteigen, um alle Stätte zu besuchen, so setzte die GouArsA-atio in- äulAöutiaruiu in Rom am 19. November fest, daß für solche der Besuch der Kapelle des Pilatus unterhalb genüge, wenn Sie die vorgeschriebenen andern Stationsgebcte und die vom Bischof aufgegebenen verrichten. Herbst 1766 erschien in deutscher und polnischer Sprache das erste Calvarienbüchlein. Pins der VI. ertheilte am 16. Juni 1776 hundert Tage Ablaß, so oft die Pilger die Stationen besuchen, und am 27. Januar 1778 vollkommenen Ablaß am St. Annafeste. Die Franziskaner hatten einen amtlichen Paß, ohne Hinderniß Almosen im Lande sammeln zu können. Um die Andacht noch zu vermehren, stellte der Graf noch die heilige Stiege auf. Bekanntlich war Christus bei Pilatus auf 28 Stufen herauf und herab gestiegen (von Kaiphas, von Herodcs, von der Geisselung). Am 3. September 1781 beuedicirte sie der Fürstbischöstichc Commissar Georg Heinrich Neumann aus Rozmierz. Am 19. August 1789 Nachmittags um 4stz Uhr erschien Friedrich Wilhelm II. mit dem Kronprinz auf dem Berge, um die Umgegend anzu-^ — 207 — schauen. Die Pforten waren mit Blumen, Gemälden und Inschriften geschmückt; Grafen, Barone und der Guardian standen bei dem Eingange; die Fraters grüßten durch stumme Verbeugung. Aus dem hochgelegenen Garten schaute der Monarch durch Ferngläser die Umgegend an und nahm Chokolade ein. Den Guardian sprach er lateinisch an: wie lange der Convent bestehe, wer sein Stifter, nurn sit onstockig, saosrciowni? Dann fragte er deutsch: ans welche Weise sie sich erhalten, ob äomus poenitkntiaria, und wie mit den Büßern procedirt werde. Vicar Guido Gromann beantwortete die deutschen Fragen. Lächelnd ging der hohe Gast zur Kirche, besah sich die St. Aunastatue, wollte auch in's Refektorium, da aber drei Weiber Bittschriften brachten, ging er zur Thür hinaus, wo er sich nochmals die Umgegend ansah und sich verneigend fortging. Die Stadt Gleiwitz, welche 1627 für glückliche Befreiung aus der Gefahr belagernder Feinde das Gelübde gemacht, alljährlich nach Czenstochan zu wallfahrten, lenkte in Folge eintretender Staatsumwälzung die Pilgerreise zuerst nach Pschow, dann auf den St. Annaberg. Graf Anton ist bestattet in der wenige Jahre vorher von ihm erbanten Magdalenenkapelle auf dem Berge am 18. Januar 1796. Er war mit Riesenkräften ausgestattet, zerbrach Thaler, Hufeisen u. s. w. und war im Staude, einen vierspännigen Wagen in der Fahrt aufzuhalten. Der Conventarchivar verzeichnete von 1657 bis in den Anfang dieses Jahrhunderts über 100 Gnadeuerweisungen, welche Kranke, Blinde, Lahme hier durch Heilung erfahren haben. Wie anderwärts alles Gold und Silber bei der französischen Occupa- tion zum Wohle des Vaterlandes abgeliefert werden mußte, so sendete auch das hiesige Kloster 98 Votivgegenstände ein. Im Jahre 1810 wurden die Klöster aufgehoben und ein Wallfahrtsgeistlicher als Kalvarienprediger angestellt, dem die benachbarten Priester Aushülfe leisteten. — Die Breslauer Regierung räumte am 10. Oktober 1811 dem Orte das Recht ein, am 29. Juni, 25. und 26. Juli Jahrmarkt abzuhalten. Am 19. Juni 1819 war der Kronprinz in Cosel und fuhr nach Tische auf den Annaberg, dessen Aussicht ihn erfreute. Im Jahre 1827 hat das Ministerium der geistlichen Angelegenheiten bewilligt, daß der Andachtsort der bischöflichen Behörde übergeben werde. Obgleich wegen hermetischer Sperre aus Russisch-Polen Niemand über die Grenze durfte, so waren im Jahre 1843 doch zum Feste Kreuzerhöhung 80,000 Pilger anwesend, allein ans Ratibor und Umgegend H7 Meilen) 000. Fünf Franziskaner leisteten Aushülfe. Die Prozession der Deutschen beginnt Istz Stunde früher als die der Polen; bei jeder Station wird von - Kanzel eine Ansprache gehalten. Am 15. August 1846 waren 10,000 — 208 — Pilger polnischer Zunge, innerhalb der Oktav 15,000, am 22. August 8000 anwesend; zum Hauptfeste im September 40,000. Im Jahre 1850 wurde das Innere der Kirche, so wie die Klostergänge getüncht und die Zellen behufs der Exercitien gereinigt und wohnlich eingerichtet. Anfang September dieses Jahres hielt Dr. Westhoff die Exercitien für Geistliche ab. Obgleich 1836 und 1849 amtliche Verordnungen bestimmten, daß die Pfarrer ihre Parochianen zuvor Beicht hören, ehe sie auf die Wallfahrt sich begeben, so lieben doch viele Pönitenten, namentlich große Sünder, ihr Bekenntniß außer der Pfarrkirche abzulegen. Im Jahre 1860 wurde Kirche uud Kloster wieder den Franziskanern von d er strengen Observanz übergeben; 1861 auf dem Provinzialkapitel das Hospiz zum Convent erhoben. Vom 6. bis 8. August dieses Jahres wurden Exercitien für Schullehrer abgehalten. 1862 gewährten die Eigenthümer der Herrschaft Zyrowa gegen Entlastung von Gewährung der Lebensmittel an das Kloster dem fürstbischöflichen Stuhle auch sämmtliche Prozessiouswege, Plätze, Zugänge der Kapellen u. f. w. und verflichteten sich, 15 Fuß vom Kloster und Garten das Basaltlager nicht aufzudecken. 1865 war das Kloster von 4 Priestern, 11 Novizen und 2 Laienbrüdern des Franziskanerordens bewohnt, welche auch den Pfarrern der Umgegend Aushülfe leisteten und Missionen hielten. Große Ablässe fanden statt am Annafeste, Mariä Himmelfahrt und Kreuzerhöhung, an denen bis 50,000 Pilger erschienen. Vom 13. August bis 18. September 1864 war die hundertjährige Jubiläumsfeier der Calvarienandacht mit vollkommenem Ablaß für die Theilnehmer. 1869—1871 waren 5 Ordenspriester und 9 Laienbrüder thätig. In Folge des Culturkampfes wurde am 1. August 1875 unter dem Guardian Osmund Laumann die Niederlassung geschlossen, doch seit dem Oktober 1881 wirken wieder 2 Ordenspriester als Hülfspriester in Weltpriesterkleidmig am Gnadenorte. Deutsch-Piekar» am äußersten Ende von Oberschlesien gelegen, durch die 1000 Schritte entfernte Brenitze von Rußland getrennt, wird 1277 zuerst genannt. Der Ort war nach Beuthen eingepfarrt. Paul, Bischof von Krakau, verlieh am 6. Oktober dieses Jahres mit Zustimmung des Pfarrers Hermann von — 209 — Beuthen der von ihm consekrirten Kirche zu Kamin Parochialrechte auch über Piekar. Der Beuthner Kreis in seiner Ergiebigkeit auf dem Felde des Bergbaues ist nicht erst der industriellen Neuzeit bekannt worden, schon vor vielen hundert Jahren wurde diese Schatzkammer ausgebeutet, und die Silberadern der Erde, die dort geöffnet wurden, lockten Tausende von Menschen zu gewinnreicher Thätigkeit herbei. Bald bildeten sich um Beuthen junge Kolonieen und ganze Ortschaften aus zugezogenen Ausländern. Eine solche Kolonie von Deutschen, Peckar (Pickar) genannt, wuchs in kurzer Zeit zu ansehnlicher Größe heran, und somit stellte sich das Bedürfniß nach einer Kirche fühlbar heraus. Diese Kirche sollte, wie der Volksmund berichtet, auf einem nahegelegenen Hügel, Cerekwia, errichtet werden, kam aber daselbst deswegen nicht zur Ausführung, weil jedesmal des Nachts durch eine unsichtbare Kraft hinweggenommen wurde, was Tags zuvor an Baumaterialien herbeigeschafft worden war; und dieselbe unsichtbare Hand, welche das Bauholz davon trug, richtete zugleich in Mitte des Dorfes Piekar einen Platz her, der zum Kirchbau geeignet war. Somit wurde denn der ursprüngliche Plan aufgegeben und im Jahre 1303 innerhalb des Dorfes eine Kirche aus Fichtenholz zu Ehren des Apostels Bartholomäus errichtet, deren Konsekration im Jahre 1318 stattfand. An der linken Seite dieser Kirche, unmittelbar am Eingange zur Sakristei, stand ein Nebenaltar zu Ehren der jungfräulichen Gottesmutter, dem ein Bild aus Lindenholz gemalt, zwei Ellen hoch und ebenmäßig breit, als Zierde diente. Ueber dieses Bild äußert sich ein Schriftsteller in folgender Weise: „Das lebhaft glänzende Angesicht des Bildes hemmet in Bewunderung den Anschauenden die Benrtheilungskräfte in dreierlei Sachen, daß sie bei sich selbsten nicht zu entscheiden wissen, ob mm nämlich der fürtrefflichen Schönheit und Liebreizen der Anmüthigkeit, oder aber, der sich über menschliches Begreifen gebührender Majestät, bei des wunder-strahlenden Gesichts heiliger Züchtigkeit und zur Andacht ermunternder Frömmigkeit, in dem holdseligen Bild den Vorzug geben solle? Bei allem dem ist gleichwohl unstreitig, in Acht und wahrgenommen worden, ja von vielen hoch betheuert worden, daß die mehresten Personen, welche etwas näher hinzugetreten und mit genauer Beobachtung die Bildnuß der wunderlieblichen Mutter angeschauet und betrachtet, vermerket haben, wie daß das h. Bild etwelchen erschienen zu entbrennen in ein Ehr-förchtiges Schröcken, andern zur Traurigkeit zu erblassen, vielen zur Freudigkeit lebhaft zu werden; insgemein aber allen solche süße Herzensbewegungen verursachet, daß selbige zu andächtigen Thränen erweichet worden." Somitwurde das Bild im weiten Umkreise ein Gegenstand allgemeiner Verehrung, und als nun gar noch mehrfach wunderbare Heilungen von allerhand Krankheiten und Gebrechen durch dieses Bild bewirkt wurden, so strömten alsbald große Schaaren frommer Wallfahrer allerwärts her nach — 210 — Piekar zusammen. Leider ist zu beklagen, daß wir über diese Zeit keine näheren Aufzeichnungen überkommen haben. Inzwischen kam die traurige Zeit der Kirchentrennung heran, und der Protestantismus, der in dem gemischten Elemente der Bergarbeiter merkliche Fortschritte machte, brachte das Muttergottesbild von Piekar in einige Vergessenheit. Diese Vergessenheit dient aber unserm Bilde gleichsam zum Schutzmittel vor der nunmehr hereinbrechenden Wuth eines Bildersturmes, der im Gefolge der neuen Lehre auch in Oberschlesien Eingang fand. Waren dies in der Geschichte unseres Bildes Tage der Erniedrigung so sollten auch wieder Tage der Erhöhung und Verherrlichung folgen. Im Jahre 1659 war es, wo das Bild solch wunderbaren Wohlgeruch ausathmete, daß der Pfarrer Jakob RoczkowskUsi sich hierdurch veranlaßt sah, dasselbe vom Nebenaltare auf den Hochaltar zu übertragen, um es der allgemeinen Verehrung des Volkes zugänglich zu machen. — Gleichsam als wolle man das Unrecht, das man der Muttergottes bisher angethan, durch verdoppelten Eifer in ihrem Dienste wieder gut machen, beeilten sich jetzt Alle den Ruhm des Muttergottesbildes von Piekar überall hin auszubreiten, ja der Bischof von Krakau, Andreas Trzebieski, zu dessen Diözese Piekar damals gehörte, setzte in die Muttergottes von Piekar so großes Vertrauen, daß er unter ihrem mächtigen Schutze eine Mission zur Ausrottung der neuen Irrlehre in Tarnowitz zu veranstalten gedachte. Zu diesem Zwecke wurden zwei Priester der Gesellschaft Jesu, ?. Georg Pospelius und?. Thomas Witkowitz ausersehen, die am Feste der Opferung Mariä 1675 in Tarnowitz einzogen und mit einer achttägigen Andacht zur Muttergottes von Piekar ihr Missionswerk begannen. Eine verheerende Seuche war 1676 in Tarnowitz ausgcbrochen und der Würgengel schlug Hunderte in wenigen Tagen, so daß des Jammers und des Wehgeschrei's daselbst übermäßig viel wurde. Da machten sich die Bewohner von Tarnowitz aus und zogen unter der Leitung der Missionare hinan gen Piekar, Gesunde und Kranke, Reiche und Arme, Recht- und Irrgläubige; eine große Schaar, um von der Helferin der Christen Rettung z» erflehen. Und, wie es noch nie erhört worden, daß Jemand, der zu ihr seine Zuflucht nahm, verlassen worden wäre, so wurden auch diese Wallfahrer gar bald Marias Beistand inne, die Seuche ließ nach und wich, ^ und zahlreiche Dankopfer verkündeten Marias Lob. Solche Wunderthaten konnten nicht verborgen bleiben, in alle Welt trug sich hinaus ihr Ruf, und wie es allerorts der Leiden und Gebrechen aller Arten gab, so schickte auch fast jeder Ort, weit über die Grenze» H Jakob Roczkowski, geb. in Gleiwitz 16S6, studirte in Posen und Bresla», wurde in Neisse iK5g ordinirt, war 3 Jahre (Lieschianer) Vikar in Breslau, hieraus Pfarrer in Piekar bis 22. Okt. 1678, wo er nach Machnitz ging. — 211 — Schlesiens nnd Polens hin, seine Gesandten nach Piekar,- um der Himmelskönigin zu huldigen. Daher kam es denn, daß au den Festen Mariens bei MO Menschen und darüber sich zum Empfange der hl. Sakramente drängten. Um aber diese vielen Hungrigen zu speisen, galt es, eine größere Anzahl derer herbeizurufen, die den Kindern das Brod brechen sollten, deshalb bat der Pfarrer Roczkowski die Missionare von Tarnowitz um Aushilfe, die ihm alsbald zu Theil wurde. Diesen vereinten Kräften unverdrossener Arbeiter gelang es in kürzester Zeit unter dem Beistande Marias blühenden Segen weithin zu verbreiten und den Schatten des Irrthums immer mehr zu verscheuchen. Als Roczkowski, der vom Eifer im Dienste Gottes und Marias glühte, sah, welch herrliche Früchte unter den Händen der Missionäre reiften, faßte er den Entschluß, die ganze Pastoration seiner wichtigen Pfarre den Missionären zu überlassen und zu diesem Zwecke auf seine Pfarrei zu resigniren! Diesen Entschluß theilte er dem Wcnzeslaus Schwertfer mit, der zur Zeit als erster Rektor dem Jesuitenkolleg zu Oppeln vorstand. Schwertfer erkannte die Bedeutung dieses Planes und billigte denselben. Der Patron der Kirche von Piekar, der deutsche Kaiser Leopold, übersandte auch wirklich dem Jesuitenkolleg zu Oppeln die Präsente und der Bischof von Krakau bestätigte am 4. Febr. 1677 die Besetzung der Pfarrei Piekar durch Patres aus der Gesellschaft Jesu. Die feierliche Mebergabe der Pfarrei an das Jesuitenkolleg erfolgte am 25. März 1679. Das folgende Jahr, 1680, ist gleichsam der Glanzpunkt in der Gesch ichte unseres Muttergottesbildes. Der Kaiser Leopold I. hatte zu wiederholten Malen die überraschendsten, zugleich aber auch zuverlässigsten Nachrichten über die Wunderthätigkeit des Muttergottesbildes von Piekar erhalten nnd war von der Wahrheit derselben so überzeugt, daß er nunmehr sein volles Vertrauen aus die in diesem Bilde sich bethätigende Gnadenspende der Muttergottes setzte. Während sich nämlich Leopold I. in Prag aufhielt, wurde die Hauptstadt Böhmenssvon einer furchtbaren Pest heimgesucht. Alsbald (am l9. Febr.) wandte sich der Kaiser an ?. Schwertfer, den Rektor des Jesuitenkollegs zu Oppeln mit dem Ersuchen, das wunderthätige Bild von Piekar auf einige Zeit nach der Hauskapelle des Jesuitenkollegs von St. Element in Prag übertragen zu lassen, damit durch eine besondere Hausandacht dieses Kollegs der mächtige Schutz der Gottesmutter gegen die verheerende Geißel der Pest erfleht würde. ?. Schwertfer kam dem Wunsche des Kaisers nach, und somit finden wir denn unser Bild im Jesnitenkolleg zu St. Element in Prag wieder. Lange aber konnte die Anwesenheit des Bildes nicht verborgen bleiben, zumal die Nachricht von der wunderbaren Heilung des kranken Sakristan der deutschen Bruderschaft sich mit Blitzesschnelle durch die ganze Stadt verbreitete. Das Kolleg zu St. Element wurde von Menschenmassen förmlich be- 14* — 212 — stürmt, die Zutritt zum Gnadenbilde forderten. Um dem Verlangen des Volkes genug zu thun, wurde die Uebertragung des Bildes nach der mit dem Elementinnm in Verbindung stehenden, geräumigen St. Salvatorkirche veranstaltet. Auf einem unter der Kuppel dieser Kirche errichteten, mit starkem Eisengitter abgeschlossenen Altar wurde das Bild ausgesetzt. Jetzt nahm der Zulauf der Menschen von Nah und Fern, von Alt und Jung, Hoch und Niedrig den weitesten Umfang. Ganz Prag und die Umgegend suchte seine Zuflucht bei der Muttergottes von Piekar. Das innige Rufen und Flehen eines ganzen bedrängten Volkes sollte nicht unerhört bleiben. Die Pest ließ nach und wich. Da befahl der Kaiser die Uebertragung des Bildes nach seiner Hofkapelle und nun widmete sich der ganze Hof während des Zeitraums von drei Tagen der ungestörten und eingetheilten Verehrung Marias. Doch das laute Murren des Volkes verkündete, daß in Abwesenheit des Bildes die Pest ihre schreckliche Rückkehr in die Stadt genommen habe. Daher beschloß denn der Kaiser auf den Rath des Erzbischofs von Prag, zur ferneren Abwendung der Pest solle mit dem h. Bilde durch alle drei Prager Städte ein feierlicher Umgang abgehalten werden. Dieser feierliche Umgang fand am 15. März statt und nicht nur der Erzbischof, sondern auch der Kaiser, die Kaiserin mit dem ganzen kaiserlichen Hofe und dem gesummten höchsten Adel des Reichs begleiteten das h. Bild bis in die Domkirche zum h. Vitus, woselbst sie dem Hochamt beiwohnten, welches der Erzbischof selbst vor dem Gnadenbilde feierte. Der fromme Sinn so vieler tausend Menschen sollte nicht unbelohnt bleiben. Noch an demselben Tage ließ das Wüthen der Pest nach und i» kürzester Zeit hatte dieser todtbringende Gast Prag verlassen. Der Kaiser konnte sich's nicht versagen, der wunderbaren Mutter des Lebens die kostbarsten Weihgcschenkc zu Füßen zu legen. Hören wir, was der Chronist darüber zu erzählen weiß. Er spricht von v ielen großen kaiserlichen Geschenken, von vierzehn Sephiren, die wegen ihrer außerordentlichen Kostbarkeit sehr hoch und werth gehalten wurden, wie auch von fünfzehn Rößlein, welche mit untermischten raren Diamanten majestätisch gefunkelt und dem Bilde einen besondern Glanz verliehen hätten. Ferner berichtet er, die Kaiserin habe dem Jesukindlein ein Halsband bestehend aus zwölf schönen, achteckigen Sternen um den Hals gehängt; die Kaiserin-Witwe habe der Muttergottes zum Stirnschmuck einige Karfunkel- steinc von großem Werthe, die in Form einer Rose sehr künstlich zusammengesetzt waren, geschenkt. Auch die Erzherzogin Anna wollte nicht nachstehen und opferte drei kostbare Ohrgehänge. Besonders hervorzuheben ist noch das Weihegeschenk der Gräfin von Sintzendorff, das aus 1518 raren orientalischen Stücken Perlen im Werth bis auf zweitausend Gulden bestand. Andere haben kostbare Edelsteine, werthvolle Ringe und sonst noch viele Geschenke — 213 — und Opsergaben der Mutter des Herrn zum Danke dargebracht. — In solcher Weise ausgeschmückt wurde das h. Bild wieder nach Piekar geschickt, woselbst es bereits am 24. März 1680 wiederum auf dem Hochaltar prangte, um am folgenden Tage, als am Feste der Verkündigung Mariens, von unzähligen Wallfahrern mit großem Jubel begrüßt zu werden. Es waren aber seit der Rückkehr des Bildes noch nicht 3^/z Jahr verflossen, als die wunderbare Mutter Gottes von Neuem ihr Heiligthum verlassen mußte. Diesmal galt es keinen Triumphzug, sondern die Sicherheit in stiller Verborgenheit. Die Türken waren unter Kara Mustapha bis vor die Mauern Wiens gedrungen und bedrohten die ganze Christenheit. Weithin verbreitete sich der größte Schrecken. Auch die Väter der Gesellschaft Jesu unterschätzten die Gefahr nicht nnd waren vor Allem darauf bedacht, ihren kostbaren Schatz zu Piekar der drohenden Gefahr bei Zeiten zu entrücken. Sie verbargen daher das wunderthätige Bild in ihrem Kolleg zu Oppeln und hinterließen in Piekar an Stelle des Originalgemaldes eine Copie. Aber selbst diese Copic sollte zum Gnadenbilde werden, und galt der Besuch, den der edle Polenkönig Johann Sobieski sammt seinem Heere am 20. August 1683 in Piekar machte, dem Original, auch vor der Copie fand der fromme Fürst Erhörung seiner Bitten bei der Helferin der Christen. Er sowohl, wie auch die ihn begleitenden Fürsten Wisniowecki und Radzi- wil zogen mit erstarktem Muthe von dannen, und was Sobieski drei Wochen später unter dem Schutze der Mutter Gottes vor Wien geleistet, das berichten die Annalen der Weltgeschichte. Seit dieser Zeit begannen die Wallfahrten sowohl nach Oppeln als auch nach Piekar. Anfangs hatte sich zwar Oppeln einer größeren Anzahl Wallfahrer zu erfreuen, da deren Zahl in manchen Jahren bis auf 40,000 angegeben wird, in jüngerer Zeit jedoch haben die Wallfahrten dahin ganz aufgehört, während Piekar bis ans den heutigen Tag ein häusig besuchter Wallfahrtsort geblieben ist. Nachdem die Türkengefahr verschwunden war, wurde das Original wieder nach Piekar geschafft, so daß der zum Könige von Polen erwählte August Kurfürst von Sachsen am 27. Juli 1697 vor dem Muttergottesbilde von Piekar in Gegenwart des Samogetischen Bischofs Georg Crispin das katholische Glaubensbekenntniß ablegen konnte. Als aber Karl XII., König von Schweden!, nach der Schlacht bei Narwa als Sieger bei Riega über die Düna schritt und nach Polen drang — und das Hausen der Schweden noch aus dem 3vjährigen Kriege zur Genüge in Erinnerung war — mußte das Bild abermals nach Oppeln geflüchtet werden. Am 31. Juli 1702 wurde es in der Jesuitenkirche in Oppeln untergebracht. Daselbst verblieb es nunmehr bis zur Aushebung des Jesuitenkollegs. Seit dem Rescript der Königlichen Regierung vom 3. Mai 1813 und der Bestätigung des Fürstbischöflichen General-Vikariats - Amtes vom 28. Oktober desselben Jahres ist die Oppelner Pfarrkirche zum h. Kreuz im Besitz des Gnaden- bildes. Unter den in diesem Jahrhundert in Piekar thätig gewesenen Pfarrern verdient besonders Johann Alois Fietzen einer Erwähnung. Geboren am 10. Mai 1790 in Gr. Döbern bei Oppeln, trat er 1807 in das Schull lehrcr-Seminar zu Ober-Glogau, wendete sich jedoch 1809 den theologischen Studien zu, wurde 1817 in Krakau ordinirt, war dann Kaplan in Czelatz, 1822 Pfarrer in Ziemientzitz, 1826 in Piekar, wurde 1833 Dekan, 1835 fürstbischöflicher Commissar, 1848 Ehrendomherr und starb am 28. Febr. 1862. Er stiftete den Mäßigkeitsverein, welcher sich bald in Oberschlesien weithin verbreitete. Im Jahre 1842 begann der Neubau der Kirche, zu welchem Graf Hemkel von Donncrsmarck auf Siemianowitz das Bauholz im Werthe von 10,000 Thlr. schenkte. Die neue Kirche wurde nach Abtragung der innern am 8. September 1846 benedicirt. Am 1. Oktober desselben Jahres besuchte König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen Piekar und sprach sich lobend über den Neubau aus. Am 22. August 1849 consckrirte der Fürstbischof von Breslau, Cardinal Dicpenbrock, das Gotteshaus. Wunderbare Heilungen finden auch gegenwärtig noch daselbst statt. Maria-Hilf bei Freudsnkhal. iese uralte Stadt verdankt ihren Ursprung dem Bergbau, wie ihre Wappen — ein zwischen zwei Felsen stehender Bergmann mit einem lang gestielten Hammer auf der rechten Schulter, im blauen Schilde — andeutet. Sie kam mit der Herschaft Freudenthal zufolge Kaufvertrags vom l0. Juli 1621 in den Besitz des deutschen Ritterordens. Zweiter Statthalter der Hoch- und Deutschmeister war Augustin Oswald von Lichtenstein, von 1641 bis 1652. Dieser verirrte sich eines Tages ans der Jagd in den damals noch dichten Waldungen der Umgegend Frenden- thals. Ermattet vom vergeblichen Aufsuchen eines Auswegs aus der Wild- niß sank er auf moderndes Holz; da hörte er nach langer Zeit menschliche Stimmen. Er ging ihnen entgegen und fand Köhler, die ihn in ihre Hütte aufnahmen, dort dem Halbverhungerten Brod reichten und ihn nach einiger Rast in seine Heimath wiesen. Der Ort, wo die Rettung erfolgte, befand sich auf dem sogenannten Köhlerbergc, eine halbe Stunde von Freudenthal. Oswald von Lichtenstein erbaute dort der h. Maria aus Dankbarkeit eine Kapelle, Maria-Hilf genannt, die er mit ihrem Bildniß, gemalt nach dem Muster der Maria-Hilf zu Passau, zierte. Es währte uicht lange, so wallfahrtete — 215 — man nach dieser Kapelle als einem Gnadenorte und brachte Opfer. Dadurch kam dieselbe zu Vermögen, woraus man mit einer Beisteuer des Hauskom- thurs Freiherr von Werdenstein von 6000 Fl. von 1756—1758 statt der Kapelle eine große Kirche mit einem staatlichen Thurme, einem Musikchor und Seitenchören erbaute. Am 19. September 1819 schlug der Blitz in den Thurm der Kirche, wodurch er und das Kirchdach abbrannten. Der Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Anton Viktor ließ den Schaden wieder beseitigen und gab neue Glocken aus dem Metall der Kanonen des Schlosses Eulenberg in Mähren. In der Kirche befindet sich unterhalb des Musikchors ein Bild, welches eine Scene aus dem siebenjährigen Kriege darstellen soll. Preußen, welche Freudenthal überfallen wollen — so erzählt der patriotische Küster — sehen in der Ferne die Fahne einer nach Maria-Hilf wandernden Prozession, halten diese für feindliches Militär und fliehen. Auf dem Berge befindet sich noch die Wohnung des Küsters, eine Sommerwohnung für den Geistlichen und ein Wirthshaus. Eine schöne Allee führt von Freudenthal auf den Berg. Dieser (2132 Fuß) südwestlich von der Stadt gelegen, bildet eine nach West, Nord und Ost sanft, und nach Süd steil abfallende Basaltklippe. Vulkanische Bomben und Schichten von Rapilli finden sich an den entblößten Stellen. In einer Mulde im oberen Theile des südlichen Abhanges liegen graue und rothbraune Lavastücke und Rapilli. Der Berg wird von Naturforschern häufig besucht. Die Aussicht auf das mährisch- schlesische Gesenke und den großen vulkanischen Rautenberg ist schön. Die Kirche war früher an den Marientagen stark besucht; jetzt beschränkt sich der Andrang meist auf die Umgebung im Kreise einiger Meilen. Nnsery liebi» Frau zu Hochkirch bei Grotz-Glvgau. ie Wallfahrtskirche Hochkirch ist eine der ältesten Kirchen des Glogauer Fürstenthums. Gemäß einer alten Ueberlieferung, welche der Pfarrer Anton Rauch in einer Urkunde niedergelegt hat, wollte man die Kirche auf einem etwas höheren, mehr nach Mittag gelegenen Berge bauen und hatte auch schon das nöthige Baumaterial angefahren, aber in der Nacht wurde das am Tage Angefahrene von den Engeln auf den jetzigen, mehr nach Norden gelegenen Kirchberg getragen. Damals wollte der allmächtige Gott schon anzeigen, wie er diesen Ort zum Wunderort, zu einem Ort der tausendfachen, durch Fürbitte der allerseligsten Jungfrau schon erlangten und noch zu erlangenden Gnade auserwählt habe, wie sehr viele Beweise und noch mehr die hier gethanen Gelübde der Wallfahrer bezeugen, der Pfarrer Rauch. Die Kirche hat aber im Laufe der Zeit verschiedene Unglücksfälle erlitten. Einmal legte sie die Flamme des feindlichen Kriegers, ein andermal ein Blitzstrahl dergestalt in Asche, daß durch lange Zeit ihre Mauern in Trümmern lagen, bis sie endlich durch Vermittelung des Fürstbischofes von Breslau nach und nach wieder hergestellt wurde. — Durch ein Jahrhundert und länger ließen die Stiftsherren in Glogau durch Kapläne die Seelsorge verwalten. Um das Jahr 1694 begann der Kanonikus und Pfarrer Ranch hier seinen Wohnsitz aufzuschlagen, und weil er ein frommer Priester und eifriger Verehrer der seligsten Jungfrau war, wirkte er auch eifrig zur Ehre Gottes und Erbauung der Gemeinde. Um diese Zeit war auch die Wallfahrt zur Lieben Frau nach Hochkirch in großer Blüthe. Baron von Dyrhen, welcher zur katholischen Kirche sich bekehrt hatte, und Unsere Liebe Frau in Hochkirch kindlich verehrte, wallfahrtete alle Jahre hierher, bedachte die Kirche mit mehreren Vermächtnissen und bestimmte durch ein eigenes Vermächtniß, daß die Väter Franziskaner von Glogau alljährlich am Feste Mariä Geburt eine Prozession nach Hochkirch halten sollten. Auch verlieh Papst Clemens XIII. den Wallfahrern einen vollkommenen Ablaß auf jeden beliebigen Tag. — Woher aber, wie und wann das Gnadenbild nach Hochkirch gekommen, davon ist nichts bekannt, da die Urkunden verloren gingen. Das Bild der Lieben Frau aus Holz geschnitzt, mit Kleidern und wcrthvollen Votivgeschcnken geschmückt, befindet sich in einem Glasschranke auf dem Hochaltare. — Schon seit vielen Jahren verehren zahlreiche Wallfahrer aus der Umgegend die hohe Himmelskönigin in diesem Bilde. An ihrem Geburtsfeste und die Oktav hindurch finden sich noch jetzt alljährlich 6990 bis 8990 Wallfahrer aus der ganzen Umgegend ein- Alte Ausschreibungen geben Zeugniß, daß das kindliche Vertrauen vieler Wallfahrer auf die Macht und Güte Unserer Lieben Frau vielfach belohnt wurde. Als der Erzpriester und Pfarrer Johann Tausch an der Kirche baute, ging ihm das Geld aus. Der Samstag kam, und er konnte den Arbeitern den Lohn nicht bezahlen. Da nimmt er seine Zuflucht zur Mutter Gottes, eilt, nachdem er zuvor seine Stube verschlossen, in die Kirche. Wie er wieder zurückkehrt, und die Stube aufschließt, findet er das nöthige Geld aus dem Tische. Niemand von den Seinigen war in seiner Stube gewesen. So ward es nach der Erzählung des nächsten Nachfolgers des Pfarrers Tausch und dem Berichte der Bewohner Hochkirchs vom Pfarrer Johann von Höpsel aufgeschrieben und hinterlassen. Derselbe erzählt auch, daß zwei Frauenspersonen ans Naumburg ein 7—8jähriges Mädchen hierherbrachten, welches so kurzsichtig war, daß es einen Apfel, den er ihm vorhielt, nicht sehen konnte. Sie ließen eine h. Messe lesen und beteten für das Kind. In demselben Jahre gegen Ende der Oktav von Mariä Geburt kamen sie wieder nach Hochkirch und erzählten mit — 217 — Dank gegen Unsere Liebe Frau, daß das Mädchen sehend geworden. Pfarrer von Höpfel setzt seinen Berichten noch bei: „dieß bezeuge ich zur Ehre Gottes und der seligsten Jungfrau." Auch jetzt noch spendet Maria Gnaden in Hochkirch an jene, die mit Vertrauen an ihr mitleidvolles Herz klopfen. Davon geben Zeugniß die vielen Weihegeschenke die in der Kirche aufgehangen sind. Marienfeld auf dem Buvgberge bei Jägerndorf im Oggathale. ^^üdöstlich von der Stadt Jägerndorf erhebt sich der Burgberg (1370 Fuß) mit einer Aussicht, die an Lieblichkeit der von der Burgruine bei Heidelberg nahe steht. Schon unter den böhmischen Premis- liden stand hier eine Bildsäule der schmerzhaften Mutter Jesu, zu der man mllfahrtete. Sie verschwand, als Luthers Lehre in dieser Gegend Wurzeln faßte. Nach der Herstellung der katholischen Religion ließ der Minoriten- Quardian Cornelius Ottweiler aus Jägerndorf von 1679 bis 1684 eine- hölzerne Kapelle auf dem Burgberge errichten, welche der Rathsherr Heinrich Täuber mit einem Bilde der h. Maria (mit Oel auf Leinwand gemalt) schmückte. Die Wallfahrten erneuerten sich wieder und die Zahl der Besucher mehrte sich so, daß der Minoriten-Quardian Kubin mit Beihülfe des Fürsten Joseph Adam von Lichtenstein (er gab das Baumaterial) und von Sammlungen 1722—1727 eine schöne al trssvo gemalte Marienkirche auf dem Burgberge aufführen ließ, deren Thürme weithin Leuchter für die Gegend find. Im bayerischen Erbfolgekriege (1773) besuchte auch Friedrich der Große, der sich vom 22. Oktober an durch eilf Tage in Jägerndorf aufhielt, den Burgberg; er ließ dort Schanzen und Verhaue anlegen. Damals wohnten noch zwei Einsiedler als Diener des Berges oben. Unter Joseph II. sollte die Burgbergkirche im Interesse des Fortschritts abgebrochen werden; sie kam am 20. Mai 1791 unter den Hammer und vier Jägerndorfer Bürger erstanden sie um die Bagatelle von 406 Gulden- Diese Ehrenmänner waren aber nicht vom sogenannten Aufklärungssieber ergriffen, sondern noch bei gesunden Sinnen. Ihr schlichter Verstand begriff das Gemeinschädlichc der Kirche nicht; im Gegentheil hielten sie dieses weithin sichtbare Monument des lebendigen Gottessinnes ihrer Vorfahren für eine Zierde der Gegend und waren der Ansicht, daß dessen Besuch für Jedermann, reich oder arm, eine der ehrenhaftesten Erholungen sei. Sie frevelten also nicht am Heiligthume, sondern warteten auf den Wandel der Zeiten. Schon am 8. September 1795 wurde der Wiedergcbrauch der- — 218 — Kirche für den öffentlichen Gottesdienst gestattet. Joseph II. schläft schon lange nnd noch immer hört man an den heiligen Tagen „Unserer lieben Frau" vom Burgberge die frommen Gesänge der Wallfahrer aus der Nähe und Ferne. Oswitz. m Ende des Dorfes Oswitz, eine Stunde von Breslau entfernt, befindet sich der heil. Berg, der, wie die Ausgrabungen der neueren Zeit beweisen, in alter Zeit den Heiden als Begräbnißstätte gedient hatte, um ihre Todten gegen die Ueberschwemmungen der nahe vorbeifließenden Oder zu schützen. Die Wallfahrt daselbst verdankt ihrer Entstehung folgendem wunderbaren Vorgange. Dem im Jahre 1724 plötzlich erblindeten und am ganzen Körper gelähmten Sänger Balthasar am Mathiasstifte in Breslau träumte es, er habe sich auf dem hl. Berg bei Oswitz tragen lassen und habe dort vor einem Marienbilde durch die Fürbitte der Gottesmutter Hülfe und Heilung gefunden. Aus seinem Traume erwacht, ließ er sich an den fraglichen Ort bringen, betete dort voll Zuversicht zur Mutter der Betrübten und entschlief. Als er nach einiger Zeit erwachte, konnte er wieder sehen und fühlte sich so gekräftigt, daß er in die Stadt zurückzugehen vermochte, um dortselbst das an ihm geschehene Wunder offen und vor Jedermann zu verkünden. Darauf trug die Äbtissin Aloysia, von Proskau ihrem Stiftskanzler auf, die Sache zu prüfen und nach Befund auf jenem frommen Hügel eine Kapelle erbauen zu lassen, wozu am 1V. April 1725 die geistliche Behörde die Erlaubniß ertheilte. Alsbald zogen ganze Prozessionen aus Nah und Fern zur Gnadenstätte, Hülfe suchend und findend. Als 1810 infolge der Klosteraufhebung Oswitz mit dem hl. Berg in den Besitz des protestantischen Buchhändlers Korn in Breslau überging, war selbst dieser auf die Erhaltung und Verschönerung der Wallfahrt bedacht. Mit den bereits vorhandenen Mitteln und durch verschiedene Schenkungen unterstützt, begann der Gutsherr einen Kapellenneubau, der in Achteckform ausgeführt worden. In einem auf dem Altan aufgestellten Reliquiar wurde das frühere Gnadenbild, eine Skulptur, aufbewahrt. Am 30. September 1824 weihte Kanonikus von Montmarin die neue Kapelle ein, nachdem Pfarrer Hoppe von St. Michael am 28. desselben Monats das wunderthätige Gnadenbild aus der alten Kapelle in die neue übertragen hatte. — 219 — Pschow. ieser Ort ist 19 Kilometer südwestlich von der Kreisstadt Rybink in Oberschlesien entfernt. Das 1265 zum deutschen Rechte ausgesetzte Dorf liegt auf einem Hügel, die Kirche auf dem höchsten Punkte des Kreises, 944 Fuß über der Meeresfläche. Der Ort ist ziemlich wohlhabend und hat in 180 Häusern 1400 Einwohner. Die Wallfahrtskirche, 1743 neu gebaut, durch die Gaben frommer Gläubigen vom Jahre 1847 ab renovirt und mit zwei Thürmen versehen ist ein stattlicher und aus weiter Ferne sichtbarer Bau. Die 1413 bereits genannte Pfarrkirche kam nach dem 30 jährigen Krieg e aus protestantischem Besitz wieder in katholische Hände. Sie war massiv und auf den Titel Allerheiligen consekrirt. Unter dem Pfarrer Gregor Jgnaz Panczoszpk wurde sie Wallfahrtskirche. Derselbe, geboren zu Rybnik 1654, ordinirt am 18. September 1677, war hierorts sieben Jahre Stellvertreter gewesen und am 19. Juni 1686 als Pfarrer investirt worden. Sein Kaplan Johann Niemczyk begleitete 1722 die Prozession hiesiger Pilger nach Czenstochau. Dort kauften letztere aus einer in ihrer Mitte angestellten Sammlung für zwei Gulden und einige Kreutzer ein Marienbild, das sie mit dem Czenstochauer Originalbilde berührten und nach ihrer Heimkehr dem Pfarrer übergaben. Derselbe ließ es ^/z Jahr später bei dem Maler Friedrich Sedlecki zu Boslau verbessern und eingerahmt am Scagulierfeste daselbst benediciren. Es wurde hierauf in der Kirche zu Pschow am linken Pfeiler aufgehängt und geschmückt bei Prozessionen von Jungfrauen getragen. Die beiden Priester beteten oft vor dem Bilde und unterhielten brennende Lampen. Dem frommen Beispiele der Hirten folgten nicht blos die Parochianen, sondern auch Fremde fanden sich zur Andacht cm, da besondere Gebetserhörungen kund geworden. Auf Paueoszyk, der l?24 starb, folgte Johann Leopold Jwanowski als Pfarrer. Von Ostern bis Pfingsten 1728 empfingen 4000 Wallfahrer aus Schlesien, Polen und Mähren die h. Sakramente. Der fromme Patron Johann Bernard, Freiherr von Welcrek auf Pschow und Laband bat das sürstbischösliche Commissariatamt, zu veranlassen, daß das Bild für ein gnadenvolles erklärt werde. Der Kommissar des Teschener Bezirks Paul Joseph Mizia, Erzpriester von Boslau, nahm einstweilen eine Prüfung vor und legte die ihm vorgetragenen Gnadenerweisungen dem geistlichen Amte vor. Dasselbe stellte ihm auf den Bericht hin am 2. Februar 1729 zwei Beisitzer, den Erzpriester «ranz Anton Swider aus Teschen und den Erzpriester Johann Franz Gorkosch aus Freistadt und gab eine Instruktion, gemäß welcher die Zeugen nach abgelegtem Eid einzeln verhört und die Aussagen gewissenhaft verzeichnet — 1-20 — werden sollten. Ein Arzt und Chirurg wurden zur Untersuchung zugezogen. Der erste Termin fand vom 9. bis 11. Juni nach dem Hochamt stach in welchem die Zeugen nach abgelegter Beicht communizirt hatten. Von 7 Personen wurden die Ereignisse als wunderbar erklärt, von 6 andern hielten Arzt und Chirurg die stattgefunden«: Heilung zwar für außerordentlich, aber nicht für übernatürliche Wirkung. Die zweite Untersuchung fand vom 3. bis 5. Mai 1730 statt. Auch hier wurden einzelne Fälle, wo nicht sofortige Besserung eintrat, als natürliche Heilung betrachtet, andere als außerordentlich aber nicht wunderbar erklärt. Von einem 7 jährigen Knaben aus Loslau, der ^ Jahr schwer gelitten und von der Magd zum Marienbild? getragen wurde, sofortige Linderung fand und selbst zurückging, erklärte sein Arzt Dr. Josef Löhr aus Loslau unter Eid, daß er diesen Knaben für unheilbar gehalten. Das bischöfliche Amt bestimmte am 4. Juli 1732: Das Bild darf zwar vom Pfeiler iu einen Seitenaltar gesetzt werden, ist aber bis auf weitere Verordnung noch nicht als Aratiosn, et rniraenlosn (gnadenreich und wundcrthätig) zu halten. Am Laurentiüsfeste wurde das Bild vomCisterzienser- abt Josef von Strachwitz aus Räuden und vom Erzpriester Josef Franz Gorkosch, der am 22. Juni d. I. Prälat-Cantor in Ratibor geworden, in Gegenwart des Ortspfarrers und vieler anderer Priester, auch des Patrons, in einen Seitenaltar gesetzt. Unter Jwanowski befanden sich bereits an einer Tafel 118 goldene und silberne Weihgeschenke, 16 Münzen und Medaillen, am Bilde Ketten und kostbares Geschmeide, am Altare ein versilbertes Kreuz aus Cppressenholz. Auf Jwanowski, der 1734 starb, folgte als Pfarrer Johann Laxy. Der selbe beantragte 3 Jahre später den Neubau der Kirche, welcher von den Bisthumsadministratoren genehmigt wurde. Nachdem die Zeichnung entworfen und die Vorbereitungen getroffen waren, begann am 1. Juni 1713 der Bau. Leider starb der Pfarrer schon am letzten Mai 1744. Der Nachfolger Thaddäus Erasmus Urbani, geboren zu Ratibor 1717, o rdinirt 1741, Pfarrer seit 17. August 1744, setzte den Bau fort. Milde Gaben waren ans Opfertellern und in Opferkästen gesammelt worden, einige Wohlthäter händigten dem Pfarrer größere Summen ein, so Calixt, Reichsgraf von Larisch auf Karwien und Rogau, der fünfmal jährlich mit seinem Hofe herkam und Antonette Maria Ludovika, Tochter des Johann Frechem von Welsczek, kaiserlichen Rath, seit dem 6. März 1725 vermählt mit General Karl Ludwig von Seebach, welche Witwe geworden, in zwei Posten 400 Thaler schenkte. Die Marianische Kirche wurde im September 1747 zu Ehren der unbefleckten Empfängniß benedicirt. Nachdem Hochaltar und Tabernakel neu gebaut war, consekrirte Fürstbischof Philipp Gothard Graf Gaffgotsch am 23. Juni 1750 den Hochaltar und setzte auf denselben feierlich das Gnadenbild. Die zwei ersten schlcsischen und der siebenjährige — 221 — Krieg hatten auf den Fortbau nachtheilig gewirkt. Die Kirche erhielt nur ein Nothdach und blieb ohne Thürine. Indeß nahmen die Wallfahrten wegen des wunderthätigen Bildes, welches mit besonderer Andacht verehrt wurde, zu, worüber der apostolische Vikar Bischof Moriz von Strachwitz uns Breslau unterm 13. August 1774 ein Zeugniß ausstellte. Der eifrige Pfarrer Urbani starb 1776. Sein Nachfolger Valentin Alois Heimer starb schon nach 14 Monaten. Dagegen verlebte Josef Petruska, obgleich anfangs meist kränklich, das nächste Jahrhundert. Wallfahrer und Parochi- ane brachten zum Weiterbau ihre Gaben dar. Dafür wurden 1789 der Hochaltar nach dem Muster des Marienaltes der Pfarrkirche zu Troppau umgestaltet und der Rahmen zum Gnadenbilde vom Bildhauer Anton Barabbas ans Kranowitz gefertigt, zwei Seiteualtäre, den h. Josef und Antonius von Padna geweiht, errichtet. Der Pfarrer beschaffte die Conununionbank, viele Paramente und die Glocken. Papst Pius VI. ertheilte unterm 3. Juli der Kirche ein Jndulgenzbreve. Ludwig Joachimski, feit 1801 Pfarrer, stellte zunächst die desolaten Mrrlichen Gebäude her, um den bei dem Zusammenströmen der Wallfahrer aushelfenden Priestern eine gastliche Herberge zu gewähren, baute 1805 die Borhalle an der Sakristei und beschaffte 1808 zur Ausschmückung des Hochaltares die Statuen der Apostelfürsten. Müller Johann Koza aus Banko- witz, der als Knabe bei dem Viehhüten Pulver abgebrannt und dabei sein Augenlicht verloren, später von der Mutter nach Pschow geführt, bei dem Ochrgang um den Altar nach empfangener h. Communion sehend geworden war, schenkte neue, schöne Kreuzwegbilder. 1810 wurden Kanzel und Taufstein aufgestellt. Die goldenen und silbernen Weihgeschenke waren ohne Entschädigung in die Staatsmünze eingezogen worden, aber zum Dank und Andenken für besondere Gnadenerweisungeu traten neue Votivgegenstände au die Stelle. Am 1. Mai 1844 wurde auch in Pschow die Bruderschaft der Enthaltsamkeit von gebrannten Getränken eingeführt. Der Weihbischof Daniel Latassek, der im September 1855 Gencralvisitation und Firmung hielt, regte die Versammlung zu neuen Liebesgaben an. Die meisten Verdienste um den Ausbau der Kirche erwarb Paul Skwara, der als Kaplan am 14. Mober 1845 nach Pschow dekretirt, nach dem Tode des Joachimski 1348 Pfarrer wurde. Derselbe erhöhte durch sein feuriges Wort die Marienandacht, so daß zunächst 3000 Mitglieder in die Rosenkrauzbruderschaft traten, erließ am 25. April 1846 , nachdem der Patron Johann Ferdinand Wit von Dörring für den Ausbau gewonnen war, einen Aufruf zum Fortbau, aber der staatliche Bauconsens wurde von der weltlichen Behörde wegen Mangel eines Kapitals verweigert und kam vom Ministerium an den Patron der kurze Entscheid: „Ausbau von Wallfahrtskirchen wird an höchster Stelle nicht gern gesehen!" Aber die göttliche Vorsehung fügte es, daß am 13. August dieses Jahres an demselben Tage, als die hiesigen Parochiauer, im — 222 — Begriff, zum Feste Maria Himmelfahrt nach Annaberg zu pilgern, in der Kirche sich versammelten, Minister Graf von Stolberg in Begleitung des Oberpräsidenten von Wedel aus Breslau, des Regierungspräsidenten Erdmann, Graf Püciler aus Oppeln und vieler anderer Herren in 12 Wagen nach Pschow kamen und in demselben Momente abstiegen, als die Prozession unter Glockengeläute, Gesang, Trompeten -und Paukenschall von dem Geistlichen entlassen, ausbrach. Der Minister dankte herzlich für die ihm (!) erwiesene Ehre, die er nicht für sich, sondern für den allergnädigsten König und Herrn annehme. Nach Besichtigung der Kirche sprach er das Bedauern ans, daß das prächtige Gotteshaus im Bau nicht vollendet sei. Skwara erwiderte: „Ew. Exellenz, wir wollen die Kirche ja gern vollenden, wir können aber die Erlaubniß hierzu nicht erlangen, weil wir keine bereitliegenden Fonds nachweisen können; Baukapitalien haben wir nicht, sieht aber unser gutes und opferwilliges Volk, daß wir wirklich zu bauen beginnen, so öffnet es freudig seine Hand und bringt jedes mögliche Opfer." Hierauf wendete sich der Staatsminister zu den Herrschaften, sprach mit ihnen leise und beschick die Geistlichen mit den Worten: „Sie dürfen um den Bauconsens nicht mehr einkommen, sondern werden denselben bald erhalten." Diesem Umstände war es zu verdanken, daß binnen 3 Wochen der Consens ertheilt wurde. Nun erfolgte vom Kanonikus Dr. Heide, dem Patron und dem Administrator ein Aufruf, welcher trotz des Hungerjahres den gesegnetsten Erfolg hatte. Der Grundstein zum östlichen Thurme wurde von Heide unter Assistenz von 9 Geistlichen, des Patrons und vieler Honoratioren im Beisein von 15990 versammelten Andächtigen am Feste Christi Himmelfahrt 1847 gelegt. Die ergreifenden Reden des Kanonikus, des Patrons, wie auch die daraus folgende Festpredigt hatten den Erfolg, daß milde Gaben reichlich flössen; auch der Aermste brachte sein Scherflein; Protestanten, Juden, ja sogar Zigeuner betheiligten sich an dem schönen Werke. Der 83 jährige Pfarrer Joachimski sah vom Krankenbett mit Freuden den ersten Thurm emporsteigen und entschlief im Herrn am Tage des heil. Johannes von Nepomuk 1848. Anfang Juli wurde der Knopf und das Kreuz im Beisein von 1299V Andächtigen geweiht und ausgesetzt. Am Feste der Apostelfürsten 1849 wurde der Grundstein zum zweiten Thurme gelegt und der-Bau im November ziemlich vollendet. Die Kupstl wurde im nächsten Jahre ausgebaut und 8. September der Knopf und das Doppelkreuz unter Assistenz von vielen Priestern und 18999 Laien a»M setzt. Ein Marienbild im Giebel, zwei steinerne Statuen der Apostelfürsten in den Thurmnischcn und die Thurmfenster wurden bald darauf beschasst. Im Jahre 1853 ist die Kirche mit Zink gedeckt worden. Im September wurde acht Tage hindurch Mission in polnischer und deutscher Sprache für 89 990 Menschen gehalten. Endlich wurde der Kirchhof erweitert und ans demselben der Kreuzgang mit 14 Kapellen, eine Kapelle zum Celebriren, eim — 223 — Kanzel im Freien errichtet; die Kirche 1855 mit Quadersteinen neu gepflastert, 1857 die imposante 12 Stufen hohe, 140 Fuß breite Freitreppe mit Perron vor der Kirche beschafft, l859 die Kirchhofmauern mit Steinplatten belegt, am 3. September die 25 Fuß hohe Marienstatue mit den Statuen des h. Joachim und der h. Anna vor der Front der Kirche aufgestellt. So prangt die St. Marien- und Wallfahrtskirche zu Pschow in ihrer Vollendung. Die Wohlthäter sind in 4 Foliobänden verzeichnet. Ausgegeben wurden vom Beginn des Baues bis zum Abschlüsse H1846—1861) 14 646 Thaler. Paul Skwara und Kaplan Wollczpk publizirten 1861 eine Chronik von Pschow. Der Ortspfarrer errichtete 1866 ein Haus zur heiligen Familie für Krankenpflege und Unterricht durch barmherzige Schwestern vom Orden des h. Karl Borromäus. 1877 wurde die Kirche ausgemalt und mit Bildwerken geziert, welche die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes darstellen. Milde Gaben werden von Wallfahrern und Parochianen auch jetzt noch gerne geopfert zur Erhaltung und weiteren Ausschmückung der Kirche. Skwara starb am 28. März 1883. Auch noch in neuerer Zeit fanden Gebetserhörungen und Gnadener- iveise statt; die hier befindlichen Krücken, Votivtafeln und Weihgeschenke sprechen laut von den erlangten Wohlthaten. Zur h. Stätte kommen namentlich an den Festen Peter und Paul sowie Maria Geburt Pilger deutscher, mährischer und polnischer Zunge unter Begleitung der Priester. Gegenwärtig ist Seelsorger Augustin Wollczpk. Die h. Linde unserer lieben Frau bei Rosqnberg. Ne Entstehung dieses nahe bei Nosenberg gelegenen Wallfahrtsortes wird folgendermaßen erzählt: Die deutschen Ordensritter hatten zur Bezwingung der heidnischen Preußen sich Besten erbaut. Eine derselben, eine Vorveste, befand sich am Saume des Urwaldes, in welchem die Preußen bei der heiligen Eiche ihren Götzendienst hielten. Die Ordensritter waren so glücklich, den Sohn des Häuptlings der Preußen, Godewin mit Namen, in ihre Gewalt zu bringen und gaben ihn ihrem Kastner zur Erziehung, der ein liebliches Töchterlein, Dorokta oder Dorothea, mit Namen, hatte. Mit diesem Mädchen wuchs der Knabe auf. Das Mädchen, gar fromm und gut, erzählte dem heid- »Pchen Knaben Vieles von Jesus, unserm Heilande, von seinem heiligen Leben, seiner himmlischen Lehre, seinem Tode am Kreuze für uns sündige — 224 — Menschen und seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt. Der Knabe horchte dem guten Mädchen gerne zu und ließ sich von ihm leiten, wie ein Kind von der Mutter. Doch konnte er seinen Vater und die Heimath nicht vergessen. Die Sehnsucht, seinen Vater wieder zu sehen, bewog ihn, zu entfliehen. Er kam glücklich wieder in seine Heimath. Immer aber trug er das Andenken an das gute fromme Mädchen Dorothea und die Erinnerung an ihre schönen Belehrungen von Jesus und seiner Liebe zu uns und seinen bittern Kreuzestod im Herzen. Dem Mädchen that die Flucht Godewin's wehe; sie wollte ihn ja für Christus gewinnen und seine Landsleute vor den Füßen des Gekreuzigten sehen. Oft sann sie nach, wie sie es wohl anstellen müßte, um den Heiden das Evangelium zu verkünden; oft wollte sie in heiliger Begeisterung mit dem Kreuze in der Hand mitten unter die Heiden treten, ihnen den Namen Jesus verkünden und aus Liebe zu Jesus für sie sterben. Da geschah es, daß sie einst bei der Nacht rufend und eben mit diesem Plane beschäftigt ein Geräusch vernahm. Als sie sich umschaute, springt plötzlich des Heidenhäuptlings Sohn, Godewin, den sie als Knaben gekannt, durch das Fenster in ihre Kammer und sprach zu ihr: „Jungfrau! fliehe mit mir; ich will Christ werden und mit Deiner Hülfe meine Landsleute Deinem Gott gewinnen." Die Jungfrau ließ sich bewegen und floh mit Godewin in einen tiefen Wald, wo drei Freunde Godewin's schon auf sie warteten. Sie bauten sich eine Hütte und Dorothea unterrichtete Godewin und seine Freunde in: Christenthum?, das sie mit glühendem Glauben annahmen. Eines Tages trat plötzlich, wie von Gott gesandt, ein Mönch aus dein Bernhardiner-Orden unter sie. Er war ein Missionär und suchte die heidnischen Preußen für den Heiland zu gewinnen. Mit Freuden wurde er aufgenommen, vollendete an Godewin und seinen Freunden, was Dorothea bereits begonnen, und taufte sie. Er verweilte längere Zeit bei ihnen und schnitt an dem Stamme einer Linde ein Liebfrauenbild gar schön und lieblich. Vor diesem beteten oft die jungen Christen. Als sie eines Tages wieder ihre Andacht vor dem Bilde Mariens verrichteten, wurden sie von einem Haufen wilder Heiden überfallen, unter denen sich auch Godewins Vater befand. Der Priester, Godewin, Dorothea und die Freunde wurden grausam hingemordet. Die Linde aber mit dem heiligen Bilde hieben die Heiden nieder und warfen sie in einen nahen Weiher. Im Laufe der Zeit wurden endlich die Heiden in der Umgegend bekehrt, der Wald wurde gelichtet, die Götzen wurden umgestürzt, das Land bebaut. Da ritten eines Tages einige Ordensritter an den Weiher vorüber, wo die heilige Linde lag. Sie wunderten sich, daß die Bäume ringsum den Weiher alle ihre Acste dem Wasser zuneigten. Als sie näher kamen, bemerkten sie das Wasser voll Lindenblüthe und auf demselben die heilige Linde mit dem Bilde glänzen. Mit Verwunderung, Freude und Ehrfurcht erhoben sie das Bild und bauten hierauf eine Kapelle um die Linde. Der Ruf von der wunderbaren Begebenheit verbreitete sich nach und nach unter dem Volke. Von allen Seiten kamen Pilger, verehrten das heilige Bild und opferten ihre Gaben so reichlich, daß die Linde mit Silber umfangen, das Bild mit Silber geschmückt und eine schöne Kirche gebaut werden konnte. Durch die Glaubensspaltung verlor die Kirche ihre Schätze, aber die Wallfahrt zur heiligen Linde hörte nicht auf, die noch hinter dem Altare in der Kirche steht. Jedermann wollte zum Andenken von der heiligen Linde ein Stückchen Holz haben; man sah sich daher gezwungen, die Linde mit Brettern zu umfangen. Noch immer ist diese Kirche die Freude und der Trost der ganzen Umgegend. , Unsere liebst Frau auf dem spitzigen Berge. Grafschaft Glatz. ^?ku der Pfarre Wölfelsdorf liegt der Spitzberg mit einer Wall- fahrtskirche. Das in derselben befindliche Gnadenbild, welches im Jahre 1750 von einem frommen Verehrer Mariens von Maria-Zell dorthin gebracht und auf dem Gipfel dieses Berges an einer Buche befestigt wurde, ward besonders berühmt, als die hölzerne Kapelle, die man später über das Bild gebaut hatte, von einem Sturme niedergeworfen wurde, das Gnadmbild aber verschont blieb. Man baute eine zweite Kapelle und als diese wegen Zunahme der Wallfahrer zu enge wurde, eine dritte. Dies geschah im Jahre 1777. Im Jahre 1781 sah man sich durch die reichlich eingegangenen Opfer der Pilger in den Stand gesetzt, die gegenwärtige massive Kirche zu bauen unter besonderer Mitwirkung des Pfarrers von Wölfelsdorf, Joseph Franke. Vollendet im Jahre 1782 wurde die Kirche am 22. Oktober dieses Jahres von Karl Winter, Dechant der Grafschaft Glatz im Mittelwalde unter Beilegung des Namens Maria zum Schnee feierlich eingeweiht und das Gnadenbild in der Kirche aufgestellt. Die Kirche wurde sodann im Innern durch schöne Bilder, nach Außen durch einen um die Kirche herum laufenden Gang durch den Pfarrer Joseph Larisch von Wölfelsdorf geschmückt. Im Jahre 1824 versah derselbe die Kirche auch mit einem schönen Kreuzwege. So geschmückt ist nun die Kirche der Sammelplatz aller Bedrängten, die bei Maria Hülfe suchen und finden. is — 226 — Trelmitz. reisstadt, 22 Kilometer nördlich von Breslau, auf drei Seiten von Höfen umschlossen, ist ein beliebter Wallfahrtsort, weil die Landesfürstin Hedwig, die größte Heilige Schlesiens, in der ehemaligen Klosterkirche ruht. Die vielen Wunder, welche sich während ihres Lebens und nach dem Tode auf deren Anrufung ereigneten, wurden weithin bekannt und zogen zahlreiche Besucher zum Grabe, um dort Genesung und Heilung von geistigen und leiblichen Gebrechen zu finden. Ihr Enkel Wladislav, Erzbischof von Salzburg, veranlaßte die Heiligsprechung, welche nach genauer Untersuchung des Lebens und der Wunder durch Bulle vom 26. März 1267 erfolgte. Clemens IV. ertheilte bei der Canonisation den Pilgern, welche nach reu- müthiger Beichte und Empfang der heil. Communion die h. Stätte besuchen, Ablaß. Die Feier der Erhebung des Leichnams war auf den 17. August 1268 festgesetzt. Die Stadt vermochte die Schaaren der Gläubigen nicht zu fassen, welche aus den entferntesten Gegenden herbeiströmten. König Ottokar von Böhmen, die Herzöge von Polen und Pommern, viele Vornehme aus Thüringen, Franken und Baiern waren mit zahlreicher Begleitung erschienen; dazu kamen außer dem Klerus die fürstlichen Verwandten mit der schlesischen Ritterschaft. Sie lagen um die Stadt in buntfarbigen Zelten. Nachdem das mit Mörtel und Kalk fest verschlossene Grab eröffnet worden und der obere Deckel vom Sarge aufgehoben wurde, entströmte demselben ein durchdringender Balfamduft. Die heil. Gebeine wurden von den Cisterzinseräbten Nikolaus von Laubus und Mauritius von Kamenz in die vom Erzbischof Wladislav errichtete Kapelle übertragen und zur Verehrung ausgestellt. Von da an nahm die Wahlfahrt zu der von der h. Hedwig gestifteten Stiftskirche, in deren zugehörigem Kloster die h. Hedwig ihre letzten Tage zugebracht hatte, immer mehr zu. Bischof Johann III., der sich 1297 in Neisfe aufhielt, war von der Äbtissin Euphrosina zum Hochamt am Kirchweihfeste, 24. August eingeladen worden, wurde aber auf dem Wege dahin kurz vor dem Ziele sammt Gefolge angefallen, ausgeplündert und schwer verwundet. Wegen Einfall des Königs Kasimir von Polen, der mit Böhmen im Kriege lag, mußten die Nonnen am 16. August 1345 flüchten, kamen aber bald wieder zurück. Sonnabend vor dem Palmsonntage strömten alljährlich zahlreiche Wallfahrtszüge nach Trebnitz. Um deren Eifer zu beleben und die Andachten und gottesdienstlichen Uebungen zu Ehren der heil. Hedwig zu fördern, ertheilte Papst Bonifaz IX. durch eine Bulle vom 7. Oktober 1398 allen Gläubigen, — 227 — welche reumüthig beichten und die h. Communion von der ersten Vesper der Mgilie bis zum Schluß der Komplet des gedachten Sonnabends empfangen, in dieser Zeit die Stifskirchc besuchen, daselbst dem Gottesdienst beiwohnen und zur Erhaltung des Stifts hülfreiche Hand leisten, diejenigen Ablässe, deren die St. Markuskirche zu Venedig am Himmelfahrtstage sich erfreue. Durch eine andere Bulle, gegeben zu Rom bei St. Peter am 15. Oktober des nächsten Jahres, verlieh er für Alle, welche am Feste des heil. Michael und in der Oktav die Stiftskirche besuchen, nach würdigem Empfang der h. Sakramente dieselben Ablässe, welche die beiden Basliken zu St. Peter und St. Paul in Rom für ihr Kirchweihfest genießen. Im Jahre 1413 ergoß sich eine Feuersbrunst über die Kirche, zehrte sie aus und legte die benachbarten Gebäuden in Asche. — Die Hussiten plünderten am 2. Juli 1432 das Kloster, äscherten es ein und war der Aufbau erst nach 20 Jahren möglich, denn 1434 herrschte große Hnngers- »oth, welche die Pest zur Folge hatte und 1443 wurde Trebnitz durch ein Erdbeben erschüttert. Ungeachtet dieser ungünstigen Verhältnisse nahmen die Wallfahrten zu. Bischof Peter von Nowak, ein vorzüglicher Verehrer der h. Landespatronin, ordnete 1448 die feierliche Prozession an, welche alljährlich am Vorabende des h. Bartholomäus und der h. Hedwig aus der Klosterkirche der Dominikaner sich von Breslau zum Grabe der Heiligen bewegte. Er selbst pilgerte zwei Jahre später mit allen Prälaten, Domherren und Vikaren der Hauptstadt zu Fuß nach Trebnitz, wo er das Hochamt hielt. 14KV besuchte der päpstliche Legat Hieronpmus Landi, Erzbischof von Kreta, die h. Stätte und ertheilte drei Jahre später Allen, welche zum Wiederausbau der Stiftsgebäude mit mildreicher Hand beitragen würden, einen Ablaß. — Am 16. Juli 1464 entzündete der Blitz Thurm und Dach der Kirche und zerschmolz das zinnerne Dach über der Hedwigskapelle. Am 10. September 1595 brannte die Kirche, der Kreuzgang und das Dormitorium aus. — 1637 floh der Convent nach Polen und kehrte erst »ach 3 Jahren zurück. — 1653 wurde der vergoldete Hochaltar errichtet. Zur Aufmunterung der nach dem 30 jährigen Kriege erkalteten Herzen geschahen wiederholt Gebetserhörungen. Zwischen 1646 und 1683 ereigneten sich am Grabe über 90 auffallende Wunder. Aus der Zeit von 1641 bis lböl finden sich in einem auf der Dombibliothek aufbewahrten Folianten Wunderberichte, die durch amtliche Siegel beglaubigt sind. Weil für den 15. Oktober der Gedächtnißfeier der h. Theresia bestimmt worden, so setzte Papst Jnnocenz XI (1676—1689) das Fest der h. Hedwig für den ganzen Erdkreis auf den 17. dieses Monats fest, in Schlesien und Polen aber sollte ihr Todestag nach der früheren Bestimmung des Papstes Clemens IV. fortgefeiert werden. Die Aebtissin Christina Catharina Gräfin von Wrbna stiftete 1680 das prachtvolle Grabmal der Heiligen. Es besteht aus einem drei Ellen hohen 15* Postamente von schwarzem Marmor, auf welchem sich 14 Säulen erhebe», die von einem Baldachin bedeckt werden. Zwischen den Säulen ruht das aus Alabaster gefertigte Bild der Heiligen in fürstlichem Schmucke und im Innern des Denkmals sind deren Reliquien geborgen. Zu Füßen steht eine Inschrift über Abstammung und Leben derselben. Am Postamente stehen 4 große und 10 kleine weiße Statuen. Dieselbe Aebtissin legte am 8. September 1697 den Grundstein zum neuen Kloster. Eine ihrer Nachfolgerinnen, Sophie von Korzynsna (1527—1741) verschönerte den Hedwigs- altar und gab ihm die heutige Gestalt; das Grab zierte sie mit einer großen silbernen Lampe, führte 1734 den Kreuzweg im Buchenwalde ein, baute eine eingegangene Einsiedelei und den Hedwigsbrunneu. Eine Stiege führt von Caneell aus in den mit einem Altar gezierten Keller, wo aus einer tiefen und reichen Quelle Wasser aus Andacht und des vorzüglichen Geschmackes wegen geschöpft wird. Die Aebtissin Margaretha von Wostrowska (1741—1747) führte die Fastenpredigten ein und richtete den Kreuzweg in der Kirche und ein Kloster auf. Zwischen 1730 und 1750 kamen öfters über 10000 Wallfahrer her. 1773 wurde ein Theil der Reliquien in die neuerbaute Hedwigskirche nach Berlin gebracht. Die St. Hedwigsbruderschaft bestätigten 1773 und 1781 Clemens XIV und Pius VI. König Friedrich Wilhelm II. von Preußen, der 1794 Schlesien bereiste, kam Ende Mai mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm und Ludwig in's Kloster, wohnte einem Ds voura bei, das der Chor der gottgeweihten Jungfrauen sang und speiste in der Abtei. 1793 besuchte Herzog Friedrich August von Branschweig das Stift. Vor Aufhebung des Stiftes wurden an Kirchensilber 300 Mark 5 Loth für den Staat eingezogen. Das 1203 gegründete Stift, welches 74 Güter zählte und dessen Aebtissin fürstlichen Rang besaß, wurde 1810 säku- larisirt. Bis dahin befanden sich bei der Stifskirche 5 Priester, nach der Säkularsation wurde eine Pfarr- und zwei Kaplanstellen dotirt. Im Jahre 1839 kamen über 15 000 Menschen, darunter viele aus Polen, der Provinz Preußen und Rußland nach Trebnitz. Am 600jährigen Jubelfeste den 15. Oktober 1843 feierte Fürstbischof Josef Knauer das Pontifikalamt, Kanonikus Heinrich Förster hielt die Festrede. Es wurden innerhalb der Oktav neun deutsche und vier polnische Predigten gehalten; 18 000 bis 19 000 Gläubige, darunter 63 Geistliche, wäre» anwesend und 13000 empfingen die h. Communion. Am 20. Oktober 1853 wallfahrtete hierher der Kardinal Fürsierz- bischof von Prag, Friedrich Fürst zu Schwarzenberg mit dem Fürstbischöfe Or. Heinrich Förster, welchen der Weihbischof Daniel Latussek, mehrere Domherren und eine große Anzahl schlesischer Geistlichen vorangeeilt waren. Die — 229 — beiden Kirchenfürsten wurden vom Stadtthore ab in Prozession zunächst zum Pfarrhause und dann in die Kirche geführt, wo beide nacheinander am Grabe celebrirten und der Fürstbischof von Breslau den Segen mit dem Lanetiss- mum ertheilte. Letzterer legte auch später, so lange dies möglich war, in der Oktave am Grabe der Landespatronin sein Gebetopfer nieder. Der Verein der schlesischen Malteser kaufte am 17. Januar 1871 für 15099 Thlr. einen Theil des ehrwürdigen, seit der Säkularisation zu weltlichen Zwecken (Spinnfabrik) verwendeten Cisterziensernonnenklosters, richtete die Räume als Lazareth für verwundete Krieger ein und trat es an die Kongregation der barmherzigen Schwestern vom h. Karl Borromäus ab. Letztere verlegten mit Genehmigung des heil. Stuhles und des Diöcesanbischoses ihr Mutterhaus und Noviziat von Neisse nach Trebnitz. Nach Herstellung der verwundeten Krieger öffneten sich die Krankensäle den mittellosen Erkrankten der Umgegend. Als Hauptfeste werden noch gegenwärtig die Gedächtnißtage der heil. Landespatronin, der Tag des h. Bartholomäus, zu dessen Ehre die Stiftskirche 1219 consekrirt worden und der Schlußtag der Fronleichnamsoktave begangen. In der noch im romantischen Stile erhaltenen Kirche (3schifsige Pfeilerbasilika mit Transept und drei den Schiffen entsprechenden Absiden) befinden sich 24 Altäre, im Hauptgange rechts und links ist das Leben der h. Fürstin auf mehreren von Wilman gemalten Bildern dargestellt. Die kostbar eingefaßte, mit Perlen geschmückte Hirnschale wird bei Prozessionen vor dem Hochwürdigsten Gute einhergetragen. In neuerer Zeit (seit 1881) ist die Kirche zum größeren Theile reno- virt worden durch Gaben hochherziger Wohlthäter von nah und fern und der Pilger, deren Zahl in den letzten Jahren 8090 bis 10000 betrug. Auch der gegenwärtige Fürstbischof Robert ist ein begeisterter Verehrer der h. Hedwig und besuchte ihre Gnadenstätte zu wiederholten Malen (im Zuli und Oktober 1882 und im Mai 1833). Am 30. Mai 1885 traf — ganz unerwartet — von Schloß Spbillen- ort die Königin Karola von Sachsen in Trebnitz ein, um der heil. Landes- patrouin den Tribut ihrer Verehrung in ihrer Grabeskirche darzubringen. Wartha an der Neisty. ./M^ein Jüngling aus der böhmischen Besatzung Bardums, des heu- -^^tigen Wartha, verrichtete einst auf einem außerhalb der Burg gelegenen Hügel sein Gebet. Als er aufblickte, gewahrte er die Mutter Got- üs, die ihm ihr Bildniß mit den Worten überreichte: „Nimm hin deine Mutter!" Das geschah 1100. Voller Freude verkündete dieser überall die ihm zu Theil gewordene Gnade und traf alsbald Anstalten, das Bildniß auf derselben Stelle, wo er die Erscheinung gehabt, und wo in der gegenwärtigen Kirche der böhmische Beichtstuhl steht, an einer hölzernen Säule aufzustellen. Die Kunde dieses Ereignisses verbreitete sich bald in der ganzen Umgegend und von allen Seiten strömten die Menschen dorthin. Maria zögerte auch nicht, die Aussage des Jünglings in Bezug auf ihr heiliges Bild zu bestätigen. Eindringlich genug sprach sie an jedes Menschenherz durch eine Menge auffallender Begebenheiten, die schnell aufeinander folgten. Trotz aller Verehrung aber, welche man dem h. Bilde erwies, befand es sich doch noch im Freien. Da gelobte ein böhmischer Edelmann, nach Wartha zu wallfahrten, wenn sein gebrochenes Bein geheilt würde. Maria erhörte die Bitte. Um nicht undankbar zu erscheinen, ließ er über dem Bilde eine hölzerne Kapelle erbauen, und da sich diese bald zu klein erwies, mußte sie einer größeren, massiven Kirche weichen. Dies ist der Ursprung der ersten Kirche in Wartha. Dieses ursprünglich böhmisches Gotteshaus wurde 1241 von den Tartaren zerstört. Wiederum aufgebaut, ward es auch bald wieder im Kriege vernichtet. Zum dritten Male erstand die Kirche, etwa um 1292, aber auch diese erwies sich zu klein und die Aebte Johannes und Nikolaus vom Kloster Kamenz erbauten eine zweite Kirche für die Deutschen, welche 1421 vollendet wurde. Im Jahre 1428 brachen die Hnssiten in Schlesien ein. Auch Wartha blieb nicht verschont. Mit wildem Fluchen und Toben brachen die Verwüster in die bömische Kirche ein, um das Gnadenbild zu zerstören. Allein mehrere Gläubige, welche dieses befürchtet, hatten das Gnadcnbild so versteckt, daß sie es nicht finden konnten. Wüthend über die Täuschung zündeten die Hnssiten den Ort und die beiden Kirchen an und nachdem sie alles Werthvolle geraubt hatten, zogen sie von Wartha ab, um anderwärts ihre Zerstörung fortzusetzen. Als aber die Einwohner die böhmische Kirche brennen sahen, in welcher das Gmadenbild verborgen war, wurden sie von Entsetzen ergriffen. Ein Cisterzinsermönch, mit Namen Jakobus, eilte in die brennende Kirche, ergriff das Bild und wollte mit ihm wieder aus der Kirche fliehen. Da stürzte die Kirche zusammen und begrub ihn nebst dem Bilde unter den Trümmern. Die Einwohner von Wartha hatten durch die Hussiten Alles verloren, aber nichts wär ihnen so schmerzlich, als der Verlust des Gnadcn- bildes. Sobald die Glut erkaltet war, begaben sie sich in die Kirche und gruben im Schütte nach. Da fanden sie das Gnadenbild unversehrt, ob- schon es mitten unter ausgebrannten Kohlen lag. Der Bruder war verbrannt, aber die Hand, mit welcher er das Bild gehalten, unversehrt ge- blieben. Das Gnadenbild wurde einstweilen, bis auf bessere Zeiten, an einen sicheren Ort gebracht. Nachdem die Strcifzüge der Hussiten 'aufgehört hatten, bauten die Deutschen ihre Kirche wieder auf, aber die böhmische Kirche blieb in ihren Trümmern liegen. Das Gnadenbild ward nun in die deutsche Kirche übertragen und blieb dort bis 1577. In diesem Jahre verbündeten sich die Lutheraner der Umgegend, um das Gnadenbild zu vernichten. Aber ihr Plan war dem Abte Antonius von Kamenz verrathen worden und er ließ dasselbe in das Kloster zu Kamenz bringen, wo es bis 1606 blieb, dann aber in feierlicher Prozession nach Wartha zurückgebracht wurde. Als im dreißigjährigen Kriege die Schweden 1640 nach Wartha kamen, mußte das Bild abermals geflüchtet werden, ebenso 1644, als Wartha durch einen großen Brand heimgesucht wurde. Inzwischen hatten auch die Böhmen ihre Kirche wieder hergestellt. Im Jahre 1682 begann man, statt der beiden Tempel einen einzigen aufzuführen. Dieser wurde 1704 vollendet und ist der jetzt noch bestehende. Als Wartha 1711 niederbrannte, verlor die Kirche nur den Dachstuhl und alles Holz in den Thürmen, sonst erlitt sie keine weitere Beschädigung. 1852 wurde sie mit Zink neu gedeckt. Sie enthält zehn Altäre; drei Altargemälde sind von Willman für sie gefertigt und vor Allem ist die herrliche Orgel zu erwähnen, welche ans 21,000 Thaler geschätzt wird. Mit dieser Orgel hat es folgende Bewandtniß: Als im zweiten schlesischen Kriege König Friedrich II. von Preußen nach Wartha kam, ließ er sich von dem Abte Thomas in der Gnadenkirche umherführen. Die Kirche gefiel dem Könige und beim Abschiede versprach er dem Abte, eine Orgel derselben zu schenken, wenn er siegreich aus dem Kriege hervorgehen sollte. Das Kriegsglück war ihm günstig, er erinnerte sich seines Versprechens und 1759 ward die Orgel aufgestellt. — Den Gottesdienst in Wartha versahen anfangs die Johanniter, von 1210 an die Augustiner und 1249 folgten diesen die Cister- zienser von Kamenz. Als diese 1810 säkularisirt worden, wurde die Seel- strge dem Weltklerus übertragen. Das Gnadenbild ist von Holz, aber von Rauch ganz geschwärzt. Die Jungfrau sitzt auf einem Sessel; ihr Haupt ist mit einer Krone geschmückt, ihr Auge ruht auf dem Jesukinde, das auf ihrem Schooße sitzt. Die Rechte Mariens trägt die Weltkugel, die Linke ist um das Kind geschlungen. Dieses scheint mit der Rechten zu segnen, mit der Linken hält es ein Buch. Das ganze Bild ist etwa l'/z Fuß hoch und hat viele Aehnlichkeit mit dem Bilde, welches auf dem Berge Montserrat verehrt wird. Von den vielen tausend Gnadenerweisungen, welche von Wartha beuchtet werden, können wir nur einige anführen. Barbara Pabel aus Willmsdorf in der Grafschaft Glatz wurde vom bösen Feinde furchtbar gequält. Ihre Angehörigen, welche sie für gemüths- krank hielten, ließen Kräuter suchen, welche nach ihrer Meinung dem Uebel abhelfen sollten. Aber schon nach dem ersten Genusse derselben verfiel die Unglückliche in Raserei, so daß man sie in Bande legen mußte. Nun begann sie in verschiedenen Sprachen zu reden, die sie nie kannte. Erschreckt hierüber baten endlich die Ihrigen um geistliche Hülfe. Aber der Priester vermochte den bösen Geist nicht zu zähmen; da nahm er seine Zuflucht zur Gnadenmutter von Wartha und flehte sie um ihre Fürbitte an. Und sie half auch, der böse Geist mußte weichen. Das geschah 1610 und die Angehörigen der Geheilten lebten zum Theil noch, als Balbin die Geschichte von Wartha verfaßte. Zwei Töchter einer Frau aus Polen, die eine sieben, die andere fünf Jahre zählend, spielten eines Tages im Jahre 1492 am Ufer eines Flusses, fielen hinein und verschwanden in den Fluthen; erst am zweiten Tage gelang es, ihre Leiber aufzufinden. Wer beschreibt den Jammer der Mutter, als sie zwischen ihren todten Kleinen kniete und thränenden Auges zum Himmel aufsah? Sie konnte es unmöglich glauben, daß die geliebten Kinder ihr für immer entrissen sein sollten, und in ihrer Angst rief sie Maria zu Wartha um Hülfe an. Plötzlich fingen die beiden erstarrten Kinder zu athmen an, bewegten sich und lebten. So groß anfangs der Schrecken aller Umstehenden war, so außerordentlich wurde die Freude ob dieses große» Wunders. Die begnadigte Mutter aber setzte ihre Kinder auf ein Wägelein, spannte sich selbst davor und pilgerte nach Wartha, wo sie und Zeugen das geschehene Wunder beschworen. Maria-Hilf bei Zuckmantel. Stadt in reizender Lage amIFuße des Querbcrges (3071 Fuß) und der Bischofskuppe (2804 Fuß) hieß früher nach der in der Nähe befindlichen und in unbekannten Zeiten erbauten Burg Edelstein Edelstadt. Ihr Wappen — ein rechtsgekehrter, mit einer Haue in einem Felsen arbeitender Bergmann im blauen Schilde, mit goldener Krone belegt — beweist, daß Sie früher der Sitz von Bergleuten war. Noch heute baut man zwischen Zuckmantel und Obergrund auf Schwefelkiese und silberhaltige Bleierze. In alter Zeit aber war in dieser Gegend ei» wichtiges Goldbergwerk. Eine Urkunde vom 2. Juli 1339, worin der Herzog Nikolaus II. von Troppau dem Bischöfe von Breslau das Schloß Edelstein mit Zuckmantel, Hermannstadt n. s. w. zurückgiebt, nennt als Zubehör ausdrücklich Goldberg°werke und noch der Homann'sche Atlas — 233 — von Schlesien (1720—1740) führt bei Zuckmantel eine „Goldgrube" auf. Zm Schooße des Amphitheaters, welches die Umgebung dieses Ortes bildet, ruht mitten im Walde auf einer Anhöhe ein liebliches Wallfahrtskirchlein, das jährlich von Tausenden von Menschen besucht wird. Anfänglich war daselbst unter den schattigen Aesten einer Buche ein Gnadenbild, das ein gewisser Martin Tannheiser, der unter jenem Baume am 18. Juui 1647 das Licht der Welt erblickt, hatte anschaffen und daselbst aufhängen lassen. Dessen Mutter, eine Fleischersfrau, war nämlich aus Furcht vor den herannahenden Schweden hierher geflüchtet. So mancher Bedrängte hatte schon durch Gebet an dieser Stelle Erhörung und Hülfe gefunden, und der Ruf von der Gnadenwirkung des Bildes verbreitete sich so, daß durch die milden Gaben der Pilger nach einigen Jahren eine Kapelle erbaut werden konnte. Die fürstbischöfliche Administration in Breslau ließ durch eine Commission am Gnadenorte den Thatbestand einzelner auffallender Wunderwir- knngen untersuchen und feststellen und daraufhin am 21. September 1792 das Gnadenbild in die Pfarrkirche von Zuckmantel übertragen; bei einem Brande derselben blieb das Bild wunderbarerweise unversehrt. Für oben- gmannte Kapelle ließ der fürstbichöfliche Forstbeamtc Hannich im Jahre 1805 auf seine Kosten ein anderes Bild anfertigen, das heute noch die Hauptzierde des Kirchleins bildet; zugleich wurde die Kapelle vergrößert. Als im Jahre 1830 Dr. Philipp Dietrich als Erzpriester nach Zuckmantel kam, faßte er den Entschluß, an Stelle der Kapelle eine Kirche zu bauen, was ihm auch mit Hülse der milden Gaben der vielen hierherpilgernden Wallfahrer, die öfter selbst Steine und Ziegel herbei schleppten, gelang. Im Jahre 1841 war der Bau vollendet und am 8. September desselben Jahres wurde die Kirche feierlich eingeweiht. Papst Gregor XIII. verlieh den frommen Betern daselbst einen Ablaß. So zeugt die Gnadenstätte bis heute von der mächtigen Hülfe Mariens für Alle, die sich in ihrer Noth vertrauensvoll an sie wenden. — 237 — Die Wallfahrt zum heiligen Blut in Walldiirn. HHdie Stadt Walldürn mit 3300 Einwohnern liegt im badischen Mosbach, 14 Kilometer südöstlich von der Eisenbahnstation Amorbach. Ueber die Entstehung der dortigen Wallfahrt wird Nachstehendes berichtet: „Im Jahre der Geburt Christi 1408*) hat sich in der Stadt Walldiirn ein großes Wunderwerk begeben und zugetragen, als der Priester (mit Namen Heinrich Otto) in der Pfarrkirche am Ober-Altar Meß hielt, hat er unversehens den Kelch umgestoßen und das Blut Christi, so er konsekrirt gehabt, auf das Korporale geschüttet. Da also das ausgeschüttete Blut die Blutesfarb und Rothe an sich genommen, hat es sich in die Gestalt Christi, gleichwie er mit ausgebreiteten Armen am Kreuz gehangen, dargestellt und allenthalben darum viel Angesicht Christi nach dem Schweißtuche der Veronika; und wiewohl deren Viele waren, so hinter dem Priester gestanden und das Umschütten des Kelches gesehen, so hat der Priester doch solches zu verhehlen sich beflissen und einen Stein an dem Altar, daraus er Meß gehalten aufgehoben und das Corporale darunter verborgen. Und nachdem dies geschehen, hat derselbige Priester noch viele Jahre gelebt. „Als er endlich in seinem Todesbette gelegen, hat er es gebeichtet und die Corporale gezeiget; hierauf nach seinem Absterben haben etliche Personen, um der Ehre willen des hochwürdigsten Sakraments und Bluts Christi auf Berathschlagung und gehaltenem Rath gemeldetes Corporale nach Rom getragen und es dem obersten Verwalter der Geistlichkeit Papst Eugenio gezeigt, dessen Heiligkeit das wunderwerkliche Blut besichtigt, für gerecht erkannt, bekräftigt, auch diese Bulle in Blei, dessen Inhalt von Wort zu Wort jetzt folgt, kirchlich und barmherziglich ausgegeben haben: „Wir Eugenius, Bischof und Diener der Diener Gottes entbieten allen Christgläubigen, die diesen Brief sehen oder lesen, Heil und apostolischen Segen- Wiewohl der, von welchem alle gute Gabe kommt, wenn ihm von seinen Gläubigen würdig und lieblich gedienet wird, von der Ueberflüssigkeit seiner Gnaden, die da alle Verdienste der Anrufenden übertrifft, die Liebe derer, die ihm recht und wohl dienen, viel größer vergilt, als sie es verdienen mögen, so berufen und laden wir nichts desto weniger, weil wir begehren, dem Herrn ein angenehmes und guten Werken nacheiferndes Volk ') Nach Eisenhut im Jahre 1330. — Herchenbach gibt das Jahr 1130 an, offenbar unrichtig. Auch seine übrige Darstellung weicht von den vorhandenen älteren lleberlteferungen bedeutend ab. — 238 — zu machen, die christgläubigen und gutherzigen Menschen zu Begier und Lust ein und versehen dieselben mit anreizenden Gaben und Geschenken, nämlich mit Jndulgenzen und Ablässen, auf daß sie dadurch der göttlichen Gnade noch zugänglicher werden. Sodann begehren wir derhalben, daß die Pfarrkirche des Märtyrers St. Georg in der Stadt Walldürn, Würzburger Bis- thums, welche, so wie wir vernommen, zu ihren Gebäuen und Bauwerken einer nicht geringen Ergänzung und Wiederherstellung bedarf, und welche an Büchern und Kirchenornaten Mangel hat, in Ehren gehalten werde; und daß sodann die Christgläubigen, vornehmlich aus dieser Ursache, weil allda das wunderwirkliche Blut Christi in einem Korporale in der Form und Gestalt, in welcher Christus an dem Holze des gnadenreichen Kreuzes gehangen auch mit manchfaltigen Figuren der Veronika erscheint, sich mit besonderer Andacht benehmen. Die Kirche werde mit einhelliger, ehrerbietiger Uebung und Andacht stets besucht und in ihren Gebäuden und Bauwerken erneuert und ebenso die Kelche, Bücher, Kirchenzierde und Ornate aufgefrischt und damit die Christgläubigen desto lieber in Andacht in dieser Kirche zusammenkommen und damit aus diesen Gaben für sie desto reichlicher die himmlischen Gnaden herabströmen und sie dieselben schauen, so erledigen und erlassen wir gnädig- lich durch des allmächtigen Gottes Barmherzigkeit und vertrauend auf die sürtreffliche Herrlichkeit der Apostel Petrus und Paulus, allen denen, die wahrhaft Reu und Leid tragen, ihre Sünden gebeichtet und auf den achten Tag") des Frohnleichnams Christi, von der ersten Vesper an bis znr andern eingeschlossen, verharrlich in Verehrung gemeldete Kirche zu Walldürn andächtig besuchen, auch zu dem Gebäu zur Ausbesserung und Aufbauung derselben, zur Zierde und zum Ornat gedachter Kirche ihre Steuer und milde Hand bieten oder sonst anderseitige Almosen daselbst geben und austheilen, drei Jahre und drei Quadragenen von ihren Strafen und Bußen. Wir wollen aber, daß, wenn jene, die zu irgend einer andern Zeit die Kirche besuchen und zu ihrer Aufbauung und Nothdürftigkeit ihre hilfreiche Hand bieten oder sonst auf eine andere Zeit daselbst Almosen austheilen, oder wenn sonst irgend ein Anlaß für immer oder auf eine bestimmte noch nicht verflossene Zeit dauernd von uns gestattet wird, gegenwärtige Urkunde ohne Kraft und Geltung sein solle. Gegeben zu Rom zu St. Peter im Jahre der Geburt Christi 1443 am 31. März, unseres Pontifikats im 15. Jahre. „Als sie dann die Bulle mit dem wunderwerklichen Blute empfangen, haben sie dann mit Freuden nach Deutschland sich gekehrt und es in die Stadt Walldürn getragen; also ist die Christgläubige, verehrungswürdige Andacht vermehrt worden, ein großer Zulauf des Volkes zu der Kirche St. H Soll heißen: Während der Oktav. — 239 — Georg zu Walldürn geschehen, auch viel Schenkungen, Gaben und Gutthaten dahin gebracht worden; denn dieses wunderwerkige Blut ist mit vielen und fürtrefslichen Wunderwerken versehen und von Tag zu Tag wird größer auch das Zulaufen und größer die Zahl der Frommen und Gottesfürchtigen." Nachdem das Corporale wieder aus Rom zurückgebracht worden, entstanden alsbald die Wallfahrten nach Walldürn, welche so zahlreich wurden, daß die Oktav des Fronleichnamsfestes zur Befriedigung der religiösen Bedürfnisse nicht hinreichte, sondern die Wallfahrt auf 14 Tage ausgedehnt werden mußte. Aus weiten Gegenden, selbst vom Niederrhein strömten die Pilger herbei und mau schätzte die Zahl derselben auf 100,990. Diese Zahl hat sich aber gegenwärtig vermindert, wird aber doch immer noch 30,000 betragen. Ein besonderes Wallfahrtslied, welches sich in dem Wallfahrtsbüchlein ron Eisenhut befindet, möge hier seine Stelle finden: 1. Dein heilig Blut, Herr Jesu Christ, Das an dem Kreuz vergossen ist, Auch zu Walldürn im Odenwald Verehret wird in Wundergestalt. Alleluja, Alleluja. 2. Dein heilig Blut, Herr Jesu Christ, Somit dem Leib erstanden ist, Scheint klar im Leib, klar wie Kristall Schön roth fürwahr wie ein Korall. Alleluja, Alleluja. z. Dies heilig Blut wird dargestellt Zum Heil im Kelch der ganzen Welt Vom Otto Priester auf dem Altar, Und wird verschütt ins Corporal. Alleluja, Alleluja. 4. Solch consecrirt Blut edel und zart, O Wunder groß! gleich blutroth ward, Es ward dies heilige Sakrament Zur Stund in sichtbar Blut verwendt. Alleluja, Alleluja. s> So mancher Tropfen vergossen war, So manches Haupt erschien alldar: O Allmacht Gottes überall! Zwar jedoch mehr im Corporal! Alleluja, Alleluja. 6. Denn als der Kelch umgössen war Im dreyzehnhuudert und dreißigsten Jahr, Zugleich eilf Häupter Christi klar Erschienen all gekrönt fürwahr. Alleluja, Alleluja. 7. Inmitten stand mit Fuß und Hand Der blutige Jesus ausgespannt, Durch welchen Gott viel Zeichen thut, Den'n so anrufen dies heilige Blut. Alleluja, Alleluja. 8. Dies heilig Blut in Gottes Kraft All Pilgern Trost und Freud verschafft. So komm nun wallen Jung und Alt Zu Ehren der heiligen Blutsgestalt. Alleluja, Alleluja. s. Sey dann gegrüßt, o heiliges Blut, Das uns gegeben vom höchsten Gut, Mit deiner Kraft uns balsamir, Uns bad, uns wasch, uns salb, uns zier. Alleluja, Alleluja. 10. Dank, Lob und Ehr, Herr Jesu Christ Sey dir der mit dem Vater bist, Auch mit dem heiligen Geist zugleich- Ein ewiger Gott im Himmelreich. Alleluja, Alleluja. St. Roman, Bezirksamt Wolfach. ^Dn wilder Gegend auf steilem Gebirg gelegen, hatte dieses Seiten- M thal der Gemeinde Kinzigthal schon frühe eine eigene Pfarrei, 1435 bestand schon wenigstens Chor und Sakristei der jetzigen Kirche, denn das gothische, schön gearbeitete, steinerne Sakramentshäuschen des Chores trägt diese Jahrzahl und in demselben Stile ist die Sakristei gebaut. Schon damals bildete St. Noman den Mittelpunkt der umwohnenden Christen, die dorthin wallfahrteten und die h. Sakramente empfingen. Die Pfarrei kam im Laufe der Zeit in Abgang und wurde 1520 auf's Neue fundirt. Sie zerfiel abermals und wurde Filiale der Pfarrei Wolfach. 1784 wurde die jetzige Pfarrei errichtet durch Josef Maria Benedikt Fürst von Fürstenberg in Verbindung mit der Gemeinde. 1742 wurde die Wallfahrtskirche durch den Bischof von Konstanz mit Reliquien des h. Märtyrers Romanus beschenkt; dieselben wurden durch den Generalvikar Wilhelm Kistler übergeben. Das Fest des h. Roman wird sowohl am Tage selbst, dem 9. Aug., als am darauf folgenden Sonntage mit Predigt und Amt feierlich begangen; es finden sich dabei 3—4000 Personen ein. Jeder Freitag ist Wallfahrtstag, meistens ein Amt, am Schlüsse Litanei vom h. Romanus; in der Fastenzeit empfangen etwa 1500—2000 Pilger die h. Sakramente in der Wallfahrtskirche. Besonders in leiblichen Uebeln, speziell bei Fallsucht, haben die Gläubigen großes Vertrauen auf die Fürbitte des h. Roman und es sollen früher auch viele Votivtafeln als Zeugen für erlangte Gebetserhörung vorhanden gewesen sein. Oberachevn. n der Acher, am Eingange des freundlichen gleichnamigen Thales, in einer der gesundesten und schönsten Gegenden des badischen Landes liegt das Dorf Oberachern mit einer Wallfahrt zum h. An- tonius von Padua, über deren Entstehung Folgendes berichtet wird. Die Stelle, auf welcher die Wallfahrt sich befindet, diente vor Alters als Gemeindealmend zur Meide für Ziegen und Schweine. Einstmals wühlten die letzteren im Boden und förderten eine kleine Statuette des h. Anto- nius zu Tage. Sie wurde in einem Bildstöckchen aufgestellt, vor welchem die Vorübergehenden ihre Andacht verrichteten. Zum Schutze überdeckte man es später mit einem kleinen Dache und noch später ersetzte man es durch eine aus Holz gezimmerte Kapelle mit einem Altare, da durch die vielen Gebets- — 241 — crhönmgen der Besuch des Ortes immer zahlreicher wurde. In der Mitte des vorigen Jahrhunderts war die Kapelle baufällig geworden und die ganze Umgegend wetteiferte, dem Lieblinge des Volkes ein würdiges Heiligthum zu errichten; reichlich flössen die Spenden in Geld und Baumaterialien und im Ähre 1765 konnte der Grundstein zur jetzigen geräumigen Kapelle gelegt werden.. An der Vorderseite ist ein Balkon für den Prediger angebracht und darüber in einer Nische eine Statue des h. Antonius. Das Altarge- mäldc stellt den h. Antonius mit dem Jesukinde dar; es war 1767 nach einer Urkunde drei Tage lang zu Padua am Grabe des Heiligen und wurde dort benedicirt. Die Kapelle wurde mit Ablaßprivilegien ausgestattet und besitzt in drei Ostensorien Reliquien des Heiligen mit Authentik; der Fond für Bau und Unterhaltung derselben beträgt etwa 11,000 Mark. Seit Beginn dieses Jahrhunderts wohnte in dem bei der Kapelle befindlichen Häuschen der Abb6 Jlg, welcher aus Frankreich in Folge der französischen Revolution vertrieben war. Bis zu seinem Tode 1857 pasto- rirte er ununterbrochen die Wallfahrt, welche dadurch natürlich einen höheren Aufschwung gewann. Mehr aber noch trugen dazu bei die wunderbaren Gcbctserhörnngen, welche au diesem Orte auf Fürbitte des Heiligen stattfanden. — Das Patrocinium der Kapelle wird jährlich am Sonntage nach dem 13. Juni in der Pfarrkirche begangen, von wo Nachmittags eine feierliche Prozession zu der Kapelle geführt wird. Jeden Dienstag wird in derselben die h. Messe gelesen. Mallfahrt zum h. Vitus in Istein. ,/^H,in ^ Stunde von Lörrach und etwa 3 Stunden von Basel rheinabwärts liegt in fruchtbarer, schöner Gegend das Dorf Mein. Der Wein, der hier wächst, gehört zu den besten des Landes und wirkt besonders gegen Gries und Stein; der Boden enthält viel Kalkerde. Der Freiherr von Freystett besitzt ein Schloß und bedeutende Rebengelände daselbst. Die katholische Pfarrei gehörte früher zum Bisthum Basel und stand dem dortigen Domstist das Präsentationsrecht zu. Seit 1300 war Mein Eigenthum der Baseler Bischöfe, deren obere und untere Burg auf dem Klotz 1409 bezw. 1411 zerstört wurde. Erst 1803 kam es an Baden. Das 1205 gestiftete Fraueukloster bestand nur kurze Zeit. Eine Sehenswürdigkeit ist der Jsteiner Klotz, eine gewaltige Felsenmasse, die einen Vorsprung des. Gebirges zum Ufer des Rheines bildet. »k — 242 — Früher führte über diesen Felsen der einzige Verbindungspfad zwischen Min und Kleinkenus, viel höher als die jetzige beim Eisenbahnbau erst angelegte Fahrstraße. Auch fand sich daran eine fürchterlich schöne Brücke, welche an einer senkrechten Felsenmaucr den abgeschnittenen Weg nach den benachbarten Rheinortcn fortsetzte, die heute aber entfernt ist. Zu diese majestätische Felsenwand ist die Kapelle des h. Vitus eingehauen, oder vielmehr.sie besteht ans einer Felsenhöhle, die auf zwei Seiten zugemauert wurde. Ob sie mit dem früher auf dem Klotz gestandenen Schlosse, von dem nur noch einige Mauerrcste vorhanden sind, in Verbindung war, läßt sich nicht ermitteln. Die Kapelle besaß im letzten Jahrhundert noch ein Vermögen von IM Pfund; dasselbe wurde aber 1783 vom Bischöfe zu Basel mit Einwilligung des Bischofs Maximilian Christof von Konstanz zum Baue des Schnlhan- ses in Jstein verwendet; die Steine dazu wurden vom ehemaligen St. Albanskloster, das unterhalb des Klotz stand, genommen. Der Kapelle verblieben nur 100 Pfund, aus deren Zinsen die Gebühren für 5 h. Messen bestritten werden. Am Feste des h. Vitus, sowie in jeder Quatemberwochc und in der Bittwoche wird darin die h. Messe gelesen. Früher war die Wallfahrt dorthin stark besucht, jetzt ist sie fast ganz erloschen, da rings um Jstein die Bevölkerung überall protestantisch ist. Das Innere der Kapelle ist sehr dürftig, allein die Aussicht bei ihr über das Rheinthal, Elsaß und Basel entzückend. An die nahe Felsenmühle schließt sich die folgende fromme Sage. Als zu Ende des 17. Jahrhunderts die Franzosen von Zeit zu Zeit durch Ueberfälle und Gewaltthätigkeiten die dortigen Rheinbewohner ängstigten, floh ein schönes, aber armes, schutzloses Mädchen in finsterer Nacht zu der Stätte, wo jetzt die Felsenmühle steht, verbarg sich daselbst in einer Klnsj und ward allmählich von der h. Jungfrau, deren Hülfe sie angefleht, mit Speise und Trank versehen, bis die Gefahr vorüber gegangen war. Zum Dank dafür stiftete die fromme Jungfrau späterhin das Bild ihrer Retten» in der Wallfahrtskirche. Der Litzelberg bei Sasbach am Rhein. Städtchen 'Endingen bis zum Städtchen Altbreisach linst parallel mit dem Nheinstrome ein Gebirg wie eine Insel imRhein- thale, der Kaiserstuhl, welcher auf vulkanischen Ursprung zurückgeführt wird. Am westlichsten Ende des Kaiserstuhls, ^/z Stunde vom Hauptgebirge entfernt, liegen hart am Rheine zwei steil aufsteigende Zwillingsberge, von denen der eine den südlichsten, der andere den nördlichsten Punkt des ganzen Ge- — 243 — birges bildet. Auf ersterem ist die Stadt und ehemalige Festung Altbreisach erbaut, die letzte ist mit den Ruinen der Limburg geschmückt, wo Kaiser Rudolf von Habsburg geboren war. Nicht weit von der Limburg steht ein Hügel, St. Luciansberg, vom Volke nur Letzenberg genannt. Hinter den letzten Häusern des Dorfes Sasbach, wozu er gehört, erhebt er sich in nördlicher Richtung in einer Höhe von nahezu 300 Fuß; er ist vulkanischer Natur, wie der Kaiserstuhl, von dem er nach einer Unterbrechung von einer Stunde durch eine Ebene getrennt wurde. Oben zeigt er gestampfte Kegelform und ist umwachsen von Rebgeländen, welche einen vorzüglichen Roth- wem erzeugen. Von der oberen etwas eingedrückten Ebene genießt man eine Fernsicht; doch nicht wegen dieser, sondern um dem Gnadenbilde der schmerzhaften Muttergottes seine Verehrung in der Kirche zu bezeugen, welche den Gipfel krönt, pilgert das christliche Volk dort hinaus. Vom Fuß des Hügels führt ein sanft ansteigender Weg, an dessen Seiten sich recht passend die Kreuzwegstationen befinden, durch das Rebgelande zur Kirche. An ihre Westseite ist ein Meßnerhäuschen von zwei Stockwerken angebaut, in welchem ein Eremit oder Waldbruder zum Dienste des Priesters und zur Hut des Heiligthums wohnt. Eine Sage meldet: In früheren Zeiten schwerer Heimsuchung für die Bewohner Sasbachs und der Umgegend haben einige fromme Männer des Dorfes das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Gottes herbeigebracht; woher sie es nahmen, ist unbekannt. Nach längerer Berathung über den Ort der Aufstellung und über die Erbauung der Kapelle wurde dasselbe auf dem Litzelberge hinaufgetragen; an der Stelle, wo es gegenwärtig noch verehrt wird, konnten sie es es nicht weiter bringen und erkannten daraus, daß diese Stelle der für die Niederlassung von der Vorsehung bestimmte Platz sei, weshalb von einem Versuche, es weiter zu tragen, abgelassen wurde. Alan erbaute dort eine dürftige Kapelle und stellte das Bild darin auf. Nach und nach wurde die Kapelle zu enge und konnte besonders an den Marienfesten die Zahl der Besucher von nah und fern nicht mehr fassen. Es wurde deshalb ein Neubau im größeren Maßstabe ausgeführt, aber wann und durch wen dies geschehen, kann nicht ermittelt werden. Im dreißigjährigen Kriege wurde dieses zweite Gebäude der Art beschädigt, daß es zum Gottesdienste ganz unbrauchbar wurde. Die wilden Kriegshorden schonten nicht einmal die Gotteshäuser, ja gerade die Maria geweihten Orte wurden von den andersgläubigen Soldaten mit vandalischer Lust geschändet und zerstört. Die Wallfahrtsbesuche, wenigsten von Auswärtigen, unterblieben auf lange Zeit. Nach dem Kriege erwachte um so mehr das Verlangen nach Wiederherstellung des Gnadenortes. Jetzt tritt ein bestimmter Bauherr erstmals und allein auf: Hannibal, Freiherr Girardi von Kastell, Weper und Limburg, Herr zu Sasbach, kaiserl. regierender Rath, oberster Präfekt und Jägermeister in den vorderösterreichischen Landen des Breisgaues. Die Wall- — 244 — sahrtskirche, wie sie heute noch besteht und gut unterhalten ist, wurde von ihm aus freien Stücken und aus eigenen Mitteln aufgeführt. Nur knüpfte er daran die Bedingung, daß die Kirche zur Beerdigung der freiherrlich von Girardi'schen Familienglieder dienen solle. Die Besorgung des Gottesdienstes vereinbarte er mit dem damaligen Pfarrer Jakob Christoph Herbling z» Sasbach; es mußte an allen Samstagen des Jahres, sofern nicht ein Feiertag darauf fällt, in der Kapelle eine h. Messe für den Erbauer, sein Geschlecht und seine Verwandten gelesen und an den gebotenen Marienfesten das Hochamt dort gehalten werden. Als Vergütung dafür schenkte er 1b Morgen Ackerfeld, 30 fl. baar, 2 Viertel Korn und 1 Saum Wein, in der Absicht, daß eine Kaplanei auf dem Litzenbergc gegründet werde. Letzteres kam jedoch nicht zu Stande. Der edle Gründer der Kapelle starb schon im 33. Jahre seines Lebens am 26. Mai 1670 und fand im Chöre, wie er angeordnet hatte, seine Ruhestätte. Sein Bild befindet sich in Lebensgröße aus Stein gehauen in der Familiengruft und ein Epitaphium mit lateinischer Inschrift in der rechten Seitenwand des Chores verewigt die Erinnerung on den Wohlthäter. Am 31. Dezember 1731 erneuerte Freiherr Leopold Alexis von Girardi mit Pfarrer Martin Zimmcrmann den früheren Vertrag und erhöhte die gestifteten 30 fl. auf 40 fl. Am 28. Juni 1747 vergabte Franz Anton Freiherr von Girardi der Kapelle seinen Antheil an dem Ebersteinschen Fruchtgilt, jedoch solle ihm, seinen Erben und Nachkommen jederzeit die Befugniß zustehen, die Gilt um 608 fl. rauher Währung zurückzukaufen und einzulösen oder dafür einen jährlichen ständigen Zins von baaren 30 fl. statt der Naturalgilt z» entrichten. Von Mitte des 17. Jahrhunderts nahm die Wallfahrt immcr mehr zu und zog selbst viele Bewohner des Elsasses mächtig an. Papst Benedikt XIII. ertheilte deshalb am 13. September 1726 mit besonderer Bulle das Privilegium, an jedem vierten Tage der Woche in der Kapelle auf dem Lindenberge die h. Messe celebriren zu dürfen. Es wurden demnach wöchentlich zwei heil. Messen, am Mittwoch und Samstag gelesen und zwar bis vor etwa 40 Jahren, wo der Vertrag durch Vernachlässigung seiner Bestimmungen erloschen ist. Zu diesen Schenkungen kommen noch Stiftungen von Aemtern und Messen für die Seelen Abgestorbener zu Sasbach und anderen umliegenden Ortschaften sowie Opfererträgnisse. Sie wuchsen zuletzt zu einem selbstständigen Fond an; von 1780 liegt noch eine Litzenberger Kapellenfondsrechnung vor. Gegenwärtig bestreitet dieser Fond die baulichen und gottesdienstlichen Bedürfnisse der Wallfahrt. Durch Erklärung vom 30. Okt und 10. Nov. 18Z1 haben die Grundherren von Girardi zu Sasbach auf das Eigenthumsrecht an Kapelle und Bruderhäuschen verzichtet und ist solches nun auf den Fond übergegangen. — 245 — Doch die Periode der falschen Aufklärung und des Kampfes gegen die Kirche sollte auch für unsere Wallfahrt eine Reihe von Stürmen heraufbeschwören. Im Jahre 1787 sollte die Wallfahrt ein Opfer des herrschenden Zosesinismus werden; die Aufhebung wurde seitens der k. k. Landesregierungen im Breisgau verfügt, doch wurde die Sache wieder ruhen gelassen. — Als der Unglaube von Frankreich aus sich verbreitete und der Schwindel der neuen Freiheit auch viele Gemüther diesseits des Rheines erfaßte, versuchte man das Gnadenbild aus der Litzelberger Kapelle zu entfernen. Zweimol wurde der Versuch gemacht und jedesmal war am folgenden Morgen das Bild wieder an der alten Stelle. Wie solches geschehen, wußte Niemand, aber die ganze Gemeinde wußte und weiß heute noch, daß es geschehen. — 1803 und 1804 befahl Wessenberg, Bisthumsverweser von Konstanz, „der wahren Gottesverehrung wegen und um dem pfarrlichen Gottesdienst beförderlich zu sein," die Uebertragung des Gnadenbildes zu Litzelberg in die Pfarrkirche zu Sasbach. Der damalige Pfarrer leistete dieser Anordnung keine Folge. Am 15. Juni 1808 von der bischöflichen Behörde zu Konstanz zur Rechenschaft gezogen, äußerte er, jedoch erst am 3. Januar 1810, sein Bedenken dagegen — und die Sache blieb abermals auf sich beruhen. Am 3. März 1818 verfügte die kathol. Kirchensektion in Karlsruhe allen Ernstes und entschieden den Schluß der Kapelle, die Sistirung jeder gottesdienstlichen Handlung, namentlich des Messelesens in derselben sowohl durch den Ortspfarrer als durch andere Geistliche, die Aufhebung der Wallfahrt, die Uebertragung des Gnadenbildes in die Pfarrkirche, sogar den Abbruch des Gebäudes und endlich die Vereinigung des Kapellensond mit dem Kirchenfond in Sasbach. Sie bezog sich dabei auf eine Verordnung des großherzogl. Ministeriums des Innern vom 29. April 1811, wodurch bestimmt wurde, daß 1. außer den Sonn- und 16 gebotenen Feiertagen keine anderen Feiertage mehr statt haben; 2. die Kirchen- und Ortspatrozinien auf den nächsten darauffolgenden Sonntag gefeiert werden; 3. alle Feste von Nebenpatronen sowie die Patrozinien und Kirchweihen solcher Kapellen und Nebenkirchen, wo gewöhnlich an Sonn- und Feiertagen kein pfarrlicher Gottesdienst stattfindet, gänzlich unterbleiben und solche Kapellen gerade an jenen Patroziniumstagen geschlossen werden sollen. Gegen Anwendung dieser Bestimmung auf den Litzelberg protestirte der Pfarrer und der Grundherr Leopold Freiherr von Girardi in Sasbach mit vollem Rechte. Als aber dieser Einspruch nichts nutzte, ergriff man am 25. Mai 1819 Rekurs an den "andesherrn, worauf die kath. Kirchensektion die früher angeordnete Aufhebung zurücknahm. Daß Maria vielfach die Leidenden hier erhört hat, zeigen Denkmale der Dankbarkeit an den Wänden der Kapelle. An einer Seite des Schwibbogens sind heute noch eiserne Hand- und Fußschellen aufgehängt, die ein Mann der Gegend einst als Türkensklave getragen hat. Am 17. August — 246 — 1717 war er Soldat in der Armee des Prinzen Eugen, der die Türken zurückschlug und ihre Armee vernichtete. Allein der tapfere Soldat hatte das Unglück, in die Gefangenschaft der Türken zu gerathen. Fern vom Vaterland und den Verwandten, mit der Sprache und den Sitten seiner Tyrannen unbekannt, leuchtete dem Gefangenen kein Strahl der Hoffnung auf einstige Befreiung. Er wandte sich deshalb mit aller Glut der Andacht an Maria, die mächtige Fürbitterin der Bedrängten und erlangte heißersehnte Erlösung aus der Hand menschlicher Peiniger. Vor kaum 30 Jahren noch fanden sich an den Wänden des Chores Votivgegenstände in großer Zahl und bis zur Stunde werden hinter dem Hauptaltar Krücken aufbewahrt von Lahmen, welche sie nach erfolgter Genesung von den Stufen des Altars zurückgelassen haben. Ein zwölfjähriges Mädchen im Elsaß erblindete vollständig. Im Traume wurde der Mutter die Wallfahrtskapelle auf dem Litzelberg gezeigt und sie ermahnt, dort bei der Muttergottes Hülfe zu suchen. Gleich am folgenden Tage machte sie sich auf, fand die Kapelle, schüttete vor dem Gnadenthron ihr bekümmertes Herz aus und ihr Kind wurde zu ihrer Ueber- raschung sehend. Das geschah im Anfange unseres Jahrhunderts. Der damalige Waldbruder hieß Iahn! er hat der Frau selbst die Thüre der Kapelle geöffnet und noch leben mehrere Leute, welche aus seinem Munde die Thatsache gehört haben. Zur Sommerzeit wird jeden Samstag Messe in der Kapelle gelesen und zudem findet die Persolvirung der gestifteten Jahreszeiten darin statt. Mariä Lindenberg. ,^ö,twa ^ Stunde von dem Pfarrorte und Priesterseminar St. Peter liegt auf einer anmuthigen Anhöhe der Wallfahrtsort Mam Lindenberg. Ueber die Entstehung derselben kann nichts sicheres angegeben werden, denn in den vielen Kriegsstürmen, die über unser Vaterland dahin brausten, gingen alle Urkunden bis auf eine verloren. Das alte Wallfahrtsbüchlein des U. Steyrer beginnt deshalb mit den Worten: „Hoch und billig sollen alle marianischen Liebhaber bedauern, daß von dieser zwar kleinen, jedoch sowohl wegen Alter als großen allda den Menschen durch Fürbitt der Himmelskönigin ertheilten Gutthaten hochberühmten Wallfahrt so wenige äoeurvvllta und Briefschaften vorhanden; aus welchen sowohl das Jahr der ersten Stiftung als andere Merkwürdigkeiten authentisch der gelehrten Welt könnten vorgelegt werden. Vor nicht gar langer Zeit sind noch mehrere Urkunden übrig gewesen, wie ich von glaubwürdigen Leuten erfahren; aus ihnen wollte U. Romanus Jmfeld aus der Schweiz, einst Prior des Gottes- 247 — Hauses St. Peter, einen kurzen Auszug verfassen; allein auch diese hat zu unersetzlichem Schaden, wie glaublich, das Kviegsfeuer verzehrt, was dann dieser hochgelehrte Mann und große Maria Liebhaber nicht genug hat bedauern können." Für das hohe Alter dieser Wallfahrt spricht schon der Umstand, daß sie in alten Urkunden erwähnt wird und daß der Zug zu diesem Gnadenorte ohne Unterbrechung Jahrhunderte lang sich forterhielt nicht allein bei den St. Petersbergern, sondern auch bei der ganzen Umgegend, besonders bei den St. Märgern und bei der Bevölkerung der Stadt Freiburg. Selbst adelige Hänser haben ihre Liebe zu diesem marianischen Heiligthume frühe bekundet durch großmüthige Geschenke. Das älteste Dokument für den Bestand der Wallfahrt ist ein silberner, in gothischem Stile ausgeführter Kelch mit der Jahreszahl 1383. Er befindet sich zur Zeit in der Kapelle des Grafen von Kageneck zu Stegen; dieser edlen Familie gehörte früher das Unteribenthal mit dem Lindenberge. Seit 1886 besitzt die Wallfahrtskirche eine Nachbildung des Originals. Am Fuße befindet sich in Email ein Crucifix, umflochten von einem Bande mit der in gothischer Schrift gehaltenen Aufschrift: EloettriäiP Neissernies si NEEETXXXIII f snr. Es ist also dieser Kelch eine Stiftung der Familie Meißnermis, die bei St. Blasien begütert war. Auf dem Muttergottesaltar stand folgendes Distichon: ?orta salatis ^vs, xer guam äatnr sxitas a vav, Vsnit ad lüva vas, guoä xia tollis, ^vo! O Himmelspforte sei gegrüßt! Dein' Hand der Hölle Pforte schließt; Von Evae Weh hast uns befreit, Darum sei ewig benedeit! In lwnorein Lalvatoris nostri llosrr (Mristi neenon Aloriosae Vir- ginis Nntris Nariae lloe altars äoannes a KollöllsnlzerA nun enrn ^nna äs llsisslraoll eonsuAS sua D. D. Xnno Oornini NDEVl. Dieser Altar steht jetzt in der Pfarrkirche zu Hölden im Breisgau, welches einst Us Propstei zu St. Peter gehörte. Ein Mnttergottesbild gleich über der Thüre des Seiteneinganges in's Kirchlein trägt die Jahreszahl NVI.XXXIII. Der Altar auf der Evangelienseite hat neben verschiedenen Wappen folgende Unterschrift: Uesn Lllnisto dem eingeborenen Sohn des allmächtigen Gottes, Narine der ewigen Jungfrau und himmlischen Königin seiner allerwürdigsten Mutter zu Lob und Ehren haben weiland der edlen ehren- und tugendsamen Frau Anna von Sickhingen, Wittib und Jungfrau Helena beide Schwestern ge- borne Schnäwlin von Landeckh seligen Erben gegenwärtigen Altar verfertigen, in diese Kirch verehren und aufrichten lassen. Xnno 1612. Der Altar auf der Epistelseite ist mit der Aufschrift bezeichnet: Ilxociiuru uostrae Reäeiuptiouis äevots reoolaruus st oxultswus äieeu- tos: (xloria tibi Ooruius. Ueber die Entstehung der Wallfahrt berichtet die einzig erhaltene Urkunde nach U. Steyrer Folgendes: Pantalcon Mayer, ein Bauer in Unteribenthal, hatte vor etlichen Jahrhunderten vielfaches Unglück mit seiner Viehheerde zu erdulden. Alle möglichen Mittel, den großen Schaden von seinem Hofe abzuwenden, blieben ohne Erfolg. Da erkannte der Bauer, daß bei Gott allein Hülfe zu suchen und zu finden sei; im zeitlichen Unglücke sah er eine Züchtigung für seine Sünden und besann sich, durch welche Bußwerke er wohl die göttliche Gerechtigkeit wieder versöhnen könne. Während er mit solchen Gedanken sich trug, kam es ihm einst im Schlafe vor, als hörte er eine Ermahnung, zum Lobe der allers. Jungfrau und Gottesmutter Maria auf seinen Gütern eine Bildsäule zu errichte», um seinem Unglück zu steuern und in Zukunft vorzubeugen. Sofort faßte Pantalcon den Entschluß, im Falle der Erhörung seiner Gebete das gewünschte Denkmal zur steten Erinnerung an die durch Maria empfangene Wohlthat errichten zu lassen. Der Erfolg bewies, daß sein Traum keineswegs leerer Schaum gewesen, sein Viehstand war von der Zeit an vorzüglich, jede Spur der Krankheit erlosch alsbald. Ohne Zögern erfüllte der dankbare Bauer sein Gelübde: er ließ einen Zimmermann rufen und schloß Ackord über den Bau der Denksäule. Allein der Handwerksmann verschob aus allerhand Vorwänden die Ausführung der bestellten Arbeit. Da wurde sein Haus ein Raub der Flammen; er erkannte darin eine Züchtigung für sein langes Zögern in Erfüllung der zu Ehren Mariens übernommenen Arbeit. Sofort nahm er sie mit allem Eifer in Angriff, vollendete sie sorgfältig und setzte die marianische Bildsäule an den bestimmten Ort. Von der Stunde an wurde unser Pantalcon Mayer gleich einein zweiten Obededoin, der einst die Bundesladc in seinem Hause beherbergte, mit reichlichem Segen vom Himmel begnadigt. Bald sollte er durch seinen Hirtenknaben einen neuen Beweis der Hu ld von Seiten der Himmelskönigin empfangen. Eben zu dieser Zeit setzte sich dieser einstmals unweit der Viehheerde aus den Boden, um aus den gesammelten Haselnüssen sich ein Frühstück zu bereiten. Als er aber sah, daß die meisten entweder schadhaft oder von Würmern zerfressen seien, brach der Bursche nach seiner Gewohnheit in Fluchen und Schwören aus und warf die leeren Schalen zornig hinweg. Beim Wurfe nun hatte er das Gefühl, als berühre er einen Menschen mit der Hand und als er erschrocken sich umwandte, erblickte er eine Frau von außerordentlicher Schönheit, die ihn liebevoll anredete: „Gegrüßet seist du, Jüngling!" Die Majestät der Jung- sran, die unverhofft hier erschienen, wie das böse Gewissen, versetzte» den — 24!) — Angerederen in noch größeren Schrecken, so daß er kein Wort hervorbringen tonnte. Die wunderbar erschienene Jungfrau, ohne Zweifel die Gottesmutter Maria, deren Freude ist, bei den Menschenkindern zu weilen, vermies dem Knaben hierauf mit eindringlichem Ernste sein Fluchen über die leblosen Geschöpfe Gottes, deren llnbrauchbarkeit seinen Zorn erregt. Der Hirte faßte wieder Herz und Muth, um den Gruß der bis jetzt unbekannten Zungfrau also zu erwidern: „Seid ihr auch gegrüßt!" „Du hast Recht gethan, daß du mich auch gegrüßt", entgegnete hierauf die Jungfrau und gab den Auftrag: „Geh hin und sage deinem Meister, es sei mein Wille, daß er mir eine Kapelle auferbaue." Der Junge entschuldigte sich aus diesen gemessenen Befehl mit den Worten: „Wie wird mir mein Meister solchen Befehl glauben ohne ein sicheres Wahrzeichen?" Sofort ging die himmlisch schöne Jnngfrau auf dies Verlangen ein und sprach: „Das sei dir zum Zeichen: Du solltest um deines Fluchens willen vor dem dritten Tage sterben, jedoch will dich Gott noch verschonen; aber die drei reichsten Einwohner dieses Thales werden vor Ausgang eines Jahres sterben." Darauf verschwand sie. Die Voraussage aber erfüllte sich genau. Pantaleon zweifelte nun nicht länger mehr an der Gewißheit der Erscheinung und des himmlischen Befehles; er fing an eine Kapelle wahrscheinlich über den früher aufgestellten Bildstock zu erbauen. Bestand sie auch nur aus Holz und Brettern und bot so einen ärmlichen Anblick, so würdigte sich doch Gott, den neuen Gnadenort durch viele und außerordentliche Gcbetserhörungcn zu verherrlichen. Von Jahr zu Jahr wuchs deshalb die Zahl der Pilger und wurde für sie mit Gutheißung der geistlichen Obrigkeit Gottesdienst in der noch dürftigen Kapelle gehalten. Es wäre mit Grund zu zweifeln, ob diese neue Wallfahrt wirklich von Gott komme, wenn sie nicht die Feuerprobe der Verfolgung zu bestehen gehabt hätte. Und in der That fand der böse Feind Werkzeuge, welche die zarte Pflanze im Garten der Kirche auszurotten suchten. Einige gottlose Menschen machten sich ein Geschäft daraus, die Pilger zum Lindenberg zu höhnen, zu verspotten und zu beschimpfen; den Gottesdienst daselbst nannten sie Abgötterei und Götzendienst. Ja, soweit trieb sie ihr fanatischer Haß, daß sie in das Heiligthum eindrangen, das Bild Marien's und selbst des gekreuzigten Heilandes hinwegrissen, sie in den Koth warfen und an der Löwenbrücke das Crucifix in die Tiefe versenkten. Allein die gottesräubcrischen Attentäter wurden bald bekannt; auffallend hatte sie der Arm der göttlichen Gerechtigkeit gestraft. Sie wurden nämlich ihres Verstandes beraubt und zwar so lange, bis sie durch Gewissensbisse und Zureden frommer Leute bestimmt, das Vergehen bereut, Maria um Verzeihung gebeten und ihr Bild unter großen Ehrenbezeugungen wieder an den vorigen Ort verbracht hatten, schlimmer ging es dem geistigen Urheber dieses Skandals, einem Priester aus Kirchzarten, der ans Neid jene Genossen zum Frevel angespornt hatten Bald nach dem Frevel wurde er von abscheulichem Aussatze befallen und nachdem er ein Jahr hindurch die empfindlichen Schmerzen erlitten, starb er jedoch nicht ohne Zeichen einer großen Reue und Bußfertigkeit. Er erkannte die züchtigende Hand des gerechten Gottes in seinen Leiden und bekannte öffentlich, sie seien nur eine wohlverdiente Strafe dafür, daß er so viele Gläubige von der Wallfahrt auf dem Lindenberg abwendig gemacht und die Maria geweihte Kirche sammt ihrem Bilde freventlich zu schänden sich erfrecht habe. Jedoch nicht allein durch Züchtigung der Feinde, sondern auch durch Gunstbezeugungen gegen die Freunde des marianischcn Gnadenortes zeigte Gott deutlich, daß er hier seine theure Mutter besonders verehrt habe» wolle. Johannes Zäringer, ein hochbetagter Bauer aus Unteribenthal, gewöhnlich „der blinde Hans" genannt, wurde von seines Sohnes Fra» und deren Kindern tagtäglich geplagt und gar übel behandelt. In seinem Kummer wußte er keinen Ausweg zu finden; da kam ihm der Gedanke, nach dem Beispiele so vieler Christen bei Gott und seiner h. Mutter ans dem Lindenberg Trost und Hülfe zu erflehen. Seine Hoffnung wurde nicht zu Schanden. Er pilgerte zur Gnadenkapelle und schüttete dort vor der Trösterin der Betrübten sein gedrücktes Herz unter bittern Thränen aus. Nach verrichteter Andacht ruhte er draußen im Freien und schlief ein. Während des Schlafes erschien ihm eine wunderschöne Frau und gab ihm die tröstliche Versicherung, sein Gebet sei von Gott erhört worden; er werde auch in Zukunft nie von Gott und Maria verlassen werden, wenn er täglich 10 Vater unser und Ave Maria zu Ehren derselben bete. Darauf nahm sie zufolge der Urkunde zwei Späne von dem dort liegenden Holze und wollte sie mit einer Weide in Form eines Kreuzes zusammenbinden. Besorgt, die Gerte möchte zu schwach sein, bot der Alte ihr schnell ein Stück seines Hosenbandes an und in liebevoller Herablassung nahm sie dasselbe ab, band damit das Kreuz zusammen und sprach: „Nimm hin dieses Kreuz und bringe es dem Pantaleon Maper, sage ihm auch, er solle zur Ehre der Mutter Gottes die Kapelle erweitern und in vollkommenen Stand setzen." Nach diesem Befehl entzog sie. sich den Augen des frommen Greises und wurde ferner nie mehr gesehen. — Dieses Kreuz wird bis heute aus dem Lindenberg aufbewahrt, während doch alles Andere verloren gegangen oder ! zerstört worden ist. Wie eine h. Reliquie wird es verehrt und als ein kostbares Kleinod sorgfältig gehütet. Es ist nicht ganz einen halben Finger lang und ebenso breit; das Holz ist vor Alter nicht gut zu erkennen, das Band aber, mit welchem es zusammen gebunden ist, hat eine braune Farbe und scheint aus Kammeelhaaren zu bestehen. Es ist in einer ovalen Kapsel ans Silber mit Krpstalldeckel verschlossen und hängt an einer silbernen, von kunstfertiger Hand gearbeiteten Kette am Halse des Christkindes. Auf der Rückseite ist ein Muttergottesbild eingravirt, welches wohl eine Darstellung des ursprünglichen Gnadenbildes sein mag. Die Benediktiner in dem nur ^ Stunde entfernten Gotteshaus zu St, Peter ließen sich die Pflege dieser marianischcn Wallfahrt sehr angelegen sein; sie waren bemüht, alle religiösen Bedürfnisse der Pilger zu befriedigen und den Glanz des Gottesdienstes zu heben. Alle Muttergottesfeste das ganze Jahr hindurch (Maria Lichtmeß ausgenommen) wurde auf dem Lindenberg von einem Conventualen eine Predigt gehalten, die h. Sakramente gespendet und das Amt der h. Messe unter großem Andrang der Wallfahrer gehalten. Dies geschah ebenfalls an der jährlichen Gedächtnißfeier der Kirchweihe der Gnadenkapelle (1601 geweiht), welche auf den ersten Sonntag nach dem Feste des h. Apostels Matthäus fällt. Während des Frühjahrs und Sommers wurde dort alle Mittwoch eine oder auch mehrere h. Messen gelesen. Trotz des Segens, der von diesem Orte aus sich ergoß, sollte die Kapelle der falschen Aufklärung zum Opfer fallen. Sie wurde unter der Regierung des Kaisers Josef II. aufgehoben und ihre Einkünfte zum Religionsfond gezogen. Die dahingestifteten 12 h. Messen wurden in die neu errichtete Pfarrei Eschbach verlegt; der Betrag hierfür mit 4 Fl. aus Religionsfond und die in Eschbach gestifteten Anniversarien bildeten die einzigen fixen Bezüge der Pfarrer. Die Steine der Wallfahrtskirche wurden nach Cschbach hinabgeführt und die dortige Pfarrkirche ganz nach dem Muster der abgebrochenen Kapelle aufgebaut; sogar die heute noch fichtbaren Malereien sollen denen der ehemaligen Kapelle nachgebildet worden sein. In feierlicher Prozession wurde das alte Bild der allers. Jungfrau vom Berge in die Pfarrkirche Eschbach übertragen und befindet sich heute noch darin. Das Madonnenbild auf dem Hochaltare der jetzigen Kapelle auf dem Lindenberg wurde später angefertigt. Gewiß ward dieser Schlag von den frommen Benediktinern des Stiftes St. Peter sehr hart empfunden; doch gegen den Gewaltakt vermochten sie nichts auszurichten und mußten in damaliger Zeit noch froh sein, daß man ihr eigenes Kloster bestehen ließ. Der letzte Abt desselben, Jgnaz Specklc, hat in seinein äußerst interessanten Tagebuche, das' ein Vierteljahrhundert umfaßt, die wichtigen Vorgänge auf dem Lindenberge zwischen 1795 und 1805 niedergeschrieben. Auf rührende Weise zeigte sich die Liebe und das Vertrauen des kath. Volkes zu diesem Gnadenorte; es nahm in allen Bedrängnissen dorthin seine Zuflucht und suchte das zerstörte Heiligthum trotz Hindernissen aller Art wieder aufzubauen. In Folge des Krieges brach bald nach dem Rückzüge der französischen Truppen (18.—21. Okt. 1796) eine große Viehseuche iu St. Peter aus. Massenhaft wallfahrteten Einzelne zur Kapelle und beteten ihren Rosenkranz bei den Ruinen. Wiederholt be- Itiirmten die Bauern, sowie der Bürgermeister von Jbenthal den Abt, eine feierliche Prozession zu veranstalten und wollten das erzwingen; als ihnen ein Priester verweigert wurde, baten sie um Kreuz und Fahnen und behaup- tcten sogar, diese gehörten der Gemeinde. Das Einzige, was ihnen gestattet wurde, war eine stille h. Messe in der Stiftskirche. Nachdem das Volk diese gehört und Betstunde gehalten, ordnete es sich zu einer so großartigen Prozession, wie gewiß noch nie eine gehalten wurde. Als 1803 ein Hagel Schaden angerichtet, wurden au 3 Wochentagen Betstunden gehalten und baten die Pfarrkinder den Abt, am Samstag eine Wallfahrt nach dein Lin- denberg zu machen. Es wurde ihnen abgeschlagen und dafür eine Betstunde in der Pfarrkirche gehalten. Inzwischen hatte die Gemeinde lluteribenbach ein Gelübde gemacht, die Kapelle wieder aufzubauen. Man berieth sich wegen der Ausführung mit Abt Spcckle. Dieser kluge Prälat erwiderte, er halte die Zeit zum Banen nicht für geeignet und werde ihre Absicht weder fördern noch hindern, sondern sich ganz gleichgültig dagegen verhalten. Da man auf Säkularisation des Klosters ausging und der eifrige Abt viele Gegner hatte, mußte er sich mit blutendem Herzen diese Zurückhaltung auferlegen. Er verwies die Bauern zunächst an die weltliche Behörde und versprach dann die nöthigen Schritte auch bei der geistlichen Behörde thun zu wollen. Die Gräfin von Kageneck, in deren Herrschaft die Kapelle lag, erlaubte nicht blos den Wiederaufbau, sondern begünstigte ihn auf alle Weise. Allein wer den Bau untersagte, das war der Generalvikar von Wessenberg in Konstanz; das durch das Kageneck'sche Amt eingereichte Gesuch der Gemeinde wurde abgewiesen. Die Gräsin von Kageneck sprach mündlich mit Wessenberg und trug ihm den Plan vor, auf dem Lindeuberg eine Lokalkaplanci oder Schule mit der Wallfahrtskapelle zu verbinden, oder eine eigene Pfarrkirche zu errichten und hatte der Geueralvikar ihr Hoffnung gegeben, unter diesen Bedingungen den Bau zu gestatten. Doch auf letzteren Plan konnte das Stift St. Peter sich nicht einlassen. Ohne den Ausgang der langwierigen Verhandlungen zwischen den Behörden abzuwarten, hatten schon im Sommer 1800 die Bauern Sand, Kalk und Dielen zur Baustelle gebracht^ Holzstämme und Geldbeiträge flössen überallher und selbst von ferne wurden die Frohuden geleistet und es entwickelte sich im Sommer 1803 eine emsigere Bauthätigkeit aus dem Berge. Am 18. Juli fing der Baumeister von St. Peter an, die zerstörten Mauern wieder herzustellen und am 13. Lkt. wurde der Dachstuhl aufgerichtet. Auf dem alten Fundamente hatte man das Chor und die Hälfte des Langhauses wieder erbaut und letzteres provisorisch abgeschlossen, damit man später den Bau in seiner ursprünglichen Größe vollenden könne. Durch freiwillige Beiträge waren alle Kosten bestritten worden. Zahlreicher als zuvor wallfahrtete das gute Volk dahin, brachte Opfer und verrichtete seine Gebete. Die Bauern von Jbcnthal ließen einen Altar in der neuen Kapelle errichten. Jedoch eine auf den 21. Mo> 1805 nach St. Märgen anberaumte Prozession mußte in Folge bischöflichen Nescriptcs unterbleiben und es wurde statt dessen eine Betstunde anberaumt. - 253 — Nach derselben begab sich die ganze Volksmenge von der Pfarrkirche St. Peter aus in die halbcrbante Wallfahrtskapelle. Hierauf wurde am 4. Juli 1805 von der bischöflichen Kurie in Konstanz die Kirche auf dem Lindenberg für interdicirt erklärt. Nachdem im Jahre 1844 das Priesterseminar der Erzdiözese Freiburg „ach St. Peter verlegt worden, blühte die Wallfahrt unter dem Einflüsse der Scminarvorstände wieder auf. Eine Jungfrau, Veronika Benitz, hatte in unmittelbarer Nähe der Kapelle ein größeres Gut erworben, wo sie nun mit mehreren anderen Jungfrauen in einer Art klösterlicher Genossenschaft nach der dritten Negel des h. Franziskus lebte. Dadurch mußte die Kapelle vergrößert werden und es geschah dieselbe auf Kosten der Veronika Benitz nach einem Vertrage mit der Gemeinde Unteribenthal in der Weise, daß zu- gleich eine Emporbühne in dem Neubau errichtet wurde, welche für die Jungfrauen reservirt blieb. Im Jahre 1869 wurden diese Jungfrauen vertrieben. Die Kapelle aber wurde 1889 im Innern restaurirt und wird fortwährend von Pilgern fleißig besucht. Fast alle Pilger, die den Lindenberg besuchen, gehen auch zum Soldatenkirchhof, östlich von St. Peter. Es ruhen hier die Leichen von 844 österreichischen Soldaten, die zwischen 1813 und 1815 im verlasseneu Kloster untergebracht waren und vor Hunger und Elend darin starben, während die übermüthigen Offiziere in Saus und Braus im Wirthshause lebten. Are Ruhestätte ist auf freiem Felde durch ein Misfionskreuz bezeichnet und wallfahrten die Leute dahin in Armuth, Hunger und zeitlicher Noth, auch bei heftigem Gliederreißen. Hondingen. Amt Donaueschingen. Wallfahrt zur allcrseligsteu Jungfrau ist wohl eine der älte- c^4 sten und ihr Gnadenbild vielleicht das älteste der ganzen Erz- diözese Freiburg. Nicht ans bloßen Sagen und Ueberlieferungen beruht ihre ö'cschjchte, sondern sie ist durch eingehende historisch-kritische Untersuchungen von Pfarrer Martin Heizmanu daselbst 1785 festgestellt worden; es unterstützte» ihn dabei gelehrte Alterthumsforschcr. In einer lateinischen Urkunde hat dieser Pfarrer die Resultate seiner „über jede Kritik erhabenen" Forschungen niedergelegt. Hondingen, früher Haindingen und Haidingen, ist der älteste Ort der ^gend, schon im 9. Jahrhundert hatte das Stift St. Gallen hier Güter. befreite Kaiser Ludwig der Fromme den Hof Weifarius in Huntingen an Amte des Grasen Frumald in der Baar, dem Kloster St. Gallen zuge- hörig, von allen Lasten und Abgaben. Dieser Ort bildete das Centrum für die heidnische Bevölkerung in weitem Umkreise. Darauf weist nicht nur der Name des Dorfes hin, sondern anch seine Kirche. Der Hintere Theil der Pfarrkirche mit der Kapelle auf der Emporbühne stammt nämlich noch aus der Zeit des Heidenthums und wurde der Thurm entweder gleich bei Cin- führung des Christenthums oder noch in heidnischer Zeit daran gebaut. Es geht dies aus dem festen Gemäuer selbst hervor, wie aus der Form des Einganges, dieser war früher von einem offenen Bogen gebildet und ohne Pforte, so daß Jeder zu jeder Zeit eintreten und Schutz suchen konnte. In einer bei Gelegenheit einer Reparatur zu Geisingen 1768 aufgefundenen Urkunde heißt es wörtlich: „Diesseits der Länge war vormals ein berühmter Götzentempel, zu welchem die Heiden ihre besondere Zuflucht nahmen." Aus den Profan-Schriftstellern wissen wir, daß die Heiden außer ihren örtlichen Heiligthümern für ihre Götzen in gewissen Gegenden besondere Tempel mit außerordentlichen Privilegien besaßen, welche als Zufluchtstätte» für alle Bedrängten und Verfolgten, sogar für Mörder galten. Keine Chronik erwähnt aber irgend eine Spur eines heidnischen Tempels in der ganze» Gegend, außer dem von Hondingen. Dieser genoß also die größte Verehrung I der Heiden dieser Landschaft. In einer offenen Nische der Hinterwand dieses heidnischen Tempels stand das Götzenbild der Göttin Bitten. Als das Dach der Pfarrkirche 1766 unter-Pfarrer Aner ganz erneuert wurde, fand man dieses Bild aus dem Speicher. Auf einem Schilde standen die Worte: Göttin Bittin. Ob ! sie ursprünglich darauf gestanden oder erst später angebracht worden, ist natürlich nicht zu ermitteln. In übel angebrachtem Eifer ließ der Pfarrer i vor seinem Hause ein Feuer anzünden, das Götzenbild hineinwerfen und ! während es verbrannte, tanzte die Jugend lustig um dasselbe. Obiger Pfarrer Heizmann verhörte darüber noch Greise, die Augenzeuge der Scene warm Der erste christliche Missionar entfernte sofort das Götzenbild aus der Nischk I und stellte dafür das Bild der allcrs. Jungfrau Maria mit dem Jesuskind! I dem Volke zur Verehrung vor. Es muß dies bereits im 8. Jahrhundert I geschehen sein. Der Charakter des Bildes, seine Ausführung weisen es nach I dem Urtheile der Alterthumsforscher ins 8. Jahrhundert. Der im Viereck gebaute heidnische Tempel wurde dem Dienste Jesu I Christi geweiht und blieb der Hintere Theil wie früher der Göttin Mtiu > auf der Empore jetzt der Verehrung Maria bestimmt. So kam es, daß bis I heute der Wallfahrtsaltar auf der Emporkirche, einen gewiß für Pilger und I Priester schwer zugänglichen Ort, sich befindet; die kirchliche Behörde hat im I erlaubt, ihn anderswohin zu verlegen und würde das Volk einem solchen I Beginnen sich widersetzen, wie Pfarrer Heizmann selbst bei Erweiterung I dieses Chörleins erfahren hat. 964 wurde der Altar mit dem Gnadeu- bilde hier feierlich consecrirt. Als er im Schwedenkriege etwas »er- — 255 — K darben war, erneuerte und benedizirte man ihn 1658 wiederum. Bei Oeff- uung des Laourluru fand man eine Urkunde, nach welcher das Jahr 964 das erste Consekrationsjahr gewesen ist. Bis 1764 wurde eine Abschrift davon im Orte aufbewahrt und der Inhalt derselben von beeidigten Männern, welche das Aktenstück gelesen, von Pfarrer Heizmann erhoben und notiert. Inzwischen war der Platz auf der Empore zu klein geworden und wurde letztere 1785 erweitert. Mit Genehmigung des bischöflichen Ordinariates Konstanz wurde nun der 821 Jahre alte Altar abgerissen, was wegen seiner Festigkeit äußerst mühevoll war und ein neuer von Holz an dem Orte, wo er noch heute steht, errichtet. Unter den größtmöglichsten Feierlichkeiten fand die Uebertragung des berühmten altehrwürdigen Gnadenbildes zum neuen Altare am Feste Mariä Opferung, den 21 November 1785 statt. Der Altar selbst wurde für jeden Priester auf ewige Zeiten privilegirt. Schon früher hatte der päpstliche Stuhl den Gnadenort mit Vergünstigungen bedacht. Im Pfarrarchiv wird noch die Abschrift der Ablaßbulle Znnocenz VI. vom 27. Februar 1353 aufbewahrt; es wird darin Allen, welche an einer ganzen Reihe von Festen die Pfarrkirche in Haindingen sHondingen) zu Ehren des heil. Martin sowie die Kapellen in Fürstenberg und Blomberg besuchen, beichten, gewisse Werke der Frömmigkeit verrichten, dieser Kirche oder den Kapellen Schenkungen machen oder solche veranlassen oder welche für das Wohlergehen des Nikolaus Eschinger von Fürstenberg, des Bittstellers dieser Ablässe, Priesters der Diözese Konstanz, während seines Lebens oder nach seinem Hinscheiden Gebete verrichten, so oft und wo immer sie solches thun, ein Ablaß von 40 Tagen verliehen. Pius VI gewährte durch apostolisches Breve vom 7. Sept. 1785 auf das Fest des h. Kirchenpatrons Martin vollkommenen Ablaß für den Besuch der Kirche unter den gewöhnlichen Bedingungen ans 7 Jahre. Für ewige Zeiten verlieh Pius IX. am 18. Dezember 1863 allen Gläubigen: 1. vollkommenen Ablaß, wenn sie an den Festen Mariä Geburt, Verkündigung, Lichtmeß, Himmelfahrt und des heil. Martin oder auch an einem beliebigen Tage des Jahres diese Wallfahrtskirche andächtig besuchen, würdig beichten und kommuniziren und für die Anliegen der Kirche beten; 2. einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen, wenn sie an einem Samstag die Kirche besuchen und diese Gebete verrichten. Der Samstag ist nämlich der Wallfahrtstag, an welchem auf dem Chöre ein Amt gehalten wird, vor welchem die Pilger Gelegenheit zum Sakramcntsempfange reichlich finden. Durch den Zusammenfluß der Pilger wurde diese Kirche frühe schon begütert, und konnte außer dem Pfarrer noch ein Kaplan dotirt werden. Es wurden von da aus noch Fürstenberg und Blumberg pastorirt. Allein gegen Gnde des 16. Jahrhunderts wurde der Sitz des Pfarrers nach Fürstenberg verlegt und die Wallfahrt sowie die ganze Pastoration durch einen in der Ge- ^Mrsprünglich ein habsburgisches Jagdschloß wurde Waldshut an " Stelle des ehemaligen Schlosses Stunzingen vom Habsburgischen Grafen Albert IV. 1212 erbaut, 1249 durch Rudolf von Habsburg und seinen Bruder Albrecht, Chorherru zu Straßburg, vollendet. Wegen ihrer günstigen Lage im Rheingau als Ausgangspunkt und Marktplatz des Schwarzwaldes mit der Schweiz blühte die Stadt bald empor; sie soll ehemals ihrer Länge nach bis Dogern, ihrer Breite nach bis Schmitzingcn sich erstreckt haben. Allein durchBelagerungen wurde ihr Wohlstand ruinirt und sie zn einem gewöhnliche» Amtsstädtchen herabgedrückt. Erst in neuester Zeit beginnt sie sich durch Eisenbahn und Gewerbe wieder emporzuschwingen. 1468 wurde sie durch 16666 verbündete Schweizer hart bedrängt — ohne Erfolg; 1498 hauste darin eine große Feuersbrunst und 1524 wüthete der Bauernkrieg schrecklich darin. Balthasar Hubmeier, von Friedbcrg gebürtig, in Freiburg Bacca- lanreus der Theologie geworden, 1512 Pfarrer und Professor in Jngolstadt, kam von dort vertrieben nach Waldshut und wurde dort Pfarrer. Erschloss Freundschaft mit Zwingli, überredete die Bürger zur Annahme der neue» Lehre, entfernte 1524 alle Bilder aus den Kirchen und nachher ebenso im nahen Dorfe Waldkirch, zerstörte die heil. Gefäße und Paramente. Später ließ er sich durch Konrad Grebell und Konrad Münzer für die Sekte der Wiedertäufer gewinnen und fing an, gegen 366 Bauern und Weiber auf öffentlichem Markte zu taufen. Als aber 1525 der römische König Ferdinand in der Nacht die Stadt einnahm, entfloh Hubmeier nach Zürich, «o er gefangen wurde; durch Hülfe Zwinglis wieder befreit, gelang es, ih« später wieder einzuziehen und wurde er 1528 zu Wien verbrannt. Im Schwedenkrieg wurde Waldshut 1637 durch Herzog Bernhard vo» Weimar und 1744 im österreichischen Erbfolgekrieg durch die Franzose» erobert. Im Jahre 1656 wurde darin ein Kapuzinerkloster gegrünbet, das bis 1826 bestand. Ein Mitglied dieses Ordens, Egys von Rheinfeld, kam meindc residirenden Kaplan besorgt, welcher vom Pfarrer besonders hierfür honorirt wurde; auch blieb der Gottesacker für beide Orte in Hondingen. Als nun im Schwedenkriege die Glocken, welche mit auf den Hohentwiel geflüchtet, vom Feinde geraubt worden und neue angeschafft werden sollten, weigerten sich die Fürstenberger, die ihre Leichen hierher brachten, einen Bei trag zn leisten. Sie errichteten einen eigenen Gottesacker in ihrer Gemeinde. Hondingen aber wurde in Folge dieser Streitigkeiten wieder zur selbstständigen Pfarrei erhoben. — 257 — ron Jerusalem als Missionar der Provinz zurück und fand eine gewisse Ähnlichkeit in Distanz und Lage zwischen dein Arberg bei Waldshut und dein Kalvarienberg bei Jerusalem. Dadurch ließ sich Straushaar, Statthalter des Schultheißenamtes und königsfeldischer Hofmeister bestimmen, ein großes steinernes Kruzifixbild aufzurichten. Von dieser Zeit an bekam der Arberg den Namen Kalvarienberg. Sein Sohn ließ dabei eine kleine Kapelle bauen, worin auf einem Altare portatile Messe gelesen wurde. Diese Kapelle übte eine besondere Anziehungskraft auf's Volk aus und konnte die Pilger nicht mehr fassen. Deshalb ließ 1715 Johann Dietrich Stranbhaar, damals Pfarrer zu Donaueschingen mit Beihülfe seines Vetters Konrad Burgin, Benefiziat zu St. Jakob, eine größere Kirche mit 3 Altären von Fundament aus bauen. Doch auch für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der zahlreichen Wallfahrer sorgte diese edelmüthige Familie. Johann Konrad Straub- haar, Hofkaplau bei der hochgräflicheu Herrschaft zu Wolfegg, begab sich selbst nach Waldshut und gewann bald Wohlthäter für den längst gehegten Plan, einen eigenen Geistlichen für die Wallfahrt anzustellen. Johann Dietrich Straubhaar, Probst in Wolfegg, setzte in Verbindung mit mehreren Anderen, die im Stiftungsbriefe genannt werden, die Dotation einer eigenen Pfründe sür den Kalvarienberg ins Werk. 1729 den 2V. Mai wurden 6000 fl- Reichsivährung für den Unterhalt des Geistlichen bestimmt, die Stadt Waldshut machte sich verbindlich, 3 Saum Wein, 1 Mutt Kernen, 4 Klafter Holz und ö fl. an Geld jährlich herzugeben. Am 28. Mai 1729 erhielt die Johann Dietrich Straubhaarsche Stiftung einer Kaplanei sür den Kalvarienberg die bischöfliche Bestätigung. Messe wird in der Wallfahrtskirche gelesen jeden Freitag von der Fastenzeit bis Allerheiligen, au den Festen Kreuzerfindung und Kreuzerhöhung. Während der Fastenzeit ist vor der Messe Predigt. Hauptwallfahrtstag ist der Charfreitag, wo die Fremden oft zu vielen Tausenden Nachmittags 2 Uhr znr Predigt sich einfindeu. Weingarten bei Offenburg. chou vor uralten Zeiten stand an dem Orte, wo jetzt die Kirche zu Weingarten steht, eine Kapelle. Es war ungefähr vor W Jahren, daß ein Blitzstrahl sie zerstörte. Die frommen Voreltern beschlossen, statt ihrer eine größere zu bauen, die mehr einer Kirche als einer Kapelle gliche, jedoch nicht au der nämlichen Stelle, sondern etwas östlicher auf der kleinen Anhöhe, neben der jetzt das Pfarrhaus steht und welche jetzt 17 — 258 — noch den Namen „Gottesacker" führt. Man schaffte die Baumaterialien herbei und machte sich unverdrossen an das fromme Werk. Allein der Himmel hatte anders beschlossen. Der Plan, eine größere Kirche zu bauen, gefiel ihm zwar, nicht aber der, den Platz zu ändern. Hört, wie er zu Werke ging. Mehreremalen hintereinander lag alles Baumaterial des Morgens auf der Stelle, wo die alte Kapelle gestanden; man konnte nicht begreifen wie dies zuging. Da gefiel es dem lieben Gott, zu diesem Wunder noch ein neues, auffallenderes hinzuzufügen. Einer von den Baugesellen, welcher sich vor den anderen besonders durch Entschlossenheit hervorthat, beschloß einmal Wache zu halten. Allein was geschieht? Mit dem Baumaterial befand auch er sich am nächsten Morgsn auf der vorigen Stelle und, damit nun allgemein bekannt würde, daß nicht Menschenhände dies gethan, sondern unsichtbare himmlische Geister, so war der ganze Platz ringsum, obwohl es im hohen Sommer geschah, mit einem frischgefallenen Schnee bedeckt, worin aber nicht die geringsten Spuren von Fußtritten zu entdecken waren. Zugleich fand man daselbst ein vorher noch nie gesehenes liebliches Bild der schmerzhaften Muttergottes — ein Vesperbild — welches gar lieblich sang und so deutlich zu verstehen gab, die Himmelskönigin wolle an diesem Orte verehrt sein unter dem Titel der „schmerzhaften Mutter" und als „Maria Schnee". Voll Freude über eine solche Begünstigung der lieben Mutter Gottes baute man rastlos die Kirche an diesem Orte und weihte sie der schmerzhaften Muttergottes und ihr Name wurde genannt: „Weingarten von Maria Schnee." Als die Pfarrkirche in dem nahen Zell in Zerfall gerieth, wurde die pfarrliche Seelsorge in die Wallfahrtskirche zu Weingarten verlegt. Zin Bauernkriege wurde sie verbrannt und später wieder aufgebaut. 1596 fand die Consecration derselben zu Ehren der h. Apostel Philipp und Jakob statt. 1631 durch Blitz zerstört, wurde sie später aus eingezogenen Gütern wieder hergestellt. Die jetzige Sakristei bildet die ursprüngliche Wallfahrtskirche und befindet sich in ihr auch das kleine altehrwürdige Bild der schmerzhaften Mutter. Die Kirche besitzt alte werthvolle Glasgemälde. Zu klein für das Kirchspiel wurde sie vor 16 Jahren verlängert und 1873 durch Bischof Lothar von Kübel konsekrirt. Drei neue gothische Altäre schmücken sie seit 10 Jahren; das Chor trägt ein altes Netzgewölbe aus der besten Zeit der Gothik. Bei der Vergrößerung wurde es reich mit Dekorationen bemalt. Oben auf dem Hochaltar ist das Cruxisix und zu beiden Seiten Maria und Johannes, neben dem Tabernakel stehen die beiden Kirchenpatrone Philipp und Jakob und au den äußeren kleinen Nischen Bischof Konrad von Konstanz und Markgraf Bernhard von Baden. Der Muttergottesaltar zeigt eine herrliche Madonna mit dem Jesukinde, zu ihren Seiten die heil. Au»» und Magdalena. Der Josephsaltar trägt nebst dem h. Joseph den h. Abi Wendelin und den h. Ritter Georg. — 2S9 — Bei den Prozessionen haben die Ramersweierer den Vortritt und trägt ihr Gemeinderath unmittelbar hinter dem Allerheiligsten die sogenannte Glaubenskerze. Zur Zeit der Reformation kam ein protestantischer Prädi- kant nach Weingarten, um das „lautere Wort Gottes" zu verkünden. Als die Bürger von Ramersweier dies erfuhren, begaben sie sich mit Sensen, Gabeln u. s. w. dorthin und vertrieben den Eindringling wieder. Zum Andenken an die Reinerhaltung des kath. Glaubens dürfen die Rathsherrn von Ramersweier jederzeit bei Prozessionen voran gehen und weil sie rücksichtslos über die Sektirer herfielen und deshalb von ihnen Wölfe genannt wurden, haben sie einen Wolf in ihr Gemeindesiegel aufgenommen. Von Nah und Fern strömen fromme Pilger, besonders am Samstage, nach dem Gnadenorte und Tausende holen sich bei unserer lieben Frau in Weingarten Trost und Segen für sich selbst und die Ihrigen. Weiterdingen, Amt Engen. der Landstraße von Engenbach nach Schaffhausen liegt in sehr fruchtbarer Gegend das Dorf Weiterdingen. Schon 787 wurde es dem Kloster St. Gallen geschenkt, später gehörte es den von Klingenberg, dann den von Hornstein, von welchen sich eine Seitenlinie nach dem Orte benannte. Die Familiengruft der von Stoffeln und von Hornstein befindet sich hier. Das Dorf liegt am Fuße des einst mit 3 Schlössern geschmückten Berges Hohenstoffel. Eine Viertelstunde davon befindet sich die Wallfahrtskapelle zum h. Grabe. Consekrirt wurde sie von Franz Anton von und zu Sirgenstein, Suffraganbischof zu Konstanz 1723 den 30. August. Es sollte dadurch die Andacht gegen unseren gestorbenen, begrabenen und von den Todten wieder erstandenen Heiland in den Herzen der Christgläubigen vermehrt werden. Um diese Andacht zu erhalten und fortzupflanzen, wurde in eben dieser Kapelle die Bruderschaft des allerh. Herzens Jesu eingeführt; es geschah dies 1732 auf Betreiben des Johann Ferdinand Maria Anton Freiherr von Hornstein mit Bewilligung der geistlichen Obrigkeit. Papst Clemens XII. verlieh am 12. Dezember 1731 dieser Bruderschaft viele Ablässe und privi- legirte durch eigenes Breve den Bruderschastsaltar in der h. Grabkapelle für die Mitglieder der Confraternität. — Der Grabchristus wird darin wie ein eigentliches Gnadenbild verehrt. EsAist ein in Lebensgröße aus Holz geschnitztes Bild; Kunstwerth besitzt es nicht, stimmt aber doch sehr zur Andacht. An Sonn- und Feiertagen ist die Kapelle vom Frühling bis Herbst mit Pilgern angefüllt. — 260 — Kirchhöfen im Breisgau. !D^ebeii Umkirch ist Kirchhöfen, eine der ältesten Pfarreien des Breis- '' -D^aues und wie jenes in äußerst gesegneter, fruchtbaren Lage. Kein^Schuh Feld bleibt hier ohne reichen Ertrag. Von Morgen bis Abend umkreist die Sonne die Hügel des Oelberges, Kirchbergs und Batzenberges und reift hier einen der besten Weine des Landes. An diese Rebhügel angelehnt, dehnt sich die schöne Ebene des oberen Breisgaues aus und eröffnet sich eine prachtvolle Aussicht bis ins Elsaß hinein. Von dem nahen Waldgebirge, der Vorkette des hohen Belchen, sammelt sich ein Bach, der durch Ehren- stetten, an Kirchhöfen vorbei, Ampringen und Offnadingen durchfließt, die Melin heißt und mit dem Neumagen sich vereinigt. Wenn dieser Bach aus- tritt, wird er so reißend, daß er Häuser, Brücken, Straßen, Felder zerstört, wie im Sommer 1813. Die Alemannen des Breisgaues, der Kern der römischen Dekumate», wurden durch die Berührung mit den römischen Soldaten früher als irgend wo mit dem Christenthum bekannt. Als das Römerjoch abgeschüttelt war, beriefen die fränkischen Könige, die nun auch über Alemannien herrschten, Ordensleute zur Verbreitung des Evangeliums. Ende des 6. und Anfangs des 7. Jahrhunderts wirkten hier die h. Fridolin, Trudpert und Gallus. Sie fanden in unserer Gegend die Leute mit dem Christenthum bekannt und ihm geneigt. Damals schon stand die Kirche und nach ihr wurde der. dabei liegende Hof sowie das in der Nähe sich bildende Dorf Kirchhöfen genannt. Die Begründung einer christlichen Gemeinde ging aber vom Bischöfe in Basel aus. Dieser sandte einen Missionar, welcher die Leute im Christenthum unterrichtete und die Seelsorge ständig ausübte. Deßhalb bekam das Domstift zu Basel durch päpstliches Breve das Recht, die Pfarrei Kirchhöfen stets mit Geistlichen zu besetzen und zur Unterhaltung derselben den Zehnten sowie die Einkünfte der kirchlichen Stiftungen einzuziehen. Eine Bulle Jnnocenz II. vom 14. April l 139 erneuert die Privilegien des Domstifts Basel. Das Stift Basel erbaute aus seinem Zehnten und Gütererträgnissen der Kirche, die Wohnung seines Vikars (so hieß damals der Seelsorger) und honorirte ihn, übergab ihm an Reben, Feldern u. s. w. so viel, als es zu seinem Unterhalte nöthig erachtete und als Belohnung für die umfangreichen Geschäfte angemessen erschien. So groß war der Wohlthätigkeitssinn der tief religiösen Bevölkerung, ^ daß an der Muttergotteskirche zuerst zwei, dann drei und zuletzt vier Pfründen errichtet wurden. Am 22. Juni 1320 stiftete Wernherus, Rektor uns Pfarrer zu Amoltern, vorher Pfarrvikar zu Kirchhöfen, eine Kaplanei zum h. Johann Baptist, die Kraftenpfründe genannt, wozu später die kleinen Stiftungen — 261 — zum Thomas- und Magdalenenaltar geschlagen wurden mit der Verbindlichkeit, die Frühmesse zu halten. Am 17. April 1465 stiftete Ottmann, Edelknabe von Blumerk eine zweite Kaplanei, die Nikolauspfründe, dessen Inhaber zum beständigen Koadjutor des Pfarrers bestimmt wurde. Unter dem 18. Juli 1465 stifteten die Edlen von Ampringen eine dritte Kaplanei, die Ampringer Pfründe und mn 1. März 1727 Johann Litschgi, Bürgerund Handelsmann in Kertzingen eine 4. Kaplanei, wozu er auch das Kaplaneihaus auf sseine Kosten banen ließ. Endlich stiftete am 28. Juli 1764 Anton Gerold, Bürger in Kirchhöfen mit seiner Frau Verone Butz eine Kaplanei und stellte dazu aist eigene Kosten ein Haus. Die 1. und 3. Kaplanei wurden im Laufe der Zeit zur Besserstellung des Pfründers vereinigt, die Thomas- und Magdalena- Stiftungen aber der Nikolauspfründe beigegeben. 1786 wurde die 4. Pfründe ganz weggenommen und zur Ausstattung einer Curatie in Hochdorf in der March verwendet. Seit 1812 bekam die 3. Kaplanei die Auflage, den Gottesdienst in Vorsingen exorirrsnllo zu versehen. Aus diesen reichen Stiftungen geht hervor, mit welcher Liebe die Bevölkerung weit und breit an der Mutterkirche in Kirchhöfen hing und mit welchem Vertrauen die Pilger zu diesem Gnadenort sich wandten, da so viele Seelsorger mit dem Gottesdienste und Ausspenden der Sakramente beschäftigt waren. Ueber die Entstehung der Wallfahrt lautet die Tradition — Akten finden sich nicht vor —: Nahe beim protestantischen Mengen stand die Birlekirch (Birlichkirchen-Bertholdskirch) auf einem Gottesacker. Darin befand sich unser Gnadenbild, dessen Stil dem 15. Jahrhundert angehört. Zur Zeit der Reformation sei das Bild von dort verschwunden und habe in der Nähe der jetzigen Wallfahrtskirche aus einem Holderbusch sich niedergelassen. Unterwegs habe es an jener Stelle, wo jetzt die kleine Kapelle zwischen Kirchhöfen und Pfaffenweiler steht, ausgeruht, daher sie den Namen Marien- rnh trägt. Zweimal sei das Bild nach Birlekirch zurückgeholt worden, aber jedesmal wieder hierher zurückgekehrt. Daß Gnadenbilder zur Zeit des Glaubensabfalles aus der Mitte abtrünnigen Gemeinden zu treu gebliebenen geflüchtet wurden, ist eine Thatsache, die uns in der Geschichte der Wallfahrten häufig begeguet. Es wird Niemand wundern, wenn die Himmelskönigin ihren Gnadenthron in Mitten einer treu und warm katholischen Bevölkerung aufschlägt, nachdem sie von den verführten Kindern verlassen wurde. Wie entschieden die Bürger Kirchhofens für den Glauben sich wehrten, werden wir weiter unten erzählen. Für die so zahlreich gewordenen Angehörigen des Kirchspiels war die ursprünglich erbaute Kirche zu unserer lieben Frau viel zu klein, deshalb wurde sie 1469 erweitert und neu aufgebaut. Durch Stiftungen war sie >m Stande, diesen kostspieligen Bau selbst auszuführen. So vergabte ein kinderloser Bauer von Biengen, Sebastian Alber, 1482 all seine Güter der Kirche zu Kirchhöfen. 1506 schon wieder konnte die noch neue Kirche durch Baumeister Hans von Göppingen mit zwei gewölbten Säulengängen erweitert werden. Am 19. Nov. 1633 wurde die Kirche mit dem größten Theile der Häuser von den Schweden eingeäschert; es blieben nur noch die rohen Mauern. Da brachte ein edler Priester, der 7 Jahre lang Pfarrer in Kirchhöfen gewesen, Paul Merstecht, Pfarrer im benachbarten Thunsel, das große Opfer, aus eigenen Mitteln Kirche und Kapelle zu Ehren der lieben Muttergottes wieder erbauen zu lassen; das Domstift zu Basel und der Pfandinhaber der Herrschaft Franz Freiherr von und zu Schauenburg gaben gern hierzu ihre Einwilligung. Der begeisterte Verehrer unserer lieben Frau verwendete zum Baue einige 1000 Fl. aus eigenem Vermögen und hinterlegte noch 100 Fl. Kapital für den Kirchenfond. Die Ausführung geschah im Renaissancestil und wurde damals das Gnadenbild an die jetzige Stelle zwischen Chor und Schiff versetzt und mit einem eisernen Gitter umschlossen. Sehr sinnreich sind einzelne Symbole der allers. Jungfrau aus der h. Schrift wie der lauretanischen Litanei an der Decke als Gemälde angebracht. Das Hauptgemälde des Hochaltars stellt Maria Himmelfahrt dar, das Patrozinium des Kirchspiels, an welchem Tage alle Bewohner desselben sich in der Mutterkirche einfinden müssen und in keiner Filiale Gottesdienst gehalten werden darf. Auf 6—10 Stunden Weges strömen die Pilger an diesem Tage wie auch an Mariä Geburt in der Wallfahrtskirche zusammen, besonders zahlreich erscheinen die Münsterthäler. Während des Jahres ist immer der Freitag Wallfahrtstag, an dem sich besonders nach der Ernte viele Pilger einfinden. Eine geschichtliche Merkwürdigkeit ist die große steinerne Hochaltarplatte; sie verkündet eine That bewunderungswürdiger Tapferkeit auf der Rückseite in der eingemeißelten Inschrift: „Anno 1633 den 1. Wintermonat ist Kilche, Schloß und Kilspiel verbrännt: Und käme das Land in schwedische Hand; Ungefähr 300 Bauersleut unerbärmlicher Weis todtgeschlagen, darunter 89 von Pfaffen- und Oelisweiler waren. Gott woll ihnen und uns Allen geben ein fröhlich Auferstehen. Amen. Gott und Maria, seiner lieben Mutter zu Lob hab ich, Hans Scherlein und Anna Göpffridin mein ehelich Frau, weil uns Gott durch Fürbitt Maria wunderbarlich durch das leidig Kriegsleben erhalten, den Stein allher verehrt." Schon im 15. Jahrhundert hatten die Kirchhofener gleich den Städten sich die Schutzgerechtigkeit erworben; es bildete sich eine eigene Schützenkompagnie, die zu Ehrenstetten ihre Schießstätte hatte; der Kaiser selbst widmete aus dem Aerar einen jährlichen Beitrag zu Schießgaben. Kirchhöfen stand von jeher unter adelichen Herrschaften, die dort in einem Schlosse residirten, Güter besaßen und eine gewisse Gerichtsbarkeit übten. Am 7. Juli 805 kam es als Lehen an das Kloster St. Gallen — 263 — durch die drei Töchter des edlen Scherilo gegen einen jährlichen Lehenzins mm 2 Groschen und Vorbehalt eines Hofes. 1139 kam es in Güterbesitz des Bisthums Basel unter Oberherrlichkeit der Herzoge von Zähringen, später der Grafen von Urach-Freiburg. Von diesen als Lehen an die Schnewelin zum Weiher, die 1270 auch den Basler Hof daselbst eintauschten. 1371 wurde es verkauft an die Herren von Blumenegg, von denen einer sein Grab in der Kirche hat. 1570 kam es an Oestreich, welches es 1577 dem Lazarus von Schwendt, der das dortige Spital stiftete, pfandschaftlich überließ. Als dessen Stamm 1606 erlosch, zog Oestreich die Herrschaft wieder an sich, um sie 1628 dem kaiserlichen Kriegsrath und Oberst Hannibal im Schauenburg um 130,000 Fl. baar Geld und 54,140 Fl. Schuldanweisung zu verpfänden. 1722 von Oestreich eingelöst, wurden die beiden Herrschaften Kirchhöfen und Staufen an die gefürstete Abtei St. Blasien für 260,000 Fl. verpfändet. Ihr verblieb sie bis zur Säkularisation 1806, die den Großherzog von Baden in den Klosterbesitz des Breis gaues setzte. Trotz dieser adeligen Herrschaften bildete sich in der Gemeinde ein großes Selbstgefühl aus, wie es nur in kleinen Republiken des ehemaligen h. römischen Reiches aufkommen konnte. Die Bürger führten ihr eigenes Wappen: 3 Berge mit den 3 Buchstaben G. Lt. L. sOelsberg, Kirchberg, Batzenberg); sie hatten eigene Rechte, niedere Gerichtsbarkeit, Jahrmarkts-Gerechtigkeiten, schöne Höfe mit Waldungen und Rebbergen, eine Reihe von Gemeindebediensteten. Es hingen deßhalb die Bürger mit Leib und Seele an ihrer Heimath, wie sie auch der kath. Kirche von ganzem Herzen ergeben waren: der Glaubensabfall fand in diesem marianischen Gnadenorte keinen Eingang; mit Blut und Leben traten die Bürger für die Kirche ein, als der schwedische Eroberer unser Vaterland mit Brand und Mord überzog, um dem lautern Evangelium den Weg zu bereiten. Nach dem Tode Gustav Adolf's bei Lützen zog General Gustav Horn in Eilmärschen rheinabwärts, um mit Pfalzgraf von Birkenfeld und Rheingraf Otto Ludwig die Kaiserlichen aus dem Elsaß zurückzudrängen. In Altbreisach waren sie von der schwedischen Armee eingeschlossen. Da erhob sich das Kirchspiel Kirchhöfen mit ihren Nachbarn von Pfaffen- und Oelins- weiler und suchten mit ihrer bewaffneten Landwehr zum Entsatze von Brcisach mitzuwirken. Da sie aber der übermächtigen schwedischen Armee weichen mußten, zogen sie sich kämpfend nach Kirchhöfen zurück, warfen sich in das seste Schloß daselbst und vertheidigten sich mit einem Muthe, der die Schweden erbitterte. Nach heldenmütigem Widerstande wurde das Schloß von den Schweden erstürmt; die 300 Mann starke Besatzung von Banern sank bis >wf den letzten Mann unter den Streitäxten und Kolben der Schweden. Das Schloß wurde zertrümmert, das ganze Dorf mit Kirche in Brand gesteckt. Dieses Unglück traf auch das Frauenkloster neben der Kirche. Zwei Nonnen flüchteten sich unter das Dach des Kirchthurmes, aber bald stand Walkersweiev bei Offenburg. altersweier ist ein sehr altes Dorf in der ehemaligen Land- vogtei Mortenau; dem Abte Fulrad von St. Denps in Frankreich schenkte Widdo hier ein Gut; 777 vermachte es Fulrad testamentarisch dem Kloster Leberau. Durch Vertrag kam das ganze Dorf unter Bischof Baldram von Straßburg an das dortige Domkapitel und gehörte ihm mit der ganzen Herrlichkeit bis in die neuere Zeit. Das Rittergut mit dein Schlößchen wurde im Laufe der Jahrhunderte von verschiedenen adeligen Geschlechtern angekauft. N. von Dürfeld brachte es 1757 an sich und erbaute den sogenannten Freihof; allein sein Bruder Karl veräußerte ihn an das Andreasspital in Offenburg. 1826 wurde er versteigert und zerstückelt Ehedem stand hier nur eine Kapelle. Anfangs des letzten Jahrhunderts wurde eine Kirche zu Ehren des h. Johannes von Nepomuk erbaut; bis 1788 war sie Filiale von Offenburg, von da an Pfarrkirche, seit IM ist ein eigener Pfarrer an ihr angestellt. Wann und wie die Wallfahrt zum h. Quirinus hier entstanden, ist unbekannt; höchst wahrscheinlich ist sie aus dem Elsaß hier eingebürgert worden, da sie einem besonderen Bedürfnisse entsprach. Der h, Märtyrer gelobten ihr, wenn sie gerettet würden, die Gebeine ihrer vielen erschlagenen Mitbürger in einer Kapelle auf dem Gottesacker beizusetzen. Sogleich erblickten sie auf dem Kirchhofe mitten unter den Feinden die h. Jungfrau; sie hatte die Schürze ausgebreitet uud winkte ihnen hineinzuspringen. Voll Zuversicht thaten sie es, eine nach der andern; sie blieben unversehrt und ungesehen; glücklich entkamen sie aus dem Dorfe uud flüchteteu an einen sichern Ort. Nach der Schlacht von Nördlingen wurde der Breisgau 1631 wieder von den Feinden befreit; die Kirchhofener begruben nun ihre M Helden mit aller möglichen Feierlichkeit; über ihren Leichen erbauten sie eine Kapelle, die dem h. Erzengel Michael geweiht war. Als nun nach 7 Jahren die vertriebenen Nonnen zurückkehrten, ließen sie die Gebeine der 300 Erschlageneu ausgraben und setzten sie in das unterirdische Gewölbe der Kapelle so schön auf, das Jedermann sich davon erbaute. Das Mal der Streitkolbenspitze war stets daran zu sehen. Die Aufklärung hat auch mit diesem Denkmale aufgeräumt. 1812 wurde die Kapelle demolirt und begrub man die in Gruppirung aufgestellten Schädel wieder. Der Altarstein des Chores von Hans Scherlin, dem einzig Geretteten gestiftet, verkündet heute allein noch die Heldenthat den nachkommenden Geschlechtern! — 265 Quirinus wird nämlich in scruphulösen Leiden als besonderer Helfer vom christlichen Volke verehrt. Als heidnischer Hauptmann wurde er mit der Bewachung der gefangenen Christen in Rom betraut. Im Gefängnisse befanden sich aber zwei Männer von höchstem Range, der römische Statthalter Hermes und Papst Alexander, der durch die Heiligkeit seines Lebens und die auf seine Fürbitte gewirkten Wunder außerordentlich viel zur Verbreitung der christlichen Religion in der kaiserlichen Residenz beigetragen hatte. Umsonst wies Hermes den Quirinus auf diese Wunder des Bekenners hin; er hielt sie für eine abscheuliche Zauberei. Als aber der Statthalter die Wiedererweckung seines eigenen verstorbenen Sohnes erzählte, rief Quirin aus: „Christus soll durch euch der Besitzer meiner Seele werden unter folgender Bedingung: Ich habe eine erwachsene Tochter schön von Angesicht, allein sie leidet an einem unheilbaren Halsgeschwür. Heilet sie — und ich will all mein Besitzthnm hergeben und mit euch an Christus glauben. Papst Alexander legte die Kette, mit welcher er gefesselt war, der Jungfrau um den Hals; plötzlich wurde diese zur größten Freude des Vaters geheilt. Quirinus säumte nicht, sein Versprechen zu erfüllen; sein Vorgesetzter Aurelian ward darob wüthend, bereitete dem Bekenner Christi ausgesuchte Marter und ließ ihn am 30. März 130 n. Chr. enthaupten. Seine Tochter Balbina hatte das Glück, die Ketten des h. Petrus aufzufinden und im standhaften Bekenntnisse ihres Glaubens dem Vater nachzufolgen. Weil die Heilung der Tochter von Skropheln Anlaß zur Bekehrung des h. Quirin war, gilt er als Fürsprecher aller mit solchen Leiden Behafteten, gegen welche ärztliche Mittel vielfach sich als unwirksam erweisen. Das Volk nennt diese Drüsengeschwüre, eine Folge verdorbenen Blutes, Quirins- Buße „Kirisbuß" (bei den Bollandisten 3. Huirini ^ratia). Sie waren aber in der sumpfigen Ebene, welche vielfach von der Kinzig überschwemmt wurde, sehr häufig. Da nun bekannt war, wie wirksam im Elsaß, Lothringen, an der Mosel und am Niederrhein die Fürbitte des h. Quirin in solchen Uebeln sich erwiesen hatte, bildete sich auch in jener Gegend zu Wal- tersweier durch das Vertrauen des Volkes eine Wallfahrt, die besonders an Freitagen von Pilgern besucht wird. Das Eigenthümliche ist der Umstand, daß man nicht nur zur Wallfahrtskirche pilgert und zu Hause Andachten zum h. Schutzpatron verrichtet, sondern auch empfindlichen Bußübungen sich unterzieht. — 266 — Die Heiligkreuzkaxelle bei Geismgen an der Donau. ^L)as uralte Städtchen Geisingen, 764 zuerst in einer Handschrift genannt, kam l321 an die Grafen von Fürstenberg und war während des Mittelalters Sitz der fürstenbergischen Behörden in der Baar, Auch ein kleines Nonnenkloster war da, das jedoch schon vor 1500 einging. Ursprünglich Filiale von Kirchen wurde Geisingen erst 1536 zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Schwer wurde die Stadt heimgesucht: 1487 brannte sie beinahe ganz ab und 1640 lebte kaum noch der 4. Theil der Einwohner, der Schwedenkrieg, Krankheit und Noth hatten furchtbar in der Stadt aufgeräumt. In diese Zeit fällt auch die Entstehung der Wallfahrt. Wie überall bezeichneten auch in der Baar die protestantischen Schweden ihren Weg durch Raub, Mord und Einäscherung der Städte und Dörfer! ganz besonders ließen sie ihre sanatischeZerstörungswuth an heiligen Bildern aus. Dies geschah auch an einem Kruzifixe in der Kapelle am unteren Thore des Städtchens auf der Straße nach Baldingen in der Richtung nach Donaueschingen. Als 1633 eine Abtheilung schwedischer Soldaten an der offenen Kapelle vorüberzog, wurde ein Reiter des Nachtrabes beim Anblicke des Bildes von unheimlichem Hasse erfüllt; er schoß wilde Blicke zum Gekreuzigten zwischen den 2 Missethätern hinauf, spottete sein und rief in frevlem Uebermuth, als hätte er einen Feindesposten vor sich, ein „Halt!" ihm zu; sodann feuerte er seine Pistole auf dasselbe ab. Nächst dem linken Auge drang die Kugel fast einen Zoll tief in die Stirne ein, wie heute noch zu sehen. Der Nebenmann des Reiters erbebte ob solcher Ruchlosigkeit und machte ihm gebührende Vorwürfe. Allein der Bösewicht lachte darüber und redete sich aus: „Es ist ja doch nur ein Stück Holz!" Am Frevler aber bestätigte sich sofort die Drohung des h. Apostels Paulus: „Irret nicht; Gott läßt seiner nicht spotten!" Sobald der Reiter in die Brachwiese ritt, welche nahe am Wege nach Baldingen lag, verdunkelten sich seine Augen; er stürzte, wie einst Saulus, mit Blindheit geschlagen vom Pferde und war todt. Die gläubigen Katholiken aber suchten durch um so eifrigere Verehrung den Frevel zu sühnen, welcher hier dem Gottessohne in seinem Bilde zugefügt worden war. Von allen Seiten strömten Pilger dorthin und der Herr machte dies Kreuz zu einem Unterpfande seines besonderen Segens und einem Werkzeuge seiner Erbarmung für viele Besucher, so daß sich von ihm das Nämliche sagen läßt, was einst vom Heilande selbst bei seinem sichtbaren Wandel auf Erden!: „Die Blinden sehen, die Lahmen gehen, die Tauben hören, die Aussätzigen werden rein und die Kranken gesund." Dies beweisen zahllose, uralte Votivtafeln und die eidlich beschworenen Akten einer bischöflichen Kommission von Konstanz v. I. 1737. Kein Wunder, daß dio Liebe — 267 — des katholischen Volkes zu dieseni Kreuze von Jahr zu Jahr wuchs und die kleine, offene Kapelle die Menge der Besucher nicht mehr zu fassen vermochte. 1741 wurde eine neue Kapelle in Kreuzesform in romanischem Stile erbaut, aber nur das Chor vollendet. 1884 wurde das Innere der Kreuzkapelle einer durchgreifenden Restauration unterworfen. Das Innere derselben macht jetzt einen ebenso wohlthuenden als zur Andacht stimmenden Eindruck. Jeden Freitag des ganzen Jahres wird Morgens 8 Uhr ein Amt gehalten, dem Beichtgelegenheit vorangeht; von Kreuzerfindung bis Kreuzerhöhnng ist überdies noch jeden Mittwoch eine h. Messe daselbst. An obigen Festen resp, an den darauf folgenden Sonntagen ist stets ein fremder Festprediger eingeladen und nach einem Levitenamte in der Stadtkirche findet von da in die Kreuzkapelle feierliche Prozession mit Musikbegleitung statt. Nach ertheiltem Wettersegeu und Rückkehr in die Stadtkirche wird die Festlichkeit mit dem vouin geschlossen. Die Wallfahrtstage an den Freitagen sowie die zwei Kreuzfeste sind stets von zahlreichen Pilgern besucht. Um die Andacht zum h. Kreuze zu fördern und zu befestigen, wurde in der Kapelle eine Bruderschaft vom h. Kreuze gegründet und am 29. Mai 1750 von Papst Bcnedikt XIV. bestätigt und mit Ablässen bereichert. Der Altar der Kreuzkapelle ist durch apostolisches Breve von Clemens XIII. am 29. Juli 1758 alle Mittwoche des ganzen Jahres und die Allerseelenoktav hindurch privilegirt. o schön zur Sommerzeit der Aufenthalt auf dem Schwarzwald ist, so reich an Entbehrungen und Opfern aller Art ist dort der Winter, der 7 bis 8 Monate anhält. Wenn man aber bei tiefem Schnee einen Weg zu machen hat, vom Sturme sofort jede Spur der Bahn verweht wird und der dicke Nebel keine zehn Schritte den Weg voraussehen läßt, ist selbst das Leben in Gefahr und gar mancher schon entkräftet niedergesunken, eingeschlummert, um nie mehr hienieden zu erwachen. In solch peinlicher Lage befand sich im Winter 1740 ein Wanderer auf der Hochebene von Löffingen, einem Städtchen an der Landstraße von Donaueschingen nach Neustadt, am Westrande der Baar. Bei furchtbarem Schneegestöber überfiel ihn die Nacht; lange lief er hin und her, ohne zu wissen wohin, denn er konnte sich in der Gegend nicht mehr auskennen und kein Lichtlein aus traulicher Hütte zeigte ihm den Weg zu einem gastlichen Dache in der stürmischen Nacht. Und ohne solches sah er dem sicheren Tode entgegen. Das Schneekreuz bei Lössingen. — 268 — Wo menschliche Hülfe versagt, da steht die göttliche uns um so sicherer zu Gebote, je vertrauensvoller und demüthigcr wir darum bitten. In der Stunde höchster Noth machte unserer Wanderer das Gelübde, an dem Platze, wo er sich gleichsam hingebannt sah, ein Kreuz zu errichten, wenn Gott ihn vom drohenden Tode erretten würde. Treu hatte er dieses Gelübde im Grunde seiner Seele dem Gekreuzigten dargebracht, als der Silberton eines Glöckleins zu ihm heraufdrang. Er ging dem Tone nach und kam Nachts 1l Uhr in Löffingen an. Treu seinem Versprechen errichtete er Stunde von Löffingen, wo zu ungewöhnlicher Stunde der Herr durch Glockentönc ihn dem Verderbe» entrissen hatte, ein neues Kreuz. Dieser Ort hieß bis zum 13. Jahrhundert Jtirbnc, später wurde daraus Wittirbnc und heute heißt er Wittcrschnec, weßhalb auch die Wallfahrt selbst häufig darnach benannt wird. Als das Kreuz morsch wurde, erhielt sich doch der Christus daran unversehrt, obschon beide aus dem nämlichen Holze gefertigt waren. In einer benachbarten Ziegelhüttc wurde das Bild des göttlichen Heilandes aufbewahrt, bis wieder ein neues Kreuz hergestellt war. Um es vor den Einflüssen der Witterung zu schützen, wurde eine dach- artige Bedeckung in Form einer Nische darüber angebracht. Ein Schmied von Döggingen, Namens Neichart, legte noch eine eiserne Kette um die Nische, um sie sturmsicherer zu machen und zwar that er dies in Folge eines Gelübdes, das ihm Genesung in einer Krankheit bewirkte. Erst in dck vierziger Jahren wurde eine ziemlich geräumige Kapelle von Holz gebaut, deren innere Wände ganz mit Votivtafeln, Bildern und Zeichen behängt sind. Sie sind ein beredtes Zeugniß für die siegreiche Kraft des h. Kreuzes in allen Nöthen. Tausende strömen während des Sommers zu diesem schlichten Kreuze von nah und ferne, sogar bis auf 2V Stunden Weges kommen Pilger aus dem Schwabenlande. Auf unserem Schwarzwaldc findet man noch eine tiefe, körnige Neligiösität und gereicht es zur Erbauung, hier Eltern mit ihren Kindern, ständige Jünglinge die Landstraße hin laut den Rosenkranz betend zum h. Kreuze wallen zu sehen, um im tausendgestaltigen Elende dieses Lebens dort Hülfe zu suchen oder Gelübde zu lösen. Die Wallfahrt zum h. Wendelin in Zell am Ndelsllach. Jahrhunderten wird in Zell a. A. der heil. Wendclin als zweiter Patron in ganz besonderer Weise verehrt. Ueber Entstehung der Wallfahrt an diesem Orte kann nichts bestimmtes angegebm — 269 — werden, da am 14. Mai 1756 das Pfarrhaus abbrannte, wobei sämmtliche ältere Urkunden zu Grunde gingen. Auf 23 hier befindlichen Oelgemälden, die wohl ans dem vorigen Jahrhundert stammen, wird die ganze Lebensgeschichte des heil. Hirten und Abtes Wendelin im Bilde dargestellt. Das 23. Bild verweist auf die hiesige Wallfahrt. Es erscheint auf demselben Maria mit ihrem göttlichen Kinde. St. Wendelin hält Brod, das vom Jesukinde gesegnet wird. Viele heilige Engel umschweben die Erstgenannten, einer dieser Engel schüttet aus einem Gefäße von den gesegneten Broden betenden Pilgern entgegen, welche sich in Begleitung von Kindern zahlreich um die Kirche zu Zell eingefunden. Auf zwei Seiten sind von oben herab zu dem gläubigen Volke hin die Worte zu lesen: ouravit eos. Nattli. 15,30 her heilte sie) und et snnnbat ornuss Ime. 6,19 (und er machte alle gesund). Die Überschrift des ganzen Bildes lautet: bensäioanr Punilzus tuis, et auleraiQ illörruitateru ile rueäio tui. Lx. 23,25 (ich werde deine Brode segnen und die Krankheit aus deiner Mitte wegnehmen); und aeeexit panern et lleneäixit ae treZit äeäit^ue. Mtb. 26,26. (er nahm Brod und segnete es und brach es und gab es). Unter dem Bilde stehen die Verse: „In aller Noth Sein geweihtes Brod Die Gesunden und Kranken stärket; Das hat oft Zell Erfahren schon Ihr Nachbarort: Es merket." Wann diese Brodweihe, auf die geschildertes Bild offenbar hinweist, stattfand, ist nicht mehr genau zu ermitteln, wahrscheinlich jedoch geschah dies am 12. Mai jedes Jahres. Unter dem 7. Mai 1761 wurde nämlich durch eine vom Generalvikar des Kardinals und Fürstbischofs de Rodt von Konstanz unterfertigte mit großem Jnsiegcl versehenen Urkunde die Erlaubniß gegeben, daß für ewige Zeiten in Zell a. A. am 12. Mai zur größeren Ehre Gottes und zur Verehrung des h. Wendeliu eine feierliche Reiterprozession unter großer Feierlichkeit veranstaltet, verkündet und abgehalten werden dürfe. Dabei erschienen nicht blos Reiter, sondern man brachte auch Rindvieh, das dann in feierlicher Weise benedicirt wurde. Der gleiche Kardinal ertheilte 13 Jahre später unter dem 13. Mai 1774 die Erlaubniß, daß in Zell a. A. die nächsten 7 Jahre am 29. Oktober, also am Feste des h. Wendelin, das h. Meßopfer im Freien, au einem erhöhten Orte, in der Rahe der Kirche dargebracht werden dürfe, weil die Kirche die zahlreichen pesttheilnehmcr nicht zu fassen im Stande sei. Während die Neiterprozession M 12. Mai längst nicht mehr stattfindet, wird das Fest am 29. Oktober bis auf den heutigen Tag und zwar mit Enthaltung von knechtlicher Arbeit alljährlich feierlich begangen. Am Vorabend und am Festtag früh ist Beicht- — 270 — gelegenheit. Um 7 Uhr ist die erste heil. Messe, wobei die h. Kommunion ausgetheilt wird. Kurz vor 9 Uhr wird die h. Kommunion wieder ausgetheilt. Sofort wird die Litanei zu Ehren des h. Wendelinus gebetet; bei günstiger Witterung findet die Prozession statt; nachher ist Festpredigt und Hochamt vor ausgesetztem Allerheiligsten in der Monstranz. Um 2 Uhr Nachmittags ist Predigt, dann feierliche Vesper mit De Osnw und Segen. Nach dem Gottesdienste, vor und nach der Vesper kann man sich in den St. Wendelinnsbnnd, der schon seit dem Jahre 1736 hier besteht, sowie in den Apostolat des Gebetes und die Herz Jesu Bruderschaft aufnehmen lassen. Die Aufnahme in die letzteren kostet nichts, während die Aufnahmetaxe ir den St. Wendelinnsbnnd 1 Mark 20 Pf. beträgt. Dafür wird aber auch 1. am ersten Dienstage nach dem Feste des heil. Wendelin um 8 Uhr alljährlich ein Amt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Bundes abgehalten; 2. für jedes verstorbene Mitglied nach Einsendung des Bundeszettels am nächsten freien Dienstag eine heil. Messe gelesen, unter der der Rosenkranz für das verstorbene Mitglied gebetet wird; auch findet ein Opfergang statt; 3. am Festtage selbst werden die Namen sämmtlicher im laufenden Jahre verstorbener Bundesmitglieder nach der Predigt verlesen und für deren Seelenruhe von den zahlreichen Anwesenden 5 Vater unser und der Glaube gebetet; nach der feierlichen Vesper ist dann noch Rosenkranzandacht für die verstorbenen Mitglieder und alle andern Seelen. Im klebrigen wird allhier das ganze Jahr hindurch jeden Diensta um 8 Uhr Wallfahrtsgottesdienst mit h. Messe abgehalten, an deren Schlich die Litanei zu Ehren des heil. Wendelin gebetet wird. Vorher ist Beicht-- gelegenheit. Der h. Wendelin wird also hier eifrig verehrt; die Bewohne der Pfarrei haben aber seinen mächtigen Schutz auch schon vielfach augenscheinlich erfahren. Es finde schließlich nur eine einzige wunderbare That fache hier Platz. In den Jahren 1796 und 97 grassirte in der ganzen Umgegend ein furchtbare Viehhsenche, so daß Hunderte von Thieren fielen. Die ganz Pfarrei Zell a. A., also: Zell, Schwäblishausen, Mottschieß und WeihwanH jedoch blieb allein in der Gegend und vollständig von jedem Falle verschont Diese Thatsache verdient aber noch um so mehr hervorgehoben zu werden da der damalige Viehhirt das Vieh der Gemeinde Zell aus Rachsucht unte die bereits erkrankte Viehheerde der benachbarten Stadt Pfullendorf trieb Von der Pfullendorfer Heerde wurden kaum einige Stück gerettet, von de Zeller Heerde erkrankte nicht ein einziges. Dieser allgemein bekannte Vorfa erregte um so mehr Aufsehen, da in der ganzen Umgegend keine andere He meinde von der gräßlichen Seuche verschont blieb. Maria Sand, Pfarrei Herbolzheim. iese Wallfahrt entstand zur Zeit der Glaubensspaltung und zwar wie die in Oberbiederbach und Kohlenbach aus Anlaß der Schändung eines Marienbildes durch die zum Protestantismus abgefallenen ehemaligen Glaubensgenossen. Gerade in jenen Tagen, da man die Verehrung Mariens und ihrer Bilder aufs heftigste angriff und letztere frevelhaft zur Kirche Hinanswarf, gefiel es dem Herrn, durch wunderbare Erhörungen zu zeigen, wie wohlgefällig ihm die Verehrung der Bilder, wie nützlich die Anrufung seiner h. Mutter werden könne. In jener Zeit größter Trübsal und furchtbaren Aergernisses kam der Herr den Gläubigen auch sichtbar zu Hülfe — daher die Entstehung so vieler Wallfahrten in der Zeit der Reformation, und des Schwedenkrieges. In einem Deckengemälde über dem Hochaltare der Wallfahrtskirche Maria Sand ist ihre Entstehung bildlich verewigt;. Wen besitzen wir keine darüber. Der Fanatismus der zur neuen Lehre Luthers Abgefallenen wirft ein Bild Mariens in die Bleich. Ihre Wogen tragen es fort durchs Thal und gerade an der Stelle, wo die Kirche steht, spülen sie es ans Ufert Ehrerbietig tragen es die Bewohner Herbolzheims in ihre Pfarrkirche, allein am folgenden Morgen befindet es sich weiter draußen an der Bleich und zwar an der nämlichen Stelle, wo man es abgeholt. Jetzt konnte man nicht mehr zweifeln, daß Maria ferne von den Wohnungen der Menschen ihr Heiligtum errichtet haben wolle und baute man auf der schönen, fruchtbaren Au eine liebliche Kapelle. Zahlreich strömten Pilger herzu, um das neue Gnadenbild zu verehren. Da sah man sich genöthigt, den Bau zu erweitern; die Kapelle galt nun als Chor, dem man ein Langhaus anfügte. Als auch dieses der fo viel besuchten Wallfahrt nicht mehr genügte, ward das Schiff abermals um ein Stück verlängert, fo daß jetzt das Ganze eine recht geräumige Kirche präsentirt. Bau und innere Ausstattung sind dürftig und wird deshalb eine gründliche Restauration in Bälde nothwendig sein. Ueber der Kirche befindet sich ein eigenes Bruderhaus, welches vom Wallfahrts- nießner bewohnt ist. Jeden Samstag wird um 9 Uhr die h. Messe gelesen und vorher Beicht gehört. An Mariä Verkündigung, Heimsuchung und Geburt ist Nachmittags Predigt und Vesper. — 272 — Endingen. IN nördlichen AbHange des Kaiscrstuhls liegt die freundliche Stadt Endingen. Schon ihre Straßen und die Bauart so mancher Häuser zeigt, daß diese Stadt eine reiche Vergangenheit hat und einst eine große Rolle im Breisgau spielte. Sie ivar mit Mauern und Stadtrechten versehen, wahrscheinlich durch einen Edlen von Usenburg; dieses adelige Geschlecht besaß nahe bei der Stadt ein festes Schloß, Kohlenberg genannt, seht nur Ruine; der Lerchenflügel im Endinger Stadtwappen ist von dieser Familie herübergenommen. Durch das Aussterben der älteren usenburgischen Linie kam Endingen unter die österreichische Herrschaft. 1475 zählte die Stadt 150 Herdstellen. 1634 und in den folgenden Iahren wurde Endingen wiederholt bald von den Schwedischen, bald von den Kaiserlichen besetzt und geplündert. Der Handwerkerbund schlug einmal die Schweden vor der Stadt und verfolgte sie bis gen Stausen. Zum ehrenden Andenken hieran bekam er vom Grafen eine Statue der Himmelskönigin zum Geschenk, die heute noch Eigenthum des Gesellenvereins ist und bei feierlichen Prozessionen von ihm herumgetragen wird. Ursprünglich bestanden in Endingen zwei Gemeinden und zwei Pfarreien: die untere mit der Peterskirche und dem Frohnhofe; sie war 1275 der Sitz des Dekanates; die obere mit der Martinskirche war anfänglich nur Filiale von Riegel. Seit 1344 sind beide Gemeinden zu einer einzigen verschmolzen. Die Martinskirche war von jeher das Ziel einer Menge von Pilgern, die aus weiter Ferne dort zusammenströmten, so daß die Bürger an den Hauptsesten kaum sie alle beherbergen konnten. Sie ist in edlem gothischen Stile erbaut. Das Langhaus, welches dem alten gothischen Thurme angehängt war, sollte 1845 wegen seiner Baufälligkeit niedergerissen und eine Gewerbeschule an seiner Stelle errichtet werden. Allein der katholische Sinn der Bürger wies diesen Plan zurück: es wurde in der Gemeindeversammlung der Beschluß gefaßt, trotz der schlechten Zeiten das Langhaus wieder neu aufzubauen. Feierliches Glockengeläute verkündete der Stadt sofort das freudige Ereigniß. Als bei der Grundsteinlegung zwischen 11 und 12 Uhr Morgens ein Regenbogen am Himmel erstrahlte, erkannte das Volk hierin ein gutes Vorzeichen für das Gelingen des Werkes: es sollte ja derjenigen hier eine Stätte bereitet werden, welche die sündige Menschheit wieder »in der göttlichen Gerechtigkeit versöhnte und in deren Herz die siebenfachen Gaben des heiligen Geistes in wundersamem Glänze erstrahlten. Ueber dein linken ^eitenportale stxht die Inschrift: „Die Eintracht der Bürger erbaute — 273 — diesen Tempel im Jahre 1845 und 1846." Die kunstgemäße Restauratiow des Innern -der Wallfahrtskirche wurde 1872 vorgenommen. Für den durch einen Hagelschlag erlittenen Schaden bekam die Gemeinde 1860 fl. aus der Staatskasse; großmüthig verzichteten die Bürger zu Gunsten ihres geliebten Gotteshauses auf Vertheilung dieser Summe. Die Martinspfarrei aber wurde schon 1322 aufgehoben und aus ihrem Fond eine Kaplanei gegründet. Die alte Kaplanei an der St. Jakobskirche im.Spitale wurde dem Spitalfond einverleibt. — Obschon die Martinskirche also nur den Charakter einer Filialkirche hat, überragt sie doch als Wallfahrt die Pfarrkirche und scheint auch den Leuten ans Herz gewachsen zu sein. Ueber die Entstehung der Wallfahrt liegen keine Nachrichten vor; sie war jedenfalls schon im 15. Jahrhundert sehr besucht. Aber ein Ereigniß im 17. Jahrhundert brachte sie jedenfalls mehr in Schwung und zog die Aufmerksamkeit der weitesten Kreise auf sich. Am Abend vor Christi Himmelfahrt 1615 zwischen 5 und 6 Uhr begab sich Anna Loncrin, die „Stubenmutter" der Handwerksgesellen, mit dem Bürgermeister Matthäus Stegmayer in die obere Kirche, um durch ihn die Weite des Kranzes für die Engel, das Frauenbild und das Jesukind messen zu lassen, da sie den alten zur Prozession durch einen schöneren ersetzen wollte. Als sie vor dem Altar unserer lieben Frau standen, da sahen sie, wie ihr Bildniß im Antlitze ganz feucht war. Weil sie meinte, es könnten Tropfen von Weihmasser sein, stieg sie auf den Altar, um den Kranz des Christkindes zu messen und gewahrte nun in nächster Nähe, daß die Schweißtropfen je länger desto dichter und häufiger flössen. Auch von der linken Wange des Jesukindes strömten Thränen herab zum Kinn und vereinigten sich mit denen der göttlichen Mutter. Sofort rief man den Meßncr herbei, der gerade das Bild der h. Katharina auf das Fest zubereitete. Die Thränen, welche der Sigrist am Bilde glänzen sah, wischte er mit seinem Finger ab und trocknete sie weiter am Altartnche. Allein sofort kamen weiter neue Wassertropfen im Angesichte der Mutter wie des Kindes zum Vorschein, es wurde „ganz davon Übergossen". Jetzt rief man den Pfarrherrn und den unteren Kirchenpfleger Balthasar Wälde, der mit seiner Frau und noch „vielen Leuten" kam. Der Pfarrer wischte mit einem weißen Tüchlein das Bildniß ab, allein gleich drangen wieder Schweißtropfen hervor „wie bei einem Menschen, der im Todeskampfe liegt". Gleich holte er den Dekan herbei, der vom Ereignisse sich auch überzeugte. Es wurde Jemand auf's Dach geschickt, um zu sehen, ob nicht von Oben Flüssigkeit herabträufle; doch es war vollständig trocken. Der Pfarrer und Martin Dirr, ein Rathsherr, machten nun mit Weihwasser die Probe; sie besprengten die Statue des h. Sebastian damit, das sei aber sogleich herabgeschossen, blieb nicht haften, wie die Tropfen im Angesichte des Frauenbildes und des ^sukindes. Zeuge Meister Hans Jsenhart fügt der Erzählung noch den 18 — 274 — Umstand bei, es habe gegen Abend gar schön die Sonne auf den Altar geschienen., als er die Wassertropfen im Antlitze unserer l. Frau und des Kindleins erglänzen sah. Nach einer Stunde verzogen sich dieselben wieder. Ueber diese Vorgänge wurde vom Rathe der Stadt Endingcn am 30. Mai 1015 ein Verhör mit den Zeugen vorgenommen, die Handtreue an Eidesstatt ablegen mußten. Das Protokoll darüber besitzen wir heute noch und sind als Zeugen genannt: die beiden Pfarrherren von Endungen, Matthäus Vetcher, Dekan des Landkapitels Endingen und Georg Saub, Altrichter Kaspar Stirner, Altbürgermeister Sebastian Bauer, Stadtschreiber Georg Herrmaun, Hans Ulmann, Schlosser, auch „andere viele ehrliche Leute mehr", die „mit großer Verwunderung und Schrecken das Wunder sahen". Bald darauf erschien darüber eine Schrift im Drucke, welche die Bewohner Endingens mit Rücksicht auf diese Thränen zur Buße uud Lebensbesserung aufforderte. — Drei Jahre darauf brach der Schwedenkrieg über unser deutsches Vaterland herein. Durch ihn wurde unsägliches Elend auch über Endingen gebracht und hat ja seitdem die Stadt ihre glänzende Stellung eingebüßt. Allein die Liebe zu Maria lebt in den Herzen ihrer Bewohner fort und standen dieselben in ihrer Mehrzahl auf Seiten der katholischen Kirche während der Stürme der letzten Jahrzehnten. In der sogenannten unteren Kirche, der Stadtpfarrkirche zum h. Petrus einem Bau im edelsten Renaissancestile mit einem alten gothischen Thurme, wird eine interessante Merkwürdigkeit gezeigt. Auf dem Altare zur Epistelseite sind in einem schönen Schreine die Leiber zweier Kinder, eines Knaben und eines Mädchens, in Sammt und Gold gefaßt, aufbewahrt. Diese unschuldigen Kinder wurden von Juden gemordet und werden von manchen Pilgern als Fürbitter nun angerufen. Die Leiber ihrer ebenfalls ermordeten Eltern stehen in Sammt und Gold gekleidet in ihrer alterthümlichen Tracht in einem Kasten in der Kirche. Noch wird gezeigt das Messer, womit sie erstochen wurden und ist die Schnittwunde am Halse des Mannes sichtbar, ferner das Portemonnaie der beiden Eheleute. Es war gerade Laubhüttenfest 1472, zu dessen Feier auch fremde Juden in Endingen zusammenkamen. Im Hause des Juden Elias wurde nun der Plan, geschmiedet, sich Ehristenblut zu verschaffen, das zu Vielem gut sei und als „Chrysam" sich benützen lasse. Doch woher die Opfer nehmen zur Ausführung des Planes? Ahnungslos liefen sie den Mördern selbst in die Hände. Zwei fremde Leute trafen nämlich gerade Abends mit ihrem Rößlein und zwei Kindern im Städtchen ein. Nirgends fanden sie Herberge. Da klopften sie schüchtern am Hause des Juden Elias an und wurde die Familie freundlich empfangen und die Scheune ihnen als Nachtquartier angewiesen. Nach Mitternacht wurden alle vier, Eltern sammt den Kindern ermordet; vor der Scheune und am Brunnen hatte man Wache» ausgestellt, um jede Entdeckung unmöglich zu machen. Die Köpfe verbarg. 275 — man unter dem Stubenboden, während das Blut in einem Gefäße aufbewahrt wurde. Die Rumpfe versteckte man auf dem christlichen Kirchhofe und zwar legte man sie unter die zahlreichen Knochen des „Gerner" (Bein- Hauses). Der Nachbar des Juden, Metzger Jakob, hatte in der Nacht ungewohnten Lärm gehört; dies und das Verschwinden der fremden Gäste, deren Pferd der Jude uoch hatte, weckte Verdacht nud er machte Anzeige beim Bürgermeister. Doch der Jude redete sich aus, die Leute seien in der Frühe aufgebrochen und hätten ihm ihr Pferd verkauft. Der Metzger wurde der Sache wegen mit dem Juden in Prozesse verwickelt, die ihn um sein Hab und Gut brachten. Doch nichts ist so fein gesponnen, es kommt doch an die Sonnen! Nach 8 Jahren mußte das alte baufällige Beinhaus abgerissen werden. Als nun die Arbeiter sich anschickten, die Gebeine der Verstorbenen hinauszuschaffen, stießen sie auf 4 Leichname. Man erinnerte sich an den Verdacht des inzwischen verstorbenen Metzgers Jakob über das sonderbare Verschwinden der fremden Judengäste. Sofort wurde mit dem Hausbesitzer Was und den Mitbeteiligten ein Verhör angestellt und sieh! — nun gestanden alle Schuldigen die Mordthat. Sie wurden vom Gerichte mit Bestätigung des Herzogs Sigismund von Oesterreich verurtheilt, auf der Wahlstadt gerädert und dann verbrannt zu werden. In Folge dieses Mordes durfte in der Stadt Endingen bis zum Anfange dieses Jahrhunderts, als die Stadt badisch wurde, kein Jude mehr sich sehen lgssen; ein Platz vor der Stadt wurde für Handelsgeschäfte bestimmt; erst seit der Juden-Emanzipation siedeln sich weiter Juden wohnlich darin an und haben in kurzer Zeit ihre Geschäfte die der Christen fast überflügelt. Seit Jahrhunderten besitzen die Endinger ein Drama „der Christenmord zu Endingen", welches, in mittelalterlicher Sprache abgefaßt, vor dem Volke aufgeführt wurde. Die Marienwallfahrt zu Oberbiederbach bei Elzach. ie Wallfahrt zum Gnadenbilde der Himmelskönigin mit dem göttlichen Kinde rührt aus der Glaubensspaltung im angrenzenden Freiamte bei Emmendingen. Der katholische Pfarrer der abgelegenen Gemeinde Oberbiederbach an der Grenze des Elz- und Kinzigthales besaß ein Marienbild, das er bei seinem Umzüge auf die Nachbarspfarrei Bechtenthal mitnahm. Allein er hatte durch seine Beförderung in das fruchtbarere und schönere Brettenthal seine Lage nicht gebessert; zum großen Schmerze des Priesters fiel seine Gemeinde von der katholischen Kirche ab und erklärte sich für's lautere Evan- 18* — 276 — * gelium! Um der erregten Leidenschaft nicht zum Opfer zu fallen, mußte der Geistliche plötzlich die Flucht ergreifen; sein theures Marienbild konnte er nicht mitnehmen, glücklich, das nackte Leben gerettet zu haben. Da die Wuth des Volkes des Pfarrers nicht habhaft werden konnte, warf sie sich auf dies Bild, gegen welches er eine besondere Verehrung trug. Die Abtrünnigen bargen es mitten in ein Klafter Holz, welches sie anzündeten, doch eine höhere Hand beschützte es vor den Flammen, unversehrt erblickte man es wieder in der Kirche. Nun sollte es zu Brennholz gespalten werden, doch die Axt sprang ab und zwar gerade in den Fuß des Frevlers, so daß er sofort davon floh. An der rechten Seite der Brust des Jesukindes ist heute noch der Hieb zu sehen: ein Spalt, ungefähr 3 Centimeter lang und 1 Centimeter tief. Allein selbst durch diese Warnung von oben ließ die Leidenschaft sich nicht belehren; da man das Bild nicht vernichten konnte, warf man es unwillig aus den Kirchenspeicher. Menschliche Verkehrtheit aber vermag die Absichten Gottes nie zu durchkreuzen; seine Weisheit findet Mittel und Wege, um seine Pläne stets zu verwirklichen, wann und wo es ihm gefällt. So wählte sich die göttliche Vorsehung einen schlichten Bauer von Oberbiederbach, Namens Johann Spath, Besitzer des Brühhofes, jetzt Mückenloch igenannt. Als dieser von den merkwürdigen Schicksalen des Bildes, welches er von früher noch kennen mochte, gehört, fühlte er sich mächtig angetrieben, dasselbe vor fernerer Entehrung zu schützen und den Händen der Abgefallenen zu entreißen. Doch so glatt sollte die Sache nicht abgehen. Seinem Beginnen stellten sich unüberwindliche Hindernisse entgegen; der Fanatismus derer, welche „freie Forschung" zur Devise erhoben, bedrohte ihn ernstlich mit dem Leben. Froh, der Gefahr entronnen zu sein, bekam unser „Muserhans" zu Hause keine Ruhe, bis er sich wieder entschloß, den Gang zum Bilde zu wagen. Traurig mußte er abermals unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren, der Glaubenshaß drohte ihm mit sicherem Tode, falls er mit dem Bilde betroffen worden wäre. So machte unser treuer Marienverehrer eine größere Anzahl von Versuchen (man spricht von 28), ohne daß ihm sein Plan gelang; jedesmal entschlossen, nicht mehr zurückzukehren, trieb ihn die Gnade an, abermals das Leben auf's Spiel zu setzen. Endlich sollte das Werk gelingen; unser Bauer gewann den Meßner der protestantischen Kirche mit einem Trinkgeld. Dieser stellte Nachts eine Leiter in die Nähe derselben, auf welcher der treue Verehrer Mariens leicht zum Fenster gelangte und es eindrückte, um das ersehnte Kleinod abholen zu können. Doch sieh', es schwebte ihm zur Fensteröffnung entgegen in die Arme, umstrahlt von himmlischem Glänze. Mit Ehrfurcht trug nun Johann die süße Bürde heimwärts; über zwei Stunden hatte er zurückzulegen und schwebte stets dabei in Lebensgefahr; doch er hatte ja ein Unterpfand des mächtigen Schutzes der Himmelskönigin. Just läutete man in der heimath- — 277 — lichen Pfarrkirche den „Engel des Herrn", als er am letzten Hügel, (Hitzel genannt), angekommen war. Zum ersten Male stellte er die schwere Bürde nieder um auszuruhen und die gebenedeite Magd des Herrn mit dem unendlichen Gruße zu grüßen und ihr für das Gelingen seines Planes zu danken. Er hatte alle Ursache dazu, denn durch den Glanz in der Kirche aufgeschreckt, suchten die Brettenthälcr in der Nacht noch von seiner Ursache sich zu überzeugen. Da fand man das ihnen verhaßte Marienbild nicht mehr; man wollte die Spur des wohl errathenen Bauern verfolgen, doch dieser befand sich in Sicherheit. Neben seinem Bauernhofe befand sich für Leibgedinger ein wohnliches Häuschen, „Speicher" genannt, dessen unterer Stock einen schön gewölbten Keller bildete. Dieser wurde nun zu einer Kapelle hergerichtet, in welcher das Gnadenbild zur öffentlichen Verehrung aufgestellt wurde; auch das h. Meßopfer durfte Jahrelang darin dargebracht werden. Später wurde das Gnadenbild in die eigene Pfarrkirche übertragen und zwar zuerst auf dem Hochaltar aufgestellt. Pfarrer Gerspacher wies ihm den Marienaltar an, wo es sich heute noch befindet. Im Jahre 1885 wurde die Pfarrkirche aus milden Beiträgen restaurirt und auch das hochverehrte Bild in seiner ursprünglichen Weise wieder neu gefaßt und die ungeziemende moderne Bekleidung entfernt. Da Johann Spath für sich und feine Frau im Dezember 1688 einen Jahrtag in die Pfarrkirche stifteten, fallen die erzählten Ereignisse in das 17. Jahrhundert. Sein Sohn Josef starb erst am 3. Juni 1869 in Untermünsterthal, Amt Staufen, und stützt sich obiger Bericht aus oftmalige, mündliche Erzählung dieses durchaus glaubwürdigen Zeugen. Besucht wird die Wallfahrtskirche an den Marienfesten und au den Freitagen des ganzen Jahres. Maria Ruh im Biihlweg, Pfarrei Ortenberg. twa eine gute halbe Stunde in nordöstlicher Richtung von Offenburg liegt auf einem anmuthigen Hügel im Bühlweg ein Kirchlein mit der vielbesuchten Wallfahrt Maria Ruh. Der Weg dorthin führt durch ein paradiesisch schönes Stück Erde: uicht leicht findet man fruchtbarere Ge- stlde, als hier; die prangenden Bäume, die lachenden Fluren, die wohlgepflegten Rebberge mit ihren köstlichen Trauben lassen das Herz ausjubeln in ^iebe zu dem, der solchen Segen hier freigebig ausgegossen. Schon der Eintritt in die Kapelle, die auf dem Gottesacker der Pfarrei liegt, stimmt ernst und noch mehr ladet zu stiller Einkehr das geheimnißvolle — 278 — Dunkel, welches im Innern herrscht. Man fühlt unwillkürlich, daß man hier an einem Gnadenort sich befindet: wie von selbst wird die Seele zum Gebete angeregt. Wie könnte es anders sein, da hier schon viele Jahrhunderte lang unzählige Herzen sich amsgeweint und in mannigfachen Leiden Erhörung gefunden haben. Der Bühlweg ist eine der ehrwürdigsten, ältesten..Stätten des Gebetes in unserm Lande. Zu gleicher Zeit kamen (etwa ums Jahr 600 n. Chr.) der Schotte Landolin und der Brite Offo nach Deutschland, um das Evangelium zu verkünden. Dieser, aus königlichem Geschlechte entsprossen, gründete die Burg und die Zelle seines Namens in der Ortenau (Offenburg). Von Offenburg aus drang das Christenthum in immer weitere Kreise des Thales; es wurde so auch ein Kirchlein für sdie Bewohner des nahen Käfersberg auf dem Bühlweg erbaut und der Gottesdienst von Geistlichen aus der Stadt besorgt. Es sammelten sich dort auch die Bewohner jenseits des Hügels vom Dorfe Tatenwilare, Datenwilare, Dottweiler, seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts von der dortigen Burg Ortenburg genannt, weil sie gegen Osten, Aufgang (Ortus) der Sonne lag. Das Schloß ist sehr alt und wahrscheinlich von Kaiser Probus um 277 oder von Kaiser Valentinian zu Ende des 4. Jahrhunderts strbaut worden, um das römische Gebiet gegen alomannische Streifzüge schützen zu können. Unter der fränkischen Regierung hatte es seine eigenen Grafen, von welchen jedoch nur wenige bekannt sind. Nachdem das Geschlecht dieser Grafen erloschen, wurde die Grafschaft Ortenburg unter Friedrich II. mit der Reichslandvogtei vereinigt. 1246 wurde das Schloß vom Bischof Heinrich von Staleck von Straßburg erobert, unter Kaiser Rudolf I. dem Reiche wieder hergestellt. Im Juni 1298 weilte Kaiser Adolf einige Tage daselbst. 1321 kam Ortenburg mit der Landvogtei als königliche Pfandschaft an Markgraf Rudolf von Baden, 1331 an die Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen, 1334 wieder an Markgraf Rudolf, 1351 an das Bisthum Straßburg, IM zur Hälfte an die Pfalz. 1413 erwarb diese auf Wiederlöse auch die andere Hälfte des Schlosses. 1504 wurde dasselbe von dem kaiserlichen Heere unter Kaiser Maximilian erobert und der pfälzische Antheil an Schloß und an der Landvogtei 1507 dem Grafen Wolfgang von Fürstenberg verpfändet. Beide Hälften wurden von Oestereich wieder eingelöst, aber 1706 als Mannlehen dem Markgraf, Ludwig von Baden verliehen. 1771 siel diese Besitzung wieder an Oesterreich, wurde aber 1805 in Folge des Presburger Friedens Baden cntgültig zugetheilt. Das Gericht Ortenberg bemühte sich schon 1618 um die Erhebung zu einer eigenen Pfarrei, die das Gebiet von Schlauch bis Fessenbach mit El- gersweier umfassen sollte. Allein erst 1787 erfolgte die Lostrennung von Offenburg durch den dortigen Pfarrrektor Franz Xaver von Neveu als eigene — 279 — Pfarrei „Bühlweg oder Keflersburg". Die Kanonikats-Präbende zu Essingen (Württemberg) bildete das Einkommen der Pfarrei. 1824 wurde die neue Pfarrkirche im nüchternsten Scheunenstil zu Orternberg gebaut und bildet mm der frühere Hauptort, Käfersberg, eine Filiale derselben. Das warme katholische Glaubensleben, welches hier herrscht, hat selbst Früchte der Heiligkeit hervorgebracht. Die gottselige Gertrudis, Tochter eines Herrn von Oternberg, früh verwaist und verarmt, da ihr Bruder ihren Vermögenstheil verschwendet hatte, suchte bei Maria Ruh aus dem Bühlweg Hülfe und Trost. In ihrem 9. Jahre las Gertrude die sieben Bußpsalmen, die Vesper, Litaneien und viele andere Gebete zu Ehren der allerseligstcn Jungfrau und anderer Heiligen. Wegen ihrer Tugendhaftigkeit wählte sie auch ein christlicher Edelmann, Heinrich von Rickeldargen, Herr von Ulenberg, trotz ihrer Armuth zur Gattin. Auch im neuen Stande blieb sie ihren religiösen Uebungen treu und hörte täglich die heil. Messe. Allein schon im 4. Jahre ihrer glücklichen Ehe entriß der Tod ihr den theuern Gemahl. Als Wittwe wohnte Gertrud zuerst bei ihrer verheiratheten Schwester, verehelichten von Schaumburg, später zog sie sich jedoch nach Offenburg zurück. Schon im 2. Jahre ihres Wittwenstandes trat sie in den dritten Orden des h. Franziskus, hielt die Regel mit strenger Gewissenhaftigkeit und führte bis zum Tode ein ganz Gott und dem Dienste der Nächstenliebe geweihtes Leben in stiller Zurückgezogenheit. Vor dem Ende erschien ihr Christus und versprach ihr, sie als Braut bald ins himmlische Vaterland heimzuholen. Sie starb am 23. Februar 1335 im 60. Lebensjahre; ihr heil. Leib wurde in der Franziskanerkirche zu Offenburg beigesetzt und die ganze Stadt verehrte sie als himmlische Patronin. Der Geist der sel. Getrudis ist heute in jener Gegend noch nicht erloschen, da der dritte Orden dort in hoher Blüthe steht. Nach dem Baue der neuen Pfarrkirche wurde die Kapelle im Bühlweg ganz vernachlässigt; die religiöse Lauheit im Anfange dieses Jahrhunderts ließ die Wallfahrt fast ganz in Verfall gerathen. Das wiedererwachte katholische Leben zeigte sich auch bald im Bühlweg. Durch freiwillige Gaben kam 1868 eine Restauration zu Stande, durch welche das Kirchlein wieder zum Gottesdienste würdig hergerichtet wurde. Seitdem wird der Andrang mn Pilgern immer größer. Jeden Freitag wird darin die heil. Messe gelesen. Die Kapelle wurde als ehemalige Pfarrkirche auf den Titel des heil. Apostels Bartholomäus eingeweiht, dessen Statue auf dem rechten Seiteualtare sich befindet. Das Hauptgemälde des Hochaltars aber stellt die Himmelfahrt Mariens dar und scheint uns den Schlüssel zum Verständnisse des Namens „Maria Ruh" zu bieten. Bildete das Leben der allersel. Jungfrau auch eine Kette von Entbehrungen, Kränkungen und Leiden; beim Tode fand sie sich für Alles entschädigt; der Herr hat sie eingeführt in die himmlische — 280 — Ruhe, die durch keine Angst, keinen Kummer mehr gestört wird. Welch eindringliche Mahnung für den Pilger, muthig sein Kreuz hienieden weiter zu tragen in stiller Geduld, um einst zur süßen, ewigen Ruh im Himmel zugelassen zu werden. Die Pieta aus dem Tabernakel des Hochaltares, in dem sich das Aller- heiligste nicht befindet, wurde dort erst 1872 aufgestellt. Die Wallfahrt knüpft sich also nicht an ein Gnadenbild, sondern der Bühlweg ist zu den „Gnadenorten" zu rechnen. Maria zu den Ketten zu Zelt am Harmersbach. ^^iese Wallfahrt zählt zu den bedeutendsten der Erzdiözese Frei- bürg. Von Biberach, einer Station der Kinzigthalbahn, gelangt man in 2/4 Stunde in die kleine, wenig ansehnliche Stadt Zell, die an der Oesfnung des Nordracher und Hermersbacher Thales liegt. An historischer Bedeutung aber übertrifft dieses Städtchen viele durch Reichthum und Lage bevorzugte Städte des Landes. Man vermuthet, daß Zell sein Entstehen den Hammerwerken verdanke, welche schon zu römischen Zeiten hier gewesen und zur Münze der ehemaligen Stadt Prinzbach gehört haben sollen; 1008 wurde letztere am Charfreitage nach einem unvermutheten Ueberfalle von den Freiburgern zerstört. Hatte sie sich nachher auch wieder erholt, so wurden doch die Werkstätten der Münze nicht wieder hergestellt und im September 1677 Prinzbach von dem franz. Generale Crequi niedergebrannt; seitdem ist es ein unbedeutendes Dorf geblieben. Zell erhob sich zu einer Reichsstadt, jedoch sind die Urkunden darüber verloren gegangen. 1139 wird es erstmals als „Celle" urkundlich erwähnt. Nach dem Aussterben der Herzoge von Zähringen kam es als Lehen an die Hohenstaufen; der letzte derselben, Konradin, verkaufte die Stadt Zell und die Beste Mahlberg 1265 an die von Geroldseck. Unter Kaiser Rudolf I. kam Zell wieder zur Landvogtei und theilte fortan deren Geschicke. Die Geschichte der drei Städte Offenburg, Gengenbach und Zell zeigt gleiche Schicksale und waren sie auch durch einen 1575 geschlossenen Bund mit einander vereinigt und führte jede den Namen Vereinsstadt. Patronat und Zehnten gehörten schon im 12. Jahrhundert dem Kloster Gengcnbach; 1222 wurde gerichtlich bestimmt, daß der Pfarrer zu Zell ^/z vom Zehnten aller Erzgruben beziehen sollte; 1331 erlaubte Kaiser Ludwig der,Stadt, 1 Jahre lang das Einkommen aus Zoll und Ungeld zum Stadtbau zu verwenden; 1366 bestätigte Kaiser Karl IV. ihre Freiheitsbriefe und Privilegien. Wahrscheinlich hat Zell während des Interregnums wie Offenburg und Gengen- — 281 — bach die Reichsfreiheit erlangt. Ebenso 1545 Bestätigung der Privilegien, nachdem 2 Jahre vorher in einer großen, erschrecklichen Feuersbrunst viele städtische Urkunden verbrannt waren. 1562 löste sich die Stadt mit 450 fl. vom Todfallrecht des Klosters Gengenbach. Die Gefalle der 1362 durch dm Edelknecht H. von Snait gestifteten Frühmesse wurden 1523 von der Stadt zur Errichtung eines Spitales verwendet. Der Stadtschultheiß, der eine ritterbürtige Person sein sollte, wurde vom Abte zu Gengenbach ernannt und hatte einmal während seines Amtes das Recht, einen zum Tode Ver- urtheilten zu begnadigen. — Die Stadt war ehemals befestigt und ist noch mit einer doppelten Mauer und einem 8 Schuh tiefen Graben umgeben, der ehemals ganz mit Wasser angefüllt werden konnte. Bei dem Reichstage nahm Zell auf der schwäbischen Bank die 33., bei dem schwäbischen Kreistag die letzte Stelle ein. Durch den Lüneviller Frieden verlor es seine Reichsumnittelbarkeit und kam wie Offenburg und Gengenbach an Baden. Durch die Ordensmänner des h. Benedikt wurde auch in diesem Theile unseres Vaterlandes die christliche Religion eingeführt. Der h. Bischof Pir- min (st 754) verkündete frühe schon in der Gegend das Evangelium und gründete das Kloster Gengenbach ganz in der Nähe, dessen erster Bestätigungsbrief erst vom Jahre 1139 ist; von Heinrich dem Heiligen wurde es dem Bisthnm Bamberg geschenkt und kam als Lehen an die Herzoge von Zähringen als Vögte des 'Stiftes. Nach ihrem Aussterben kam es als bambergisches Lehen an das Hochstift Straßburg und machte sich während des Interregnums reichsfrei. Die Pfarrei zu Zell wurde vom Abte in Gengenbach mit einem Conventualen besetzt, dem noch 3 andere Mönche zur Aushülfe beigegeben wurden. Nach Aufhebung des Klosters wurde am 3. März 1819 die Pfarrei neu errichtet. Auch der h. Gallus (st 627) schlug hier eine Hütte auf neben einem Brunnen und einem Dornbusche und führte dort das Leben eines Einsiedlers; manchmal tönte aus letzterem ein wunderschöner Gesang. Eines Tages kam zum Heiligen ein Bär und hielt ihm die Tatze hin, worin ein großer Dorn steckte. Gallus zog diesen heraus und nun führte ihn das dankbare Thier zu einem Felsen, worin er eine Menge wilden Honigs fand. Es wich nicht mehr von seiner Seite, trug ihm Holz herbei und verrichtete sonstige Dienste. Um dem Andränge der Leute sich zu entziehen, schlug er eine Stunde weiter oben seine Zelle auf, da wo jetzt die Pfarrkirche von Oberharmersbach steht. Aber auch hier suchte ihn das Volk auf; deßhalb begab er sich mit seinem Bären in die Schweiz, wo er das spätere Kloster St. Gallen gründete. Allein auch nach der Entfernung des Heiligen pilgerten die Leute an den Ort, wo er seine erste Ansiedelei aufgeschlagen. Als sie den Gesang aus dem Dornbusche vernahmen, suchten sie daselbst nach und fanden ein hölzernes Bild der Muttergottes mit dem Jesuskinde auf dem linken Arme. Sie erbauten dort eine Kapelle, in welche sie das — 283 — Bild aufstellten. Von da an ließ sich der Gesang in dem Dornbusche nicht mehr hören. So berichtet die Sage. Die Mönche des Klosters Gcngenbach, denen die Seelsorge in der Stadt Zell anvertraut war, pflegten sorgfältig die Liebe zur h. Gottesmutter im Herzen des Volkes und sahen es als Ehrenpflicht an, allen Bedrängten, die zum Gnadenbilde der allerseligsten Jungfrau kamen, ihren Beistand zu leihen. Da fanden die gedrückten Herzen stets fromme und gelehrte Beichtväter, jederzeit bereit, ihrem Gewissen Ruhe und Frieden durch Spendung der h. Sakramente zurückzugeben. Täglich waren dort hh. Messen und an den marianischen Festen wurde alle Pracht des katholischen Gottesdienstes entfaltet, was ja in dem Benediktinerordcn begründet ist. So kam es, daß die Wallfahrt einen sehr großen Ruf bekam und aus Nah und Fern von einer großen Menge Volkes besucht wurde; auch erlangten die Leute da Hülfe in allerhand Nöthen und Wohlthaten Leibes und der Seele. Ein besonderes Wunder gab der Wallfahrt den Namen „Maria zu den Kett en." Als die Türken das christliche Europa bedrohten, boten die Päpste Alles auf, um die christlichen Fürsten und Völker zum Kampfe gegen den Halbmond zu einen und asiatische Barbarei von uns ferne zu halten. Gar mancher Sohn riß sich von den Eltern, mancher Gatte von der zärtlich liebenden Gattin los, um im fernen Morgenlande für das Kreuz Jesu Christi gegen die Ungläubigen zu kämpfen und jenes Land ihren Händen zu entreißen, das einst das Blut des göttlichen Erlösers getrunken hatte. Damals arbeitete in Zell ein Schmied, gebürtig von Schuttern, der dort sein Handwerk erlernt. Er trug eine besondere Andacht zur Muttergottes und betete alle Tage 15 Vater unser und Ave Maria ihr zu Ehren. Dieser treue Sohn Mariens folgte bereitwillig dem Rufe des Vaters der Christenheit und ließ sich zum Kampfe gegen die Türken anwerben, die unsere ganze christliche Kultur bedrohten. Nach einer unglücklichen Schlacht gerieth der fromme Jüngling in türkische Gefangenschaft und wurde nach Jerusalem und von da sogar nach Babylon geschleppt. Mit schweren, eisernen Ketten beladen mußte er schreckliches Elend erdulden; aber sein Vertrauen auf Gott und die mächtige Fürbitte Mariens wurde auch im ärgsten Unglück nicht erschüttert; er hoffte gegen alle Hoffnung, rief immerfort die Muttergottes an um Hülfe und Erlösung aus seiner verzweifelten Lage und versprach sich zn diesem Ende in die Gnadenkapclle zu Zell. Auf wunderbare Weise sollte er in der That die Macht und Güte der Gnadcnmutter von Zell an sich erfahren. Als der Arme einst nach mühseligem Tagewerk inbrünstiger als sonst sich an Maria wendete, da erschien ihm Abends plötzlich die gnädige Mutter, tröstete ihn gar mild und freundlich, befahl ihm, die Ketten von den Füßen zu schütteln mit dem Bemerken, es werde ein weißes Pferd ans dem Wege stehen, auf dieses solle er sich setzen und die Ketten mit sich nehmen. — 283 — Auf diese lieblichen Worte hin sielen sogleich die eisernen Bande von den Händen und Füßen des Gefangenen; erstaunt hob er sie auf und bestieg damit ein weißes Pferd, das draußen vor dem Gefängnisse sich vorfand. Was weiter mit ihm vorging, wußte er nicht, als er aber am Morgen nach der Erscheinung erwachte, fand er sich auf freiem Felde am Lahrer Berge unweit Schuttern. Er stand sogleich auf, sah lange umher und konnte sich von seinem Staunen nicht erholen, als er seine liebe Heimath vor sich sah. Es war keine Täuschung, Maria hatte sein Gebet erhört. Nun warf der Züngling sich unter freiem Himmel auf die Knie und sagte Gott und seiner heiligsten Mutter Dank für solche außerordentliche Gnade. Sofort begab er sich mit seinen Ketten nach Schuttern und erzählte dort Alles, was ihm begegnet war. Mit welchem Freudegefühl er von den Seinigen, die ihn längst verloren gaben, aufgenommen wurde, läßt sich leicht denken. Schnell verbreitete sich die Kunde von diesem Wunder überall hin. In Prozession begleitete man den Geretteten von Schuttern nach Zell, wo dann die Ketten ! zur immerwährenden Erinnerung an solch anstaunlichcs Wunder in der Kapelle aufgehängt wurden, wo sie noch heute zu sehen sind. Heute noch zeigen die Leute das Haus, worin der Schmiedegeselle gearbeitet. Im Schwedenkriege lag ein schwedischer Oberst 14 Wochen lang 'zu Zell im Quartier, er trieb oft sein Gespött mit den Ketten, von welchen man ausgab, sie seien in einer Nacht aus der Türkei hierher gekommen. Um den Katholiken diesen Aberglauben, wie er meinte, zu vertreiben, befahl er, diese Ketten zu verschmieden und Hufeisen zu machen. Jakob Grabler, Schmied ! und Bürger in Zell, wurde von dem Offizier gezwungen, diese Arbeit vorzunehmen. Er legte die Ketten in die Esse und nahm sie dann glühend heraus, um sie zu verarbeiten. Da verschwanden sie ihm plötzlich vor den ^ Augen und zum Erstarren der anwesenden schwedischen Soldaten aus der Zange, die leere Zange blieb dem Schmied in der Haud, die Ketten hingegen fand man wieder an ihrem alten Ort in der Kapelle. Da der Offizier das geschehene Wunder nicht glauben wollte, so mußte am folgenden Tage in seiner Gegenwart der Schmied die Ketten nochmals in's Feuer legen, um sie nachher zu zerschlagen. Allein es wiederholte sich das Wunder des vorigen Tages, ganz und unverletzt hingen die Ketten in der Kapelle, während dem Schmied die leere Zange blieb. Selbst der schwedische Spötter glaubte nun ^ an das Wunder und befahl, die Kapelle zu schonen, was auch geschah. Die Pfarrkirche aber wurde niedergebrannt. Auf Veranlassung des ?. Joachim Schneider, Conventual des Gotteshauses ! Emgmbach, Definitor des Landkapitels Offenburg, Pfarrer in Zell, der ein j Wallfahrtsbuch von Maria zu den Ketten geschrieben hat, ließ der Stadtrath mehrere ältere Leute kommen und verhörte sie eidlich über die geschehenen Wunder. Es befanden sich darunter Magdalena Grabler aus Nordrach, achter des Schmieds Jakob Grabler, der diese Ketten hatte verschmieden — 284 — sollen, 30 Jahre alt; ferner Maria Grabler, Schmiedsfrau hier, 50 Jahre alt; ferner 6 Männer von 60—90 Jahren. Ebenso wurden 7 Männer von 60—85 Jahren aus dem freien Reichsthale Garmersbach über die beiden Wunder vernommen und lautete ihr Bericht, wie oben angegeben. Solches geschah am 30. Juli 1697. In 35 Nummern werden vom ?. Joachim Schneider im alten Wallfahrtsbüchlein ausfallende Gebetserhörungen und wunderbare Heilungen, Rettung in Lebensgefahr, sogar zwei Wiederbelebungen bereits Verstorbener aufgeführt, die auf die Anrufung unserer lieben Frau von Zell zwischen 1667 und 1747 geschehen sind. Die Thatsachen beruhen auf glaubwürdigen Zeugnissen, sie wurden in Verhören nach abgelegtem Eide untersucht theils durch Jakob Lipp, Stadtpfarrer von Haslach, Vice-Offizial des Bisthums Straßburg als apostolischer Protonotar, theils vom Registrator der Reichsstadt Zell und dem Gerichte des Reichsthales Harmersbach. Bei der neuen Herausgabe des alten Wallfahrtsbuches wurden noch 2 Nummern hinzugefügt, wunderbare Rettungen aus dem Jahre 1836 und l862. An Stelle der Kapelle ist längst eine geräumige und schöne Wallfahrtskirch e getreten, die aus drei deutlich zu unterscheidenden Theilen besteht; in verschiedenen Perioden wurde sie nach dem Bedürfnisse der Pilger vergrößert. Den ältesten und schönsten Theil bildet das Chor, welches im gothischen Stile durch Abt Jakob von Bern zu Gengenbach 1480 erbaut wurde. Das Schiff wie die drei Altäre sind im Renaissancestile erbaut, seine Decke enthält in zwei großen Gemälden die bildliche Darstellung der beiden Hauptbegebenheiten, welche der Wallfahrt den Namen gegeben haben. Ganz eigenthümlich ist die Vergrößerung des Langhauses durch den hintern Anbau eines Querschiffes, während dieses sonst zwischen Chor und Schiff eingefügt ist und so dem Bau die Gestalt eines lateinischen Kreuzes gibt, hat diese Kirche durch die Verbreiterung am Ende die Gestalt eines Antoniuskreuzes D bekommen. Woher dieser Fehler gegen Architektur und Aesthetik? Die Wallfahrtskapelle steht noch auf Harmersbachischem Banne, nur etwa 2 Schritte davon befindet sich der Grenzstein der ehemaligen freien Reichsstadt Zell, welcher nach besonderem Vertrage die Verwaltung der Kapelle zukommt. Um die Kapelle ganz auf der Gemarkung des Reichsthales Harmersbach zu erhalten, wurde sie bei eingetretenem Bedürfnisse mehr in der Breite als in der Länge erweitert. Im hintern Anbau stehen 8 Beichtstühle und sind die Wände ganz mit Votivgeschenken bedeckt. 1880 wurde das ganze Innere geschmackvoll restaurirt. — Ueber dem Hinteren Portale befindet sich unter Glas in einer Nische das ursprüngliche Gnadenbild. Es ist aus Kiefernholz geschnitzt, etwa 3 Fuß hoch, höchst einfach in Gewandung und Farbe, wie alle alten Bilder. Links vom Eingange zur Kapelle sprudelt ein Brunnen, dessen Wasser — 285 — nach dem Zeugnisse des Wallfahrtsbuches schon manche Heilung bewirkt hat. Pilger trinken davon und waschen sich damit die Augen. Folgende Ablässe sind von den Päpsten der Wallfahrtskirche verliehen worden: 1. vollkommener Ablaß an den 5 Hauptmuttergottesfesten bei Empfang der h. Sakramente und Gebet für die Anliegen der h. Kirche; 2. unvollkommener von 100 Tagen an Samstagen, wenn man die laure- tanische Litanei nach dem Amte mitbetet. An den 5 gebotenen Muttergottesfesten ist der gesammte Gottesdienst in der Wallfahrtskirche, an Mariä Himmelfahrt und Geburt feierliche Prozession von der Pfarr- zur Wallfahrtskirche durch die Stadt und nach dem Amte wieder zurück. Ebenso ist dem Herkommen gemäß feierlicher Gottesdienst in der Kapelle: am Feste des h. Stephanus, des h. Josef, Petri und Pauli, Oster- und Pfingstmontag. An allen Samstagen des Zahres wird Frühmesse und Amt gehalten und Gelegenheit zum Empfange der h. Sakramente geboten; an den 5 letzten Samstagen der Fasten ist Fastenpredigt. An allen sonstigen Tagen des Jahres ist Frühmesse, an Sonntagen mit Homilie, während welcher von den Anwesenden der Rosenkranz gebetet wird. Todkmoos, Amt St. Blasten. n der Grenze des sogenannten Hauensteinischen, im Bezirksamte St. Blasten, kaum drei Stunden von diesem ehemaligen berühmten Benediktinerstift entfernt, liegt der Gnadenort Todtmoos mit der berühmten Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes. Früher war diese ganze Gegend nichts als Sumpf und Moos und mit giftigen Dünsten angefüllt und weil die Gegend höchst ungesund war, so konnte beinahe Niemand hier Hausen; ja sogar Menschen und Thiere, die sich hierher verirrten, versanken oft und kamen elend ums Leben. Daher erhielt der Ort den traurigen Namen Todtmoos, welchen Namen er bis auf den heutigen Tag behielt. Sobald aber die Gottesmutter Maria sich diesen Ort als Gnadenstätte auserwählt und hier ihre Wohnung genommen hatte, wurde die Gegend in kurzer Zeit gänzlich verändert. Es wurden fruchtbare Wiesen angelegt und man fand dort mehrere trinkbare und heilsame Quellen, von denen besonders vier der göttlichen Mutter geweiht wurden. Uebrigens ist Todtmoos von Bergen und Wäldern umgeben. Es wird von der Wehra durchströmt, in welche sich der Todtenbach ergießt. Unter den Bergen ist der merkwürdigste der sogenannte Schönbühl, aus welchem die Wallfahrtskirche steht. Die Entstehung dieser Wallfahrt wird folgendermaßen berichtet: „Im Jahre 1255 wohnte zu Rickenbach, einem Dorfe in der Nähe von Säckingen, ein frommer Priester und Pfarrherr Namens Dietrich. Er war ein großer Verehrer der Mutter Gottes und wurde von ihr vieler Gnaden gewürdigt. Sie erschien ihm öfters und richtete folgende Ermahnungen an ihn: „Dietrich, wenn dir dein Seelenheil am Herzen liegt und du mich als deineWatronin erkennstLso mache dich auf nach dem Orte Schönbühl, welcher zwischen zwei Bächen auf dem Schwarzwalde gelegen ist, wovon der eine Wehra und der andere Todtenbach genannt wird, denn ich habe mir denselben zu einer beständigen Wohnung auserkoren zum Nutzen und Heil aller derer, welche an diesem Orte ihre Zuflucht zu mir nehmen werden Wer mich immer daselbst besuchen und eifrigst anrufen wird, dessen Bitte will ich gewähren und ihm in allen seinen Anliegen als eine gütige, allzeit barmherzige Mutter gewiß helfen." Nachdem der fromme Priester diese Ermahnungen öfters vernommen, dachte er immer darüber nach, wie er den deutlich bezeichneten Ort auffinden möchte und verlangte nichts sehnlicher, als der Mahnung der göttlichen Mutter Folge zu leisten. Während er sich noch längere Zeit mit diesem Gedankenfcheschästigte, sieh! da kam einmal durch besondere Fügung Gottes bei einbrechender Nacht- ein fremder Gast vor sein Haus und bat um eine Nachtherberge. Der gottselige Priester nahm ihn freundlich auf, führte ihn in sein Haus und bewirthete ihn so gut er konnte. Als nun Dietrich unter dem Gespräch den Fremdling fragte, woher er wäre und woher er käme, wo er seine Heimath habe und welches Gewerbe er betreibe, gab der Gast ihm zur Antwort: Er wäre vom Schwarzwalde, nicht weit vou dem Orte Todtmoos, bei dem ein Wasser, der Todtenbach vorbeifließe und seines Handwerk's sei er ein Dreher. Der Priester, darüber freudig erstaunt, fragte weiter: „Weißt du auch einen Ort, bei dem ein Bach mit Namen Wehra vorbeifließen soll?" „Gar wohl," sprach der Fremde, „gerade an diesem Orte Hanse ich seither mit Weib und Kindern und erwerbe mir das tägliche Brod mit täglicher Handarbeit." Hierüber war nun der gottselige Priester sehr erfreut; aus innigstem Grunde seines Herr zens lobte und pries er Gott und seine jungfräuliche Mutter und dankte ihnen, daß sie Alles so wunderbar gefügt. Gleich Morgens daraus, in aller Frühe, bevor der Morgen noch dämmerte, machte er sich mit dem Fremdlinge auf den Weg und ersuchte ihn, sein Führer und Wegeweiser zu sein. Sie eilten mit einigen Arbeitern und Knechten der bezeichneten Gegend zu und kamen bald zu dem Wasser Wehra genannt, wo sich der Todtenbach damit vereinigt. Gleich machte sich nun jeder an die Arbeit; sie fingen an, das Gesträuch auszuhauen, die Bäume zu fällen, die finstere Wildniß licht und wegsam zu machen und ein kleines Häuslein aufzurichten. Dies sollte aber — 287 — erst der Anfang sein; denn Dietrich wollte zu Ehren der allerseligsten Jungfrau eine Kapelle bauen. Mit unsäglichen Mühen und Hindernissen hatten sie jedoch zu kämpfen. Oft wollten sie an der Ausführung des Werkes in dieser beinahe undurchdringlichen Wilduiß ganz verzweifeln und Dietrich war tief bekümmert; da erschien ihm in der Nacht wieder die gnädige Himmelskönigin und sprach zu ihm: „Gehe, Dietrich, zu dem Schönbühl, dort wirst du einen Baum mit dem heilsamen Zeichen des Kreuzes finden, den haue um, und wo der Gipfel des Baumes hinfallen wird, dahin erbaue mir eine Kapelle, den Altar aber fetze an den Ort, wo der oberste Gipfel des Baumes liegen wird." Dietrich über diese Rede erfreut, begab sich ungesäumt auf den Schönbühl und fand daselbst den mit dem heiligen Kreuzzeichen bezeichneten Baum und baute eine einfache Kapelle dahin; dies war der Anfang des weitberühmten Ortes und der Wallfahrt zu Todtmoos, wo später so viele tausend Menschen, wie es die allerseligste Jungfrau Maria dem frommen Priester Dietrich verheißen hatte, in allen Bedrängnissen Leibes und der Seele Trost und Hülfe finden sollten. Nachdem die Kapelle erbaut war, wünschte Dietrich nichts sehnlicher, als in der Nähe derselben eine stille Wohnung aufzuschlagen und die noch übrige Zeit im Dienste Gottes und Mariens zuzubringen; doch dachte er oft daran, wie er die Kapelle in baulichem Zustande unterhalten und für die Nachwelt erhalten könne. Dazu bedürfte er eines edlen Wohlthäters, der durch fromme Gaben und Stiftungen für die Bestreitung der nothwendigen Ausgaben sorgte. Er faßte deshalb sein volles Zutrauen zu den ihm längst bekannten und sehr gewogeneu Grafen Rudolf von Habsburg, der später als römischer Kaiser sehr berühmt wurde, der oft in dieser Gegend hauste und den er oft, wenn er von der Jagd ermüdet zurückkehrte, gastfreundlich aufgenommen und bewirthet hatte. Zu diesem ging er ungesäumt und trug ihm seine Bitte um gnädige Beihülfe und Unterstützung vor. Der fromme Fürst nahm ihn freundlich aus und nachdem er vernommen hatte, wie wunderbar Maria sich seither erwiesen, so freute er sich sehr und schenkte ihm aus Dankbarkeit und eigener großer Liebe und Verehrung gegen die göttliche Mutter jenseits der Wehra einen großen Wald, Jagheld genannt, aus dessen Erträgniß und Nutzen alle nöthigen Bedürfnisse bestritten werden konnten. Deßgleichen ertheilte er ihm noch viele andere Gerechtsame und Gnaden. Dietrich kehrte freudig wieder zu seiner geliebten Kapelle in Todtmoos zurück, baute sich dort eine kleine Wohnung und lebte ganz im Dienste Tottes und Mariä. Aber in kurzer Zeit geschah es, daß immer mehr Leute nach Todtmoos hinzogen, daselbst Wohnungen erbauten und die Wildniß daselbst mit großer Anstrengung und Arbeit urbar machten und die Erde bebauten. Auch die zur Ehre Mariens erbaute Pfarrkirche wurde stets zahlreicher besucht und von frommen Gläubigen freigebig beschenkt, sodaß schon Dietrich sich genöthigt sah, für die Menge der ankommenden Pilger die Kapelle zu vergrößern, nachdem sie erst dreizehn Jahre gestanden war. Nach glücklicher Vollendung der neuen Kirche, in welcher auf der rechten Seite vom Eingänge der Altar zur Ehre der gnadenreichen Mutter Maria aufgerichtet und geweiht war, wurde dieselbe im Jahre 1268 vom Bischof zu Konstanz, Eberhard, Truchseß von Waldburg, zur Pfarrkirche bestimmt. Allein auch diese neue Pfarrkirche war bald für die zahlreichen frommen Wallfahrer zu klein. Im Jahr 1300 wurde auf Anordnung zweier Con- ventualen zu Neuenzell (jetzt Untcribach) eine neue größere Kirche gebaut. Im Jahre 1319 wurde diese Kirche durch Schenkung des Herzogs Leopold von Oesterreich sammt allem Grnndeigenthum nnd Gerechtsamen dem Kloster St. Blasien übergeben." Die weiteren geschichtlichen Ereignisse dieser Kirche sind folgende: 1433 bewilligte Papst Martin V., 1460 Sixtus IV., 1475 Bischof Ludwig von Konstanz, 1476 Leonell de Chieragatis, Legat in Deutschland, 1514 verschiedene römische Kardinäle der Kirche in Todtmoos Ablässe und Privilegien. — Als 1439 während des Concils von Basel die Pest viele Kirchenfürsten u. s. w. hinwegraffte, zogen 400 Bürger mit 24 Priestern, vom Concil mit Ablässen versehen, hinauf nach Todtmoos. — 1450 schenkte Herzog Albert von Oesterreich dem Gotteshaus und Leutpriestcr zu Todtmoos eine jährliche Gilt von 30 Schilling „von der Lieb wegen zu dem Gotteshaus der hochgebornen Jungfrau Maria zu Todtmoos, da sie gnadenreich ist und damit der Leutpriestcr seiner und der Herrschaft von Oesterreich zu gewöhnliche» Zeiten in der Kirche gegen das Volk und sonst andächtiglich gedenke". Die jetzige Kirche wurde 1627von Blasius II., Abt von St. Blasien erbaut, 1628 consekrirt, wobei 4000 Menschen zugegen waren und an 1395 die h. Firmung gespendet wurde. — 1678 vergab Karl, Herzog von Lothringen, 3000 fl. zur Zierung des Gnadenbildes. — 1757 erneuerte der Fürstabt Meinrad von St. Blasien das Chor. — 1770 verschönerte Fürstabt Martin Gerbert die ganze Kirche und ließ neue Altäre aufstellen. 1471 wurde eine Bruderschaft unter dem Titel „Mariä Himmelfahrt" errichtet, 1607 unter Abt Martin I. erneuert und von Papst Paul V. bestätigt. Als 1807 das Stift St. Blasien aufgelöst wurde, ward die Kirche in Todtmoos für einen Pfarrer und zwei Vikare mit 1300 fl. dotirt; seit dieser Zeit sind Weltpriester an derselben angestellt. Das Gnadenbild der schmerzhaften Gottesmutter in Todtmoos befindet si ch ans dem Hochaltar. Es ist von Holz in Lebensgröße gefertigt und stellt Maria sitzend dar mit dem Leichnam ihres Sohnes auf dem Schooße. Das Bild wird nach den verschiedenen Festzeiten mit verschiedenfarbigem Rocke bekleidet; besonders merkwürdig ist, daß das ganze Bild unter dem Kleide von einem früheren Brande her an seiner Oberstäche ganz verkohlt ist, ohne — 289 — baß das Feuer und die Flamme an Hals und Gesicht nur den geringsten Flecken oder sonstigen Schaden anrichtete. Wann dieses Gnadenbild nach Todtmoos gekommen, laßt sich aus Mangel an Urkunden nicht bestimmen, wahrscheinlich brachte es der Priester Dietrich dahin. Außer dem Hochaltare befinden sich noch 4 Altäre in der Kirche; zwei .an beiden Seiten des Chores und zwar ans der rechten Seite, wenn man in die Kirche tritt, ein Altar zu Ehren des Hinscheidens Maria, auf der linken Seite die Abnahme Christi vorn Kreuze. Die beiden übrigen Altäre befinden sich in den Seitenkapellen; in der rechts ein Altar zu Ehren des h. Blasius. Dieser Altar war früher zu Ehren der Gottesmutter geweiht und hier hängt auch eine Tafel, auf welcher das Wunder ans dem Schönbühl abgebildet ist. Dietrich findet nämlich den mit dem Kreuze bezeichneten Baum nnd läßt ihn fälle». In der anderen Kapelle steht der Altar zu Ehren der h. Anna. Eine Denkschrift in derselben lautet zu Deutsch: „Im Jahre 1685 setzte der durchlauchtigste Herzog Karl von Lothringen dieses Denkmal der Dankbarkeit zu Ehren des allmächtigen Gottes und der wunderbaren Gnadenmutter in Todtmoos, da er mit der ganzen kaiserlichen Armee wunderbarer Weise aus bisher ungangbaren Wegen den Schwarzwald überstiegen hatte." Daneben hängt eine Tafel, auf welcher eben der berühmte Herzog Karl von Lothringen, umgeben von den kaiserlichen Generalen und Feldobersten abgebildet ist, wie er auf dem Marsche mit seiner Armee durch das Todtmoos zieht. Eine große silberne Votivtafcl, welche daselbst als Geschenk desselben Herzogs sich befand, ist verloren gegangen. Dir Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter Gottes iu Engelwies, Amt Mehkirch. ^M,ngelwies, ursprünglich Jngoltcswies, gehörte zur Herrschaft Gntenstein unter einem gleichnamigen Adel. Nach dessen Ans- sterben 1626 fiel dieselbe an Oesterreich. Dieses verkaufte sie an Graf Albert Fugger, welcher sie 1735 an Graf Schenk von Kastell veräußerte, ron dem sie 1756 an das Kloster Salem nnd von diesem 1862 nach Aufhebung des Klosters Salem an Baden fiel. Markgraf Karl Friedrich überwies sie seinen Söhnen Friedrich und Ludwig als Ersatz für ihre Verluste im Elsaß sin Folge des Lnneviller Friedens). In den folgenden Jahren wechselte badische und württembcrgische Landeshoheit, 1816 kam sie endgültig »» Baden. Nach einer Ucbereinknnft blieb es dem Großherzog Ludwig, der cs 1820 dem Grasen Langcnstcin (nun Douglas) als Grnndherrschaft verlieh. 1796 brannten die Franzosen das ganze Dorf bis auf 39 Häuser ab. 19 1721 erhielt Engelwies einen eigenen Kurat für die Wallfahrt durch Fürst Froben Ferdinand von Fürstcnberg-Meßkirch. Stets Filial von Meß- kirch wurde es am 11. Dezember 1819 zur Pfarre erhoben. Ueber Entstehung und Geschichte der Wallfahrt fehlen die Nachrichten,, da in dem von den Franzosen 1796 angelegten Brande mit dem Psarrhofe auch alle Schriftstücke ein Raub der Flammen wurden. Die schöne geräumige Wallfahrtskirche auf der öden kalten Hochebene über der Donau scheint schon über 800 Jahre zu stehen und von Pilgern besucht worden zu sein, wie wir aus einem alten Wallfahrtsliede schließen müssen. Es heißt darin: Lahme wurden hingetragen, Kurz, in 70» Jahren Blinde wünschten ihr Gesicht, Hör' ich nicht die erste Klag', Halb Verstorbene durften's wagen Daß man nicht mit Trost erfahren Und Maria ließ sie nicht Was man von Maria sag', Fruchtlos um Gedeihen Allen — Reich und Armen — Und um Rettung schreien. Schenket sie Erbarmen. Wetterschaden, wilde Bäche Staunen, Ehrfurcht und Verbeugen Quellten einst und tieften lang: Vor der Frau von Engelwies Aller Segen schien zu weichen Heißen meine Feder schweigen, Bis wir mit dem Bittgesang Denn von diesen, wie ich lies, In der Mutter Namen Und von solchen Dingen Zu dem Bater kamen. Sollten Engel fingen. 1864 wurde durch die Freigebigkeit der Prinzessin Karolina von Hohenzollern-Sigmaringen die Wallfahrtskirche restaurirt. Sie bekam leiden nur weiße Tünche und wurde das Gnadcnbild der schmerzhaften Muttergottes auf dem Hochaltare, das, wie alle alten Bilder, ein schwarzes Gesicht hatte, mit frischen Oelfarben übermalt und dadurch sein Kunstwcrth beeinträchtigt. Die beiden Hauptwallfahrtsfeste sind das Patrozinium am Schmerzensfreitag und der Blutfrcitag am Tage nach Christi Himmelfahrt. Es findet an diesen zwei Festen feierliche Prozession statt. Eine Viertelstunde von Engelwies an der preußischen Grenze steht im Waldcsdunkel die Kapelle zur h. Verena, die an Sonntagen stark besucht wird. Sie ist sehr alt und enthält Bilder, die aus den Kircheubrändcn gerettet wurden. Augenleidendc, schwangere Frauen und Bedrängte haben in ihr vielfach Hülfe gefunden — daher die Votivtaseln. Neben der Kapelle befindet sich eine nie versiegende Quelle — der Verenenbrunnen —, aus welcher die h. Verena Wasser geschöpft haben soll; sie ist deshalb mit einem Wasserkruge in der Kapelle abgebildet und hat dieses Gemälde Maler Mar- mont in Sigmaringen 1864 restaurirt. In diesem Jahre fand auch die Einsegnung der Kapelle statt. — 291 — Reichenau. Wallfahrt zum lz. Blut und Kreuz Jesu Christi. MAeichenau ist eine reizende Insel, 1^ Stunde lang und Vs Stunde breit, zwei Stunden von Konstanz und eben so weit von Radolfzell entfernt. Sie steigt gleichsam aus dem Wasser des Unteroder Zellersees hervor und erhebt sich in der Mitte, hat also eine fast ovale Gestalt. Auf der Anhöhe in der Mitte ist ein Kreuz aufgerichtet, von dem aus man das beiderseitige Ufer überschaut. Den ganz lieblichen Kranz von blühenden Dörfern, Städten, Landhäusern und Schlössern, von fruchtbaren Weinbergen und Getreidefeldern, von Matten und Waldungen umfaßt man hier in einem einzigen Blicke und genießt dann alle diese bezaubernden Schönheiten doppelt, wenn diese reizende Landschaft im Glänze der Mittagssonne im ruhigen See sich wiederspiegelt. Den Horizont umrahmen die himmelanstrebenden Schweizergebirge; die Insel selbst gleicht einem blühenden Garten. Weinbau und Fischerei sind die Hauptnahrungsquelle der Bewohner. Mit dem festen Lande ist die Insel durch einen Straßendamm verbunden und gelangt der Reisende von der gleichnamigen letzten Station von Konstanz dahin. Auf der südlichen Seite, wo sich der Rhein fast unbe- merkbar gegen Stein durchschlängelt, grenzt Reichenau an den Thurgau. Von da aus wurde auch die Insel kultivirt. Auf der Feste Landegg im Thurgau, gerade der Reichenau gegenüber, lebte Sintlas, ein frommer Pilger und fränkischer Landvogt. Dieser zog 724 zum h. Bischof Pirmin, einem geborenen Schotten, nach dem Kastell Melten (von Einigen für Metz oder Meaux, von Anderen vielleicht besser für das Dorf Medelsheim bei Zweibrücken gehalten) und bat ihn, nach Alemannien zu ziehen und dort das Evangelium zu verkünden, damit das Volk aus Sorglosigkeit seiner Lehrer nicht wieder in die heidnischen Sitten und Irrthümer verfalle. Mit päpstlicher Genehmigung zog Pirmin mit seinem Begleiter über die Alpen nach Sandegg, wo er bei bescheidenem Mittagsinahle die Reichenau überblickte. Die Aussicht war keine einladende für den h. Mann; finstere Wälder, dornige Gebüsche, beinahe unzugängliche Sümpfe umgaben die Insel; sie schien nur zum Aufenthalte wilder Raubthiere bestimmt gewesen zu sein. Doch im Vertrauen auf Gott fuhr der h. Pirmin, nur von einem einzigen Schiffer begleitet, hinüber und vertrieb durch seinen Segen die Schlangen, Kröten und giftigen Insekten. Ein wahrer Kulturkampf wurde hier von dem Mönchen geführt, der aus der Wildniß eine Stätte der Frömmigkeit und Wissenschaft hervorzauberte. Bis'965 heißt die Insel von ihrem Eigentümer Sintlasau. 724 schenkte sie Karl Martell nach dem ersten Stiftungsbriefe nebst 6 Dörfern dem h. Pirmin, um dort ein Kloster zu bauen. IS* — 292 — Doch schon drei Jahre nachher wurde Pirmin von Theobald, Herzog von Schwaben, gewaltsam mit seinen Brüdern ans der stillen Zelle verjagt; er wandte sich in's Elsaß und starb daselbst in Hornbach. Das gleiche Geschick traf den zweiten Abt Hatto, der 727 Bischof von Straßburg und dann Gründer von Ettcnheim wurde. Allein in der Folge wurde es, begünstigt durch seine Lage, der Mittelpunkt des kirchlichen und wissenschaftlichen Lebens in Süddcutschland. Eine Menge Fürsten erhielten dort ihre Ausbildung und es bildete den Lieblingsaufenthalt selbst regierender Häupter, die oft dort Hoslager hielten. Die Aebte Waldo, Hatto, Walafrid Strabo (842), Bischof Egino von Verona, Begründer von Niederzell, sammelten eine weltberühmte Bibliothek, gemehrt durch die Handschriften und geschichtlichen Aufzeichnungen der eigenen Mönche; es glänzte durch Gelehrsamkeit der Chronist Hermannus Contractus, der Dichter des 3alve Hs^ina. Noch bis Ende des letzten Jahrhunderts wurden 434 Handschriften, zum Theil aus dem 9. und 19. Jahrhundert, dort ausbewahrt, die Abt Gerhard von St. Blasie» benutzte. Sie bilden nun einen Theil der Hofbibliothek in Karlsruhe. (Wir erwähnen hier den merkwürdigen Codcr in der Stadtbibliothek zu Trier, den die Mönche Geralt und Heribert von Reichenau dem Erzbischof Egbert von Trier zum Geschenke machten). Die Frömmigkeit der Fürsten bedachte das Kloster mit reichen Schenkungen: es besaß so viele Güter, bis nach Italien, daß man sagte, der Abt könne auf eigenem Boden nach Rom reise» Meßner bewohnt wird. 301 An Samstagen werden in der Kapelle bestellte Messen gelesen; der Hauptgottesdienst wird an Maria Geburt mit Hochamt und Predigt gehalten. Prozessionen kommen hierhin von Buchenbach, Oberried und Kirchzarten. othwcil am Kaiserstuhl gehörte in die Herrschaft Burkheim. Nieder-Nothweil war ehemals der Hauptort mit der Pfarrkirche; die häufigen Uederschweimnuiigen des Rheines veranlaßten die Bewohner, weiter hinauf ins Thal ihre Wohnungen zu bauen, wodurch Ober-Rothweil entstand; bis ins vorige Jahrhundert blieb es in Nieder-Rothweil eingepfarrt, wo die alte Pfarrkirche zum h. Michael noch steht, bei der sich auch der gemeinsame Begrübnißplat; befindet. Alle 14 Tage wird in derselben Frühmesse mit Homilie gehalten, am Patroziniumsfeste und am Allerseelentage Hochamt nebst Predigt. Erst im vorigen Jahrhundert erhielt die Kapelle in iöber-Rothweil pfarrliche Rechte und spater wurde eine geräumige Pfarrkirche an deren Stelle errichtet. Es befindet sich hier ein Schloß der Familie von Gleichenstcin, welche das Patronat und das Zehntrecht hatte und noch daselbst begütert ist. Nahe bei NiedemRolhweil steht die Wallfahrtskapelle zum h. Pantaleon. jedenfalls schon vor dem 17. Jahrhundert ist dieser heilige Märtyrer hier mehrt worden; jedoch finden sich über Kapelle und Wallfahrt keine alteren Nachrichten, da alle Akten im dreißigjährigen Kriege verloren gingen. Die älteste zuverlässige Nachricht rührt her von Franz Nikolaus Wilhelm, von W5 bis 1744 Pfarrer in Rothweil. Derselbe schreibt: „Zu wissen ist es, daß diese Kapelle seit Mannsgedenken ganz zerfallen und mit Gesträuch überwachsen war. Allein die Hintere Wand und zwei Seitenmanern standen noch etwa mannshoch. Allem nach waren sie der Form und Größe nach wie jene des sogenannten Krämerkapellchens am Burkheimer Weg. Als ich Pfarrer zu Rot weil geworden, kam ich zufällig und ganz allein an den Ort, wo diese zerfallene Kapelle war, konnte aber vor Gesträuch nicht erkennen, was es war. Ich fragte anderen Tages den alten Gerichtsmann Georg Landerer, was das alte Gemäuer unter dem Holz — also wird die Gegend genannt ^ gewesen sei. Es ist, war die Antwort, das Pantlis-Kapellein. Dabei ließ ich's bewenden und habe von da an von genanntem Ort und Gemäuer bei 40 Jahren nichts mehr gehört noch gesehen. An Pfingsten 1735 fragte Rothweil am Kaiserstuhl. Wallfahrt zum h. Pantaleon. mich nach der Vesper in der Sakristei der Pfarrkirche der Sigrist Johann Georg Bellmann, ob ich auch wüßte, daß die Leute von hier und Oberbergen vielfach nach St. Pantlis-Kapellc wallfahrten gehen. Darüber wunderte ich mich und ließ mich, da ich den Ort nicht mehr wußte, sogleich durch den Meßner hinführen. Da fand ich das Kapellchen vom Gesträuch ziemlich gereinigt mit vielerlei Bildern geziert und viele Personen beteten daselbst. Am 24. Juli 1735, e-nem Sonntage, verkündete ich beim Gottesdienste, ich hätte gehört, es sei verschiedenen Personen, welche in der St. Pantlis-Kapelle ihr andächtiges Gebet verrichteten, in verschiedenen Krankheiten geholfen worden. Da es meines Amtes sei, die Sache zu untersuchen, so mögen alle jene Personen, denen geholfen worden, nach der Vesper bei mir im Pfarrhause sich einfinden und mir der Wahrheit gemäß berichten." Es erfolgten 5 Meldungen, andere kamen später und zählt der Pfarrer Wilhelm bis 1748 noch 42 andere auf. Nach ihm berichten Pfarrer Leroux und Albin Weis von Schlangenfurt bis 1766 nach 8 weitere. Diese wunderbaren Gebetserhörungen zogen bald viele Wallfahrer an, und zwar aus dem Markgräflerland, dem Breisgau, der Ortenau und dem Elsaß. Am 13. September 1737 kam eine Abordnung der Zünfte von Freiburg, je zwei Mann von jeder Zunft und zwei Geistliche, zusammen über 160 Mann. Durch diese Wallfahrer wurden reichliche Opfer gespendet, so daß Pfarrer Wilhelm damit und mit anderen Beiträgen den Aufbau der Kirche in die Hand nehmen konnte. Am 27. Mai 1737 durfte schon die h. Messe darin gelesen werden; 1741 war sie vollendet. Den Altar stiftete General Roth, kaiserlicher Commandant der Festung und Stadt Altbreisach; an der rechten Seitenwand ist ein Gemälde, die Enthauptung des h. Pantaleon, ein Geschenk des Freifräuleins von Leyen. In der Statue des Hochaltars befindet sich eine Reliquie des h. Pantaleon. „Xuno 1769 haben wir durch den Monsignore Rezzonico, den Neffen seiner Heiligkeit des Papstes Clemens XIII., eine Partikel von dem h. Pantaleon auf Anhalten der durchlauchtigsten Prinzessin Elisabeth von Baden-Baden, Inhaberin der Grafschaft Riegel, empfangen," schreibt Weiß von Schlangenfurt in dem 1769 zu Freibnrg erschienenen Wallfahrtsbüchlcin. Die französische Revolution oor 166 Jahren schadete der Wallfahrt, aber die Kapelle blieb unversehrt. Wesscnberg erst verlangte ihre Entfernung. Allein von 286 abstimmenden Bürgern Rothweils stimmten 261 für die Beibehaltung derselben und die Gemeinde übernahm die Pflicht, sie in banlichem Zustande zu erhalte»- Dadurch wurde die Wallfahrt selbst erhalten und es beweisen die Votivtafeln, daß sich stets erfüllt die Wahrheit der himmlischen Verheißung an den sterbenden Pantaleon: „Viele werden durch dich Gnade und Barmherzigkeit finden." Der Pfarrer hat jeden Freitag in der Kapelle zu celebrircn, sowie am Freitag in der Bittwoche (Hagelfreitag) und am Patrociniumsfeste ein Amt zu halten. Das Lied zum h. Pantaleon beginnt mit den Worten: — 303 — Bei Rothweil steht ein Gotteshaus Geweiht dem Arzt Pantaleon; Die Pilger ziehen ein und aus, Beglückt mit Gottes Gnadenlohn, Panteleon, du Gottesmann! Wir rufen dich um Hilfe an. Die Wattfalzrtskapelle zum lz. Blasms in Kohlenbach. ahe der Stadt Waldkirch zieht sich nach Nordosten der sogenannte Kohlcnbach mit seiner vielbesuchten Wallfahrt zum h. Märtyrer Aasius, Bischof von Scbaste in Kleinasien. Dort steht eine sehr alte Kapelle. Auf einer Console befindet sich an der rechten Seitenwand ein merkwürdiges Bild des h. Blasins, dessen Alter ein Kunstkenner in das zwölfte Jahrhundert hinauf rückte. An dieses Bild knüpft sich die Wallfahrt, deren Entstehung an der Seitenwand in folgenden Knittelversen beschrieben ist: Nach Luthcri großem Abfall Laßt St. Blast in das Thal Sich tragen durch einen fremden Mann, Welcher weiter ihn nicht tragen kann, AIS von dem abgefallenen Mußbach In das im Glauben nicht wankende Kohlenbach. Und so lange er hier als Patron verehrt Ist, wird gewiß Jedem seine Bitte gewährt. Zunächst wurde die den Abgefalleneu entrissene Statue in einem großen Bildstocke am Wege aufgestellt. 1752 erbaute das Stift Waldkirch etwas wcitcr hinten im Thale die jetzige Kapelle zu Ehren des h. Blasius, au deren Seitenwand das altehrwürdige Bild angebracht wurde. Ans Betreiben der damaligen Kirchenregierung zu Konstanz wurden 1812 viele Wallfahrtskapellen für überflüssig erklärt und ihr Vermögen mit dem Religionsfond in Freiburg vereinigt. Das Schicksal stand auch der Blasiuskapcllc bevor. Doch die Liebe der Gemeinde zu ihrem Patron wandte es in letzter Stunde noch ab. Die Kapelle sollte versteigert und zu Wohnungen umgebaut «erden. Da erstand sie die Gemeinde nur 402 Gulden und zwar wurde die Hälfte davon durch die Kohlcnbacher, die andere Hälfte durch die Koll- muer Bürger aufgebracht. Von den zwei Glocken wurde die eine nach Elzach, die andere nach Karlsruhe verkauft. In den zwanziger Jahren «ußte man wieder eine neue um 200 Gulden anschaffen, aus dem Erträgnisse des Opferstockcs und einer Collekte wurde erst gegen 1850 diese Schuld getilgt. — 304 — Am 3. Februar 1355 wurde zum ersten Mal wieder das h. Opfer tu der Kapelle dargebracht. Predigt und Hochamt findet in derselben statt am Feste des h. Blasius und des h. Mendelin, sowie am Mittwoch nach Weihnachten und nach Pfingsten. Jeder Mittwoch ist Wallfahrtstag. Unsere, liebe Frau von Bettenbrunn. aum eine Stunde östlich von Heiligenberg steht auf einer an- muthigen Anhöhe, nur von wenigen Häusern umgeben, die geräumige Pfarre einst Stiftskirche von Bettenbrunn in Oberschwabeu, 4 Stunden vom Bodensee. Graf Albert von Werdenberg-Heiligenberg gründete 1373 im Einverständnisse mit seinen Söhnen in dem ihm zugehörigen Orte Bettenbrunn ein Franziskauerkloster, welches Papst Gregor VIII. 1373 bestätigte, das aber nur sehr kurzen Bestand hatte. Doch sollte Bettenbrunn bald wieder als geistliche Stiftung erstehen. Am 1. August 1398 genehmigte nämlich Papst Bonifaz IX. das fromme Vorhaben des Grafen Albert IV. von Werdenberg und seiner Gemahlin Anna, Gräfin von Montfort, das ehemalige Franziskanerkloster Bettenbrunn unter Einverleibung der Pfarrei Deggenhausen in ein Kollegiatstift von Weltgeistlichen mit einem Propste und drei Kanonikern zu verwandeln, zu denen später noch zwei Kauonikate hinzukamen. Bei der allgemeinen Säkularisation fiel das Stift dem Fürsten von Fürstenberg zu, der nach Urkunden vom 1. September 1804 daselbst eine Pfarrei und Kaplanei errichtete. Die ehemalige Stiftskirche, welche am 28. Februar 1743 vom Weihbischof Graf Fugger von Konstanz eingeweiht worden, ist geräumig und hat 4 Altäre. Auf der Eoangelienseite in der Mitte des Laughauses ist ein Nischenaltar angebracht, welcher ein Gnadcnbild, Maria mit dem Jesuskinde, birgt. Diese Statue soll früher auf der Säule des Vierröhrbrunueus neben der Kirche gestanden haben, zu der sich mit der Zeit eine förmliche Wallfahrt gebildet, deren Entstehung auf einem Oelgemälde oberhalb des Gnadenaltars daselbst zu sehen ist. Mit der Uebertraguug der erwähnten Mntter- gottcsstatue in die Kirche wurde dieselbe eine förmliche Wallfahrtskirche, die bis zur Stunde diesen Charakter bewahrt und die Stätte heiliger Andacht für die frommen Verehrer Mariens ist. — 305 — Lixxertsreuthe. ort, wo die sogenannte Linzer Aach das Salerner Thal begrüßt, inmitten von bemoosten Eichen, immergrünen Tannen, schlanken Buchen und Fichten, am AbHange eines Felsens stand stillverborgen eine Wallfahrtskirche, und Maria im Stein war allda vielgeliebt und viclgesucht von den Umwohnern. Ein aus dem Türkenland heimkehrender Ritter von Hohenbodmann, zur Zeit der Kreuzzüge, soll nach der Sage die Wallfahrt gestiftet haben. Nach Anderen ist dieselbe in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts entstanden, zur Zeit der großen Pest nämlich. Wie dem auch sei, Maria Stein war bis zum Jahre 1824 eine sehr besuchte Gebetsstätte. Im Jahre 1824 kam das Muttergottesbild nach Lippertsreuthe, die baufällige Kirche im Stein wurde 1815 abgebrochen. Seitdem waren in Lippertsreuthe der Dienstag und Samstag Wallfahrtstage. Die seit 1283 stehende Kirche daselbst wurde im Frühjahre 1881 abgetragen, um der neuen gothischen Kirche Platz zu machen; dieselbe, eine Zierde der Baukunst der Neuheit, ist von dem Erzbischöflichen Banmeister Franz Bär in Freibnrg erbaut und beherrscht mit ihrem schlanken Thurm das ganze Salerner Thal. An Mariä Empfängniß 1882 wurde sie eingeweiht und dem öffentlichen Gebrauche übergeben; das alte Gnadenbild wurde der neuen Kirche entsprechend renovirt und in würdiger Weise zur allgemeinen Verehrung aufgestellt. Die Wallfahrt blüht neu auf, zudem da au den Samstagen der Fastenzeit Predigt gehalten wird. Dih Wallfahrt zum h. Fridolin in Säckingen. Stadt Säckingen am Rhein, Station der Linie Basel-Konstanz °^Hsder Badischen Staatseisenbähn, verdankt ihr Dasein einem-vom heiligen Fridolin daselbst gestifteten Gotteshause. Auch jetzt noch wird sein Fest daselbst unter großem Zulaufe des Volkes gefeiert und sein Grab von rieten Pilgern besucht. Der h. Fridolin wurde um das Jahr 464 in Irland geboren. Zum Priester geweiht, kam er bald darauf nach Gallien, wo er zuerst unter den Franken und dann im Westgothenreiche, zumal in Poitiers wirkte. Bald nach Weihnachten 496 begab er sich mit dem Bischof von Poitiers zu König Chlodwig, um dessen Hülfe zur Wiederherstellung des Klosters und der Basilika zum hl. Hilarius in der Vorstadt von Poiliers zu erbitten. Nach so Herstellung derselben und nachdem er kurze Zeit in diesem Kloster die Würde eines Abtes bekleidet hatte, begab er sich zu Ende des fünften oder zu Anfang des sechsten Jahrhunderts abermal zu König Chlodwig, um von ihm die Zustimmung zur Verkündigung des Evangeliums unter den Alemannen zu erhalten, welche ihm auch bereitwillig gewährt wurde. Er erkundigte sich nach einer Rheininsel in Alemannien, die noch unbewohnt sei und diest sollte das Ziel seiner Reise sein. Aber nicht gleich eilte er dorthin, sondern auf einem Umwege durch Burgund und Rhätien, wobei er an der Mosel, auf dem Vogesengebirge, zu Straßburg und zu Chur Klöster oder Kirchen zu Ehren des h. Hilarius gründete. Um das Jahr 506 kam er auf der Rheininsel an. Aber hier ward er von den Alemannen vertrieben, kehrte jedoch unter dem Schutze des Königs Chlodwig im folgenden Jahre wieder zurück, worauf er zu Ehren des h. Hilarius den Bau einer Kirche und eines Männerklosters begann. Nach dem Tode Chlodwigs (5kl) wurde fein Unternehmen abermals gestört. Da aber auf das Gebet des h. Fridolm der Rhein in den südlichen, trockenen Arm des Flusses abgeleitet wurde, so erkannten die Alemannen darin das Wirken einer höheren Macht und wurden seine Freunde, so daß er von nun an ungestört seinem hohen Berufe leben und von der Insel aus seine Missionsthätigkeit im weiten Umkreise auf beiden Seiten des Rheines entfalten konnte. Um das Jahr 522 errichtete Fridolin auf der Insel auch ein Nonnenkloster. Nach reicher und segensvoller Thätigkeit starb er am 6. März 538 eines seligen Todes, um von seinem Herrn die Krone der Gerechtigkeit zu empfangen. Der Leib des h. Fridolin wurde in einem hölzernen Sarge eingeschlossen und fand seine Ruhestätte in der von ihm erbauten Kirche an der linken Chorwand. Das Grab war ans Stein und ragte etwas über den Boden der Kirche hervor. Es war mit einer Steinplatte von solchem Gewichte bedeckt, daß sechs Männer dieselbe kaum bewegen konnten. Bei feindlichen Ucberfällen wurde der Sarg mit den Reliquien des Heiligen geflüchtet. So geschah es auch bei einem Einfalle in Ungarn, nicht ohne wunderbare Hülfe des Heiligen. Dieses Ereignis) wird wie folgt erzählt: „Die Kunde vom Herannahen des gefürchteten Feindes verursachte einen ungeheuern Schrecken und eine allgemeine Verwirrung. Kanoniker und Klosterfrauen, Männer, Weiber und Kinder, Alles floh in wilder Hast. So groß war die Bestürzung, daß man vergaß, den heiligen Leib Fridolins mitzunehmen und dieß erst dann bemerkte, als die Müdigkeit die Flüchtigen zwang, einzuhalten, um wieder zu Athem zu kommen und neue Kräfte zu sammeln. Rathlos standen die Geistlichen, die Nonnen, das Volk. Da erbot sich ein Leibeigener des Klosters, Namens Wenilo, welcher zu Balthers Zeit, der uns dieses Ereignis; berichtet, noch am Leben war, in die verlassene Insel zurückzukehren und den Leib des heiligen Fridolin zu retten. Gleich einem Edelmann von Vertrauen und Starkmuth erfüllt, rief der — 307 — Bauer aus: „Nicht länger will ich leben, wenn ich sehen soll, wie mein Herr von den Heiden verbrannt wird." Voll Zuversicht eilte er zurück, ging in die Kirche, küßte das Grab, warf sich auf den Boden und redete den Heiligen also an: „Mein Herr, mein Herr Fridolin, ich bitte dich beim allmächtigen Gott, daß du mich, deinen Knecht, hier mit dir von den Heiden verbrennen und verderben lassest, oder aber mir verleihest, dich von hier wegzutragen." So redete er, dann ergriff er den Stein, den das Grab bedeckte und warf ihn herab. Alsdann nahm er den Sarg, der die heiligen Gebeine umschloß, auf seine Schulter und trug das heilige Kleinod mit solcher Leichtigkeit den Flüchtigen nach, als ob ihn nicht die mindeste Last drückte. Unter Lobpreisungen Gottes und seines treuen Dieners, des h. Fridolin, eilten ihm die Priester, die Nonnen und das Volk entgegen und empfingen ihn voll Jubel und Freude. Wenilo legte seine heilige Last nieder, Priester und vornehme Laien traten herzu und wollten den Sarg aufnehmen um ihn auf eine nahe gelegene Burg in Sicherheit zu bringen. Da ward aber der Sarg so schwer, daß sie ihn nicht einmal um einen Schritt vorwärts bringen konnten. Längere Zeit versuchten es immer wieder Andere und Andere gleich erfolglos, bis zuletzt einige Priester und Nonnen des Klosters hinzutraten, die dann den Sarg so leicht und ohne alle Mühe hinwegtrugen, als ob er gar kein Gewicht hätte." Auch noch in späterer Zeit, in der Mitte des 10. Jahrhunderts, ereignete sich Aehnliches, indem der Heilige, wenn er in Kriegsgefahren aus der Kirche getragen wurde, sich den Trägern bisweilen so leicht machte, daß sie die Bürde gar nicht fühlten, mitunter aber auch ein solches Gewicht annahm, daß sie von der Last niedergedrückt wurden und nicht im Stande waren, dieselbe fortzubringen. Im Jahre 1272 wurde die Kirche sammt dem Kloster und die ganze Stadt bis auf die Pfarrkirche und einige Häuser durch eine Feuersbrunst ' zerstört. In Folge des Brandes zogen die Kanonissen nach Laufenburg, um dort bis zur Wiederherstellung ihres Klosters zu wohnen. Als aber die Äbtissin, Anna von Psirdt, zurückkehrte, fand sie unter den Trümmern der Kirche die Reliquien des h. Fridolin. Nach Berathschlagung mit den Kanonissen wurden dieselben an den Grafen Rudolph von Habsburg gesandt, welcher sie auf seiner Burg in einem anständigen Zimmer, welches bei Nacht beleuchtet wurde, aufstellte. Bald ließ sich an dem Sarge ein Klopfen hören, wodurch der Heilige andeutete, daß er nicht länger auf der Habsburg bleiben wolle. Als die Äbtissin solches hörte, ließ sie die Reliquien in die Wohnung der Kanonissen zu Laufenburg bringen. Aber auch hier ertönte bald das geheimnißvolle Klopfen, woraus die Kanonissen den Schluß zogen, daß der Heilige verlange, in seine frühere Ruhestätte einzuziehen. Sie stellten deshalb Kirche und Kloster nothdürftig her und kehrten mit den Reliquien nach Säckingen zurück. so* In der neuen Kirche erhielt der Sarg seinen Platz unter dem Hochaltar. Vor der Grabstätte des h. Fridolin brannte ein ewiges Licht, welches Graf Rudolph von Habsburg gestiftet hatte. Im Jahre 1334 wurde die Kirche wiederum ein Raub der Flammen. Bei dieser Gelegenheit litt auch der Sarg des h. Fridolin durch das Feuer Schaden; die Reliquien aber blieben unversehrt. Am 8. Mai 1343 legte die Acbtissin Agnes von Brandis den Grundstein zu einer neuen Kirche. Das Chor der alten Kirche diente während des Baues zur Abhaltung des Gottesdienstes. Am 16. Dezember 1357 wurde der Sarg im Beisein des Herzogs Rudolf IV. von Oesterreich, der Bischöfe Heinrich von Konstanz, Johannes von Basel und Johannes von Straßburg, sowie einer Anzahl anderer geistlicher und weltlicher Würdenträger geöffnet. Herzog Rudolf erbat sich von der Aebtissin Margaretha von Grünenberg einen Theil der Reliquien für das bald vollendete Münster St. Stephan zu Wien. Er erhielt solche am 15. Januar 1358. Zum Andenken an die wunderbare Erhaltung der Reliquien beim Brande im Jahre 1334 wollte man den Sarg erhalten. Er wurde deshalb mit eisernen Platten, Bändern und Nägeln befestigt und sodann der größere Theil der Reliquien mit den alten Hüllen wieder in den Sarg gelegt nebst einer Urkunde, welche den Hergang der Eröffnung und den Befund der Reliquien beschrieb. Sodann wurde der Sarg wieder unter dem Hochaltar beigesetzt, erhielt aber nach der am 21. Dezember 1360 durch den Bischof Heinrich von Konstanz vollzogenen Consekration der neuen Kirche seine Stelle über der Mensa des Hochaltars. In den Kriegszciten des 17. Jahrhunderts mußten die Reliquien häufig geflüchtet werden. So 1632 unter der Aebtissin Agnes von Gruth nach Baden in der Schweiz. Da aber das große Gewicht des Sarges Schwierigkeiten bereitete, so ward 1637, als der Herzog Bernhard von Weimar mit Johann von Werth am Oberrhein in häufigen Scharmützel» kämpfte, beschlossen, die Reliquien in einen kleinen Behälter zu legen. Man fand die Reliquien in eine doppelte Hülle eingewickelt; die äußere war cm kostbarer mit Goldfäden durchwirkter Seidenstoff, die innere ein Gewebe aus Baumwolle. Bei den Reliquien lag die Pergamenturkunde, welche bei Gelegenheit der früheren Eröffnung des Grabes angefertigt wurde. Bereits im Jahre 1638 mußte die Aebtissin mit den Reliquien nach Schloß Bernau und von da nach Rapperswihl am Zürichersee flüchten, von wo sie erst 1651 nach Säckingen zurückkehrte. Nach der Eroberung von Neuenburg am Rhein im französischen Kriege flüchtete die Aebtissin Maria Kleopha Schenk von Castel nach Klingena», von wo sie aber bald zurückkehrte, dann 1678 nach Bötzstein bei Brngg und 1688 nach Eggen. Zum letztenmale wurden die Reliquien 1734 nach Schloß Bernau geflüchtet. — 309 — Die letzte Aebtissin, Anna Maria von Hornstein-Göffingen, ließ zu Augsburg einen neuen Sarkophag anfertigen. Die Kanten desselben sind von getriebenem Silber. Die Wände sind Glasscheiben. Aus der Mitte des Bodens erhebt sich eine mit Sammt überkleidete abgestumpfte Pyramide, welche das auf einem reichverzierten Kissen ruhende Haupt des h. Fridolin trägt. Um die Pyramide herum und in den Ecken des Sarkophages sind die Gebeine des Heiligen angeordnet: ein Hüftknochcn, acht Rippen, zwei Oberschenkelbeine, zwei Schienbeine, zwei Oberarmbeine, zwei Vorderarmbeine, zwei Schulterblätter und sechs kleinere Gebeine. Der Sarg ist mit einer Statuette des h. Fridolin, der den erweckten Urso an der Hand führt, gekrönt. Er ist 1 Meter lang, 78 Centimeter breit und etwa 1,18 Meter hoch und steht auf einer mit Silbereinlagen verzierten Platte von schwarzem Holze. An den 4 unteren Kanten des Sarkophags befinden sich goldene Medaillons mit den Inschriften: OVra Ivt'atlAalzlIA prlnLüpIssav Narlas Oe Harnstein. OarAltate AnAva OonOVrrönts Aratloso OapItVOv so OosoOOsrc» aOpIa, pOsds. ^rda taVNatVrAv patrl patrlas krlOoOIvo eredta. N.^.O.O.^.Ooll. One. Lseeon. 1764. An weiteren Reliquien des h. Fridolin zeigt man in Säckingen dessen Messer, Becher, Meßgewand und Meßbuch nebst einigen Leinwandresten von der Albe und dem Humerale des Heiligen — Dinge von zweifelhafter Aecht- heit. Das Messer hat eine Gesammtlänge von 237 Millimeter. Die eiserne Klinge ist spitz, ziemlich stach und auf beiden Seiten mit einer von den Rändern etwas abstehenden, vertieften Linie verziert. Das Heft ist aus Horn, die gewölbten Schmalseiten desselben sind mit vertieften Linien, die flachen Breitseiten mit eben solchen Ringen verziert. Das Messer steckt in einer silbernen Scheide, deren Verzierungen auf ein solches Alter deuten. Der Becher besteht aus zwei hohlen, geschliffenen Krystallen, von denen der größere als Trinkschale, der kleinere als Deckel dient. Beide Stücke sind in vergoldetes Silber gefaßt. Das Ganze hat eine Höhe von 27 Centimeter. Das Meßbuch besteht aus einigen zerrissenen Pergamentblättcrn, welche d ie Anfänge der vier Evangelien enthalten. Die Schrift ist die des 14. bis 15. Jahrhunderts. Das Meßgewand ist längst zerrissen und an Verehrer des h. Fridolin in kleinen Stücken vertheilt worden. Vorhanden sind nur noch die Stola und der Manipel. Als im Jahre 1343 der Neubau der jetzigen Kirche in Angriff genommen' wurde, wurden dem Kloster zur Bestreitung der Kosten mehrere Pfarreien incorporirt und der Konstanzer Bischof Nikolaus I. von Kentzingen forderte in einem Hirtenschreiben zur Beisteuer auf. Am 21. Dezember 1360 wurde die neue Kirche durch Bischof Heinrich von Brandis mit großer Feierlichkeit eingeweiht. Der Hochaltar wurde den Heiligen Hilarius und Fridolin geweiht. Das Lunghaus der Kirche wurde durch zwei Reihen von je 5 Säuleu in 3 Schiffe getheilt. Das Chor erhielt eine bedeutende Ausdehnung. Zwischen Chor und Langhaus war ein Querschiff eingebaut, wodurch die Kirche die Form eines Kreuzes erhielt. Nördlich an das Chor war die Sakristei angebaut. Die Westfa?ade war von zwei Thürmen mit hohem spitzem Helmdache slankirt, von denen der südliche den Namen „Wendelstein" führte. Die Aebtissinnen Agatha Heggentzer von Wasserstelz (1560 — 1571) und Maria Jakobea von Sulzbach ließen die beiden Thürme, die baufällig geworden waren, neu aufrichten. Ihre Nachfolgerin Ursula Giel von Gielsberg (1600—1614) schmückte das Chor mit Gemälden. Unter Maria Brumsi vou Herblingen (1614—1621) wurde das Langhaus mit Gipsarbeiten verziert. Franziska von Schauenburg (1658—1672) erneuerte den südlichen Thurm mit vielem Aufwand?, deckte ihn mit Kupfer und behängte ihn mit neuen Glocken. Unter Maria Kleopha Schenk von Kastel (1672—1683) wurde die Kirche durch Feuer, welches die Franzosen in der geplünderten Stadt angelegt, sehr verwüstet, das Kupfer der hohen Thurmhelme und die Glocken zerschmolzen und alle Altäre der Kirche wurden zerstört. Alsbald ließ die Aebtissin die Kirche wieder soweit herstellen, daß der Gottesdienst in derselben gehalten werden konnte. Der Weihbischof Sigismund Müller von Konstanz weihte am 16. und 17. September 1681 die Kirche und die Altäre. Unter Maria Regina von Ostein (1693—1718) und Maria Barbara von Liebcnfels (1718—1730) ward die Kirche vollendet. Am 1. Dezember 1751 brach durch Fahrlässigkeit des Orgelbauers, der die Orgel ausbesserte, Feuer aus, das die Dächer der Thürme und des Langhauses zerstörte und auch im Innern der Kirche Schaden anrichtete. Die Aebtissin Helena Franziska von Roggenbach (1753 —1755) ließ das Dach des Langhauses wieder herstellen und die ganze Kirche mit den jetzt noch vorhandenen Gemälden ausschmücken. Durch die letzte Aebtissin Maria Anna von Hornstein-Göfsingen wurden die Thürme neu gedeckt und mit den zwiebelförmigen Kuppeln versehen. Das Hauptbild des Altars stellt die Verherrlichung des heil. Fridolin dar, der durch den h. Hilarius in den Himmel eingeführt wird. Auch in dem Deckengemälde des Mittelschisfes ist die Aufnahme des heil. Fridolin unter die Seligen des Himmels dargestellt. Die Decken in den Seitenschiffen sind mit Scenen aus dem Leben des Heiligen bemalt und zwar ist im südlichen Seitenschiffe der Schlaf Fridolins unter dem Baume, das Wunder mit dem Becher, Fridolin als Prediger; im nördlichen der Abschied von der Heimath, die Auferweckung des Urso und die Ableitung des Rheinarmes dargestellt. Ueber dem Cborbogen ist das Bild der Gerichtsscene. Die Inschrift der größten Glocke lautet: In iAns inorior ox lA-ns guasi Ubosnix orior. idioolusa, iussn llosspllas cko Inolzentols pninoi- pissas sanoto llriiloliuo äöäioata. — Fürstin von Inödönlsls alle dapüulstrausn von Ukirt. UoAKönbaoll, Roll Laacksn, Hornstsin-^Voitsr- äivgeu, keiollonstoin, Hornstoin-LloskünAön lissen uns hiessen, Zoss mied llr. ^nt. drissündvr iir ^Valcisllut. Die zweite Glocke: Danäo Osuin, plöllöni vooo, oonAre^o Lüeruin, äetu votum ploro, psstoin kuAv, kesta ckoooro. ^Vio lanAS .lalrr ioll virt Uivgev, nasollst Llott ^UAlsioll äas Doll rvill sin^sn Aebtissin llo- sepda von Inollsutsls. ll'r. ^nt. drissllallsr Avss inioll. Die dritte Glocke: Älaria Oruss rvill ioll clss Da^s 3inal vor- l lünäsu; rvsr nur reollt llotton tuet, cluroll sie er Onaci wirt tincken. 1'r. ^ut. driesllallsr. Die vierte Glocke: Ivsill insnsed ist auk äsr Urü, äsr Insr ssius dleibous dad, ioir rusk 2U seiner 2sit ein ieäen In 6as 6rad. 80 lau^ äsin I-od, 0 6ott, mit unserm 8etmII ^virt klivAsn Drlrult äus tursttiell Ltikt uuck unsers Ltnät LeA^inAsn. nnno 1732. Die fünfte Glocke: llesus Oöitatis, Vii'A'0 puritatis use U0U llo- sepllus pistatis suoourrant uollis In trista UAonia inortis. (xöAossen 1815 von Xarl Uosonlsollsr in lllonstan^. Das runde Siegel des Kapitels zeigte die Brustbilder der h. Hilarius »nd Fridolin mit der Umschrift: LiA-illuin Ciapituli Leeoniens. Das Siegel der Aebtissinnen war oval und zeigte das Bild des h. Fridolin, unten das Familienwappen. Das Banner der Stadt Säckingen war mit dem Bilde des h. Fridolin geschm ückt und es wird erzählt, daß die Bürger, wenn sie mit demselben in das Feld rückten, stets ohne Verlust eines Mannes zurückgekehrt seien. — 312 — Die Fridolinusbruderschaft wurde im Jahre 1519 durch den Bischof von Konstanz, Hugo von Landenberg, bestätigt. Papst Gregor XV. verlieh den Mitgliedern der Bruderschaft am 7. April 1623 folgende Ablässe: 1. einen vollkommenen Ablaß am Tage der Aufnahme in die Bruderschaft nach reumüthiger Beicht und Communion; 2. einen vollkommenen Ablaß in der Sterbestunde nach reumüthiger Beicht und Communion, oder, wenn das nicht möglich, nach andächtiger Anrufung des Namens Jesu mit dem Munde oder wenigstens mit dem Herzen; 3. einen vollkommenen Ablaß für Alle, die am Feste der Himmelfahrt Mariä von der ersten Vesper bis zum Abend des Festtages die Kirche oder Kapelle der Bruderschaft besuchen und allda um die Einigkeit der christlichen Fürsten, die Ausrottung der Ketzereien und die Erhöhung der h. katholischen Kirche beten; 4. einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadragenen nach Erfüllung der eben genannten Bedingungen an Mariä Geburt, Peter und Paul und an den Gedächtnißtagen der heiligen Hilarius und Fridolin; 5. einen Ablaß von 60 Tagen für Anhören der h. Messe oder Theilnahme an einem Gottesdienste in der Kirche oder Kapelle der Bruderschaft, für Anwohnen bei einer Bruderschaftsversammlung und überhaupt für jedes Werk der christlichen Liebe und Barmherzigkeit. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts ging die Bruderschaft ein, wurde aber später mit einigen Abänderungen erneuert und am 11. November 1849 durch Hermann von Vikari, Erzbischof von Freiburg, genehmigt. Der Todestag des h. Fridolin wurde bereits im 10. Jahrhundert mit großer Feierlichkeit und unter Zulauf einer Menge Volkes gefeiert. Dieses Hauptfest am 6. März wurde in neuerer Zeit auf den darauffolgenden Sonntag verlegt. Der Gottesdienst an diesem Tage besteht seit unvordenklichen Zeiten in Predigt, Hochamt und Prozession, bei welcher die Reliquien des Heiligen mitgetragen werden. In neuester Zeit wird auch der Todestag selbst wieder mit Predigt und Hochamt gefeiert. Wittichen bei Schynkenzell, Amt Wolfach. Wallfahrt zur seligen Leutgard. a ich einmal Sehnsucht äußerte, eine Zeit lang in abgelegenem Waldgebirg einsam zuzubringen, wurde mir von dem ehemaligen Kloster Wittichen geredet", schreibt Alban Stolz, der fromme und orginelle Volksschriftsteller. „Wunsch und Rath ließen sich nicht ausführen^ — 313 — doch zog mich der Beschrieb an, daß ich einmal auf der Wanderung jene Gegend aufsuchte. Wo das Badische mit Württemberg (Aspirsbach) zusammenstoßt, geht mau von Schenkenzell durch ein enges Waldthal und kommt in einer Stunde nach Wittichen. Dies ist ein kleines Dorf, eine alte Kirche und ein Kloster, zum Theil abgebrochen; nach allen Orten ist der Ort von hohen Bergen umringt — so abgeschniten von der Welt, als etwas sein kann." So enge ist das Thal, daß der Gebirgsbach durch ein Gewölbe unter dem Pfarrhause neben der Kirche hindurch geleitet wird, tosend wälzt er seine Fluthen über die zahlreichen Felsblöcke im Rinnsale. Gerade wegen dieser Einsamkeit und dem Charakter tiefen Ernstes, welcher der Gegend aufgeprägt ist, eignet sich dieser Ort vortrefflich zur Einkehr in sich selbst und zum gesammelten Gebete, es weht uns der Gebets- und Bußzeist der frommen Seelen entgegen, die einst an dieser Stätte sich geheiligt haben. Im Jahre 1324 gründete hier die selige Lentgard oder Luitgard ein Nonnenkloster nach der Regel der h. Clara, der geistigen Tochter des h. Franziskus und zwar auf Eingebung des göttlichen Geistes, der sie gerade in diese Wildniß führte. Die Königin Agnes, Tochter Kaisers Albert I., Wittwe des Königs Andreas III. von Ungarn, trug am meisten zur Kloster- stiftung bei. Deßhalb gab Kaiser Sigismund den Nonnen auf der Kirchcn- rcrsammlung zu Konstanz 1417 einen Schirmbrief in Gegenwart ihres Schirmvogtes Walter V., Herrn von Geroldseck, der sie gegen die Belästigungen der Ritter auf der Jagd mit ihrem Gefolge sammt Hunden sicher stellte. Dreimal brannte das Kloster ab. — Zur Zeit der Blüthe bestand die Familie aus einer Aebtissin nebst 24 Frauen und Schwestern. Zur Zeit der Reformation scheint sich manches im Kloster geändert zu haben, die Nonnen hatten von den Klosterstürmern viel Ungemach zu erdulden. Verhängnisvoll aber war die Uebergabe des Klosters an den Grafen Wilhelm von Fürstenberg im Jahre 1540, der als Feind des Ordenslebens sich erwies. Die damalige Aebtissin Agnes und eine Klostcr- srau waren die einzigen, welche im Kloster ausharrten. Schon vor der allgemeinen Säkularisation wurden die Klosterfrauen von der fürstenbergischen Regierung in Pension gesetzt und das ansehnliche ^ Klostervermögen eingezogen. Kirche und ehemaliges Kloster, jetzt Pfarrhof, und jedoch in so verwahrlostem Zustande, wie man es nur selten antrifft. In der Hinteren Ecke der Kirche befindet sich rechts der Sarkophag der seligen Luitgard. In liegender Stellung ist ihre Statue in Lebensgröße aus Stein auf dem Deckel ausgemeißelt. Ein Reliquiarium, welches darauf ruht, umschließt ihr Haupt mit dem iu wunderbarer Frische erhaltenen Gehirn. Hierher wenden sich die Pilger, um Linderung von Kopfweh, Schwindel zu erlangen und Bewahrung vor jähem Tode zu erbitten. Möge der Himmel einmal das zur nothwendigen Restauration dieses altehrwürdigen Heiligthums geeignete Werkzeug hierher senden! Wenn irgend ein Gnadenort verdient, der Vergessenheit entrissen zu werden, so ist es dieser! Das Leben der seligen Liutgard, der Stifterin von Wittichen (7 1348) hat ihr Beichtvater, Pfarrer Berthold von Bombach in der anmuthigei, Sprache jener Zeit beschrieben. (S. Quellensammlnng der badischen Landesgeschichte herausgegeben von F. I. Mone III. Band, Karlsruhe 1863). Alban Stolz gibt davon einen Auszug in seiner Legende auf den 16. Oktober, den Festtag dieser Seligen. Die Kapelle auf dem Otzmenberge mit der Wallfahrt zum h. Judas Thaddäus. /W,twa eine Viertelstunde von St. Märgen entfernt steht auf dein Ohmenberge eine Kapelle, dem heil. Apostel Judas Thaddäus geweiht, zu welchen aus der Umgegend viele Pilger wallfahrten. Man Hut von hier eine herrliche Aussicht ins Breisgau, sowie eine schöne Rundsicht ans die Berge des Schwarzwaldes. Nordwestlich liegt das 1^/z Stunden entfernte Priesterseminar zu St. Peter gerade vor den Augen des entzückten Pilgers. Das Kirchlein enthält drei schöne Altäre, der Hochaltar ist dein h. Judas Thaddäus geweiht, der rechte Seitenaltar den vierzehn Nothhelfmi, ber linke den heiligen Büßern. (Das Altargemälde stellt den König David, Magdalena, Petrus, den rechten Schächer und die Büßerin Thais dar). Die Gemälde des Plafonds enthalten Scenen des Schutzes der hh. Engel, denen nebst unserem Apostel die Kapelle geweiht ist. In den siebenziger Jahren wurde die Kapelle im Innern restaurirt. Die Verehrung des heil. Judas Thaddäus scheint schon in den ersten Jahrhunderten des Klosters St. Märgen durch die regulirten Chorherren besonders gepflegt und verbreitet worden zu sein. Dies geht zunächst aus dem Umstände hervor, daß die Ohmenkapelle vor allem diesem großen Apostel geweiht ist, diese Kapelle selbst aber schon in früheren Zeiten genannt wird. Die ältesten jetzt noch vorhandenen Votivtafeln datiren aus dem Zahre 1740. Aus dem Jahre 1745 ist sogar auf einer solchen Votivtafel nochdas Mannscript, dessen Unterschrift jedoch unleserlich geworden, vorhanden. Es heißt darauf: „Wegen Gliederschmerzen ist mir geholfen worden." Aus genanntem Jahre ist eine weitere Tafel zu sehen, auf der ein Kranker abge- — 315 — bildet ist, über welchem der h. Thaddäus schwebt. Unten stehen die Worte: ^Dnrch die Hülfe des h. Apostels Judas Thaddäns ist ihm geholfen worden." Auf einer andern Tafel steht: „Gott dem Allmächtigen, wie auch dem heil. Apostel Judas Thaddäus zu Ehren und schuldigster Danksagung hat Johannes Ketterer und seine Hausfrau L. Fehrenbächin aus dem Simonswald diese Tafel vorher verlobt und machen lassen, weilen er große Schmerzen an einem Arm gelitten ruft er nächst Gott den heil. Judas Thaddäus um Hilf und verlobte eine Wallfahrt mit dieser Tafel anhero, und nachdem er sich verlobt und versprochen, haben die Schmerzen allgemach »achgelassen, kann also den Arm wieder brauchen wie zuvor und ohne I Schmerzen. Vor diese große Gnad sagten beide dem allerhöchsten Gott und I dem h. Apostel Thaddäus ewiges Lob, Ehr und unendlich Dank 1781." Von den vielen Gedenktafeln sei nur eine erwähnt, welche der letzte Nt Joseph anfertigen ließ. Auf derselben ist dargestellt, wie vor seinem I sechsspännigen Wagen, in dem er sitzt, die Pferde in den Franzosenwirren I des Militärs wegen scheu wurden, wie die Bedienten dieselben nicht mehr zu I lmeistern vermochten, er aber auf Anrufung des h. Judas Thaddäus hin I gmttet wurde, weßhalb unter dem Bilde folgendes zu lesen: „Dem heil. I Was Thaddäus, seinem größten Wohlthäter, treuen Gefährten und liebe- I «ollen Erretter aus den dringendsten Gefahren, widmet dieses Denkmal der I pflichtschuldigsten Dankbarkeit I. A. Z. N. M." An dem Wege von St. Märgen zur Kapelle befinden sich die 14 I Stationen. St. Margen im Schwarzwalde. M°,twa 20 Kilometer östlich von Freibnrg im badischen Schwarz- .^nvald liegt das Pfarrdorf St. Märgen, früher Mariazell ge- I »»mit, ein weithin berühmter Wallfahrtsort. An diesem Orte erbaute Bruno I m Hohenberg, Dompropst zu Straßbnrg, im Jahre 1118 oder 1120 eine I Kirche und ein Kloster zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria, deren I Bildniß, das noch heute daselbst verehrt wird, er in der Kirche aufstellte und I darnach auch den Ort oeila Narias nannte. I Im Jahre 1091 hatte Berthold II. von Zähringen das Kloster St. I l'üer im Schwarzwalde gestiftet. Dieses Kloster sollte eine Stütze der allc- I ^nnisch-welfischen Partei sein und seinen Einfluß für dieselbe aufbieten, ^'kgen diese Partei war die fränkisch-ghibellinische, zu der besonders die Gra- von Hohenberg gehörten. Dem Einflüsse, welchen die Abtei St. Peter ausübte, mußte entgegengearbeitet werden und deshalb faßten die Hohenber- — 316 — gcr den Entschluß, die Abtei Mariazell zu gründen. Der Bruder Bruno's voir Hohenberg, Graf Albrecht, der letzte weltliche Nachkomme der älteren Linie dieses Geschlechts, lebte noch 1096 ans Wieseneck, muß aber bald darauf gestorben sein. Bruno erbte einen Theil der Herrschaft Wieseneck und erbaute nun das genannte Kloster auf eigenen Grund und Boden. Auf An- rathen seines Freundes, des Bischofs Richwin von Tonl, übergab er dasselbe dem Orden der Augustiner, und zwar Mönchen aus Lothringen und begiftcte das Kloster mit mehreren Hofgütern im Zartnerthale, sowie mit ausgedehnten Gebirgswaldnngen. Noch nicht lange waren die Augustiner in dem neuen Kloster ansässig, da begann auch schon der Streit mit den Benediktinern von St. Peter und St. Gallen. Die Augustiner verloren den Muth und ihr Propst Dietrich, des Streites müde, übergab die Schlichtung des Streites dem Bischöfe Ulrich von Konstanz. Dieser, selbst Augustiner, schickte die lotharingischen Brüder in ihre Heimath zurück und besetzte das Kloster mit einheimischen Mönchen unter Leitung des Propstes Otto, eines klugen und kräftigen Mannes. Dann brachte er es 1121 zu einem Vergleiche zwischen dem Probste einerseits und den Aebten von St. Peter und St. Gallen andererseits, welchem Vergleiche auch Berthold von Zähringen und Domprost Bruno von Straßburg anwohnten. Der Domprost Bruno erkannte wohl, daß der Bestand seines Klosters leich t nach seinem Tode gefährdet sein könnte und deshalb suchte er um päpstliche Bestätigung und Beschirmung desselben nach. Diesem Gesuche entsprach Papst Honorius II. durch Bulle vom 27. November 1125. Die Hauptbestimmungen derselben sind: 1. Papst Honorius nimmt den Abt Otto und seine Brüder und ihm I Ort in den Schutz des apostolischen Stuhles, weil sie sich demselben I zinsbar gemacht aus Rath und Eingeben des straßburgischen Propstes Bruno, eines Mannes von ausgezeichneter Tüchtigkeit, der dieses Gotteshaus gestiftet und mit seinen Gütern ausgestattet hat; 2. soll es keinem Bruder nach Ablegung der Profeß erlaubt sein, etwas Eigenes zu haben, noch ohne Erlaubniß des Abtes oder der Kongregation das Kloster zu verlassen; 3. soll bei Wahl eines Abtes weder Betrug noch Gewalt stattfinde», sondern jener, dem entweder Alle, oder der gescheitere Theil der Bruder beistimmt, diese Würde erhalten. Auch soll sich niemand in diese Wahl einmischen, außer solche kirchliche Männer, die etwa die Kongregation selbst bezeichnet; 4. soll in Erwählung eines ^. civoemti ( Schirmvogtes) der Abt mit lleber- cinstimmnng der Brüder die freie Wahl haben, und im Falle der Schirmvogt dem Gotteshaus nicht treulich an die Hand ginge, oder gar dessen Güter angreifen wollte, soll es wiederum dem Abt i»ü Uebereinstimmung der Brüder freistehen, einen andern zu wählen; — 317 — 5. die Weihe der Geistlichen, der Kirche und Altäre soll der Bischof der Diözese ertheilen; >6. soll in der Kirche, wenn schon Blut darin wäre vergossen worden, dennoch der Gottesdienst können abgehalten werden, wenn nur kein allgemeines Interdikt für den ganzen Kirchensprengel ergangen wäre; 7. sollen ihre Güter, die sie selbst oder ans ihre Kosten bei dem Orte selbst anbauen, zehentfrei sein. Auch wird der Vertrag zwischen St. Märgen und der Kirche St. Galli, den Zehnt betreffend, durch päpstliches Ansehen bestätigt; 8. soll Niemand darwider sein, wenn sich Jemand Hierselbst das Begräbnis erwählet; 9. soll sich Niemand unterstehen, die jetzigen oder noch rechtmäßig zu erwartenden Güter anzugreifen; 1V. soll das Gotteshaus zur Erkenntniß des Schutzes alle zwei Jahre dem Papste eine Priesterstola bezahlen. Zuletzt wird den Wohlthätern des Gotteshauses alles Gute gewünscht, hingegen sollen jene, welche das Gotteshaus ungerecht angreifen, nach dreimaliger Ermahnung mit der Excommunication bestraft werden. Bald darauf muß der Stifter Bruno gestorben sein. Das Kloster bewähr te seinem edlen Gründer ein dankbares Gedächtniß nicht bloß durch die feierliche Begehung seines Jahrtages, sondern auch dadurch, daß es ihn in seinem Convent-Siegel darstellte, wie er ehrerbietig vor der heil. Jungfrau kniet und ihr über seinem Familienschilde hin die neugestiftete Kirche entgegenhält, sie ihrem himmlischen Schutze empfehlend. Neben diesem Bilde stehen die Worte: Bruno cio HolronllsrA tunäator. Am 27. August 1127 starb zu Mariazell der Bischof Ulrich von Konstanz auf der Rückkehr vom Reichstage zu Worms. Nach dessen Tode brach wiederum ein heftiger Streit mit dem Kloster St. Peter aus, welcher 1136 durch den päpstlichen Kardinallegaten Dietwin geschlichtet wurde. In der Folge erhielt das Kloster bedeutende Besitzungen, so 1182 die Kirche zu Hofingen, 1236 die Kirche zu Waltershofen, Güter zu Mengen. l-71 kaufte es das hohenbergische Hofgut zu Thingen um 260 Mark Gold. Ebenso erwarb es das ganze Dorf Merdingen. Die ersten Schirmvögtc des Klosters waren die Grafen von Hohen- bcrg. Albrecht von Hohenberg bestätigte 1276 die Rechte und Privilegien des Klosters, 1293 verkaufte er jedoch die Schirmvogtei mit der Burg und «Herrschaft Wieseneck an den Freiburger Patrizier Burghard Turner für 1266 Mark Silber. Der Abt Ditmar von Hundsweiler (1297 —1328) errichtete eine Kakelte im Thurme der Kirche, welche 1316 eingeweiht wurde. Seine Schwester ^-°phia, Ehefrau des Ritters Hermann von Wcißweiler, eines Guts- besitzers in Wellingen, übertrug dem Kloster bedeutende Besitzungen im letzteren Orte. Nicht lange blieb die Herrschaft Wieseneck und die Schirmvogtei bei der Turner'schen Familie, 1318 ging sie an die sreiburgische Patrizierfamilie Schnewelin über. Diese stammte von einem schwäbischen Dienstmanne des Grafen Egeno von Urach ab, es waren Emporkömmlinge, die, vom Glücke begünstigt, einen bedeutenden Einfluß in der Stadt Freiburg wie im ganzen Breisgau sich errungen hatten. Kaum im Besitze der Herrschaft Wieseneck, suchten sie ihre Macht zu benutzen, die Rechte des Klosters Mariazell zu schmälern und sich dadurch zu bereichern. Die Chronik von Mariazell sagt von ihnen: „Diese Schnewelin kann man billig eine Pestillenz unseres Gotteshauses nennen, indem sie selbes mehr als unchristlich verfolgt und zu Grunde gerichtet." Zunächst wollte Johann Schnewelin das Vogteirecht auch auf die Salgüter des Klosters ausdehnen. Dem widersetzte sich der Convent und es ward ein Schiedsgericht ernannt, um über diese Sache zu entscheiden. Dieses aber bestand aus zwei Vettern des Schnewelin, dem Freiburger Bürgermeister und dessen Bruder, und so war es natürlich, daß das Urtheil zu Ungunsten des Convents lautete. Abt und Convent protestirten gegen dasselbe und legten Berufung an den Papst Johannes XXII. ein, der durch Bulle vom Jahre 1320 den Schiedsspruch für ungültig erklärte. Aber Schnewelin kümmerte sich darum nicht; mit größercrWuth verfolgte erdie Mouche, so daß diese sich gezwungen sahen, das Kloster zu verlassen, welches zwei Jahre lang offen, leer und verödet blieb und so Zeugniß von dem himmelschreienden Uebermuthe dieser Emporkömmlinge gab. Endlich wendete sich der Abt von St. Peter, Gottfried von Lötschbach durch Schreiben vom 8. I März 1322 an den Papst und beschwor denselben, zur Wiederherstellung des beraubten und entvölkerten Klosters seine mächtige Hand zu reiche». I Johannes XXII. übertrug die Untersuchung dem Prälaten von Roth und I dem Probste von Oeningen. Diese luden den Schnewelin vor; aber er erschien I nicht, sondern wüthete noch schlimmer gegen das Kloster. Nun erfolgte die Aussprechung des Bannes. Am S. Dezember 1323 erließ Papst Johannes XXII. eine neue Bulle au den Bischof von Constanz, woraus dieser drohte, i den Kirchenbann feierlich an Sonn- und Feiertagen in allen Kirchen Frei- ^ burgs verkünden zu lassen. Jetzt endlich unterwarf sich Schnewelin mit seinem Vetter, dem Bürgermeister zu Freiburg und der Abt nebst Convent konnten in ihr Kloster zurückkehren. Aber schon unter dem Sohne dieses geächteten Johann Schneivcli» wiederholten sich ähnliche Angriffe. Der Abt Konrad III. (1329 -1355) hatte sich behufs Rückgabe der von Schnewelin unrechtmäßig in Besitz genom- menen Güter an den Papst Benedikt XII. gewendet, welcher auch eine Cm» Mission zur Untersuchung ernannte. Hierüber ergrimmt, ließ Schnewelin de» — 319 — Abt Konrad nebst 3 Chorherren ergreifen, nach Wieseneck führen und in den Thurm werfen. Er suchte dieselben zum Nachgeben zu zwingen, jedoch ohne' Erfolg und nach mehreren Monaten ward er genöthigt, die Gefangenen frei zu geben. Am 21. März 1347 ernannte Papst Clemens VI. den Probst von Zurzach zum Untersuchungsrichter. Dieser verhängte den Bann über Johann Schncwelin, bis dieser genug gethan. Endlich im Sommer 1348 kam ein Vergleich ans sechs Jahre zu Stande, nach welchem Schncwelin einen Theil der Güter zurückgeben sollte, dagegen aber vom Banne entledigt wurde. Nach Ablauf dieser Zeit aber begannen die Feindseligkeiten von Neuem und Abt Konrad wurde bei seiner Rückkehr von Freiburg nach St. Märgen 1355 bei der Kapelle oberhalb Ebnet von Mordgesellen des Schncwelin ermordet. Es folgte nun Abt Werner (1355 — 1370), wahrscheinlich ein Neffe des Abtes Dietmar, welcher vor allen Dingen bemüht war, die Streitigkeiten mit den Schutzvögten 'zu beendigen. Deshalb suchte er am 13. Juni 1357 beim Papste die Aufhebung des Banns nach. Um aber dem Kloster St. Märgen einen besseren Hinterhalt zu verschaffen, strebte er eine Vereinigung desselben mit dem Kloster Allerheiligen in Freiburg an, welche auch dadurch zu Stande kam, daß er ans die Abtswürde verzichtete und nun Bcrthold, Abt von Allerheiligen, Vorsteher beider Klöster wurde. Zu dieser Vereinigung gab denn auch Bischof Heinrich von Konstanz seine Einwilligung. Abt Berthold (1370—1385) bewirkte nun am 10. April 1372 eine Ueber- einkuiift mit der Familie Schnewelin, in welchem diese auf alle Ansprüche an das Kloster verzichtete. 1375 ward sodann das Kloster unter den Schutz des Hauses Oesterreich gestellt. Im Jahre 1378 gingen Burg und Herrschaft Wieseneck an die Ritter M Blumeneck durch Kauf über. Auch diese waren dem Kloster nicht geneigt. Abt Berchtold wurde am 5. September 1385 von den Chorherren in Convent ermordet. Die Veranlassung war folgende: Die Chorherren verlangten, daß das Vermögen des Klosters in einzelne Pfründen getheilt »nd jedem von ihnen eine Pfründe zuertheilt werde, eine Forderung, welche sowohl der Ordensregel überhaupt als auch der Stiftungsurkunde entgegen war. Dem widersetzte sich der Abt. Die aufrührerischen Chorherren aber fanden eine Stütze an den Herren von Blumeneck. Auf den Abt Berchtold folgte Johannes Schegele (1385—1401) als Abt, welcher ebenfalls wegen der, ^ogtei Streit mit den Blumeneckcrn hatte und auf deren Veranlassung am -9. Dezember 1401 in der Hohlgasse unweit Merdingen von Bewaffneten meuchlerisch erschlagen wurde. Wegen dieses Mordes wurden die Blumen- eckcr in Acht und Bann erklärt, und zwar auf Andringen der Stadt Frci- duvg, wo Marienzell das Bürgerrecht besaß. 9 Jahre hindurch verharrten dieselben im Banne, dann schlichtete Erzherzog Friedrich von Oesterreich den Streit durch seinen Landvogt und die Blnmenecker versprachen, jährlich sieben Pfund Pfennigmünze als Zins zur Genugthuung an das Kloster zu zahlen. Im Jahre 1430 ward das Kloster und die Kirche völlig in Asche gelegt. Eine Inschrift am Chöre der Kirche sagt darüber Folgendes: Veits, 8. Usri-o heiß ich warlich ttimo 1430 verbrant ich schandlich Mit Glocken, Orgeln, Kelchen, Büchern und allen Dingen Die haben wir sicher nit mögen wieder bringen. Abt Lrdsrt tZotdkoxk hat mich erbauen im Jar 149Z zu Ehren Gottes und Maria fürwar. Auch unter den folgenden Aebten dauerten die Streitigkeiten mit den Klostervögten fort, um so mehr, als 1450 die Vogtei wieder an die Schne- welin überging. Marienzell ward in Folge dessen tief verschuldet und W Johann V. (1401—1474) that nun mit seinem Convente einen verzweifelten Schritt, sie verkauften das ganze Besitzthum des Klosters, mit Ausnahme der Kirche und des Zehnten für den Pfarrer, am 29. April 1462 für 4800 Gulden an die Stadt Freiburg. Das Gebiet des Klosters war 4 Stunden lang und 4 Stunden breit, es enthielt 3000 Jauchert Wald, 80 Bauernhöfe und 90 Erblehen. Die Stadt bezahlte indessen nur M Gulden und verpflichtete sich, die Schulden des Klosters zu decken, was aber nicht geschah. Auch mußten die schlauen Stadtherrn durch eine List sämmtliche Urkunden des Klosters an sich zu reißen. Der Convent siedelte nach Allerheiligen über, nur drei Chorherren blieben, die Pfarrer von Sankt Märgen, Hüfiug und Weil. Im Jahre 1474 wurde Erhard Rotkopf Propst von Allerheiligen, Sein Bestreben ging dahin, den vorhin genannten Verkauf an die Stadt Freiberg umzustoßen. Dafür gab er folgende Gründe an: 1. weil im Stiftsbriefe von Marienzell eine solche Veräußerung verböte» und nach kirchlichem Rechte null und nichtig sei; 2. weil die Stadt Frciburg den Kauf überschritten und die dem Kloster gehörigen Briefe zurückbehalten; 3. weil sie ihren Verpflichtungen überhaupt nicht nachgekommen sei. Im Jahre 1490 kam es durch die Zünfte zu einem Vertrage zwische» Kloster und Rath, worin zwar das Recht fixirt war, nach dem man sich über später nicht richtete. Auch mit den Conventualen hatte Probst Erhard viele Kämpfe zu bestehen, da er auf Erweiterung des Klostergebetes und des Gottesdienstes, sowie Einhalten der Residenzpflicht drang. Er bat deshalb 1494 den Bischof von Constanz um Visitation des Klosters, der sich aber die Conventualen widersetzten und nur den Abt von Cruzlmgen zur Visitation zulassen wollten. — 1493 baute er die Kirche zu Marge» wieder aus. — 321 — Im Jahre 1518 am Vorabende des Festes Philipp! und Jakobi legte ein Brand das Gotteshaus Allerheiligen bis auf die Kirche in Asche. Dadurch war das Kloster hart bedrängt, so daß nach dem Tode des Propstes Leonhard kein neuer Probst gewählt wurde, sondern der Abt von Creuz- lingen den Heinrich von Hupshofen als geistlichen und weltlichen Verwalter nach Allerheiligen sandte, welcher für die völlige Herstellung des Klosters sorgte und die Stiftsgüter von St. Märgen wieder zu gewinnen bestrebt war. Dieses gelang ihm aber ebenso wenig, als sein Bestreben, die Pfarrei Haslach bei Freiburg der katholischen Religion zu erhalten. Denn aus Befehl des Markgrafen von Baden-Durchlach wurde 1556 den Priestern von Allerheligen die Kirchenthüren verschlossen und der Zehnte entzogen, was dann den Prädikanten zugewiesen wurde. Dazu mußte Heinrich noch ein weiteres Unglück erleben, am 29. Mai 1566 brannten Kirche und Pfarrhof zu St. Märgen gänzlich nieder. Nun trat er im Jahre 1574 von der Verwaltung zurück. Unter den folgenden Aebten waren es besonders Ulrich Stählin und Zakob Geiger, welche wieder ernstliche Schritte zur Erwerbung der Güter von St. Märgen thaten. Besonders Letzterem gelang es, sich Oesterreich günstig zu stimmen, so daß der Reichskanzler Dr. Lindner 1614 die Freiburger Räthe, welche die Rechte der Stadt geltend zu machen suchten, bei der Verhandlung im Starken „Knöpfe" nannte, indem er an den Degen schlug und Geiger ermunterte, bei der Regierung die Sache weiter zu betreiben. Gleichwohl blieb der Stadtrath hartnäckig und zudem brach bald der Schwedenkrieg aus, in Folge dessen der Propst 1632 nach Konstanz flüchtete, von wo er zwar 1634 zurückkehrte, aber 1635 starb. Auf ihn folgte als Probst Konrad Henne, der aber 1638 nach Oesterreich sich flüchtete und das Kloster seinem Schicksale überließ. Dieses war bald ganz verlassen und wurde dann am 4. Oktober 1644 vom schwedischen Obersten Kanofskp unterminirt und zersprengt. Probst Christoph stellte das Gebäude wieder her und von da an hatten die Conventualen Ruhe bis M Ausbruche des Franzosenkrieges. Unter Probst Georg Kourad (1672—1682) wurde 1677 Freiburg den Fra nzosen übergeben und sodann das Kloster Allerheiligen der Befestigung wegen wiederum zerstört. Nach dem Tode des Probstes Konrad wurde Adam Schmid von Brei sach zum Probste gewählt, welcher auch von König Ludwig von Frankreich bestätigt wurde. Er ist der Verfasser eines interessanten Tagebuches, welches die Geschichte der Klöster Allerheiligen und St. Märgen bis 1698 enthält. Er kaufte vom Weihbischofe das Haus zum goldenen Löwen und bas zum Laudeck in Freiburg. Endlich im Jahre 1699 gelang es dem Probste Dominik Simonis (1698—1713) den Meierhof in St. Märgen um 21 — 322 — 9340 Fl. von Freiburg zurückzukaufen. 1704 brannten Kirche und Pfarrhaus zu St. Märgen zum dritten Male ab. Am 22. Dezember 1713 wurde der kreuzlingische Chorherr Andreas Dilger einstimmig zum Probste erwählt und erhielt die königliche und nach Abschluß des Rastatter Friedens die bischöfliche Genehmigung. Zunächst stellte er für die Probstei Allerheiligen ein neues Gebäude her. Sodami ließ er das Kloster St. Märgen von Grund aus neu aufbauen, so daß schon am 10. Oktober 1723 das Gnadenbild nach fast 25 jähriger Abwesenheit in feierlicher Prozession von Allerheiligen nach Mariazell zurückgebracht werden konnte. Dieses wunderthätige Bild wurde nämlich im Jahre 1474 von dem Convent nach Allerheiligen überbracht, woselbst es ebenfalls wie früher schon in St. Märgen durch viele und auffallende Wunder glänzte. Bei der gänzlichen Zerstörung Allerheiligens 1677 wurde es in die Kirche der ehrwürdigen Emeriten-Väter des h. Augustinus verbracht, worauf es 1700 in die Privatwohnung der regulirten Chorherren, in welcher mit Genehmigung des geistlichen Obern eine Hauskapelle errichtet worden, übersetzt wurde. Das marianische Büchlein fügt hinzu: „Es hat auch der gütigste Gott durch die Fürbitt Mariä diesen kleinen Anfang also gesegnet, daß aus dieser Hauskapelle anno 1715 eine förmliche Kirche und dem Privat-Gebäu ein Collegium der regulierten Chorherren geworden ist. Bei diesem so reichlichen Segen wäre die barmherzigste Jungfrau Mutter Mariä nicht vergnüget, sondern sie brachte es durch ihre allvermögende Fürbitt auch dahin, daß ihre erste Wohnung Mariä-Zell, aus welcher sie 1474 abgewiesen, und welche sie, wegen stets anhaltenden göttlichen Strafruthen nämlich Pest, langwierigen Krieg, Ketzereien, Brünsten, Hunger, mit welchen der erzürnte Gott die sündige Welt durch viele Zeiten züchtigte, nicht mehr bezogen hatte, wiederum auferbaut und der göttliche Dienst von den regulierten Chorherren allda gehalten wurde. Indem nun dem grundgütigsten Gott beliebet, diese uralte Prälatur und Zellen seiner jungfräulichen Mutter Maria wiederum aufzubauen, so war für ganz billig erachtet, dem göttlichen Willen gefällig zu sein, daß die Gnadenbildnuß seiner jungfräulichen Mutter Maria ebenfalls in diese ihre erste Wohnung auf dem Schwarzwald beigesetzet sollh werden; wie dann diese Translation im Jahre 1723 geschehen und den 10. Oktober in möglichster Solennität gehalten worden." Der Bau der Kirche und des Klosters war aber mit vielen Schwierigkeiten verbunden, weshalb Probst Andreas 1724 selbst nach Marienzell zog, um denselben zu überwachen. So konnte denn im April 1725 die Einweihung der Kirche und des Klostergebäudes stattfinden und am 2. September 1729 geschah der Umzug aus dem Pfarrhofe in das Kloster. Probst Andreas sagt in Betreff des Neubaues: „Die innerliche Angst, Verfolgung und viel Anderes seind mir Zeichen, daß der Herr beschlossen, diese beiden Gotteshäuser sollen in Kreuz und Trübsal auferbaut werden." — 323 — Auf ihn folgte als Probst Peter Gluck (1726—1766), dessen Verwaltung ebenfalls durch äußere und innere Kämpfe gekennzeichnet ist. Im österreichischen Erbfolgekrieg, bei der Belagerung von Freiburg (1744) mußte er zweimal flüchten. Seine Bemühungen zur Wiedererlangung der dem Kloster entfremdeten Güter waren ohne Erfolg, auch die strengere Handhabung der klösterlichen Zucht erregte bei verschiedenen Chorherren Unzu- stiederheit. Deshalb gedachte er, sein Amt niederzulegen und nur die Zuspräche des Abtes von St. Peter hielt ihn davon ab. Unter feinen! Nachfolger Michael Fritz (1766—1797) wurde das Fest des 56jährigen Einzugs-Jubiläums des Einzugs Mariä feierlich begangen. Aber viele Bedrückungen hatte das Kloster von Seiten der österreichischen Regierung zu erdulden, da durch die Maßregeln des Kaisers Joseph II. von Seiten der Regierungsbeamten fortwährende Eingriffe in die Gerechtsame des Klosters vorkamen. Ueber diesen Probst gibt Professor Klüpfel in seinem Xöerolog-inrn socialinw folgendes Zeugniß: „Derselbe war des Amtes, das er bekleidete, in hohem Grade würdig durch die trefflichen Gaben seines Geistes, durch seine gründliche Gelehrsamkeit und seinen tugendhaften Charakter. Der sein gebildete, sanftmüthige, durchaus redliche und gegen Jedermann wohlwollende Prälat gewann auch die Herzen Aller, welche ihn kennen gelernt. Der letzte Probst war Joseph Kurz ( 1797 —1867), Unter ihm stand das Kloster in hoher Blüthe und zeichnete sich in wissenschaftlicher Hinsicht^ besonders in der Musik aus. Die Kapitulare Eberhard und Kämmerer ertheilten den Spieluhrmachern des benachbarten Schwarzwaldes musikalische Unterweisung, was zu dem Aufschwung der schwarzwälderischen Uhrindustrie wesentlich beitrug. Im Jahre 1867 ward das Kloster aufgehoben. Das Vermögen desselben betrug 362,584 Gulden, welches mit 58,775 Gulden belastet war. Kurz lebte bis zu seinem Tode (1836) in Freiburg. Im Jahre 1869 wurde die Kirche gründlich restaurirt. Durch Breve des Papstes Leo XIII. vom 29. März 1878 wurden den Pilgern nach Mariazell folgende Ablässe bewilligt: 1. vollkommener Ablaß am Feste Mariä Himmelfahrt und am Feste Mariä Einzug (2. Sonntag im Oktober) sowie während der Oktav dieser Feste unter den üblichen Bedingungen; 2. Ablaß von 7 Jahren, so oft sie während derselben Zeiten die Kirche besuchen und die Gebete verrichten, ohne die h. Sakramente zu empfangen. 21* — 324 — Die Wallfahrt St. Ulrich im Kreise Freiburg. /^.twa 2 Stunden südlich von Freibnrg, im Amte Stauffen, liegt I^Wdas kleine Pfarrdorf St. Ulrich, berühmt als Wallfahrtsort zum h. Ulrich, Beichtiger und erstem Prior des früheren Klosters daselbst. Besonders am 10. Juli, dem Tage des h. Ulrich und am darauf folgenden Sonntage, wo das Ulrichsfest in der ehemaligen Priorcitskirche hochfestlich begangen wird, strömt eine große Menge Pilger dorthin, um diesem Heiligen ihre Verehrung zu bezeugen und seine Hülfe in Anspruch zu nehmen. Da das Leben dieses Heiligen weniger bekannt ist (derselbe ist nicht zu verwechseln mit dem h. Bischof Ulrich von Augsburg), so sind wir genöthigt, dasselbe in kurzen Umrissen hier zu schildern. Der h. Ulrich, Benediktiner aus der Cluniacenser-Congregation, wurde um das Jahr 1015 zu Regensburg aus hohem Geschlechte geboren. Sein Vater Bernoldus stand bei Kaiser Heinrich III. in großer Gunst und gehörte zu den Vornehmsten des Reiches. Dieser übergab seinen Sohn, an welchem er treffliche Geistesanlagen wahrnahm, tüchtigen Lehrern, welche ihn in den Wissenschaften unterrichteten. Nachdem er herangewachsen, wurde er an den Hof Heinrich's III. berufen, wo er besonders von der Kaiserin Agnes hoch verehrt wurde. Bald darauf ward er von seines Vaters Bruder Nilo, Bischof von Freising, dorthin berufen, zum Diakon geweiht und zum Dompropst ernannt. In einer Hungersnoth verpfändete er seine eigenen Güter, um den Armen zu helfen. Hierauf entschloß sich Ulrich, jene heiligen Orte zu besuchen, wo unser Heiland durch sein Leben, Leiden und Sterben unsere Erlösung vollbracht hat. Während dieser Reise starb sein Onkel Nilo und die Stelle eines Dompropstes wurde von dessen Nachfolger einem Anderen zugetheilt. Als nun Ulrich zurückkehrte und dieses erfuhr, weilte er einige Zeit bei einem Blutsverwandten, welcher Dompropst zu Regensburg war und von wo er dann mit einem Domherrn von Regensburg, Namens Geraldus, nach Rom reiste, von wo sich beide nach Clugny in Frankreich begaben, um in dieses Kloster als Mönche einzutreten. Das Kloster Clugny war damals höchst berühmt und der Abt Hugo, welcher demselben vorstand, genoß in der ganzen Welt damals das höchste Ansehen. Von seinen geistlichen Schülern wurden drei Bischöfe, zwei sogar Päpste, nämlich Urban II. und Paschalis II. Auch Papst Gregor Vl>. war ein Schüler dieses Klosters. Nachdem Ulrich in diesem Kloster sich ausgebildet hatte, ward er wegen seiner vorzüglichen Tugenden Priester und Beichvater des Conventes und zum Novizenmeister ernannt. Hierauf wurde er zum Beichtvater des von Abt Hugo gestifteten Nonnenkiosters zu Marcigniac im Bisthum Autuu er- nannt, wo er infolge vielen Wachens und nächtlichen Schreibens auf einem Auge erblindete. Inzwischen kam ein mächtiger Herr, Lutoldus von Rume- lingen, welcher viele Güter besaß, nach Clugny und ersuchte den Abt Hugo, ihm einige seiner Ordensgeistlichen mitzugeben, um auf seinen Gütern ein Kloster zu erbauen. Dieser gab ihm den h. Ulrich und einen andern Klostergeistlichen, Namens Kuno, mit. Dort nun wurde das Kloster am Rotgers- bcrge erbaut, nach dessen Vollendung Ulrich nach Clugny zurückkehrte. Bald darauf wurde er in das Bisthum Lausanune geschickt, um dem Kloster Paterniac als Prior vorzustehen. Da aber der dortige Bischof, welcher der Gegenpartei Gregor's VII. angehörte, ihm nachstellte, so kehrte er nach Clugny zurück, von wo er alsdann in den Breisgau geschickt wurde. Es wohnt? nämlich in Oberrimsingen ein gottesfürchtiger, adeliger Herr, Hesso mit Namen. Dieser schenkte dem Kloster Clugny einige seiner Landgüter, damit auf denselben ein Kloster errichtet werde. Ulrich wurde nun als Prior mit einigen Mönchen dorthin gesandt und ließ sich zuerst in Grüningen nieder. Da aber dieser Ort ihm nicht einsam genug schien, so verlegte er das Kloster nach Vilmarszell, welches er vom Bischof von Basel durch Tausch erwarb. Die Kirche weihte er zu Ehren der hl. Apostel Petrus und Paulus. Es geschah solches im Jahre 1087. Als Prior stiftete Ulrich in dem Dorfe Bollschweil, eine Stunde von seinem Kloster entfernt, ein Frauenkloster, in welches er sowohl Jungfrauen als auch verehelichte Frauen, welche mit Einwilligung ihrer Ehemänner oder nach deren Ableben im Witwenstande keusch und klösterlich zu leben wünschten, aufnahm und zu einem vollkommenen Leben anleitete. Dieses Kloster wurde III5 nach Sölden verlegt. Reich an Verdiensten und Tugenden starb der h. Ulrich am 10. Juli UM, etwa 78 Jahre alt in dem nach ihm genannten Kloster St. Ulrich im Schwarzwalde, in welchem er die letzten sechs Jahre seines Lebens zugebracht hatte. Als Abt Hugo zu Clugny den Tod seines geliebten Schülers, des hl. Ulrich, vernommen hatte, glaubte er, es gezieme sich, daß der Leichnam dieses Dieners Gottes, dem an Heiligkeit und Verdiensten Wenige gleichgekommen, an keinem andern Orte, als in der Kirche selbst seine Ruhestätte habe. Er ersuchte daher den Bischof Gerhard ill. von Constanz, den ehrwürdigen Aib des Heiligen aus dem Kreuzgange des Klosters in die Prioratkirche zu übertragen, was auch geschah, ein Beweis, wie hoch sowohl Abt Hugo, als auch der selige Gebhard von Constanz den h. Ulrich schätzten. Es scheint aber, daß diese Uebertragung erst, nachdem der h. Leib bereits ganz in Verwesung übergegangen war, stattgefunden habe, denn der Neinerne Sarg, in welchem die Gebeine des Heiligen mitten in der Kirche vor dem Kreuzaltare viele hundert Jahre geruht haben, ist nur 4 Schuh — 326 — lang, 12 Zoll breit und 8 Zoll hoch, hätte also unmöglich den ganzen nn- verwesenen Leib fassen können. Im Jahre 1483 wurde das Priorat in den Schutz des Erzherzog- thums Oesterreich ausgenommen. Unter dem damaligen Prior, Paul von Kunheim scheint das Kloster zweimal abgebrannt zu sein. Das erste Mal vor dem Jahre 1464, denn in diesem Jahre hat Thomas, Weihbischof von Konstanz, vier neue Altäre geweiht: den Choraltar zu Ehren der hl. Apostel Petrus und Paulus und des h. Ulrich; den Altar zur rechten Seite der Kirche zu Ehren des h. Ulrich und des h. Benedikt; den auf der linken Seite zu Ehren der h. Ursula und ihrer Gesellschaft; den in der Mitte zu Ehren des h. Johannes des Täufers und des h. Kreuzes. Wegen der großen Noth, die in Folge dieser Feuersbrunst entstand, wurde ein Geistlicher aus dem Kloster, mit Namen Nikolaus Simondi, zugleich Pfarrverwalter und Prediger daselbst, nach Rom geschickt, um einen Ablaß für Jene zu erwirken, welche dem Priorate hülfreiche Hand bieten würden. In dem von sieben Kardinälen unterzeichneten Ablaßbriefe heißt es: „Das Priorat St. Ulrich habe vor einigen Jahren durch eine beklagenswertste Feuersbrunst großen Schaden an Gebäuden und Kirchenornat erlitten" u. s. w. Als Tage, au welchem ein Ablaß gewonnen werden konnte, werden genannt: das Fest des h. Ulrich, des Patrons des Klosters, das Fest Mariä Himmelfahrt, Mariä Geburt und das Kirchweihfest. Auf diese Feuersbrunst scheint nach wenigen Jahren eine zweite gefolgt zu sein, denn im Jahre 1489 hat Daniel, Weihbischof zu Konstanz, Kirche und Altäre zu St. Ulrich abermals geweiht. Im Jahre 1567 bezeugt Hugo, Bischof von Konstanz, daß die Kirchenmauern wegen Alters und Feuersbrunst ganz baufällig geworden seien, und bewilligt allen Denjenigen, welche dem baufälligen und ganz verarmten Priorate St. Ulrich ein Almosen zum nöthigen Bau und Unterhaltung der Klostergeistlichen geben würden, einen vierzigtägigen Ablaß, den er im ganzen Bisthum von der Kanzel verkünden ließ, ermähnte auch die Prediger, ihren Zuhörern kräftig zuzureden, dieses Werk der Barmherzigkeit zu üben. Aus diesem Ablaßbriefe erfahren wir, daß die Gebeine des h. Ulrich im Jahre 1507 noch in dem Priorate aufbewahrt und verehrt wurden. Im Jahre 1546 wurde das Priorat St. Ulrich der Abtei zu St. Georgen auf dem Schwarzwalde, dann aber 1560 der Abtei St. Peter einverleibt. Papst Gregor XIII. bestätigte diese Jncorporation im Jahre 1578. Am 12. April 1611 wurde die Kirche und das Priorat durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt, hernach aber mit großen Kosten wieder aufgebaut. Der Abt Ulrich Bürgi von St. Peter beschloß, Kirche und Priorat neu aufzubauen, es konnte solches jedoch erst unter seinem Nachfolger Benedikt — 327 — Wülberg geschehen, der 1740 die neue Kirche und im folgenden Jahre das Priorat vollendete. Am 7. Oktober 1742 wurde in der neuen Kirche mit Vollmacht von Rom und Konstanz die Bruderschaft des heiligsten Herzens Jesu eingeführt. Der Bruderschafts-Altar steht auf der rechten, der St. Ulrichsaltar auf der linken Seite, der Chor- oder Hochaltar bildet den Altar zu Ehren der Mutter Gottes und der hh. Kirchenpatronen Petrus und Paulus. — Im Zahre 1744 am 29. Juli wurde das Grab des h. Ulrich oder vielmehr der steinerne Sarg, in welchem Jahrhunderte lang seine h. Gebeine geruht hatten, auf die linke Seite der Kirche an der Mauer übergesetzt, darüber ruhte der h. Ulrich in Stein; ihm zur Seite erhob sich ein steinernes Grabmal mit der Inschrift: Lspulellruiu L. Cllrioi luiraoulis Aloriosuru. Ltn viator äevoto! Huoiu osruis, looulus guouclaru suora lüpsarm tsxit Illrioi, cis guo salus usAris lluotsuus oxit. ksn. 1744. (Grab des h. Ulrich, durch Wunder verherrlicht. Steh still, o frommer Pilger! Hier siehst du den Sarg, in welchem einst Ulrich's heilige Gebeine geruht, von dem Heilung ausgeht für Kranke bis auf den heutigen Tag.) Jetzt befindet sich der steinerne Sarg mit dem darauf ruhenden Heiligen unter dem Kreuzaltar, in der Mitte zwischen dem Herz-Jesu und dem St. Ulrichsaltar. Derselbe wurde im Jahre 1757 neu errichtet und am 9. Juli desselben Jahres von Abt Philipp Jakob Steyrer eingeweiht. Derselbe trägt die einfache Inschrift: „Grab des hl. Ulrich." Das frühere Grabdenkmal des hl. Ulrich findet man in der sogn. St. Ulrichs-Brunnen-Kapelle. Kirche und Kloster stehen auf einem niederen Hügel; an dessen Fuße, nächst der vorbeifließenden Möhlin, entspringt ein Quelle, deren Wasser seit alten Zeiten in einen Behälter gefaßt, den Namen St. Ulrichsbrunnen führt und stets hoch in Ehren gehalten wurde, weil man glaubt, daß dies der erste Brunnen sei, den der h. Ulrich benützt habe und daß demselben eine gewisse Heilkraft mitgetheilt worden sei, weshalb die Alten St. Ulrichswasser bis in ferne Gegenden holen ließen. Ueber diesen Brunnen wurde im Jahre 1771 eine Art Kapelle erbaut. Ueber dem Wasserbehälter siebt man den hl. Ulrich in Stein gehauen in liegender Stellung; ihm zur Seite erhebt sich das steinerne Denkmal, das früher in der Kirche das Grab des h. Ulrich zierte, jetzt aber statt der früheren Inschrift folgende führt: St. Ulrichwasser ein heilsames Wasser. Alle, die Kranke hatten, die mit allerlei Gebrechen behastet waren, brachten sie zu ihm und er heilte sie Alle. 1771. Weiter unten im Bergthale, etwa eine halbe Stunde vom Kloster entfernt, stand ehemals eine kleine Kapelle zu Ehren des h. Ulrich, die, weil zerfallen, im Jahre 1747 einige Verehrer des hl. Ulrich wieder Herstelleu ließen. In den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts war sie neuerdings to baufällig geworden, daß sie ganz abgebrochen wurde. Nach der Sage — 328 — habe der h. Ulrich hier anfangs sein Kloster banen wollen, da aber dieser Ort ihm nicht einsam genug schien, habe er jene Stelle thalaufwärts gewählt. Am 2. Juli 1749 wurde die neue Kirche von dem Weihbischofe von Konstanz, Franz Karl Joseph Graf von Fugger zu Ehren der hh. Apostel Petrus und Paulus, sammt dem Choraltare zu Ehren der allerseligsten Jungfrau, der Apostelfürsten, des h. Ulrich, des h. Erzengels Michael und des h. Benediktus eingeweiht und der Kirchweihtag auf den Sonntag vor dem Rosenkranzsonntag festgesetzt. Am 30. März 1754 erließ Papst Benedikt XIV. einen Ablaßbrief, dahin lautend: das allen Gläubigen, welche ihre Sünden wahrhaft bereuen und beichten, würdig kommuniciren, am 10. Juli als dem Feste des h. Ulrich dessen Prioratskirche andächtig besuchen und daselbst für die Eintracht der christlichen Fürsten, für Ausrottung der Ketzereien, für die Erhöhung unserer h. Mutter der Kirche beten, ein vollkommener Ablaß'bewilligt werde> Am 29. November 1755 kam von Rom die Erlaubniß, daß das Fest des h. Bekenners Ulrich am 10. Juli mit dessen Messe und Tagzeiten indessen Priorate und zu St. Peter (sub ritn äuplioi) zu halten sei. Für Stadt und Bisthum Konstanz wurde genehmigt, daß dasselbe Fest am gleichen Tage ssud ritn ssrniäuplioi) in der Messe und in den Tagzeiten gefeiert werde. Um die Andacht des Volkes zu mehren und die Verehrung des H.Ulrich zu fördern, ertheilte im Mai 1756 Bischof Franz Konrad zu Konstanz die Erlaubniß, daß zu Ehren des h. Ulrich vom 9. Juli Abends an eineneun- tägige Andacht unter Aussetzung und Herumtragung des Allerheiligsteii gehalten werde. Zugleich verlieh er für jeden Tag derselben einen Ablaß von hundert Tagen. Im Jahre 1761 wurde in St. Ulrich die Bruderschaft zu Ehren der hl. Barbara eingeführt, hauptsächlich wegen der Erzgräber in Hofgrund. Im Jahre 1807 wurde das Priorat St. Ulrich aufgehoben, nachdem es 720 Jahre bestanden hatte. Seitdem besteht hier nur noch die Pfarrei St. Ulrich. Die Wallfahrt zu den 14 hl. Nolhhelfern in Biberach, Kinzigkhal. n der Linie Ofsenburg-Singen der badstchen Staatseisenbahil liegt der Pfarrort Biberach mit etwa 1000 Einwohnern. A der dortigen Pfarrkirche werden die 14 hl. Nothhelfer besonders verehrt und aus der ganzen Umgegend strömen Wallfahrer dorthin. Die Pfarrei Biberach, 1618 errichtet, wurde bis 1708 vom Kloster Geu- gcnbach und von da 1722 von Zell aus pastorirt. Im letzteren Jahre wurde auf — 329 — wiederholtes Ansuchen der hiesigen Bürgerschaft zwischen dem Kloster Gen- gcnbach und der Pfarrgemeinde eine Vereinbarung getroffen, der zufolge der Pfarrer seinen Wohnsitz fortan ständig hier hatte. Was die Pfarrkirche betrifft, so läßt die Jahreszahl 1742, welche sich über der Seitenthüre des Langhauses befand, vermuthen, daß letzteres im besagten Jahre an den älteren Chor angebaut worden. Da aber der kleine Raum der Kirche für die Seelenzahl der Pfarrei weitaus nicht genügt, so wurde endlich im Jahre 1874 zur Erweiterung des Langhauses und zum Neubau eines entsprechenden Chores geschritten. Der Bau wurde im Oktober 1875 vollendet, so daß am 19. Oktober die Einweihung geschehen konnte. An diesem Tage wurde das ansehnlich vergrößerte und zum Theil neuge- bautc Gotteshaus und der neue Hochaltar vom hochwürdigen Herrn Bischof Lothar von Kübel, Erzbisthumsverweser in Freiburg, unter Assistenz von 18 Priester und zahlreicher Betheiligung der Gläubigen von hier und der Umgegend feierlich eonsckrirt. Unter dem Pfarrer Fr. Jos. Siebert, der über 29 Jahre der hiesigen Pfarrei vorstand, wurde im Jahre 1759 die Bruderschaft zu den 14 hl. Nothhelfern errichtet und fand bald bei dem Volke hier und in der Umgegend großen Anklang, so daß schon die im Jahre 1772 verfaßten Statuten des Landkapitels Offenburg bei der Pfarrei Biberach erwähnen konnten: Uie Govlratsrnitas Lanotoruw. gnatuorUsairn Xuxiliatornrn trsgnsntata. viget (Hier blüht die vielbesuchte Bruderschaft der hl. 14 Nothhclfer). Die Mitglieder dieser Bruderschaft beten täglich für einander ein Vaterunser und ein Ave Maria und fügen an den Sonntagen das apostolische Glaubensbekenntniß bei. Es ist auch gestattet, diese täglich zu verrichtenden Gebete an einem Tage in der Woche mit sieben Vater unser, sieben Ave Maria und dem Glauben zu beten. Die Ablässe, welche Papst Benedikt XIV. der Bruderschaft verliehen hat, sind folgende: a Vollkommenen Ablaß gewinnen die Mitglieder nach renmüthiger Beicht und Commuuiou: 1. am Tage der Ausnghme in die Bruderschaft; 2. am Titularfeste ( 2. Sonntag im Juli), wenn man von der ersten bis zur zweiten Vesper die Bruderschaftskirche besucht und die üblichen Ablaßgebete verrichtet; 3. iu der Todesstunde. b Unvollkommene Ablässe: 1. Einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Ouadragenen je an dem zweiten Sonntage der Monate März, Mai, September und November. 2. Einen Ablaß von 69 Tagen, so oft die Mitglieder in der Bruderschafts- ürche eine heil. Messe hören oder bestimmte gute Werke verrichten. Die Bruderschaft feiert ihr Hauptfest am 2. Sonntag im Juli. Jeden Sonntag eines Monats ist Brnderschaftsandacht, an welchem vom Mai — 330 — bis Ende September vor dem Hauptgottesdienst Prozession mit dem Aller- heiligsten gehalten wird. In den Wintermonaten werden bei Beginn des Gottesdienstes 5 Vaterunser mit eingeschalteten Rosenkranzgeheimnissen, das Salve ReZina und die Bruderschaftslitanei gebetet. Alle Feiertage (Wall- sahrtstage) ist der Gottesdienst mit Amt von Mai bis Allerheiligen am 8 Uhr, im Winter um 9 Uhr. Dir» St. Wendeli nuskapelle in der Pfarre Nuschach bei Appenweier. twa 4 Kilometer von Appenweier entfernt, im Amt Oberkirch, liegt das Pfarrdorf Nußbach mit ungefähr 700 Einwohnern. Innerhalb dieser Pfarre, auf der Anhöhe über Maisenbühl, erhebt sich eine Kapelle, in welcher der h. Wendelinus besonders verehrt wird. Ueber diese Wallfahrt finden wir folgendes Wenige verzeichnet: Am Wege nach den Höfen im Rohrbach, wo jetzt ein Bildstöckchen steh t, erhob sich seit unerdenklichen Zeiten eine hölzerne Kapelle mit dem Bilde des. h. Wendelinus, zu welcher die Bewohner der umliegender Dörfer häufig wallfahrteten, um die Hülfe dieses Heiligen in ihren Anliegen anzurufen. Diese Kapelle war mit der Zeit durch Ungemach des Wetters verfallen und in Folge dessen wurde der Beschluß gefaßt, aus den Opfern, welche hier dargebracht worden, auf der Anhöhe über Maisenbühl eine neue steinerne Kapelle zu errichten. Solches geschah und der Abt Carolus von Kloster Allerheiligen weihte dieselbe im Jahre 1757 ein. In der neuerbauten Kapelle wurde von nun an am Wendelinnsfeste (2 0. Oktober) ein Amt gehalten und von Zeit zu Zeit in der Woche eine h. Messe gelesen. Seit dem Jahre 1856 findet alljährlich am Wendelinnsfeste Prozession von der Pfarrkirche zu Nußbach aus über den Neuberg zur Kapelle statt, wo während der ganzen Oktav täglich Amt und Predigt gehalten wird. Am letzten Tage wird mit 1s vsuin geschlossen. Auch wird jetzt jeden Dienstag die h. Messe in derselben gelesen. Im Jahre 1880 hat die Kapelle eine eingehende Restauration erfahren müssen, da der Thurm bauffällig geworden war und das Innere und Äußere durch das Alter verschiedene Schädigungen erlitten hatte. 331 Die Wallfahrtskapelle zur h. Odilia bei Freikurg. n der Lebensbeschreibung der h. Odilia wird erzählt, daß diese Heilige, um der von ihrem Vater geplanten Vermählung mit einem Herzoge zu entgehen, ans dem elterlichen Schlosse zu Hohenburg flüchtete, Sie eilte am Rheinstrome aufwärts, ließ sich über denselben hinüberfahren und gelaugte an jene Stelle, wo im Jahre 1118 Berthold, Herzog M Zähringen die Stadt Freiburg erbaute. Ahnend, ihr Vater könnte sie auf der Flucht verfolge», schlug sie den Weg nach Ebnet ein, welches dem alten Freiherrn von Siggingen gehörte, und bog ob der Karthaus in den Wald ein. Nachdem sie noch eine halbe Stunde bergaufwärts durch das Gesträuch sich mühsam fortbewegt hatte bis zum Mußbuch unterhalb des hohen Roßkopfes, glaubte sie einen Ort der Sicherheit gefunden zu haben. Allein auch ihr Vater verfolgte sie auf schnellem Rosse mit seiner Begleitung. Als Odilia sich überall eingeschlossen sah, flehte sie voll innigsten Vertrauens zu Gott, und wie der Herr einst das israelitische Volk durch das getheilte Meer trockenen Fußes führte und errettete, also ward Odilia gerettet, indem ein großer Felsen sich spaltete und die Hartbedrängte an sicherem Orte einschloß. Hier fließt aus jenem Felsen eine Quelle, der Odilienbrunnen genannt, dessen Wasser gegen Augenbeschwerden gebraucht wird. Die Legende berichtet serner, daß Odilia an dieser Stelle eine Kapelle erbaut habe. Unzweifelhaft ist es, daß eine solche seit alten Zeiten hier stand, welche von frommen Leuten unterhalten wurde. Aus den Gaben und Opfern frommer Pilger ward ein Fonds zur baulichen Unterhaltung der Kapelle und eines neben ihr stehenden Hauses gegründet, in welch letzterem ein Eremit wohnte, welcher als Meßner die Kapelle zu bedienen hatte. Die über der Sakristeithüre befindliche Jahreszahl 1503 deutet an, daß in diesem Jahre, wenn nicht ein Neubau, doch eine Reparatur der Kapelle stattfand. Im Jahre 1713, zur Zeit der Belagerung Freiburgs, hat auch die Odilimkirche von den feindlichen Heerschaaren viel zu leiden gehabt, so daß die Gebäulichkeiten, besonders diejenigen über der aus dem Felsen sprudelnden Quelle, neu aufgeführt werden mußten. Die Odilienkappelle war stets ein Gegenstand frommer Aufmerksamkeit und viele Bedrängte und Unglückliche besuchen das waldumgrenzte Kirchlein mit seiner Felscngrotte und klaren Quelle. Zu jeder Jahreszeit trifft man hier Andächtige vor den Stufen des Altars, um durch die Fürbitte der h. Odilia Erhörung in ihren Anliegen zu erhalten. Besonders zahlreich aber wird St. Odilicn besucht am Montag in der Bittwoche, wo die Gemeinde Ebnet, und am Pfingstmontage, wo die Pfarrgemeinde Wiehre ihre Bittgänge nach derselben veranstalten — 332 — Auch die Festtage der h. Odilia (13. Dezember) und des h. Wendelinus (2V. Oktober) werden unter zahlreicher Betheiligung der ländlichen Bevölkerung feierlich begangen. Der Hochaltar in der Kapelle ist der h. Odilia, der an der Cvange- lienseite der Himmelfahrt Maria und der an der Epistelseite dem h. Wendelinus geweiht. Unsere liebe Frau in der Tanne zu Triberg. das Jahr 1644 grünte auf einem rauhen Felsen nicht weit " von dem Städtchen Triberg ein vielästiger Tannenbaum. Da geschah es, daß eine bis jetzt unbekannte Hand in dieser, an Größe und Schönheit vor allen anderen sich auszeichnenden Tanne eine kleine Oefsuuug in deren Rinde ausschnitt und daran mit einer Stecknadel ein anmuthiges Bild unserer lieben Frau von der unbefleckten Empfängnis), auf Pergament gemalt, anheftete. Wer nun bei der ehrwürdigen Tanne vorüberging, neigte vor dem Bilde nach katholischem Gebrauche sein Haupt, lüftete den Hut oder verrichtete ein Gebet. Mit der Zeit aber wurde das Bild durch die stürmische Witterung von dem Baume herabgerissen und fiel mit der kleinen Bedachung, welche ans Blech über dem Bilde angebracht war, aus den Boden herunter. Da ging bald darauf Anna Kienzler, Ehefrau des Christoph Franz Kienzler, Bürgers von Triberg, mit ihrem 7 jährigen Töchterlein Barbara bei der Tanne vorüber. Das Kind sieht das liebliche Bild auf dem Boden liegen, hebt es sogleich auf, säubert es vom Schmutze, küßt es mit kindlicher Ehrfurcht und bittet die Mutter, es mit nach Hause nehmen zu dürfen, auf so .rührende Weise, daß endlich die Mutter dem Kinde gestattete, das Bild mitzunehmen. Als das Mädchen nach Hause gekommen war, ward das Bild in eine kleine Wandhöhlung unter dem Kruzifixe in der Wohnstube aufgestellt und der Platz wie eiu Altar geehrt und alle Gedanken, Gespräche und Arbeiten des Kindes waren auf die liebe Frau gerichtet. Kaum aber waren 3 Tage verflossen, so wurde das Mädchen unvermuthet von einem schmerzlichen Augenübel befallen, das so heftig überHand nahm, daß man völlige Erblindung befürchten mußte. Die angewandten Mittel waren vergeblich. Die betrübten Eltern beteten, machten Gelübde und gaben Almosen und ihr Gebet fand Erhörung. Als das Kind nach langem übermäßigen Weinen eines Tages eingeschlafen war, kam demselben im Traume lebhaft vor, als höre es eine — 333 — Stimme rufen, welche die Heilung ihrer Augen und völlige Genesung versprach, wenn es das gefundene Marienbild wieder zurücktragen und an den großen Tannenbaum bei der Quelle wieder aufhängen werde. Kaum war Barbara vom Schlafe erwacht, als sie sogleich den Eltern den Traum erzählte. Diese gingen mit ihrer Tochter noch am nämlichen Tage zur bewußten Tanne hinaus und hefteten das dort gefundene Bild sammt dem blechernen Schutzdächlein an den Tanuenbaum. Dann empfahlen sie der mächtigen Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria ihr großes Anliegen und gingen getrost wieder nach Hause. Von der Stunde an verminderte sich das Augcnübel so, daß das Kind zum allgemeinen Verwundern innerhalb 2 Tage wieder frisch und gesund war. Dieses Ereigniß erregte sowohl im Städtchen Triberg als auch in den benachbarten Gemeinden großes Aufsehen und beförderte uugemein die ! Achtung und Verehrung vor dem Bilde der lieben Frau in der Tanne. Noch größer ward dieselbe durch folgende auffallende Begebenheit: Friedrich Schwab, Bürger und Schneidermeister zu Triburg, hatte in seinem 68. Lebensjahre das Unglück, vom Aussatz behaftet zu werden. Da die gegen diese schreckliche Krankheit angewandten Arzneimittel nichts halfen, so wandert er auch zur Tanne hinaus, steigt den Berg hinan, wirft sich I vor dem Bilde nieder und fleht zu Maria, sie möge auch für ihn ihre mächtige Fürbitte einlegen und gelobt mit aufrichtigstem Ernste, im Falle er I vom Aussatze würde gereinigt werden, wolle er ein Bild unserer lieben ! Frau mit dem Jesukinde auf dem Arme aus Holz schnitzen, zierlich fassen, I und als ein Dankopfer und Denkmal für seine Genesung hier an der Tanne I über dem kleinen Bilde aufstellen lassen. Während er so mit kindlichem I Vertrauen betete, wandelte ihn die Lust an, in der neben der Tanne sprudeln- I den Quelle sich zu waschen. Wirklich wusch er auch sein Angesicht, die I Hände und die leidenden Theile seines Körpers und siehe! der betagte Mann I ist gereinigt und ganz gesund. Das Erste, was nun Friedrich Schwab nach seiner Heimkehr thast I war, daß er bei einem Bildhauer ein Bild Mariens anfertigen ließ. Kaum I war dasselbe vollendet, so trug er es freudig den Berg hinauf bis zuv I Stätte des Baumes und der Quelle. Nachdem er nun die Oeffnung in den I Tanuenbaum gehörig vergrößert hatte und das neue Bild bequem darin I stand, kniete er nieder und verrichtete mit inbrünstiger Andacht sein Dank- I gebet, dann ging er getröstet und freudig nach Hause. Die so wunderbare, bei der Tanne erhaltene Genesung des Friedrich I Schwab, welche überall bekannt wurde, erweckte in anderen Kranken den I Glauben und das Vertrauen und niemals kehrten sie ohne Wirkung, Trost I und Segen heim. Die frommen Pilger legten auch bei ihren Besuchen neben I dem Bilde ihre Qpfergaben nieder, welche in kurzer Zeit so ergiebig aus- I Den, daß über dem Bilde ein Schindeldach angebracht werden konnte? — 334 — um es vor Unwetter, Regen und Schnee zu schützen; überdies wurde ein eiserner Ring um den Baum gelegt und an demselben ein eisernes Opferstöcklein festgemacht, damit das eingelegte Opfergeld gegen das Diebesgesindel sicher wäre. Allein liederliches Gesindel durchstreifte die Gegend, in der die Tanne mit dem Bilde stand, und plünderte den Opferstock, wodurch der Frommen Andacht gestört wurde. Diesen Raubanfällen ein Ende zu machen, beschloß der damalige Pfarrer Gabriel Schwickart, den Opferstock und alle Einfassungen von Außen an dem Bilde wegzunehmen und nur noch das Bild ohne alle Verzierung in der Oeffnung der Tanne stehen zu lassen. Dieses Verfahren machte auf das Volk einen widrigen Eindruck und seine vorige Liebe und Andacht zu dem Gnadenorte verlor sich beinahe ganz. Mehrere Jahre schwanden dahin, der Baum wuchs immer mehr empor und sein Umfang nahm so zu, daß seine Rinde sich um die Oeffnung, in welcher das Gnadenbild stand, so zusammenzog, daß vom Bilde kaum mehr die obere Hälfte sichtbar war, der untere Theil war von Spinngeweben bedeckt. Vierzig Jahre gingen vorüber und das Gnadcnbild schien ganz vergessen zu sein, da trat ein neues Ereigniß ein, welches der liebe Gott benützte, um die hochbegnadigtc Jungfrau Maria auf's neue zu verherrlichen. Es war im Jahre 1692, während eines Krieges zwischen Oesterreich und Frankreich, als am 20. Dezember drei Soldaten, mit Namen Anton Haiß, Georg Gruber und Lorenz Zähringer, alle drei aus Tprol gebürtig, bei anbrechender Nacht, als man eben das Zeichen zum Ave Maria gab, aus dem Städtchen Triberg auf ihren Wachtposten nach Rohrhartsberg hinauf gingen. Als sie nun gerade in gleicher Richtung mit der Tanne sein mochten, in welcher das Gnadenbild stand, hörten sie plötzlich von jener felsigen Einöde her einen ungemein lieblichen Gesang. Nachdem der himmlische Gesang verstummt war, setzten sie ganz ermuntert ihren Marsch bis in's Quartier fort und erzählten ihren Kameraden, welche wunderbare Musik sie gehört hatten. Ihrem Gespräche hörte mit größter Neugierde ein .alter Bauersmann zu, der ihnen vollen Beifall gab und nun selbst zu erzählen anfing, wie vor nicht vielen Jahren ein Müller von Triberg, Adam Fröhlich mit Namen, in eben jener Gegend auch einen solchen Gesang gehört habe. Wenn es, fuhr er fort, mit dem Gesänge seine Richtigkeit habe, dann müsse er vermuthlich auf das Bild unserer lieben Frau Bezug haben, welches vor vielen Jahren in einer Tanne häufig besucht und verehrt wurde, was aber schon seit langer Zeit wieder aufgehört habe, indem das Bild in der Tanne in gänzliche Vergessenheit gekommen sei. Die Tanne stehe, setzte er hinzu, jenseits des Berges, gerade der Stelle gegenüber, wo sie den Gesang gehört hätten. Des anderen Tages gingen die drei Soldaten bis zur Stelle, wo sie den wunderbaren Gesang gehört hatten. Getrennt von einander suchen sie nach dem h. Bilde in der Tanne. Anton Haiß war der erste, der den Baum und die eingeschnittene Oefsnuug fand. Sie war bereits — 335 — ganz verwachsen und mit Spinngeweben überzogen. Mit seinem Seitengewehre streift er das Gewebe weg und sieht nun voll Freude im Herzen das Marienbild. Sogleich ruft er seine Kameraden herbei. Nach ihrer Rückkehr zu ihren Kriegskameraden erzählten die drei Soldaten denselben von dem schönen Bilde in der Tanne und von dem wunderbaren Glänze, der aus der Oeffnung des Baumes ihnen entgegen strahlte, sowie von den andachtsvollen Empfindungen, die ihre Herzen durchdrungen, und erregten dadurch bei den übrigen Soldaten die größte Sehnsucht, nur recht bald auch das wunderbare Bild zu sehen. Wirklich gingen die frommen Soldaten selbst mitten im Winter öfters zu dieser heiligen Stätte und zogen auch durch ihren besondern Eifer die Offiziere dahin. Bald wurden sie auch unter sich einig, die Stätte des Bildes in der Tanne zu verschönern. Sie wählten voll Andacht vor dem Bilde ans den Knieen liegend, Maria zu ihrer Beschützerin und ließen oben auf dem Schirmdache die Aufschrift anbringen: Laveta Nnria, patrona nülitnrn, ora pro iroliis! (Heilige Maria, Patronin der Soldaten, bitte für uns!) Das nun von den Soldaten so schön gezierte heilige Bild in der Tanne lockte nicht nur aus der Nähe, sondern auch aus der Ferne fromme Beter zahlreicher als je herbei. Später gab das hochwürdigste Ordinariat von Konstanz die Erlaubniß, eine förmliche Wallfahrtskirche bei der Tanne erbauen und neben der Kirche ein Haus für 15 Priester herstellen zu dürfen. Der Tannenbaum sollte umgehauen, der Stamm aber, in welchem das Marienbild eingeschlossen war, auf den Hochaltar mit dem Bilde gestellt werden. Der Platz, wo die Tanne stand, wurde zur Grundlage des Hochaltars bestimmt. Der Ban erhob sich zusehends und wurde im Jahre 1697 vollendet. Hierauf wurde der Gnadenaltar aufgerichtet, der Stamm mit dem Gnadenbilde, zierlich gefaßt und geschmückt, wurde vom Altarstein ans bis in die Mitte des Altares ausrecht und frei gestellt, wo er in der ganzen Kapelle deutlich gesehen werden konnte. Nachdem das ganze Gebäude vollendet und eingeweiht war, wurde am Feste Mariä Opferung in Gegenwart einer sehr großen Volksmenge der erste heilige Gottesdienst feierlich gehalten. Die Kapelle konnte die Menge der Andächtigen nicht fassen und man dachte schon damals an eine Vergrößerung derselben. Von nun an nahm die Wallfahrt zu diesem neuen Gnadenorte von all en Seiten zu. Jetzt wurde das Verlangen allgemein, eine große Kirche zu erbauen und man legte auch alsbald Hand an's Werk. Im Jahre 1699 wurde der Grundstein zur neuen Kirche gelgt und im Jahre 1796 war das neue Gotteshaus glücklich vollendet und am 28. April 1716 wurde die Kirche feierlich eingeweiht. Von nun an dauerten die Wallfahrtszüge zu diesem Gnadenorte ununterbrochen fort. Beim Anblicke der zahlreichen, in der Kirche aufgehängten Votivtafeln muß man ausrufen: „Der Allmächtige thut große, unbegreifliche Dinge und Wunder ohne Zahl." — 336 — Unsere liebe Frau zu Schienen. badischen Kreise und Amte Konstanz liegt, nicht weit von M Radolfzell, das Pfarrdorf Schienen mit etwa 360 Einwohnern, Auf dem nahe liegenden Schienerberge, 2180 Fuß hoch, steht eine Kapelle, dem h. Erzengel Michael und dem h. Märtyrer Mauritius geweiht, welche als eine der ältesten Sitze des Christenthums in hiesiger Gegend betrachtet wird. Urkundlich wird diese Kapelle bereits im 9. Jahrhundert erwähnt. Um die Kapelle herum wurden die Christen begraben, wie die vielen Gebeine zeigen, die man später hier ausgegraben hat. Im Jahre 797 weilte ein deutscher Edelmann mit Namen Scrot oder Schrot, der auch Graf von Florenz genannt wird, mit seiner Gemahlin in Rom. Da hörte er (es war im Monat Oktober), daß im Hafen von Porto mehrere Schiffe aus dem Morgenlande angekommen seien und er sandte einen seiner Dienstleute dorthin, um zu erfahren, welche Botschaft aus Jerusalem gekommen sei. Dieser Diener traf unter den Leuten, die mit den Schiffen gekommen waren, seinen eigenen Bruder, der Diakon und im Auftrage des Grafen Gebahard von Treoiso nach Jerusalem zum Patriarchen gereist war, um heilige Reliquien für das Kloster zu holen, das er 780 bei Treviso gestiftet hatte. Der Patriarch willfahrte der Bitte und übergab dem Diakon die heiligen Leiber der Märtyrer Genesius und Eugenius. Als aber nun der Diakon mit den Reliquien zu Porto ans Land gestiegen war, erfuhr er, daß der Graf von Treviso inzwischen gestorben war. Die beiden Brüder faßten nun den Entschluß, zu dem Grafen Schrot nach Rom zu gehen und diesem Alles mitzutheilen. Graf Schrot trug die Sache dem Papste Leo III. vor und dieser entschied, es sollten die Reliquien nach dem Kloster bei der Stadt Treviso überbracht werden. In Florenz angekommen, wünschte Graf Schrot einen Theil der h. Gebeine erhalten und solches geschah auch mit Bewilligung des Papstes unter der Bedingung, daß Graf Schrot für das Heiligthum eine passende Stelle besitze, wo dasselbe würdig aufbewahrt und verehrt wurde. So erhielt der Graf das ganze Gebein des rechten Schenkels des hl. Genesius. Er brachte das Heiligthum nach Deutschland und übergab es dem St. Michaeliskirchlein auf dem Schiencrberge, in dessen Nähe er eine Burg, Schrotsburg genannt, besaß. Sodann ließ er unterhalb der Michaelskapelle eine neue Kirche erbauen, in welcher fortan die Reliquien ruhen sollten. Es wird erzählt, daß Bischof Egino, der von 781 bis 813 das Bisthum Konstanz regierte, einst nach Schienen kam, um die heiligen Reliquien zu sehen. Im Beisein von Priestern und Mönchen habe er das Schreinchen geöffnet, das Gebein des heiligen Märtyrers in seine Hand genommen und dann wieder sorgfältig geschlossen. Auf der südlichen Seite der Kirche, wo jetzt der Gottesacker ist, errichtete der Graf Schrot ein Kloster für Benediktinermönche, dem er reiche Besitzungen anwies. Er starb am 15. Dezember, jedoch ist das Jahr seines Hinscheidens nicht bekannt. Jedes Jahr fand an diesem Tage eine Jahreszeit statt für alle Stifter und Wohlthäter der Kirche und Propstei Schienen, vor Allem für Schrot. Noch im Jahre 1638 sah man im Chor auf der Evangelienseite das Grab des Gründers dieser Kirche. Einer der ersten Besucher der heiligen Reliquie in Schienen war König Pipin. Schon im Jahre 780 hatte Kaiser Karl seinem Sohne Pipin das Königreich der Langobarden übertragen. Bei diesem König war unser Graf Schrot in unmittelbarem Dienste und dadurch erfuhr jener die Angelegenheit mit unserer Reliquie. Als Pipin von Italien nach Deutschland kam, besuchte er mit seinem Hofkaplan Ratold auch Schienen. Da er im Zahre 810 starb, muß solches im Anfange dieses Jahrhunderts geschehen sein. Es wird berichtet, daß besonders au Sonntagen die Gläubigen schaaren- weise zum heiligen Berge gezogen seien. Auch Abt Waldo von Reichenau (786—806) kam einst herauf, um zu beten und Alles genau zu sehen. Mit Freuden wurden er und seine Begleiter von den Mönchen in Schienen aufgenommen. Während seiner Anwesenheit ereignete sich etwas Wunderbares. Es war sonst Sitte, Tag und Nacht an dieser heiligen Stätte ein Licht zu brennen. Aus Nachlässigkeit war es an diesem Abend nicht besorgt worden; da begann es auf einmal von selbst zu brennen. — Eine Reihe von wunderbaren Gebetserhöhungen, die hier auf die Fürbitte des h. Gene- sius geschehen, wird von den Berichterstattern erzählt. Vom Jähre 900 bis 911 stand an der Spitze des deutschen Reiches .oivig das Kind, auch Ludwig III. genannt. Der Rathgeber dieses unmündigen Fürsten war Hatto, Erzbischof von Mainz, früher Abt des losters Reichenau. König Ludwig vergabte an das Kloster aus der Insel mc'icheuau mehrere Ortschaften, darunter Schienen mit Kirche und Kloster. Nunmehr wurde das hiesige Kloster in eine Propstei von Reichenau verwandelt, in welchem anfangs 12, später nur 6 Chorherren waren. Im Jahre 1452 wurde das Chorherrenstift in eine Benediktiner-Prop- stei verwandelt und diese der Abtei Reichenau förmlich einverleibt. Unter dem Propste Marx von Knöringen (1504—1523) ward die Kirche sehr vernachlässigt, Holdcrstöcke und junge Bäume wuchsen in derselben und man war genöthigt, den Gottesdienst nach der alten St. Michaelskapelle zu verlegen. Verwalter der Propstei war vom Jahre 1537 bis 1558 der Reiche- Mner Mönch P. Beatus Widner. Während dessen Verwaltung brannte 22 — 338 — das Propsteigebäude ab, wobei auch die angrenzende Kirche Schaden erlitt. Nun beschloß man, das in der Kirche befindliche Gnadenbild unserer lieben Frau in die St. Michaelskapelle zu übertragen. Als man aber das Bild in die Kapelle gebracht hatte, war dasselbe am folgenden Morgen aus der Kapelle verschwunden und fand sich an seiner frühereu Stelle wieder vor. Zum zweiten Male brachte man es in die Kapelle und wiederum war es am folgenden Morgen an seinem alten Platze. Darin erkannte man den Willen Gottes, das Bild dort zu belassen und zur Erinnerung an dieses Ereignis; wurde ein besonderes Fest eingeführt unter dem Titel: „Uebertra- gung des wunderbaren Bildes unserer lieben Frau", welches jährlich am Sonntag nach Christi Himmelfahrt feierlich begangen wird. Dieses Ereig- niß ist auf einem Bilde im Chöre der Kirche dargestellt mit folgender Inschrift: Linstmubls Uuriuo Onubsnbild, dirs muim ullbisr verstirb, iveil diss Lai-oksn osd und rvild, verpustet und verderbt. von dünnen ivurd Aetruxen uuk des sunet Aiobuelsbsi'A. (ZIsiebivio die ^Iten su^en von seinem ^Vuvdsriverkb: mimlieb: Oott buts unAezeiZt und seine Nuetter rein. — rvuss müssen sxs mit gnudsir xenei^t AusASAen ivotten sein. — von dceinvs menseben bände dus Lild blurius sobön um ultsn Ort mun kunds in dieser üirobs stsbon. Im Jahre 1540 ging die Abtei Reichenau mit sämmtlichen Gütern und also auch die Propstei Schienen auf den bischöflichen Stuhl von Konstanz über. Christophorus Metzler, welcher im Jahre 1549 Bischof von Konstanz wurde, zeigte sich als besonderer Wohlthäter der Kirche zu Schienen. Er ließ dieselbe wieder herstellen; die zerfallenen Mauern wurden wieder erbaut, ein neuer Dachstuhl mit einem hölzernen Glockenthurm hergerichtet, der Kirchcnbodeu frisch belegt, die Decke neu getäfelt. Auch an diesen Bau knüpft sich eine fromme Ueberliefernng. Als nämlich die Arbeiter und Zimmerleute mit demselben beschäftigt waren, sei mehrmals eine schöne, schneeweiße Frau erschienen, welche sie aufgemuntert und ermahnt habe, recht eifrig zu arbeiten. Auch dieses Ereigniß ist auf einem Bilde im Chöre der Kirche dargestellt und die dabei befindliche Inschrift lautet: — 339 — als die Lirebvn osd und ald Loden fallen weit, allwo Naria sied aukbatt und drauss nitt bleiben weit, anfing insn wider bansn wass sinAskailsn war, Narias anvertrauen die neue Ltrobs Zar Lin weiss« Lrau lisbreiob mit wort Uaria wird ASAiaubet — Die liess sieb ssben an dissm Ortli, wo inan die bircben banst; die 'VVerbblent tliät erfreuen und inabnso diese frau, der llsiss soll s^s nit reuen an dissni Xirobsnbau. Im Jahre 1560 war der Bau vollendet und wurde am Sonntag nach Christi Himmelfahrt eingeweiht. Bischof Christophorus beschenkte die Kirche mit Kelchen, mit alten und neuen Meßgewändern u. f. w. Das Bild auf dem Hochaltar stellt Maria mit dem göttlichen Kinde dar, serner die Heiligen Felix und Regula, Marcellus und Exuberantius; ans den Seiten stehen die Statuen des heil. Genesius und des heil. Johannes von Nepomuk. Im Jahre 1564 wurde Christoph Widmann, seither Pfarrer inOeniu- gen, Verwalter der Propstei. Dieser erhielt das Recht, sämmtliche Einkünfte der Propstei zu beziehen, es lag ihm aber dabei die Pflicht ob, das Gebäude der Propstei zu erbauen. Dieses geschah auch. Dasselbe wurde jetzt etwas vom Gotteshause entfernt errichtet. Sein Nachfolger, P. Konrad Böler ( ff 21. Aug. 1588) ließ die altehrwürdige St. Michaelskapelle wieder schön Herrichten. Mauern, Dachstuhl, Gestühl wurden erneuert, um den Kirchhof ließ er eine Mauer aufführen; dann stiftete er in die Kirche einen Taufstein, eine neue Glocke, einen Kelch, ein weißes Meßgewand mit Marienbild und ein rothes mit jenem des leidenden Heilandes, ferner ein Reliqnienbehältniß, in welchem Gebeine der heiligen Märtyrer Felix und Regula aufbewahrt waren. Das Gefäß stellt einen Arm mit einer Hand dar, letztere war von Silber. — Unter dem Propste Sebastian Linsenbol (1591—1621) übersandte der fromme Bischof und Kardinal Andreas von Oesterreich einen silbernen Arm mit Reliquien eines h. Märtyrers in die Wallfahrtskirche. — Propst Meinrad Mangol (1621-1625) ließ das Gitter um den Frauenaltar anfertigen. In einem aus dieser Zeit stammenden Anniversarienbuch sind die Festtage des ganzen Jahres verzeichnet. An denselben kamen Prozessionen von Oeningen, Horn Gayerhofen, Weiler, Gundholzen, Wangen, Eschenz, Bohlingen, Ueberlingen, 22* — 340 — Warblingen, Moos, Bankholzen, Mamsen, Arlen, Rielasingen, Hemmenhofen nach Schienen. Seit 1629 war P. Mauritius Dürenger Verwalter der Propstei in Schienen. Im Oktober des Jahres 1632 besetzten die Schweden Radolfzell. I. Mauritus ließ die Kirchenschätze von Schienen zum Theil auf das nahe Schweizergebiet, zum Theil auf die durch den See geschützten Reichenau bringen. Gegen Ende dieses Jahres kamen die Schweden auf den Berg und nahmen dem armen Volk die ausgedroschene Frucht und schleppten sie hinunter nach Radolfzoll und Stein. Sie plünderten die Kirche, erbrachen selbst den Tabernakel und warfen die heiligen Hostien auf den Boden; sie bera-ubten die Altäre, verunehrten die heiligen Bilder. Sie nahmen mit, was an Kostbarkeiten noch zu finden war: ein silbernes Prozessionskreuz, eine hohe und eine kleinere runde Monstranz mit Reliquien, Meßkännchen u. s. w. Oben in der St. Michaelskapelle erbrachen sie den Altar, wahrscheinlich weil sie Werthvolles zu finden meinten. Doch damit waren die Schweden nicht zufrieden. Sie plünderten das Schloß der Edlen von Schienen und raubten den Einwohnern das Vieh, Fleisch, Schmalz, selbst Kleider. Im Gebäude der Propstei hatten die Feinde ihr Quartier aufgeschlagen und blieben zwei Wochen lang dort, bis Alles ausgeraubt war. Auch als die Schweden Schienen verlassen hatten, blieben sie noch lange in der Nähe. Während dieser Zeit war in der Kirche zu Schienen selten eine h. Messe gelesen worden. Erst am 3. Mai 1634 kam wieder ein Priester, ?. Johann Baptist Maurus. Am 6. September dieses Jahres wurden die Schweden bei Nördlingen geschlagen, aber auf der nahen Festung Hohentwiel saß noch der württembergische General Konrad Wiederhold, der mit seinen Soldaten die ganze Gegend unsicher machte. Ostern 1635 überfielen diese Schienen, plünderten wiederum die Kirche, nahmen ?. Johann Baptist Maurus gefangen und schleppten ihn aus die Festung Hohentwiel. Es mußte die Summe von 200 Gulden als Lösegeld für ihn bezahlt werden. Am 17. März 1636 kam ?. Maurus Speth nach Schienen. Obgleich Al les so ausgeplündert war, daß ?. Maurus fast nichts zum Leben vorfand und obgleich auf der Propstei eine Schuld von 1200 Gulden haftete, fielen dennoch 1640 die kaiserlichen deutschen Soldaten, welche in Bohlingen Quartier hatten, in Schienen ein, beraubten die Propstei und nahmen auch einen Kelch mit, der dem Filial Wangen gehörte. 1642 kam ?. Pirnin als sein Nachfolger nach Schienen, unter dem am 15. November desselben Jahres die Propstei wieder durch Feuer zerstört wurde. ?. Maurus, der Prior von Reichenau geworden, legte am 17. Juli 1643 dieses Amt nieder und kam wieder nach Schienen zurück, wo er alsbald den Neubau der Propstei in Angriff nahm und denselben am 22. März 1644 vollendete. Dieses Haus dient jetzt als Pfarr-, Schul- und Rathhaus. Unter der energischen Verwaltung des ?. Maurus erholte sich Schienen bald wieder. — 341 — Die Reliquie des h. Genesius, welche während der Kriegsunruhen nach Reicheuau geflüchtet sein soll, kam nicht nach Schienen zurück. In einem schönen Reliquienkreuz, das Rupert von Sirgenstein 1741 der Kirche in Schienen schenkte, ist neben anderen Reliquien und einem Splitter vom h. Kreuze auch eine kleine Reliquie dieses h. Patrons enthalten. Seit in Schienen das Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau verehrt wurde, ist die Andacht zum h. Genesius mehr in den Hintergrund getreten. Am 30. März 1757 wurde durch Franz Konrad von Rodt, Bischof von Konstanz, das Priorat der Benediktiner auf Reichenau und mit diesem auch die Propstei in Schienen aufgehoben. 1767 wurde die Pfarrei Schienen definitiv dem Priester Raphael Finweg übertragen, welcher 49 Jahre lang der Pfarre vorstand und 1774 die vierzehn Stationen in der St. Michaelskapelle errichtete. Bei der allgemeinen Säkularisation im Jahre 1803 wurde das St. Michaelskirchlein entweiht und in ein Privathaus verwandelt. Die zwei Glöcklein der Kapelle, von denen das eine Propst Konrad Böler, das andere Freiherr Hans Christoph von Schienen gestiftet hatte, hängen nun aus dem Riederhof und dem Billarzerhof. Als im Jahre 1870 unser Vaterland im Kampfe mit den Franzosen stand, eilte man aus der Umgegend fleißig zu „Unserer lieben Frau von Schienen", um ihren Schutz zu erflehen. In feierlicher Bittprozession zogen am Montag nach dem zweiten Adventsonntag herauf die Gemeinden von Arlen, Bankholzen, Bohlingen, Horn, Oeningen, Rielasingen, Ueberlingen, Wangen, Weiler und Worblingen. Am Kreuzfreitag kommt noch alljährlich die Gemeinde Bohlingen feierlich nach Schienen. Als Wallfahrtstage werden besonders gehalten: a. Alle Freitage des ganzen Jahres. Von sieben Uhr an wird Beicht gehört. Die heilige Messe wird im Winter um neun Uhr, im Sommer um halb neun Uhr gelesen. An den Freitagen in der Fastenzeit ist zugleich eine kurze Predigt. b. Der Schmerzensfreitag d. i. der Freitag vor der Charwoche, an welchem die Kirche das Fest der sieben Schmerzen Maria's begeht. o. Der Kreuzsreitag d. i. der Freitag in der Kreuzwoche, unmittelbar nach dem Feste Christi Himmelfahrt. 6. Das Translationsfest d. i. das Fest der Uebertragung des Gnadenbildes, am Sonntag nach Christi Himmelfahrt. s. Das Scapulierfest, am Sonntag nach dem 16. Juli. k. Der Seelenfreitag, d. i. der Freitag nach Allerseelen. Papst Pius IX. gewährte am 7. September 1877 auf 10 Jahre einen vollkommenen Ablaß allen Gläubigen, die an einem der drei Tage — dem Schmerzensfreitag, Kreuzfreitag, Seelenfreitag — die Kirche in Schienen besuchen und darin für die Anliegen der Kirche beten, aufrichtig beich- tcn und würdig communiciren. Dieser Ablaß kann auch den armen Seeleu zugewendet werden. Im Jahre 1702 wurde in Schienen die Bruderschaft des Scapuliers eingeführt und 1876 die Erzbruderschaft des reinsten Herzens Maria's. Unsere liebe Frau vom Hörnleberg. icht weit von Waldkirch, im Elzthale, erhebt sich ein fast 1000 Meter hoher, steiler Berg, der weithin in der Ebene bis zum Elsaß hin sichtbar ist, der Hörnleberg. Auf ihm steht eine Kapelle mit einem Gnadenbilde der Mutter Gottes, welches in der weiten Umgegend von den Gläubigen hoch verehrt wird. Uralt ist diese Wallfahrt und unbekannt, wann in dunkler Vorzeit die erste Kapelle hier gegründet wurde. Jedoch wie fast überall, so bringt uns auch hier, wo der Boden der Geschichte uns verläßt, die Sage nähere Kunde. Es lebte in alter Zeit im Elsaß ein frommer Mann, welcher zwar rei ch und angesehen, aber in Folge einer Krankheit blind geworden war. Alle Heilmittel waren vergebens und so gelobte er Gott und seiner hl. Mutter, er werde, wenn er das Augenlicht wieder erhalte, auf dem Berge, den er zuerst sehe, der Himmelskönigin eine Kirche bauen. Kaum hatte er dieses Gelübde gemacht, so siel es ihm wie Schuppen von den Augen und er erblickte im Glänze der aufgehenden Sonne den Hörnleberg. Voll Freude machte er sich alsbald an's Werk, um sein Gelübde zu lösen. Das aber war schwieriger, als er sich gedacht hatte. Wohl waren Steine und Holz auch aus der Spitze des Berges vorhanden, aber die übrigen Materialien zum Baue dorthin zu schassen, war mit der größten Muhe verbunden. Auf das Zureden der Anwohner hin entschloß er sich, die Kapelle eine Stunde unterhalb des Gipfels, dort, wo jetzt die Bleibacher und Niederwindener Wallfahrer zusammenkommen, zu errichten. Bald waren Steine auf den Platz geschafft und auch schon einiges Gebälk zugerichtet, da fand man eines Morgens Holz und Steine, statt auf dem Bauplatze, auf der Spitze des Hörnleberges. Ueber dieses Ereigniß erstaunt, beschloß man, in der nächsten Nacht eine Wache auf dem Bauplatze aufzustellen. Niemand aber wollte solches übernehmen, bis zuletzt ein beherzter Zimmergeselle sich dazu bereit erklärte. Nachdem er sich in einem andächtigen Gebete dem Schutze Gottes und Mariens empfohlen hatte, legte er sich wohlgemuth auf das Zimmerholz zum Schlafe hin. Als er aber am folgenden Morgen erwachte, befand er sich mit sämmtlichem Baumaterial auf der Höhe des Berges. Nun erkannte man, daß es der Wille Gottes sei, die Kirche ans dem Gipfel des Berges zu erbauen, was sodann auch geschah. ... 343 — Nach einer anderen Sage war der Elsässer nicht blind, sondern von einem andern Leiden heimgesucht, welches ihm die Nachtruhe raubte. Während er nun auf seinem Lager nach der Sonne blickte, die gerade über dem Hörnleberg aufging, bemerkte er mehrmals in der Sonnenscheibe die Mutter Gottes mit dem Jesuskinde. Daraus schloß er, die seligste Jungfrau wolle auf dem Berge eine Kirche haben und nachdem er den Entschluß zum Baue gefaßt, ward er alsbald gesund. Ueber die ältere Geschichte des Hörnleberges ist uns Näheres nichts bekannt; das älteste Dokument sind die Satzungen der Bruderschaft zur Himmelfahrt Mariä, welche wahrscheinlich vom Probst Johannes Eisenmanger von Waldkirch (1620—1633) verfaßt und vom Bischöfe Jakob von Fugger zu Eonstanz vom 10. März 1625 bestätigt wurden. Ueber die Schicksale der Wallfahrtskapelle im dreißigjährigen Kriege wird Folgendes berichtet: „Gegen Ende des Jahres 1632 kamen die Schweden auch in den Breisgau und am 29. Dezember jenes Jahres fiel die Stadt Freiburg in ihre Gewalt. Von hier aus machten sie fast täglich Raubzüge in die Umgegend, nahmen an Vieh, Feldfrüchten und anderen Nahrungsmitteln weg, was sie fortschleppen konnten, verdarben das Uebrige und brannten die Häuser und ganze Dörfer nieder. Die armen Einwohner wurden in ihren Wohnungen mißhandelt und grausam getödtet, oder, wenn sie auf dem Felde angetroffen wurden, wie das Wild niedergeschossen. Die protestantischen Nachbaren, Markgräfler und Württemberger, hielten zu den Schweden und wütheten mit der gleichen Grausamkeit. So waren es Württemberger, welche am 9. März 1634 die Stadt Elzach ausplünderten und verbrannten. Nur die Kirche und vier Häuser blieben stehen. Die Kastelburg bei Waldkirch wurde von den Kaiserlichen selbst zerstört (14. März 1634), damit sie den Schweden nicht in die Hände fiel. Die Simonswälder setzten sich zur Wehr und schlugen im April 1634 viermal (am 15., 17., 18. und 23.) die Schweden zum Thal hinaus, die Feinde mußten sich mit 2000 Stück Vieh begnügen, die sie .zusammengetrieben hatten. Jetzt wollte man die Tapfern zum Abfall verleiten und versprach ihnen Schutz, wenn sie sich unter den Gehorsam der Schweden begeben wollten. Aber die wackeren Simonswälder erklärten dem Unterhändler, sie begehrten seines Schutzes nicht, er solle machen, daß er zum Thale hinauskomme, sonst wollten sie ihm einen anderen Weg weisen. Der Verführer zog ab, aber nach fast 2 Monaten, am 30. Juni 1634, kamen die Schweden, durch Markgräfler und Württemberger verstärkt, zum fünftenmal — und diesmal unversehens — nach dem Simonswald. Zur Sammlung und Gegenwehr war es zu spät, jeder suchte, was er noch konnte, auf die Berge zu retten. Wie wilde Thiere sind die Unmenschen („sonderlich die von Denz- linger" heißt es in der Chronik) allenthalben in die Höf und Häuser Haufen- — 344 — weis gefallen" und haben die „armen Leut", die „nit zeitlich darvon kommen, als Weib und Kinder, auch Alte, Arme und Kranke in's Blutbad geführt und unbarmherzig unschuldiger Weise wie die Hunde niedergehauen, deren bei hundert elendiglich auf dem Platze geblieben." Nach diesen Mordthaten wurde alle Habe geraubt oder verdorben und zuletzt von „Niedcrwinden bis in die Schmelze" Feuer an alle Gebäude gelegt und diese vom „Boden hinweggebrannt." Trotzdem aber waren die braven Simonswälder nicht cnt- muthigt: sie sammelten sich wieder und schlugen am 24. August die Schweden abermals zum Thal hinaus. Im September 1634 mußte endlich der FeiA abziehen und das gemarterte Elzthal bekam einige Jahre Ruhe." „Doch nach vier Jahren kamen die Schweden zum zweiten Mal, abermals wurde Freiburg am 11. April 1638 ihre Beute und blieb 6 Jahre in ihrer Gewalt. Ebensolange wurde die Nachbarschaft bis hinauf in den Schwarzwald mit Plünderung und Mißhandlungen gequält und mit Brennen und Morden verwüstet. Jetzt fand auch das Heiligthum der Mutter Gottes auf dem Hörnleberg keine Schonung mehr. Zwischen dem 27. März und 4. April 1639 machten die Schweden einen Raubzug in diese Gegend, wobei auch Triberg und Furtwangeu geplündert wurden. Wahrscheinlich hat die gleiche Horde in diesen Tagen die Wallfahrtskirche auf dem Hörnleberg geplündert und angezündet: „mit den Wohnungen ihrer mißhandelten Kinder und Verehrer sank auch das Haus der Mutter in Schutt und Ruinen." Nach dem Abzug der Schweden fing man an, mit den niedergebrannten eigenen Häusern auch das Heiligthum der Mutter Gottes aufzubauen. So arm auch die Bewohner des Elzthales waren, beeilten sie sich doch, so viel als möglich an Geld und Frohnden zum Neubau der Wallfahrtskirche beizutragen. Die Gemeinde Bleibach schenkte aus ihren Waldungen alles Holz, dessen man zum Neubau bedürfte. Achtzig Jahre später brachte sie eine Summe ^Geldes, welche, wahrscheinlich in Kriegszeiten vergraben, aufgefunden worden, zum Geschenke, jedoch sollte für den früheren Eigenthümer jährlich um Martini ein Jahrtag gehalten werden. Ein solcher wurde ebenfalls für die Bleibacher auf Freitag in der Pfingstwoche festgesetzt. 1743 stifteten 2 fromme Ehepaare von Bleibach für Abhaltung je einer jährlichen h. Messe ansehnliche Stücke Wald. Seit älterer Zeit mußte der Pfarrer von Oberwinden von Mariä Verkündigung bis Martini jeden Dienstag und Donnerstag eine heil. Messe auf dem Hörnleberg für die Wohlthäter lesen. Seit dem Bestehen der früher angeführten Bruderschaft wurden für die Mitglieder derselben sieben Jahrtage gehalten. Außerdem wurden noch über 40 Stiftungen daselbst gemacht. Nach der Gründung des Kapuzinerklosters zu Hasbach im Jahre 1^' leisteten die Väter desselben häufig Aushülfe auf dem Hörnleberg; im klebrigen lag die Besorgung des Gottesdienstes daselbst dem Pfarrer von Sber- — 345 — winden ob. Zur Bedienung der Kapelle war ein Einsiedler oder Eremit bestellt, der neben der Kirche wohnte. Damit aber auch für die leiblichen Bedürfnisse der Pilger gesorgt sei, wurde bei der Kirche ein Wirthshaus, gebaut und verpachtet. Am 26. Mai 1763 schlug der Blitz in die Kirche und vcrzehrte".sie bis ans die Mauern. Aber das Gnadenbild war glücklich aus dem Brande gerettet worden. Mit Schrauben am Altar befestigt konnte es in der Eile mit Anwendung aller Kraft nicht losgebracht werden. Als die Flammen auch in's Chor drangen, machte mau einen letzten Versuch und siehe, das Bild gleitete wie von selbst einem Manne aus der Nische in die Arme. Alsbald faßte man den Entschluß, die Kirche wieder aufzubauen und der damalige Bischof von Konstanz, Kardinal Franz Konrad von Rodt erließ am 28. Januar 1764 ein Rundschreiben an die Geistlichkeit „Oesterreichischer Landen und Ortschaften", in welchem diese und ihre Pfarrangehörigen zu einer milden Beisteuer für die sowohl uralte als berühmte Wallfahrts- kirche unserer lieben Frau auf dem Hörnleberg aufforderte. Bald war die neue Kirche vollendet und wurde am 16. August 1765 durch den Weihbischof des Bisthums Konstanz, Graf Karl Franz Joseph von Fugger-Kirch- bcrg feierlich consekrirt. Nunmehr nahm die Wallfahrt immer mehr zu, bis im Jahre 1780 Kaiser Joseph II. auf den Thron kam und, wie bekannt, Verordnungen erließ,, welche tief in das kirchliche Leben einschnitten. Unter diesen Verordnungen war auch eine, welche die Aufhebung aller Kirchen und Kapellen, welche nicht Pfarrkirchen seien, befahl. Nur durch die eifrigsten Bemühungen des Pfarrers Schilling von Oberwinden und des Probstes Bprsaer von St. Margaretha zu Waldkirch gelang es, die Wallfahrtskirche vom Hörnleberg diesem Schicksal zu entreißen. In Folge der napoleonischen Kriege kamen diese Gegenden am 16. Dezember 1805 an den protestantischen Markgrafen von Baden, welcher den Titel eines Großherzogs erhielt und seine Herrschaft mit der Aufhebung aller Stifte und Klöster begann. Am 29. April 1811 erschien eine Verordnung, welche die Feste von Nebenpatronen, sowie die Patrocinien und Kirchweihen solcher Kapellen und Nebenkirchen, wo kein pfarrlicher Gottesdienst stattfand, gänzlich verbot und diese Kirchen gerade an jenen Tagen zn schließen befahlt Da die Wallfahrt auf dem Hörnleberg als Nebenkirche angesehen wurde, war damit zunächst nur die Kirchweihfeier am Dreifaltigkeitssonntage verboten. Jedoch unterm 12. Oktober 1811 erging ein Verbot der bischöflichen Behörde an den Pfarrer Brugger von Oberwinden, an Werktagen feierlichen Gottesdienst zu halten und benachbarte Geistliche dazu einzuladen. Am 3. Dezember 1812 erschien folgende Verordnung: „Einstweilen wird bis auf weitere Anordnung aus Nachsicht erlaubt, daß an den schon bestimmten acht bis neun gebotenen Feiertagen in der Wallfahrtskirche feierlicher Gottesdienst statthabe. An abbestellten Feiertagen und überhaupt an allen Werktagen darf auf der Wallfahrt Hörnleberg künftig weder zur Beicht gehört, noch das heil. Abendmahl ausgespendet und niemals eine Predigt oder Singgehalten werden." Vierzehn Jahre lang hatte dieser Zustand fortgedauert, da schlug in der Nacht vom 4. auf den 5. September 1826 der Blitz in die Wallfahrtskirche und verzehrte sie bis auf die vier Mauerwände. Aber auch jetzt wurde das Gnadenbild nebst einigen Geräthschaften gerettet. Jedoch alle Bemühungen, die Kirche wieder aufzubauen, scheiterten, da sowohl von weltlicher uls von geistlicher Behörde der Wiederaufbau verboten wurde. Das Gnadenbild und die Paramente, sowie das nicht unbedeutende Vermögen der Wallfahrtskirche wurde der Pfarrkirche in Oberwinden zuertheilt. Das Marienbild wurde auf einem Nebenalter der Pfarrkirche aufgestellt, „jedoch fei darauf Bedacht zu nehmen, den Nebenaltar, wo jetzt das Wallfahrtsbild zu stehen kommt, mit einem schönen Marienbild zu verzieren, wodurch das Wallfahrtsbild verdrängt werden dürfte." Jedoch die Anhänglichkeit an den Gnadenort konnten die Feinde des H örnleberges den Elzthälern nicht aus dem Herzen reißen. Immerfort pilgerten sie zu der verödeten Stätte; wie das Feuer unter der Asche, so glühte auch die Andacht zu dieser Wallfahrt fort in den Seelen der Katholiken, trotz der Verwüstung der Kirche und der Lauigkeit der Zeit. Die Grundmauern der Wallfahrtskirche, die im Jahre 1828 zusammen mit dem Stalle des Wirths um 2S Gulden verkauft worden, waren stehen geblieben, sei es, daß Niemand die letzte Spur des Heiligthums vertilgen wollte, sei es, daß der Transport der Steine nach Oberwinden zu theuer war. Innerhalb dieser Umfassungsmauern und zwar, auf der rechten Seite, wo vordem vielleicht die Kanzel gestanden, waren ungefähr mannshoch in der Mauer zwei Balkenstücke befestigt und ein Brett darüber gelegt. Das diente zum Schutze für ein darunter stehendes, altes und theilweise zerbrochenes Muttergottesbild; rings herum aber saßen und knieten die Pilger theils auf herabgefallenen Mauerstücken und Steinen, mitten zwischen den Ruinen. Und daß sie gar oft Erhörung fanden, das beweist der ununterbrochene Besuch der traurigen aber doch so werthen Stätte. Ueber 24 Jahre zeigt der Hörnleberg dieses wehmüthige Schauspiel. Da wurde statt des Bisthums Konstanz das Erzbisthum Freiburg gegründet und 1843 Hermann von Vicari als erster Erzbischof ernannt. An diesen wendeten sich 18Z I Pfarrer Eberle von Untersimonswald und die Bürgermeister Winterhalter, Baumer und Stratz mit der Bitte, es möchte ihnen ertaubt werden, am Christi Himmelfahrtsfest eine Prozession auf den Hörnleberg mit Amt und Predigt auf der Stelle der ehemaligen Wallfahrtskirche abhalten zu dürfen. Dieses wurde gestattet und über 1600 Menschen meist Simonswälder nahmen an der Feier Theil. — 347 — Im Jahre 1855 ward die Erlaubniß ertheilt, die Kirche neu aufzubellen. Durch die Opferwilligkeit der Gläubigen ward es ermöglicht, das; m 17- August 1856 das nunmehr vollendete Chor von dem Pfarrer Friedrich Keller von Oberwinden eingeweiht werden konnte. Ueber 5000 Personen waren bei der schönen Feier zugegen. Von nun an erhielt die Wallfahrt einen neuen Aufschwung. Dienstag und Donnerstag jeder Woche winden wieder als Wallfahrtstage bestimmt, die umwohnenden Geistlichen besorgten daselbst den Gottesdienst und von allen Seiten strömten die Pilger, wie früher hinzu. Am 3. Oktober 1356 fand die erste, am 14. Mai 1882 eine zweite Glockenweihe auf dem Hörnleberg statt. Durch die eingegangenen Opfer und durch besondere Zuwendungen ward es ermöglicht, an das neue Chor ein Langschiff anzubauen, und am 7. Oktober 1883, dem Rosenkranzfeste, wurde nun auch das Gnadenbild aus der Pfarrkirche zu Oberwinden unter großer Feierlichkeit wieder aus dem Hörnleberg übertragen. Am 4. März 1384 bewilligte Papst Leo XIII. einen vollkommenen Ablaß an den Festen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, dem Feste Mariä Heimsuchung, dem Feste Mariä Himmelfahrt und dem Rosenkranzfeste sowie während der Oktav dieser Feste; ferner einen Ablaß von sieben Jahren an allen anderen Festen der Mutter Gottes und einen Ablaß von 100 Tagen a» jedem beliebigen Tage des Jahres. Sodann privilegirte der hl. Vater den Hochaltar durch Breve vom 22. Januar 1885 auf 10 Jahre; am 21. Mai 1885 verlieh er den Priestern, welche gelegentlich einer Wallfahrt dort celebriren, das Recht, die Votivmesse der allersel. Jungfrau Mariä zu nehmen und zwar für alle Zeiten. Ferner wurden die gestifteten 113 Wall- fahcksjahrzeiten geregelt; 7 müssen in der Gnadenkapelle selbst gelesen werden, die übrigen 106 wurden ans 49 reduziert und in die Pfarrkirche Ober- ivieden verlegt. Durch Beschluß des erzbischöflichen Capitularvikariates vom 15. Juli 1886 wurden auch die von Alters her gestifteten 8 Predigten bei der Wall- sahrt wieder angeordnet. Es finden fortan Predigten in der Kapelle statt: I. am Mittag folgender Festtage mit Andacht (Vesper): 1. Dreifaltigkeitssonntag; 2. Mariä Himmelfahrt; 8. Mariä Geburt; 1. Rosenkranzsonntag. am Morgen folgender Werktage mit h. Messe, in welcher gesungen wird: 1- Mariä Hilf (24. Mai); 2. Mariä Heimsuchung (2. Juli); ">. Oktav von Mariä Himmelfahrt ( 22. August); 4. Maria von der Erlösung ( 24. September). — 348 — Maria-Hilf in Moosbronn. u den besuchtesten Wallfahrtsorten in Baden gehört auch dil unter den? Namen Maria-Hilf bekannte Gnadenkapelle in Moosbronn, drei Stunden von Ettlingen entfernt, auf den Höhen zwischen dem Rhein-, Alb- und Murgthale gelegen. Der Ort, ringsum meistens vo„ Wiesen und Waldungen begrenzt, zählt etwa 15 Wohnhäuser, die vereinzelt stehend theils zu Württemberg, theils zu Baden gehören. Hart an der Kirche steht der Grenzstein. Drei Aemter herrschen über die Ortsbewohner Neuenburg, Gernsbach und Ettlingen. Die Entstehung und das Alter der Wallfahrt läßt sich nicht mit Besti mmtheit angeben; vermuthlich verdankte die alte Kapelle ihr Dasein den edlen Grasen von Eberstein, welche in grauer Vorzeit hier eine Burg bei dein Lindenbrnnnen erbaut hatten, von welcher man bei Erbauung des jetzigen Gotteshauses noch die Fundamente ausgrub und die Quadersteine zm Thurmbaue verwendete. Noch bis auf den heutigen Tag nennt man deshalb die Wiesen beiin Lindenbrunnen „Die Schloßwiesen". Zn dieser Kapelle stand auf einem Märchen ein Marienbild, das nach der Volkssaze vor Zeiten in dem Lindenbaume, nicht weit von der Kirche, sich befunden, das aber durch einen lieblichen Gesang ans dem Baume heraus sich selbst ! verrathen habe. Von diesem berühmten Lindenbaume steht gegenwärtig um I noch der Stamm; würdig, den alten Eichen Deutschlands an die Seite ge- I stellt zu werden, aber vielfach zerstückelt und zerbrochen durch die Hände der I Pilger, die sich alle gern ein kleines Andenken davon mit nach Hans ach- I inen. Das Wasser, das unter demselben hervorfließt, ist sehr rein und gut, I der Brunnen selbst wird der „Gnadenbrunnen" genannt. Die kleine Kapelle wurde aber in? Laufe der Zeit abgebrochen u»b l durch eine größere und schönere ersetzt. Der zahlreiche Zulauf der Pilger I aus dei? umliegenden Ortschaften machte dieses nothwendig und so entschlossen I sich denn der Markgraf Ludwig Georg II. und seine fromme Gemahlin I Anna von Schwarzenberg, iin Vereine mit den? Kreisdirektor, Freiherr von l Lassolaye in Gernsbach und den? Pfarrer Genfer von Völkersbach, in diesem I stillen Thalc der lieben Mutter Gottes eine herrlichere Stätte zu bereite». Der Markgraf selbst ging mit einem schöne?? Beispiele der Opferwilligkeil voran; ihin folgte das nun aufgehobene Kloster Frauenalb. Auch die Nachbarorte verpflichteten sich, Geld und Holz zum Baue der neuen Kirche herzugeben. So war denn der Bau gesichert und an? 28. September 1?^ wurde unter großer Feierlichkeit der Grundstein gelegt. Nach drei Zahn» war der Bau vollendet und ain 17. Oktober 1749 weihte Reichte, speirischn' geistlicher Rath und Pfarrer ii? Rothenfels die Kapelle unter großem Za- lauf des Volkes ein."" Hierauf wurde durch denselben das Hochamt für den Markgrafen von Baden-Baden und sein ganzes fürstliches Haus celebrirt »iid nach demselben brachten die Pfarrer von Völkersbach, Burbach, Ober- weier a. E., Niederbühl und Michelbach das h. Meßopfer in derselben Meinung dar. Früher las der Pfarrer von Völkersbach jeden Samstag in der alten Kapelle die h. Messe, nach dem Jahre 1749 aber ward mit hoher Bewilligung der Freitag als Wallfahrtstag bestimmt, an dem jetzt noch, wie auch an den übrigen Tagen der Woche, das h. Meßopfer dargebracht wird, — Um diese Kapelle wurden auch, wie im Völkersbacher Todten- buche zu sehen ist, die betreffenden Einwohner beerdigt. Den Platz um die Kirche aber, wo die Todten ruhen, schenkte ein hiesiger Einwohner, Sebastian Buchlinger, der Kirchengemeinde, die jetzt von den Orten Freiolsheim, Moos- imm und Mittelberg gebildet wird. Die Kirche hat einschließlich des Chores eine Länge von 79 Fuß und eine Breite von 31 Fuß. Eilf Bogenfenster bringen das nöthige Licht in die Kirche. Das Gewölbe des Chores läuft nach unten in 5 Bogen aus; m die Mauern des Langschiffes zieht sich unterhalb der Decke ein schönes Gesims hin. Der Thurm, welcher dem Hauptportale der Kirche vorgebaut ist, hat eine Höhe von etwa 130 Fuß und trägt auf seinem Mauerwerk zwei schön gerundete Kuppeln mit schwarzem Schiefer gedeckt, das Kreuz auf der Spitze. Die Kirche besitzt drei Altäre. Der Hochaltar erregt die Bewunderung Aller. Vier Säulen bilden über dem Tabernakel einen Baldachin, an dessen Endpunkten ein schön geschnitzter Schild mit dem Namen Mariä sich befindet und über diesem noch ein Kreuz. Unter dem Baldachin ist das Lamm Gottes, von allen Seiten in goldenen Strahlen und silbernen Wolken glänzend, ruhend auf dem Buche mit sieben Siegeln. Die Rückwand des Hochaltars ziert das schöne Madonnabild „Maria Hilf", dessen reich geschnitzte und in Gold prangende Einfassung dem Künstler alle Ehre macht. Zu der Umgebung Mariens mit dem lieben Jesukinde blicken dann abwechselnd zwischen Spiegeln, Leuchtern und Silberwolken niedliche Engelsköpfchen herab. Neber dem Tabernakel steht auf seinem Neste der Pelikan. Zur Rechten und zur Linken des Tabernakels schweben zwei größere Engels- ghtalten, den Sohn Gottes ans dem Altare in ihre Mitte nehmend. Das Antependium des Altartisches ist Mosaik-Arbeit. Zwischen den Säulen des Altars hängen geschnitzte Draperien herunter, an welche sich aus beiden Seiten zwei noch größere Engel mit Palmzweigen in den Händen anlehnen. Von den zwei Seitenaltärcn ist der eine zur rechten Hand beim Eintr äte in die Kirche dem h. Wendelinus, dessen Bild in Lebensgröße in Oel- '»rbe gut ausgführt ist, der andere zur Linken aber dem h. Joseph, dem Wirvater Christi geweiht; beide Altäre sind ebenfalls sehr schön gefertigt, doch mehr einfach gehalten. An dem Tage ihrer Heiligen wird an denselben — 350 — das h. Meßopfer in feierlicher Weise dargebracht. Mehr als diese zwei Seitenaltäre fesselt den Blick die ineben dem Josephs-Altare angebrachte Kanzel, mit Recht ein Meisterstück der Bildhauerkunst. Laut den Pfarrakten wurde sie im Jahre l801 im Monate Juli von zwei Brüdern Thurner aus Tyrol gebürtig und im Elsaß ansässig, zu 150 Fl. frisch gefaßt. Ebenso wurde auch der Hochaltar im Jahre 1807 im untern Theile neu gefaßt und das Kreuz mit Maria und Johannes, das bisher seine Stelle gegenüber der Kanzel hatte und von Frauenalb hierher gebracht wurde. Neben dem Wendelinusaltare steht in einem Glasschranke die Mutter der Gnaden, prangend im silbernem Gewände, das Haupt umwunden mit einem goldenen Sternenkranze, mit ihren Füßen aber der Schlange den Kopf zertretend. Zur Verschönerung dieser Statue haben vormals verschiedene Personen aus den höheren Ständen, darunter auch die Kaiserin von Rußland in Wildbad, beigesteuert. Die Emporbühne, die, um Raum zu gewinnen, zu weit herausgebaut is t, s chmücken noch vierzehn Stationsbilder und eine Orgel, die im Jahre 1801 von Orgelbauer Latkp in Baden fast ganz hierher geschenkt wurde. Einige Aufmerksamkeit verdient auch noch ein Oelgemälde von ziemlicher Größe, das h. Abendmahl darstellend, ein Geschenk des Klosters Frauenalb. Es behauptet gegenwärtig seinen Platz über dem Eingange zur Sakristei. Außer den schon genannten Zierden der Kirche müssen wir auch noch zwei silberne Votivtafeln erwähnen, in deren Besitz das Gotteshaus geblieben ist und die an den Feiertagen in der Regel aufgesteckt sind. Die eine Votir- tafel ist ein Geschenk der Markgräfin Anna von Schwarzenberg. Diese fürstliche Frau hatte nämlich ein ganz besonderes Vertrauen zu Maria Hilf. Zierlich in Silber geprägt, auf schwarzer Sammttafel befestigt, liegt die Stifterin mit gefallenen Händen auf ihrem Krankenbette, zu Maria Hilf betend. Während ihrer Krankheit hatte sie aber überdies noch jedesmal das Glied des Körpers, an welchem sie litt, in gediegenem Silber ausgeprägt, hierher bringen lassen, dessen sämmtlicher Werth gegenwärtige Monstranz bezahlte, welche im Jahre 1789 in Mainz für 61 Gnlden gekauft wurde. Unter diesen Geschenken führt das Pfarrbuch an: eine silberne Hirnschale, eine silberne Hand, einen silbernen Fuß, einen silbernen Finger, ein silbernes Kopfblatt. Das andere hier noch befindliche Geschenk ist ein großes silbernes Herz, ebenfalls auf einer Sammttafel ruhend. Von anderen Wohlthätern wurden auch zwei Mcßkelche gestiftet. Bei der Säkularisation des Klosters Frauenalb ward die hiesige Kirche auch mit einigen Paramenten bedacht, darunter herorzuheben ist ein rothes Meßgewand, im Kreuzbalken Christus, Maria und Johannes am Fuße desselben, der hl. Petrus mit dem Himmelsschlüssel zur Rechten, der Paulus mit dem Schwerte zur Linken, eine Stickerei auf Sammt, die nicht blos eine sehr geschickte Hand, sondern auch ein hohes Alter verräth. Außerdem erwähnen die Pfarrakten noch die Namen einige: — 351 — anderer hohen Wohlthäterinnen dieser Kirche. So schenkte die Prinzessin Elisabeth von Baden ein Meßgewand in. weißem Damast, ein gleiches in weißem Atlas mit golddurchwirkten Blumen die Markgräfin Viktoria von Baden. Das Bild „Maria Hilf" am Hochaltar soll ein Geschenk der Gräfin Maria Anna von Gerolsau im Beuremerthal sein, dem die andere Mittheilung, als Wen es gewisse Thoma'sche Eheleute von einem Maler in Baden gekauft, widerstreitet. Aufgeführt wird noch ein goldenes Kreuz, das nicht mehr- vorhanden, wahrscheinlich zum Besten der Kirche veräußert wurde. Im Jahre 1791 wurde, laut pfarramtlicher Urkunde, die hiesige Wallfahrtskirche zu einer Pfarrkirche erhoben, an der bis jetzt 19 Pfarrer und Pfarrverweser dienten. Das Pfarrhaus, welches durch einen schönen Garten Mi der Kirche getrennt liegt, wurde 1801 in seinem Bau begonnen und nach 5 Jahren vollendet. Im Jahre 1817 wurde der Kirchthurm reparirt, weil durch einen heftigen Wind die Helmstange, die angefault war, abgebrochen wurde und das Kreuz heruntersiel. 1849 wurde die Kirche reparirt und 1803 das Innere derselben ausgemalt. Das Pfarrarchiv meldet uns folgende Begebenheit: „Am 9. Juli 1796 kamen die Franzosen hier durch, beiläufig 4000 Mann an der Zahl, und zagen nach Frauenalb, ließen aber oberhalb der Kirche ein Piquet von M Mann stehen bis zum folgenden Tage, welches die Gefangenen weiter transportiren mußte. In der Kirche blieb Alles unversehrt stehen, nur die zwei Opferstöcke wurden gewaltsam erbrochen. Vier Mann Kaiserliche blieben todt auf dem Platze liegen, wovon zwei auf dem Kirchhof rechter Hand, wo man hinten ausgeht, vom Pfarrer begraben wurden, zwei liegen am Wege begraben, wo man vom Michelplatz abwärts geht." „Am 29. Juni 1849 waren gegen 6000 Preußen hier. Dieselben kamen wie aus dem Boden gezaubert; es entstand zwischen den badischen Soldaten und den Freischaaren gegen sie bei Michelbach ein Gefecht, wobei die Preußen retiriren mußten. Dabei gab es Todte, Verwundete, wovon manche im Hospitale zu Rastatt starben. Am 29. Juni, Nachmittags 1 Uhr, speisten sieben Offiziere verschiedener Grade, worunter auch der Fürst von Reuß sich befand, im hiesigen Pfarrhause, allseitig lobend das herrliche „Bivouak-Essen", Hirschwird Ruckenbrod gab dazu ungern einen seiner fetten Ochsen. Abends 5 Uhr kam von Bernbach Ordre zum Aufbruche. Die 18,000 Mann, welche die Albstraße hinauf nach Gernsbach zogen, beschossen diese Stadt, wo sich die Freischaaren stark postirt hatten, und derselben Borstadt, aus ärmlichen Hütten bestehend, brannte ab." Wichtig für den hiesigen Wallfahrtsort dürfte nachstehende in dem Pfarrarchiv lateinisch niedergeschriebene Begebenheit sein, milesiuao söpting'siitösimo vovaAssiirm ootavo llis prima vaousis ^.UAUsti ?rau- eiseus llosopbus Nosmr in Lstsciork iutsrioris ^Isatias oriuuäus st in — 352 — Ktuuärveiler oivis uämissus et idiäera ooujuAutus a militibus snw in- sogusukibus iu propria llowo, udi se oeoultuHut, cietootus et urröptns, inäs euui äueeretur in via a Lul/. versus HÄAeuouni in silvn invooato auxilio Lestissiinae Vir^inis Nuriae oursu oelörriino so ipsuiu lideravit e innuikus eustoäientininz et inäe salvus et ineoluiuis per kbeuum tiÄnsveetus Ine nävsnit, et in si^nuin Ai ntitnciinis ueeopti denetioii bnso iuseri Iruio libro expresso postuluvit, et simul lristerinru äopietaw in tabula suo toruporo bio appeucli spoponäit. In Noostronn aä II. V. Nariarn auxiliatrieeru.^^j Wir übergehe n die vielen wunderbaren Gebetserhöruugen, welche nach den Pfarrakten hier geschehen sind. Außer dem Schmerzensfreitage werden besonders die Festtage Maria Himmelfahrt, Geburt und Namen feierlich begangen und man zählt an diesen Tagen in der Regel etwa 3000 Pilger. Jedoch auch an den anderen Tagen des Jahres, besonders Freitags wird dieser Wallfahrtort fleißig besucht. Sankt Jakob bei Wolfach im Kinzigthale. or vielen Jahrhunderten, so erzählt die fromme Legende, hüteten Kinder von Wolfach in der Gegend, wo jetzt die St. Jakobuskapelle steht, ihre Heerden. Da hörten sie mehrmals einen wunderlieblichen Gesang, welcher aus einer Tanne zu kommen schien. Als man die Tanne untersuchte, fand sich in derselben ein Bild des Apostels Jakobus des Größeren, welcher ein Bruder des Apostels Johannes und wahrer Anverwandter unseres Herrn war. Hocherfreut über diesen Fund errichteten die Bewohner der Gegend unter der Leitung eines frommen Edelmannes, Konrad von Kalw, zu Ehren des h. Jakobus aus dem Platze, wo sein Bild gesunden worden war, eine Kapelle. Gewiß ist, daß die Kapelle um's Jahr 1433 unter der Regierung des minderjährigen Grafen Heinrich VI. von Fürstenberg und seiner Mutter, Adelheid von Misch, erbaut und von den Bewohnern des Kinzigthales viel besucht wurde. Diese erste St. Jakobskapelle stand bis zur großen Kirchcn- Am i. August 1708 wurde Franz Joseph Meyer von Betsdorf, im Unterelsaß gebürtig und in Stundweiler, wo er verheirathet war, wohnhaft, von Soldaten in seinem Hause, wo er sich verborgen hatte, aufgefunden und fortgeschleppt. Als er ans dem Wege von Sulz nach Hagenau in einem Walde war, rief er die fürbittende Hülfe Marias an und befreite sich durch schnellen Lauf aus den Händen seiner Häscher. Ueber den Rhein setzend kam er hier wohlbehalten an und verlangte als Zeichen des Dankes für erhaltene Rettung, daß diese Begebenheit ausdrücklich in ein Buch niedergeschrieben werde mit dem weiteren Gelübde, ein Bild mit dieser Thatsache malen und es hier seiner Zeit aufhängen zu lassen. — 353 — Haltung; in den Wirren und Kriegen, welche die Folgen derselben waren, wurde die Kapelle zerstört und der Platz lag über 100 Jahre wüste. Erst im Jahre 1659 beschlossen zwei Wolfacher Bürger, die St. Jakobskapelle wieder zu erbauen, „wenn sie schon sollten ihr Hab und Gut daran setzen." Es geschah und die neue Kapelle ward wieder zahlreich besucht, zumal die Päpste Alexander VII. (im Jahre 1663) und Clemens IX. (im Jahre 1668) dieselbe mit Reliquien und Ablässen beschenkten. Ja die Theilnahme der Gläubigen und der Andrang der Wallfahrer wurde so groß, daß man schon im Jahre 1680 die allzu kleine Kapelle abbrach, den Platz ebnete und eine neue, größere Kirche erbaute, welche am 21. Mai 1685 von dem Weih- bischos von Konstanz eingeweiht wurde. Diese dritte St. Jakobskapelle wurde im Jahre 1705 mit neuen Altären ausgestattet und, obgleich ohne erhebliches Vermögen, durch die Anhänglichkeit und Mildthätigkeit der Wallfahrer trotz aller Hindernisse bis heute unterhalten. Die Ablässe, welche die Päpste Alexander VII. und Clemens IX. zu Gunsten der St. Jakobskapelle verliehen und der glorreich regierende h. Vater, Leo XIII., durch Rescript der h. Kongregation der Ablässe und Reliquien um 27. November 1879 bestätigt und erneuert hat, sind folgende: 1. Der Hochaltar der St. Jakobskapelle ist privilegirt für alle Montage des ganzen Jahres und für die Oktave des Allerseelentages, d. h. wenn ein Priester an einem dieser Tage für die Seele einer verstorbenen Person die h. Messe liest, so gewinnt diese Seele vollkommenen Ablaß. 2. Alle Christgläubigen, welche am Feste des h. Apostels Jakobus (25 Juli) in der Kapelle die h. Sakramente der Buße und des Altars empfangen, oder, nachdem sie dies anderswo gethan haben, die Kapelle besuchen und dort die gewöhnlichen Ablaßgebete, d. h. mindestens 5 Vater unser und den Glauben in der Meinung des heiligen Vaters andächtig verrichten, gewinnen vollkommenen Ablaß. 3. Einen Ablaß von 7 Jahren und 40 Tagen gewinnen jene Christ- gläubigen, welche nach Empfang der h. Sakramente der Buße und des Altars die St. Jakobskapelle am ersten Fastensonntage, oder am weißen Sonntage, oder am Feste der h. Apostelfürsten Petrus und Paulus, oder des h. Erzengels Michael andächtig besuchen. Im Jahre 1864 wurde durch die Bürger von Wolfach die Bruderschaft zum h. Jakobus um eiuen guten Tod gestiftet und im gleichen Jahre kirchlich bestätigt. Die Mitglieder derselben sind verpflichtet, wöchentlich " Nater unser und den Glauben für die sterbenden und verstorbenen Brüder und Schwestern zu beten und jährlich wenigstens einmal selbst, oder durch ane andere Person, die Kapelle zu besuchen. Außer den oben genannten Ablässen können die Mitglieder der Bruderschaft noch vollkommene Ablässe gewinnen am Tage der Aufnahme und in der Todesstunde. 23 — 354 — Waghäusel. n dem Wagbachc, 30 Kilometer von Karlsruhe entfernt, an der Linie Karlsruhe-Mannheim der Badischen Staatseisenbahn, liegt das Dorf Waghäusel mit einer Wallfahrtskirche zur lieben Mutter Gottes. Die Sage berichtet die Entstehung dieser Wallfahrt wie folgt: Im Jahre 1435 entdeckte ein Schäfer in einem Baume daselbst ein Muttergottesbild. Hierüber hoch erfreut, begab er sich, so oft er konnte, zu dem Baume uud verrichtete daselbst seine Andacht. Bald verbreitete sich die Kunde davon in der ganzen Umgegend und der Schäfer errichtete nun an dieser Stelle ein Bildstöcklein, in welches er das gefundene Bild aufstellte. Von allen Seiten eilten nun die Gläubigen hinzu, und mehrere wunderbare Gebetserhörungen, welche sich dort ereignet haben sollen, verbreiteten den Ruf des Bildes immer mehr. Hierdurch bewogen, ließ der Bischof von Speier, Mathias von Rammingen 1473 an dieser Stelle eine ziemlich geräumige Kapelle zu Ehren der Himmelskönigin und der Mutter Anna mit einer Wohnung, Waghäusel genannt, errichten, wodurch die Andacht und der Zulauf eine noch größere Ausdehnung erreichte. Diese Kapelle, das Chor der späteren größeren Kirche, trägt heute noch das Wappen dieses Bischofs. Im Jahre 1476 wurde ein Kapellenknecht, Namens Wendel, angestellt, um die Kapelle zu bedienen und bei derselben zu wohnen. Nach der demselben ertheilten Instruktion war er u. A. verpflichtet, die Kapelle zu reinigen, den Priestern, welche zum Messelesen dahin kommen, am Altare zu dienen, das Opfergeld in den dazu bestimmten Opferkasten zu werfen, was an Kleidern, Armbrusten, Harnischen, Schuhen, Vieh, Hühnern Flachs, Eieru, Käse, Wachs u. s. w. geschenkt wurde, zu verwerthen und den Erlös den Heiligenpflegern einzuhändigen, die ihn dem Amtmanne zu verrechnen habe». Eine fernere Anordnung besagte, daß der Kirchweihtag dieser Wallfahrtskapelle im Bisthum solle verkündet und dabei ein Jahrmarkt abgehalten werden; zur Nachtzeit solle die Kapelle geschlossen sein; an den hohen Festung Feiertagen, namentlich im Sommer, sollen ein oder zwei heil. Messen gelesen und dabei auch gepredigt werden; der Pfarrer und der Zollanfseher in Udenheim sollen die Heiligenpfleger und der dortige Zollschreiber der Baumeister dieser Kapelle sein. Schon im folgenden Jahre wurde ein besonderer Kaplau, Paul Colerv bei der Kapelle angestellt, welcher auf dem Waghäusel wohnen und die Opfer in ein besonderes Buch einzeichnen sollte. Im Jahre 1616 ließ Bischof Philipp Christoph von Sötern die Kapuzine r in seine Diözese Speier kommen. Diese erwählten Waghäusel zu ihrer ersten Wohnung. Um sie in ihrer Armuth zu unterstützen, wurde jenen Brautleuten, welche um bischöfliche Dispens über den dritten oder vierten Grad der Verwandtschaft nachsuchten, in der Regel ein Almosen für den Opserstock zu Waghäusel auferlegt. Nach kurzer Zeit erhielten die Kapuziner zu Waghäusel vom Bischof die Erlaubniß, allenthalben in seiner Diözese durch Predigen und Ausspendung der heiligen Sakramente segensreich auf das Volk einzuwirken. Sowohl die Pfarrer, als auch die Amtleute und Schultheißen wurden angewiesen, dem Eifer der ehrwürdigen Väter nichts in den Weg zu legen, sondern sie durch willige Aufnahme und Gastfreundschaft in ihrem Berufe zu unterstützen.*) Drei Jahre hatten die Kapuziner an diesem Gnadenorte für die Ehre Got tes gearbeitet, als sie bei einem Ueberfall kalvinischer Soldaten vertrieben und zur Flucht genöthigt wurden. Mit dem wunderthätigen Bilde begaben sie sich zuerst nach Udenheim, dem späteren Philippsburg, sodann nach Mainz und hierauf nach Speier, wo sie während der Kriegsunruhen unter dem Schutze des Bischofs verweilten, bis ihnen die Rückkunft nach Waghäusel möglich wurde. Diese erfolgte im Jahre 1630, in welchem denn auch das Gnadenbild zurückgebracht und die zerstörte Wohnung der Kapuziner auf Anordnung des Provinzial-Ministers Pater Viktor wieder in Stand gesetzt wurde. Mit neuem Eifer wirkten die Väter an dem Seelenheile der zahlreich herbeiströmenden Pilger, bis im Jahre 1632 die schwedischen Truppen in Waghäusel einfielen und sie vertrieben. Wiederuni mußten sie nach Speier flüchten und zwar mit solcher Eile, daß sie nicht einmal Zeit fanden, das Gnadenbild mitzunehmen. Die Kapelle wurde ausgeplündert und verwüstet, nur das Gnadenbild blieb verschont. Als nun ein kalvinischer Bürger von Waldorf, welcher die Glocken der Kapelle geraubt hatte, das Gnadenbild erblickte, rief er die gotteslästerlichen Worte aus: „Holla, du Wölfin! So bist du denn ganz allein hier zurückgeblieben? Der Teufel soll mich holen, wenn ich dich nicht zu Boden schmettere!" Sogleich riß er die Statue zu Boden und stieß neue Lästerungen aus, während seine Begleiter in schallendem Gelächter ihren Beifall zu erkennen gaben. Aber bald verwandelte sich das Gelächter in schmerzhaftes Stöhnen. Kaum war der Verbrecher zehn Schritte von dem Orte seiner Missethat entfernt, als seine Eingeweide von den furchbarsten Schmerzen gefoltert wurden; er stürzte zu Boden, schrie um Hülfe und konnte nur mit Mühe nach Hause gebracht werden. Hier wurde er das Opfer einer furchtbaren Krankheit, die seine Kräfte schnell aufrieb und ihn zur Beute des Grabes machte. Ein Augenzeuge dieses schrecklichen Ereignisses, der, durch dasselbe erschüttert, einige Jahre später in den Schooß der h. Kirche zurückkehrte, entdeckte dies Alles seinem Pfarrer auf dem Todtenbette. — Noch in demselben Jahre gelang »s den Kapuzinern, das Gnadenbild wieder nach Speier zu bringen. ch Remling, Geschichte der Bischöfe von Speyer. 23* — 356 — Im Jahre 1636 brach in dem Kapuzinerkloster zu Speier eine ansteckende Krankheit aus, von welcher die meisten Väter ergriffen wurden. Sie machten das Gelübde, täglich vor dem wunderthätigen Bilde von Waghäusel den vom h. Bonaventura verfaßten Lobgesang: De rn-rtrom äoi Innänrnus und die Antiphon: Stelln eoeli mit der gewöhnlichen Collekte zu beten. Nachdem sie das Gelübde drei oder viermal erfüllt hatten, waren Alle von dem Uebel befreit mit Ausnahme des Paters Apollinaris von Bernkastel, welcher einige Tage später genas. Im Jahre 1638 kehrten die Väter mit dem wunderthätigen Bilde wieder nach Waghäusel zurück. Im Jahre 1639 faßte Caspar Bambcrger von Rauhenberg, Herr zu Lahr, Bischweiler und Hauhofen, kaiserl. Obrist und Commandant in Philippsburg mit seiner Ehefrau Anna Hund von Saulheim den Entschluß, das Kapuzinerkloster neu zu erbauen und legte noch in demselben Jahre am Feste Maria Himmelfahrt den Grundstein zu demselben. Nach einem an der nordöstlichen Ecke der Kirche befindlichen Denksteine wurde dasselbe 164V vollendet. Im Jahre 1663 erhob sich noch einmal die Hand eines Frevlers gegen das Gnadenbild. Dasselbe wurde aller Kostbarkeiten beraubt, mit denen es geziert war, und ihm das Haupt abgeschlagen. Voll Schmerz über dieses Verbrechen wandten sich die Väter an den h. Antonius von Padua. Aus dessen Fürbitte wurde das Haupt ungefähr 1000 Schritte von dem Convente entfernt in einem hohlen Baume gefunden und nach Waghäusel zurück gebracht. Das Volk aber nannte von nun an jenen Baum „den Marienbaum". Es trat nun bald das Bedürfniß zu Tage, die Kirche zu vergrößern. Im Jahre 1683 wurde der Weiterbau in Angriff genommen und sodann am 8. September 1685 die Kirche eingeweiht, wobei der kaiserliche Commandant von Philippsburg, Graf M. von Stahremberg 113 Kanonenschüsse abfeuern ließ. Bald darauf brach der Krieg mit Ludwig XIV. von Frankreich aus. Der Dauphin von Frankreich, welcher in Philippsburg 1690 verweilte, erließ an die Ordensmänner den Befehl, Waghäuscl zu verlassen. Wiederum flüchteten die Väter und zwar nun nach Kirrbach, waren aber so glücklich, das Gnadenbild mitnehmen zu können. Kirche und Kloster wurden am Palmsonntage durch Feuer zerstört. Im Jahre 1691 befand sich das Gnadenbild in der Kapuzinerkirche zu Heidelberg, wohin es wegen der Kriegsunruhen gebracht worden war, und jeden Samstag wurde nach der Vesper unter großem Zulaufe des gläubigen Volkes die lauretanische Litanei vor demselben gesungen. Bis zum Jahre 1697 blieb die Custodie zu Waghäusel verlassen. Erst nachdem in diesem Jahre der Ryswicker Friede geschlossen worden, konnten — 357 — die Söhne des h. Franziskus aus Kirrbach wieder nach Waghäusel zurückkehren. Aber dort fanden sie Alles in trostlosem Zustande. Mit Hülfe des gläubigen Volkes stellten sie Kirche und Kloster wieder her und bald hob sich auch wieder die Wallfahrt. 1704 am 2. September traf Prinz Eugen bei Philippsburg ein, um das Schlagen einer Brücke und den Rheinübergang 'der Truppen zu leiten und nahm sein Quartier im hiesigen Kloster. Der Feldherr war 6 Tage da, pflegte in aller Frühe aufzustehen und nahm unter dem Anschein des Jagens mit wenigen Begleitern eine Recognoscirung des linken Nheinusers vor, von wo er um halb eilf Uhr zurückkehrte, um die h. Messe zu hören; dann blieb er bei den Patres im Convente, ohne dieselben im Geringsten in ihren Verrichtungen zu stören. Das Mittagsmahl nahm er um halb ein Uhr in Gesellschaft seiner Offiziere, während die Kammerherren und Sekretäre mit den Klosterbrüdern speisten. Um 9 Uhr fand in gleicher Weise das Abendessen statt; doch habe der Prinz selten etwas mehr genommen, als eine Chokolade. Am 22. September kam Kaiser Joseph I. hierher und blieb zu Tische. Man bot Alles auf, den hohen Herrn würdig zu empfangen. Die Kapuziner errichteten im Refektorium den königlichen Tisch nach Art eines Thrones, über welchem in großen Lettern aus Blumen die Inschrift prangte: „Vivat Uex Uornanoruin." An der Wand, dem Throne gegenüber, erblickte man in gleicher Ausführung die königlichen Jnsignien. Zum Erholungszimmer war die Klosterschule hergerichtet und ausgeschmückt worden; für das Gefolge hatte man außerhalb des Refektoriums Speisetische aufgestellt und für dessen Aufenthalt die umherliegenden Kammern bestimmt. Die feierliche Tafel, die nach Ankunft des Königs eröffnet wurde, bestand darin, daß derselbe auf einer Estrade allein speiste, umgeben und bedient von den Hofchargen in rother Sammtkleidung. Die Speisen theils in der Küche theils auf dem Vorplatz des Klostergartens bereitet, kamen alle zuerst auf deu königlichen Tisch und von diesem auf die Tische der Magnaten, Kammerherren, Räthe u. f. w. Nach aufgehobener Tafel bestieg der König seinen Reisewagen um nach Landan zu fahren, nachdem sein Hofmeister für das Mahl 15 fl. und er für den Trunk 80 Dublonen, die Magnaten nach Verhältniß, zurückgelassen. Am 11. Mai 1705 kam Markgraf Ludwig von Baden auf dem Wege von Aschaffenburg nach Rastadt hierhin; er beichtete und communizirte in der Kirche. Als er am 31. Juli aus dem Bade von Wiesbaden zurückkehrte; wollte er ebenfalls nicht ohne Einkehr vorüberziehen, da ihn aber nebst seinem Sohne auch seine Gemahlin begleitete und nach den Ordensregeln kein weibliches Wesen den Convent betreten durste, so wurden die hohen Reisenden gebeten, im Klosterhospize abzusteigen. Nach dem Mittagessen besuchten sie zusammen die Kirche und empfingen den Segen ourn vs- nernbili. Im Oktober 1706 ließ der Markgraf auf der Rückreise von — 358 — Schlangenbad ebenfalls hier anhalten; er betete in der Kirche' und empfing den Segen mit dem Allerheiligsten. Im Vorgefühle seines baldigen Abschei. dens ließ er die Kapuziner, deren Beschützer und größter Wohlthäter er von jeher gewesen, auffordern, ihm zu sagen, ob sie irgend etwas und namentlich für die Kirche nöthig hätten, er wolle es ihnen gerne besorgen. Als der ihn bedienende Pater erwiederte, daß sie nichts bedürften, als etwa ein Brevier mit Diurnal für den Chorgebrauch, befahl der Fürst sogleich seinem Adjutanten, den Wunsch zu notiren und sandte bald darauf das Buch sammt Zubehör in Prachtausgabe und im Werthe von 51 fl. Der berühmte Pater Martin von Cochem war seit 1705 in dem Kloster zu Waghäusel, wo er am 12. September 1712 selig verschied. Sein Leib wurde in der Gruft des Klosters begraben und ein schwarzes Kreuz mit weißgeschriebener Inschrift bezeichnet die Stelle, in der seine sterblichen Ueberreste ruhten. „Pater Cochem starb in dem Ruf der Heiligkeit und es war deßhalb verboten sein Grab zu öffnen. Als dieses aber später doch irrthümlicher Weise geschah, wurde es sogleich wieder geschlossen, und kein Anderer wurde an seine Stelle gelegt; seinen Schädel aber stellte man bei dieser Gelegenheit in dem Chöre des Klosters zu Waghäusel auf." So schrieb der Kreisphysikus Or. Comes am 26. Juli 1835 an Joseph von Hommer, Bischof von Trier. Am 13. September 1725 übersendete die Gemahlin Ludwigs von Orleans dem hiesigen Kapuzinerkloster als gelobtes Geschenk 6 schwere silberne Leuchter, welche neben dem Orleans'scheu und Baden'schen Wappen Inschriften trugen: 1) Virginias Oei inatri Narias all illins altars iv ^VaAÜäusel. 2) /V Lersnissirna Ona ^.nrsliansnsi ^.uAnsta Älaria llollanna. 3) ibiata. inareinonissa lls Lallen-Lallsn. 4) ?ro t'slioi partu et prospieritats pirineipns sui prirnoASniti. 5) Uer rnanus snnnöntismmi earllinalis st spisoopll Lpireusis Oannani Hn^onis. 6) llstu prstllosa OanOelmlzra ex Veto plllssINo olllmta sVnt. Als am 4. Mai 1734 Franzosen die umliegenden Dörfer plünderten, flüchteten die Einwohner zu den Kapuzinern; der Marschall Bernick gab denselben eine Schutzwache, um sie vor den herumschweifenden Soldaten zu schützen. Am 2. Juni fiel Prinz Jakob Heinrich von Lixim aus dem Hause Lothringen und wurde im zweiten Presbyterium zwischen zwei Seitenaltären begraben. Am 11. Mai 1770 wurde das Herz des Cardinals Franz Christoph nac h Waghäusel gebracht und vor dem Marienaltar beigesetzt; eine Marmorplattc au der betreffenden Stelle hat diese Schrift: Loo sui> war- inors gnioseit pastsrituti iininortaZs vor oarllinalis ginlnentlssillil epnscopn integsrriini pnllnoipns arnatissinn 4'ranoislli Oln'istopbon, ex lideris llaronilzus al» Hütten prosapna, siln ininimnw, tsrris rnajus, rnsritis inaxirnuin, ooslo lliAnurn in vita ssmpsr eou- — 359 — stans st illsrn Oso sidi suisgus, nssoiurn sxtolii ssounciis, nss llijioi zävkrsis, ipsa stinni inorto süpsrius, Host eiäsrn suoouizuit, in guo Mieti reluAiurn, viciuas sudäiti solatium, äiosossis Lpironsis propuAuta austorsrn vensrantur, llivas vlr^ini, vt in vivis dsvatuin, sie luto t'unstura aciarana tllauinaturAus in IVaAllasussi Optimum, c^uocl dabuit, psrpetuum musnos/nou ropoui voluit, äis II. Naji anno UVGGI^XX. r. i. p. Im Jahre 1776 wurde die Kirche durch deu Bischof von Speier Damian August Karl Philipp, Graf vou Limburg-Stirum, vergrößert. Durch die Säkularisation wurde auch das Kloster in Waghäu- fel aufgehoben. In der Wallfahrtskirche, die zur Pfarrei Wiesenthal gehört, wird, wie es in den Kapuzinerkirchen gebräuchlich ist, noch, immer zu Ehren des heilige Antonius jeden Dinstag eine heilige Messe gelesen und eine besondere Andacht abgehalten: Die Kirche enthält fünf Altäre, zwei sind mit den Statuen des hl. Franziskus und Antonius geschmückt und diesen Heiligen geweiht. In der Sakristei stehen noch die alten Schränke, auf denen die Namen der letzten Patres zu lesen sind. Auf der Epistelseite der Kirche führt eine gut erhaltene Treppe in die gewölbte Gruft hinab. Da die alten Kapuziner nicht in Särgen begruben, sondern die Leichname offen auf ein Brett legten und nach der Einsegnung mit ungelöschtem Kalk überschütteten, damit sie um so rascher verzehrt würden, so findet man dermalen nur noch Sand in der Gruft; aber in demselben stecken noch die schwarzen Kreuzchen mit weißgeschriebenem Namen von den letzten vier verstorbenen Kapuzinern. Der letzte Guardian war zugleich Pfarrer in Rheinhausen und es leben noch Leute, die von ihm getauft sind. Von dem Kloster steht noch ein Flügel, der früher als Refektorium diente und jetzt als Schullokal benutzt wird. Außerdem sind noch drei Zellen vorhanden. Die drei Eichenkapelle „Maria-Trost". egen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts zog die Pest mit ihrem ganzen Gefolge von Schrecknissen und Plagen verheerend durch Deutschland. Die Felder lagen öde und unbebaut, die Städte wurden entvölkert, Sterbende schleppten die Todten zum Grabe, vor den nächsten Anverwandten verschloß man die Thüre, alle geselligen Bande waren gelöst. Schon in deu nächsten Städten und Dörfern um Baden hatte diese surchtbare Geißel der Menschheit ihre Verwüstungen begonnen. In letzterer Stadt hatte man die Thore geschlossen und die Behälter der warmen Duellen geöffnet — 360 — daß sie qualmend und dampfend durch die Straßen hinströmten. Und immer näher rückte die Seuche; schon waren in' dem Weiler Scheuern die Bewohner des äußersten Hauses gegen Orts zu davon ergriffen; der Hausvater hatte nacheinander sein Weib und vier Kinder jämmerlich dahinsterben sehen und sie ans dem nahen Felde verscharrt und erwartete jetzt, hilflos, von aller Welt gemieden und geflohen, sein gleichfalls herannahendes Ende. Wenige Schritte von dem Verlassenen wohnte sein erster Nachbar Dieter mit Weib und Kindern. Voll Schrecken und Zagen hatten diese gesehen, wie der unglückliche Vater alle die Seinen heraustrug zum Bcgräbniß, und wie er selbst mit wankendem Schritt und blassem, bleifahlen Antlitz im Haus nmherschlich. Zuletzt mußte ihm auch die Kraft gefehlt haben, denn so oft sie auch nach dem Hause hinüberschauten, so vermochten sie doch keine Spur von einem lebenden Wesen mehr zu erblicken; das ganze Haus schien ausgestorben zu sein, oder der letzte Bewohner desselben mochte wohl schon mit dem Tode ringen. Endlich zeigte sich doch der Kranke wieder am Fenster, das er öffnete, und rief mit schwacher, sterbender Stimme herüber, indem er seine Hände flehend emporhob: man möchte ihm doch um der himmlischen Barmherzigkeit willen ein Gefäß mit Wasser vor die Thüre stellen, damit er den brennenden, verzehrenden Durst löschen könne. Dieser rührenden Bitte vermochte Dieter nicht zu widerstehen. Er füllte ein großes Gefäß mit frischem Wasser und stellte es vor die Thüre des Pestkranken, worauf er sich eiligen Schrittes wieder entfernte. Bald darauf sah er den Alten sich mühsam vor die Thüre schleppen und das Wasser zu sich in das Haus ziehen. Es war das letzte Mal, daß er ihn erblickte. Voll Furcht und Angst musterte Dieter, bevor er sich Abends zur Ruhe niederlegte, seine Hausgenossen, ob sich noch an Keinem die Spuren der entsetzlichen Krankheit zeigten.- Aber obgleich sie alle gesund und munter waren, so ließ ihn doch die Besorgnis; für die kommenden Tage lange nicht einschlummern. Wie er nun so schlaflos im Bette lag und inbrünstig zur heiligen Jungfrau Maria betete, ihn und die Seinigen vor der schrecklichen Seuche zu bewahren, da vernahm er auf einmal ein seltsames Tönen und Klingen. Bald kam es ihm wie ein leiser, lieblicher Gesang vor, bald wie fern verhallende Orgeltöne. Er lauschte lange den wunderbaren Laute», die seine aufgeregte Seele besänftigten und ungemeine Beruhigung ihm einflößten, so daß bald ein erquickender Schlaf seine müden Augen schloß. Der nächste Tag ging abermals glücklich vorüber, aber die Nicht darauf vernahm er wiederum das liebliche Klingen. Er stand auf und öffnete das Fenster. Ihm däuchte jetzt, als kämen die Töne aus der alten Eiche, die bei seinem Hause stand. Er weckte sogleich seinen ältesten Sohn, und beide gingen mit einer Leuchte hinaus, die Sache näher zu untersuchen. Dieter hatte sich nicht getäuscht. Je näher sie dem alten Baume kamen, desto deutlicher hörten sie den wunderbaren Klang. Sie besahen den Baum — 361 — von allen Seiten, aber nirgends war etwas Auffallendes daran zu bemer- 'ken> Es war nicht anders möglich: der Schall kam aus dem Stamme der Eiche. Sie hielten ihr Ohr an die rauhe harte Rinde, da drang das Getane ganz nahe und laut hervor. Lange blieben sie lauschend stehen und wußten nicht, was sie davon denken oder was sie beginnen sollten. Endlich kam Dieter zu einem Entschluß. Er hieß seinen Sohn eine Axt herbei holen und fing damit an, die Rinde an jener Stelle wegzuhauen, wo das Tönen am deutlichsten zu vernehmen war. Kaum aber waren einige Hiebe in den Baum gethan, so sprang ein großes Stück Rinde heraus und beim Scheine ihrer Lampe erblickten sie jetzt in dem Eichenstamme eine Blende und darin ein Marienbild mit dem Jesusknaben, von welchem dies wunderbare Klingen ausging. Unwillkürlich stieg bei diesem Anblick in Dieter der Gedanke auf, der Himmel habe durch dieses Wunder ein Zeichen geben wollen, daß an dieser Stelle die Pest ihr Ende gefunden habe. Dankend und in srommer Demuth knieten jetzt Vater und Sohn vor dem Bilde nieder und verrichteten ihre Andacht. Bald verbreitete sich das Gerücht von dem wundervollen Gnaden bilde in dem Dorfe und bis in die Stadt, nnd da zu gleicher Zeit aus den umliegenden Orten die Nachricht einlief, daß die Pest überall plötzlich nachgelassen habe, so bekam die Sage noch mehr Gewicht, und die gläubige Menge strömte schaarenweis herbei, das Wunder zu schauen. Sogar in das verpestete Haus wagten sich einige herzhafte Männer. Sie fanden dessen Bewohner, ein Crucifix in den Händen haltend, entseelt auf dem Boden liegen, und neben ihm das Wassergefäß. Der Leichnam ward zur Erde bestattet, das Haus aber niedergerissen. Als im Jahre l656 die alte Eiche abzusterben anfing, ließ die damalige Markgräfin, Maria Madalena, zweite Gemahlin Ludwig Georg's, eine geborene Gräfin von Oettingen, den Baum von den Aesten an abnehmen und über dem Stamm eine Kapelle bauen. „Maria Trost" nannte sie die fromme Stifterin; aber der Name ist außer Gebrauch gekommen und sie wird allgemein die „Drei-Eichen-Kapelle" genannt von den drei Eichen, die daneben gepflanzt wurden. Noch jetzt steht der Eichenstamm hinter dem Hochaltar und in seiner Blende das Marienbild. Das Gemälde an der Decke der Kapelle bezieht sich auf die Sage von der Entstehung des Kirchlcins; es stellt die heiligste Jungfrau Maria vor, zu welcher die Pestkranken ihre Zuflucht nehmen. Die St. Eh^enkrudiskapelle aus dein Berge bei Munzingen im Breisgau. ünf Kilometer von der Eisenbahnstation Schallstadt der Linie Heidelberg-Basel am Tuniberge liegt das katholische Pfarrdorf Munzingen mit einem Schlosse und etwa 800 Einwohnern. Der südliche Endpunkt des zwei Stunden langen, eine Stunde breiten Tuniberges wird das Munzinger Bergle genannt und hat eine Höhe von 207,S Meter über dem Meeresspiegel. Auf seiner Spitze, welche eine prachtvolle Aussicht bis zu den Höhen des Schwarzwaldes, des Jura's, der Vogesen und des Kaiserstuhls darbietet, befindet sich eine Kapelle zur heiligen Ehrentrudis, welche von Wallfahrern aus der ganzen Umgegend besucht wird. Ueber diese Heilige berichtet uns die Legende Folgendes: Der h. Rupert erkannte die Gründung von Nonnenklöstern als eine außeror dentliche Förderung des christlichen Glaubens, den er in Bayern gepredigt hatte. Seine Nichte, Ehrentrudis, war schon viele Jahre in ihrem Heimathlande als Nonne das Muster christlicher Selbstverleugnung und unermüdeter Thätigkeit für Verwahrloste. Sie wurde mit mehreren gottgeweihten Jungfrauen von ihrem Oheim nach Bayern berufen und ward die erste Oberin des von ihm zu Salzburg gegründeten Klosters auf dem Nonnenberge. Die Nonnen nahmen sich vor Allem der Erziehung armer, verlassener Kinder an, unterrichteten sie im Christenthums und wurden ihre geistliche Mütter. Ehrentrudis war unermüdet, die armen Waisen zu pflegen, sie von Ungeziefer zu reinigen und vor geistigem Siechthum zu bewahren. Ihren Mitschwestern war sie eine Lehrerin christlicher Vollkommenheit in Wort und That, ihrem Oheim eine eifrige Mitarbeiterin im Werke der Bekehrung der Seelen. Als der Bischof ihr seinen nahen Tod ankündigte und sie zum Gebete für ihn aufforderte, warf sie sich ihm unter Thränen zu Füßen, mit der Bitte, er möchte es von Gott erflehen, daß sie ihm bald nachfolgen dürfe. Unablässig in ihrem Berufe thätig, betete sie inbrünstig für die Seele ihres dahingeschiedenen Oheim und um baldige Erlösung aus diesem Jammerthals. Während eines solchen Gebetes erschien ihr der Selige und sprach zu ihr: „Komm geliebte Schwester, in das Reich, für das du schon so lange gearbeitet hast!" Nun bereitete sie sich mit neuem Ernste auf ihre Todesstunde vor, verfiel jn eine Krankheit, wurde mit den hh. Sterbesakramente versehen und entschlief sanft im Herrn am 30. Juni, wahrscheinlich im Todesjahre des h. Nupert. Ihr heiliger Leichnam ruht in der Kirche des Klosters am Nounenberge. Gott verherrlichte ihr Grab durch viele Wunder. Da Munzingen urkundlich bereits im Jahre 720 als Patronatspfarrei des Frauenstifts von St. Stephan zu Straßburg vorkommt, welches von — 363 — dem elsässischen Grafen, Herzog' Albert, Sohn des Eticho gegründet und mit dem Hofgute Munzingen belehnt wurde, Ehrentrnd aber aus dem mit diesem elsässischen Hause verwandten und merovingischcn Fürstengeschlechte stammte; so kann es uns nicht auffallend erscheinen, daß auch an dieser Stätte die heil. Ehrentrud verehrt wurde. Die Wallfahrt nach dem Bergle zur Verehrung der h. Ehrentrud ist sehr al t. Ursprünglich stand hier eine kleine Feldkapelle mit dem Bilde der h. Ehrentrudis, zu welcher aber aus der ganzen Umgegend fortwährend Wallfahrer pilgerten, um sie in ihren Leibes- und Seelenanliegen um ihre Fürbitte anzurufen, von denen gar manche Erhörung fanden, oft in wunderbarer Weise, wie die Akten bezeugen. Um die Wallfahrt besonders seit 1666 sehr stark zu machen, so richteten die Herrn von Munzingen sammt der Gemeinde im Jahre 1665 und 1666 ihre Bittgesuche an das sürstbischösliche General-Vikariat zu Constanz: die alte, seit „unfürdenklichen Zeiten" bestehende Kapelle erweitern oder eine neue Kapelle erbauen zu dürfen, so daß in derselben die h. Messe gefeiert und Gottesdienst gehalten werden könne. Die Erlaubniß zur Erweiterung oder zum Neubau erfolgte im April 1666 und in demselben Jahre der Neubau und dessen Consekration durch den Weihbischof von Konstanz. Diese zweite Kapelle erlitt aber in nicht allzuferner Zeit ein herbes Geschick. Im zweiten spanischen Erfolgekrieg von 1761 — 17t3 erbauten die Lesterreicher auf dem Bergle ein Festungswerk, welches sie 6 Jahre besetzt hielten. Als aber die französische Armee unter Marschall Villars im Jahre 1713 vom Unterlande heranzog und auch Freiburg und Altbreisach gegen Prinz Eugen eroberte, da konnten sich die Oesterreicher auf dem Bergle nicht mehr halten und sprengten Festungswerke und Kapelle in die Luft. Noch im Jahre 1763 fand man im Boden bei der Kapelle ein vollständiges Gerippe eines Soldaten, auf dem Rücken liegend, mit über dem Kopf zusammen geschlagenen Armen. Nach Beendigung des Krieges gedachte man, der h. Ehrentrudis wieder ei ne Wohnung zu erbauen. Die dritte Kapelle, die jetzt noch stehende, wurde theils ans dem Kapellenfond (466 st.), theils durch Wohlthäter im Jahre 1715 mit Genehmigung des Gcneral-Vikariates zu Constanz aufgeführt, mit einem Thürmchen und Glöckleiu versehen und am 15. Mai 1716 vom Constanzen Weihbischof Conrad Ferdinand Geist von Wildegg consekrirt. — Der Bischof von Constanz verlangte 1666 und 1715 von der Gemeinde Munzingen, sie solle sich urkundlich zur Uebernahme der Baupflicht der Kapelle verbürgen, was sie aber beharrlich verweigerte und sich nur dazu verband, im Falle die Kapelle nicht aus eigenem Fond und Opfern sich baulich erhalten könne, wolle die Gemeinde aus ihren Mitteln gutthatsweise sie baulich in Dach und Fach erhalten, bis die Kapelle wieder zu eigenen Kräften komme. — 364 — Auch dieser Kapelle drohte in den 1780 er Iahren wieder der Untergang, zwar nicht durch Pulver und Granaten, aber durch Papier und Tinte, — Sie fiel unter die Maßnahme Kaiser Josephs II. über die entbehrlichen Nebenkirchen und Kapellen. Am 20. August 1788 berichtete der Gräslich von Kageneck'sche Amtmann Dr. Ruch an die k. k. Regierung und Kammer: „daß die auf einem hohen Rebberge gelegene St. Ehrentrudiskapelle in allem Betracht entbehrlich sei." Alsbald erfolgte der Befehl, die Kapelle auf den Abbruch zu versteigern, ihr ganzes Vermögen aber in den zu gründenden Religionsfond einzuziehen; zugleich erging an den Fürstbischof von Constanz das Ansuchen, er möge die Entweihung der Kapelle vornehmen lassen, damit der allerhöchste Wille vollzogen werden könne. Der Bischof aber sprach: „Die Kapelle ist und bleibt konsekrirt." Ihm allein ist deren Erhaltung zu verdanken. Später trat auch die Gemeinde mit Bitten hervor an die Regierung um Belassung der Kapelle und Wiedererstattung des eingezogenen Geldes. Das Volk ward allmälig sehr unzufrieden und schwierig über die rohe Behandlung dieser Kapelle von Oben herab. Endlich erfolgte d. d. Wien 16. September 1792 der Bescheid: man solle die Kapelle in statn guo belassen, das eingezogene Geld aber auch. Und so ist es heute noch, Im Jahre 1859 handelte es sich um Restaurirung der,sehr schadhaften Kapelle. Darüber entspann sich ein Prozeß wegen des Eigenthumsrechtes an der Kapelle nebst Grund und Boden zwischen der politischen und kirchlichen Gemeinde, welcher durch das großherzogliche Oberhofgericht am 12. April 1864 zu Gunsten der Kirchengemeinde entgültig entschieden wurde. Unterließ gerieth die Kapelle immer mehr in Verfall, so daß der übliche Gottesdienst nicht mehr darin gefeiert werden konnte. Am 15. Juni 1877 bildete sich ein Bau-Comite zur Restaurirung von 14 Männern des Ortes, welche von manchen Wohlthätern unterstützt, die bauliche Herstellung im Jahre 187l> vollendeten. Am 8. Juni dieses Jahres wurde die Kapelle durch den Erz- bisthumsverweser von Freiburg Dr. Lothar von Kübel feierlich consekrirt. In die Kapelle sind 13 Messen gestiftet und sollen sonst noch den Sommer hindurch 30 Messen gelesen werden für die Grundherrschaft. Vom 1. Mai bis 1. Oktober wird alle Freitage eine h. Messe und eine Andacht zur heil. Ehrenjrudis oder zur Mutter Gottes gehalten. Bei der großen Bannprozession an Christi Himmelfahrt ist bei der Kapelle das vierte Evangelium mit Segen und Predigt im Freien, dann das Hochamt in der Kapelle. Am 30. Juni, dem Todestage der Patronin, findet in der Kapelle feierlicher Gottesdienst statt. - 365 — Die Wallfahrt zur allerheiligsten Dreifaltigkeit in Sasbachwalden» Amts Achern. uf dem Wege von Sasberg nach Ottersweier erblickt man rechts von der Landstraße auf einer kleinen Anhöhe etwa 10 Minuten von der Straße entfernt schöne, alte Lindenbäume. Unter diesen steht ein freundliches Landgut und neben dem Eingange desselben ein altes Bildstöckchen mit der Darstellung der hl. Dreifaltigkeit. Dieses allein ist von einer alten Wallfahrt übrig geblieben, die mehrere Jahrhunderte an diesem Orte bestanden hat. Neber die Enstehung dieser Wallfahrt wird folgende Sage erzählt. Vor ungefähr 400 Jahren war diese Gegend noch einsam und unbebaut. Hirtenknaben kamen im Sommer hierhin und ließen hier ihre Pferde weiden. Oft versammelten sie sich dabei zu gemeinschaftlichem Gebete. Als sie eines Tages auch dem Gebete oblagen, flog ein Vöglein über die Weide dahin, welches einen Gegenstand im Schnabel trug. Als es die Knaben erblickte, ließ es denselben fallen und als die Knaben hinzusprangen und ihn aufhoben, sahen sie, daß es ein Blatt Papier war, aus welchem ein gar liebliches Bild gemalt war. Gott Vater mit der Weltkugel, Gott Sohn mit dem Scepter und Gott der heilige Geist in Gestalt einer Taube waren auf dem Bilde dargestellt. Maria, die Gottesmutter, kniete in der Mitte, Gott Vater und Gott Sohn legten ihr die Himmelskrone aus das Haupt. Die Hirtenknaben konnten das Bild nicht genug betrachten, sie hefteten es an den Baum, wo dasselbe niedergefallen war, zierten es mit Blumen und Kränzen, knieten nieder nnd beteten in kindlicher Andacht zur allerheiligsten Dreifaltigkeit. Dort verrichteten sie nun jeden Morgen, wenn sie hinkamen, Mittags, wenn die Glocke läutete, und Abends, wenn sie heimzogen, ihr Gebet. Auch als die Knaben älter geworden und andere dort Pferde weideten, kamen sie oft an diese Stätte und verrichteten mit den jüngeren ihr Gebet. Ja, der Ruf des Bildes verbreitete sich immer mehr und aus der ganzen Nachbarschaft eilten bald die Gläubigen nach diesem L>rt des Gebets. Nun ward auch bald der Wunsch rege, an dieser Stätte eine Kapelle zu erbauen. Gern opferten die Leute ein Almosen zu diesem frommen Zwecke. Viele schleppten Steine nnd Holz herbei und bald war die Kapelle mit einem Thürmchen und einem Glöcklein darin vollendet. Das Bild der heiligsten Dreifaltigkeit ward auf den Altar gestellt. Mit Erbauung der Kapelle steigerte sich der Zulauf noch mehr. In den verschiedensten Nöthen und Anliegen, wo man recht innig und ungestört beten wollte, wallfahrtete man zur einsamen Kapelle. Damals gehörte die ganze Gegend zur Pfarrei Sasbach, nicht blos Sasbachwalden, sondern auch Lauf und Oberwasser bei Unzhorst. In dieser großen Pfarrei waren seit dem Jahre 1392 Mönche ans dem Kloster Schuttern Pfarrherren. Sie ersuchten den Bischof von Straßburg um die Erlaubniß, in der Wallfahrtskapelle die heilige Messe lesen zu dürfen. Jedoch der Raum der Kapelle konnte bald der Menge der Wallfahrer nicht mehr genügen, man war genöthigt, eine Kirche zu bauen. Reichliche Gaben flössen zum Neubau und die Kirche ward im Jahre 1686 vollendet, wie es auf einer alten Glocke geschrieben steht. Auf dem Hochaltar war die h. Dreifaltigkeit groß in Holz dargestellt, wie es früher auf dem kleinen Bilde war. Wo das Bild selbst geblieben, ist unbekannt. Nach dem Baue der Kirche nahm die Wallfahrt immer mehr zu. Selbst von jenseits des Rheines kamen viele Pilger. Von Sasbach aus kamen häufig Prozessionen. Die vier Hauptfeste der Wallfahrt waren Epiphanie, Peter und Paul, Maria Geburt und St. Andreas. Am Festlichsten wurde jedoch der Dreifaltigkeitssonntag gefeiert, die ganze Oktav hindurch dauerte der festliche Gottesdienst. In der Fastenzeit war jeden Freitag bei der heiligen Messe Segen und Predigt. Der zweite Freitag in der Fastenzeit war der „große Freitag." Dann war der Zudrang zu den h. Sakramenten so stark, daß nicht nur in den vier Beichtstühlen in der Kirche, sondern auch in dem anliegenden Bruderhause, ja sogar unter den Bäumen im Freien Beicht gehört werden mußte. Da die Kirche die Menschenmenge nicht fassen konnte, so war an der Nordseite der Kirche die Kanzel so gebaut, daß der Priester nach Außen predigen konnte. Jeden Tag war draußen eine hl. Messe. Als im Jahre 1798 eine Viehseuche ausbrach, gelobten die Einwohner von Sasbach, jährlich am 16. Oktober (dem St. Gallustage) eine Prozesston nach der Dreifaltigkeitskirche, welche noch jetzt gehalten wird. Papst Benedikt XIV. bewilligte Ablässe denjenigen, welche die Kirche besuchen und in derselben die hl. Sakramente empfangen würden. Am 6. April 1774 wurde in Sasbach der Grundstein zu einer neuen Pfa rrkirche gelegt, deren Bau etwa 4 Jahre dauerte. Während dieses Baues wurde der Pfarrgottesdicust in der Wallfahrtskirche abgehalten. Bei der Säkularisation wurde auch das Kloster Schuttern aufgehoben. D a nun dadurch die Wallfahrtskirche nicht mehr von den Klosterherrcn bedient werden konnte, auch wenige Weltpriestcr vorhanden waren, so gerieth die Wallfahrt immer mehr in Verfall. Selbst am Dreifaltigkeitsfeste wurde nur eine stille h. Blesse in derselben gelesen. Am Tage des h. Markus, an Christi Himmelfahrt, Mariä Heimsuchung und am Gallustage wurde die Prozession nach der Dreifaltigkeitskirche gehalten und in derselben eine h. Messe gelesen. Später wurde auch wieder jeden Freitag die h. Messe daselbst gehalten. Um das Jahr 1840 wurde beschlossen, Sasbachwaldcn zu einer besonderen Pfarrei zu erheben. Gleichzeitig sollte die Wallfahrtskirche abgebrochen und die Wallfahrt in die neu zu erbauende Kirche des Ortes verlegt werden. Der Abbruch geschah in der Zeit vom 8. bis 15. November dieses Jahres und am 8. Mai 1844 wurde die neue Pfarrkirche zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit eingeweiht. Jetzt wird täglich am Altare der h. Dreifaltigkeit die h. Messe gelesen, Freitags wird auch die Litanei zur h. Dreifaltigkeit gebetet. Besonders feierlich wird aber das Fest der h. Dreifaltigkeit begangen und unzählige Pilger ans der weiten Umgegend strömen alldann zu diesem Gnadenorte. Die St. Michaeliskapelle bei Nntergeombach. ^Atwa 5 Kilometer südöstlich von Bruchsal an der Heidelberg- Baseler Eisenbahnlinie liegt das Dorf Untergrombach und in dessen unmittelbarer Nähe der Michaelsberg mit einer Wallfahrtskapelle und einer herrlichen Aussicht. Man nimmt allgemein an, daß hier eine römische Warte gestanden habe und dieses wird in etwa dadurch bestätigt, daß in der Nähe drei andere Michaelsberge durch Ausgrabungen als solche erwiesen sind, nämlich der Heiligenberg mit seiner Michaelskapelle zu Heidelberg, der Michaelsberg zu Gundelberg und der Michaelsberg bei Bönnigheim. Es ist geschichtlich begründet, daß man in alter Zeit an den Orten, wo heidnische Gottheiten verehrt worden, Kirchen zu Ehren des h. Michael oder des h. Georg, vorzugsweise gründete, weil Michael den Teufel, Georg den Drachen besiegte. Auf den Höhen aber wurden besonders Kirchen zu Ehren des h. Michael erbaut. Dadurch wurde der Sieg des Christenthums über das Heidenthum angezeigt und es knüpfen sich häufig auch an diese Orte alte Sagen, welche solches bekunden. Es hauste hier, so berichtet die Sage von unserem Michaelsberg, ein. furchtbarer Drache, welcher oft aus seiner Höhle hervorbrach, alsdann feuerspeiend in der Umgegend großen Schaden anrichtete und jede Woche einen Menschen fraß. Um nun von dieser schrecklichen Plage befreit zu werden, gelobten die Bewohner, auf dem Berge eine Kapelle zu Ehren des h. Erzengels Michael zu bauen und nun gelang es den christlichen Priestern, den brachen in seiner Höhle zu bannen, über welcher sodann der steinerne Altar der Kapelle errichtet wurde. Bald ward dieser Ort berühmt, aus der ganzen Umgegend strömten Wallfahrer dorthin und ein Emerit ließ sich zur Be- s^gung des Gottesdienstes daselbst nieder. - 368 — Urkundlich wird der Michaelsberg zuerst 1346 erwähnt, im Jahre 1401 heißt er der Kapelberg. Indessen muß im Jahre 1472 ein Neubau der Kapelle stattgefunden haben, da eine Inschrift auf einem am Thurme eingemauerten Steine besagt: Idsusel ?roseb. Xuuo Dona. N(XXXOOXXII. 6a Aade v. lxardiusl iskdielrer e tag apla ss in dise eaxeleu imerversut ervlelr uemblielr V taA im jar. Li- selrok Natlris besteti^t den rm gab aueli XU tag- dar. Johannes Frosch war der Verfertiger des Steines und Baumeister d er Kapelle, welcher auch 1474 die alte Kirche in Untergrombach gebaut hat. Da Bischof Mathias (von Speier, wozu damals diese Gegend gehörte) in seiner Diözese überhaupt die zerfallenen Kreuze, Bildstöcke und Kapellen wieder aufrichtete, so wendete er seine Fürsorge auch der St> Michaelskapelle zu. Er regierte von 1462 bis 1478. Verhängnißvoll war für die Kapelle der Bauernaufstand von 1502 bis 1525. Wie andere Kirchen, so wurde auch die Kapelle auf dem Michaelsberge verwüstet, Fenster und Thüren eingeschlagen, die Altäre zerstört und das Dach theilweise ruinirt. Nachdem nun wieder Ruhe einge- getreten und die Wallfahrten wieder aufgenommen waren, mußte man auch an die Reparatur der Kapelle deuten und diese ging im Jahre 1584 vor sich. Es wird nun von mehreren Seiten berichtet, die Kapelle habe ebenfalls im dreißigjährigen Kriege (1618—1548) bedeutend gelitten. In den Pfarrakten von Untergrombach findet sich für die Behauptung kein Anhaltspunkt, jedenfalls war die Beschädigung nicht von Bedeutung, da 1655 ein aedituus (Meßncr), 1657 ein Kapellendiener und 1659 ein Kapellenwärter auf dem Michaelsberge erwähnt wird und der Pfarrer Flörchinger von Untergrombach im Jahre 1667 über die Michaelskapelle sagt: Laeellum s. Alielrasli arebauAölo dedieatum beue oruatum et eoustitutum, guo eon- verdaut esrtis armi temporibus . . . devotiouis. Xltaria ballet tria ex guillus uuum sst protauatum, uullam Irak) st siuAularem tundatiovem prastsr pia cguasdam Isgata piorum llomiuum. Habet duos juratos eon- stitutos ex eivillus Indus paroelliae, gui euram illius llalleut rsdännt- c^ue ratioues ds omuillus et sin^ulis olllatis, redditillus et proveutidus siusdem eum aliis juratis Imius aeelesiae. Im Jahre 1662 wird der Weihbischos von Speier, Gangolf Eichhorn, spis eopus Oarelsusis i. p. i. als Wohlthäter der St. Michaelskapelle erwähnt. Es ist noch ein silberner, gut vergoldeter Meßkelch vorhanden, den -er dieser Kapelle vermacht hat. Dieser Kelch zeigt auf dem Fuße sein Familiemvappen mit Hirtenstab und Mitra und auf der Rückseite des Fußes steht: ElauAolpllus U>. A. episeopus Oarelsusis ss. tlleologiae et juris utriusgus doetor sutkraAauius et viearius Asueralis Lpireusis Is- Aavit eapsllae Noutis divi Niellaelis arellauAsli in Orureiua (Bruhrein) — 369 — 5uve aslieern 1662. Das Wappen ist ein s. g. sprechendes, ein sitzendes .kauendes Eichhörnchen. Der Pfarrer I. G. Flörchinger schrieb 1689 ins Todjenbnch, daß in saeelia sti Aiellasiis in Nonts sein Vater begraben worden sei. Bon 1689 an sind die Rechnungen der Michaelskapelle in dem Pfarrarchive zu Untergrombach vorhanden und es ergibt sich aus denselben, daß das Vermögen der Kapelle unbedeutend war und nur geringe Reparaturen an derselben vorgenommen wurden. So stellte sich nach und nach das Bedürfniß heraus, eine neue und zwar größere Kapelle zu erbauen. Damian Hugo, Kardinal und Bischof ron Speier erließ deshalb am 17. August 1742 .einen Aufruf zur Beisteuer für den Bau einer Kapelle, in welchem er sagt: „Wir haben derowegen Uns selbst auf gedachten Berg begeben, und mit Augen gesehen, daß diese cksvnts Lt. ÄliLiraols-Eapell fast gantz zu Boden gelegen, und weilen Wir mit Bctrübnus wahrgenommen, daß dieses Kirchel so arm seye, daß die Herstellung dessen Kräfften nicht bestritten werden könne, so haben Wir deshalbcn in diesem Gottlichen Ehren-Werck doch Unseren Muth nicht sinken lassen, Unsere Zuflucht zu GOTT mit gantzem Vertrauen genommen, und den heiligen Ertz-Engel Niaimel und alle heilige Engel zur Borbitt mit angervffen, in ohngezweiffelter Hoffnung und Vertrauen, daß, da desselben Vorsichtigkeit, die Uns den Willen zu dieser gedachten Kirchen oder dapöll Herstellung geben, auch durch seinen Göttlichen Beystand, und Barmhertzigkeit Uns das erfüllen mittelst seinem Himmlischen Seegen und Gnad, anch frommer Leuthen Beytrag nicht versagen werde, Zumahlen Wir nöthig finden, diese Oaxeil in etwas zu vergrößern, weilen sie all zu klein vor den auch so gar von andere Landen dahin kommenden vielen Leuthen sehr grossen Zulaufs und Urovkssiouöir ist, Wir haben dahero vor Gut ermessen, mit einem Bischöflichen Sammel-Uatsnt dieser armen Kirch oder OufsU zu Hülff zu kommen, und sothanes Uatent unter Unserer Hand Unterschrifft, und beygedrucktem Unserem Bischöffligen InsiAiU heraus zu geben, mithin Unseren Pfarrern und einigen Gottesförchtigen Männern in ihren Kirchspiehlen anzuvertrauen, damit sie von frommen Christlichen Hertzen ein nur selbstbeliebige sreywillige Beysteuer samblen, und zur Beförderung dieses frommen heiligen Wercks zu der angeordneten dassem gegen Quittung lieffern sollen, welcher unter Unserer selbsteigenen Lxsaial-Obsorg stehet, und zn welcher Verrechnung sichere gewissenhafte Leuth von Uns unter einer ausführlichen lastruation verordnet, bevollmächtiget und beeydiget seynd; Damit Wir aber allen anderen als der Bischoff selbsten ein wahres gutes Lxorupol geben mögten, so haben Wir würklich 490 sagen vier hundert Gulden zur Beysteuer zur gedachten Eassa bezahlen lassen, Haben Uns auch vorgenommen, die drey grosse Altar-Blätter, welche ein zimbliches kosten werden, mahlen zu lassen^ als eines vom heiligen Ertz-Engel Nieimsl, das andere vom heiligen Ertz- Gngel dmbriel, und das dritte vom heiligen Ertz-Engel Uaxlraol, und sotten 24 — 370 — nun die Kräfften des Beytrags vieler frommen Christen es zulassen, ergeben und austragen, daß man, wie der Platz inzwischen im Riß darzu ausgesehen ist, nebst obigen drey Altären solten fünff gemacht werden können, so würde der vierte zu Ehren der heiligen Schutz-Engelen, der fünffte aber;n Ehren der neun Chör der Engelen noch aufgerichtet werden u. s. w." Der Bischof Damian Hugo erlebte aber die Vollendung des Baues nich t; sein Nachfolger, Christoph von Hütten, welcher am 14. März 1714 den Bischofsstuhl bestieg, ließ das angefangene Werk voll zu Ende führen. Statt der früheren Kapelle wurde ein geräumiges Kreuzkirchlein mit drei Altären zu Ehren der hl. Erzengel Michael, Gabriel und Raphael erbaut. Von dieser Zeit an war die Kapelle ganz ihrer Bestimmung würdig, hergestellt und ausgeschmückt und dem Gottesdienste wieder zurückgegeben. Noch sollte auch für die Abhaltung eines regelmäßigen Gottesdienstes, wie ihn eine Wallfahrtskirche erheischt, besser gesorgt werden als bisher. Die Entfernung von Untergrombach, der rauhe und steile Berg, besonders bei unfreundlicher Witterung und rauher Jahreszeit, war dem dortigen, zumal bejahrten Pfarrer zu mühsam, es ward nur hie und da die heil. Messe gelesen, auch war die Kapelle nicht gehörig gegen nächtliche Einbrüche oder boshafte Entweihungen geschützt. Dieseni Uebelstande wurde abgeholfen. Statt des früheren kleinen Häusleins bei der Kapelle, worin der Kapellen- diener wohnte, wurde ein anständiges Wohnhaus erbaut und 1753 zwei Kapuzinern aus Bruchsal als Eremitorium angewiesen, jedoch auf Widerruf hin und mit der Verbindlichkeit, täglich Gottesdienst in der Kapelle zu halten und die Wallfahrt zu pflegen. Ein Dekret des Bischofs Franz Christoph vom 15. Februar 1754 regelte die Verhältnisse zwischen den Kapuzinern und dem Pfarrer von Untergrombach. Von nun an wurde der Gottesdienst von Nah und Fern so fleißig besucht, daß jährlich etwa 10,000 Personen in der Kapelle ihre Andacht verrichteten. Um die Verehrung der heil. Engel zu fördern und die Wallfahrt mehr zu beleben, stifteten die Kapuziner am 5. April 1756 die Schutzengel-Bruderschaft, welche von dem oben genannten Bischöfe bestätigt wurde. Am 15. November 1757 verlieh Papst BenediktXIV. für ewige Zeiten den Mitgliedern dieser Bruderschaft vollkommenen Ablaß 1) am Tage der Einschreibung, 2) in der Sterbestunde und 3) am Feste der heil. Schutzengel. Ferner einen Ablaß von 7 Jahren und 7 Quadra- genen 1) am Feste der Erscheinung des h. Michael, 2) am Feste des heil Michael (29. Sept.), 3) am Feste Mariä Verkündigung und 4) wenn sie an einem beliebigen Tage des Jahres die Kapelle besuchen. Endlich noch einen Ablaß von 60 Tagen, so oft sie ein gutes Werk verrichten. Am darauf folgenden Tage erklärte derselbe Papst den Schutzengelaltar in der Kapelle für die Bruderschaftsmitglieder als privilegirt auf Allerseelen, während der Allerseelenoktav und an einem Tage jeder Woche, jedoch nnr auf sieben Jahre. Dieses Privileg scheint nicht erneuert worden zu sein. Im Jahre 1802 wurden die Klöster im Großherzogthum Baden säku- larisirt. Die Michaelskapelle und das anstoßende Haus verfielen auch diesem traurigen Schicksale. Sie wurden verkauft an den PostHalter von Unter- grombach von Müller und in Oekonomiegebüude verwandelt. Herr von Müller gab sie bald ab an zwei Friedrichsthaler Protestanten, welche sich in Wohnung, Güter und die Kirche theilten. Der eine Friedrichsthaler zog jedoch nicht auf den Michaelsberg, sondern verkaufte noch in demselben Jahre seineu Antheil an einen Untergrombacher Bürger und Bäcker Namens Abele, welcher vom zweiten Stock aus einen Backofen durch das ehemalige Chorfenster hinter dem Hochaltar baute. Der andere Friedrichsthaler hieß Hor- nung und war ein Schmied. Derselbe errichtete im Hinteren Theile der Kirche seine Schmiedewerkstätte und auf der Südseite — traurig, aber wahr! — Schweineställe; der mittlere Theil der Kirche diente den zwei Bewohnern des Hauses als Scheune und war gemeinschaftlich. Der ehemalige Chor gehörte dem Bäcker Abele, welcher einen Waschkessel darin errichtete. Die Einfahrt in die Scheune war an der Stelle, wo jetzt die nördliche Seitenthüre ist. Das Werk der Zerstörung schritt nun allmählig voran. Der Schmied Hornung nämlich nahm das Fenstereisen von den Kirchenfenstern nach und nach hinweg und machte daraus Aexte, Haue, Bickel, Pflugscharen u. s. w., worin er eine große Fertigkeit hatte. Die Treppenstufen wurden nach Bedarf aus der Kirche weggenommen und verbaut. Als letzte Erinnerung an die h. Kapelle blieben der steinerne Altartisch und die Kanzel übrig. Beim Abbrüche des Altars nämlich zitterte, als die dazu beorderten Handwerksleute die Altarplatte entfernen wollten, der Boden und die Wände des Chores, worauf man von dem weiteren Abbruch abstand. Die Besitzer des Kirchengutes erfreuten sich keiner Fortschritte und auch keines angenehmen Lebens, weßhalb sie nie lange aus dem Berge zubrachten; bei keinem Einzigen vererbte sich der Besitz auf das dritte Glied. Während der Schmied Franz Hornung seinen Besitz auf seinen Sohn Wilhelm vererbte, verkaufte Bäcker Abele seinen Antheil an den Untergrombacher Bürger Johann Stelzer. Dieser vererbte seinen Theil auf seinen Sohn Konrad Stelzer. Unter Letzterem kaufte der Pfarrer Jgnaz Kling von Untergrombach mit Collektengeldern und eigenem Vorschuß die entweihte Kirche um 800 Gulden zurück. Der fromme Bischof von Speier, Nikolaus von Weis, der oft bei Hellem Wetter von seiner Wohnung in Speier aus die Michaelskapelle von Untergrombach betrachtete, forderte den von ihm hochgeschätzten Pfarrer Kling auf, mit Vertrauen auf Gott und des Erzengels Michael Beistand Sammlungen für den Wiedererwerb und die Herstellung der einst so beliebten Kapelle zu beginnen. So kam es, daß nach den unruhigen Jahren 1848 und 1849 der siebenzigjährige Pfarrer Kling das beschwerliche Geschäft des Collektirens — 372 — unternahm. Von Ort zu Ort wandernd, in weit entlegene Orte Mitschreiben schickend, erhielt er nach und nach mit dem Heller der armen Witwe auch größere Beiträge, und endlich hatte der unermüdliche Pfarrer die Freude, die Kapelle käuflich zu erwerben, — und die noch größere Freude, im Jahre 1857 in dem alten wieder restaurirten Heiligthum das Michaelsfest unter großem Zudrange des umwohnenden katholischen Volkes feierlich zu begehen. Mit Befriedigung gewahrte er seitdem, wie sein Werk sich des Segens Gottes erfreute und die St. Michaelskirche immer mehr ein Asyl frommer Pilger wurde. Wie oft und wie gerne erstieg er von da au, so lange seine Kräfte es erlaubten, noch als neunzigjähriger Greis, den Michaclsberg, um Pilger Beicht zu hören und die h. Messe zu lesen! Konrad Stelzer verkaufte, da er mit seinem Theilhaber Wilhelm Hor- nung in beständigem Unfrieden lebte, seinen Antheil an den Untergrombacher Bürger Wahl, welcher aber wegen Rückgang seines Vermögens bald genöthigt war, seinen Antheil wieder zu verkaufen. Nun dachten die Freunde der restaurirten Kirche daran, das an dieselbe gebaute Wohnhaus durch fromme katholische Laien kaufen zu lassen, damit die Kirche fromme Schützer und die Wallfahrt gute Gönner und Pfleger in nächster Nachbarschaft hätte, zumal der Ortspfarrer Kling mit dem extra angestellten aber nicht hinlänglich beschäftigten Meßner sehr bittere Ersahrungen machen mußte. Von Wahl kaufte Peter Letschert (Bruder Jgnatius) von Höhr in Nassau seinen Antheil. Dieser bewirthschaftete neben Wilhelm Hornung den Michaelsberg bis zum Jahre 1867. Zu dieser Zeit kam Philipp Wörsdörfer, welcher früher zwölf Jahre als Krankenbruder mit dem Namen Dominikus in Montäbaur war, aber wegen Brustleiden diesen anstrengenden Beruf aufgeben mußte, auf den Rath des Herrn Klosterpfarrers Johann Jung von Bruchsäl und des frommen Pfarrers und Definitors Lanz von Forst bei Bruchsal auf den Michaelsberg, welchen er schon in seiner Heimath im Traume geschaut hatte. Bruder Dominikus kaufte im Jahre 1867 dem Bruder Jgnatius seinen Antheil ab. Im folgenden Jahre bekam er einen Genossen in Markus Böser, welcher auf Veranlassung der beiden genannten Herren Pfarrer seine Heimath Forst verlieh und sich auf dem Michaelsberg ansiedelte, nachdem er gemeinschaftlich mit Bruder Dominikus dem Wilhelm Hornung seinen eigenthümlichen Wohnungsantheil und einige Güter abgekauft hatte. Wilhelm Hornung bekam in einer besonders hergerichteten Wohnung für die Dauer seines Lebens Wohnungsrecht und die Nutzgenießung von vier Morgen Gütern. Da sowohl die Kirche als auch die daran angebaute Wohnung in schlimmem Zustande sich befanden, weil die früheren Eigenthümer in ihrer Wohnung selten etwas herstellen ließen, und weil die erste Restauration der Kirche wegen Mangel an Geld sehr oberflächlich war, so gab es für die neuen Besitzer in den folgenden zehn Jahren sehr viele und schwere Arbeiten — 373 — und bedeutende Auslagen. Zunächst machten sich Bruder Dominik und Bruder Markus daran, die nächste Umgebung der Kirche besser anzulegen. Ganze Hügel wurden den Winter über, da die Feldgeschäfte ruhten, abgetragen und die Kirche nebst ihren Fundamenten freigestellt. Ging es früher ebener Erde in dieselbe, so war jetzt eine hohe Eingangsstaffel nöthig. Dadurch war die große Feuchtigkeit aus der Kapelle gründlich beseitigt. Obwohl die Brüder die ganze Arbeit freiwillig und unentgeldlich thaten, erhob sich, angeschürt von einigen Neidern, doch in Untergrombach ein gewaltiger Lärm über die angebliche Bloßstellung der Kirche. Als die Arbeit unter der Aufsicht des Erzbischöflichen Bauamts glücklich beendigt und das umliegende Feld (ehedem Dorngestrüppe) schön hergestellt war, verstummte das Geschrei und machte dem Ausrufe Platz: „Wie die aber Alles so schön hergerichtet haben! Jetzt ist's ein Helles Plaisir, auf den Michelsberg zu gehen." Die ganze Umgebung der Kirche, der Garten, die Wege auf den Berg, Alles nahm unter den sorgsamen, fleißigen Händen der Brüder eine schönere Gestalt an. Die Kapelle wurde mit dem Opfer und dem Erträgniß des Kapellenfonds innerlich und äußerlich geschmückt, so daß fast kein Monat verging, wo nicht irgend etwas Schönes und Neues der Kapelle zu Theil wurde: Statuen, kirchliche Gesäße, Meßgewänder, Harmonium, Oelberg, Weihnachtskrippe, die 14 Nothhelfer, ewige Lampe, silberne Leuchter, Glocke, Gemälde, Leinwand, Bücher u. s. w. fallen unter die Rubrik Anschaffungen und Geschenke. Im Jahre 1878 wurde das hinter dem Hauptaltar liegende Zimmer ordentlich hergestellt und zur zweiten Sakristei bestimmt, in welcher der Geistliche in kalter Jahreszeit Beicht hören könne. Zugleich wurde die Thüre, welche zu Kapuzinerzeiten dort war, wieder hergestellt und hierüber zwischen Meßner Bruder Dominikus und der Untergrombacher Stiftungstommission ein Vertrag aufgestellt. Im Jahre 1878 kam zu den seitherigen Brüdern Dominikus und Markus noch ein dritter Namens Engelbert Kaiser von Birkendorf Amts Bonndors im badischen Schwarzwald. Nun wurde das alte Wohnhaus gänzlich umgebaut von unten bis oben hinaus. Der untere Stock erhielt schön gemalte mit sinnreichen Sprüchen versehene Wirtschaftslokalc, der obere Stock aber schöne Wohnzimmer. Von diesen Wohnzimmern bestimmten die Brüder die Sonnenseite für den zukünftigen Hausgeistlichen. Hoffen wir, daß sich bald ein solcher finde! Am 29. September 1883 hielt der Domkapitular Herr Behrle aus Freiburg die Festpredigt. Gelegentlich seines Hierseins inspizierte derselbe die Grundstücke und Gebäulichkeiten, welche Philipp Wörsdörfer, Engelbert Kaiser und Markus Böser gehörten. Da Engelbert krankheitshalber und wegen Familienangelegenheiten in seine Heimath Birkendorf zurückkehren mußte, so kaufte ihn das hochwürdige Erzbischöflichc Domkapitel Freiburg sein Eigenthum ab und die beiden andern Brüder, Wörsdörfer und Böser, schenkten ihr Eigenthum notariell demselben Domkapitel bezw. dem Erzbi- schof-Bernhard-Fond in Freiburg, welcher der Verwaltung des Domkapitels daselbst unterstellt ist. Mit Genehmigung der kirchlichen und staatlichen Behörden wurden vom St. Michaelskapellenfond 525 Gulden — 900 Mark, weil zur Gründung einer eigenen Seelsorgerstelle seiner Zeit geschenkt, ausgeschieden als Grundstock des neuen Benefiziumsfonds, der zur Zeit der Genehmigung 1120 Mark betrug. Dazu kamen noch weitere 105 Mark, so daß der Anfang mit 1225 Mark gemacht wurde. Infolge eines Aufrufes des Pfarrers und Erzbischöflichen Schulinspektors Hutterer in Untergrombach im Mai 1885 gingen an freiwilligen Gaben für das Bencfizium bis Ende Februar 1886 bereits 1342 Mark ein. Wenn auch langsam, so doch sicher scheint das gesteckte Ziel mit Gottes Hülfe und christlicher Wohlthätigkeit erreicht zu werden. Im Thurme der Michaelskapclle befinden sich jetzt wieder zwei Glocken mit folgenden Inschriften: a) die größere: Diese EUoeüs ist 2U Düreu dos IreiliAsu Nietmet ASAossou rvordsu van dorn DIooüouAiosor Carl Uiodel in ^Viessutbal irn .lallro 1857 unter ctsna vürüliolrou Dlarror ,1Pna? XlinA null Lur- Aerruoister Dordiunud Ltolsor. o) die kleinere: Diese DIoüo ist SIN Dbren dor seliAsten llungkrau Z laria von äsn Dboloutou stollann öteplran und Eatüarina Lellökllor im llallro 1858 Asstiktet unci unter dein Herrn Dtarrer XlinA und Lür- A-ermeistsr Dordiuaud Ltel^sr ^SAossen von Carl und ^Villlelrn Kerbel in LruebsnI. Die Wallfahrten auf dem Michaelsberg ( Prozessionen) waren im 18. Jah rhundert bedeutend. Der Pfarrer Christoph Baum (j- 1812) schrieb in seine doeuuaenta paroebiae: „Desto sti llossplü, 1799, wo 5 Prozessionen, nämlich von Jählingen, Obergrombach, Neuthardt, Büchenau und hier auf den Michaelsberg kämm, habe ich zum ersten Mal in der Michaelskapelle gepredigt. — Dominica, tsrtia. post Dasebs, 1799, wo 6 Prozessionen auf den Michalsberg kamen habe ich wiederum gepredigt und durch den Stadtpfarrer in Bruchsal Herrn Wiestner das Amt halten lassen." Von den früheren 6 Bittprozessionen der Pfarrgemeinde Untergrombach ging die erste am Markustag, die dritte am Montag nach Ostern und die sechste am 29. September auf dem Michaelsberg. Jetzt geht noch die Bittprozession am Markustag von Untergrombach zur Kapelle, desgleichen gehen Prozessionen von Untergrombach dorthin am 8. Mai (Fest der Erscheinung des hl. Erzengels Michael) und am 29. September (Fest des hl. Erzengels Michael), welches zur Zeit die Hauptfeste sind. Nach einer Verordnung des Generalvikariates zu Bruchsal vom 13. August 1799 sollten die Prozessionen, damit nicht zu viele auf einen Tag kommen, in folgender Ordnung auf dem Michaelsberge erschienen: Am Feste des h. Joseph: Ober- und Untergrombach; und Sonntags nachher, wenn nicht das Osterfest einsält: Jählingen, Büchenau und Neuthardt. Am dritten Sonntag nach Ostern: Bruchsal, Ober- und Untergrombach. Am vierten Sonntag nach Ostern: Jählingen, Büchenau und Neuthardt. Am Sonntag nach dem Feste des hl. Vitus: Ubstadt und Weiher; um Sonntage darauf: Bruchsal, Stettfeld und Zentern und am Sonntage darnach: Ober- und Untergrombach. Am Feste Mariä Geburt: Untergrombach und Büchenau. Am Sonntag nach Michaelfest: Bruchsal, Neuthardt, Büchenau, Jäh- lingm, Ober- und Untergrombach. Diese Prozessionen unterblieben natürlich nach der Devastirung der Kapelle bis dieselbe 1857 erstmals wieder dem katholischen Gottesdienste übergeben werden konnte. Von da kamen aus das Fest am 29. September wieder Prozessionen aus den benachbarten Pfarreien, bis dieselben verboten wurden. Gegenwärtig bestehen noch die obenerwähnten drei Prozessionen aus der Pfarrei Untergrombach am 25. April, 8. Mai und 29. September; den an beiden letzten Tagen stattfindenden schließen sich viele Fremde an. Die St. Wendelinuskapvlle bei Weiher. ,ine halbe Stunde von Weiher entfernt im Amte Bruchsal liegt in dem herrschaftlichen Lußhardwalde eine dem h. Wendelinus geweihte Kapelle. Sie verdankt ihre Entstehung folgender Sage: Ein Hirt hütete einst an dieser Stelle seine Heerde. Da entstand plötzlich ein so heftiges Gewitter, daß der erschrockene Mann für sein Leben wie für das seiner Heerde fürchtete. In dieser Noth wandte er sich zum Gebete und rief den h. Wendelinus um seine Fürbitte an. Und siehe! sein Gebet ward erhört, das Ungewitter legte sich plötzlich und die Heerde, welche sich überall im Walde zerstreut hatte, fand sich wieder vollzählig bei ihm ein, io daß auch nicht ein Stück fehlte. Von dieser Zeit an wallfahrteten die Leute aus näherer und fernerer Umgegend nach dieser Stelle, wo das Ereigniß geschehen. Der Baum, unter welchem der Hirt während des Gewitters Schutz gesucht hatte, wurde ausgehöhlt und in der so entstandenen Nische ein Bild des h. Wendelinus aufgestellt. Dieser Baum mit dem Bilde war sodann lange Zeit der WallfahAsort. — 376 — Franz Peter Schäfer, großherzoglicher Forstcontroleur im Lußhardwald- bezirk, hegte großes Interesse für die Wallfahrt und veranlaßte 1856 die Erbauung einer schönen Kapelle, in welcher der Baum, unter dem der Hirt die göttliche Hülfe erfahren, eingemauert wurde. Seitdem wurde die Kapelle noch fleißiger besucht. Neben der Kapelle befindet sich ein tiefer Brunnen, welchen der Maurer Simon Walter von Weiher 1857 anlegte, um die Wallfahrer mit Wasser zu versorgen. Die Kreuzkapelle bei Hechingen. ^^ief unten am Fuß des Zollerberges gen Hcchingen hin steht neben dem Kirchhofe von Hechingen eine Kapelle, in welcher ein altes Kreuz verehrt wird und über deren Entstehung nachfolgende Sage Auskunft gibt. Am Hofe des Grafen Eitelfriedrich von Zollern diente als Knappe der Junkherr Kuno von Baldegg, den sein Vater seit zwei Jahren dahin gesendet hatte, um Ritterschaft zu erlernen. Der Knappe Kuno stand bei seinem Herrn in großen Gnaden, denn er war alle Zeit bereit in seinem Dienste und zeigte in allen ritterlichen Dingen großes Geschick und seltene Gewandtheit. Graf Eitelfriedrich hatte ein einziges Töchterlein, die minnig- liche Bertha. Kuno, der oft mit Austrägen seines Herrn in das Frauenzimmer der Gräfin Gertrud von Zollern kam, sah die liebreizende Bertha und war bald in Liebe gegen sie entzündet. Aber Bertha, das erst aufblühende Fräulein, wollte noch nichts von Liebe wissen. Da kam der Sohn eines Ritters aus der Nachbarschaft, Wolfhard von Schramberg, ebenfalls an den Hof des Grafen von Zollern, um Ritterschaft zu erlernen. Der war schlank von Wuchs und schön von Angesicht und was er sprach, war holdselig zu hören und gefiel wohl den Frauen wie den Herren. Da trat Kuno in den Hintergrund, der doch zuerst vor Jedermann so gar hoch gestanden war und die Gunst Aller, besonders der Frauen, wandte sich auf Wolfhard von Schramberg, der kunstgeübt die Herzen zu gewinnen wußte. Aber Kuno verstand das nicht, denn sein Wesen war ehrlich und gerade und er kannte keine Kunstgriffe. Sein Harfenspiel, mit dem er oft Ritter und Frauen ergötzt hatte, galt nichts mehr, denn Wolfhard vom Schramberg war ein gewandter Bogenschütze und Alles, nachdem er zielte, mußte seinem Schuf erliegen. Darüber grämte sich Kuno wenig, daß alle Anderen sich ihm zuwendeten und ihn allein lobten und priesen, aber das machte ihm Höllenqualen, daß Bertha, die bisher stets die Gesellschaft der Männer gemieden hatte, sich an Wolfhards Umgang erfreute, daß sie oft mit Wohlgefallen an seinen schönen Gesichtszügen und an seinem schlanken Wüchse hing und nichl — 377 — ihr Auge uon ihm venvandtc, wenn er im Hofe stand und nach einem Vogel schoß, während ihr Kuno's Harfenspicl eine gleichgültige Unterhaltung geworden war. Es regte sich in seinem Innern die Eifersucht in ihrer ganzen Heftigkeit, er sah mehr, als wirklich der Fall war, er wähnte, Bertha fühle Liebe zu Wolfhard, und doch war es nichts Anderes, als freundliche Hinneigung zu seinem Gemüthe, das mehr weibisch als männlich war. Da geschah es, daß der Graf von Zollern ein Fest feiern wollte; zu diesem Feste sollten Alle, die in Bogen geübt wären, einen Wettkampf halten, und wer das Beste thun würde, der sollte den Siegerdank empfangen ans der Hand der jungen Gräfin. Das freute den Junker Wolfhard, denn seine Eitelkeit sagte ihm, daß dieser Wettkampf nur ihm gelte, auf daß er seine Kraft zeige und als Sieger aus dem Kampfe hervorgehe. — Alles rüstete sich auf diesen Tag; es kamen Schützen aus der ganzen Umgegend. Auch Kuno rüstete seinen Bogen und Köcher, aber er meinte wohl, daß er umsonst nach dem Siegerdank strebe, denn er führte zwar das Schwert mit Kraft und Geschick und konnte die Saiten der Harfe schlagen, aber im Bogen war seine Hand unstät. Betrübt ging er am Abend vor dem Feste unter der Burg im Thale. Gern wäre er dem Feste entgangen, um nur nicht sehen zu müssen, wie er zu Schanden würde, während der Schramberger trinmphire und den Preis empfange. Da begegnete ihm ein Mann in einen rothen Mantel gehüllt. Kuno schaute ihm in das Angesicht und erschrack, denn es waren schreckliche Züge, wie er noch nie gesehen hatte. „Was fehlt euch, edler Junker?" fragte ihn der Mann nnt einer Freundlichkeit, die ihm durch Mark und Bein drang; „ihr geht so düster, und morgen ist ja ein lustiger Tag." „Für mich nicht!" entgegnete Kuno. „Ah bah!" lachte der Rothmantel, „ihr dürft nur gut treffen, und ich müßt ein Mittel, daß ihr auch mit eurer unstäten Hand treffen könntet, und wenn das Ziel auch das fernste wäre." „So nenne mir doch dieses Mittel," bat Kuno den Rothmantel. „Ich will euch das Mittel sagen, und es ist bewährt," versetzte der Rothmantel mit Grinsen. „Dort an der Kreuzstraße steht ein Bild von Holz." „Das Christusbild meinst du?" fragte Kuno und der Rothmantel schreckte sichtbar zusammen, als er den Namen des Gekreuzigten nannte. „Ja," sagte der Rothmantel, „das meine ich. Nun nehmet ihr euren Bogen, zielt mit eurem Pfeil auf das Bild, bis ihr es dreimal getroffen, und jedesmal zieht ihr wieder den Pfeil heraus. Mit diesem Pfeil dann, dessen seid versichert, treffet ihr euer Ziel und ihr erhaltet den Preis aus der Hand des Fräuleins." „O Gott!" rief Kuno, „das kann ich nicht vollbringen." „Nun," lachte der Rothmantel, „so will ich euch nur sagen, morgen ist der Junker Wolfhard Sieger; wenn er aber den Preis erlangt, wird ihm vollends des Fräuleins Huld, dessen Herz er gefesselt, und ihr könnet ihm zusehen, wenn er die Braut zum Altare führt." „Nein, bei Gott!" rief Kuno, und die Eifersucht regte sich heftiger denn zuvor in ihm, „das soll nicht geschehen, er — 378 — soll nicht triumphiren, der Milchbart, ich will ihn zu Schanden machen, ich vollbring es." „So gebt mir euer Wort," sprach der Rothmantel, „daß ihr den Gescheidten machen wollt." Der Junker reichte ihm die Hand, aber es war ihm, als ob sie zwischen zwei glühende Eisen gedrückt würde. Der Rothmantel verließ ihn und verschwand im Gebüsche. Kuno ging auf die Burg zurück. Blaß schien der Mond über das weite Thal, als er mit Köcher und Bogen von der Burg wieder zu Thale stieg. Bald war er zur Stelle. Lieblich bestrahlt vom Monde stand auf der Kreuzstraße das hölzerne Bild des Gekreuzigten, vor dem er schon oft gekniet und seine Andacht verrichtet hatte, wenn er des Weges kam. In geringer Entfernung von dem Bilde stellte er sich auf und wollte den Bogen fassen; da rührte ihn Jemand am Kleide und er sah hinter sich. Ein kleines Männlein stand hinter ihm; es däuchte ihm, es wäre der arme Mann, der oft vom Dorfe auf die Burg kam, um ein Almosen zu erflehen. „Edler Junkherr," begann das Männlein, „was habt ihr im Sinne? thut das doch nicht, was ihr vorhabt, ist die größte Sünde." „Was geht es dich an?" fuhr ihn Kuno mürrisch an, „mach', daß du nach Hause kommst, es ist schon spät." Der Junker erhob den Bogen und legte einen Pfeil auf. Schon wollte er abdrücken, da zerrte das Männlein wieder am Kleide. „Ich bitt' euch um Gotteswillen," flehte es, „lasset ab." Kuno hörte nicht auf die warnende Stimme, und stieß mit dem Fuße nach dem Bettler, da verschwand das Männlein. Er legte noch einmal an, seine Hand zitterte, als er den Bogen spannte, er drückte ab und ging zum Bilde — da hastete der Pfeil in des Bildes Haupt. Kuno zog den Pfeil heraus und ging wieder zur Stelle. Der Pfeil flog zum zweiten Mal und er haftete in des Bildes Füßen. Er flog zum dritten Mal; Kuno ging hin und der Pfeil saß in dem Herzen des Gekreuzigten. Kuno zog nun den Pfeil heraus, aber es war ihm, als ob er alle Kraft anstrengen müßte. Das Bild blickte ihn an und es däuchte ihn, als ob es seine Auge öffne und starr auf ihn richte. Endlich gelang es ihm, den Pfeil aus dem Bilde zu ziehen, aber blutroth quillte es hinter dem Pfeile, der wie in Blut getaucht war. Da überfiel den Junkherrn ein kalter Schauer, Hände und Füße bebten ihm, er konnte nimmer von der Stelle und war wie ein Gelähmter. Da lag er, dem die Strafe seiner Sünde auf dem Fuße folgte, vor dem Fuße des Gekreuzigten, todesmatt wie ein Sterbender, bis zum frühen Morgen. Da kam der Beichtiger von Maria-Gnadenthal des Wegs, der gewöhnlich um diese Zeit von Hechingen her kam, um den Frauen im Kloster die Frühmesse zu lesen. „Betet für mich, frommer Bruder," rief Kuno dem Priester zu — und es war die Stimme eines Sterbenden ^ er konnte nicht mehr sein Haupt in die Höhe heben. Da kniete der Priester rieben ihm nieder und hörte die Beichte des größten aber auch reuigsten Sünders; er erquickte ihn nach der Beichte mit dem Leibe des Herrn, der — 379 — auch dem reuigen Petrus verziehen, welcher ihn dreimal verläugnet hatte. An Kreuz außerhalb des Kirchhofs zu Statten bezeichnet die Stelle, wo der Leichnam des sündigen Junkherrn eingesenkt wurde. Unter einem in der Kapelle befindlichen Bilde, welches vorstehende Geschichte darstellt, befindet sich nachstehende Inschrift: „Im .labr 1390 hat der hochwolgeborne Herr Herr Friderich Graf ;u hohen Zollern der Elter sambt dero Gemahlin frawen Agnesen Gräfin von Fürstenberg Hochgräsl. gden ans hohen Zoller rssiälert vnd einen gottlosen diener gehabt welcher sich berichten lassen, wan einer ein gueter schitz sein oder werden wolle, das derselbe drey schitz in ein orrwillx thuen solle als dan kenne es ihm nit mehr fehlen sonder Alle ding warnach er zu schiessen begere gewiß trefe welcher es probiert vnd in ein schönes oruoikx so vnd einer linden in einem bildt stockh gestanden mit der armbrnst 2mal geschossen das es geschwächt wie er den driden schütz thun wollte, hat er denselben nit oolbringen auch nit von der stell kommen könen, das wegen ime an der selbigen stat das haubt abgeschlagen vnd dahin zum ewigen gedechtnis ein Capell erbaut auch das orrroitix sambt dem stockh dahin eingesetzt worden." Es ist sehr zu bedauern, daß dieser Kapelle nicht mehr Sorgfalt zu Theil wird; auch das Cruzifch, welches ihr die Entstehung gab, hängt verwahrlost an der Wand. Der Stock, auf welchem ehemals das Cruzifch stand, steht in der Mitte der Kapelle. Liebfranenborn bei Werbach. wischen den Ortschaften Werbach und Werbachhausen befand sich ehemals auf dem Berge eine Quelle, welche durch ihr klares, wohlschmeckendes Wasser weithin berühmt war. Dorthin kamen die Landleute häusig während ihrer Feldarbeit, um sich zu laben, besonders aber im heißen Sommer, wo das herrliche, frische Wasser vorzüglich erwünscht war. Der Acker jedoch, auf welchem die Quelle sich befand, konnte den Ertrag »icht gewähren, wie die anderen umliegenden Felder, denn durch die vielen Besucher wurde der Boden fest getreten, so daß der Samen nicht aufgehen wnnte und wenn einmal etwas Frucht darauf stand, so ward diese beschädigt- Häufig floß auch die Quelle, besonders im Frühjahre 'und bei heftigem Regen, und riß dann tiefe Furchen in den Boden. Deshalb war der Werth dieses Ackers gering und er ging von Besitz zu Besitz über, aber ein Eigenthümer hinderte den Leuten den Zutritt zu der Quelle, da man den Gebranch derselben als eine öffentliche Berechtigung betrachtete. Vor etwa 100 Jahren kam der Acker mit der Quelle in den Besitz- e ines reichen Mannes von Werbach, Martin Stürmer, gewöhnlich der reiche Stürmermärtel oder auch wegen seines Geizes, Geizmärtcl genannt. Dieser wollte dem Uebelstande abhelfen: er zog eine Dornhccke um die Quelle, verstopfte ihre Mündung mit Steinen, grub Abzugslöcher und versuchte auf jede Weise, dem Wasser eine andere Bahn unter der Erde anzuweisen. Aber Alles war vergebens; die Quelle sprudelte wie zuvor. Dadurch ward Stürmer auf's Aeußerste gereizt. Kam einer seiner Nachbaren, um an der Quelle zu trinken oder Wasser zu schöpfen, so trieb er ihn mit Schcltworten von dannen und er verschwor sich hoch und theuer, er werde den Leuten das Laufen aus seinen Acker schon vertreiben. Als alle Mittel, die Quelle zu verstopfen vergeblich waren, ging er in die Stadt und kaufte einige Pfund Quecksilber, welches er in die Quelle warf. Der Versuch gelang; das Quecksilber verstopfte die seinen Felsritzen, aus denen der Sprudel quoll und Martin sah seinen Plan gelungen. Bald verbreitete sich in der Umgegend die Sage, Stürmermärtel habe die Quelle von seinem Acker vertrieben. Alles gerieth darüber in Aufruhr und man sagte allgemein, er werde davon keinen Segen haben. Auch hatte Martin von dieser Zeit an mannigfaltiges Unglück. Der erste herbe Schlag, welcher ihn traf, war der gänzliche Verlust seiner Ernte auf dem Acker. Ein fürchterlicher Hagelschlag, der sich besonders über demselben entlud, vernichtete dieselbe in der Weise, daß kein einzelner Halm unversehrt stehen blieb. Zwar auch die benachbarten Aecker hatten Schaden gelitten, jedoch bei Weitem nicht in dem Maße, wie dieser Acker Martins. Aufsallen mußte dieses und es fehlte nicht an Hindcutuugen auf das Strafgericht Gottes. Durch dieses Gewitter war das Flüßchcn Wetz im Thäte hoch angeschwollen. Das einzige Kind Martins, ein Knabe von 12 Jahren, welcher einige Tage darauf an der Pelzmühle mit anderen Kindern spielte, fiel in das Wasser und ertrank. Erst mehrere Wochen darnach fand man den Leichnam am Rechen der nächsten Mühle. Darüber entsetzte sich die Mutter des Kindes so, daß sie plötzlich erkrankte und ihrem Liebling in kurzer Zeit in die Ewigkeit nachfolgte. Diese Unglücksschläge vermochten den reichen Martin jedoch nicht, in sich zu gehen und seinem Geize und seiner Habsucht zu entsagen. Da seine große Ackerwirthschaft ihm eine thätige Lebensgefährtin sehr wünschenswerth machte, so verlobte er sich nach einem Jahre mit einem Mädchen aus Werbach, welches ebenfalls ein bedeutendes Vermögen besaß. Es war die Zeit der Heuernte und die Hochzeit sollte in einigen Tagen vor sich gehen. n.a die Arbeit drängte, so war die Braut im Geschäfte behülflich; sie kochte fü> das Gesinde und die Taglöhner und Nachmittags arbeitete sie mit denselben auf der Wiese. Als sie nun gegen Abend eine Bürde Gras aufheben — 381 — rvollte, glitt sie auf dem feuchten Wiesenboden ans und fiel in eine Sense. Mehrere Hauptadern am linken Beine waren durchschnitten und ehe noch Hülfe herbeigeschafft werden konnte, hielt Martin eine Leiche in den Armen. Dieses neue Unglück, das unsern Martin traf, bewirkte, daß unter den Ortsnachbaren die verschiedensten Urtheile über ihn laut wurden. Einige hatten Mitleid mit ihm, die Meisten aber gönnten ihm wegen seines Geizes und seiner Härte die Strafe des Himmels. Bald wurde er von Allen gemieden, Niemand wollte etwas mit ihm zu schaffen haben und häufig konnten nicht einmal die nöthige Anzahl Dienstboten für seine Feldarbeit erhalten. Aber noch nicht war der Zorn des Himmels erschöpft. Eine schwere und qu alvolle Krankheit befiel ihn und alle Bemühungen der Aerzte, ihn zu heilen, waren vergebens. Nachdem er so fünf Jahre lang gelitten und glaubte, daß sein Ende herannahe, ging er endlich in sich und richtete seine Gedanken ans die Ewigkeit, der er nun bald angehören werde. Jetzt sah er ein, wie sein Leben ein sündiges gewesen, wie viel Gutes er durch seinen Geiz unterlassen, wie viel Böses begangen hatte. Nichts aber bereute er mehr, als durch Vernichtung der Quelle seine Mitmenschen ihres Labsals beraubt zu haben. Von ganzem Herzen wünschte er, diese Sünde wieder gut machen zu können und that deshalb feierlich das Gelübde, wenn die Gnade Gottes ihn von seiner Krankheit befreien werde, so solle es sein erstes Geschäft sein, die Quelle wieder aufzusuchen und neben derselben zur Ehre Gottes eine Kapelle zu bauen. Kaum hatte er dieses Gelübde gemacht, so nahm die Krankheit eine W endung zum Bessern und bald trat auch vollständige Genesung ein. Darüber war Jedermann erstaunt; noch mehr aber steigerte sich die Verwunderung, als man von dem Gelübde hörte, welches Martin abgelegt hatte. Nach seiner Genesung legte Martin sogleich Hand ans Werk, um die O uclle wieder aufzusuchen. Der ganze Acker wurde durchwühlt, aber vergebens, die Quelle zeigte sich nicht. Mittlerweile bestellte er bei einem geschickten Künstler eine Bildsäule der Mutter Gottes für die gelobte Kapelle And einen Bildstock, welchen er auf der Stelle wollte errichten lassen, wo ihm vor 5 Jahren seine Braut so plötzlich war entrissen worden. Nach Verlauf einiger Monate kamen beide Bildwerke an, aber die Quelle war »och nicht aufgefunden. Da gab Martin den Befehl, einstweilen den Bildstock zu errichten, die Nachforschungen nach der Quelle aber fortzusetzen. Als er nun eines Tages die Stelle besuchte, um nachzusehen, wie weit di e Arbeiten vorgerückt seien, theilten ihm die Werkleute mit, daß sie am llfer der Welz in unmittelbarer Nähe eine Quelle entdeckt, welche früher Niemand gekannt Hütte. Martin ließ sich die Quelle zeigen und erstaunte über die Stärke ihres Sprudels und den Wohlgeschmack ihres Wassers. Sie befand sich in einem dichten Erlen- nnd Weidengebüsch, das sich am Ufer des Baches hinzog. Nach dem Urtheile Aller konnte es nur die einst vertriebene Quelle sein, da das Wasser dieselben kostbaren Eigenschaften besaß. Hier nun beschloß Martin, seinem Gelübde gemäß, die Kapelle zu err ichten. Man war aber genöthigt, die Giebelmauer der Kapelle bis in die Welz vorzurücken und, um zum Eingang zu gelangen, eine hölzerne Brücke über den Bach zu schlagen. Die Quelle selbst wurde schön in Stein gefaßt und mit einem Gewölbe überdeckt, auf welchem der Altar der Kapelle steht. Die Kapelle erhielt den Namen Liebfrauenbronn. Von dieser Zeit an hatte Martin Stürmer Glück und Segen. Seine Gemeinde erhob ihn einstimmig zu ihrem Vorstande. Auch fand er bald wieder eine Lebensgefährtin und da diese ihn mit einem schönen Töchterlein beschenkte, so lebte er glücklich und zufrieden bis an sein Lebensende. Es sind nun über 100 Jahre verflossen, seit Martin die Kapelle Liebfrauenbronn baute. Die Welz zerstörte zwar einmal bei einer großen Ucbcrschwemmung ein en Theil der Kapelle, aber es waren sogleich viele mildherzigen Seelen bereit, dieselbe wieder herzustellen. Gar lieblich nimmt sie sich mit ihrem glänzenden Glockenthürmchen auf dem dunklen Grunde in ihrer waldigen Umgebung aus, die noch heute den Namen „Stürmersholz" oder „Stürmersgut" führt. Kein geringer Schmuck des lieblichen Plätzchens ist aber der Bildstock, den Martin setzen ließ. Er ist mit langen, grauen Flechten dicht überwachsen, die ihm ein viel älteres Aussehen geben, als er wirklich hat. Durch die häusigen Ueberschwemmungen der Welz erhöhte sich zwar der Wiesenboden des Thals so beträchtlich, daß fast der halbe Bildstock in der Erde steckt, jedoch der größte Theil der Inschrift kann noch gelesen werden. Sie lautet: Betracht den Tod, o Wandersmann, Wie ungefähr es kommen kann, Und was sich hier begeben. Ein Bürd von Gras aufheben will, Durch Unglück in die Sensen fiel. Verlnhr dabei das Leben. Weiter unten steht der Name der Braut, Maria Franziska Ehrlen- bachin, und die Jahreszahl 1747 den 4. Juli. — 383 — Die Kreuzlzölzlem-Kapellh bei 'Dittwar. ^s-chon 1169 schenkt ein Heinrich von Luden (Lauda) das Schloß Dietburg an das Bisthum Würzbnrg. 1222 hat Dittwar cine eigene Pfarre; die jetzige Kirche ist 1762 erbaut. Etwa 3 Kilometer entfernt steht die sogenannte Kreuzhölzleinkapelle, ein Wallfahrtsort, auf einer anmuthigen Höhe in einem Wäldchen, das Kreuzhölzlein genannt. Mehr als 269 Jahre mögen es sein, als man im Innern des Gehölzes ein gewaltiges Krachen vernahm, als ob alle Steine durch ein Erdbeben durcheinander geworfen würden oder als ob ein gewaltiges Gewitter unter Donner und Hagel sich darin entlüde — obwohl der Himmel heiter und blau war. An diesem Orte sammelte im Jahre 1660 Anna, Tochter des Veit Kranken, von Geburt an taub, Holz und fand dabei unter einer Eiche in einer Oeffnung zwei Bilder, das der Mutter Gottes und des heil. Apostels Johannes. Die Jungfrau zog die Bilder hervor, küßte sie ehrerbietig und legte sie wieder an den früheren Ort. Später zeigte sie ihrem Bruder Jakob die zwei Bilder und letzterer nahm sie mit nach Hause; in die Rinde des Baumes schnitt er seinen Namen ein. In seinem Zimmer errichtete Jakob einen Hausaltar und stellte die zwei Bilder zur Seite eines Kruzifixes auf. Nach einem Vierteljahre trug nun Hans Weber (Bauernhans genannt) die Bilder sammt dem Kruzifix in die bezeichnete Eiche zurück und hier wurden sie das Ziel vieler Wallfahrer. Die göttliche Vorsehung ließ auch hier wieder zu, daß Widerspruch und Verfolgung sich erhob, um den höheren Ursprung des Ortes deutlich zu offenbaren. Hclffrich, Dekan und Stadtpfarrer zu Bischofsheim, verbot bei Strafe die Wallfahrt in jenen Wald und ließ die Bilder von dort in die Kirche zu Dittwar bringen. Auf unbegreifliche Weise verschwanden sie wieder von da und fanden sich am alten Platze im Walde. Der Dekan holte sie selbst dort ab und verwahrte sie diesmal in einer mit eisernem Gitter verschlossenen Dehnung hinter dem Hochaltare. Wiederum verschwanden die Bilder von da, um im Eichbaume draußen aufs Neue aufzutauchen. Der Dekan wollte eine noch deutlichere Probe anstellen! er gab Befehl, den Eichbaum umzuhauen, allein dieser widerstand den Hieben so kräf- i'g, daß zwei Aexte nacheinander daran zersplitterten. Jetzt erst ergab sich Dekan Helfferich; er befahl nicht nur, das Fällen des Baumes zu unterlassen, sondern gestattete auch, daß jeder nach Belieben M diesem Ort seine Andacht verrichte. Dies geschah nicht umsonst. Der Herr würdigte sich, die Gebete der Bedrängten und Kranken zu erhören; die vielen aufgehängten Krücken und Gelübdetafeln bezeugen dies. 384 1513 errichtete Abt Gottfried im Prämonstratenserkloster zu Zelt, aus Dittwar gebürtig, eine dürftige Kapelle. Der fromme Eremit Bruder Christoph Neuberth schlug seine Wohnung bei ihr auf und baute später theils aus eigenen Mitteln theils mit Beiträgen anderer Wohlthäter an Stelle der alten, eine neue, größere Kapelle auf. Die zwei Bilder nebst dem Kruzifixe stellte er in einem gläsernen Kästlein im Hochaltare auf. Ihre hochfürstliche Gnaden zu Fould schenkte der Kapelle eine Partikel des h. Kreuzes nebst einer Authentik mit eigenem Siegel. Clemens XI. verlieh den Pilgern für fden Besuch der Kapelle nebst Empfang der heil. Sakramente und Gebet für die Anliegen der Christenheit einen vollkommenen Ablaß auf das Fest Kreuz-Erfindung, 7 Jahre auf Kreuz-Erhöhung und 100 Tage auf jeden Freitag in der Woche. Außerdem schenkte der hochw. Baron von Clodt, Propst zu St. Michael in Fuld, viele h. Reliquien der Kapelle. Vom Dorfe Dittwar bis zur lieblichen Anhöhe, welche die Kapelle sc hmückt, beträgt der Weg 1361 Schritte, gerade so viele, als der göttliche Heiland mit dem Kreuze beladen vom Palaste des Pilatus bis zum Kal- varienberg gemacht haben soll. Deshalb errichtete man auf dem Wallfahrtswege 14 Bildstöcke mit den Stationen des Kreuzweges; die zwölfte mit der Kreuzigung, Kalvarienberg genannt, wurde zu einer eigenen Kapelle etwas geräumiger ausgebaut und mit einem Altare ausgestattet. Es werden in der Kapelle jährlich mehrere gestiftete Aniversarieu gehalten, in der Fastenzeit findet jeden Freitag Amt mit Predigt statt. Zu neuester Zeit ist sie restaurirt worden und bildet der Hochaltar, unter dessem Tische eine Statue vom göttlichen Heilande im Grabe sich findet, einen wahren Schmuck der Kapelle. Der Knieestein bei Schweighausen. Amt Ettenheim. enn man von Schweighausen aus den Hühnersedel mit seiner schönen Fernsicht ins Breisgau besteigt, gelangt man nach einer halben Stunde an eine lichte Stelle des Waldes zum Kniestein, der auf dem Hofgute des Zähelebauern Roman Geppert steht. Es erhielt sich auf dem Hofe die Tradition, man habe draußen im Wald einen lieblichen Gesang vernommen; dadurch aufmerksam gemacht seien die Leute fleißig zu jener Stelle gewallfahrtet, um auf einem Steine mit zwei Vertiefungen, m welche man bequem die beiden Kniee bringen kann, zu beten und es wurde ein hölzernes Kreuz vor diesem Steine errichtet. Letzteres war schadhaft geworden und suchte man eine Kapelle an dessen Stelle zu setzen. Durch das — 385 — Erträgniß des Opferstockes und eine Hauskollekte wurden die Mittel dazu aufgebracht. Neber der Eingangsthüre ist folgende Schrift in Stein ausgemeißelt: Diese Kapelle erhielt ihren Anfang 1866 dnrch Kirchen- und Gemeinderath und andere Wohlthäter." 1873 wurde sie durch Pfarrverwalter Kern benedicirt. Fleißig besucht das Volk diesen Ort, besonders in der Charwoche. Am Markusfeste und in der Bittwoche findet eine kirchliche Prozession dorthin statt. Veuron. Wallfahrt zum Gnadenlnlde der schmerz- haften Mutter Gottes. u den schönsten, großartigsten Gegenden Deutschlands gehört unstreitig das Donauthal. Ein Mann, wie kaum ein zweiter die Länder der Erde durchforscht hatte, der berühmte Geograph Daniel, entwirft vom Donauthale folgende Schilderung: „Auf beiden Seiten erheben sich hohe Felswände, oft mehrere hundert Fuß aus dem Wasser emporsteigend, bald rauh und zerklüftet mit vorspringenden Winkeln, bald mehr wandartig fortlaufend, oben auf der Stiru aber durchaus vou üppigem Baumwuchs überwuchert, der die Thäler der Schwäbischen Alp charakterisirt. Aber auch durch die Steinmasseu haben sich überall größere und kleinere Busch- und Baumpartien Bahn gebrochen, welche mit ihrem warmen Grün einen sehr lebhasten Contrast zu der fahlgrauen, östlich in's Gelbliche spielenden Farbe des Jurakalks und der mehr röthlichen des Tufsteins bilden. An andern Stellen dagegen bedeckt der dichte Wald gänzlich die steile Thalseite und aus ihm hervor starren dann, sanft abstechend gegen das sanfte Grün der Birken und Buchen, die riesigen Felsblöcke, oder strecken auch wohl schlanke Säuleu in die Luft. Unten aber zieht sich in Schlangenwindungen das enge Thal fort, indem es zwischen der klardunklen von Büschen beschatteten Donau uud der schmalen Straße nur einen saftig grünen Wiesengrund, und hie und da ein ganz klein wenig Ackerfeld übrig läßt. Denn die Enge des Thales gestattet auf dem fast überall nur äußerst wenig über dem Wasser erhöhten Thalboden keine erfolgreiche Bebauung, und nur sehr spärlich finden sich ein paar Dörfchen im Thale entlang, weshalb es einem begegnen kann, daß man stundenlang auf dem einsamen Wege (von Sigmaringen aufwärts der Donau entlang) kein menschliches, ja kein lebendes Wesen erblickt. Daher auch der beengende Zauber, den diese in sich abgeschlossene Gegend auf den 'Äun des Wunderes ausübt, vermehrt durch die zahlreichen Ruinen." Alle Reize des Donauthales vereinigt die Umgebung von Beuron. Kirche und Kloster mit nenn Gebäuden umschlingt die Donau in weitem ss — 386 — Kreise; der Thalgrund ist fruchtbarer, fast ebener Ackergrund, in dessen Mitte, wenig erhöht, Dörflein und Abtei liegen. Die Nordseite bildet eine steile Felscnwand, die sich dicht bei der Donau erhebt, die Südseite bilden wildbewachsene Höhen, aus deren Buchenlaub einzelne Felszacken hervorragen, im Westen schließen sanft gewölbte Koppen mit Gebüsch und Hochwald geschmückt das Thal. Das Gebirge bildet hier eine natürliche Clausur, die das unruhige Herz auf Einkehr in sich selbst hinweist. So schön und anmuthig das Thal ist, so großartig majestätisch und ernst ist sein Charakter, wie geschaffen für einen Ort heiliger Weltentsagung. Ein seliger Friede liegt über dieser Stätte ausgebreitet, der oft schon den Reisenden unwillkürlich ergriffen. Diesen herrlichen Fleck deutscher Erde wählte Maria sich selbst zur Wohnung. Das Mittelbild im Deckengewölbe der heutigen Kirche stellt die Entstehung der Wallfahrt dar. In Mitte des 11. Jahrhunderts lebte in Schwaben Herzog Peregrin, dessen Besitzungen sich über dieses Thal erstreckten; er pflegte darin zu jagen und auf einer dieser Jagden erblickte er an der Stelle des Klosters einen lichtausstrahlenden Edelhirsch und darüber schwebte die Himmelskönigin, die ihn mit huldreicher Stimme aufforderte, hier ein Kloster zu erbauen. Schon nach 2 Jahren, 1077, stand das Thalkloster Beuron vollendet da und ward am Feste Mariä Himmelfahrt vom Bischof in Konstanz in Gegenwart des erlauchten Stifters und vieler anderer Ritter und Edeln feierlich unserer lieben Frau und dem heiligen Martin geweiht und von Chorherren von der Regel des hl. Augustin bezogen. Gerold von Bussen, Herzog oder Graf, Bannerträger Kaisers Karl des Großen und Bruder seiner Gemahlin Hildegard, erbaute schon 777 auf der südlichen Anhöhe des Donauthales zwischen Friedingen und Beuron ein Kloster, Alt-Beuron oder Purom genannt. Die ersten Bewohner desselben waren Benediktiner aus St. Gallen, wie auch das L im Klosterwappen deutlich sagt. Bon hier aus arbeiteten die Mönche fleißig an der Verbreitung des Christenthums und erwiesen sich als wahre Kulturkämpfer. Da wurde durch den Einfall der Ungarn im 10. Jahrhundert die herrliche Pflanzung vernichtet. Nach Errichtung des neuen Klosters im Thale verliert sich jede Spur des Waldklosters — aus unbekannten Gründen ging es an die Augustiner über. Als besonderes Werkzeug der Gnadenspendung wählte Maria in ihrem neuen Tempel ein altehrwürdiges, wunderthätiges Bild, das sie mit dem Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoße darstellt. Die Wallfahrt zu ihm besteht seit unvordenklichen Zeiten und war schon im 14. Jahrhundert in Blüthe. Gleich beim Baue des alten Klosters erhielt das Gnadenbild eine Kapelle, jetzt steht es auf dem Muttergottesaltare. Aus der Basis desselben stehen in Silbergrund die Worte: „Sehet, ob ein Schmerz dem meinen gleich sei." Papst Jnnocenz VI. gewährte den Pilger zu diesem Bilde vor übü — 387 — Zahren reiche Abläse. Wunderbare Gebetserhörungen zogen die Gläubigen mächtig an. Allein in der folgenden Periode von 1450 bis 1650 brachen Leiden und Verfolgungen aller Art über das Kloster und seine Bewohner herein. Die aufständigen Banern der Reformationszeit und noch mehr der dreißigjährige Krieg brachten unerhörtes Elend über das Gotteshaus, welches einmal sogar neun Jahre verödet blieb. Dazu kamen Heimsuchungen durch Pest, Hagelschlag n. s. w. Eine Zeit lang wurde das Gnadenbild nach Zrrendorf (früher Urendorf d. i. Vrendorf, der h. Einsiedlerin Verena geweiht) geflüchtet und damit natürlich die Wallfahrt unterbrochen. Der westfälische Friede erst machte diesen Drangsalen ein Ende und leitete für das Kloster eine Periode der Ruhe ein, welche die glücklichste seines Bestandes zu nennen ist. Durch eifrige Besorgung der Wallfahrt und mehrerer benachbarten Pfarreien erwarben sich die Chorherren Verdienst und Einfluß; tüchtige Vorsteher sorgten für Zucht und Wohlstand. 1687 wurde die Probstei zur Abtei erhoben. Der erste Prälat Georg (P 1704) begann den Neubau des heute noch stehenden Klosters; sein Nachfolger Joseph (ch 1715) vollendet? ihn. Abt Rudolf II von Strattowitz (1724—1738) erbaute die prächtige Kirche in den edelsten Formen des Renaissance-Stiles. Da nahte das Ende des vorigen Jahrhunderts, „die gottlose, die schreckliche Zeit, die mit ihrem Gifthauche alles Heilige überzog und die ehrwürdigsten kirchlichen Schöpfungen zerstörte." Schon bei der Einführung des Abtes Dominikus hatte P. Thomas Lechleitner, der im Rufe der Sehergabe stand, das nahe Ende des tausendjährigen Stiftes, aber auch seine einstige Wiederbelebung verkündet. Noch einmal brachten die französischen Kriege Leiden über das Kloster. Am 2. Dezember 1802 wurde durch das Aufhebungsdekret dieser Friedensstätte das Todcsurtheil gesprochen; die Abtei sammt allen Besitzuugen wurde an den Fürsten von Sigmaringen überwiesen. Die letzten Chorherren starben meist auf den benachbarten Pfarreien; der Abt im Kloster 1823. Die weitläufigen Gebäude dienten in den Befreiungskriegen als Militürspital und litten durch gewaltsame Zerstörung und arge Vernachlässigung. Die Wallfahrt erlosch fast gänzlich und es fand nur ein beschränkter Gottesdienst statt; die prachtvolle Orgel ward nach Pfullendorf verkauft, auch die Glocken und werthvollsten Gewänder veräußert worden. Nicht mehr brauchte es vieler Jahre zur völligen Ruine, Doch in dieser trüben Nacht sechszigjähriger Verödung bewahrte der Thalbewohner treu seine Liebe zum Gnadenbilde. Am Pfingstmontage, dem 25. Mai 1863, wurde dasselbe feierlich auf dem Gnadenaltare enthüllt und die Wallfahrt in Gegenwart zahlreicher Pilger, der Gemeinden der Nachbarschaft wit ihren Pfarrern durch den Generalabt P. Maurus Wolter und die aus St. Paul in Rom mit ihm hierhergezogenen Mönche, welche schon 1862 die — 383 — Gebäulichkeiten käuflich erworben hatten, eröffnet. Die Fürstin Katharina von Hohenzollern half durch edle Freigebigkeit das Gotteshaus errichten und herstellen. Am 3. Oktober 1868 wurde der bisherige Prior Dr. Maurus Wolter als erster Abt installirt, über welche Feier ein eigenes Schriftchen erschienen ist. Männer von Frömmigkeit und Talent riefen eine eigene Kunstschule dort in's Leben. Auf dem Gebiete der Malerei sucht sie die Formenschönheit des klassischen Heidenthnms mit dem strengen ascetischen Geiste des Christenthums zu erfüllen. Auf dem Gebiete der Musik findet hier der gregorianische Gesang mustergültige Pflege und bekommt man diese himmlischen Melodien nirgends in einer Vollendung zu hören wie von diesem erlesenen Mönchschore. Die Ascese wurde mit einer Strenge geübt, daß man in die ersten Zeiten des Christenthums, in den Kreis der h. Einsiedler von Thebais sich zurückversetzt glaubte. Die Constitntionen der Beuroner Congregation des Benediktinerordens erhielten von Papst Leo XIII. ihre Bestätigung und darf darnach der Abt den Titel „Erzabt" führen. Es gingen von dort folgende Gründungen aus: Maredsous in Belgien (Namür), Erdington in England (bei Birmingham), Stift Emaus in Prag, Seckau bei Graz. Doch als nach Beendigung eines gerechten und siegreichen Kampfes gegen Frankreich ein unseliger, verderblicher Kulturkampf im Innern des deutschen Vaterlandes entbrannte, sah sich die herrlich aufblühende Stätte der Kultur im Douauthale wiederum gewaltsam ausgelöst. Am 21. Oktober 1875 wurde dem Oberen die Auflösung der Klostergenossenschaft in Beuron angezeigt und nach kaum 6 Wochen zogen die 4V bis 50 Benediktiner ohne innern Groll nnd äußeres Aufsehen ruhig und still in ein fremdes Asyl. Die Serviten in Volders bei Hall in Tyrol hatten einen Theil ihres Klosters den Vertriebeneu zur Wohnung eingeräumt. In Beuron durste nur ein Pater zur Fortführung der Pfarrgeschäfte zurückbleiben. Möge bald den ehrwürdigen Vätern die Rückkehr in ihr trauriges Heilig- thum gestattet werden! Das ist der Wunsch so vieler Gläubigen, die dort gastliche Ausnahme, Rath und Hülfe gefunden haben. Noch vor ihrer Abreise vollendeten die Künstler die Restauration der Kirche. Dieselbe enthält 7 Altäre: 1. der St. Josephaltar, unter dem sich der im vorigen Jahrhundert aus den Katakomben übertragene Leib des hl. Märtyrers Bonifazius befindet; der Herz Jesualtar, bei dem eine Treppe in die Klostergruft führt; 3. der Altar des h. Maurus; 4. der Altar der Heiligen Scholastika, Hildegard, Walbnrg, Gertrud und Mechtild; 6. der Altar des h. Benedikt; 6. der Altar des Gnadenbildes und 7. der Hochaltar mit dem Hauptbilde Mariä Krönung. Die Decke des Chores enthält eine große Darstellung des Pfingstfestes mit erstaunlicher Perspektive. Daran schließen sich noch 8 kleine Gemälde, welche Scenen aus der Geschichte der Kirche darstellen. Das Hauptgemälde im Gewölbe des Laugschiffes zeigt uns die Ver- — 389 — anlassung dcr Wallfahrt und der Klosterstiftung, Paregrins Jagd. Daran schließen sich zwei größere und ein mittleres Bild, während eine Reihe verklärter Heiligcngestalten die Gewölbekappen bedecken. Ein anderes Hauptbild ist der Verherrlichung des h. Augnstinus gewidmet, an den 4 Ecken desselben sind Scenen ans seinein Leben. Das letzte Hanptbild ist dem h. Martin, dein Patron der Kirche und des Klosters geweiht. Von Clerikern und Dienern umgeben treibt er Teufel ans. Besondere Aufmerksamkeit schenkt das Volk einem Gemälde auf der Epistelseite, das die bekannte Scene in Amiens darstellt, wo Martinus noch als römischer Krieger seinen Mantel mit einem Bettler theilt. Der Schimmel den der Heilige reitet, scheint dem Beschauer, wohin er immer sich wendet, entgegen zu kommen. Die Sage knüpft daran folgende Erklärung: Während die Kirche mit Malereien ausgeschmückt wurde, kam ein junger, unbekannter Künstler und bot dem Abte seine Dienste an. Er wurde abgewiesen, da Arbeiter genug vorhanden. Während nun diese für kurze Zeit die Kirche verlassen hatten, stieg der Fremde auf das Gerüst und malte das in den Augen des Volkes Hochangesehne Kunstwerk^). Als man ihn nachher suchte, war er nirgend mehr zu finden. Ein weiteres Gemälde führt uns den Traum des hl. Martin in der folgenden Nacht vor, worin der Herr den verschenkten Mantel zeigt; ein anderes das Gastmahl, das ihm der Kaiser Maximus gab und wobei die Kaiserin ihn bedienen wollte; das letzte endlich seinen seligen Tod. Das Glasgemälde im Chor stellen links die Heiligen Maurus und Martinus dar, ein Votivgeschenk des berühmten belgischen Architekten Johann Freiherr Bcthune, rechts die Heiligen Paulus und Katharina, gestiftet von der Fürstin Katharina von Hohenzollern. Im halbrunden Fenster der Portalwand erblicken wir den h. Joseph, gestiftet von der Prinzessin Karolina von Hohenzollern. In der Abtei selbst ist der ganze untere Kreuzgang ausgemalt. Zunächst beim Eingange zeigt sich nach dem Original in Rom die h. Madonna, vor welcher der h. Benedikt gebetet haben soll, zwischen zwei lieblichen Engeln; in den Lünetten der Bögen sind die rührendsten und belehrendsten Züge aus imn Leben des h. Ordensstisters dargestellt. Den Fensternischen dienen symbolische Figuren nach Art jener in den Katakoben zum Schmuck. Das Freskogemälde im Stiegenhause ist von überraschendem Effekt. Im Refektorium sehen wir den göttlichen Heiland in der Wüste; nachdem er den Versucher mit seinen Broden zurückgewiesen, treten Engel mit Früchten zu seiner Labung herzu. Der Kapitelsaal ist der schönste Raum im Kloster. Er üägt reichen Stukkaturschmuck. In den 12 Medaillons der Wände sind die 12 Stufen der Demuth des h. Benedikt eingezeichnet. Gewollt ßa" zu Trier ist nach gleicher Manier ein Crucifix im Laukenbach in der Mortenau, Gericht Oberkirch. ^Nijie Wallfahrt zur lieben Muttergottes in Lautenbach verdankt ihre Entstehung den Mönchen des Klosters Allerheiligen. Aus einem Unglücke, welches dieses Kloster betroffen, sollte für das Renchthal großer Segen entstehen. Als nämlich im Jahre 1470 unter dem Propste Andreas Rochart von Neuenstein in der Kirche des genannten Klosters ein Brand ausbrach, welcher den größten Theil der Klostergebäude und auch die Kirche zerstörte, waren die Chorherren genöthigt, anderswo einen Wohnsitz zu nehmen. Da erbaute denn der genannte Propst Andreas, welcher in Lautenbach begütert war, seinen Conventualen auf feinem Erbgute Wohnung und Kirche, um welche nach und nach das Dorf sich bildete. Es war aber nicht blos die freundlichere Gegend, welche von dieser Zeit an die Klostergeistlichen von Allerheiligen nach Lautenbach zog, sondern auch ein religiöses Interesse' Das zeigt nicht blos die mit aller künstlerischer Sorgfalt erbaute hiesige Kirche (sie ist ein wahres Kleinod gothischer Baukunst), sondern auch die fortgesetzte Sorgfalt, welche dieser Muttergotteskirche fortwährend von den frommen Gottesmännern zu Allerheiligen gewidmet wurde. Im Chöre der Kirche wollten mehrere Vorsteher von Allerheiligen ihre letzte Ruhestätte haben. So wurde unter anderen auch Propst Peter Burkhard (ch 1514) im hiesigen Chöre beerdigt. Derselbe war im Besitze eines durch Wunder berühmten Marienbildes und baute, um der Verehrung desselben eine Stätte zu bereiten, beim Haupteingange der Kirche eine Gnaden- und Wallfahrtskapelle nach dem Vorbilde der Kirche von Loretto (1488).^) Dieselbe ist wie die Hauptkirche im spätgothischen Stile erbaut. Die Glasfenster im Chöre der Kirche tragen die Wappen adeliger Geschlechter, so jener von Schaumburg und Neuenstein als Wohlthäter der Kirche, ein Beweis, daß das gute Beispiel, welches die Ordensmänner in ihrem Eiser für die Zierde dieses Gotteshauses gaben, Nachahmung fand. Die Wallfahrt zur Gnadenmutter in Lautenbach fand unter solchen Umständen naturgemäß bald einen großen Aufschwung und eine nicht unbeträchtliche Anzahl noch vorhandener Votivtaseln bezeugt uns, wie groß das Vertrauen zur Fürbitte der h. Jungfrau in ihrem Heiligthum zu Lautenbach geworden und wie oft das Gebet um ihre Fürbitte wunderbare Erhörung fand. Von den Priestern des Klosters Allerheiligen wurden darum fortwährend wechselsweise mehrere zu vorübergehendem Aufenthalt und zur *) Wie Propst Burkhard in den Besitz des Gnadenbildes gekommen, gibt unser Gewährsmann nicht an. Im hiesigen Orte erzählt man sich: die Stelle, aus welcher die Kirche steht, sei ein sumpfiger Wald gewesen und habe man da in einem Baume, indem man den Tönen eines wunderbaren Gesanges nachging, das Gnadeubild gefunden. — 391 — Besorgung des Wallfahrtsgottesdienstes nach Lautenbach gesandt. Auch nachdem der Ort im Jahre 1816 zur Pfarrei erhoben, hörte der Wallfahrts- gottesdieust nicht auf, sondern dauert noch fort bis auf den heutigen Tag. Aden Samstag wird in der Gnadenkapelle ein Votivamt gesungen und den Wallfahrern vorher Gelegenheit zum Empfange der h. Sakramente gegeben. Nach dem wöchentlichen Votivamte am Samstag wird in der Gnadcnkapelle die Laurctanische Litanei und nahezu jedes Mal nach der Litanei, d. h. so oft die Bitte darum laut geworden, das allgemeine Gebet gesprochen. Nach diesem begibt sich der Priester in die Sakristei und von da mit weißem Plumale angethan zum Hauptaltar, wo er nach Absingung des UanAs linAna. mit dem Eiborium den Segen ertheilt. Recht großartig wird der Zudrang der umliegenden und entfernteren Orte an allen kirchlich gebotenen Marienfesten, an welchen immer hochfeierlicher Gottesdienst vor ausgesetztem Allerheiligsten in der Monstranz abgehalten wird, so daß namentlich am Hanptseste Maria Himmelfahrt, und auch an Maria Geburt, an welchen Tagen feierliche Prozession ist, oft zwei Drittel der Wallfahrer im Gotteshause kein Unterkommen mehr finden. Mit derselben Frequenz wird an den Samstagen der Fastenzeit, an welchen nebst feierlichem Votivamte vor ausgesetztem Allerheiligsten in der Monstranz jedesmal um 9 Uhr eine Predigt ist, der Gottesdienst besucht. Die Muttergolteswallfahrt zu Bickeshrim, Amt Rastatt. AMie Wallfahrt zur allerseligsten Jungfrau in Bickesheim ist fast tausend Jahre alt. Dieselbe ist bekannt unter dem Titel: (lvllmnmis in guavis tridulations et neesssitate perlnAinrn d. h. gemeinschaftliche Zuflucht in jeder Trübsal und Noth. So ist sie in den Annalen des Zesuiteustistes zu Ettlingen in den Jahren 1702, 1706 und 1707 benannt. Heinrich der Finkler, Kaiser von Deutschland, soll um das Jahr 918 den Grund zur Kapelle gelegt haben. Das berühmte Bickesheimer Glöcklein, welches jetzt umgeschmolzen ist, trug in longobardischer Schrift die Jahreszahl a. 9. 1. 8. -- Ein Ritter von Schmalstein erscheint ganz früh als Stifter der geistlichen Präbende zur Ehre der allerseligsten Jungfrau. Als Zweitälteste Präbende wird die zur Ehre des h. Jodokus bezeichnet, worüber die Stadt Ettlingen eine Urkunde besitzt, die jedoch nicht datirt ist. Hermann I., Markgraf zu Hochberg, aus dem edlen Geschlechte der H erzoge in Elsaß und Zähringen, vermählt mit Judith, der Tochter des Markgrafen von Baden 1130) ließ die alte Kapelle bis auf die Funda- mente niederreißen und baute das jetzige Chor auf. In dem Fenster hinter dem Katharincnaltar befindet sich noch ein Rest von Glasmalerei, Maria auf dem Throne darstellend, aus dieser Zeit. Wie man glaubt, errichtete Hermann I. auch eine Präbende zu Ehren der hh. drei Könige. — Hermann IV., der Urenkel von Hermann I., ließ zur Epistelseite eine kleine Kapelle anbauen. Zur Linken des Hanptchores sind noch Reste von den Grundmauern derselben wahrzunehmen. Zum Andenken an seine Heirath mit Jrmengard, der Tochter des Pfalzgrafen Heinrich, wodurch Durlach, Ettlingen, Pforzheim und Heitersheim in seinen Besitz kam, stiftete er eine Prabende zur h. Barbara. Rudolf I., der Sohn Hermanns IV., mit dem Beinamen der Große, weil er 12 Fuß groß gewesen sein soll, war mit Kunignnde, der Tochter des Grafen von Eberstein, vermählt. Er baute das große gothische Chor neben der K atharinenkapelle 1243—1250. Beide fromme Ehegatten unternahmen eine Reise nach Bickesheim, opferten durch ein feierliches Gelübde der Königin des Himmels sich selbst, ihr Land und ihre Unterthanen auf und legten Maria den Ehrentitel Untrona putrias (Beschützerin des Vaterlandes) bei, welcher Titel noch im vorigen Jahrhundert auf dem alten Hochaltar zu lesen war. Zwei an der Wand in der Nähe des großen Chorbogcns angebrachte Inschriften aus dem Jahre 1762 lauten: ^nte guinAsntos nuuos Luäoiplu, Naroliione taota. ^.u^usto Nurollions praesicisnts eleAuntsr rolseta. (Vor övv Jahren unter dem Markgrafen Rudolf erbaut. Unter der Regierung des Markgrafen August zierlich hergestellt.) — Das Hauswappen dieser Ehegatten ist an der ersten Säule, an welcher sich die Kanzel befindet, eingesetzt, leider aber beim Befestigen der letzteren beschädigt worden. Es ist ein Doppelwappen, in der Mitte desselben Christus am Kreuz. In der Nähe der Kanzel ist auch ein Grabstein mit der Jahreszahl 1391. Rudolf IV., Markgraf und Ordensritter von der Insel Rhodus, Sohn des Hesso und Bruder des regierenden Markgrafen Hermann VI., stiftete in der Oktav der unschuldigen Kinder 1318 die Präbende zu Ehren der h. Jungfrau und Märtyrin Katharina. Um diese Zeit soll auch die Präbende zu Ehren des h. Nikolaus gestiftet worden sein. Im 14. Jahrhundert kamen auch die Bickesheimer Jahrmärkte auf. Anfang s hielten nur Wachszieher, Bilderhändler, Bäcker u. s. w. ihre Waare seil, dann aber wurde für die Feste Mariä Verkündigung, Himmelfahrt und Geburt nach dem Gottesdienste ein förmlicher Jahrmarkt festgesetzt. Dem Pfründnießer stand das Recht zu, an denselben Getränke auszuschenken. Dieses Privilegium shat sich bis zum Beginne des gegenwärtigen Jahrhunderts erhalten. Im Jahre 1359 wurde zu Bickesheim durch dreizehn benachbarte Geis tliche eine Bruderschaft zu Ehren Jesu und der zwölf Apostel gestiftet. Die Mitglieder derselben wurden Brüder Mariens genannt und gelobten, — 393 — die Ehre der allerseligsten Jungfrau an ihrem Gnadenthron zu Bickeshcim nach Kräften zu befördern. Bernhard III., der Heilige, überließ, weil ihm die Welt von Kindheit an verleidet und seine Gedanken nur auf die Ewigkeit gerichtet waren, die Regierung seinem Bruder Karl I. Er pilgerte fleißig zu Fuß nach Bickeshcim. Sein Betstuhl, mit dem badischen Hauswappen geziert, wurde noch lange nach seinem Tode in der Gnadcnkapelle aufbewahrt. Er starb 1458 in Rufe großer Heiligkeit und wurde 21 Jahre später von Papst Sixtus IV. selig gesprochen. Karl I., Markgraf von Baden hob mit Ermächtigung des Papstes Pins II. alle Präbendenstellen bis auf eine 1459 auf und verleibte dieselben mit ihren Einkünften dem von ihm errichteten und vom Bischof von Speier, Johann von Hoheneck eingerichteten Collegiatstift zu Ettlingen ein. Am 19. März 1497 erwirkte Johann Hochberg, Rektor der Kirche zu Durmersheim und Prokurator der genannten Bruderschaft von Rom einen Ablaß von zweitausend Jahren für die Gnadenkapelle. Das Breve ist von Papst Alexander VI. und 29 Kardinälen unterzeichnet. Im Jahre 1462 zog Karl I. in's Feld, um für Adolf von Nassau zu kämpfen, er wurde aber mit seinem Bruder Georg, Bischof von Metz, im Neckarthale von dem Pfalzgrafen Friedrich besiegt, gefangen und mußte ein hohes Lösegeld für seine Freiheit bezahlen. Von da an wandte er seine Sorgfalt der Wallfahrtskirche zu; 1463 errichtete er eine neue Präbende zu Ehren der h. Katharina und 1469 die Frühmeßnerei und Pfründe zu Ehren der h. Barbara. Jakob II., Erzbischof und Kurfürst von Trier, aus dem Hause Baden, ältester Sohn Christoph's I., schenkte 1493 der Kirche zu Bickesheim eineu Maierhof und Friedrich I., Bischof von Utrecht, Bruder Christoph's I., ließ vor seinem Tode 1517 das Chorgewölbe ausführen, an welchem noch jetzt das Utrechter Wappen zu sehen ist. Der Markgraf Christoph I. theilte vor seinem Tode 1517 die Mark- grafschaft in zwei Theile. Bernhard IV., der ältere Sohn, erhielt Baden- Baden, Ernst, der jüngere, Baden - Durlach. Beide Brüder traten zum Protestantismus über. Zur Herrschaft Bernhards gehörte das Amt Kuppenheim mit der Wallfahrtskirche Bickesheim. Unter ihn und seinem Nachfolger Philibert, welcher in der Schlacht von Montcour in Frankreich fiel, wurde die katholische Kirche in der Markgrafschaft fast ganz vernichtet; in Bickesheim wurde die Bruderschaft aufgehoben, die Einkünfte der Kirche säkularifirt, der Gottesdienst abbestellt und die Kirchenornamente profanirt. Unter seinem Sohne und Nachfolger Philipp jedoch, welcher am katholischen Hofe in Baiern erzogen und zum Katholicismus sich bekannte, kamen bessere Zeiten. Er erneuerte die Andacht in Bickesheim und setzte 1577 Georg Zalterbaden als Kaplau daselbst ein, welcher nach katholischem Gebrauche predigen und die Sakramente spenden sollte. Auch berief er die Jesuiten, welche viele Unterthanen wieder zur katholischen Kirche zurückführten. Er starb 1588. Sein Nachfolger, Eduard Fortunat, geboren 1565 in England, trat ebenfalls zur katholischen Kirche über und förderte sowohl die Andacht in Bickesheim, als er auch die Jesuiten in der Bekehrung des Landes kräftig unterstützte. Während seiner Abwesenheit fiel Ernst Friedrich von Baden- Durlach mit bewaffneter Macht in die-Markgrafschaft Baden-Badenein, ließ die Wallfahrtskirche zu Bickesheim schließen und verbot dem Meßner unter Androhung schwerer Leibesstrafen die Oeffnung der Kirche. Jedoch am 4. September 1622 wurde Wilhelm, der Sohn Eduard's Fortunat, von Kaiser Ferdinand wieder in den rechtmäßigen Besitz von Baden-Baden eingesetzt. Dieser wählte Ettlingen zu seiner Residenz, stellte die Andacht zu Bickesheim wieder her und ließ durch die Jesuiten die katholische Religion ausbreiten. Durch den Ausbruch des schwedischen Krieges 1639 litt die Wallfahrt wieder eine Unterbrechung; nach dem westfälischen Friedensschlüsse, 1648, kam sie sehr in Aufnahme. Viele Ortschaften waren in diesen Zeiten ohne Pfarrer, deshalb fundirte Wilhelm am 31. Januar 1663 zu Ettlingen das Haus für die Jesuiten und verleibte diesem Hause die Kirche zu Bickesheim sammt Gütern ein. Er starb am 22. Mai 1677 im Alter von 74 Jahren. In dem Kriege zwischen Frankreich und Oesterreich wurde am 15. August 1689 Ettlingen eingeäschert. Das Gnadenbild flüchtete man nach dem adeligen Stifte Frauenalb, von wo es nach dem Frieden von Ryswick 1697 wieder zurück gebracht wurde. Die Markgräfin Franziska Sibilla Augusta, Herzogin von Sachsen, Engern und Westfalen, suchte das Gnadenbild auf und machte der Mutter Gottes ein von ihrer Hand gefertigtes kostbares Gewand zum Geschenk. Markgraf Ludwig Wilhelm besuchte 1705 mit seinem Gcneralstabe die Kirche zu Bickesheim und empfahl sich dem Schutze der allerseligsten Jungfrau. — Während der Kriegsunruhen im Anfange des vorigen Jahrhunderts wurde alles Kirchengeräthe in der Wallfahrtskirche geplündert, das Gnadenbild jedoch blieb unbeschädigt stehen. Um es aber vor Gefahr zu schützen, brachte man es nach Ettlingen und als im Jahre 1733 das Land abermals von feindlichen Truppen überschwemmt wurde, brachte man es zum dritten Male nach Ettlingen. Am 19. Oktober 1737 fand die feierliche Ueber- tragung des Gnadenbildes nach Bickesheim statt, welche folgcnderweise beschrieben wird: „Am 19. Oktober gedachten Jahres, nach Darbringung des h. Meßopfers wurde unter Böllerschüssen die Prozession in folgender Ordnung von der Kirche und der Stadt ausgeführt. Au der Spitze zog die Jugend mit ihrem Aufseher, dieser folgte eine Compagnie bewaffneter Bürger in Uniform; vor dem Gnadenbilde ging das Musikchor, der Rektor vom Jesuiten-Colleg und der Stadtpsarrer mit seinem Gefolge. Das Muttergottesbild wurde — 395 — abwechselnd von 12 Jungfrauen auf einer reichgezierten Tragbahre getragen, welchen sechs Fackelträger mit Talar und Chorrock zur Seite schritten. Hinter dem Gnadenbilde ritt ein Hostrompeter von Rastatt und hinter diesem folgte der Stadt-Amtmann mit einer ganzen Eskadron Bürger zu Pferd; au diese schlössen sich endlich an aus der Stadt und vom Lande Alle, welche die Wallfahrt 'zur Verherrlichung Mariens mitmachen wollten. Vor dem Walde nach Bickesheim kamen dieser Prozession unter Gebet und Gesang entgegen die Bewohner von Au, Durmersheim, Daxlanden, Morsch u. f. w. Auch der regierende Herr Markgraf kam mit seinem ganzen Hofpersonal dem Gnadenbilde entgegen und geleitete dasselbe unter Musik zur Kirche. Hier wurde alsdann unter der Leitung der Hofkapelle ein Hochamt celebrirt, eine Predigt gehalten und die ganze Feier mit dem Ambrosianischen Lobgesang beendigt." Derselbe Markgraf, Ludwig Georg Simbert, ließ 1736, weil der alte unter dem Schwibbogen befindliche Altar ihm nicht passend schien, in Folge eines Gelübdes einen neuen Hochaltar im Renaissancestil für 3000 fl. anfertigen. Das Antipendium ist von Florentiner Mosaik, an der Spitze des Altars ist ein reichverziertes Hauswappen angebracht. Sodann erhielt die Gnadenkapelle eine ewige Ampel, ein reich von Gold und Silber gesticktes Meßgewand, ferner kostbare Gewänder für das Gnadenbild u.s. w. Durch den Tod dieses Markgrafen im Jahre 1771 fielen Land und Leute der Krone der Markgräslichen Linie Baden-Durlach zu. Dadurch gingen auch die guten Tage für die Bickesheimer Wallfahrt unter. Keine fürstlichen Personen knieten seitdem an dieser h. Stätte. Ein zweiter harter Schlag für die Wallfahrtskirche war die fast gleichzeitig, 1773, erfolgte Aufhebung des Jesuitenordens. Hierauf besuchten die zwei Stadtkapläne von Ettlingen an den Wallfahrtstagen die Kirche zur Feier des Gottesdienstes sowie zur Spendung der Sakramente der Buße und des Altars. Allein auch dieses Verhältniß löste sich im Anfange dieses Jahrhunderts aus; au ihre Stelle traten wieder eigene Pfründnießer in Bickesheim. Vorübergehend hat auch der Frühmesser von Durmersheim den Kirchendienst daselbst versehen. Wallfahrtstage sind: 1. alle Samstage im ganzen Jahr, mit Ausnähme des Charsamstags und wenn Allerseelen aus einen Samstag fällt. An diesen Tagen ist Beichte, h. Kommunion, ein Hochamt und eine kleine Muttergottesandacht. Nach dem Gottesdienste werden Kruzifixe, Rosenkränze, Medaillen am Kathariuenaltar geweiht. 2. Alle öffentlich gefeierten Feste zu Ehren der allerseligsten Jungfrau, also Mariä Empfängnis;, Lichtmeß, Verkündigung, Himmelfahrt und , Geburt. An diesen Festtagen fällt der Hauptgottesdienst in der Pfarrkirche zu Durmersheim aus und wohnen die Pfarrkinder dem Hochamt und der Predigt in der Gnadenkapelle bei. — 396 — 3. Die Feste Maria Heimsuchung (2. Juli), Maria Schnee (5. August), Maria Opferung (21. November), der h. Anna (26. Juli), des h. Mendelin (20.Oktober), der H.Katharina (25. November). Am Feste des h. Joseph, des h. Wendelin und der h. Katharina wird das h. Meßopfer aus den diesen Heiligen geweihten Altären dargebracht. An sämmtlichen genannten Feste und Wallfahrtstagen wird der Gottesdienst und zwar von Ostern bis Allerheiligen um 9, von da bis Ostern um 9^ Uhr abgehalten. An den drei Bickesheimer Jahrmärkten wird das h. Meßopfer unter Orgelbegleitung um 9 Uhr gefeiert. Während des Maimonates ist an Sonn- und Feiertagen nach Beendigung des Pfarrgottesdienstes Andacht mit sakrameutalischem Segen. Bittgänge geschehen alljährlich von den Gemeinden Bulach, Beiertheim, Daplanden, Morsch, Forchheim, Neuburgweiler, Au a. Rhein und zwar vom Tage Mariä Heimsuchung an. Die Pfarrkinder von Mörsch kommen am 17. August sowie am Samstage vor dem Rosenkranzfeste. Die Pfarr- gcmeinde Bietigheim erscheint am Samstage vor dem Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit sowie am Feste des h. Wendelinus. Die Wallfahrt zur schmerzhaften Muttergottes iu Laiz. ^Aber Entstehung des Klosters, der Wallfahrt und der Pfarrei Laiz gibt es wohl Sagen, aber keine urkundlichen Nachrichten. Ueber das Vorhandensein des Klosters erfährt man erstmals aus einer Urkunde vom Jahre 1350, über das einer Wallfahrt aus der Zeit des dreißigjährigen Krieges, über das der Pfarrei um 1250 bezw. 1242. Letztere ist übrigens eine der ältesten Pfarreien in Hohenzollern und war nach Urkunden von 1266, 73, 75, 73 u. s. w. Dekanatssitz und dazu Mutterkirche für die Stadt Sigmaringen und die Orte Hedingcn, Brenzkofen, Gorheim, Pault, Jnzigkofen, Ober- und Unterschmeien. Ueber die Entstehung des Klosters Laiz berichtet eine alte Chroniksage ungefähr folgendes: Einige Grafen von Montfort, welche der Kaiser Rudolf von Habsburg wegen wiederholter Empörung hart bestrafen wollte, seien entwichen und c. 1289 und 1200 verkleidet nach Sigmaringeu gekommen, um sich hier bei dem Schloßherrn, ihrem Bruder, zu verbergen. Dieser habe sie für Beamte ausgegeben und sei zur Abwendung jedes Verdachtes au den königlichen Hof gezogen. Die Flüchtlinge seien auch längere Zeit unangefochten geblieben, eben dadurch aber sorgloser geworden und manchmal mit dm gräflichen Jagern auf die Bärenjagd in die Sigmaringenschen Forsten geritten. Der König soll Kunde von diesen geheimnißvollen Jägern bekommen und in ihnen sogleich seine verschollenen Feinde vermuthet haben. Eines Tages seien königliche Abgesandte erschienen nnd haben Sigmaringen und Umgebung nach den verschwundenen Grafen von Montfort genau durchsucht. Doch sei es den Gesuchten durch List und Beihülfe einiger Knechte gelungen, in Bauernkleider gehüllt nach Laiz zu entkommen und sich in einem Bliucrnhause neben der Kirche zu verstecken, wo sie aber auch beinahe entdeckt worden wären, wenn sie der Bauer nicht noch geschwind hinter Stroh und Garben in der Scheune hätte verbergen können. Zu derselben Zeit sei auch ihr Bruder am königlichen Hofe erkrankt und bald darauf gestorben und nicht lange darnach sei die Grafschaft Sigmaringen an den König Rudolf und seine Söhne verkauft worden. Dadurch seien die noch immer in ihren unangenehmen Schlupfwinkel gebannten Grasen in die höchste Lebensgefahr gekommen und in dieser Bedrängnis; hätten sie nun das Gelübde gemacht, hierher eine Klause für Frauen zu stiften, wenn sie aus ihrer Noth errettet würden: Sie seien aber nicht nur damals unentdeckt geblieben, sondern nach König Rudolfs bäldigem Tode auch wieder zu Gnaden gekommen und haben zur Stiftung eines Klosters nach Laiz jenes Bauernhaus sammt den zugehörigen Feldern angekauft. Das Kloster habe aber erst nach dem Tode der Stifter nnd nach der Ermordung des Königs Albrecht eingerichtet und eröffnet werden dürfen. Diese unwahrscheinliche Sage schließt sich indessen genau an den Gang der Geschichte an. Vom Jahre 1273—90 war Graf Ulrich von Montfort und Bregenz Herr der Grasschaft Sigmaringen. Er hatte drei geistliche Brüder: 1. Friedrich (1282—90) Bischof von Chur, 2. Heinrich (1282 bis M0) Domprobst zu Chur und 3. Wilhelm (1281—1301) Abt zu Gallen- Diese drei geistlichen Herren hatten von 1286 an beständig Krieg mit dem Könige Rudolf von Habsburg, bis zum Tode des letzteren. Im Jahre 1288 wurde Bischof Friedrich bei einem Treffen gefangen. Der Domprobst Heinrich mutzte bald darauf heimlich flüchten und kam verkleidet nach Sig- maringcn, um sich bei seinem Bruder Ulrich zu verbergen. Der Abt Wilhelm setzte den Kampf noch fast ein Jahr lang fort, bis er nach und nach Alles verloren hatte und mit knapper Noth der Gefangenschaft entgangen, ebenfalls flüchten mußte nnd heimlich nach Sigmaringen kam. Während sich diese beiden Brüder heimlich zu Sigmaringen aufhielten, machte der gefangene Bischof in Schloß Wcrdenberg einen Fluchtversuch und fiel todt, ihr Bruder Ulrich aber kam krank vom königlichen Hoflager und starb im Februar 1290 auf seinem Schlosse zu Bregenz. Ulrichs einziger Sohn Hugo verkaufte schon im März 1290 die Grafschaft Sigmaringcn an den König Rudolf und seine Söhne. Die geistlichen Herren, sich abermals heimlich stüchtend, fanden ein neues, sicheres Versteck zu Aspermont in Graubündten, — 398 — aus dem sie der 1291 erfolgte Tod ihres Hauptgegners erlöste und wieder auf den Schauplatz neuer Thaten rief. Von einer Klosterstiftung in Laiz durch diese unruhigen, kriegerischen Grafen von Montfort sagt die be. glaubigte Geschichte nichts. Das Kloster Laiz hatte viele harte Schicksalsschläge zu erdulden, kam nie zu großer Bedeutung und hatte höchstens 20, gewöhnlich nur 15 Bewohnerinnen auf einmal. Im Jahre 1425 ganz eingeäschert und nachher aus Mangel an Mitteln nur theilweise wieder aufgebaut, kam es im erste» Viertel des 16. Jahrhunderts seinem Untergange nahe. Fast alle Bewohnerinnen (bis auf 3) waren der Pest und sämmtliche Gebänlichkeiten einer abermaligen Feuersbrunst zum Opfer gefallen, so daß nur noch eine mit Brandschutt bedeckte Hofstatt, einige verschuldete Güter und etliche arme Frauen vorhanden waren. Diesen trostlosen Zustand beseitigte Graf Felix von Werdcnberg, indem er 1526—27 zur Sühne eines an Graf Andreas von Sonnenberg verübten Meuchelmordes die Wiederherstellung und Ausstattung des Klosters Laiz übernahm. Er ließ für dasselbe auch ein schönes, steinernes Votivbild machen, das ihn selbst vor der schmerzhaften Muttergottcs knieend als Bittenden darstellt. Dieses Bild wurde 1783 nach Aufhebung des Klosters nach Sigmaringen geschafft und über dem Thorbogen des Schlosses angebracht, wo es noch ist. Eine eigene Kirche erhielt auch das neue Kloster nicht, wohl aber einen gedeckten Gang auf das sogenannte Frauen- chörlein der Pfarrkirche. Das noch stehende Oratorium der Klosterfrauen hinten an der Pfarrkirche, in welchem auf einem eigenen Altare das Gnaden- bild der Schmerzensmutter Maria thront, wurde erst im Jahre 1677 erbaut und das Gnadenbild selbst soll 1568 von dem aufgehobenen Kloster Ebingen hergebracht worden sein. Bei Einführung der Reformation in Ebingen, so erzählt nämlich die Sage, wurde denjenigen der dortigen Franziskanerinnen, welche nicht in die Welt zurückkehren wollten, gestattet, ihr gemeinsames Leben in Ebingen selbst fortzusetzen. Man überließ ihnen ein altes Haus, die Klause genannt, in der oberen Vorstadt bei der Pfarrkirche und einige ganz geringe Einkünfte, dagegen mußten sie das Ordenskleid ablegen, de» neuen Gottesdienst besuchen und sollten nur noch den evangelischen Geistlichen als Seelsorger berathen und gebrauchen. Später wurde auch die Entfernung der Heiligenbilder angeordnet, wobei es den Nonnen jedoch gelang, das Gnadenbild der schmerzhaften Muttergottes, in einem Kleiderschrank versteckt, zurückzubehalten, vor dem sie nun ihre Hausandacht verrichtete». Wegen ihres geringen Einkommens waren sie darauf angewiesen, etwas zn verdienen, was ihnen durch ihre Handfertigkeit im Spinnen, Weben und andere weiblichen Arbeiten um so leichter gelang, als sie immer eine Menge Aufträge erhielten. Durch den häufigen Besuch der Klause von Seiten der Arbeitgcberinnen wurde es endlich ruchbar, daß das Gnadcnbild sich »och daselbst befinde. Trotz des Widerstrcbens der Besitzerinnen — es waren derm im Jahre 1568 noch fünf — wurden Gelöbnisse und heimliche Wallfahrten, selbst von Lutherischen, zu dem Bilde gemacht, deneu wunderbare Krankenheilungen und Gebetserhörungeu gefolgt sein sollen. Der Ruf hiervon kam auch zu Ohren des damaligen evangelischen Stadtpfarrers, der ein übereifriger Lutheraner war und durch diese Nachricht in übermäßigen Zorn gerieth. Derselbe lief sogleich hin, überhäufte die erschreckten Frauen mit bitteren Vorwürfen, verlangte die Auslieferung des „Götzen", wie er das Bild nannte, und drohte den sich Weigernden mit Hansaussuchen und Gewalt, wenn sie ihm binnen drei Tagen nicht zu Willen seien. Die Meisterin, eine betagte, kränkliche Matrone, 'gebürtig von Frohnstetten, hatte eine Schwestertochter, welche im Kloster zu Laizz vor einiger Zeit in den Orden aufgenommen worden war. Dahin gedachten nun die bedrängten Ebinger Frauen ihr kostbares Heiligthum zu retten resp, zu schenken und ließen durch einen vertrauten Boten die genannte Klosterfrau und eine Magd eiligst zu sich bitten und ihnen zugleich den Grund ihres Wunsches eröffnen. Als die Erbetenen des andern Tages augekommen waren, wurde heimlich verabredet, sie sollten nach Anbruch der Nacht an einem gewissen Platze außerhalb der Stadtmauer (auf der die Klause stand) das Bild in Empfang nehmen. Die Ausführung dieses Wagestückes verursachte doch einiges Geräusch, wodurch ein Nachtwächter aufmerksam geworden die Fliehenden anrief und, einen Diebstahl oder sonst etwas anderes Ungebührliches vermuthend, alsbald auch verfolgte. Die beiden Frauenspersonen, dieses bemerkend, eilten voll Angst und Schrecken mit ihrer theuren und keineswegs leichten Last, so schnell sie die Füße trugen, gerade aus durch Gräben und Wiesen dem Gebüsch am Bache zu, durchwateten denselben und gewannen, von Wasser und Schweiß triefend mit unglaublicher Anstrengung bald den nahen Wald. Ungeachtet mehrerer weiterer unangenehmer Zwischenfälle entkamen sie der Verfolgung glücklich und erreichten bis zum Tode erschöpft gegen Morgen ihr Kloster, wo sie mit großem Jubel und inniger Freude empfangen wurden. Das den Händen der Abtrünnigen mit so großer Gefahr und Mühe (die Klosterfrau verfiel in Folge der ausgestandenen Angst und Ueberanstrengung in ein hitziges Fieber) entrissene Bild der schmerzhaften Muttergottes wurde vorerst in einer zu diesem Zwecke eigens ausgeschmückten Klosterkapelle auf ein Märchen gestellt und von den Klosterfrauen in sehr hohen Ehren gehalten, indem sie täglich dreimal vor demselben ihre Psalmen und Lobgesänge gemeinschaftlich Gott darbrachten. Da von Ebingen aus keinerlei Ansprüche an das Bild gemacht wurden, obgleich der Verbleib desselben dort keineswegs ganz unbekannt geblieben war, so wurde es später auf Anrathen der Ordeusobern und mit Erlaubniß des Bischofs in festlicher Weise in die Kirche übertragen und auf dem sogmannten Frauenchor auf einem eigenen Altare zur öffentlichen Verehrung aufgestellt. Vier Geistliche besorgten die Uebertragung unter feierlichen Ge- — 400 — sängen und dem Geläute der Glocken. Daran reihte sich eine ergreifende Predigt des bei der Feier anwesenden Pater Provinzial über den Text: „Hier werde ich wohnen, denn ich habe mir diese Stätte auserwählt." Ein feierliches Hochamt mit Te Denm bildete den Schluß. Damit war die Wallfahrt „Maria Laiz", wie sie anfangs genannt wurde, eröffnet und die fromme Sage fügt noch bei, der marianische Kult fei an dieser Stätte infolge zahlreicher Gebetserhörungen und außerordentlicher Gnaden (welche durch die noch vorhandenen Votivtafeln bezeugt werden) bald so in Aufnahme gekommen, daß die Kirche an manchen Wallfahrtstagen die Menge- der Andächtigen kaum zu fassen vermocht habe. Von Aschermittwoch bis zur Charwoche wurde täglich eine Fastenandacht vor dem Gnadenbilde abgehalten und im Monat März war jeden Freitag ein Wallfahrtstag (auch heute noch) mit Predigt und Hochamt; ebenso das Fest der sieben Schmerzen Mariä als das Titularfest der Wallfahrt. An diesen Tagen fanden sich die Verehrer der Schmerzensmutter Maria immer in sehr großer Anzahl ein und der Empfang der h. Sakramente war manchmal so stark, daß die Geistlichen bisweilen bis gegen Mittag in den Beichtstühlen zurückgehalten wurden. Buegwindheim. n der Mittelnbrach, 11 Kilometer von Burgebrach und 26 Kilometer von Bamberg entfernt liegt der Flecken Burgwindheim, als Wallfahrtsort aus der ganzen Umgegend besucht. Es befindet sich nämlich daselbst außer der Pfarrkirche noch eine Kapelle „heilige Bluts-Kapelle" genannt, worüber folgende Nachrichten geschichtlich feststehen. Der Ursprung dieser Kapelle fällt in das Jahr 1465. Als in diesem Jahre am Frohnleichnamstage die Prozession abgehalten wurde, öffnete sich plötzlich die Kapsel der Monstranz und die Hostie siel auf die Erde nieder. Da man keine besondere Ursache auffinden konnte, durch welche das Oeffnen der Kapsel bewirkt worden wäre, so geriethcn alle Anwesenden in Erstaunen. Ueber den Hergang wurde im Jahre 1468 eine Urkunde abgefaßt, welche die Ritter und Edeln Georg von Thüngen Marschall, Heinrich Fuchs (diese beiden gingen dem Priester zur Seite), Christoph Fuchs, Johann Fuchs, Anton von Seckendorf, Wigelas Wolfskel, sämmtlich Begleiter der Prozession, unterzeichneten. Sogleich sing man an, den Ort, wo das Hochwürdigste auf der Erde lag, mit besonderer Andacht zu verehren und zu besuchen; die Erhebung selbst geschah mit besonderer Feierlichkeit vom Abte Burkard von Ebrach in Person unter Begleitung seines ganzen Kapitels. Schon 1467 wurde durch die Bemühung des Edeln Konrad von Thanhausen, den andere mit Beiträgen unterstützten, an der geheiligten Stelle eine Kapelle erbaut und am nächsten Sonntag nach Michaelis vom Weihbischofe Johannes, Bischof von Nikopolis, geweiht, der Hochaltar zu Ehren des Leichnams Jesu Christi, des h. Kreuzes, der Jungfrau Maria und anderer Heiligen conse- krirt. Die Kapelle führte allmälig den Namen „zum heiligen Blute in Burgwindheim". Ein kleineres, und wie es scheint, das älteste Siegel derselben, enthielt einen Kelch und über demselben eine Hostie, am Rande herum das Wort LurAviullsiiu. Der Bischof Rudolph zu Würzburg und der genannte Weihbischof desselben bedachten die Kapelle jeder mit einem 46tägigen Ablaß; im Jahre 1471 Franz, Kardinal von Senes und Legat von Deutschland, mit einem IVOtägigen. Sie erhielt allmälig 13 Lokalablässe. So strömte von allen Seiten Volk zur Kapelle, es siel reichliches Opfer, Jahrtage wurden dahin gestiftet; es bildete sich ein schönes Vermögen an Rechten, Grundstücken, Geld u. s. w. Das erste Aufblühen verdankt sie dem damaligen Pfarrer Johann Dolder, unter dem sie auch errichtet und eingeweiht wurde. Die Kapelle konnte bald die sich einsiudende Volksmenge besonders die zahlreich heranwallenden Prozessionen nicht mehr fassen und hatte auch durch Kriege und andere Unbilden viel gelitten; sie ward deswegen abge- 26* — 404 — brachen, eine neue und größere, wie sie jetzt noch steht, erbauet. Es geschah dies unter dem Abte Hieronymus um das Jahr 1596; die Einweihung uahm Johann Oertlein, Weihbischof zu Bamberg, am dritten Pfingsttage 1597 vor. Die Stelle eines Weihbischoses zu Würzburg war nämlich damals unbesetzt und der Abt von Ebrach hatte damals durch einen Brief vom 19. Mai 1597 vom Bischof Julius zu Würzburg die Einwilligung ausdrücklich dazu erbeten. Damals war Pfarrverweser zu Burgwindheim Va- letin Sigler. Einen größeren Ruhm gewann diese Kapelle, als man 1625 nahe der Kapelle am Fuße des kleinen Hügels, auf dem sie steht, eine Quelle bemerkte. Man fand das Wasser heilsam, ja die Quelle wurde für eine Wunderquelle angesehen; dem Waschen mit ihrem Wasser schrieben Kranke und Preßhafte ihre Heilung als eine außerordentliche Wirkung zu. Ein Arzt, Johann Laurenz Bausch, stellte hierüber Zeugnisse aus. Abt Ludwig ließ die Quelle fassen und unter ein schönes festes Dach bringen. Am Rande desselben steht: UVtoVL .Ists sal^Vtarls sVb uVspIEIIs 1). UV- DoVIOl abbatls obraEsnsIs XXX. EoustrVEtVs IVIt. is1690). Noch bis in die neueren Zeiten kommen Wallfahrer, welche mit einem besonderen Vertrauen auf die Heilkräfte der Quelle ihr Wasser trinken oder ihre Glie. der damit waschen. 1788 unter Pfarrer Seelmann wurde der Thurm der Kapelle abgebrochen und ein neuer darauf gesetzt. Sie hat 2 Glöckchen, eines mit der Umschrift: Xv.o Naiia, Avatia plonu ohne Jahreszahl, das andere mit der Umschrift Laiiota illavia, ora pro vobis, mit der Jahreszahl 1626. Die Verheerungen des dreißigjährigen Krieges und die dadurch herbeigeführte Entvölkerung Frankens hatte eine Zeit lang den Besuch der Kapelle gemindert; allein kaum war der Friede zu Stande gekommen, so dachte Abt Peter zu Ebrach auf neues Emporheben derselben. Er errichtete mit Zustimmung des römischen Legaten in Deutschland daselbst 1649 die Bruderschaft des h. Altarssakramentes. Das folgende Jahr wurde sie mit der Erzbruderschast dieses Namens zu Rom vereinigt. Das Siegel dieser Bruderschaft, einen entblößten Heiland vorstellend, aus dessen fünf Wunden Blut in einen Kelch fließt, hat die Umschrift: Ll-ullovsollakt Lui-Avinäbsim. Es befindet sich auch in Stein gehauen an der Fassung des erwähnten Heilbrunnens. Prozessionen mit Fahnen und M-euz von mehr als 40 verzeichneten Ortschaften und viele einzelne Wallfahrer zog idie Bruderschaft auf's Neue herbei. Das Hauptsest wurde immer an der Oktav des Fronleichnamsfestes gefeiert, wo der Abt von Ebrach bis zur Säkularisation in vollstem Ornate die feierliche Prozession führte und das Hochamt hielt. Die gewöhnlichen Andachten werden von der Pfarrei, deren Hauptkirche die Kapelle unterhalten muß, besorgt. Nach der Säkularisation war schon Befehl gegeben, die Kapelle abzubrechen, die Kirchengeräthe zu verkaufen und den Erlös der Pfarrkirche zuzuwenden. Wirklich hatte der Landrichter zu Kloßer — 405 — Ebrach die nöthigen Nerzeichnisse schon angefertigt, das Messelesen und sonstigen Gottesdienst darin verboten, als Margaretha Jbel, Poststallmeisterin, durch Fürbitte bei einem durchreisenden Großen zuerst wenigstens Aufschub wegen Ausführung jenes Befehles erwirkte. Eine königliche Verordnung vom Zahre 1812 erhielt diese Kapelle gesetzlich. Als die Begräbnißplätze allgemein von den Kirchen entfernt und aus der Mitte der Ortschaften verlegt wurden, fand der neue Gottesacker seine Stelle an der Blutskapelle. Dits Kapelle „Mariahilf" zu Eggenbach bei Döpingstadk. einer schönen Thalebene, welche sich am Ufer der Jtz hinzieht, liegt gegen Koburg zu das Dorf Eggenbach. Nicht weit davon erhebt sich auf der Anhöhe gegen Osten die schöne Wallfahrtskirche Mariahilf. Dort stand in früheren Zeiten eine Bretterhütte und nachher an deren Stelle eine kleine Kapelle mit dem aus Holz geschnitzten Bildnisse der schmerzhaften Mutter Gottes. Das Marienbild in der Bretterhütte scheint in den früheren Zeiten wenig beachtet worden zu sein, erst nach Erbauung der Kapelle wurde die Gottesmutter daselbst eifriger verehrt. Im Jahre 1707 wurde der Grundstein zur jetzigen Kirche gelegt und 1710 ward dieselbe vollendet. Am 9. August 1713 wurde sie durch den Weihbischos Dr. Johann Bernhard von Wiirzburg eingeweiht. Der Ruf dieses Wallfahrtsortes wurde inzwischen durch die Erzählung eines dort geschehenen Wunders erhöht. Die betreffende Urkunde lautet wörtlich: Es bekennt Jörg Geber von Gerach aus der Baunacher Pfarrei daß sein söhnlein zehn Wochen stumm undt ein Elender grummer Grüppel gewesen, dazu sechzehn Wochen lang das freschlich gehabt habe, nun so hat Er Geber sammt seiner Hausfraw, weil kein menschliche Hüls vorhanden gewest, Ihre Andacht undt gelübtnuß nach Egerbach zu Maria-Hülf genommen, undt daß Kindt dahin nit allein versprochen, sondiern auch dorthin getragen, Ihr andacht allda nach Gott zu Mariam zu verrichten. Als sie dann ihre andacht und Opffer verricht gehabt undt wieder aus der Maria- Hülf-Kappeln gehen wollen, unter der Kirchthür fanget das Kindt ahn und sagt zu seinen Natter: „Natter ich kann reihen", und alß sie das Kindt zu Probiren nieder auf seine grnmme Füße gesetzet, finge es ahn zu gehn undt ginge selbst nacher Hauß nndt ist daß Kindt dato noch frisch undt gesundt. *) Wer einen Thurm bauen will, der berechnet zuerst die Kosten. Daß bekennet undt bezeuget Peter Oth schuldheiß undt Hanneß Zwinger, beede von Gerach 1714 den 12. Mai." In Folge des vermehrten Besuches der Kirche mußte auch darauf Bedacht genommen werden, dem Gottesdienste eine weitere Ausdehnung zu geben. Zur Erhöhung der Feier wurde um Verleihung eines Ablasses nachgesucht und dieser auch im Jahre 1716 ertheilt. Das Fest der Schmerzen Maria's ist das Patronatfest der Kirche. Fortwährend noch wird diese Kirche von den Gläubigen aus Nah und Fern fleißig besucht. Glosberg. Glosberg befand sich seit alter Zeit eine Kapelle mit einem M Bilde der allcrseligsten Jungfrau Maria, welche von den Gläubigen der Umgegend hoch verehrt wurde. Durch die Invasion der Schweden aber war die Gnadenstätte fast in Vergessenheit gerathen. Am Freitag vor Passionssonntag 1727 soll beobachtet worden sein, daß dasselbe blutige Thränen vergoß. Das Vertrauen des Volkes wuchs, und da die Pfarrgeistlichkeit von Kronach dieser weitentlegenen Filiale nicht die wünschens- werthe Aufmerksamkeit widmen konnte, so nahmen sich die Patres des Kro- nacher Franziskanerconventes aus Eifer für die Ehre Gottes und der h. Jungfrau sowie für das Heil der Seelen der Wahlsahrt an und besorgten dieselbe fünfzehn Jahre lang. Oft konnten sie wegen großen Schneefalles oder Uebeschwemmung nicht mehr nach Kronach zurückkehren. Zu ihrer Erleichterung verfügte das geistliche Vikariat, daß sie bei größerem Concurs an Sonn- und Feiertagen bei dem Kirchner ein Mittagsmahl erhalten sollten. Auch der Konvent bekam eine Vergütung. Nachdem schon früher der Wunsch laut geworden war, daß die Wallsahrtspriester wenigstens zu Winterzeit dort wohnten könnten, trugen die Patres im Jahre 1744 dem Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn, als er in Kronach weilte, die Bitte um Errichtung einer festen Wohnung in Glosberg vor. Der Fürstbischof antwortete mit den Worten der heiligen Schrife: Hui vult aoäikiears turriw, prius seäsus aoruputat suruptss*). Bei dem Bedenken, daß ein solcher Bau das ganze Vermögen der Wallfahrtskirche verschlingen möchte, kam man auf das Anerbieten der Franziskaner zurück, selbst die Kosten zu beschaffen. Am 1s. August 1745 nahm der Exprovinzial P. Quirin Welz, später erster Suprior des Hospizes, die Grundsteinlegung vor. An demselben Tage des folgen- den Jahres wurde der Bau eingeweiht und von drei Patres und einem Laienbruder bezogen. Zu den größten Wohlthätern des Klöstercheus zählte man Franz Konrad von Stadion, Domdechant von Bamberg und Dompropst ran Würzburg, später (1753—57) Fürstbischof von Bamberg. Im Jahre Mb trat an die Stelle des Hosspizes eine Pfarrei. Gösweinstein. uf eimem hohen Berge, welcher ringsum von noch höheren Bergen eingeschlossen ist, liegt in einer reizenden Gegend der Marktflecken Gösweinstein mit seiner berühmten Wallfahrtskirche. Die Wallfahrtskirche mit ihren beiden hohen Thürmen und ihrem großartigem Portale gemährt einen überraschenden Anblick. Wie das Volk erzählt, soll Gösweinstein früher Götzenstein geheißen haben, weil dort in alter Zeit Götzen verehrt wurden, Andere leiten den Namen von einem angeblichen Grafen Gos- win ab, welcher den Marktflecken gegründet haben soll. Urkundlich steht nur fest, daß der Ort am 19. März 1140 durch Konrad, Gras von Dachau, dem Hochstifte überlassen wurde. Obgleich nun auch die Wallfahrt nach der Kirche zu Gösweinstein eine der ältesten und berühmtesten im Frankenlande ist, so fehlen doch über die Entstehung derselben alle sicheren historischen Nachrichten. Es heißt allerdings, daß Eberhard II. Graf von Schlüsselberg, welcher seinen Wohnsitz theils auf der Plassenburg bei Culmbach, theils in dem zwei Stunden entfernten Weischenfeld hatte, im Jahre 1250 die frühere Kirche erbaut habe, die älteste urkundliche Nachricht datirt aber aus dem Jahre 1308, wo Got- fried von Schlüsfelberg 3 Heller an die Kirche vermachte. Da das Familien- mppen der von Schlüsselberg, ein rother Schlüssel im weißen Felde, über der Thüre der alten Kirche eingehauen war, so scheint die Annahme berechtigt, daß die Kirche ihren Ursprung diesem Geschlechte verdankte. Als besondere Wohlthäter des Gotteshauses werden noch genannt die Familien Groß von Trockau, Hirscheid von Kohlstein, Wichsenstein und Königsseld, deren Wappen sich an der Decke der alten Kirche befanden. Da die Wallfahrt nach Gösweinstein immer mehr an Bedeutung zunahm, so wurde die Kirche zu klein und der Fürstbischof Friedrich Karl, Graf von Schönborn, beschloß, eine neue, größere Kirche zu erbauen. Am ^ Juni 1730 wurde der Grundstein zu derselben gelegt. Erst im Frühjahr 1739 wurde die neue Kirche vollendet und am 14. Mai fand die feierliche Consekration derselben durch den Fürstbischof Friedrich Karl unter Assistenz der Weihbischöfe von Bamberg und Würzburg — 408 — statt. Nach dem Eonsekrationsakte wurde das Guadenbild in feierlichem Zuge aus der im Jahre 1723 von dem Fürstbischöfe Lothar Franz erbauten Kapuzinerkirche in die neue Kirche übertragen. Nach bendigtem Pontifikal- amte legte der Fürstbischof die Summe von 1S00 Gulden als Opfer auf den Hochaltar; auch schenkte er der Kirche seinen bei der Feier getragenen priesterlichen Ornat. Dann kehrte er nach Bamberg zurück und der Weihbischof von Bamberg, Franz Joseph Hahn, weihte die Nebenaltäre der Wallfahrtskirche. Wann und wie das Gnadenbild nach Gösweinstein gekommen, ist mit Sicherheit nicht zu bestimmen, jedoch nichts spricht gegen die Ueberlieferung, daß es früher in einer Kapelle bei Geißelhöhe verehrt und durch die Edlen von Trischeldorf, welche ebenfalls zu den Wohlthätern des alten Gotteshauses zu rechnen sind, in dasselbe überbracht worden sei. Es ist aus Lindenholz angefertigt.' Am 5. August 1746 legte eine Feuersbrunst in wenigen Stunden 53 Wohnhäuser des Ortes, darunter das Pfarr-, Schul- und Kirchnersgebäude in Asche. Auch die Kirche ^wurde vom Feuer ergriffen und die Thürme nebst dem Dachstuhl der Kirche eingeäschert. Bis zum 6. Dezember war jedoch der Dachstuhl wieder hergestellt. Zur Hebung der Wallfahrt trug besonders bei, daß der Fürstbischof Lothar 1723 das Kapuzinerkloster in Gösweinstein erbaute, dessen Insassen den Gottesdienst in der Wallfahrtskirche besorgten. Im Jahre 1804 wurde dasselbe aufgehoben, dann aber durch Rescript vom 18. Juli 1828 in ein Franziskaner-Hospitium umgewandelt. Im Jahre 1830 wurde das hundertjährige Gedenkfest der Grundsteinlegung und 1839 der Kirchweihe feierlich begangen. Bei ersterem Feste empfingen 11000, bei letzterem 12 000 die hh. Sakramente. Gttgel. icht weit von Scheßlitz liegt auf einem hohen Felsen, der Burgruine Giech gegenüber die dem h. Pankraz gewidmete Wallfahrtskirche Gügel. Hier stand ursprünglich ein Schloß der Grafen von Andechs, welches zur Burg Giech gehörte und wie diese dieselben Besitzer wechselte. 1308 wurde es an das Fürstenthum Bamberg verpfändet, dann 1309 wieder zurückgenommen und kam 1384 und 1386 durch Kauf ständig an das Hochstift Bamberg. Die Schloßkapelle wurde 1343 errichtet, dann unter den Bischösen Lampert von Brunn (st 1399) und Albert von Wertheim (st 1121 restau- — 409 — nrt. Als die Hussitten dieselbe im Jahre 1430 zerstört hatten, wurde sie unter Bischof Anton von Rotenhan wieder aufgebaut und von dem Weihbischof Peter von Bamberg Sonntags nach Michaelis eingeweiht. Der Fürstbischof Heinrich Groß von Trockan ließ sie sodann 1499 erweitern. Dessen Nachfolger, Veit, Truchseß von Pommersfelden (ch 1505) ließ ein Altargemälde anfertigen, welches aber später verschwunden ist. Im Anfange des 17. Jahrhunderts war die Kirche so baufällig, daß eine durchgreifende Reparatur vorgenommen werden mußte. Um 1617—1620 wurde sodann das jetzige Altarblatt nach der Manier von Rubens durch den Bambergischen Hofmaler Wolfgang Fukher angefertigt. Es stellt die Himmelfahrt Maria vor, im Vordergrunde die zwölf Apostel am Sarge, im Hintergrunde Gügel, die Giechburg und in der Ferne die Stadt Bamberg. Als im Jahre 1808 die Giechburg zerstört wurde, sollte auch Gügel dieses Schicksal theilen; da jedoch kamen ans der ganzen Umgegend Bittgesuche an die Bayrische Negierung, die Kirche zu erhalten, welchen Bitten denn auch Folge geleistet wurde. Die Kirche feiert ihr Patrocinium am Sonntage vor oder nach Pankratius, ihr Kirchweihfest am Sonntag nach Jakobi. Es besteht in derselben auch eine Schntzengelbruderschaft. An dem Wege, welcher den Berg hinauf führt, befindet sich ein Kreuzweg. Die Wallfahrst zue h. Stilla in Marienlmeg. l^-echs Stunden von Nürnberg entfernt liegt auf einer sanft an- steigenden Anhöhe das Städtchen Abenberg nebst dem gleichnamigen Schlosse, von welchem ein berühmtes Geschlecht des Mittelalters den Namen trägt. Die beiden Brüder Rapoto und Konrad von Abenberg gründeten in Verbindung mit ihren Verwandten, dem Bischöfe Otto I. von Bamberg, das Cisterzienserkloster Heilsbronn. Indessen hatte auch ihre fromme Schwester den Wunsch, ein Kloster für Jungfrauen zu errichten, in welchem diese, fern von den Gefahren der Welt, Gott dienen und das Heil ihrer Seelen sichern könnten. Allein die Ausführung dieses Planes war ihr nicht möglich, sie konnte nur an der auserwählten Stelle ein Kirchlein bauen, welches denn auch 1136 von dem Bischof Otto von Bamberg zu Ehren des h. Petrus eingeweiht wurde. Auf den Rath dieses Bischofs legte Stilla das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit ab. Von dieser Zeit an führte Stilla ein klösterliches Leben. In ihrem väterlichen Schlosse wählte sie für sich ein enges Stübchen als Zelle und widmete ihre ganze Zeit dem Gebete und der Betrachtung. Zu dem Peterskirchlein begab sie sich täglich in Begleitung mehrerer frommen — 410 — Jungfrauen, welche sie zu sich in das Schloß aufgenommen hatte. Einst hatten sie längere Zeit in dem Kirchlein verweilt. Auf dem Rückwege theilte Stilla ihren Gefährtinnen mit, daß ihr Ende herannahe, wodurch diese sehr betrübt wurden. Nach Hause angekommen, sprach Stilla zu ihnen: „Nicht wahr, ihr lieben Jungfrauen, ihr versprecht mir getreu und fest zu halten, um was ich euch jetzt in dieser ernsten Stunde bitte?" Die Jungfrauen erklärten, daß ihnen der Wille ihrer Gebieterin stets heilig sein werde. Jetzt zog Stilla den Handschuh von ihrer Hand, überließ ihn den Winden, welche am Schlosse vorüberzogen und sprach: „Nun sehet, wohin die Winde den Handschuh tragen, dort will ich einst begraben sein." Und alsbald flog der Handstluh wie eine weiße Taube gegen das Peterskirchlein hin und ließ sich neben demselben nieder. „Ja, so sei es!" rief Stilla freudig, da sie sah, daß Gotteswille mit ihrem Wunsche übereinstimmte: „Dort, wo ich mir so oft Ruhe und Trost erflehte, dort in jenem Kirchlein will ich ausruhen von diesem Leben, und harren auf den Ruf des Herren zur Auferstehung des Fleisches. Daß dieser mein Wille erfüllt werde, darauf haltet, meine Freundinnen, eures Versprechen eingedenk, wenn euch meine Ruhe im Grabe lieb ist." Bald darauf (1140) starb sie, und als man sie in der Familiengruft im Kloster Heilsbronn beisetzen wollte, widersprachen die Jungfrauen diesem Vorhaben und erklärten, daß es der Wunsch der Seligen gewesen sei, in dem Peterskirchlcin beerdigt zu werden. Man kam überein, die Entscheidung Gott selbst zu überlassen. Am Morgen des Begräbnißtages, da der ganze Schloßhof und die Umgebung mit Leidtragenden angefüllt war, wurde ein mit zwei weißen Stieren bespannter Wagen vor das Schloß geführt und die Leiche der Verstorbenen aus denselben gelegt. Niemand sollte die Thiere antreiben, Niemand sie führen, wo sie mit der Iheuren Last stehen blieben, da sollte die Ruhestätte der Entschlafenen sein. Kaum war die Leiche auf den Wagen gelegt, da zogen die Stiere ohne Antrieb den Wagen an und führten die Leiche nach der Peterskirche, wo sie stille standen. Dort wurde nun die Leiche beigesetzt und ein schöner 3^ Fuß hoher, 1l0/z Fuß lauger und 4s/g Fuß breiter Grabstein mit dem Bildnisse der Seligen deckt die sterbliche Hülle. Gleich nach dem Tode wurde das Grab der Seligen von Bedrängten aller Art besucht, um ihre Fürbitte und Hülfe anzurufen. Die Bollandisten führen 55 Wunder an, die zu verschiedenen Zeiten an ihrem Grabe gewirkt wurden. Diese wunderbaren Vorfälle wurden von der obrigkeitlichen Behörde untersucht und als sich viele derselben als wahr erwiesen hatten, ließ Bischof Reinbotto von Eichstätt in dem Petruskirchlein ihr zu Ehren einen Altar errichten und ihre heiligen Gebeine zur öffentlichen Verehrung ausstellen. — 411 — Die stets wachsende Verehrung der h. Stilla veranlaßte den Bischof Wilhelm von Eichstätt, 1488 an dem Petruskirchlein ein Frauenkloster zu »richten. Dasselbe wurde Marienbnrg genannt und mit Nonnen aus dem Augustinerorden besetzt. So ist der Wunsch der heil. Stilla, ein Frauenkloster hier zu gründen, 348 Jahre nach ihrem Hinscheiden in Erfüllung gegangen. Vieles hatte Kloster und Kirche im Bauernkriege, dann im schmalkal- dischen Kriege zu erdulden. Als im Jahre 1552 der Markgraf Albrecht von Brandenburg mehrere Städte und selbst Nürnberg hart mitnahm, fielen die Nürnberger in das Hochstift ein, brandschatzten es, mit 80000 Gulden »nd nahmen ganz besonders das nur drei Meilen weit entfernte Kloster Marienburg hart mit. Ein Jahr später brannte der Markgraf das naheliegende Kloster Pillenrcuth nieder. Aus Furcht vor einem ähnlichen Loose flüchteten acht Nonnen aus Marienburg, nur die Oberin mit zwei Laienschwestern blieb. Endlich 1562 flohen auch diese nach Marienstein und das Kloster stand öde und leer. Neun Jahre später kehrte die Oberin mit der einzigen noch lebenden Laienschwester zurück, jedoch die Oberin starb kurz darauf und die Laienschwester wurde von dem Kastenbeamten in sein Haus aufgenommen. Jedoch auch während Kloster und Kirche öde lagen, strömten fortwährend unzählige Wallfahrer zum Grabe der heil. Stilla, ungeachtet dasselbe unter freiem Himmel stand. Im Jahre 1576 kamen die Bürger von Spalt in Prozession dorthin und da die nahestehende Begräbniskapelle nicht einmal den dritten Theil der Prozession hätte fassen können, so wurde jetzt über dem Grabe der heil. Stilla ein Altar errichtet und auf demselben das heil. Lpfer dargebracht. Nun aber zeigte sich auch allenthalben der Wunsch, die Kirche und das Kloster wieder aufzubauen. Vorzüglich durch die Bemühungen des damaligen Pfarrers von Spalt, Wolfgang Agrikola kam der Bau 1588 zu Stande. Am 10. September 1675 brannte das Kloster ab. Eine betagte, gedächtnisschwache Klosterfrau hatte ihren Wachsstock brennen lassen; dieser verbreitete alsbald ein so gewaltiges Feuer in der Kirche, daß diese selbst mit allen kostbaren Gefäßen und ein großer Theil des Klosters durch die Flammen zerstört wurde. Am ö. Mai 1676 wurde der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt und am 27. Mai wurde dieselbe eingeweiht. Das Hauptschiff der Kirche ist 52 Fuß lang und 48 Fuß breit, das Chor 26 Fuß lang und 18 Fuß drei. Auf dem Hochaltar ist in einem Gemälde die Anbetung der Weisen dargestellt. Der erste Nebcnaltar ist der heil. Stilla geweiht. Das Marblatt stellt sie dar, wie sie das Petruskirchlein in den Händen hält. Unter demselben befindet sich das Brustbild der Heiligen. Der — 412 — zweite Nebenaltar stellt das Begräbniß Christi dar. Auf ihm ist das Brustbild des heil. Otto, Bischofs von Bamberg, der die erste Peterskirche einweihte. Im Jahre 1726 entstand in Abenberg eine gefährliche Krankheit, an welcher zwischen Ostern und Pfingsten 80 Perscnen starben. Da nahmen die Einwohner ihre Zuflucht zur sel. Stilla und die Krankheit verschwand. Der Abt des Klosters zu Plankstetten, Maurus Herbst, welchem die Oberleitung über das Kloster Marienburg anvertraut war, verschaffte demselben die Gebeine des h. Märtyrers Vitalis, die ihm Papst Benedikt XIV. zum Geschenke machte und stellte sie am 27. August 1752 im Chöre der Kirche zur Verehrung aus. 1821 kamen dieselben in die Pfarrkirche zu Stirn bei Pleinfeld, nur ein kleiner Theil davon ist in der Pfarrkirche zu Abenberg geblieben. Bei der Säkularisation traf auch das Kloster Marienburg das Schicksal der Aufhebung. Die Kirche wurde sodann am 16. April 1827 durch die Bürgerschaft von Abenberg angekauft und ist jetzt eine Filale der dortigen Pfarrkirche. Marienweihev. sA,ine Viertelstunde von dem Markte Leugast in Oberfranken liegt das Dorf Marieuweiher, der Sitz einer Pfarrei mit der als Wallfahrtsstätte berühmten Pfarrkirche und einem Franziskanerkloster. Schon im 12. Jahrhundert war der Ort bekannt und hieß damals Vordersee. Dort baute der h. Otto, Bischof von Bamberg, 1110 zu Ehren der aller- seligsten Jungfrau eine Kirche und weihte sie 1124 ein. Die Wallfahrt zu dem Marienbilde in der Kirche zu Marienweiher ist über 600 Jahre alt. Or. I. A. Eisenmann theilt darüber in seiner Beschreibung des Erzbisthums Bamberg Folgendes mit: „In früher Zeit war die Gegend um Marienweiher mit dichten Wäldern bedeckt, und an der Straße, welche durch dieselbe von Franken nach Sachsen führte, standen in verschiedeneu Entfernungen von einander sogenannte Nothwirthshäuser. Im 12. Jahrhundert befnhr einmal auch ein sächsischer Fuhrmann, welcher ein Marienbild in Franken hatte fertigen lassen, um solches mit nach Hause zu- bringen, diese Straße und nahm in dem Wirthshause an diesem Orte, damals Vordersee genannt, sein Nachtquartier. In derselben Nacht wurde dieses Haus von Räubern überfallen; der Fuhrmann aber mit seiner ganzen Habe entkam den gierigen Händen dieser Räuber glücklich. Aus Dankbarkeit — 413 — gegen Gott und Maria, welche er in dieser großen Gefahr um Hülfe angefleht hatte, ließ er hierauf das mitgeführte Marienbild an dem nämlichen Orte aufrichten und eine Kapelle von Holz darüber bauen; auch soll er sich daselbst später, nachdem er seine Güter in Sachsen verkauft hatte, augesiedelt haben. Bald wurde diese Kapelle von Pilgern und andern andächtigen, nah und fern, häufig besucht. Als dieselbe, aus nicht bekannter Ursache, in Brand gerieth, warfen die dortigen Bewohner, deren Zahl inzwischen sich sehr vermehrt hatte, das Bild, um es vor den Flammen zu retten, in den nahen Weiher, entdeckten aber an demselben, als sie es wieder herauszogen, eine Beschädigung neben der Nase, welche jetzt noch zu sehen ist. Nachher wurde daselbst eine große Kirche von Stein, wahrscheinlich vom Bischöfe Otto II., erbaut und darinnen das berühmte Marienbild, dessen Verehrung je länger desto mehr sich verbreitete, aufgestellt." Von jener Zeit an wurde der See Marienweiher genannt. Im Jahre 1430 wurde Marienweiher durch die Hussiten, unter ihrem Oberst Ziska verwüstet, wobei alle älteren Dokumente des Archivs verloren gingen. Kaum hatte sich Marieuweiher von diesem Unglücke erholt, als zur Zeit des dreißjährigen Krieges wiederum die Brandfackel Dorf und Kirche zerstörte. DieEinwohner hatten sich der lutherischen Lehre zugewandt, wurden aber durch die eifrigen Bemühungen der Fürstbischöfe Neidhard von Thüngen (st 1598) und Johann Gottfried von Aschhausen (st 1622) zu der kath. Kirche wieder zurückgeführt. Der Fürstbischof Melchior Voit von Bambcrg (erw. 1642) suchte die Wallfahrt wieder zu heben und befahl dem Franziskanerprovinzial Joachim Mayer 1644, zwei Patres mit einem Laienbruder nach Marienweiher zu schicken, denen das Pfarrhaus als Wohnung eingeräumt wurde. Fürstbischof FranzLothar von Schönborn erhob 1699 das Hospitium zu einem Convent. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche feiert ihr Patrocinium am Feste Maria Himmelfahrt und das Kirchweihfest am zweiten Sonntag im Oktober. Seit Bischof Otto's Zeiten ist diese Kirche die dritte; 1717 wurde sie vom Weihbischof Johann Werner eingeweiht. Die Kirche hat drei Altäre, den Hochaltar mit dem aus Holz geschnitzten Gnadenbilde und zwei dem hl. An- tomus und dem h. Johann von Nepomuk geweihte Nebenaltäre. In einer Seitmkapelle befindet sich ein Gemälde der schmerzhasten Mutter Gottes. Das Kloster wurde 1803 aufgehoben, dann 1828 als Hospiz und 183Z wieder als Convent errichtet. Es zählt 5 Patres und 6 Laienbrüder. Oberhaid. sieben Kilometer von Bamberg entfernt, an der Bamberg-Würz- burg-Aschaffenburger Eisenbahn liegt das Pfarrdorf Oberhaid mit etwa 1000 Einwohnern. In der dortigen Pfarrkirche befindet sich ein Gnadcnbild der allerseligsten Jungfrau Maria, welches aus der ganzen Umgegend fleißig besucht und verehrt wird. Ueber die Entstehung dieser Wallfahrt wird Nachstehendes berichtet. Im Jahre 1770 hefteten zwei Eheleute ein gemaltes Bild, Marin Hi lf genannt, an einen Birnbaum bei ihrem Acker am Mittelweg in der frommen Absicht, damit die Vorübergehenden die Gottesmutter ehren möchten. Etwa nach 4 Jahren wurde dieses Bild durch Regen und Schnee sehr beschädigt, so daß man es durch geeignete Vorkehrungen schützen mußte. Um diese Zeit herrschte in Oberhaid und der Umgegend das kalte Fieber. Zn die Noth nahmen mehrere Frauen ihre Zuflucht zu Maria und verrichteten ihre Andacht vor dem genannten Bilde. Ihre Gebete wurden erhört und bald wurden auch andere wunderbare Gebetserhörungen ruchbar, welche vor diesem Bilde sich zugetragen haben sollten. Der Ruf von diesen Heilungen verbreitete sich bald in der ganzen Umgegend; von allen Seiten strömten die Leute hinzu und da von immer mehr Gebetserhörungen berichtet wurde, so strömte das Volk in Schaaren von Hunderten unter Gebet und Gesang hinzu. Besonders war dieses am zweiten Pfingsttage der Fall und die Opfer, welche bei dem Bilde dargebracht wurden, beliefern sich bald über 60 fl. Da der Ort, wo sich das Bild befand, die Klingen hieß, so nannte man das Gnadenbild „Maria Hilf im Klingenthal". Zu Anfang des Monats August 1774 wurde das Bild vom Birn- l bäum herab genommen und an einem Bildstock angeheftet, der mit zwei s Gittern versehen und vor welchem zwei Betstühle angebracht wurden. Gegen diese Andacht und Verehrung des Muttergottesbildes eiferte s vorzüglich der damalige Pfarrer von Oberhaid, Thomas Göbel, und er z wurde von mehreren Pfarrern der Umgegend darin unterstützt. Da er in i Predigten und auf jede andere nur mögliche Weise der genannten Andacht s entgegentrat, so erbitterte er seine Gegner, welche Erbitterung wiederum s manche Mißbräuche im Gefolge hatte. So predigte ein versoffener Musikant von Trunstatt vor demselben und stellte die Behauptung auf, daß das ^ Gebet unter Gottes freiem Himmel Gott viel angenehmer sei, als das in den Kirchen u. s. w. In Folge dieser Streitigkeiten und da der Zudrang der Andächtigen I immer größer wurde (am Sonntage vor St. Laurentius 1774 sollen Tau- j sende von allen Seiten herbeigeströmmt sein), beauftragte die geistliche Re- > — 415 — gierung zu Würzburg den Vicedechant Johann Michel zu Gerolzhofeu und den Pfarrer Martin Marcquard zu Trunstatt mit der Untersuchung der Wunderheilungen. Sie verhörten acht Personen zu Bischberg, Bambcrg, Hallstadt, Priesendorf, welche behaupteten, durch Gebet vor dem Maria Hilfbilde im Klingenthal wunderbar geheilt worden zu sein, was sie selbst zu beschwören bereit seien. Die Akten wurden der medizinischen Fakultät zu Würzburg übersendet. Welches Resultat erfolgte, weiß man nicht. Im September 1774 erschien jedoch der bischöfliche Comissar Johann Michel, nahm das Bild vom Stock ab und trug es in feierlicher Prozession in die Pfarrkirche zu Oberhaid, wo es aus dem Marienaltare zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt wurde; am 2. September 1777 wurde es mit einem schönen Rahmen, gefertigt vom Bildhauer F. M. Mutschele in Bamberg geschmückt. Die Verehrung des Gnadenbildes nahm immer mehr zu und erhielt sich, obgleich die französischen Kriege schädlich auf alles religiöse Leben einwirkten, fort. Besonders verrichten viele Verehrer Mariens hier ihre Andacht von Maria Geburt, dem Hauptfeste, bis Ende Oktober. St. Anna bei Nnkerweilersbach. m rechten Ufer der Wiesent, eine halbe Stunde nordwestlich von Kirchehrenbach liegt das Kirchdorf Unterweilersbach mit der Wallfahrtskirche St. Anna. Früher soll an der Stelle der Kirche eine Kapelle gestanden haben, deren Ursprung jedoch unbekannt ist. Etwa um das Jahr IM wurde die alte Kapelle abgebrochen und namentlich durch Unterstützung der Edlen Karg von Bebenburg, welche früher in Oberweilersbach, später in Unterweilersbach wohnten, eine Kirche gebaut. Das Bildniß der h. Anna, welches sich in der Kirche befindet und etwa 3 Fuß hoch ist, mag auch in der frühreren Kapelle gestanden haben; es hat zwei Kinderfiguren auf dem Arme und stellt also die Großmutter dar. Die Wallfahrten dorthin sind vorzüglich von Vorchheim am St. Annatage, von den Ortschaften Rettern, Bammersdorf, Hausen, von Drosendorf an Jakobi, von Niedermirsberg am 22. Juli und von Gösweinstein am Sonntage nach St. Annatag. Wegen häusiger Ucberschwemmung der Wiesent wurde 1851 ein besonderer Lokalkaplan angestellt und der Grundstein zu einer Wohnung für denselben gelegt, welche 1852 vollendet war. Ein Muttergottesbild nebst Flügelthüren, also ein Altarbild, welches von der protestantischen Gemeinde Hetzelsdorf gekauft wurde, ist beach- tenswerth. Das Patrocinium wird am Sonntag nach dem Annatage gefeiert, das Kirchweihfest am Sonntag nach Mariä Heimsuchung. — 416 — Vieezehnheiligen in Frankentlzal. wischen den Städten Lichtenfels und Staffelstein, nahe dem ehemaligen Benediktinerkloster Banz liegt in der halben Höhe eines Bergzuges die imposante Wallfahrtskirche Vierzehnhciligen mit dem anliegenden Kloster. Die übrigen drei Wohnhäuser mit den zugehörigen Oekonomie- gebäuden bilden den Weiler Frankenthal. Es war am Freitag der Quatemberwoche nach Kreuzerhöhung, am 24. Sept. 1445, da wollte Hermann, der Sohn des Klostcrschäfers zu Frankenthal, bei anbrechender Dämmerung seine Schafe nach Hause treiben. Als er sich dem Hofe nährte, hörte er plötzlich die Stimme eines weinenden Kindes. Hermann erschrack, sah sich um, und erblickte hinter sich auf einem Acker sitzend ein kleines Kind. Er staunte, wie doch das arme Kind hierher gekommen sein möchte; als er nun auf dasselbe zu ging, änderte sich dessen schmerzvolle Miene in freundliches Lächeln, und da er im Begriffe war, es aufzuheben, verschwand es plötzlich aus seinen Augen. Der Jüngling kehrte zu seiner Heerde zurück, blickte aber nochmals nach der Stelle hin, wo er die eigenthümliche Erscheinung gehabt hatte. Und wieder saß das Kind auf derselben Stelle, aber diesmal zwischen zwei brennenden Kerzen. Nun beschlich den Schäfer bange Furcht; er rief seinen Hund zu sich, bezeichnete sich mit dem h. Kreuzzeichen und ging nun wieder aus die Erscheinung zu. Das Kindlein lächelte ihm wieder freundlich entgegen; es schien ihm leuchtend wie Kristall zu sein. Während er aber näher hinzutrat, verschwand es abermals seinen Blicken. Gedankenvoll trieb er seine Heerde nach Hause und erzählte seinen Eltern dieses Erlebniß. Diese befahlen ihm von der Sache zu schweigen, denn sie hielten Alles für Täuschung. Er sprach jedoch am folgenden Tage mit einem Priester darüber, welcher ihm befahl, wenn er wieder eine ähnliche Erscheinung habe, im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit zu fragen, was diese Erscheinung bedeute und verlange. Es verging fast ein ganzes Jahr. Am Vorabend des Festes der Apostelfürsten Petrus und Paulus, Dienstag den 28. Juni 1446 weidete Hermann wieder gegen Abend auf demselben Acker, als er plötzlich das Kind auf derselben Stelle sitzen sah, nur halb bekleidet, strahlend wie die Sonne auf der Brust ein rothes Kreuz. Um dasselbe standen im Kreise vierzehn etwas kleinere Kinder, mit Kleidern angethan, welche halb roth und halb weiß waren. Der Jüngling trat hinzu und fragte im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit, was es sei und was es wolle. Darauf erhielt er die Antwort: „Wir sind die vierzehn Nothhelfer; wir wünschen hier eine Kapelle zu haben und wollen gnadcnspendend hier weilen: Sei du unser — 417 — Diener, so wollen auch wir dir zu Diensten sein." Sofort erhoben sich die fünfzehn Gestalten und verschwanden in den Wolken. Einige Tage später, am Samstage derselben Woche, sah Hermann zivei brennende Kerzen sich auf die Stelle herabsenken, wo er die frühere Erscheinungen gehabt hatte. Er rief eine Frau au, die eben vorüberging, Wut auch sie Zeugin der Erscheinung sei. Nach kurzer Zeit erhoben sich die Kerzen wieder in die Höhe und verschwanden. Jetzt theilte Hermann diese Erscheinung in dem benachbarten Kloster Langheim mit. Dort aber wollte man der ganzen Sache keinen Glauben bemessen. Es geschah nun, daß am 18. Tage nach der letzten Erscheinung eine Magd auf dem Oekonomiehof des Klosters plötzlich zusammen stürzte und wohl eine Stunde lang ohne Lebenszeichen da lag. Man brach ihr den Mnnd auf, um ihr eine Erquickung einzuflößen, jedoch Alles war vergebens. Man machte verschiedene Gelübde, ohne Erfolg. Endlich erinnerte mn sich der wunderbaren Erscheinungen, von welchen der Schäfer Hermann gesprochen, gelobte sie zu den vierzehn Nothhelfern an die Stätte, wo die Erscheinungen geschehen, und siehe da, sofort kehrte das Bewußtsein zurück, sie erhob sich und war vollkommen gesund. Jetzt glaubte man an der Wahrheit der Erscheinungen nicht mehr zweifeln zu dürfen; man errichtete vorläufig an der Stelle ein Cruxifix und der Abt Friedrich Heugelein erbaute sodann eine Kapelle, welche am 28. April 1118 vom Bischof Anton von Rotenhan eingeweiht wurde. Die Kapelle wurde mit Ablässen reichlich begabt und chald wallfahrtete man aus der ganzen Umgegend dorthin. Besonders werden als Pilger dorthin bezeichnet Kaiser Friedrich III. im Jahre 1485 und der berühmte Maler Albrecht Dürer 15 i9. Der Bauernaufstand im Jahre 1525 wurde, wie für die ganze Umgeg end, so auch für die Kapelle Vierzehnheiligen verhängnißvoll. Dieselbe wurde geplündert, die Orgel und der Altarschmuck entführt, die Propstei und das Schenkhans ausgeraubt und dann Alles in Brand gesteckt. Nachdem diese Wirren vorüber gegangen, ließ Abt Johann die stehen gebliebenen Mauern wieder/ mit einem Dache versehen, so daß nothdürftig Gottesdienst in derselben gehalten werden konnte. Die vollständige Restauration der Gnadenkapclle wurde 1543 unter Abt Konrad Haas von Langheim zum Abschluß gebracht und am 16. Septbr. 1543 fand die feierliche Einweihung durch den Weihbischof von Bamberg Hr. Johann Ringen statt. Besonders förderlich für die Wallfahrt war, daß Abt Peter II. Schönfelder am 27. November 1610 für die in der Kapelle errichtete Bruderschaft die päpstliche Bestätigung und mehrere Ablässe erwirkte. Die stete Zunahme der Wallfahrt machte das Bedürfniß zu einer größeren Kirche rege und Abt Stephan Mösinger beschloß, eine solche zu «richten. 27 — 418 — Diese wurde sodann am 16. September 1772 durch den Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim feierlich consekrirt. Bei der allgemeinen Säcularisation im Jahre 1864 wurden die Kirchenschätze von Vierzehnheiligen, welche aus den frommen Gaben der Gläubigen beschafft worden waren, verschleudert. Selbst die drei größeren Glocken, 74 Centner schwer, wurden durch öffentliches Ausschreiben als altes Metall zur Auktion ausgebotcn, jedoch gelang es, sie für die Pfarrkirche in Lichten- fels zu erwerben. Zur Seelsorge an der Wallfahrtskirche wurden Priester aus dem aufgehobenen Dominikanerkloster zu Bamberg bestimmt. Da diese aber auf den Sterbeetat gesetzt waren, so verringerte sich deren Zahl immer mehr; 1827 waren es nur noch drei, von denen zwei 1828 starben. Die Seelsorge wurde nun nothdürftig von Excisterziensern und Weltpriestern besorgt, bis endlich 1839 durch König Ludwig I. ein Franziskanerhospitium daselbst eingerichtet wurde. Am 3. März 1835 wurde die Kirche durch einen Blitzstrahl arg beschädigt; der Blitz zündete am linken Thurm, das Feuer zerstörte den Dachstuhl, ergriff die Orgel und von hier auch den rechtseitigcn Thurm. 1838 wurde Dach und Thürme wieder hergestellt. Im Jahre 1848 begann der Historienmaler August Palme zu München, die Fresken an der Decke und an den Seitcnwänden neu zu schaffen. Wenn man die Kirche durch das Hauptportal betritt, so zeigt das erste Bild an der Wölbung der Emporbühne, wie Petrus vom Heiland die Schlüssel des Himmelreiches empfängt. Zeugen dieser Bevollmächtigung sind die Apostel Jakobus, Johannes und Andreas, der Heiland zeigt auf die von Meeres- fluth umtobte, auf dem Felsen thronende Kirche, zu welcher die Erdenpilger empor klettern. Das nächste Bild zeigt die heil, drei Könige aus dem Morgenland ans der Pilgerfahrt nach Bethlehem; im Hintergrund die Hirten, welche von der Krippe kommen. Die acht kleineren Bilder in den Seitenschiffen stehen mit diesem inBer- bindung. Oberhalb des St. Georgs-Altars die Verkündigung Mariä, oberhalb des St. Blasius-Altars die Erscheinung des Engels, wo er den heil. Joseph zur Flucht nach Egpptcn auffordert, die vier Evangelisten, der heil. Papst Gregor und der heil. Augustin, sowie viele andere hh. Bischöfe. Das zweite Deckengemälde über dem Gnadenalter zeigt die Erscheinung der vierzehn Nothhelfcr, wie wir sie oben erzählt haben. Das Deckengemälde im Presbyterinm zeigt die vierzehn Heiligen in ihrer himmlischen Glorie. Im Kreuzschiffe sind das Opfer Abels, der verlorene Sohn, die büßende Magalena und das Mahl zu Emaus dargestellt. Im Jahre 1872 wurde nun die Jubelfeier begangen', wozu Papst Pins IX. einen vollkommenen Ablaß bewilligt hatte. Sie dauerte acht Tage, — 419 — vom 16. bis 22. September und wurde namentlich durch die Anwesenheit und thätige Mitwirkung des im Exil verstorbenen Bischofs Or. Conrad Martin von Paderborn verherrlicht. Man schätzte die Zahl der Wallfahrer in diesen acht Tagen auf 109909, die Communicanten auf über 29 090, der Priester über 400. Die Zahl der Wallfahrer wird auf jährlich 60—70000 angegeben. Die Wallfahrtszeit beginnt mit Ostern und dauert bis Ende Oktober. Größere Prozessionen aus weiterer Ferne kommen jährlich aus den Diözesen Hildesheim und Paderborn, Freiburg, Prag, Münster und Fnlda. Die überaus zahlreichen wunderbaren Gebetserhörungen aus alter und neuerer Zeit sind größtentheils aufgezeichnet worden, wir können sie hier aus Mangel an Raum nicht mittheilen. Das heil. Kreuz in der Christophskirche zu Mainz. uf dem Seitcnaltare des südlichen Ncbenschiffes in der St. Christophskirche zu Mainz steht ein allgemein verehrtes Kreüz, welches früher in einer Kapelle eine halbe Stunde südlich von der Stadt Mainz an der Landstraße nach Hechtsheim sich befand. Von diesem Kreuze wird folgendes Ereigniß erzählt, das sich unter Erzbischof Adolf I. von Nassau im Jahre 1383 zugetragen haben soll. Ein roher, dem Trunke ergebener Mann, Namens Schelkropf oder Schölkropf, hatte im Wirthshaus „zur Blume" in der Vorstadt Filzbach viel Geld im Spiele verloren. Darüber ergrimmt, schimpfte und fluchte er über das unglückliche Spiel und seine Kameraden und stieß im Zorn gotteslästerliche Reden aus. Auch drohte er, sich an dem ersten Kreuzbilde, das er treffen werde, zu rächen. So kam er unter Fluchen und Toben zu der Kreuzkapelle; voll Wuth griff er nach seinem Schwerte, schlug nach dem Bilde des Erlösers, trennte das Haupt vom Körper und versetzte auch den neben dem Kreuze stehenden Heiligenbildern Schwerthiebe. Aber siehe da, aus den Wunden, welche dem Kreuzbilde versetzt wordeu, träufelte frisches Blut herab, als ob ein lebender Mensch, nicht ein Bild von Holz getroffen worden sei. Den Frevler übersiel ein solcher Schrecken, daß er sich nicht von der Stelle bewegen konnte. Vorübergehende sahen ihn,'erkannten das Verbrechen, welches er begangen und überlieferten ihn dem Gericht zur verdienten Strafe. Das Kreuz in St. Christoph sowie die daneben stehende Statue Maria's tragen noch die Spuren der Verletzung deutlich an sich. Es ist dieses Kreuz eine Arbeit aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Körper ist 30 Centimeter lang; die Augen sind geschlossen; das Haupt ist mit der Dornenkrone auf die Brust geneigt; die Arme sind etwas nach oben, die Kniee nach rechts gebogen. Das ganze Cruzifix ist mit Leinwand überzogen, dann mit Kreide überstrichen und bemalt. Die Kreuzbalken endigen in Vierecken mit den Abbildungen der Symbole der Evangelisten. Zur Rechten des Kreuzes befindet sich Maria, wie sie von Schmerz überwältigt niedersinkst aber von Johannes und einem andern Heiligen gestützt wird. Nach dem vorhin erzählten Ereignisse brachte man das Kreuz in die naheliegende Liebfraucnkirche „Maria im Felde" genannt, wo es fortan eine große Verehrung genoß. Die Liebfrauenkirche hieß lange vor dem Jahre 1383, nachweislich schon 1302, Heiligkreuz, Stift zum heil. Kreuze. Bereits 765 stand hier eine Kapelle, welche zum Unterschiede von anderen Marienkirchen in und außer Mainz „Maria im Felde, ückaria, in oainpis" genannt wurde. Erzbischof Erkembold erhob c. 1011 die Kirche zur Stiftskirche und setzte zur Besor- — 423 — Das heil. Kreuz in der Christophskirche zu Mainz. uf dem Seitcnaltare des südlichen Nebenschiffes in der St. Christophskirche zu Mainz steht ein allgemein verehrtes Kreüz, welches früher in einer Kapelle eine halbe Stunde südlich von der Stadt Mainz mi der Landstraße nach Hechtsheim sich befand. Von diesem Kreuze wird folgendes Ereigniß erzählt, das sich unter Erzbischof Adolf I. von Nassau im Jahre 1383 zugetragen haben soll. Ein roher, dem Trunke ergebener Mann, Namens Schelkropf oder Schölkropf, hatte im Wirthshaus „zur Blume" in der Vorstadt Filzbach viel Geld im Spiele verloren. Darüber ergrimmt, schimpfte und fluchte er über das unglückliche Spiel und seine Kameraden und stieß im Zorn gotteslästerliche Reden aus. Auch drohte er, sich an dem ersten Kreuzbilde, das er treffen werde, zu rächen. So kam er unter Fluchen und Toben zu der Krcuzkapelle; voll Wuth griff er nach seinem Schwerte, schlug nach dem Bilde des Erlösers, trennte das Haupt vom Körper und versetzte auch den neben dem Kreuze stehenden Heiligenbildern Schwerthiebe. Aber siehe da, aus den Wunden, welche dem Kreuzbilde versetzt worden, träufelte frisches Blut herab, als ob ein lebender Mensch, nicht ein Bild von Holz getroffen worden sei. Den Frevler überfiel ein solcher Schrecken, daß er sich nicht von der Stelle bewegen konnte. Vorübergehende sahen ihn,'erkannten das Verbrechen, welches er begangen und überlieferten ihn dem Gericht zur verdienten Strafe. Das Kreuz in St. Christoph sowie die daneben stehende Statue Maria's tragen noch die Spuren der Verletzung deutlich an sich. Es ist dieses Kreuz eine Arbeit aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Körper ist 30 Centimeter lang; die Augen sind geschlossen; das Haupt ist mit der Dornenkrone auf die Brust geneigt; die Arme sind etwas nach oben, die Kniee nach rechts gebogen. Das ganze Cruzifix ist mit Leinwand überzogen, dann mit Kreide überstrichen und bemalt. Die Kreuzbalkcn endigen in Vierecken mit den Abbildungen der Symbole der Evangelisten. Zur Rechten des Kreuzes befindet sich Maria, wie sie von Schmerz überwältigt niedersinkt, aber von Johannes und einem andern Heiligen gestützt wird. Nach dem vorhin erzählten Ereignisse brachte man das Kreuz in die naheliegende Liebfrauenkirche „Maria im Felde" genannt, wo es fortan eine große Verehrung genoß. Die Liebfrauenkirche hieß lange vor dem Jahre 1383, nachweislich schon 1302, Heiligkreuz, Stift zum heil. Kreuze. Bereits 765 stand hier eine Kapelle, welche zum Unterschiede von anderen Marienkirchen in und außer Mainz „Maria im Felde, Nnria, in oninpis" genannt wurde. Erzbischof Erkembold erhob c. 1011 die Kirche zur Stiftskirche und setzte zur Besor- — 424 — gung eines feierlichen Gottesdienstes und zur Verrichtung des Chorgesangcs Geistliche dorthin, für deren Unterhalt er durch Güterschenkungeu sorgte. Erbischof Peter (1306—1320) ließ hier eine größere Kirche bauen, deren Grundstein er selbst legte. Zur Zeit dieses Neubaues finden wir zuerst die Benennung, „Heiligkrenz, Kreuzstift" neben der „Maria im Felde". Ueber die Entstehung dieses Namens meldet der Mainzer Geschichtschreiber Serarins folgendes: Es kam ein Schiff herauf gen Mainz, ihm folgte von selbst ein Kreuz; hielten die Schiffer still, dann auch das Kreuz, fuhren sie weiter, sogar gegen den Strom, dann auch das Kreuz, bis sie am Ufer in Mainz anfuhren. Hier lud man das Kreuz zwei noch nicht im Joch gegangenen Ochsen auf und ließ sie frei gehen. Sie gingen ohne Treiber und ohne Führer bis zur Stelle des Liebsrauenstiftes, wo sie stille standen. Im Jahre 1552 ging beim Zerstören des Stiftes durch den Brandenburger das Kreuz zu Grunde; es hatte oben am Gewölbe gehangen; nur noch die ältesten Leute konnten sich desselben zu den Zeiten des Serarius erinnern. Besonders in Fieberkrankheiten hatten die Gläubigen dasselbe verehrt. Die Stelle am Nheinufer, wo das Kreuz an's Land kam, zeigte ein Krenzbild an, welches später auf die Stadtmauer gemalt wurde. Dasselbe stand zwischen Holz- und Bocksthor und hatte die lateinische Inschrift: Lio guonänrn iinminuit orux ponckula in asra. navi, Girrn rats rnota, kuit, onrn rati lixs, stotit. Hio No^onno inounrlrons orno, saorn snroinn irolrus Grollitnr, rrk pi^nus gun via. knotn, ksrant. In der Fehde, welche Adolf II. von Nassau 1460 gegen Dieter von Jsenburg führte, brachen die Schaaren des Pfalzgrafen Friedrich in das Kreuzstift ein und legten Feuerbrände in die Wohnungen der Stiftsherren. Der gänzlichen Zerstörung entging das Stift dadurch, daß eine ansehnliche Geldsumme an die Soldaten gezahlt wurde. Im Jahre 1552 durchzogen die Rotten des Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Culmbach plündernd und raubend das Erzstift und verbrannten das Stift Heiligkreuz. Die Kreuzstiftsherren flüchteten mit dem Kreuze nach St. Jgnaz und zogen später in die an der Rheinstraße gelegene Heiliggeistkirche über, woselbst sie fortan den Gottesdienst hielten, bis ihre Kirche im Jahre 1573 wieder nothdürftig hergestellt war. Im Jahre 1602 ließ der Erzbischof und Kurfürst Johann Adam von Bicken auf das Feierlichste einen vom Papste verliehenen Ablaß verkünden. Die Woche vor Mariä Himmelfahrt wurde zur Abhaltung einer Mission bestimmt; die Kirchen waren mit Andächtigen gefüllt, welche Buße thaten und die h. Sakramente empfingen. Am 13. August begaben sich die Mitglieder der großen Sodalität in langer Prozession unter Gebet und Gesang — 425 — nach Heiligkreuz. Auch der Erzbischof wallte dorthin und verrichtete seine Bußandacht. Auch vom Lande war die Bevölkerung herzugeströmt, alle Gassen und Wege waren mit Menschen überfüllt, welche der Mission beiwohnten. Im Jahre 1630 ließ der Dekan des Stifts, Sigismund Schmelzinger die Kirche restauriren. Im darauffolgenden Jahre kamen die Schweden; vom Kreuzstift bis Gonsenheim schlugen sie ihr Lager auf. Die Häuser der Stiftsherreu wurde zerstört, die Kirche zu einem festen Vertheidigungsbollwerk nmgcschaffen. Nachdem die Schweden am 9. Januar 1636 abgezogen waren, beschloß man, das Kreuz, welches in die Kirche St. Christoph gebracht worden, in feierlicher Weise nach seiner früheren Stelle wieder zu übertragen. Solches geschah am 25. März, am Feste der Verkündigung Maria. Der Wcihbischof Ambrosius Saibäus trug, unterstützt von den Aebten von St. Jakob und Eberbach das Kreuz, der Kurfürst Anselm Kasimir von Wam- bold folgte dem Kreuze mit seiner ganzen Hofdienerschaft. Als im Jahre 1643 die Franzosen naheteu, wurde das Kreuz wieder in die Stadt und am 7. September 1650 in das Stift zurückgebracht. Dasselbe geschah 1668, dann 1734—1737. Zum letzten Male wurde das Kreuz 1792 beim Heranrücken der französischen Revolutionsarmee nach St. Christoph gebracht, wo es bis zum heutigen Tage verblieb. Am 10. Juni 1793 ward das Stift verbrannt und zerstört. Als im Jahre 1741 große Dürre herrschte, führten die Dominikaner eine Prozession nach Heiligkreuz, zu deren Theilnahme das Volk von allen Kanzeln der Stadt herab aufgefordert worden war. Ebenso wurde 1751 auf Befehl des Kurfürsten eine Bittprozession auf den 15. Juni angeordnet. Morgens 6 Uhr versammelten sich auf ein Glockenzeichen alle Stifts- und Pfarr- und Klostergemeinden mit vorgetragenem Kreuze in der Domiirche, von wo aus die Prozession nach Heiligkreuz geführt wurde. — Am 26. Mai 17Z4 wurde wiederum wegen großer Dürre eine Prozession nach Heiligkreuz angeordnet. Um 6 Uhr Morgens versammelte man sich in der Domkirche, wo um halb sieben Uhr das hochwürdigste Gut ausgesetzt und der Segen gegeben, Prim und Terz gebetet und hierauf nochmals der Segen gegeben wurde. Sodann begab sich die Prozession nach der Stiftskirche, wo Hochamt und Predigt gehalten wurde. Nach der Rückkehr in den Dom wurde die Antiphon vom h. Martin gesungen, die Non gebetet und die ganze Feierlichkeit mit dem Segen geschlossen. — Aehnlich geschah es am 14. Juni und 27. Juli 1758, sowie im Jahre 1776. Die letzte Prozession fand im Jahre 1792 statt. Die im Jahre 1684 zu München gegründete und auch zu Mainz 1699 ni der Liebfrauenkirche eingeführte Mariäliebesversammlung hatte unter ihren Satzungen auch die, daß alle Jahre am Tage nach Kreuzauffindnng eine Prozession nach dem Kreuzstifte geführt werden solle. Jetzt noch feiert diese — 426 — Bruderschaft durch ciu Hochamt am Sonntag nach Kreuzanffindnng die Er- innnerung an diese Prozession. Auch die Erzbruderschaft vom allerheiligsten Sakramente in der St. Quintinskirche verpflichtete sich, jährlich am 4. oder 5. Fastensonntage eine Prozession zu heil. Kreuz zu veranstalten. Samstags Abends wurde der Prozessionssonntag mit allen Glocken der Quintinskirche eingelautet; am Sonntag, Morgens um 6 Uhr begann eine stille Messe vor dem hochwürdigsten Gute, wonach die gute Meinung gebetet wurde und die Prozession sich in Bewegung setzt. Sie zog durch das Nenthor, bog vor demselben rechts hinauf unter Gebet, Gesang und Musikbegleitung. Die 6. Station wurde „bey der Kapellen, allwo sich das große Wunder mit dem heiligen Kreutz ereignet hat" gehalten. Die 16. und letzte Station fand in der Kirche vor dem Altare mit mitraculösen Bilde statt. Hierauf wurde Hochamt und Predigt gehalten und dann die Prozession nach der St. Quintinskirche zurückgeführt. Im Jahre 1768 bildete sich in Mainz die Kreuzbruderschaft mit dem Zwecke, so viel an Geld beizutragen, daß an jedem Freitage in der Stiftskirche einige Messen zu Ehren des Gekreuzigten gelesen werden könnten. Im Jahre 1774 war ein Kapital von 1606 Gulden vorhanden, aus dessen Zinseu alle Freitage drei h. Messen sowie in der Woche nach Kreuzanffindnng jährlich ein feierliches Amt stattfinden konnte. In Folge der französischen Fremdherrschaft trat eine Veränderung mit dieser Bruderschaft ein. Das Kapitalvermögen von 3650 Gulden wurden mit dem Gnadcnbilde der Kirche St. Christoph als Eigenthum mit der Verpflichtung überwiesen, alle gestifteten Messen zu besorgen. Der Pfarrer Himioben, welcher am 27. Dezember 1860 als Domkapitular starb, nahm sich der Bruderschaft an und entwarf neue Statuten, welche von Papst Pius IX. am 19. Dezember 1856 bestätigt wurden. Zugleich verlieh der Papst der Bruderschaft verschiedene Ablässe. Während der Jahre 1343—1357 trug Himioben 400 Mitglieder ein; bis 1862 kamen 500 und von 1863—1875 an 2000 neue Mitglieder hinzu, von welchen 417 auf das Jahr 1374 falle». Im Jahre 1868 wurde das hundertjährige Jubiläum der Bruderschaft feierlich begangen. Die Kirche war ihrem Stile gemäß restaurirt, ein neuer Altar mit gothischem Aufsatz am 20. Juli consecrirt worden. Bei dieser Gelegenheit wurde das Gnadenkreuz von dem einfachen Seitenaltare auf den Hochaltar übertragen. Während dieser Jubiläumsfeier empfingen 3100 Personen die hh. Sakramente. Die St. Christophskirche wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut. Einzelne Theile entstammen dem vorigen Jahrhundert, so das Chor aus dem Jahre 1761, die Valentinuskapelle aus 1768. An Stelle dieser Kirche stand schon 893 eine Kapelle, welche König Arnulf in diesem Jahre — 427 — dem Bencdiktinerstifte St. Maximin bei Trier schenkte. Diese Schenkung bestätigte König Karl III. im Jahre 912. In der Kirche stehen außer dem Hochaltare der Altar des göttlichen Herzens Jesu und der Vierzehnnothhelfer. Da das Hciligkreuzbild aus dem Hochaltäre zu weit von dem Publikum entfernt war, so wurde für dasselbe ein neuer Altar errichtet. Von allen Andachten in dieser Kirche wird die zu Ehren des heiligen Kreuzes am eifrigsten besucht. Alljährlich an Kreuzauffindung und Kreuzerhöhung wallen besonders die Gläubigen vom Lande hierhin um nach Empfang der hh. Sakramente ihre Bitten und Anliegen dem Gekreuzigten vorzutragen. Die Wallfahrt zum h. Johannes von Nepolnnk zu Erbes-Vudesheim. ald nach der Heiligsprechung des h. Johannes von Nepomuk am 19. März 1729 verbreitete sich die Verehrung desselben in ganz Tmtschland. Auch in Büdeshcim bei Alzei findet sich diese Verehrung seit längerer Zeit vor. Es heißt, diese Verehrung sei von Odernheim, in dessen Kirche sich noch ein Johannesaltar befindet, hierhin verpflanzt worden. Auch in der Pfarrkirche zum h. Bartholomäus in Büdesheim, welche zwischen 1736 und 1745 erbaut wurde, steht ein schöner St. Johannesaltar. Am 12. Februar 1867 ertheilte Papst Pius IX. für das Fest des h. Johannes und die ganze Oktav hindurch einen vollkommenen Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen. Eine Reliquie des heil. Johannes (ex ossilzus 8. llo- dauvis üsporn.), welche sich in der Kirche befindet, wird am Feste den Gläubigen zum Küssen hingereicht. Auch ist seit Anfang dieses Jahrhunderts eine besondere St. Nepomukanische Andacht in Gebrauch. Das Fest wurde von jeher unter starker Betheiligung der Nachbargemeinden gefeiert; namentlich ist seit Ende der letzten 40 er Jahren der Gebrauch vorhanden, daß dasselbe als ein Wallsahrtsfest von den Gemeinden Uonhkiin, Alzei, Freimersheim, Heimersheim und Weinheim in feierlichen Prozessionen besucht wird. Der Gottesdienst besteht in einer Frühmesse, einem Hochamte und Predigt, welche gewöhnlich von einem Kapuziner ans Mainz gehalten wird, einer Nachmittagsandacht und Prozession, welche mit bm hochwürdigsten Gute durch den Ort gehalten wird. — 428 — Di? Vierzehn-Nothhelferkapelliz zn Gonsenheiin. ine Stunde von Mainz an der Bahnlinie Mainz-Alzey liegt das Dorf Gonsenhcim mit einer Wallfahrtskapelle zu den hh, vierzehn Nothhelfern. Im Jahre 1729 wurde das Dorf Gonsenhcim von einer Viehseuche heimgesucht, welche den größten Theil des Viehes hinraffte. Auch befiel eine ansteckende Krankheit die Einwohnerschaft. Als die Seuche nicht nachließ, machten die Gonsenheimer das Gelöbniß, zu Ehren der heil, vierzehn Nothhelfer eine Kapelle zu bauen. Im Jahre 1720 hatte der Pfarrer Blasius Cäsar zu Ockenheim auf dem Jakobsberge eine Kapelle zu Ehren der 14 Nothhelfer erbaut und war in Folge dessen die Verehrung dieser Heiligen in der ganzen Umgegend verbreitet. Zu diesem nahm also auch die Einwohnerschaft von Gonsenhcim ihre Zuflucht und siehe, sobald sie das Gelübde abgelegt, ließ die Krankheit nach und war bald verschwunden. Der damalige Pfarrer Johann Michael Hassen (1727 —1749) suchte zum Bau der Kapelle die Genehmigung des erzbischöflichen Ordinariates sowie des Domprobstes Carl Emmerich Franz, Freiherr von Breidbach-Bürresheim als Patronatsherr der Gemeinde nach und noch in demselben Jahre wurde an der Stelle, wo der sogenannte „Heiligenbaum" stand, die Kapelle errichtet. Es war dies ein hoher Fichteu- baum, etwa 10 Minuten von Gonsenhcim entfernt, im Walde gegen Bnden- heim hin. Fromme Leute aus Gonsenheiin, Mainz und anderen Orten der Umgegend hatten ihn mit Kränzen, Heiligenbildern u. s. w. geschmückt und pflegten hier gelegentlich eines Spazierganges oder beim Holzsuchen ihre Andacht zu verrichten. Wie das alte Nothhclferbuch von Gonsenheiin berichtet, machten die Pilger Löcher und kleine Nischen in den großen Baum für Bilder und Statuen. Schon während die Kapelle gebaut wurde, war der Andrang der Pilger so stark, daß man von dem ursprünglichen Plane abgehen und dieselbe in größeren Verhältnissen errichten mußte. Bis zum Jahre 1794 wurden die Festtage der einzelnen Heiligen durch Hochamt und Predigt gefeiert, wobei die Pilger zahlreich die h. Sakramente empfingen. Das hochwürdigste Gut wurde an denselben aus der Pfarrkirche in Prozession in die Kapelle gebracht. Jährlich fanden zwei größere Wallfahrten statt: am 3. Sonntag nach Pfingsten und am 9. Oktober, dem Feste des h. Dyonisins. Das alte Nothhelferbuch sagt, daß nicht blos die Festtage der einzelnen Nothhelfer „mit möglichster Solemnität unter einer lieblich lautenden, kunstreichen, in dem höchsten Grade virtuosen Hofmusik und dabei gehaltenen Lobreden und Predigten, auch bisweileu mit Missionsvor- trägen und ernsten Bußpredigten begangen, sondern auch das ganze Jahr hindurch diese Kapelle an dem benachbarten Volke eifrigst besucht werde." — 429 — Wie an anderen Wallfahrtsorten, so bestand auch in Gonsenhcim früher der Gebranch, am Hanptwallfahrtsfeste das Vieh in die Nähe der Kapelle zu treiben, damit es den kirchlichen Segen erhalte. Aus den benachbarten Orten kamen dann die Schüfer mit ihren Heerdcn, welche in einiger Entfernung vor der Kapelle aufgestellt wurden. Die Pferde wurden zuerst um die Pfarrkirche herumgeritten und dann hinaus vor die Kapelle geführt. Nachdem die Gläubigen den letzten sakramentalischcn Segen erhalten, trat der Priester mit dem hochwnrdigsten Gute vor die Thüre der Kapelle, flehte in einem von der Kirche vorgeschriebenen Gebete Gottes Schutz über die Thiere herab und segnete sie zuletzt mit dem heiligsten Sakramente. Am 13. Juli 1753 verlieh Papst Benedikt XIV. für das Haupt- mllfahrtsfest 'einen vollkommenen Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen. Schlimme Zeiten brachen für die Kapelle herein durch die französische Revolution. Nach dem Siege der Franzosen bei Fleurus in Holland am W, Zum 1794 und dem allgemeinen Rückzüge der verbündeten deutschen Truppen rückten die Franzosen abermals gegen Mainz, das sie schon 1792 einmal inne hatten, aber im folgenden Jahre nach einem siegreichen Gefechte unter Anführung des österreichischen Feldherrn Kalkreuth wieder abtreten »mßtcn. Als die Stadt im Oktober 1795 wieder belagert wurde, kampirten die Franzosen unter General Mengaud mit 6709 Mann in und um Gonsenheim. Sie plünderten die Gemeinde aus und viele Häuser wurden zerstört oder arg beschädigt. Einige Franzosen brachen in die Kapelle ein in der Hoffnung, kostbare Sache zu finden. Als sie sich aber getäuscht sahen, steckten sie das Gotteshaus in Brand und verwandelten es, wie Pfarrer Keimer sagt, in einen Steinhaufen. Kaum waren die Franzosen am 18. Oktober 1813 in der großen Völkerschlacht zu Leipzig geschlagen, so dachte man auch daran, die Kapelle wieder aufzubauen. Dazu kam, daß durch die fliehenden Franzosen der Typhus in der ganzen Gegend verbreitet worden und man gegen diese Krankheit Schutz bei den heiligen Helfern in der Noth suchte. Die Opfer sielen reichlich, 1815 begann man den Bau der Kapelle und vollendete ihn 1816. Gegenwärtig wird in dieser Kapelle an jedem Nothhelfertage die heil. Messe gelesen. Nur zweimal im Jahre ist Prozession, am 3. Sonntage »ach Pfingsten und am Feste des heil. Dionpsius, An den Sonntag Nachmittagen ist in der Regel Laiengottesdienst. — 430 — Der Jakobsberg bei Ockenheim. er Bergrücken, welcher oberhalb Bingcn sich nach dem Nahethal hinaufzieht und „Jakobsberg" genannt wird, trägt eine den heiligen vierzehn Nothhelfern geweihte Kapelle, die weither von Wallfahrern besucht wird. Diese Kapelle stammt aus dem vorigen Jahrhundert. Blasius Caesar, ein Mitglied der von dem ehrwürdigen Bartholomüus Ho lzhauser zu Bingen gestifteten Priestergenosfenschaft und Pfarrer znOckeu- heim, erbaute im Jahre 1720 hier eine Kapelle zu Ehren der vierzehn Nothhelfer. Bald wurde dieselben von zahlreichen Wallfahrern besucht, ihre Zahl muß sich jährlich auf viele Tausende belaufen haben. Denn der Erbauer dieser Kapelle meldete bereits in seinem 1749 erschienenen Gebet- und Andachtsbuch zu den heil. 14 Nothhelfern, daß darin täglich, es sei Witterung wie sie wolle, 4 bis 6, oft auch 10 bis 12 hh. Messen gelesen würden. An den eigentlichen Festtagen sei der Besuch so groß, daß man die Pilger und Wallfahrer oft auf 3000 rechnen und hierunter 1200—-IM Communicanten zählen könne. So stand die Kapelle im vorigen Jahrhundert da als ein beliebter und viel besuchter Wallfahrtsort. Da brach die französische Revolution herein und auch dieses Heiligthum mußte unter den schweren Zeiten leiden. Die Gemeinde Ockenheim wurde zweimal gebrandschatzt und die Kapelle konnte nur durch Reparaturen noch einige Jahrzehnte hindurch erhalten werden. So beschloß denn der Pfarrer und Dekan Bendcr, welcher von 1818 bis 1873 das Hirtenamt in Ockenheim segensreich verwaltete, eine neue und geräumigere Kirche auf dem Jakobsberge zu erbauen. Die Baumittel flössen reichlich von allen Seiten zusammen, so daß im Jahre 1857, am Tage des h. Christophorus, durch den Generalvikar und Domdekan Lennig die Grundsteinlegung vorgenommen werden konnte. Im Sommer 1862 wurde die Kirche vollendet und am 25. Juli durch den Bischof von Mainz im Beisein der gcsammten Geistlichkeit des Bingener Kapitels eingeweiht. Seit dieser Zeit wird diese Kirche das ganze Jahr hindurch von Wallfahrern fleißig besucht. Am großen Wallsahrtstage, Sonntag nach St. Jakob, empfangen etwa 600 Gläubige die hh. Sakramente. — Im Jahre 1863 ertheilte Papst Pins IX. besondere Ablässe für die einzelnen Festtage der vierzehn Nothhelfer. Durch freiwillige Beiträge ward es dem genannten, nunmehr verstorbenen Pfarrer und Dekan ermöglicht, im Jahre 1866 auch eine Sakristei und ein Haus für die dienstthuenden Geistlichen neben der Kirche zu errichten. In diesem Jahre wurde auch das Innere der Kapelle durch die Gebrüder Muth von Worms geschmackvoll dekorirt. Die hh. vierzehn Nothhelfer sind in Lebensgröße gemalt und aus Chor und Schiff der Kirche vertheilt. — 431 — Die Sk. Rochuswallfahrt zu Hainhausen bei Seligenstadt. ür die Bewohner der untern Maingegend ist Hainhausen, eine Filiale von Weiskirchen, ein beliebter Wallfahrtsort. Die kleine Gemeinde, welche aus 350 Katholiken mit einer katholischen Kirche besteht, besitzt eine Kapelle zum h. Rochus, welche 1692 gebaut wurde. Am Tage des h. Patrons, auf Kirchweihe und an bestimmten Wochentagen wird in derselben Gottesdienst gehalten. Am 16. August, dem Tage des heil. Rochus pilgerten viele Gläubige hierhin. Im Jahre 1874 sollen an diesem Tage bei 4000 Menschen anwesend gewesen sein, wovon 700 die heiligen Sakramente empfingen. Ohne Gesang, ohne allen äußern Prunk, unter Abbetnng des Rosenkranzes ziehen die Prozessionen zur Kirche. Früher wurde ihnen eine schwarze Fahne vorgetragen zum Zeichen, daß dieses ein Bußtag sei. Jedoch sind die Häuser geziert. Die St. Rochuskapelle bei Krugen. ^er St. Rochusberg bei Bingen, ehedem Eisenberg, auch Hessel- > berg genannt, hatte schon vor dem Jahre 1417 eine Kapelle, welche „Bethlehem" genannt wurde. In diesem Jahre nämlich gestattete Erzbischof Johann von Mainz die Einverleibung derselben mit dem St. Martinusstifte zu Bingen, welches Erzbischof Konrad 1427 bestätigte. Im Jahre 1666 wüthete am ganzen Rheinstrome die Pest. In der Gegend von Bingen zeigte sie sich zuerst in Münster und Aspisheim, weshalb der Magistrat von Bingen am 10. April 1666 anordnete, die Bewohner dieser Ortschaften nicht mehr in die Stadt einzulassen. Aber diese Vorsichtsmaßregel erwies sich völlig wirkungslos, da schon in demselben Monate diese Krankheit auch in Bingen ausbrach und zwar mit solcher Heftigkeit, daß z. B. dem Seilermeister Johann Peter Heuser zwischen dem 25. April und dem 15. Mai sieben Kinder an dieser Krankheit starben. Am 27. Mai befahl der Stadtrath, daß die Todten nach dem Läuten der Salveglocke am Abend nur durch die hierzu bestellten Baccarten oder Jobst- bnider (Mitglieder einer Bruderschaft, die sich die Krankenpflege und Tod- tenbeerdigung zur Pflicht gemacht hatte), ohne Beisein irgend eines anderen Menschen als des zum Vortragen des Kreuzes verpflichteten Hospitalmannes beerdigt werden sollten; die Nachbareu, Verwandten und Freunde sollten auf den nächsten Tag in die Kirche zum Gottesdienste beschieden werden. Am 10. Juli verordnete der Stadtrath, daß der junge Judendoktor gegen ein Jahrgehalt von 100 Gulden, ohne die Belohnung von Seiten der Familien, zum Besuche der Kranken angenommen und ihm der Barbier von Windesheim zur Beihülfe zugegeben werden sollte. Außerdem wurden zwei Wartefranen, die „Eselsfrau" und Hans Mühen Schwiegertochter bestellt und ferner zwei Männer beauftragt, täglich bei den Jobstbrüdern nachzufragen, was der eine oder andere Patient bedürfe, um solches dem Schultheißen anzuzeigen, der das Nöthige herbeizuschaffen habe. Als aber dennoch das Sterben nicht nachließ, gelobte der Magistrat, dem Patron der Pestkranken, dem h. Nochus, eine Kapelle zu erbauen, um durch seine Fürbitte bei dem Herrn über Leben und Tod Abwendung der schrecklichen Krankheit zu erwirken. Das desfallsige Rathsprotokoll vom 17. Juli 1666 lautet: „Herrn Amtsmanns Hochwürden und Gnaden thaten den Vortrag, weil nunmehr ein ehrsamer Rath für sich und im Namen gemeiner Bürgerschaft beschlossen habe, zu Ehren des h. Rochus eine Kapelle auf dem Hessel- berg zur Abwendung grassirender Seuche aufzubauen, so wäre nun eine Nothdurft, dazu eine Anstalt zu machen, weßwcgen zur Jnspection der Arbeiten von Rathswegen depntirt werden Herr Schultheiß, Herr Kauth, Herr Schön und Herr Germersheim; zur Einsammlung aber der gutherzigen Leute Almosen sind von Rathswegen verordnet Herr Bürgermeister Hoes und von der Gemeinde Johannes Ungrehn und Wendel Biehl, die über allen Empfang ein ordentliches Verzeichniß führen sollen." Die Kapelle wurde sofort in Augriff gewonnen und an der Stelle der im Laufe der Zeit verfallenen Bethlehemskapelle errichtet. Im Jahre 1754 wurde zu Ehren des h. Rochus in Bingcn eine Bruderschaft errichtet, welche Papst Benedikt XIV. am L3. November desselben Jahres unter Verleihung verschiedener Ablässe bestätigte. Von Neuem wurde dieselbe bestätigt am 30. Mai 1856 durch Papst Pius IX., welcher die verliehenen Ablässe theils änderte, theils erweiterte. Sie können jetzt in folgender Weise gewonnen werden: 1. Vollkommener Ablaß für Diejenigen, welche am Tage des Eintritts in die Bruderschaft in der Kirche zu Bingen oder in der Rochuskapelle nach Empfang der hh. Sakramente die vorgeschriebenen Gebete verrichten; 2. Vollkommener Ablaß für die Mitglieder in der Sterbestunde ( der sogenannte Sterbeablaß); Z. Vollkommener Ablaß für die Mitglieder am Feste des h. Rochus, wenn dieser auf den Sonntag fällt, sonst am Sonntage darauf, sowie an dem nächstfolgenden Sonntag bei Empfang der hh. Sakramente; — 433 — 4. Sieben Jahre und sieben Quadragenen Ablaß für dieselben am Tage des h. Thomas und des h. Mathias, wenn diese aus den Sonntag fallen, sonst am Sonntage darauf, ferner am 3. Sonntage nach Ostern und am Feste Peter und Paul, wenn dieses auf den Sonntag fällt, sonst am Sonntage in der Oktav, wenn sie an diesen Tagen in den genannten Kirchen reumüthig nach der Meinung des h. Vaters beten. 5. 60 Tage Ablaß für jedes gute Werk, das die Mitglieder reumüthigen Herzens verrichten. Diese Ablässe können auch den armen Seelen im Fegfener zugewendet werden. Mit einer h. Messe, die für einen Sodalen an einem Altare in der Pf arrk irche oder der Rochuskirche gelesen wird, ist der Ablaß, wie mit einer an einem privilegirten Altar gelesenen verbunden. Seit der Errichtung dieser Bruderschaft wurde alle Jahre am Feste des h. Rochus eine feierliche Prozession aus der Pfarrkirche zu Bingen in die Rochuskapelle geführt, wo Hochamt und Predigt abgehalten wurden, bis im Jahre 1795 die Franzosen unweit der Kapelle eine Schanze aufwarfen, von welcher ans sie mit Kanonen die auf der anderen Rheinseite stehenden Oesterreicher beschossen, die ihrerseits die Schüsse des Feindes erwiderten und Thurm und Dach der Kirche zerstörten. Den Rest des Holzwerkes brachen die Franzosen darauf selbst ab, wobei es geschah, daß ein Soldat, welcher ein an der Giebelseite stehendes Kreuz abbrechen wollte, mit demselben herabstürzte und das Genick brach, während ein anderer, der den Schädel eines Rochusbildes gespalten hatte, bald darauf an einer Krankheit in Ockenheim starb. Seit dieser Zeit standen von der Kirche nur noch die Umfassungsmauern und die seither übliche Prozession wurde nur noch einmal im Jahre 1802 (oder 1803) von dem Pfarrer Kassel dorthin geführt, wo dann der Gottesdienst in einem aus Segeltüchern errichteten Zelte an einem Nothaltare abgehalten wurde. Erst im Jahre 1814 dachte man an die Wiederherstellung der zerstörten Kapelle. Die in den Schlachten des Jahres 1813 verwundeten und über den Rhein flüchtenden Franzosen hatten den Lazarethtyphus mitgebracht, welcher sich allenthalben in Bingen verbreitete. Das jetzige Amtshaus war zu einem französischen Lazarethe eingerichtet. Vom 1. November 1813 bis 1. Juni lN4, also in 7 Monaten, starben 323 Soldaten und 210 Bürger. Jede Woche wurden mehrere Prozessionen nach der Rochuskapelle geführt und zugleich beschlossen, die Kapelle wieder herzustellen. Anfangs Mai begann der Bau; viele Bürger legten selbst Hand an und die männliche Schuljugend trug nach beendigter Schulzeit Steine herbei. Ein herrenloses Floß, welches in Bingen gelandet war, wurde ebenfalls zum Baue verwandt. In demselben lpahre wurde von dem Herzoge von Nassau das von der h. Hildegard gegründete Kloster Eibingen aufgehoben und man benutzte diese Gelegenheit, 28 um von dort Altäre, Kirchenstühle, Commionbank und Kanzel anzulaufen. Ein Orgel kaufte man in Wiesbaden für 300 Gulden. Zugleich erlangte man die Reliquien des h. Rupertus nebst solchen der h. Bertha und ihres Kaplans Wigbertus. Auf Maria Himmelfahrt 1814 wurde die Kirche durch den Exdominikaner Jonas aus Mainz eingesegnet und am Rochustage führte sodann der Bischof von Mainz, Joseph Ludwig Colmar, die Prozession von Bingen nach der Kirche. Seit dieser Zeit wurde das Rochusfest jedes Jahr gehalten; bis zum Jahre 1822 am Tage des Heiligen selbst, von dieser Zeit an am darauf folgenden Sonntage. Der bekannte Dichter Goethe war bei dem Feste im Jahre 18i4 zugegen und hat eine ziemlich ausführliche Schilderung desselben verfaßt. Im Jahre 1850 wurde das Fest besonders verherrlicht durch die Anwesenheit des Bischofs Wilhelm Emanuel von Ketteler zu Mainz, welcher die Festpredigt hielt und in der Prozession das hochwürdigste Gut trug. Seit dem Jahre 1863 besitzt die Kirche auch eine Reliquie der heil. Hildegard, eine Rippe aus dem Kloster Eibiugen. Ueber dem Eingange der Kirche steht die Inschrift: Lrbaut 16ö6; verstört 1795; erbaut 1814. Beim Eintritts ins Innere fühlt sich der Beschauer überrascht durch das freundliche Aussehen des Ganzen. Im Chöre sehen wir rechts an der Wand eine Nische; in ihr ruhen die Gebeine des h. Rupertus; man gewahrt Haut unb Sehnen, alles eingetrocknet, aber gut kenntlich; dabei liegt auch das Fläschlein mit dem Wunderblute aus dem Kloster Rupertsberg. Bei diesen Gebeinen befinden sich auch die der heil. Bertha und ihres Kaplans Wigbertus. Das Altarbild im Seitenaltar zur Rechten stellt Scenen aus dem Leben des h. Rupertus dar; hier befindet sich in einem kleinen Schreine das Haupt und ein Fuß des h. Rupertus. Das Altarbild in dem gegenüberliegenden Altar stellt Scenen aus dem Leben der h. Hildegard dar und hier befinden sich, ebenfalls in einem kleinen Schreine, die Rippen dieser Heiligen. Neben der Kanzel hängt ein Bildchen des h. Rochus, ein Geschenk des Dichters Goethe. Laurenziberg bei Gau - Algesheim. /^Mtwa eine Stunde westwärts von Gau-Algesheim und zur Pfarrei dieses Ortes gehörig liegt auf einer Anhöhe eine Häusergruppe, welche Hof Laurenziberg heißt. Bis aus eine Familie sind sämmtliche Bewohner dieses Ortes protestantisch, jedoch finden wir daselbst eine dem heil. — 435 — Laurentius gewidmete katholische Kirche, welche als Wallfahrt stark besucht wird. Vor Alters und zwar schon im achten Jahrhundert war hier eine Pfarrei, welche „Bergen" genannt wurde und Ober-Hilbersheim als Filiale unter sich hatte. Vor der französischen Revolution gehörte der Ort den protestantischen Herren Langwcrt von Simmern, welche behaupteten, dieses Gut von den Herzögen von Zweibrücken als Lehen zu besitzen, während auch Kur- Mainz Anspruch ans die Territorialherrschaft machte. Die gegenwärtige Wallfahrtskirche wurde am 14. September 1730 consekrirt und ist eigentlich der dritte hier errichtete Kirchenbau. Die ursprüngliche Kirche, welche etwa bis zum Jahre 1320 Pfarrkirche war, wurde im 30jährigen Kriege sammt dem von Langwert'schen Gute zerstört. Nach Beendigung des Krieges baute die Familie ihr Schloß wieder auf, sowie Gebäulichkeiten theils für die Hirten und Weinbergsbauern, theils für die vier Beständer, welche sie auf dieses Gut gesetzt hatte. Alle Gutsleute mußten katholisch sein, weil es so im Mainzer Gebiet herkömmlich wäre. Diese Beständer wünschten auch einen Betört zu besitzen und bauten mit Genehmigung des Ordinariates neben der alten abgebrannten Pfarrkirche, da, wo die Scheune des Glöckners steht, aus den Mitteln des ehemaligen Pfarrbeuefiziums ein Kapellchen zu Ehren der hh. Laurentius, Rochus und Sebastianus. Von Zeit zu Zeit, besonders aber wenn pestartige Krankheiten unter Menschen oder Vieh herrschten, kamen aus der Umgegend die Leute herbei, flehten diese Patrone gegen die Pest an und brachten reichliche Opfer dar. Nach einem aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts stammenden Pfarrberichte war der Zulauf wegen der der Kapelle verliehenen Ablässe am St. Laurentiusfeste besonders groß. Dieses war der Hauptwallsahrtstag, aber auch sonst im Jahre kamen viele Gläubigen hierhin, um die Fürbitte dieses Heiligen anzurufen. Deshalb beschloß man, eine geräumigere Kirche zu bauen. Man suchte die Fundamente der alten Kirche hervor, um ssie zum Neubau zu benutzen; der Kurfürst gab dazu 50 Gulden und aus dem Dome zu Mainz wurde der jetzige Hochaltar geschenkt. Auf dem Altare steht eine vom Bischof Wilhelm Emanuel v. Kettler geschenkte Laurentiusstatue; zwei Seitenaltäre erhielt die Kirche 1868 aus St. Christoph. Im vorigen Jahrhundert zog Algesheim dreimal im Jahre in Prozession hinauf, auf Ostermontag, am Montag in der Bittwoche, wo auch die Dromersheimer eintrafen, und am St. Laurentiustage. Am letzteren Tage kamen auch die Ockenheimer. Wie stark damals der Besuch war, geht daraus hervor, daß außer den benachbarten Geistlichen 3 Kapuziner aus Bingen sowie 3 Franziskaner und 3 Karmeliter aus Kreuznach Aushülfe leisteten. Auch jetzt noch gehen dort an dem genannten Tage gegen 600 Gläubige zu 28* — 436 — den hh. Sakramenten. Unterm 28. Aug. 1867 verlieh Pins IX. für diesen Tag und die Oktav einen vollkommenen Ablaß. Im Anfange dieses Jahrhunderts drohte der Kirche der Untergang, da ein Gutsbesitzer dieselbe ankaufen und zu seinen Zwecken verwenden wollte. Jedoch durch die Bemühungen des damaligen Pfarrers Göbel wurde dieses Unheil abgewendet. Mariaborn bei Mainz. echs Kilometer von Mainz entfernt, an der Mainz-AlzeperBahn, liegt das Dorf Marienborn mit 600 Einwohnern. Auf dem Hochaltare der dortigen Pfarrkirche befindet sich ein Marienbild, welches als Gnadenbild verehrt wird. Nur dürftige Nachrichten find über diesen Lrt vorhanden, wir wollen sie in nachstehendem zusammenstellen. Der Ort war früher kleiner und besaß nur eine zu Ehren des heil. Stephanus erbaute Kapelle. Er führte den Namen Born, Burnen, die Bezeichnung Marienborn datirt sich erst von 1550 an. Im Pfarrarchiv heißt es darüber wie folgt: Der Ort sei unter eine anderen Herrschaft gekommen und unter selbiger lutherisch geworden; alle Sonntage habe sich ein Prädikant aus Harx- heim zur Abhaltung des Gottesdienstes eingefunden. Dieser Prädikant habe seinen Glaubensgenossen befohlen, dem Muttergottesbilde keine Verunehrung anzuthun. So habe das Bild jene bilderstürmende Zeit überlebt. Nach einer anderen ebenfalls im Pfarrarchiv vorhandenen Version sei das Bild vor der Reformation auf dem Kirchenfpeicher verborgen gehalten und nachher in einen nächst der Kirche stehenden Brunnen geworfen worden. Deshalb habe man in das Gerichtsiegel einen springenden Brunnen und daneben Maria mit dem Jesukinde sitzend aufgenommen. Das gefundene Bild habe man für wunderthätig gehalten und auf dem Altare aufgestellt. Zugleich sei auch von Vielen bezeugt worden, daß „aus demselben Brunnen geschöpftes Wasser aus guter Intention und Andacht" zur heil. Jungfrau Maria vielen Leuten, so des Wassers gebraucht oder getrunken hätten, wider vielerlei Krankheit heilsam gewesen, ja daß das Wasser an weit entlegene Orte abgeholt, gebraucht und geholfen habe. Im Gnadenbilde ist Maria stehend dargestellt; das Haupt der Gebenedeiten trägt eine Krone, die Rechte das ebenfalls gekrönte Jesukind; ein reich geschmückter Mantel bekleidet Maria und ein solcher auch das Kind, welches in seinen Händchen eine Weltkugel trägt. Der Grundstein zur jetzigen Kirche wurde am 11. Mai 1729 gelegt. In dem Pfarrarchiv ist ein aus neuerer Zeit datirendes Wunder mit folgenden Worten aufgezeichnet: „Im Jahre 1833 auf das Fest der Heimsuchung Mariä wurde während der heiligen Wandlung im Hochamte ein durch Krankheit lange Zeit stumm gewordenes achtzehn bis zwanzig Jahre altes Mädchen von Zahlbach, nachdem es vergebens alle nützlichen Mittel angewendet, plötzlich redend, so daß hier nur wunderbare Wirkung von Oben eine so plötzliche Heilung kann hervorgebracht haben. Den folgenden Samstag darauf kam dieses Mädchen zu mir, um zur Danksagung Beicht und Communion zu verrichten, und erklärte mir in gesunder deutlicher Sprache seine wunderbare wahrhafte Heilung durch eine während der hl. Wandlung wunderbar in sich gehabte Anregung. Daß hier kein Betrug stattgefunden, bin ich moralisch überzeugt, und Ehre darum Demjenigen, der auch noch in unseren frivolen Zeiten seine barmherzige Hände austhut, um zu segnen alle Jene, die auf ihn vertrauen oder durch die Fürbitte seiner hl. gnadenreichen Mutter des Segens und der Gnade Gottes sich würdig machen. . . . . p. t. paroollus 1833. Bodenhvini. odenheim, von Mainz aus die zweite Station der Bahnlinie Mainz-Worms, besaß früher oberhalb des Dorfes eine Kapelle mit drei Altären. Diese Kapelle war zu Ehren der Muttergottes erbaut und hieß gewöhnlich die Kapelle der Muttergottes in Oberdorf. Wer diese Kapelle erbaut oder gestiftet hat, ist unbekannt, doch stand dieselbe schon vor l271, da in diesem Jahre Abt Konrad von St. Alban auf dringendes Bitten der Ortseinwohner eine Meßstiftung in derselben machte. Hier besaß die Abtei St. Alban viele Güter. In Folge von Kriegen gerieth die Kapelle in Verfall. Deshalb ließ Friedrich Melchior, Graf von Schönborn, Propst des Ritterstiftes St. Alban und als solcher zugleich Ortsherr „zur großen Freude seiner Unterthanen" auf seine Kosten die Kapelle wieder herstellen, wobei der Ortsgeistliche durch Sammlung milder Gaben treu mithals. Die Einsegnung der Kapelle geschah am 22. November 1742. Zum Unterhalt des Baues schenkte er 1000 Gulden und zur Dotirung einer Altaristenstelle 5000 Gulden sammt Haus mit Garten und 2^ Morgen Weinberg. Auch erwirkte er in Rom einen vollkommenen Ablaß, der jährlich am 2. Juli gewonnen werden konnte. Seitdem hieß dieser Wallfahrtstag auch Ablaßtag. t — 438 — Von dieser Zeit an hob sich die Wallfahrt immer mehr. Täglich fand nunmehr die Feier einer h. Messe statt, jeden Samstag Abend war Salveandacht und an den Nachmittagen aller Marienfeste Rosenkranzandacht. Am 24. November 1743 erhielt der Pfarrer die erzbischöfiiche Erlaubniß, daß am 2. Juli jährlich eine sakramentalische Prozession und Hochamt gehalten werden durfte. — Am 5. Juli 1746 kam der Kurfürst Johann Friedrich Karl von Ostein hierhin, um die Kapelle und ihre Umgebung in Augenschein zu nehmen. Die Schuljugend und die Gerichtspersonen empfingen den Landesfürsten an der Grenze, die Ortsbürgerschuft bildete Spalier durch sämmtliche Gassen bis zum Pfarrhof, wo der hochwürdigste Herr abstieg. Der genannte Propst Friedrich Melchior zeigte seine besondere Vorliebe zu diesem Orte auch dadurch, daß er sich in der Pfarrkirche vom Weihbischof Christoph Nebel am 4. April 1747 zum Priester weihen ließ und am 9. April 1747 in ihr seine Primiz feierte. Später las er oft die h. Messe daselbst. Dann kam er aus der Stadt geritten und wenn ihn dann die Feldarbeiten sahen, gingen sie zur Kirche, um seine Messe zu hören. Er veranlaßte auch den Weihbischof zur feierlichen Consecration der Kapelle, welche am 8. Oktober 1747 vor sich ging. Das Kirchweihfest der Kapelle wurde sodann am zweiten Oktobersonntage gehalten. Die Kapelle ward von Pilgern so stark besucht, daß beim Ablaßfeste 10 bis 20 Priester als Beichtväter, Prediger u. s. w. thätig waren. Die aushelfenden Geistlichen waren meistens Ordenspriester (2 Augustiner, 2 Karmeliter, 2 Dominikaner, 2 Franziskaner, 2 Kapuziner) und die Pfarrer aus der Nachbarschaft. Das Marienbild stellt die Muttergottes stehend dar und zwar auf dem Halbmonde; auf dem linken Arme trägt sie das Jesukind, welches die Weltkugel auf dem Schooße hält. Sowohl Maria als das Jesukind trägt eine Krone, sie ist also als Himmelskönigin dargestellt. Das Bild ist aus Holz geschnitzt und ein Erzeugniß des späteren Mittelalters. Im Jahre 1794 wurde die Kapelle durch die Franzosen theilweise zerstört und 10 Jahre später niedergerissen. Das Gnadenbild wurde in die Pfarrkirche gebracht, wo es sich an dem das Chor von der Kirche trennenden Mauertheil befindet: Seit 1860 wird der Wallfahrtstag am 2. Juli gehalten, nachdem derselbe 40 Jahre lang auf den nächstfolgenden Sonntag verlegt worden war. — 439 — Sörgenloch. icht weit von der Eisenbahnstation Nieder-Olm liegt das zu Zornheim gehörige Filialdorf Sörgenloch mit einer Wallfahrtskirche. Auf dem Hochaltare dieser Kirche, deren Schiff älter als die gothische Choranlage ist, befindet sich seit alter Zeit ein Gnadenbild, welches Maria mit dem Jesukinde vorstellt. Ueber dieses Bild haben wir folgende Ueberlieferung: Zur Zeit eines Krieges, in welchem der Ort und die Umgegend manche Drangsalen zu erdulden hatte, trugen einige Männer zur Nachtszeit das Bild aus der Kirche, um es durch Vergraben gegen böswillige Hände zu sichern. Nach beendigtem Kriege kamen die geflüchteten Bewohner zurück, aber jene, welche das Bild vergraben hatten, waren inzwischen gestorben, ohne über das Versteck Jemanden Mittheilung gemacht zu haben. Hierüber waren die Bewohner von Sörgenloch sehr betrübt und inbrünstig flehten sie zn Gott, er möge ihnen doch zur Auffindung des Gnadenbildes verhelfen. Ihr Gebet war nicht vergebens. Bald erzählte einer, dann mehrere, sie hätten am Abende im Wiesengrunde glänzende Lichtstrahlen gesehen, die aus der Erde hervorströmten, sich in der Luft verbreiteten und dort eine glänzende Wolke bildeten, auf welcher Maria mit dem Jesukinde erschienen sei. Die Erscheinung habe etwa 5 Minuten gedauert und während derselben hätten sie liebliche Töne wie Engelsstimmen vernommen. „Dort ist unser Bild!" rief Jeder mit Freuden aus. Mit Gebet und Gesang zog die ganze Gemeinde mit dem Geistlichen an der Spitze nach dem Orte hin, wo die Erscheinung stattgefunden hatte. Man grub nach, fand das Bild und brachte es unter Freudengesängen in die Kirche zurück. Seitdem heißt bis auf den heutigen Tag die Umgebung, wo das Bild vergraben war, die heilige Wiese und noch lange nachher besuchte man aus Dankbarkeit diesen Ort. Hatte man schon früher das Gnadenbild hoch verehrt, so stieg diese Verehrung noch dem wunderbaren Auffinden desselben noch viel höher. Mit jedem Jahre mehrte sich die Zahl der Wallfahrer und besonders am 8. September (Mariä Geburt), welches der Hauptwallfahrtstag war, strömten von nah und fern die Gläubigen hinzu. Wie viele Gebetserhörungen und Gnaden aber den frommen Christen hier zu Theil wurden, bezeugten die Votivtafeln, die Krücken, die silbernen Herzen und andere Weihegeschenke, womit das Bild und seine Umgebung noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts geschmückt waren, die aber in der französischen Revolution entwendet wurden. Als die Franzosen gegen Ende des vorigen Jahrhunderts in die Pfalz eindrangen und' man für das Gnadenbild fürchtete, trugen einige fromme Männer (es war im Jahre 1793) das Bild abermals hinab in die Wiesen, 'n die Nähe der sogenannten Steinrossel und begruben es dort. Als sie — 440 — das Bild zur Nachtzeit an den damals anwesenden feindlichen Soldatm vorübertrugen und einer dieser wackeren Bürger sagte, dies sei gefährlich, rief der alte Gerichtsschreiber, der Lehrer Lorenz Schreiber: „Nur muthig voran, wir stehen ja unter dem Schutze der lieben Mutter Gottes," und wirklich kamen sie glücklich hindurch. Der damals anwesende französische Sergeant kam am Tage darauf in die Kirche. Man hatte an die Stelle des Gnadenbildes ein anderes Muttergottesbild hingestellt. Er ahnte die Täuschung und drohte mit den größten Strafen, wenn man nicht das wahre Bild, das man hier so sehr verehre und die beiden silbernen Kronen herbeischaffte, denn es müsse dieses Bild zerstört werden. Es blieb jedoch bei der Drohung. — Nachdem die Feinde abgezogen waren, wurde auch das Gnadenbild zur größten Freude der Ortsbewohner wieder an seinen früheren Platz im Hochaltar gebracht. Da das Gnadenbild hohl und aus röthlich gebrannter Thonerde angefertigt ist, hatte es theils durch sein Alter, theils durch das zweimalige längere Begrabensein, sowie durch das Hin- und Hertragen viel gelitten. Sowohl aus diesem Grunde, als weil solches früher allgemein üblich war, hatte man das Gnadenbild mit einem Kleide umgeben und sich so daran gewöhnt, daß Viele glaubten, es sei nur ein Brustbild und keine ganze Statue. Viele staunten deshalb, als man 1857 das Kleid wegnahm und nun das ganze Bild, Maria in sitzender Stellung mit dem Jesukind auf dem Schooße erblickte. Als man es herunter nahm, fand sich, daß zwei größere Stücke sich vom unteren Theile losgelöst hatten. Ein Bürger aus Sörgenloch stellte das Bild wieder her und zwar genau in der Form und den Farben, welche das Bild ursprünglich gehabt hatte. Am 5. März 1862 bewilligte Papst Pius IX. allen denjenigen, welche am Feste Mariä Geburt in der Marienkirche zu Sörgenloch nach würdigem Empfang der hh. Sakramente der Buße und des Altars nach der Meinung des h. Vaters ein Gebet verrichten, vollkommenen Ablaß, welcher auch den armen Seelen im Fegseuer zugewendet werden kann. Sternbach bei Wirkstadt. ^Kn der Provinz Oberhessen, zwei Stunden nordöstlich von Fried- berg und eine Viertelstunde von dem katholischen Pfarrorte Wickstadt liegt mitten im Walde die Wallfahrtskapelle zur heiligen Jungfrau in Sternbach. Sternbach, auch Sterrenbach geschrieben, früher ein Dorf, ging angeblich in Folge verheerender Kriege unter. Die ehemalige Pfarre Stern- — 441 — bach war dem Kloster Arnsberg einverleibt, welches hier bedeutende Besitzungen hatte. Ritter Heinrich von Wickstadt und seine Gemahlin Kuni- gunde hatten nämlich 1231 ihre Erbgüter zu Wickstadt und ihre Lehengüter zu Sternbach dem Kloster Arnsberg geschenkt, wozu in demselben Jahre ein Geschenk von Wiesengrüudcn kam, welche die Pfarrleute von Wickstadt und Sternbach dem Kloster für Erbauung einer Kirchhofsmauer überlassen hatten. Noch andere Güter schenkten demselben Kloster die Edlen Ludwig I. von Jsenburg und Wernher von Bellcrsheim. Noch 1545 wurde hier ein Markt gehalten. Bei Beginn dieses Jahrhunderts kamen diese Klostergüter durch die Säkularisation an das gräfliche Haus Solms, dessen Linie Solms- Rödelheim die Liegenschaften von Sternbach und Wickstadt im Betrage von 1200 Morgen Wald und 2200 Morgen Feld und Wiesen erhielt. Anfangs der zwanziger Jahre löste sich die Gemeinde auf und wurde zu einer bloßen Domaine des neuen Herrn. Die alten Pächter wurden in Folge dessen arm. Von dem ausgegangenen Dorfe steht nur noch die Kirche. Nach einer an der Außenseite des Chores befindlichen Inschrift ist dasselbe 1455 erbaut; der übrige Theil der Kirche ist neueren Ursprungs. Den Thurm hat vor ungefähr 100 Jahren der Blitz zerstört. Auf dem Altare der Kapelle und zwar in einer Drehnische, welche bei Wallfahrten umgewendet wird, befindet sich ein kunstvolles aus Holz geschnitztes Gnadenbild der Gottesmutter. Sie ist als Himmelskönigin dargestellt mit der Krone auf dem Haupte und dem Scepter in der Rechten. Auf dem linken Arme hält sie das ebenfalls gekrönte Jesukind. Die Altarnische und das Bild umgibt ein schön gearbeitetes Eisengitter, welches zum Schutze dienen soll, da die Kapelle einsam im Walde liegt. Vorher befand sich das Bild in dem neben stehenden Heiligenhäuschen und wurde bei Gelegenheit der Restauration der Kapelle in dieselbe übertragen. Ehemals zogen viele Wallfahrer zu dieser Kapelle. Jedoch auch jetzt noch wird dieselbe, besonders von den Einwohnern von Jlbenstadt, Rockenberg, Obermör/en und Oppershofen fleißig besucht. Am Mariä-Himmel- fahrtstage empfangen etwa 300 Gläubige die hh. Sakramente. Die Liebseauenhaidtz bhi Klein - Krotzenburg. icht weit von Seligenstadt, am linken Ufer das Main, liegt in einer Ebene von Wald umgeben das Pfarrdorf Klein-Krotzen- burg. In dessen Nähe befindet sich die Wallfahrt Liebfraucnheide, auch kurz Frauenheide genannt. Ueber die Entstehung dieser Wallfahrt wird Folgendes berichtet: ' » — 442 — Bald nach dem 30jährigen Kriege fand ein frommer Hirte aus Klein- Krotzenburg in einem Eichbaume des benachbarten Waldes ein Bild der schmerzhaften Gottesmutter. Er theilte dies feinen Nachbaren mit und diese eilten zu der Stelle hin und fanden Alles so, wie der Hirte ihnen gesagt hatte. Bald aber erkannte man auch, daß dieses das Gnadenbild sei, welches in der Kirche des ausgegangenen Dorfes Dreckhausen früher verehrt wurde. Beim Anrücken der Schweden nämlich, welche angeblich den Ort Dreckhausen in Asche legten, soll ein frommer Einwohner das Bild aus der Pfarrkirche in den Wald geflüchtet haben. Bald trat der Wunsch hervor, an der Stelle, wo das Bild gefunden worden, eine Kapelle zu errichten. Ein aus Frankreich gebürtiger, aber hier ansässiger Maun übernahm es, in der Umgegend das Geld für den Bau zu sammeln. Darauf wurde nun die Kapelle mit einem Marienaltar so gebaut, daß sie die Eiche mit dem Gnadcnbilde umschloß. Die Wallfahrt zu dem Gnadenbilde ward bald allgemein und breitete sich immer mehr aus. Bis Coblenz rheinabwärts und bis Frankreich hinauf besuchten die Pilger am Dreifaltigkeitssonntag, und an Himmelfahrt Maria den gnadenreichen Ort. Viele Krücken und Gnadenbilder zeugten von den wunderbaren Gebetserhörungen, welche Maria hier den Flehenden erwiesen. Einst kam eine größere Prozession, die Mainzer genannt, weil sich an diese alle rheinabwärts Wohnenden anschlössen. Unter ihnen befand sich eine von langjährigem Gichltleidenübel zugerichtete Frau, welche ihren siechen Körper mühsam auf Krücken hinschleppte. Kaum am Gnadenbilde angelangt, warf sie die Krücken von sich, denn sie hatte den vollen Gebrauch ihrer Glieder wieder erlangt. Im Jahre 1756 wurde inKlein-Krotzenburg an Stelle der baufälligen Pfarrkirche eine neue erbaut. Besondere Umstände veranlaßten die Ueber- tragung des Gnadennbildes in das neue Gotteshaus. Es sollen nämlich bei der alten Kapelle Mißbräuche sich eingeschlichen haben, deshalb wurde sie abgebrochen und an ihrer Stelle ein Kastanienbaum gepflanzt. Der Tag der Uebertragung war für die Umgegend ein Festtag. Nach Aussage der Theil- nehmer sei es rührend gewesen zu sehen, wie dem Gnadenbilde ein mit den Krücken und Votivtafeln beladener Wagen folgte. Aber auch die ehemalige Andachtsstätte verfiel nicht ganz in Vergessenheit. Immerfort pilgerten fromme Marienverehrer aus der Umgegend an schönen Sonntagen nach der Lieb- frauenhaide. Zwar zierte ein anderes Bild der Muttergottes die Kastanie, aber die Stätte stimmte noch immer zur Andacht. Nach der Ueberführung des Gnadesbildes in die Pfarrkirche wurde die Wallfahrt so stark, daß oft zwanzig Beichtstühle die Pfarrkirche umgaben und für 60 bis 80 Gulden Wachs geopfert wurde. Die Benediktiner von Seligenstadt und besonders die Carmeliter aus Frankfurt leisteten thätige Aushülfe. Als aber diese Herren weggestorben waren und der Pfarrer Schmitt allein dem Andränge nicht genügen konnte, minderte sich der Zulauf sehr, obgleich die Wallfahrt nie ganz aufhörte. Jährlich kam eine sehr starke Prozession aus dem Taunus, gewöhnlich Bommersheimer Prozession genannt, zu Schiffe hierhin; einst soll ein lahmes Mädchen bei dieser Prozession gewesen sein, welches nachher springend und singend nach Hause zurückgekehrt sei. Die Orte, welche sich heutzutage an der Verehrung des Bildes hauptsächlich betheiligen, sind: Froschhausen, Zellhausen, Seligenstadt, Steinheim, Stockstadt, Ober-Roden, Somborn, Freigericht und das entfernte Albstadt. In neuerer Zeit wurde der Entschluß gefaßt, an Stelle der alten Kapelle eine neue zu errichten. Am Dreifaltigkeitssonntage 1868 wurde diese durch den Generalvikar Dr. Heinrich von Mainz zur Freude der ganzen Umgegend eingeweiht und das Gnadenbild dahin übertragen. Alle Jahre findet viermal eine Wallfahrt zur Kapelle statt und zwar auf Mariä Heimsuchung die sogenannte große Wallfahrt, wobei Morgens Amt und Predigt, Nachmittags Predigt und Andacht gehalten wird; ferner auf Dreifaltigkeitssonntag, Märiä-Himmelfahrt und am Sonntag der Sieben Schmerzen (3. Septembersonntag); an diesen drei Tagen ist Nachmittags Predigt und Andacht. Das Gnadenlnld Nns^rW Lieben Frau in der Vorstadt Worms. ^n der Vorstadt von Worms, welche sich nach Mainz hin aus- Mdehnt, ragt die weithin sichtbare Marienkirche vor allen anderen Gebäuden hervor und ladet die Gläubigen ein zu andächtigem Gebete. An der Stelle dieser Kirche muß schon in alter Zeit ein Gotteshaus gestanden haben. Man hat nämlich in dem die Kirche umgebenden Boden christliche Grabsteine mit Inschriften aus dem 6. und 7. Jahrhundert gefunden und da unsere Vorfahren ihre Verstorbenen nur an geheiligter Stätte zu beerdigen pflegten, so darf man daraus schließen, daß hier in der alten Vorstadt sich ein christliches Heiligthum befand. Als Kaiser Heinrich II. sich am 6. März 1606 in Ladenburg am Neckar aufhielt, bestätigte er dem Bischöfe Burkard I. von Worms alle Freiheiten, Gerechtsame und Besitzungen, welche durch die Freigebigkeit und den frommen Sinn der Fürsten und des Volkes in früheren Jahrhunderten der Wormser Domkirche zuertheilt waren. Sodann schenkte er von seinem Eigenthum in Worms dem Dome „eine Kirche, gelegen in der Vorstadt Worms." Da für die Zukunft das Recht, die Kaplaneistelle an der Liebfrauenkirche zu besetzen, dem Domstifte, speziell dem Dompropste von Worms als Archidiakon zustand, so schließt man da- — 444 — raus, daß die von Kaiser Heinrich geschenkte Kirche an der Stelle der jetzigen Marienkirche gestanden hatte. Im 13. Jahrhundert ward der Neubau einer Kirche nothwendig, da aber der Kirchenfond die nöthigen Geldmittel nicht besaß, so bewilligten die Bischöfe Friedrich von Speier, Berthold von Würzburg und Berthold von Bamberg auch für ihre Diözesen eine Kollekte zu diesem Zwecke und ertheilten zugleich Ablässe für die Geschenkgeber. An dieser Marienkirche errichtete sodann 1198 der Bischof Emicho von Worms ein Stift von 29 Priester. Aus dieser Zeit stammt wohl das noch stehende schöne Portal, welches den Eingang zum Gotteshause bildet. Im Bogenfclde desselben sehen wir in edler Ausführung den Tod der allerheiligsten Jungfrau. Die Apostel stehen betend und fegend an dem Sterbebette. In den Hohlkehlen des Portals tragen die Konsolen verschiedene Figuren, welche sinnreich das Gleichniß der klugen und thörichten Jungfrauen darstellen. Auf der einen Seite stehen die fünf klugen Jungfrauen, die in ihren Händen die Lampen aufrecht halten, während die thörichten auf der anderen Seite die ihrigen abwärts wenden. In der Spitze des Bogens erscheint der himmlische Bräutigam in Begleitung mehrerer Engel. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts beschlossen der Rath und die Bürgers chaft von Worms, an Stelle der alten eine größere Marienkirche zu erbauen. Ein im nördlichen Seitenschiffe angebrachter Stein bekundet, daß diese neue Kirche, wie sie jetzt noch steht, im Jahre 1498 geweiht wurde. Das Fest der Kirchweihe beging man später am ersten Sonntage nach St. Peter und Paulstag. Die Höhe der Schiffe, das langgedehnte Chor, die Länge des ganzen B aues und die Thürme mit den Steinhelmen zeichnen diese Kirche des spätgothischen Sriles vortheilhaft vor anderen Kirchen derselben Zeit aus. Beim Eintritt in die Kirche findet man sich noch mehr überrascht durch die Schönheit des Ganzen wie der einzelnen Theile. Vorzüglich schön ist der innere Chorumgang. Das Gewölbe des Mittelschiffs ist zwar etwas gedrückt, aber man erkennt über dem jetzigen Gewölbe die Kapitäle und Ansätze für ein höheres Gewölbe. Eine unter der südlichen Thurmhalle befindliche Darstellung der Grablegung Christi rührt aus der Zeit dieses Baues her. In neuerer Zeit wurde die Kirche besonders durch die Bemühungen des Pfarrers Reuß an St. Martin restaurirt. Es ist klar, daß bei den stürmischen Zeitereignissen auch die Liebfrauenkirche manche widrigen Schicksale zu erdulden hatte. Bei dem Abfalle vom alten katholischen Glauben im 16. Jahrhunderte erkaltete auch bei Vielen die Andacht zu Maria. Jedoch die Einwohner des Wormser Gaues blieben ihrer alten Religion treu. Besonders ist dieses den Bemühungen der Kapuziner zu verdanken, welchen der Bischof Georg Anton im Jahre 1637 die Amanduspfarrei übertrug. Später siedelten sie sich in der Nähe des Lieb- — 445 — srauenstiftes an, um bei der Wallfahrt Aushülfe zu leisten. Sie erhielten 1642 durch Vertrag mit dem Stifte zwei Klosterwohnungen mit der Kapelle zum h. Jodokus, die am Eingange zum Kreuzgange der Kirche erbaut war. Jedoch viele Verfolgungen mußten die Kapuziner sowohl von der protestantischen Bevölkerung als von der protestantischen Besatzung erdulden. Die Schweden entweihten nicht nur die Kirchen, sie geboten auch unter Androhung schwerer Strafen, daß kein Kloster- oder Weltgeistlicher die Straße betreten dürfe. So lebten die Kapuziner 6 Wochen lang in ihrer Wohnung wie in einem Kerker eingeschlossen. Einer von ihnen, Pater Kilian, wagte sich jedoch in die Stadt und gelangte in den Dom, wo er Tag und Nacht verblieb, um zur rechten Zeit auf der Kanzel zu stehen. Da die Kapuziner in ihrer Noth keine Lebensmittel mehr hatten, baten sie flehentlich auf den Knieen den schwedischen Kommandanten, aus der Vorstadt in die Stadt und zwar in das leerstehende Haus des Propstes von St. Andreas ziehen zu dürfen, was dieser ihnen auch gestattete. Dort lebten sie nun einige Zeit hindurch und übten die Seelsorge für die katholischen Einwohner der Stadt aus, denn die übrige Geistlichkeit war aus der Stadt geflüchtet. Pater Kilian setzte seine Predigten unerschrocken fort und da er im Umgange stets voll Freundlichkeit und Wohlwollen war, so gewann er nicht nur die Zuneigung seiner Glaubensgenossen, sondern auch der Schweden, die seine Predigten häufig besuchten. Dadurch vermochte er es nun auch, die Liebfrauenkirche von dem Untergange zu retten. Diese sollte nämlich zu einem festen Bollwerk umgewandelt, mit Mauern und Graben umgeben werden. Aber Pater Kilian ließ mit Bitten nicht nach, bis er die Schweden von ihrem Vorhaben abwendig gemacht hatte. — Nachdem die Patres 10 Jahre in der Andreaspropstei gewohnt hatten, siedelten sie sich wieder in der Amanduspfarrei an. Wiederum kam die Kirche in Gefahr, als die Franzosen die Pfalz und die Stadt Worms einäscherten. Das Kapuzinerkloster wurde auf Bitten des Pater Hyacinth vor dem Untergange bewahrt, während die Liebfrauenkirche in Feuer aufging. Ein gottloser Soldat warf die heiligen Hostien auf den Boden der brennenden Kirche, welche die Kapuziner ehrfurchtsvoll aufhoben und in ihrer Sakristei aufbewahrten. Am 30. Mai 1690 mußten die Kapuziner Worms verlassen; nur drei Priester mit neun Laienbrüder durften bleiben und die Seelsorge für die Katholiken ausüben. Die Stiftsherren flüchteten das Gnadenbild nach Mainz, wo es in der Marienkapelle der Kapuziner der Verehrung der Gläubigen ausgestellt wurde. Solches geschah 1690. Zwei Jahre darauf brannten in Folge französischer Brandstiftung Chor, Sakristei und einige Zimmer im Kapuzinerkloster ab, nachdem die Franzosen anfangs Mai dieses Jahres die Liebstaumkirche zu einem Castell umgewandelt hatten. Im Juli desselben Jahres belagerten die Deutschen die Kirche, bei welcher Gelegenheit die Franzosen — 446 — Feuer in die Jodokuskirche der Kapuziner schleuderten. Den Convcnt retteten die Patres durch Löschen. Die Kapuzinerkirche wurde 1762 wieder hergestellt und weil die Licb- frauenkirche nicht in dem Stande war, daß in derselben Gottesdienst gehalten werden konnte, wurde das Gnadenbild, welches sich bis dahin in Mainz befand, auf einem Seitenaltar der Kapnzinerkirche aufgestellt. Drei Jahre lang wurde vor demselben nach der Vesper der Rosenkranz gebetet und so die Andacht in den Gläubigen allmählich wieder geweckt. In der französischen Revolution wurde die Kapuzinerkirche abgebrochen und das Kloster kam in andere Hände. Die Liebfrauenkirche wurde zum Heumagazin benutzt, bis es dem Pfarrer Winterholler 1816 gelang, sie wieder zum Gottesdienste herzurichten. Das Gnadenbild, welches sich jetzt auf dem Hochaltare befindet, ist aus Holz geschnitzt. Es ist von einem Meister der fränkischen Schule angefertigt und stellt die allerseligste Jungfrau dar, wie sie das göttliche Kind auf dem linken Arme trägt, während ihre linke Hand dessen Füße stützt. Maria selbst, als Königin des Himmels, trägt die Krone über einem Haupt und Körper umwallenden Schleier. Im Jahre 1724 war in der Marienkirche eine neue Bruderschaft, die Marianische Liebsversammlung, errichtet worden. Sie ließ ein Bruder- schastsbüchlein drucken, betitelt: „Marianischer Wunderbaum, das ist eine kurze, gründliche und ordentliche Erzählung der approbirten Wunderzeichen, welche Gott durch die gnadenreiche Fürbitte seiner jungfräulichen Mutter bei ihrem Gnadenbilde zu Worms zu wirken sich gewürdiget hat." Auf 166 Seiten theilt das Büchlein 70 bis zum Jahre 1700 vorgekommene wunderbare Gebetserhörunosen mit. Aus diesem Büchlein ergibt sich, daß Hohe und Niedere, Christen jeden Alters und Geschlechtes, bis nach Flandern zu in den verschiedensten Anliegen zu dem Gnadenbilde in Worms ihre Zuflucht nahmen. Solches bezeugten auch die Krücken, Wachsbilder und Vo- tivtafeln, welche sich in der Kirche befanden. Unter die besonderen Verehrer gehört auch der Wormser Bischof Hugo Eberhard aus der gräflichen Familie der Cratz von Scharfenstein (1654 bis 1663). Als die Leiche des auf dem Reichstage zu Regensbnrg gestorbenen Bfichofs nach Worms gebracht wurde, zogen ihm der Klerus und der Magistrat der Stadt entgegen. Sein Leib wurde nach seinem Wunsche in der Liebfrauenkirche beigesetzt und die Grabschrift lautet: „Bor diesem Altare der heiligsten, mirakulösen Jungfrau Maria, welche er sich im Leben wie im Sterben als gnädigste Fürbitterin erwählte, wollte beerdigt sein Hugo Eberhard, ehemals Bischof von Worms, Propst zu Trier, nun Staub und Speise der Würmer. Stehe still, Wanderer, lies; zuletzt noch rede ich^dich an: bete, daß ich mich der ewigen Seligkeit erfreue. Lebe wohl!" — 447 — Der Frankfurter Kaufmann und Rathsherr Jakob Heller bestimmte 1519 in seinem Testamente, daß auf seine Kosten nach seinem Tode ein ehrbarer Mann eine Wallfahrt nach Rom machen und dort die Hauptkirchen andächtig besuchen, dann auf der Rückkehr Loretto, Einsiedeln und andere Wallfahrtsorte besuchen solle, und zwar unsere liebe Frau zu Hirzenhain in Lberhessen, Liebfrauen in Worms und Aachen. An jedem Orte solle Messe und Requiem gehalten werden. Eine Bürgersfrau von Wiesbaden verordnete 1S15 in ihrem Testamente, „ihr ehelicher Hauswirt soll etliche Wallfahrten usrichten, mit Namen: zu unser l. Frauen zu Ach, zu S. Annen zu Douren, item zu unser l. Frawen zu Lahnstein; item zu S. Annen und zu unser l. Frawen zu Bechthepm und zu Worms; item zu S. Philipps zu Zell; item zu h. Crutz bei Meintz und an andere mehr." An Abbildungen des Marienbildes sind folgende bekannt: das älteste in Kupfer gestochen und hat die Inschrift: sauEta OsU ZsuItrlX Eorous, vorNatlas (Heilige Gottesgebärerin, Krone von Worms). Die zweite Abbildung findet sich in dem schon genannten Bruderschaftsbüchlein. Eine dritte Abbildung finden wir in dem 1766 und 1788 zu Köln erschienenen Wallfahrtsbüchlein: „Die Hand des Herrn" und ein viertes in dem Wall- sahrtsbüchlein: „Marianischer Gnadenfluß". Das h. Kreuz zu Klein - Steinhenn. m Ufer des Main, zwei Kilometer von Hanau entfernt, an der Bebra-Frankfurter Eisenbahn liegt das Dorf Klein-Steinheim, gegenwärtig Filiale der Pfarre Groß-Steinheim. In der kleinen, dem heil. Nikolaus gewidmeten Kirche befindet sich eine schöne Darstellung des gekreuzigten Heilandes, welche weit und breit große Verehrung genießt. Langes Haar fällt vom Haupte herab, die Gliedmaßen sind schlank gestreckt darge- gestcllt; das dorngekrönte Kanpt neigt sich rechts; reichliches Blut stießt über den Körper. Die eigentliche Veranlassung der besonderen Verehrung dieses aus dem ts. Jahrhundert stammenden Kreuzbildes kennen wir nicht, wir müssen hier uns auf sagenhafte Berichte beschränken. F. Aloysius Möhrlcin, Benediktiner und Professor in Seligenstadt, Pfarrer in Steinheim, sagt in seinen: 1747 erschienenen Büchlein „Verehrung des wunderthätigen Kreuzbildes U. H. I. Chr. zu Nieder-Steinheim", das Kreuz sei 1369 bei dem Einscharren einer dreimal abgestoßenen und wieder angeschwommenen Leiche in dem Boden ge- — 448 — funden worden. Da das Bild offenbar aus späterer Zeit stammt, so ist diese Ansicht irrig. Am 21. Oktober 1449 bestimmte Erzbischof Kurfürst Theoderich von Mainz , die Gerechtsame der Mutterkirche zu Klein-Steinheim sollte von nun an in die neuerbaute Kirche des befestigten Ortes Groß-Steinheim übertragen werden. Bei dieser Gelegenheit brachte der Ortspfarrer Konrad Betz das Kreuzbild in die neue Kirche. Nun berichtet die Sage, am Sonnabend vor Kreuzerhöhung haben die Glocken in der Kirche von Klein-Steinheim von selbst geläutet, worauf die Einwohner hineineilten und das Gnadenkreuz wieder an seiner alten Stelle erblickten. Von nun an habe sich die Verehrung des heiligen Kreuzes gesteigert, in Folge dessen ein besonderer Geistlicher für den Dienst des Kreuzaltars angestellt und befohlen wurde, das Kreuz stets an diesem Ort zu belassen. Im Jahre 1507 gelobte die Pfarrgemeinde Groß-Steinheim, zur Abwendung von Hagel, Frost und anderen schlimmen Zufällen am Kreuzerfindungstage eine feierliche Prozession nach Klein-Steinheim abzuhalten, was Erzbischof Uriel von Gemmingen am 9. September 1511 bestätigte. Bei der Prozession solle das hochwürdigste Gut von der Mutterkirche zur Kapelle nach Nieder-Steinheim und nach Amt und Predigt wieder zur Pfarrkirche zurückgetragen werden. Sodann sollen die Priester, der Bürgermeister und zwei Baumeister (Kirchenvorstände) von Steinheim, sowie der Baumeister des h. Kreuzes und der Schultheis von Nieder-Steinheim sammt Schulmeister, so bei der Prozession zugegen waren, sich in den Pfarrhof begeben und dort ein durch den Baumeister des heil. Kreuzes bestelltes „ziemliches Nefektions- oder Mittags-Jmms" einnehmen. Bei dieser Prozession wurde außer den gewöhnlichen, jetzt noch üblichen Gaben an Geld und Wachs auch Hühner, Tauben und Eier geopfert, welche letztere dem Pfarrer zufielen. Zu diesem Feste der Kreuzerfindung kamen früher in Begleitung ihrer Seelsorger die Pfarrgemeinden von Lämmerspiel, Bieber, Mühlheim, Bürzel, Heußenstamm, Weißkirchen, Nieder-Roden, Groß-Auheim, Dieburg, Alpenau, Samborn u. s. w. Seit unbestimmter Zeit geht auch aus Kreuzerhöhung eine sakramentalische Prozession von der Pfarrkirche nach Nieder-Steinheim, ist aber weniger zahlreich. An allen Feiertagen der heil. Fastenzeit mit Ausnahme des Char- f reitags geht eine Prozession von Groß-Steinheim dorthin. An dem Kreuzaltare wird eine hl. Messe gehalten. Um diese Prozession zu erhalten, hat ein Herr von Reuß im vorigen Jahrhundert eine Stiftung gemacht. Als die Schweden 1631 am Rhein erschienen, flüchtete der Benediktiner und Ortspfarrer Benidikt Brand nach Trier, nachdem er zuvor das Kreuz verborgen hatte. Kurz vor seinem Tode theilte er seinem Amtsnachfolger P. Machern den Ort des Versteckes mit. Der schwedische Comman- — 449 — baut Ramsey aber wußte durch List den Pfarrer Macheru nach Hanau zu locken und hielt ihn dort fest, weil dieser das Kreuz sammt dem vermeintlichen Schatz nicht verrathen wollte. Machern starb 1637 zu Hanau in Hunger und Elend. Seine Leiche wurde in der Steinheimer Pfarrkirche bestattet. Die Krenzkapellc nebst der angrenzenden Nikolaikirche wurde während der Belagerung Hanau's durch den kaiserlichen General Lamboy theils geplündert, theils zerstört. Der Pfarrer Joachim Wolber aus der Abtei Seligenstadt stellte jedoch di e Kapelle unter Beistand verschiedener Wohlthäter wieder her, worauf das Kreuz zur Verehrung au seiner früheren Stelle wieder aufgestellt wurde. Im Jahre 1709 wurde das Kreuz von Diebeshänden geraubt. Man fand es jedoch am folgenden Morgen zerbrochen auf dem Kirchhose wieder und es gelang, die Theile wieder zusammen zu fügen. Um das Jahr 1700 wurden aus freiwilligen Beiträgen die sieben js'Ußfälle errichtet. Wohl im Anschlüsse an die Verehrung des h. Kreuzes in Klein-Stein- heim wurde um dieselbe Zeit in der Pfarrkirche die Todesangstbruderschaft errichtet, welcher 1705 durch Papst Clemens XI. und 1729 durch Papst Benedikt XIII. verschiedene Ablässe verliehen wurden. Bis zum Jahre 1874 wurden in der dicht bei der Kirche stehenden Kreuzkape llc au den Krcuzfesten heilige Messe gelesen. An dieser Kapelle ist eine mit einem Helm überdeckte Kanzel angebant, auf welcher die Predigt' gehalten wird, während die Zuhörer auf denr bis 1875 benutzten Begräb- nißplatze stehen. Bis zum dreißigjährigen Kriege befand sich in dieser Kapelle das heil. Kreuz, seit der Zeit befindet es sich in der Kirche in einem Seitenaltare. Seit 1861 hat das Crucifix zur würdigeren Aufbewahrung einen mit Flügelthüren versehenen, in gothischem Stile verfertigten Schrein erhalten. An diesem liest man die Worte: Lalva nos, Cllriste salvator, p>sr virtutsw erueis, 3 eine — 453 — Kapelle erbaut, in derselben ein Altar errichtet und zu Ehren Maria's eingeweiht. Das Bild der seligsten Jungfrau über dem Altare behielt die Wunde. Jetzt steht das Rupertskloster nicht mehr; die Revolutionsstürme haben es vernichtet. Das Wunderblut aber ward nach Bittgen in die Pfarrkirche gebracht. Unter dem am 17. Juli 1850 zu Bingen verstorbenen Pfarrer und Dekan Peter Joseph Castello zerbrach bei Gelegenheit einer Vorzeigung der Reliquien durch ein unversehenes Zerfallen des Schrankes das alte vom Abt Trithemius herrührende Glasgefüß, worin das wunderbare Blut enthalten war, und wurde unter dessen Nachfolger durch ein neues mit dem Pfarrsiegel versehenes im Jahre 1858 ersetzt. Auch die Scherben der zivei allen Gefäße, in deren älteren noch die Blutspuren auf dem Boden zu sehen, hat man, jedes besonders verpackt, ehrfurchtsvoll aufbewahrt. Ueber die Aechtheit dieser Reliquien herrscht kein Zweifel und noch werden sie auf dem Rochusberge bei Bingen verehrt. Die schmerzhaftes Mutkergottes zu Dieburg. rei Stunden nordöstlich von Darmstadt liegt die alterthümliche Stadt Dieburg. Hier befand sich schon in alter Zeit, in dem ehemaligen Dorfe Altstadt, welches aber später mit der Stadt Dieburg vereinigt wurde und nun deren Vorstadt bildet, eine Muttergotteskapelle, deren Besorgung Franziskanermönche übernommen hatten. Im Jahre 1097 wurde diese Kapelle wegen Baufälligkeit abgebrochen und der übrige Theil 1701 mit der Pfarrkirche zu den hh. Petrus und Paulus vereinigt. Dadurch wurde die ursprünglich kleine Muttergotteskapelle zu einer geräumigen Kirche umgewandelt, welche demungeachtet im Munde des Volkes den Namen „Kapelle" noch bis heute behalten hat. Die Kirche besitzt gegenwärtig vier Altäre. Aus dem Hochaltare thront das Gnadeubild der schmerzhaften Gottesmutter Maria, zu welchem schon im Jahr 1491 stark gcwallfahrtet wurde. Ueber den Ursprung dieses Gnadenbildes ist nur soviel mit Sicherheit bekannt, daß es im Jahre 1491 von dem Mainzer Weihbischof Eckhard feierlich eingeweiht wurde. Die im Munde des Volkes fortlebende Sage über den Ursprung des Bildes berichtet, „daß eine fromme Königin von Schweden vor alten Zeiten dieses mirakulose Bild zu Gesicht bekommen und darauf eine solche Lieb dazu gefasset, daß sie selbiges mit sich nach Schweden transportirt, und als hernach sie solches Bild wunderbarlicher Weiß verlohren und aber vorbemeldete Königin erfahren, daß solches wieder nach — 454 — Schweden transportiren lassen, welches sich allda auch zum Zweytenmal Ver- lohren und mirakulischer Weiß zurück anhero gekommen." Im Laufe der Zeit begann die Kapelle, so sehr sie auch früher durch Wunder und große Andacht geglänzt hat, immer mehr an Berühmtheit zu verlieren. Die Zahl der Wallfahrer schien sich wieder zu mehren, als es bekannt wurde, daß die Kapuziner vor dem Gnadenbilde Messe zu lesen und in der 40tägigen Fastenzeit an jedem Samstag über die schmerzhafte Mutter Gottes zu predigen nnd Beicht zu hören pflegten. An dem einen Tage Maria Geburt, für welches Fest der heilige Vater einen vollkommenen Ablaß an die Kapelle gab, besuchten viele Tausende diesen Ort. Die Kapuziner besorgten mit dem größten Eiser das Seelenheil der zahlreichen Pilger bis zum Jahre 1730, wo sie die Seelsorge, weil sie in der Ausübung der katholischen Religion keinen Schutz .von Seiten der weltlichen Gerichte mehr fanden, freiwillig niederlegten. Während der Zeit, da die Kapuziner das Amt der Seelsorge in der Gnadenkirche übten und nachher verherrlichte Gott seine glorwürdige Mutter durch die größten Wunder. Noch immer bildet das Fest Mariä Geburt den Glanzpunkt unter allen der lieben Frau gewidmeten Festen. Schon zwei Tage vor dein Feste treffen einzelne fromme Wallfahrer aus der Ferne in Dieburgs Mauern ein, die allmälig zu einer gewaltigen Volksmenge anschwellen. Auch zu anderen Zeiten des Jahres eilen Alle, die bedrängten Herzens sind, zu ihr, der Trösterin aller Betrübten. Nnser^ liebe Frau Maria Einsiede! bei Gernsheim. ine halbe Stunde südlich von Gernsheim liegt die Wallfahrtskirche Maria Einsiedet, auch Heilgkreuzkirche genannt. Schon frühe stand dort ein Kirchlein, aber im Jahre 1493 drohte ihm von Alters wegen der Einsturz. Weil kein Vermögen vorhanden war, wurde eine Collekte veranstaltet, welche so reichlich aussiel, daß die neuerbaute Kirche auch der Paramente nicht ermangelte. Damals wurde ihr auch ein Ablaßbrief ertheilt. Warum diese Kirche schon vor 1400 von Wallfahrern besucht wurde und namentlich in unserer Zeit auf Maria Heimsuchung und in der Fastenzeit von Tausenden betreten wird, hat seinen Grund in den Gnadenbildern der seligsten Jungfrau Maria. Das Gnadenbild auf dem Hochaltare, im gläsernen Gehäuse ist sehr al t; es war schon vor 1400 da, weil zu jener Zeit die Kirche Maria Ein- — 455 — siedel genannt wurde, obwohl Heiligkreuzkirche ihre erste Benennung war. Aber von dem andern Gnadenbilde auf dem Nebenaltare zur Linken, ebenfalls in einem Glaskasten die Muttergottes mit dem Jesukinde auf dem Arme vorstellend, erzählt die Ueberlieferung Folgendes: Im Jahre 1621 verheerten sächsische und deutsche Kriegssoldaten unter Hauptmann Karl von Lichterheld den Flecken Nördhofen in Böhmen. Nach Leuten suchend, durchwühlten die Soldaten einen eingeäscherten Platz und fanden in glühender Asche ein unversehrtes Muttergottesbild mit dem Jesukinde auf dem Arme. Sie überbrachten es ihrem Hauptmanne und der, obgleich Protestant, nahm es überall mit sich. Das Kriegsgetümmel versetzte ihn nun auch nach Seeheim an die Bergstraße und dort erhielt er im Hause des Freiherr» Adolf v. Behren liebevolle Pflege. Da der Hauptmann sah, daß seine Gastgeber fromme Katholiken seien, machte er der Gemahnn des Freiherrn, einer geborenen Freiin von Frankenstein, mit dem aus Böhmen mitgebrachten Bilde ein Geschenk. Sie nahm es mit Dank an und verrichtete vor demselben ihre häuslichen Andachten. Nachdem im Jahre 1622 Freiherr von Behren starb, zog dessen Gemahlin nach Zwingenburg und nahm das Bild mit sich. Aber im folgenden Jahre rückten schreckenverbreitend sächsische Kriegsvölker gegen die Bergstraße und Frau von Behren flüchtete nach Gernsheim, mußte jedoch das Bild zuvor im Brunnen ihres Nachbars Johann Peter Griesmann versenken, um es nicht in die Hände der Kriegsleute fallen zu lassen. Nach kurzem Aufenthalte in Gernsheim verfiel Frau von Behren nach ihrer zweiten Vermählung in eine gefährliche Krankheit. Um Hülfe zu erlangen, gelobte sie das Marienbild wieder in ihre Wohnung zu bringen und davor ihre gewöhnliche Andacht verrichten zu wollen. Sie Wurde gesund und erfüllte ihr Versprechen. Doch als die Schweden in Gernsheim einbrachen, wurde das Bild aus Besorgniß in die Pfarrkirche gebracht und an der Kanzel aufgestellt. Endlich ließ der Kriegstumult nach und die seit 19 Jahren unterbrochene Wallfahrt nach Einsiedel begann wieder am 2. Juli 1656, indem das Bild in einer feierlichen Prozession nach Einsiedel gebracht wurde. Anfangs stellte man das Bild in dem Langhause auf, im Jahre 1668 kam es auf den neugebauten Ncbenaltar, wo es sich zur Zeit noch befindet. Diese Stätte wird von vielen Gläubigen des rechten und linken Rhein- Afcrs besucht. Der größte Zulauf ist am Feste Mariä Heimsuchung. — 456 — Unsers liebe Frau zu Mainz. Stadt Mainz, welche das Licht des Glaubens einem Apostel'S^ schülcr, dem heil. Crescenz verdanken soll, war schon frühzeitig der Sitz eines Bischofs und wurde unter dem h. Bonifazius 748 zur ersten Kirche in Deutschland erhoben. Unter den alten kirchlichen Gebäuden der Stadt nahm die Kirche der heil. Jungfrau, dicht bei dem Dome, eine hervorragende Stelle ein. Da bereits 803 der Liebfraucnkirche Erwähnung geschieht, so gehörte sie sicher zu den ersten Kirchen von Mainz. Nach den meisten und glaubwürdigsten Geschichtsschrcibern erbaute um das Jahr 988 der Rath und die Bürgerschaft der Stadt auf der Stelle der früheren Marienkirche eine neue Kirche. Nachdem in der ersten Hälfte des l3. Jahrhunderts bedeutende Rep araturen an der Kirche vorgenommen morden, brannte dieselbe 1285 ab, so daß ein Neubau derselben nothwendig wurde. 1311 wurde unter dem Schutze der heiligen Jungfrau die neue Kirche zu ihrer Ehre durch den Erzbischof Peter von Aichspalt eingeweiht. Neues Brandunglück traf den herrlichen Bau im Jahre 1637. Doch ward die Kirche bald wieder hergestellt und wenn sie auch noch dreimal nämlich t561, 1609 und 1793 von Brand heimgesucht wurde, so waren diese Unfälle jedoch von geringerer Bedeutung. Die Kirche besitzt ein Gnadenbild, dessen Entstehung wir, nach dem Stile zu urtheilen, in das 14. Jahrhundert, also in die Zeit des Ncubanes der Kirche, versetzen dürfen. Es ist ans Holz kunstreich geschnitzt; die Figuren sind kaum unter der natürlichen Größe. Maria ist ans einem Polster sitzend dargestellt; mit der rechten Hand unterstützt sie das auf ihrem Schooße mit einem Vogel fröhlich spielende Jesukind, dessen Füßchen ihre linke Hand umschließt, die Krone bedeckt ihr von reichen Locken umstossenes Haupt, während ein faltiger Mantel das anliegende Unterkleid leicht umwallt. Tie Gewänder, ursprünglich schon vergoldet, mit auf Kreidegruud zierlich ciugegra- benen Mustern, wurden wahrscheinlich nach dem Brande von 1561 mit dunklen Arabesken in Oel auf Goldgrund bemalt. Diesem Bilde wendete sich mehrere Jahrhunderte hindurch die besondere Verehrung der Bewohner von Mainz sowie vieler anderer Verehrer Mariens zu. Das letzte Jahrzehent des vorigen Jahrhunderts brachte auch über Mainz alle Gräuel und Schrecken der französischen Revolution und der Kriege in ihrem Gefolge. — 457 — Nachdem 1792 eine französische Horde unter Custinc die Stadt durch ciiieu Handstreich eingenommen hatte, erzwängen 1793 die deutschen Reichstruppen unter dem Könige von Prenßen die Stadt. Das furchtbare Bombardement aber, welches derselben vorausging, verwüstete, außer einer Masse von Privatgcbäudcn, viele Kirchen der Stadt, und unter ihnen war nebst dem Dome auch die herrliche Liebfrancnkirche. Das Feuer wurde von anstoßenden Stiftsgebäuden rasch weiter geleitet und brannte die Kirche aus. Nur mit genauer Noth rettete ein Mainzer Bürger das Gnadenbild, welches cr in die Augustinerkirche flüchtete. Die ausgebrannten Hallen der Liebfrauenkirche benutzte man, noth- dürftig gedeckt als Magazin; 19 Jahre später aber wurden sie durch Männer der Aufklärung um den Spottpreis von 690 Gulden auf Abbruch verkauft, wo die trefflichen Bildwerke aus Stein rasch auswärtige Abnehmer fanden, so daß außer dem Gnadenbilde nichts weiter erhalten blieb. Mitten in den Kricgsstürmen fand das Gnadcnbild selbst in den Reihen des kaiserlichen Heeres einen treuen Verehrer. Feldmarschall Clairfait nämlich ließ wegen des über die Franzosen vor Mainz 1795 erfochtenen Sieges einen Schrein von Holz um das Gnadenbild verfertigen, damit es auf diese Weise geschützt und ausgezeichnet werde. So blieb es bis zum Jahre 1851. Als in diesem Jahre in Folge eines Mordanfalles auf einen die hl. Messe lesenden Priester die Kirche neu geweiht und der Verehrung der heil. Jungfrau gewidmet wurde, kam man auf den Gedanken, eine Umrahmung in Form des schönen Portals der alten Liebfrauenkirche herzustellen. Bereits am l. Mai 1853 erhielt das Gnadenbild seinen neuen Platz. Hatte man auch zu keiner Zeit die Andacht zu dem Gnadenbilde gänzlich vernachlässigt, so brachte doch diese Veränderung mit einem Male neuen Eifer unter die frommen Verehrer Mariens. — 461 — Siegertsbrunn. /^.twa °/4 Stunde von dem Pfarrdorse Höhenbrunn entfernt liegt das Dörfchen Siegertsbrunn mit 45 Hausern und 25V Einwohnern nebst einem besonderen Wohngebäude für den Benefiziateu. Dieses Dörfchen hat zwei Kirchen; die eine ist dem h. Petrus geweiht, die andere ist die Wallfahrtskirche zum h. Leonhard und feiert am zweiten Sonntag im Jnlid as Kirchweihfest. Der h. Leonhard stammt aus einem vornehmen heidnischen Hause in Frank reich. Kanin erwachsen, wurde er an den Hof des Königs Chlodwig I. gebracht und gelaugte dort zu glänzenden Ehrenstellen. Bald lernte er jedoch den h. Remigins, den Apostel der Franken, kennen, wurde von diesem in der christlichen Glaubenslehre unterrichtet und getauft und verließ sodann das Hoflcben, um unter der Leitung des h. Remigius sich auf den Priester- stand vorzubereiten. Sodann erhielt er von demselben die heiligen Weihen und den Auftrag, den umliegenden Völkern, welche noch in der Nacht des Heiligthnms schmachteten, das Evangelium zu verkünden. Die Predigten des h. Leonhard waren von solchem Erfolge gekrönt, daß sich der Ruf davon bis an den Hof des Königs verbreitete. Dieser rief den Heiligen zu sich mid wollte ihm ein Bisthum übertragen, aber der h. Leonhard lehnte in seiner Demuth dieses ab und erbat sich nur die Gnade, die Gefangenen aus dem Gefängnisse zu befreien, welche er dessen für würdig hielt. Hierauf begab er sich in das Kloster Micy, welchem der h. Mnrimin vorstand, um Gott vollkommen dienen zu können; nach dem Tode des h. Mapimin aber verfügte er sich in eine Einsiedelei, welche vier Meilen von Limoges entfernt war. In dieser Gegend verbreitete er sodann das Christenthum und seine Lehre wurde von Gott durch auffallende Wunder beglaubigt. Der König Theodobert und seine Gemahlin, welche letztere in einer gefährlichen Krankheit durch das Gebet des h. Leonhard Heilung gefunden hatte, schenkten ihm einen Theil des Waldes, in welchem die Einsiedelei lag, und nun gründete der Heilige daselbst ein Kloster, welches später unter dem Namen Sankt Leonhard berühmt wurde. Reich an Verdiensten starb der Heilige in hohem Wer um das Jahr 559. Der h. Leonhard wird besonders in Altbauern und der Oberpfalz w'e hrt. Häufig findet sich daselbst der Gebrauch, ihn als Patron des Äehes durch einen Ritt oder eine Fahrt zu verehren. Nach Beendigung des Gottesdienstes geht der feierliche Zug fast immer in Gegenwart einer Wßen Volksmenge theils auf geschmückten Pferden, theils aus Wagen dreimal um die Kirche, worauf alsdann von dem Priester den in Ordnung aufge- üellien Pferden der Segen gegeben wird. — 462 — Ein solcher berühmter Wallfahrtsort des h. Leonhard ist auch Siegerin brunn. Der Hochaltar in der Kirche ist mit einem Gemälde geziert, welches die allerseligste Jungfrau Maria mit dem Jesukinde darstellt. Zu ihren Füßen knien ein Papst und der h. Leonhard, wovon der erstere der Mutter Gottes ein Rind, der andere ein Pferd in den Händen entgegen hält. Unter dem Bilde des h Leonhard befindet sich ein Gefangener, welcher von dessen Fürbitte Befreiung erwartet. Zu beiden Seiten des Gemäldes stehen die Statuen des h. Leonhard und des h. Sigismund. Die Leonhardsfahrt findet am zweiten Sonntag im Juli statt. Schon am Vorabende treffen viele Landleute mit ihren Fohlen sowie die entferntesten Wallfahrtszüge mit ihren Geistlichen ein, am Morgen des Tages langen dann aus weitem Umkreise zahlreiche Wagen an, welche entweder mit grünen Zweigen geziert oder mit gefärbter Leinwand überspannt von vier Pferden gezogen und von einem Vorreiter angeführt werden. Auf vielen Wagen befindet sich ein besonderes Musikchor. Nach beendigtem Gottesdienste, in welchem die Wallfahrer ihre Pferde d em Schutze des h. Leonhard anempfohlen haben, setzen sie sich wieder zu Wagen oder zu Pferde und nun findet der feierliche dreimalige Umzug um die Kirche statt, womit das Fest geschlossen wird. St. Edigna bei Puch. ^Mn dem Dörflein Puch, einer Filiale der Pfarrei Brück bei ^ Fürstenfeld, steht ein Kirchlein, dem h. Sebastianus geweiht, in welchem auf einem Seitenaltare die Reliquien der h. Edigna ruhen. Dorthin wallfahren viele Gläubige der Umgegend, um den Schutz und Beistand dieser Heiligen anzurufen. Nahe der Kirche, welche auf einem Hügel liegt, steht ein uralter, hohler Lindenbaum, in welchem der Sage nach die Heilige gelebt hat. Sie soll am 26. Februar 1109 gestorben und eine Tochter oder Verwandte des Königs Heinrich I. von Frankreich gewesen sein. Aus dieser Linde floß früher heiliges Oel, welches zur Heilung vieler Krankheiten diente, als man aber begann, dasselbe zu Geldgewinn zu benutzen, versiegte dasselbe. In dem nachstehenden Gedichte eines Sängers dortiger Gegend ist die Legende der Heiligen dargestellt. — 463 — St. Edigna. Kam eine Jungfrau keusch und rein, Edigna war ihr Name, Einstmals in's Bayerland herein, Sie war von hohem Stamme, Doch ärmlich war sie angethan, Zwei Ochsen waren ihr Gespann, Ein Haushahn ihre Freude, Ein Glöcklein ihr Geschmeide. Der heil'gen Jungfrau hatte sie Geweiht ihr keusches Leben. Gelobt, daß einem Manne nie Die Hand sie werde geben. Der Bater spricht: „Du wirst getraut!" Die Tochter: „Bin des Himmels Braut. Ich Hab's dem Herrn gelobet." — Der Vater zürnt und tobet. Da flieht, den Stab in zarter Hand, Zm groben Pilgerkleide Die Tochter aus dem Vaterland; Die sonst in Gold und Seide Einher trat in des Vaters Haus' Arm und verlassen zieht sie aus, Sie, der die Eltern fluchen, Die Heimath sich zu suchen. Einst brach der Abend furchtbar an, Sie stand in Waldes Mitte, Kein Ausweg rings und keine Bahn, Es wankten ihre Tritte; — Die Tanne kracht vorn Sturm geknickt, Nur selten durch die Wolken blickt Der Mond; der Wölfe Heulen Heißt jene rastlos eilen. Da sinkt an einer Eiche Stamm Edigna in die Kniee: „Herr, rette mich, mich armes Lamm, Daß ich dem Tod entfliehe! Vergib, wenn ich gesündigt hab!" Maria, der ich mich ergab, t;ch bin des Todes Beute, Hilf, Hilf, Gebenedeite!" Horch plötzlich klingt im Silberton Ein Glöcklein; munter krähet Ein Hahn; Edigna hoffet schon Vom Himmel Rettung, spähet: Da wird ein Wäglein sie gewahr Das zog ein kräftig Ochsenpaar, Drauf klang die Glock' so heiter, Der Hahn stand auf der Leiter. „Gott grüß'Euch, edle Jungfrau!" spricht Der Mann, der's Wäglein lenket; Sitzt auf bei mir, ihr zahlet nicht, Bei Gott nur mein gedenket! Ich führ' Euch: wo der Haushahn krähfl Wo das Gespann dort stille steht, Und wo das Glöcklein läutet. Da ist Euch Ruh' bereitet." Edigna fällt in's feuchte Moos, Bor Freud' die Knie' ihr wanken: „Herr! Deine Gnade ist zu groß." Ruft sie, „wie kann ich danken? Preis Dir in Ewigkeit, mein Gott! — Du sahst, Maria! meine Noth: Dank Dir, die mich befreite, Preis Dir, Gebenedeite!" Drauf vor den Mann die Jungfrau trat: Und sprach mit sanftem Tone: „Der Himmel zahlt die milde That, Er werde Euch zum Lohne! Ich mußte aus des Vaters Haus, Arm ging ich in die Welt hinaus Und habe nichts zu schenken: Doch Gott Wird Eu'rer denken." Sie fuhren fort; ein ganzes Jahr Schon dauerte die Reise; Ihr Trank war Wasser, rein und klar,. Und Wurzeln ihre Speise. So fuhren sie Land aus und ein; Edigna wünschte Ruh': doch nein! Noch will der Hahn nicht krähen, Die Ochsen nimmer stehen. So kommen sie in's Bayerland, Ganz nah' zu jener Stelle, Wo Kaiser Ludwig allbekannt Betrat des Todes Schwelle, Gen Fürstenseld im Ammerthal, Des strengen Ludwigs sühnend Mal War in der alten Weise Gelangt der Jungfrau Reise. — 464 — Die Abendglocke klang so voll Von ferne durch die Stille; Edigna sprach : „Mir ist so wohl, „Ich fühl's wir sind am Ziele." lind sieh! da steht das Zweigespann, Gar munter kräht der Gockelhahn, Und horch! das Glöcklein klinget, Das Ruh' der Müden bringet. Edigna dankt dem Herrn, da schwebt Im goldenen Gefieder Ein Engel neben ihr: sie bebt, Stumm fällt sie vor ihm nieder; Scheu blickt sie auf: da ist er fort, Da steht der Hahn, die Ochsen dort, Sie sieht das Glöcklein hangen: Doch er ist heimgegangen. Dort an des blum'gen Hügels Sanm' Streckt mächtig seine Aeste Zum Himmel ans ein Lindenbanm: Es gaukeln leichte Meste Dnrch seine dunkle Krone hin, lind frendig sieht die Pilgerin Hernieder von den Zweigen Zum Gruß die Vöglein steigen. lind dieser Linde hohler Stamm Ward ihre KlauSnerzelle: Ihr Bett war Moos, zum Trunke nahm Sie Wasser aus der O.uelle. War nah' ein Bauersmann, der bot Der edlen Jungfrau Milch und Brot: „Nichts," sprach sie, „soll mich nähren. Als Wurzeln nur und Beeren." So oft zum Thal ihr Glöcklein klang Beim leisen Abendwinde, Da kam das Volk zum Lobgesang Maria's zu der Liude. Da leuchtete ein Lämpcheu mild Dort vor Maria's Gnadenbild. Und sieh! das Oel zur Flamme Eutguoll dem Lindeustamme. Edigna half mit frommem Sinn In Krankheit, Noth und Plage: So flössen ihre Tage hin Als wahre Segeustage. So lebte sie wohl viele Jahr', Da bleichte sich ihr blondes Haar Und trüber, trüber immer Ward ihrer Augen Schimmer. Einst kniete sie in sel'ger Ruh' Dort vor Maria's Bilde; Die Sternlein lächeln hold ihr zu, Sie blinken gar so milde. Und zu den Sternlein hoch empor Holt ihre Seel' ein Engelchor Zu Gottes ew'gem Frieden; Der Leib, der ruht hieniedcn. Noch steht der Jungfrau wirthlich Haus, Noch strecket ihre Zweige Die stolze Linde grünend aus. Das Oel doch ging zur Neige. Noch tönt das Glöcklein hell: — der Hahn Hat längst den letzten Schrei gethan. Doch stets wird in Gefahren Edigna euch bewahren. Die Wallfahrt zum h. Kvenz in Scheyeen. Amtsgerichte Pfasfenhofen, 5 Kilometer von dieser Stadt eilt ^ fcrnt, liegt aus einer anmuthigeu Höhe die Propstei und das Dorf Schelfern mit ca. 6(st) Einwohnern. Scheycrn verdankt sein Entstehen dem bayerischen Herzog Arnulph I>, einem Sohne Lnitpold's. Die von ihm erbaute feste Burg ist das Urstamm- haus der bayerischen Grasen von Schelfern, die dasselbe bewohnten, bis Graf Otto III. Wittclsbach von Neuem erbaute und Otto IV. im I. lt^ als Pfalzgraf von Wittclsbach austrat, von welcher Zeit an die Grafen von scheuern als Wittelsbncher in der Geschichte erscheinen. — 465 — Scheyern hat wichtige historische Ereignisse aufzuweisen. Agnes und Beatrix, Prinzessinnen von Ungarn, empfingen hier vor ihrer Verehelichung mit Luitpolds Söhnen, Arnulf und Berthold I., die h. Taufe. Kaiser Heinrichs II. Schwester Gisela feierte hier ihre Hochzeit mit dem Könige Stephan von Ungarn, nachdem dieser ebenfalls vorher hier getauft worden. Auch soll von hier die Sendung des h. Ulrich durch Kaiser Heinrich I. und die Grafen von Scheyern ausgegangen sein, um die Ungarn zu bekehren. Im Jahre 1113 beschloß Graf Otto III. im Verein mit sämmtlichen Agenten, die an Scheyern Theil hatten, die Stammburg Scheyern in ein Kloster zu verwandeln, welches denn auch 1119 den Benediktinern übergeben und reichlich dotirt wurde. Der erste Abt von Scheyern war der selige Bruno. Unter dem Abte Ulrich III. (1135—1160) trat in das Kloster Scheyern der Graf Conrad I., der Vater des heldenmüthigen Grafen Conrad II. von Dachau, ein. Dieser hatte um das Jahr 1115 von dem Patriarchen der Kirche des heiligen Grabes zu Jerusalem, Heraklius, einen Partikel des heiligen Kreuzes nebst der Authentika erhalten, welche er mit nach Hause brachte und der Kirche des Klosters zum Geschenk machte. Abt Baldemar setzte denselben zur öffentlichen Verehrung aus. Er ist in Form eines doppelten übereinander stehenden Kreuzes gefaßt. Das Hauptfest ist das der Kreuzerfindung (3. Mai), an welchem unzählige Schaaren von Pilgern zur Verehrung des heiligen Kreuzes hinzuströmen. Früher fand bald nach diesem Tage eine große Prozession zu Pferde von mehr als 200 Reitern statt, und zwar um die ganze Grafschaft Scheyern, von Morgens 5 Uhr bis Abends 5 Uhr. In mehreren Kirchen wurde Halt gemacht und das heilige Kreuz nach Absingung des Evangeliums zu küssen gegeben. Diejenigen Aebte, welche sich besonders auszeichneten, sind folgende: Unter Baldemar (1171—1203 brannte das ans Holz gebaute Kloster zweimal ab, worauf es 1184 aus Stein ausgebaut wurde. In demselben Zahre stiftete die Herzogin Witwe Agnes ein ewiges Licht in der Fürstenkapelle zu Scheyern über der Ruhestätte ihres Gemahls Otto des Großen von Wittelsbach und der übrigen Fürsten und Fürstinnen. Auch wurde unter Baldemar die Pfarrei Edelshausen dem Kloster einverleibt. Unter Abt Conrad I. (1203—1246) wurde die Klosterkirche zu Ehren der allerseligsteu Jungfrau vom Bischof Otto II. von Freising am 9. Oktober 1225 eingeweiht. Dieser Abt baute auch die St. Martins-Psarrkirche neu uns und zwar aus Stein, ebenso die Allerheiligen-Kapelle. Abt Heinrich (1226—1259) baute einen Kornspeicher, den noch vorhandenen viereckigen Kirchenthurm, die St. Katharinen-Kapelle, ein Krankenhaus a. A. Unter ihm wurde die Pfarrei Berg im Gau dem Kloster einverleibt; auch lebte damals der berühmte Gonruäus Lolr^rsnsis, ein gelehrter Schriftsteller. — Unter dem Abte Ludwig (1260—1269) wurde die Pfarrei Berbling dem Kloster scheyern zugetheilt. Derselbe, früher Abt von Weihenstephan, wurde 1269 30 — 466 — Abt von Tegernsee. — Unter dem Abte Ulrich IV. Perchtinger (1266—1311) lebte der gelehrte P. Stephan Sundizeller, Bibliothekar des Klosters, welcher mehrere Werke verfaßt hat. — Conrad II. Perger (1311—1324) erhielt von Herzog Rudolph, Kaiser Ludwig's Bruder, für Kloster Scheyern das Privilegium des befreiten Gerichtsstandes (1315) und in demselben Jahre beschenkte' Kaiser Ludwig dasselbe mit der-niederen Gerichtsbarkeit. 1318 erhielt es die Pfarrei Pfaffenhofen. — Unter Abt Ulrich VI. (1354—1376) übergab Herzog Ludwig der Brandenburger dem Kloster die Pfarrei Voh- burg und stiftete eine tägliche heilige Messe in der Fürstenkapelle auf ewige Zeiten. — Unter Abt Ulrich VII. (1376—1406) wurde dem Kloster die Pfarrei Ellenbach einverleibt und Herzog Friedrich ließ die für Schyrens und Bayerns Geschichte so interessanten Fresko-Malereien der Schyren-Fürsten in der Fürstenkapclle herstellen, deren vortreffliche Kopien auf Holz König Ludwig I. erneuern und dem restaurirten Stifte wieder zustellen ließ. Unter den nächstfolgenden Aebten kam das Kloster durch Kriege und sonstige Unfälle in große Armuth und Schulden, jedoch die Wissenschaften wurden auch jetzt gesiegt und es zeichneten sich als Gelehrte aus: P. Johann Keim, P. Heinrich Molitor, P. Maurus, P. Pankratius, dann P. Aventin und P. Ulrich Hacker. Der Abt Stephan Reitberger (1616 — 1634) ließ die Fresko-Gemälde d er Schpren auf Holz kopiren und bis auf Kurfürst Maximilian I. fortsetzen, gab der Fürstenkapelle die jetzige ansehnliche Gestalt und schloß die beiden Finger der h. Büßerin Magdalenä, ein Andenken von dem Stifter Otto III., in Kristall zur öffentlichen Verehrung ein. Er gab das Gbrovioon Lob?- renso des Conradus mit Anmerkungen, sammt Aventins Scheyerschen Annalen neu heraus. Im Jahre 1632 wurde das Kloster von den Schweden geplündert und ein Laienbruder getödtet, der Abt aber flüchtete mit Mehreren des Convents nach Fischbachau, wo er 1634 starb. Unter Abt Gregor Kimpsier (1658—1693) war der Scheyerschen Gelehrtensc hule goldenes Zeitalter. Dieser Abt war selbst Schriftsteller, machte das Kloster ganz schuldenfrei und brachte die Errichtung der bayerischen Benediktiner-Congregation zu Stande. — Abt Cölestin Baumann (1693 bis 1768) deckte den viereckigen Thurm mit Blechplatten, baute die Rosenkranzkapelle, legte den Prälaturgarten an u. s. w., unter ihm wnrde jedoch das Kloster hart vom Kriege mitgenommen. — Maximilian Rest (1732—1731) ließ den heil. Kreuzpartikel neu fassen, errichtete die Propstei Fischbachau von Neuem und verbesserte das Gotteshaus daselbst. — Abt Placidus Forster (1734—1757) baute die jetzige Kreuzkapelle und das Bräuhaus und vermehrte die Bibliothek. — Joachim Herpfer (1757—1771) verlängerte die Stiftskirche und schmückte sie mit den jetzigen Altären, sowie Plafond- und Fresko-Gemälden. Auch baute er den ansehnlichen Prielhof des Klosters neu auf. Der letzte Abt des Klosters war Martin Jelmüller (1793—1803). Am Benediktusfeste 1803 wurde das Kloster aufgehoben. Die Gebäude und Grundstücke wurden verkauft, ein Theil der Gebäude zerstört. Die kostbare Bibliothek wurde theils nach München gebracht, theils veräußert. Die Mönche zerstreuten sich; der Abt Martin bezog eine Wohnung bei dem Bäcker des Dorfes, wo er am 10. September 1807 starb. Die seitherige Klosterkirche wurde zur Pfarrkirche bestimmt und die St. Martins-Psarrkirche abgebrochen. Am 5. August 1837 kam der König Ludwig I. nach Scheyern und nahm von den Ueberresten des ehemaligen Klosters Einsicht. Alsbald wurden die Einleitungen zum Ankauf derselben getroffen und sodann am 1. Oktober des folgenden Jahres die noch vorhandenen Gebäude den Benediktinern feierlich wieder übergeben. Statt der früheren Abtei sollte nunmehr ein Priorat des Ordens daselbst bestehen. Als erster Prior wurde P. Rupert Leiß, früher im Kloster Metten, eingesetzt. Unter der Pflege dieser frommen Patres ist denn auch die Wallfahrt zum heiligen Kreuze zu neuem Glänze erwacht und von allen Seiten strömen die Gläubigen in großen Schäaren hinzu, um den am Kreuz verstorbenen Heiland zu verehren und seinen Schutz zu erflehen. Ho h enpeissrnberg. n der südöstlichen Grenze des Landgerichts Schongau in Oberbayern liegt 3356 Fuß hoch über dem Meere der Hohenpeissen- berg, auf dessen Spitze die ehemalige Wallfahrts- jetzt Pfarrkirche steht, an welche eine Sternwarte gebaut ist, mit einer Wohnung für den Pfarrer und den Schullehrer und einem Gasthause. In grauer Vorzeit war derHohenpeissenberg eine waldige, öde, unbebaute Berghöhe. Die Sage, daß zur Römerzeit aus demselben ein heidnischer Tempel und ein Römerthurm gestanden habe, ist durch nichts verbürgt. Indessen war im achten christlichen Jahrhundert der Fuß des Peissen- berges bewohnt. Unterpeissenberg erscheint in der Chronik von Benediktinern um die Mitte des 11. Jahrhunderts als ein längst bestehender Ort. Das Land zwischen Jller, Lech und Ammer gehörte im 9. Jahrhundert bereits dem mächtigen Adelsgeschlechte der Welsen. Wels IV., Herr der Herrschast Peitingau und des in demselben liegenden Peissenberges, überließ, nachdem er sich dem zweiten Kreuzzuge in das heilige Land angeschlossen hatte, im Jahre 1191 jene Herrschaft mit den übrigen Gütern des Lechrains an Kaiser Friedrich I. Nach Erlöschen der Hohenstaufen kam im Jahre 30* — 468 — 1259 der Hohenpeissenberg sammt der Herrschaft Peitingea durch Theilung an den Herzog Ludwig den Strengen von Bayern. Die Bewohner dieses Berges waren im Jahre 1255 bereits nach Peitingen eingepfarrt, aus welche Pfarre das Kloster Rottenbuch das Präsen- tationsrccht hatte. Die ?twa 2 Stunden weite Entfernung von Pfarrsitze aber und die zunehmende Bevölkerung veranlaßte zuerst den Bau einer kleinen hölzernen Kapelle am Berge zu Ehren des allerseligsten Jungfrau Maria, bis im Jahre 1514 auf der Höhe des Berges der Bau einer 62 Fuß langen, 30 Fußbreiten und 50 Fuß hohen Kapelle begann. Den ersten Stein legte der fürstliche Pfleger zu Schongau, Georg von Pinzenau, und dieser beschenkte nachher die Kapelle auch mit einem Muttergottesbilde aus seiner Schloßkapelle zu Schongau. Kaum war dieses Bild zur Verehrung aufgestellt, so erzeigte der Herr bei demselben seine Gnade so auffallend und reichlich, daß der Zudrang des Volkes von Jahr zu Jahr zunahm und der Peissenberg bald als Wallfahrt berühmt wurde. Im Jahre 1570 erhielt die Wallfahrt einen ständigen Priester, jedoch zog derselbe aus Mangel an Lebensmittcl bald wieder ab. Nunmehr erwarb der Probst Wolfgang Penkover von Rottenbnch den Ort und ließ ihn durch seine Klostergeistlichen versehen. 1615 wurde Hohenpeissenberg dem Kloster förmlich einverleibt und nun der Ban einer größeren Kirche von 160 Fuß Länge, 36 Fuß Breite und 80 Fuß Höhe begonnen, welcher mit dem Bau des 100 Fuß langen und 45 Fuß breiten Herrenhauses (Hospitium) im Jahre 1619 vollendet wurde. Durch eine frühere Schenkung des Herzogs Wilhelm V. von Bayern vom 14. April 1595 war die Kirche bestens fun- dirt und es wurden 3—4 regulirte Chorherren aus dem Kloster Rottenbuch dort angestellt. Schon vor dem Bau der neuen Kirche war zur Erquickung der Pilger ein Brunnen von 90 Fuß Tiefe gegraben worden, der sehr gutes Trinkwasser liefert und ebenfalls wurde zur Bewirthung und Beherbergung der Pilger ein Gasthaus errichtetet. Beim Einfalle der Schweden in Bayern blieb auch der Hohenpeissenberg nicht verschont. Die Kirche und das Herrenhaus wurden 1632 geplündert. Mit dem Ende des dreißigjährigen Krieges blühte jedoch die Wallfahrt wieder auf und es kamen weit mehr Wallfahrer als früher, selbst aus den vornehmsten Ständen. Die Kurfürstin Maria Anna überschickte im Jahre 1657 für das Gnadenbild ein reich gesticktes Kleid mit Schleier; die zwei kurfürstlichen Prinzen Ferdinand Maria und Philipp widmeten zwei vortreffliche Gemälde, die Kreuzigung und Auferstehung Christi darstellend, und Kurfürst Maximilian I. den Hochaltar mit dem Altargemälde der Himmelfahrt Maria. Propst Michael Piscator ließ die Frauenkaplle an der westlichen Seite 1652 mit Gipsfiguren schmücken und im Jahre 1849 erhielt die Kirche aus der Stiftung des in Moskau verstorbenen aus Hohenpeissenberg gebürtigen Handelsmannes Ulrich Haeringer ein geräumiges Musikchor mit Orgel. Im Jahre 1709 wurde von Patricius, infulirten Prälaten von Rottenbuch, die Bruderschaft vom heiligsten Herzen Jesu eingeführt, welche nach 9 Jahren über 10000 Mitglieder zählte. Um das Jahr 1780 pflegten 45 Gemeinden jährlich dahin zu wallfahren; die entlegensten derselben waren Lauingen und Schwäbisch Gmünd. 1780 errichtete der Prälat P. Ambros auf Hohenpeissenberg ein astronomisch-meteorologisches Observatorium ein, welches sich auch jetzt noch dort befindet. Bei der Säkularisation des Klosters Rottenbuch am 29. Nov. 1802 wurde auch das Hospitium auf Hohenpeissenberg ausgelöst, jedoch versahen die Conventualen Primus Koch und Gelasius Korner auch fernerhin ihre bisherigen Dienste, bis im Jahre 1805 Hohenpeissenberg als selbstständige Pfarrei errichtet und Primus Koch als erster Pfarrer und meteorologischer Observator ernannt wurde. Seitdem bekleiden die dortigen Pfarrer zugleich das' Amt als „meteorologischer Observator der königlichen Akademie der Wissenschaften." Der Petersberg in dyr Pfarrei Flintsbach. ^Mrei Stunden oberhalb der Stadt Rosenheim am linken Ufer des Jnn, erhebt sich der große Riesenberg beim Austritt des Jnn- stromes aus den Alpen. Derselbe, 4650 Fuß über der Meeresfläche, besteht aus vier Theilen, dem Riesenkopf, der Rachelwand, dem großen und dem kleinen Madron. Der kleine Madron, auch Petersberg genannt, trägt auf seinem Gipfel eine dem h. Petrus geweihte Kirche, während sich an seinem Fuße die Ruinen der ehemaligen Burg Falkenstein mit dem Weiler gleichen Namens ausbreiten. Der Ursprung dieser Peterskirche verliert sich in das graue Alterthum und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie eine der ersten Kirchen in hiesiger Gegend ist. Das Klösterchen St. Peter wurde vor 779 von den Brüdern Adalunk, Hiltebald, Korbäld, Ottochar und Anton aus dem Geschlechte der Grafen von Diessen und Andechs gegründet. Als im Anfange des 10. Jahrhunderts nach der großen Niederlage des bayerischen Heeres unter Anführung des tapfern Luitpold in der Gegend von Presburg (im August 907) die Ungarn Bayern mit Raub, Brand und Mord verheerten, wurden mit vielen andern auch die Klöster am Peterberge, Schliersee und Tegernsee von ihnen zerstört; 48 Jahre später, im Jahre 955, ward das unermeßliche — 470 — Heer der Ungarn auf dem Lechfelde geschlagen, nachdem sie in gewohnter Weise das ganze Land der Länge nach verwüstet hatten. Auf diesem letzten Verwüstungszuge hatten sie auch das Benediktinerkloster Wessobrunn, Landger. Wielheim, zerstört und die Mönche getödtet; nur drei von diesen waren so glücklich, durch die Flucht in die Gebirge zu entkommen. Diese drei vertriebenen Mönche von Wessobrunn kamen von den Bergen am Jnn herab in die Gegend von Falkenstein, fanden etwa da noch die Trümmer des zerstörten Klösterleins und bauten mit Bewilligung des leider nicht genannten Herrn von Falkenstein wieder ein Klösterlein und eine Kirche am Petersberge. Mechtin, der älteste von den drei Mönchen, war der erste Vorsteher des Klosters im Jahre 950. Im Jahre 1139 wurde der Hochaltar in der Kirche durch Bischof Otto von Freising geweiht. Aus dieser Zeit stammt auch das merkwürdige Portal, welches die Kirche ziert. Die zierlichen Säulen desselben ruhen auf Widder- und anderen Thierköpfen, im Giebelfelde aber thront der h. Petrus mit dem Schlüssel. Nach dem Tode Kaiser Rudolph's von Habsburg (1281) fiel Albrecht von Oesterreich, nachdem Adolf von Nassau zum deutschen Kaiser gewählt war, in das Gebiet des ihm feindlichen Erzbischofs von Salzburg ein und zerstörte noch vor dem Ausbruche des Krieges zwischen ihm und dem neuen Kaiser die Burg Falkenstein und das Kloster am Petersberge (1286). Dasselbe war ungeachtet der vielen Schenkungen doch nie zur Abtei erhoben worden. Seine Vorsteher hießen Pröpste, von Mechtinns im Jahre 956 an bis zu Heinrich, der die Zerstörung des Klosters und die Vertreibung der Mönche überlebte und noch bis zu seinem am 16. Oktober 1298 erfolgten Tode daselbst verblieb. Von seinem Tode an wurde das ehemalige Kloster nur als Propstei für Weltgeistliche dem Domkapitel von Fxeising einverleibt und diese Propstei immer einem aus den hohen Geistlichen verliehen, welcher zur Verrichtung des Kirchendienstes einen Vikarius oder Unterpropst dahin setzte. Mit der Zerstörung des Klosters hörte aber die Verehrung dieser Kirche nicht auf. Schon vom Jahre 1297 findet sich wieder eine Schenkungsurkunde, welche Herzog Rudolf bestätigte, wie überhaupt nach dieser Zeit noch viele solche Widmungen gemacht worden sein müssen, da diese Kirche nah und fern viele Güter besaß. Aus der Entfernung von 10—12 Stunden strömten Leute zum Petersberge, in feierlichen Prozessionen führten die Pfarrherrcn Gemeinden herbei. Dazu waren besonders die vier Sonntage nach dem Festtage des h. Apostels Bartholomäus festgesetzt. Vereint und einzeln brachten die Wallfahrer nach ihrem Vermögen und nach dem Maße ihrer Andacht der Kirche des heil. Petrus Geschenke. So ging es fort bis zur Zeit der Reformation. — 471 — Durch die Bemühungen der Herren von Freyberg und Hohenaschau und von Maxlorin hatte Luthers Lehre auch in den Gegenden der Gebirge am Jnn sich eingeschlichen; die Wallfahrten zum Petersberge nahmen all- mälig ab und die Prozessionen hörten endlich ganz auf. Herzog Wilhelm V., der Fromme (P 1626) und sein Sohn Kurfürst Maximilian I (P 1651) drängten nach allen Kräften die neue Lehre zurück. Zu dieser Zeit war Wolfgang Kastner Oberpropst am Petersberge, ein eifriger Katholik. Dieser verschönerte die Kirche und ließ die Gemälde an dm Wänden anfertigen, welche Ereignisse aus dem Leben des Apostelsürsten darstellen. Allmälig nahmen nun auch die Wallfahrten wieder zu und wurden so zahlreich wie früher. Dies dauerte bis zu Anfang dieses Jahrhunderts. Bei der Säkularisation (1804) wurden auch die Besitzungen der Peterskirche eingezogen, zwei Gemälde, die Verklärung Christi und der Fischzug des heil. Petrus wurden in die Gemäldesammlung nach München geschafft und auch die Kirche selbst sollte geschlossen und dem Verfalle preisgegeben werden. Ungefähr eine Stunde vom Petersberge entfernt liegen auf dem Riesenberge zwei Höfe, Vorder- und Hinterasten, deren Besitzer die Gerätschaften der Kirche und das Haus des Unterpropstes nebst einigen dazu gehörigen Wiesenflecken ankauften. Die Kirche wurde ihnen dabei unentgeltlich überlassen, aber damit übernahmen isie auch die Verpflichtung, dieselbe im baulichen Zustande zu erhalten. Aus den Renten der verkauften Güter wurden dem Pfarrer zu Flintsbach jährlich 300 fl. überwiesen mit der Verpflichtung, durch seine Hülfspriester an Sonn- und Feiertagen den Gottesdienst halten zu lassen. Nachdem König Ludwig I. den Thron Baierns bestiegen, bewilligte er die Anstellung eines besonderen Geistlichen auf dem Petersberge, welchem die 300 fl. überwiesen wurden. Die Astner gaben zu demselben Zwecke mit Freuden Alles hin, was sie angekauft hatten und so wurde denn Georg Sickinger als erster Expositus an der Peterskirche angestellt. Am 15. Juli 1832 schlug der Blitz in das Haus des Expositus und richtete dasselbe zu Grunde, so daß es von Grund aus neugebaut werden mußte. Der Staat bewilligte 800 st. aus dem Vermögen der Kirche des Landgerichts Rosenheim. Das Uebrige wurde von den Astnern Bauern mit Unterstützungen der umwohnenden Gläubigen beigetragen. Die Verehrung der Peterskirche auf dem kleinen Madron hat nunmehr wieder einen neuen Aufschwung genommen; besonders ist der Bittgang zu erwähnen, welcher jährlich am St. Rochusfeste (16. Aug.) von den Pfarreien Mntsbach und Großholzhausen in Folge der Pest vom Jahre 1615 dorthin übernommen wird. Die Wallfahrt zum h. Sebastian in Ebersberg. n der Straße von München nach Wasserburg, 8^ Poststunden von der Hauptstadt entfernt, liegt der Markt Ebersburg mit 1300 Einwohnern. In demselben liegt die Wallfahrtskirche zum heil. Sebastian von weitläufigen Gebäuden umgeben, in denen wir alsbald ein früheres Kloster erkennen. Zur Zeit des Königs Karlmann (876—880) lebte der erste Sempt- graf Sieghard auf seinem Schlosse am Ursprünge der Sempt, in der Nähe des heutigen Marktes Schwaben. Er war ein Mann von ausgezeichneten Sitten, einer der ersten im Kriege und dem karolingischen Königshause nahe verwandt. Seine großen Besitzungen in dieser Gegend sind höchst wahrscheinlich als Lohn seiner Tapferkeit anzusehen, während seine Heimath mehr gegen den Rhein hin aufzusuchen sein dürfte. Von diesem erzählt nun die Sage, daß, als er auf seinem Gebiete, in der Gegend des heutigen Ebersberg, eine Jagd abhielt, er einen Eber von ungewöhnlicher Größe, der in einer Steinhöhle unter einer alten Linde seine Lagerstätte hatte, immer nicht erreichen konnte; jedoch ruhte er nicht bis dies Unthier ganz verschwunden wäre. Ein altes Lied ans St. Gallen, das offenbar mit obiger Sage gleichen Ursprunges ist, fügt noch hinzu, daß der Eber selbst durch einen Speerwurf nicht habe getödtet werden können. Darum und weil überdies das Volk der Umgegend an der Lagerstätte des Ebers abergläubischen Unfug trieb, erschien derselbe als ein höllisches Ungeheuer. Der Graf wandte sich daher an fromme Männer, um ihren Rath einzuholen. Konrad von Hewa am Bodensee rieth, den Wald auszurotten und einen Ort mit einer Kirche zu bauen. So weit die Sage. Geschichtlich steht folgendes fest. Um das Jahr 878 ließ Graf Sieghard dort, wo jetzt Ebersberg liegt, den Wald lichten und der seligsten Jungfrau eiu Kirchlein erbauen welches zwei Jahre darauf Bischof Arnold von Frei sing am 1. Januar 880 einweihte. Dieses Kirchlein gehörte zum Pfarrbezirk Oberndorf. Auch eine Burg erbaute Graf Sighard auf der Höhe uud umgab sie mit Erdwällen, und Kaiser Arnulph, an dessen Hof Niemand lieber gesehen als Jener, beehrte ihn, wie wir aus einer Urkunde ersehen, mit seinem Besuche am 21. August 893. Unser Graf starb um das Jahr 907 und liegt mit seiner Gemahlin Gottina im Dom zu Freising begraben. Sieghards Sohn, Rathold, der vom Kaiser als Markgras über Kärnthen gesetzt worden war, fand mit seiner Gemahlin Engelmundis in Salzburg seine letzte Ruhestätte- Sie hinterließen zwei Söhne, Eberhard und Adalbero und eine Tochter, Williberg. Eberhard blieb unvermählt und stiftete in Uebereinstimmung und mit Beihülfe seines Bruders 934 das Collegiatstift zu Ebersberg zur Ehre Gottes, seiner Mutter Maria und der heiligen Märtyrer Sebastian, Cyriakus, — 473 — Mus und des h. Martinus, des Bischofs und Bekenners. Der Umstand daß in der Stiftungsurkunde bereits des h. Sebastian Erwähnung geschieht, deutet darauf hin, daß damals die Reliquie des Heiligen sich schon in Ebersberg befunden hat. Dieselbe besteht aus dem oberen Theile des Craniums, dem Stirn- und beiden Scheitelbeinen. Die Wahrscheinlichkeit ihrer Echtheit ist sehr groß und könnte zur Gewißheit erhoben werden, wenn nachgewiesen wäre, daß beim Haupte des Heiligen in der Vatikanischen Basilika der betreffende Theil fehlte. Wie viel .vom Leibe des Heiligen Soissons im Jahre 828 erhalten habe, ist aus der Geschichte der Uebertragung bei den Bollau- disten nicht klar, indem dort von exuvias Alsba und eorpus st. wart^ris ganz unbestimmt die Rede ist. Daß aber das Kloster zu Echternach in Luxemburg in dem vom h. Wilibrood überbrachten Haupte nicht das des h. Sebastianus besitzt, ist dortselbst ^bereits zugestanden. Die Reliquie ist gegenwärtig in Form einer Schale in Silber gefaßt, aus welcher den Pilgern vermittelst einer Röhre geweihter Wein zu trinken gegeben wird. Diese Schale wird in eine silberne Büste eingesetzt und darin aufbewahrt. Die durch diese Reliquie hervorgerufene Verehrung des h. Sebastianus, die später, besonders in den Zeiten ansteckender Krankheiten, immer zunahm, hat Ebersbergs Hauptkirche zu dem erhoben, was es geworden ist, eine Stätte des Gebetes und des Trostes, zu der Tausende aus den umliegenden und aus entfernten Gegenden, aus hohen und niederen Ständen, mit kindlichem Vertrauen Hülfe suchend, herbeiströmten. — Da in der Urkunde vom Jahre 934 der Kirche des h. Sebastian noch keine Erwähnung geschieht und dieselbe erst 979 eingeweiht wurde, so dürfen wir annehmen, daß die Kanoniker einstweilen die bereits vorhandene Kirche der seligsten Jungfrau benutzt haben, welche Kirche, später dem h. Bischof und Märtyrer Valentin geweiht, als Pfarrkirche vorkommt, während der Mutter Gottes als Anbau an die Sebastianuskirche eine Kapelle errichtet wurde. Die Linde war umgehauen und die Höhle zerstört, die dem Volke so lange als Gegenstände des Aberglaubens, wenn nicht der Abgötterei gedient hatten. Und gerade über dieser Stelle erhob sich der Hochaltar der neuen Kirche, die in Kreuzform gebaut und mit Seitenschiffen umgeben war. Die Wohnung der Kanoniker lag südlich von der Kirche. Um nun Kirche und Kloster gegen die heranstürmenden Ungarn sicher zu stellen, hatte Graf Eberhard früher schon die Befestigungen Ebersbergs erweitert nnd verstärkt. In jenem für die Geschichte des Abendlandes so wichtigen Entscheidungsjahre 9S5 übergab Herzog Heinrich, der in Regensburg krank darnieder lag, den Oberbefehl über den bairischen Heerbann dem Grafen Eberhard. Der Ausgang der Schlacht auf dem Lechfelde ist bekannt. Auch nach Ebersberg brachte man einige in der Schlacht dem Schwerte entronnene Ungarn als Gefangene, um sie dort in einer noch grausameren Weise hinzumorden. Den ihn treffenden Antheil an der übervus werthvollen Beute machte Graf Eberhard seiner Lieblings- t _ 474 _ stiftung zum Geschenke. Bald darauf starb er und wurde in Freising begraben. Adalbero, welcher, mit großer Nachkommenschaft gesegnet, minder freigebig als sein Bruder gegen die Stiftung gewesen und deshalb nach der Sage mit Familienunglück heimgesucht worden sein soll, folgte ihm bald in die Ewigkeit nach. Die Grafschaft erhielt jetzt des Letzteren jüngster Sohn Ulrich, der nach seinem Taufpathen, dem h. Bischof von Augsburg, benannt worden war. Von ihm erzählt die Chronik, wie er mit ungewöhnlichem Eifer bei den Benediktinern in St. Gallen insbesondere Rechtswissenschaft studirt habe. Ueberhaupt finden wir in ihm die Eigenthümlichkeiten des Ebersberger Grafengeschlechts, die Treue gegen den König, die innige Anhänglichkeit an die katholische Kirche sowie das Bestreben, wahre Aufklärung und Bildung zu verbreiten, besonders ausgeprägt. Das erste wichtigste Ereigniß unter seiner Regierung ist die Einweihung der Kirche des h. Sebastian im Jahre 970. Mit Erlaubniß des Freisinger Bischofs Abraham berief Graf Ulrich den Bischof Friedrich von Salzburg, auf daß er die Ebersberger Basilika für den Gottesdienst einweihte. Bei dieser Gelegenheit übergab er derselben eine bedeutende Schenkung. Doch bald darauf, zu Anfang des 11. Jahrhunderts, wurde das Collegiatstift den Benedikti- neren übergeben. Der erste Abt Reginbold, ein Studiengenosse des Grafen Ulrich, kam aus dem neu errichteten Kloster zu St. Ulrich und Afra aus Augsburg hierher. Sein Ausenthalt dauerte wahrscheinlich bis 1018, in welchem Jahre er Abt des Klosters Lorsch wurde. Auf ihn folgte Altmann, der dem gräflichen Geschlechte in illegitimer Abstammung angehörte. Dieser sah es als seine Ausgabe an, das Kloster den bestehenden Verhältnissen mehr an- zu passen und zu befestigen. In dieser Hinsicht gelang es ihm, 1034 durch Tausch vom Bischöfe zu Freising die Pfarrei Oberndorf chem Kloster mit allen Rechten einzuverleiben, wozu 1045 auch die Kirchtracht Eggelburg hinzukam, jedoch blieb Oberndorf noch die Pfarrkirche. Erst 1524 erscheint neben dem Vikar für Oberndorf noch ein besonderer Vikar für Ebersberg, welche beide in dem neben der damaligen Pfarrkirche zum h. Valentin gelegenen jetzigen Corperatorenhause ihre Wohnung hatten. Mit Zustimmung Adalberos III., der, nachdem sein Vater Ulrich 1028 gestorben, Ebersberg erhalten« hatte, Ivurde das Schloß niedergelegt und die Kirche mit dem Kloster in demselben lJahre 1037 neu zu erbauen angefangen, in welchem dessen Bruder ^Eberhard das Kloster Geisenfeld stiftete. Von diesem Baue ist noch ein Theil der westlichen Facade erhalten, sowie auch des Thurmes, der damals gebaut wurde. Kaiser Heinrich III. nahm 1040 das neugebaute Kloster in steinen besonderen Schutz und bestätigte die reichen Schenkungen, die der kinderlose Graf Adalbero und seine Gemahlin Richlindis demselben gemacht hatten. Auch die niedere Gerichtsbarkeit über seine Unterthanen erhielt das Kloster; den Mönchen war die freie Wahl des Abtes und diesem, wenn das gräfliche Geschlecht ausgestorben sein würde, die freie Wahl des Schirmvogtes zugesagt. Letztere Bedingung des Schirmvogtes traf nicht lange hernach ein; doch ging bald das Recht der Schirmvogtei an das herzogliche Pflegegericht Falkenberg, später an das zu Schwaben über. Unter den folgenden Acbten ist Williram ff-1085) zu nennen, sowohl, weil er die ökonomischen Verhältnisse des Klosters mehr geordnet und die Besitzungen bedeutend vermehrt, als auch, weil er wegen seiner Uebersetznng und seiner abwechselnd deutsch und lateinisch abgefaßten Paraphrase des hohen Liedes in seiner Zeit als bedeutender Schriftsteller gegolten hat. Die Aebte Conrad und Ulrich ließen am Thurm fortbauen, während Abt Burghard (j- 1201) das Kloster auf die nördliche Seite verlegte, um die Kirche mehr frei zu legen, und für das Kloster größeren Raum zn gewinnen. Ein großes Unglück brachte das Jahr 1305, in welchem durch einen irrsinnigen Mönch Kirche und Kloster ein Raub der Flammen wurden. Unter dem thatkräftigen Abte Otto erhob sich das Zerstörte schnell wieder aus dem Schütte, so daß die Kirche 1312 durch Bischof Gottfried von Freising wieder eingeweiht werden konnte. Sie war in gothischem Stile der ersteren Zeit, dreischisfig, mit eingezogenem Chöre erbaut. Die beiden Seitenschiffe waren niedriger, unter eigener Bedachung, und endigten geradlinig. Strebepfeiler umgaben von außen das Chor, an dessen Südseite die Marien- und Stephans-Kapelle angebaut waren. Den alten Thurm, der stehen geblieben war, erhöhte man um einen Absatz. Eine Epoche besonderer Kunstthätigkeit begann wieder mit den beiden Aebten Eckhard und Sebastian (1446—1500). Von dem ersten wurde unter anderen Werken bis 1452 das Chor der Kirche und einige Altäre, bis 1455 die Marien- und Stephanskapelle theilweise neu wieder hergestellt. Nach ihm ließ Sebastian Häfele aus Vilsbiburg das dreifache Schiff der Kirche fast ganz neu aufbauen, indem er nach Art der späteren Gothik die Seitenschiffe erhöhte und mit dem Mittelschiffe unter einem Dache vereinigte. So stellte er eine Hallenkirche her, die nun Räumlichkeiten darbot für die großen mit feurigem Glänze der Glasmalerei ausgefüllten Fenster, welche von den bayerischen Herzogen und anderen Fürsten und Wohlthätern freigebigst geschenkt wurden. Schon im Jahre 1504 war das Kloster durch den pfalzgräflichen General Wiesböck ansgeplündert worden und dadurch in eine üble Lage gerathen. Jetzt kam fauch noch die Reformation. Denn wie damals in vielen Klöstern durch den Geist des neuen Evangeliums Zucht und Ordnung gelockert und ein neuer Zuwachs abgeschnitten wurde, so mochte es auch unserem Kloster ergangen sein; doch muß erwähnt werden, daß die hiesigen Mönche sich mit allem Eifer dem Eindringen der neuen Lehre unter dem Volke widersetzten. Dazu gesellten sich verschiedene unglückliche Zufälle, wie die lange Regierungszeit unthätiger und kranker Aebte, ja Zeiten völliger Verwaisung, die — 476 — das Kloster in geistiger und materieller Hinsicht zerrütteten. Die Weigerung, sich der vom Papste vorgeschlagenen Kongregation von Cassino anzuschließen entzog ihm vollends das Wohlwollen des Papstes und des bayerischen Herzogs. Auf Bitten des Letzteren nahm nun Papst Clemens VIII. durch eine Bulle vom Jahre 1595 das Kloster Ebersberg den Benediktinern ab, um es den Jesuiten in München zu übertragen und diesen so eine hinlängliche Dotation zu ermöglichen. Da dies Vielen als ein Unrecht erschien und öffentlich dagegen angekämpft wurde, so weigerten sich die Jesuiten lange und konnten erst durch einen Befehl des Papstes vermocht werden, ein solches Geschenk anzunehmen. Ihre Wirksamkeit war hauptsächlich gegen die Unwissenheit und Lasterhaftigkeit des Volkes gerichtet; jene suchten sie durch häusige Predigten, Christenlehren und Privatunterweisungen, diese durch Abhaltung von Missionen zu überwinden. So entwickelte sich um die alte Pflanzstätte des christlichen Lebens, die durch die Wallfahrt mit weit entlegenen Gegenden in Berührung stand, ein neuer Aufschwung zu wahrer Bildung und Frömmigkeit. Was die Jesuiten in baulicher Hinsicht weniger gut gemacht haben, fällt dem Geschmack der damaligen Zeit zur Last. Bald nach ihrer Hierherkunft entfernten sie die gothischen Chorstühle und setzten an die Stelle des prachtvollen Hochaltars den noch jetzt vorhandenen. Die neue Statue des h. Sebastian auf demselben, die ihnen später als zu nackt erschien, bekleideten sie mit Mantel, Gürtel, Hut u. s. w. Jedoch auch Werke von anerkanntem Kunstwerthe wurden angeschafft, so das Vesperbild an einem der nördlichen Seitenaltäre, das die Jahreszahl 1598 trägt, UM wurde ein Theil des baufälligen Klosters gegen Osten abgetragen und eine neue Wohnung aufgebaut, das Uebrige im Westen aber in seinem vorigen Bestände gelassen. Während des dreißigjährigen Krieges traf die hiesige Gegend zweimal das Unglück, von den Schweden überfallen und ausgeplündert zu werden, 1632 und 1648. Das erste mal schleppten sie zwei Patres als Geiseln fort und quälten den Laienbruder Blasius Scholling, der allein zurückgeblieben war, auf unmenschliche Weise, indem sie einen um seinen Kopf gebundenen Strick vermittelst eines durchgesteckten Pflockes zusammen drehten. Endlich tödteten sie ihn durch einen Säbelhieb. Auch bei der grausamen Unterdrückung des Bauernaufstandes erlitt Ebersberg einigen Schaden. Mit dem Kriege vereinigte sich die Pest, die in Bayern nahezu den dritten Theil der Einwohner dahin raffte. In dieser Bedrängniß lenkten die Unglücklichen ihren Blick wieder hier auf den h. Sebastian, voll Vertrauen, daß ihnen auf seine Fürbitte Hülfe zu Theil würde. Und sie wurden nicht getäuscht. Von da an nahmen die Wallfahrten wieder bedeutend zu, so daß über hundert Pfarreien im Laufe des 18. Jahrhunderts in regelmäßigen Zeiträumen, vielfach alle Jahre, sich einfanden. Hierdurch wuchs natürlich das Vermögen der Kirche sowie die Wohlhabenheit der Hofmark. Durch die Bemühungen — 477 — der Jesuiten entstand 1644 eine durch vielfache Gnadenschätze ausgestattete Bruderschaft zu Ehren des h. Sebastian, die in dieser Form bis zum Fahre 1773 ihr Bestehen hatte. In letztgenanntem Jahre mußten die Jesuiten, die in den vorausgegangenen Hungerjahren wegen ihrer außerordentlichen Wohlthätigkeit gegen die Armen vom Kurfürsten noch besonders belobt worden waren, die Aufhebung ihres Ordens erleben, die ihnen an 14. September von der bischöflichen Commission durch Vorlesung der päpstlichen Bulle und unter beleidigenden Witzreden kundgegeben wurde. Von den vorhandenen 18 Vätern erhielten 2 wegen Krankheit, 3 zur Aushülfe in der Scelsorgc, 1 zur Verwaltung der Oekonomie und 1 zur Abhaltung der Schule die Erlaubniß zu bleiben. Die Herrschaft aber wurde zu Besten des bayerischen Schulfonds verwaltet. Da brach unversehens am 20. Mai 1781, am Sonntage RoZato, Abends gegen 8 Uhr im Bräuhause Feuer aus und setzte das ganze Klostergebäude, das Dach der Kirche und des Thurmes in Flammen. 5000 Scheffel Getreide, die man, wie es hieß, auf eine Theuerung spekulirend an die hungernden Unterthanen zu verkaufen sich geweigert hatte, verbrannten. Das Klostergebäude, worin auch die Bibliothek und das Archiv des Klosters, brannte bis auf das gewölbte Erdgeschoß nieder. Am Himmelsfahrtsfeste stürzte der Wind auch noch die freistehenden Giebel der Kirche auf das Gewölbe des Mittelschiffes, wobei dasselbe durchbrach und zwei Menschen um's Leben kamen. Am 22. September desselben Jahres nahm der Freiherr von Flachslanden, Statthalter des Maltheserordens, von der Herrschaft und dem Schutthaufen des Klosters für die neu errichtete Ordenszunge Besitz. Alsbald trug man Sorge, das Klostergebäude, freilich in einem beschränkten Umfange, wieder aufzubauen, das Dach der Kirche wieder herzustellen und das Gewölbe des Mittelschiffes einzusetzen, welches der Münchener Maler Franz Kurzinger mit Gemälden, die sich auf den Malteserorden beziehen, versah. 1784 wurden neue Glocken angeschasst und 1790 die jetzige Kuppel dem um ein neues Stockwerk erhöhten Thurme ausgesetzt.. Die Seelsorge übernahmen 1795 die Kapuziner, welche von Erding hierhin kamen, aber bald in Folge der franz. Revolution wieder vertrieben wurden. Im Jahre 1799 wurden die Kostbarkeiten aus Gold und Silber, Monstranzen, Cruxifixe, Leuchter, Ampeln, Reliquiengefäße n. s. w. in 14 Kisten verpackt an die kurfürstliche Hoskammer zu München abgeliefert, um sodann der Münze übergeben zu werden. Eine von höchster Stelle zugesagte Rückvergütung hat selbstverständlich niemals stattgefunden. Die leeren Glasschränke der Sebastianus-Kapelle sind noch die einzigen Zeilgen, die den Wallfahrer an die frühere Herrlichkeit erinnern mögen. Die silberne Büste mit der Reliquie des Heiligen sowie die nothwendigen Kirchengeräthe und die Paramente blieben erhalten. Ein königliches Dekret vom 8. September W8 hob den Malteserorden auf und die Herrschaft Ebersberg fiel unter — 478 — königliche Verwaltung. Die Sebastian» skirche wurde zur Pfarrkirche bestimmt und die seitherige Pfarrkirche zum h. Valentin abgebrochen. Seit dem Jahre 1817 ist Ebersberg eine organisirte Pfarrei mit einem Pfarrer und drei Hülfspriestern. St. Alban, Pfarre Högertshaufen bei Nandelstadk. aum eine halbe Stunde von Mandelstadt und eben so weit vom Pfarrdorfe Högertshaufen entfernt liegt St. Alban, ein Dörfchen von l l Häusern. Statt Alban kommt früher auch Albion, aä. s. ^Idiouöiri, vor, woher es gekommen ist, daß man das Dorf im Munde des Volkes auch Albigoner nennt. Hier war in alten Zeiten eine Kapelle des h. Albanus, nur von Wald umgeben, und Grund und Boden, worauf der Heilige wohnte, gehörte ringsum ihm, denn man war damals gegen die Kirche sehr freigebig. Der h. Alban, Gefährte des h. Bischof Theonestus und Zeitgenosse des h. Ambrosius, wurde nach vielen Missionsreisen zuletzt in Mainz enthauptet. Mit dem abgeschlagenen Haupte in der Hand soll er, wie einst der h. Dionysius der Areopagite, ein paar hundert Schritte bis zu der Stelle gegangen fein, wo er ruhen wollte. Deshalb wird der Heilige auch in dieser Weise dargestellt und die Kirche in St. Alban besitzt eine werthvolle Statue desselben aus dem Mittelalter. Seit alter Zeit genoß der h. Alban in der kleinen Kirche hohe Verehrung; Bedrängte und mit leiblicher Roth Behaftete pilgerten hierher und fanden vielfach Hülfe. Die Wallfahrt trug schöne Opfergaben ein, aus welchen wahrscheinlich in der Mitte des 15. Jahrhunderts der gegenwärtige geräumige gothische Bau entstand, unter allen Kirchen der Nachbarschaft eine der ältesten und mit Ausnahme des Moosburger Münsters die größte. Der schöne Neubau brachte die Wallfahrt noch mehr in Flor und die Kirche zu Vermögen; alle Donnerstage war in der Regel eine heilige Messe und die Wallfahrer fanden Gelegenheit zu beichten. Auf dem Eigenthum der Kirche ließen sich ein Wirth schon vor 1600 erbrechtig, ein Meßncr mit Leibrecht und vier Söldner freistiftsweife nieder. Aus diesen vier find später acht geworden, einem neunten, genannt Hintermayer, gab die Herrschast von Högertshaufen im Laufe der Zeit einen Waldsaum zur Kultivirung und Ansiedlung. Seit alter Zeir besteht bei dieser Kirche ein vielbesuchter Jahrmarkt, welcher am Sonntage vor Christi Himmelfahrt und den drei darauf folgenden Tagen abgehalten wird. Wann dieser Markt aufkam, ist unbekannt; — 479 — aber schon 1684 ist von demselben als einem alten Herkommen die Rede. Es kamen damals in Prozession am Sonntage die Pfarrgemeinden Au, At- tenkirchen und Reichtershausen, am Montage Nandelstadt, Degernbach, He- brontshausen, Margarethenried, Priel, Volkmannsdorf, Gammelsdorf, Mauern, Jnkofen und Högertshausen mit allen Filialen. Seit 160 Jahren und darüber hat die Wallfahrt aufgehört und die Kirche wird nicht mehr in Prozession besucht. Vom zweiten Fastensonntage bis Grünndonnerstag werden die Fastenprcdigten in derselben gehalten; am Sonntag vor Christi Himmelfahrt ist das Patrozinium, am Montag Bitt- und Kreuzgang dahin und am folgenden Freitag wird bei Gelegenheit des Feldumganges das Amt dort celebrirt. Am Sonntag nach St. Ulrich wird das Kirchweihfest gefeiert und das Jahr hindurch wird hin und wieder eine heilige Messe gelesen. In der Neujahrsnacht von 1833 ans 1834 hat ein Sturm die Thurmspitze abgerissen, ohne ein Haus zu beschädigen. Nun wurde der Thurm erhöht und mit Eisenblech gedeckt, mit einem kupfernen Knopf und eisernem Kreuze versehen. Im Jahre 1841 erhielt St. Alban eine dritte Glocke, 306 Pfund schwer und 1850 wurde eine namhafte Reparatur der Kirche und Sakristei vorgenommen. Fvanrnbvülmrl oder Heilbronn. m Jahre 1665 lebte zu Vicht, einer Ortschaft in der Nähe von Frauenbrünnel, ein Maurer, welchem die Gichtkrankheit mehrere Jahre stark zugesetzt hatte, und endlich wurde er der Art krumm, daß er weder gehen noch sitzen konnte. Nachdem er alle ärztlichen Mittel vergebens angewandt hatte, erschien ihm der Herr in einem Traumgesichte und befahl ihm, in Brünnel, etwa 16 Schritte vom Bächlein entfernt, an der moosigen Wiese nachgraben zu lassen; man werde ein Muttergottesbild finden und am nämlichen Orte werde eine Quelle hervorsprudeln, deren Wasser seine kranken Glieder heilen würde. Man grub, wie es der Traum befahl, am bezeichneten Orte nach, fand eine Statue der Gottesmutter und auch die Quelle erschien alsbald. Nun wurde der vom Himmel begnadigte Kranke — Adam Kurz war sein Name — herbcigetragen, man wusch ihn mit dem wunderbaren Wasser und das Vertrauen wurde belohnt. Kurz ging, Gott und der'h. Gottesmutter Lob verkündend, gesund nach Hause. Dieses Wunder verbreitete sich in der ganzen Umgegend. Frauenbrünnel wurde bald zahlreich besucht und besonders waren es Augenkranke, denen hier bis in die neueste Zeit Hülfe zu Theil ward. Noch im Jahre 1665 erbaute man eine kleine Kapelle, etwa 20 Schritte von der Quelle entfernt und brachte in dieselbe die Mutter- gottesstatne. Später wurde sie vergrößert und erhielt den Namen „Gnadenkapelle". Die auf dem Altare aufgestellte Statue soll dieselbe sein, welche im Jahre 1665 auf wunderbare Weise gefunden wurde. Sie ist 1^ Fuß hoch und der Zahn der Zeit machte sie morsch und durchlöcherte sie. In der Nähe von Heilbrunn wurde auf Betrieb der frommen Freifrau Anna Franziska Theresia von Falkenfcls 1674 eine große Kirche erbaut und dazu 1698 ein Benesizium gestiftet. Die Wallfahrt zum Frauenbrünnel nahm zwar nach und nach ab, aber noch um das Jahr 1788 besuchten oft 8—10 Prozesstonen die Gnadenkapelle. Klostergeistliche von Straubing leisteten daselbst durch Predigen und Beichthören Aushülfe. Auch behielt das Wasser der Quelle daselbst bis zur Stunde seine alte wunderbare Kraft; dies bezeugen die vielen Votivtafeln. 1802 erlangte man Hülfe bei einer verheerenden Viehseuche; aus Dankbarkeit ließ der Begnadigte alljährlich 3 h. Votivämter halten; auch all seine Nachfolger thuen bis zur Stunde dasselbe. 1830 fiel Stephan Jnstnger von vorne in die Sense; sie ging unter der Achsel in den Körper und am Rücken wieder heraus. Eine Votivtasel zeigt die erlangte Hülfe an. 1830 und 1845 wurden ebenfalls zwei augenkranke Mädchen geheilt; sie wuschen sich die Augen mit dem Wasser der Quelle und waren gesund. Selbst vom Jahre 1856 findet sich eine Votivtasel datirt. So sehen wir, daß die Gnadenquelle zum Frauenbrünnel noch immer nicht versiegt ist. Föching. as wunderthätige Gnadenbild der schmerzhaften Mutter, Ij, Fuß hoch, aus Gips, welches in der Kirche zu Föching in Oberbaycrn verehrt wird, wurde von einem Steinmetz aus München unter dem Schütte einer Kirchcnmauer gefunden und mit Bewilligung derer, die sie geben konnten, als ein Eigenthum mit nach Hause genommen. Nachdem es als Erbstück in verschiedene Hände und Häuser gekommen, wurde es endlich (1645) Eigenthum einer Büchsenmachersgattin in Jngolstadt, Elisabeth mit Namen, die nach dem Ableben ihres Mannes und schon hochbctagt nach München übersiedelte. Es geschah, daß die Witlwe den Arm so verletzte, daß sie zwei Jahre lang ihn nicht bis zum Haupte erheben konnte und Tag und Nacht große Schmerzen litt, bis sie einmal, um das Bild etwass festlicher anzukleiden, selbes aus seinem Orte herausnahm; da verschwand alsbald jede schmerzliche Empfindung und sie konnte, nicht ohne Verwunderung Aller, die sie kannten, den Arm wieder gebrauchen, wie ehedem. Der Ruf hiervon verbreitete sich bald in der Stadt und, wie denn die Münchener von jeher große Andacht zur h. Mutter Gottes trugen, strömte sogleich das Volk dorthin; binnen wenigen Tagen schien aus dem Bürgerhause, wo die Frau wohnte, eine Kirche geworden zu sein. Man verehrte die'seligste Jungfrau nicht blos in stillem Gebete, sondern auch mit musikalischen Litaneien, machte Gelübde und brachte zur Danksagung für erlangte Hülfe Wachs und andere Opfergaben. Dies bewog den bischöflichen Generalvikar von Freising, an Ort und Stelle Erkundigung einzuziehen und das Geschehene zu untersuchen. Viele der geschehenen Wunder wurden nach reiflicher Prüfung von ihm approbirt und bestätigt, und man erachtete es für angemessen, das Bild der öffentlichen Verehrung in irgend einem Gotteshause auszustellen. Die Eigenthümern des Bildes bestimmte den Schatz für die Kirche ihres Geburtsortes Föching; überließ aber selbes einige Zeit Ihrer Fürstlichen Durchlaucht aus Bayern, Maria Anna, Erzherzogin von Oesterreich, welche es vor seiner Abführung nach Föching zu ihrer Andacht bei sich zu haben wünschte. Nachdem die fromme Fürstin einige Tage mit dem gesummten weiblichen Hofstaate in ihrem Palaste das Gnadenbild andächtig verehrt hatte, ward es, neu und kostbar gekleidet, der Eigenthümerin zurückgebracht, dann mit Genehmigung des Hochwürdigsten Bischofs von Freising unter geziemender Begleitung nach Föching geführt und dort in der Kirche St. Johannes des Täufers aufgestellt. Dieses geschah am 5. Juni 1ll48. Bald wurde der sonst wenig bekannte Ort durch die Besuche zahlreicher Andächtiger und durch die Gnaden berühmt, welche Viele durch die h. Jungfrau auf wunderbare Weise erlangten. An Marimfesten kann oft die Kirche das Volk, das hierher strömt, nicht fassen, und es müssen vielfach auch im Freien Beichtstühle angebracht werden, um allen Bußfertigen Gelegenheit zur Beichte verschaffen zu können. Elisabeth, die letzte Privatbesitzerin des Gnadenbildes, ward nach ihrem Tode in ihre Heimath Föching gebracht und vor dem Altare der Muttergottes begraben. 31 Weihenlinden bei Nibling. »ine kleine Stunde von dem Markte Aibling liegt das Pfarrdorf Högling mit der prachtvollen Wallfahrtskirche Weihenlinden, Noch im 16. Jahrhunderte befand sich an dieser Stelle nur ein kleiner, mit einem Zaune umgebener Garten und in demselben eine steinerne Martersäule mit drei Grabhügeln und zwei Linden, welche der späteren Wallfahrt den Namen verliehen. Die Bewohner des Dorfes Högling und der nächsten Umgebung hegten gegen dieses Gärtchen stets große Verehrung und pflegten die Umzäunung um so sorgfältiger, da sie im Unterlassungsfalle stets von unglücklichen Ereignissen heimgesucht wurden. Dieses und da die seligste Jungfrau im hohen Liede „ein verschlossener Garten" und „ein Brunn der lebendigen Wasser" genannt wird, brachte sie auf den Gedanken, hier der h. Gottesmutter einen Tempel zu errichten. Inzwischen ereignete es sich, daß ein Fahnenträger an einem der 3 Bitttage, an welchen die Gemeinden Högling, Getting und Kirchdorf gegenseitig ihre Kirchen zu besuchen pflegen, ein uraltes in der Pfarrkirche zu Högling nächst dem Choraltare aufgestelltes Marienbild mit dem Jesukinde aus Unvorsichtigkeit aus das Steinpflaster herabwarf, ohne daß dasselbe nur im Mindesten verletzt worden. Die Gemeinde stellte hieraus die Bitte, dieses Bild in das Gärtchen übertragen und in der dortigen Martersäule aufstellen zu dürfen; als dieses Gesuch die Genehmigung des Pfarrherrn erhalten und die Zahl derer, welche daselbst Trost und Hülfe gefunden, sich immer vergrößerte, da wurde der Wunsch, hier eine Kapelle zu besitzen, aus's Neue rege. Allein es blieb bei dem Wunsche, bis im 30jährigen Kriege die Pest ausgebrochen und die feindlichen ringsum Alles verheerenden Schweden auch in diese Gegend drangen. In ihrer Angst gelobten jetzt die Bewohner von Högling und ihre Nachbareu diesen Bau auszuführen. Doch als die Gefahr glücklich überstanden, als die Pest spurlos und der Feind bei dichtem Nebel ruhig an den friedlichen Wohnungen vorüber gezogen war, blieb, wahrscheinlich wegen der dem Kriege nachgefolgten Theuerung und Huugersnoth, das Gelübde des Kapellenbaues weitere 9 Jahre unerfüllt. Dann erst, als neue Gefahr drohte, wurde ernstlich Hand an's Werk gelegt, und um das zum Ban erforderliche Wasser zu gewinnen, beschlossen die Höglinger, nächst den beiden Linden einen Brunnen zu graben. Die Sage erzählt nun weiter: „ Sie fanden jedoch bei der Arbeit die größ ten Hindernisse und es schien, daß sie keine Ader treffen sollten. Ent- muthigt über das wahrscheinliche Mißlingen ihres Beginnens sahen die ermüdeten Arbeiter eines Tages 3 Pilger herankommen, welche sie zur Fortsetzung des Tagewerks aufmunterten, und sie versicherten, daß in kurzer Zeit — 483 — ein Ring sich finden werde, der ihnen die Spur heilsamen Wassers zeigen würde. Und siehe da, bald darauf fanden sie einen silbernen Ring mit zwei Steinen und den Quell lebendigen Wassers. Nun gingen die Fremdlinge und 'Niemand sah sie wieder. Sie waren wie verschwunden und daher glaubten die Bewohner, es seien dies Engel gewesen, zum Zeichen des drei- einigen Gottes gesandt, weßwegen auch die neue Kirche nach ihrer Vollendung der heiligen Dreifaltigkeit gewidmet wurde." Außer diesem mit zwei kleinen Rubinen besetzten Ringe, welcher noch jetzt den andächtigen Wallfahrern gezeigt und als Vermählungsring der h- Jungfrau verehrt und geküßt wird, fand man auch eine silberne Münze mit hebräischer Inschrift und einer Linde im Gepräge. Im Jahre 1653 wurde zum Bau der Wallfahrtskirche geschritten, die bereits am 1. Juli 1657 feierlich eingeweiht werden konnte. Zugleich verordnete das Kloster Weparn, daß stets 5 bis 6 seiner Conventualen zu Weihenlinden verweilen mußten, um den religiösen Bedürfnissen der Wallfahrer Genüge zu leisten, weshalb für diese Priester die nöthigen Wohnungen hergestellt wurden. Weihenlinden konnte sich bald auch der Besuche und Geschenke fürstl icher Personen rühmen. Kaiser Ferdinand III. stiftete eine kostbare Monstranz; dessen Gemahlin Kaiserin Eleonore eine silberne Ampel; Kurfürst Max I. einen silbernen und vergoldeten Kelch; Erzherzog Ferdinand Karl zu Sens- bruck ein 6 Pfund schweres Bild des h. Martin von gediegenem Silber. Diese kostbaren Weihegeschenke verlor Weihenlinden, als sich im Jahre 1863 die Säkularisation der Kirchenschätze bemächtigte. Selbst der großen Glocke wäre die Kirche beraubt worden, hätte die fromme Gemeinde sie nicht um den hohen Preis von 966 Gulden eingelöst. Bei dem Eintritts in den herrlichen Tempel richten sich die Blicke und schritte der frommen Pilger sogleich nach der Kapelle zur gnadenvollen Gottesmutter. Zwei Pforten mit eisernen Gittern führen dahin; über denselben lesen wir die Wortes: „Bei Maria in Weihenlinden Kann man allzeit Gnade finden." Unsere^ liebe Feau von Taxa zu Odelzhausen. n der Kirche zu Odelzhausen befindet sich ein Gnadenbild, welches noch bis zum Jahre 1862 in der ehemaligen berühmten Klosterkirche zu Taxa von zahllosen Wallfahrern verehrt wurde. 31' — 484 — Die Entstehung des berühmten Wallfahrtsortes Taxa und des Bildes unserer lieben Frau wird folgendermaßen erzählt: Seit vielen Jahrhunderten haben die Grafen von Hundt viele Güter zwischen München und Augsburg besessen, unter andern auch Odelzhausen, unweit von Taxa. Dieses hat seinen Namen von dem vielen Fichten- und Kinnholz her, daß in derselben Gegend gestanden und gewöhnlich Taxenholz heißt. Daselbst war das Oekonomiegut der Grasen von Hundt, denen Odelzhausen gehörte. Unter diesen ist besonders Johann Wilhelm durch die Entstehung des Klosters Taxa berühmt geworden. Wegen seiner großen Kenntnisse und Geschicklichkeit in Ausführung wichtiger Geschäfte wurde er vom damaligen Kurfürsten von Bayern, Maximilian I., hochgeachtet und zu Rath gezogen. Er war ein frommer Verehrer und Diener Mariens und gelobte, derselben zu Ehren eine Kapelle zu erbauen. Der Graf wartete aber lange mit der Vollziehung des Gelübdes und eine wunderbare Begebenheit mußte ihn zur Erfüllung antreiben. Die Sage erzählt sie wie folgt: „Es geschah einmal, daß er die ganze Nacht nicht schlafen konnte und immerfort mit seinem Gelübde zu thun hatte. Endlich befiel ihn gegen Tagesanbruch ein leichter Schlaf, von dem er jedoch bald wieder durch den Lärm, der sich im Hofe hören ließ, aufgeweckt wurde. Die Verwalterin des Gutes Taxa stand nämlich im Hose und gab laut ihre Verwunderung über ein Ei zu erkennen, daß sie im Hühnerstalle gefunden hatte. Auf diesem Ei war ein Stern und mitten in demselben ein schöner Frauenkopf zu sehen. Eine schwarze Henne hatte es gelegt, und zwar nicht in das Nest zu den andern hinzu, sondern ganz allein neben demselben auf einen neuen Ziegelstein, von dem Niemand wußte, wie er in das Hühnerhaus gekommen. Der Graf stand über dem Lärm auf und von dem Vorfall benachrichtigt, ging er selbst nach Taxa hinab, um Alles an Ort und Stelle zu betrachten. Da Niemand ihm sagen konnte, wie der neue Ziegelstein in das Hühnerhaus gekommen, rief er aus, wenn ihn kein Mensch hierher gebracht, so darf ich ganz bestimmt annehmen, es habe dies die göttliche Mutter gethan, um damit den Grundstein zur Kapelle zu legen, und mit dem Stern auf dem Ei wollte sie mir die Form derselben anzeigen. Er ließ nun sogleich das Hühnerhaus abtragen, um die Kapelle an derselben Stelle, welche die göttliche Mutter für dieselbe bestimmt hatte, zu erbauen. Der Bau wurde im Jahre 1618 angefangen und im darauffolgenden Jahre vollendet. Der Graf scheute keine Kosten. Der Ziegelstein, auf den die Henne das wunderbare Ei gelegt, wurde zum Grundstein genommen und überall die Form eines Sternes beobachtet. Der fromme Herzog Wilhelm von Bayern ließ das schöne Muttergottesbild machen, das noch vorhanden ist, und zwar genau so, wie es auf dem Ei zu sehen war. Was weiter die Henne betrifft, so legte sie dieses Ei an einem Freitag. Samstag darauf legte sie ein zweites und in acht Tagen darnach wieder eins; allein auf diesen beiden war zwar — 485 — ein schöner Stern mit flammenden Strahlen, aber kein Frauenkopf zu sehen. Hierauf ist die Henne verkommen, ohne daß man erfahren konnte, wohin, obwohl man auf sie recht Acht gegeben. Ebenso ist das erste Ei frühzeitig verloren gegangen. Als mit der Zeit die Andacht zu diesem Gnadenort immer mehr zugenommen und die zahllosen Wallfahrer viel in den Opferstock legten, hat genannter Graf Johann Wilhelm statt der Kapelle eine größere Kirche bauen lassen, die später Johann Baptist Becceria, der die Herrschaft Odelzhausen käuflich an sich gebracht, noch mehr erweitern und mit zwei Thürmen versehen ließ. Im Jahre 4654 wurde die Gnadenkirche von dem damaligen Fürstbischof von Freising, Albert Siegmund, den barfüßigen Augustinern übergeben, um das Seelenheil der zahllosen Wallfahrer zu besorgen, und sie verblieb ihnen bis zur Aufhebung des Klosters im Jahre 1802, wo sie von Grund ans zerstört und der Erde gleich gemacht wurde. ^ Das Gnadenbild wurde in die Kirche nach Odelzhausen gebracht und auf dem Hochaltar der Verehrung der Gläubigen ausgesetzt. Mama-Eck. ^Hngefähr 3 Stunden südlich von Traunstein erhebt sich auf einem " 3000 Fuß hohen Berge das vielbesuchte Wallfahrtskirchlein Maria-Eck, zur Pfarrei Siegsdorf gehörig. Ueber die Entstehung dieser Wallfahrt berichtet die Sage, daß zu Anfang des 17. Jahrhundert die Holzknechte auf dem gegenüber liegenden Rabenstein, wenn sie Abends nach Hause zurückkehrten, auf dem Vordereck, wo jetzt das Kirchlein steht, jedesmal drei Lichter gesehen, wenn am darauf folgenden Tage ein Fest der Mutter Gottes gefeiert wurde. Diese Lichter bewegten sich hin und her und verschwanden zuletzt nach den beiden Richtungen hin, von wo später die Wallfahrtswege auf den Berg hinauf führten. Nachdem die Kapelle erbaut und ein Altar in derselben errichtet worden, verschwand eines der Lichter und nachdem sodann die beiden Seitenaltäre aufgestellt worden, auch die beiden anderen. Die Geschichte dagegen berichtet darüber Folgendes: Im Jahre 1618, im Anfange des 30jährigen Krieges, kaufte der Prälat von Seeon, Sigis- mund Dullinger, die Vorderalp, auf welcher jetzt die Kirche steht, und sechs Jahre später das Alpengut Hinteregg, das mit der genannten Alp in Verbindung steht. Um die hiesigen Güter zu verwalten und zugleich den Arbeitern des Gutes Gelegenheit zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürf- — 486 — nisse zu geben, wurde 1626 das Kirchleiu gebaut und im darauf folgenden Jahre von dem Weihbischofe von Salzburg, Christoph von Lichtenstein, eingeweiht. In dieser Kirche wurde eine Copie des berühmten Marienbildes von Lukas Kranach, dessen Original sich in Innsbruck befindet, aufgestellt. Im Jahre 1631 schenkte der Fürst Radziwill noch ein anderes Marienbild in die Kirche, das der Sage nach vom h. Lukas gemalt sein soll. Da nun alsbald viele Wallfahrer zu der Kirche heranströmten, so sah sich der Abt Honoratus von Seeon veranlaßt, 1635 die Kirche zu erweitern und noch zwei Seitenaltäre in derselben zu errichten, wovon der eine der h. Mutter Anna, der andere dem h. Kreuz geweiht ist. Bald nachher wurde neben der geräumigen Kirche das schloßartige Herrenhaus, ferner das Meßnerhaus (welches jetzt die Wohnung des Wallfahrtspriesters ist) und ein Wirthshaus mit großen Räumlichkeiten zur Beherbergung der Pilger gebaut. Von nun an beginnen die ständigen Priester an der Wallfahrtskirche. Die Meßnerdienste wurden lange Zeit hindurch von einem Einsiedler versehen. Im Jahre 1646 wurde die Rosenkranzbruderschaft in Maria-Eck eingeführt. Unter den damaligen Wallfahrtspriestern nennen wir den Abt Honoratus, welcher 1653 seine Abtswürde niedergelegt hatte, und ?. Desi- derius Schabberger, ehemals Professor der Theologie zu Salzburg, welcher am 26. April 1698 starb und in der Kirche begraben wurde. Der Abt Columban II. erbaute 1713 das Herrenhaus, damit mehrere Priester in demselben wohnen und den Wallfahrtsdienst versehen könnten. Schon beim Baue hatte eine Wöchnerin, nachdem sie zum Besten des Kirchleins ein Gelübde gethan, wunderbare Hülfe erlangt. Sodann ist 1632 gerichtlich die Heilung eines Stummen constatirt worden, der zugleich lebensgefährlich erkrankt war. Die Votivtafeln in der Kirche erzählen noch von vielen sonstigen wunderbaren Gebetserhörungen, die auch in dem Mirakelbuch ausgezeichnet sind. Am 11. März 1863 wurde das Kloster Seeon aufgehoben und nun so llte das Schicksal der Zerstörung auch die Wallfahrtskirche treffen. Am 14. August 1864 wurde die Kirche gänzlich ausgeräumt, als man aber anfing das Gewölbe einzuschlagen, wurden die Arbeiter von einigen Holzknechten verjagt. Im Jahre 1316 reichten 5 Gemeinden eine Bittschrift um Wiedereröffnung der Kirche ein, welcher Bitte willfahrt wurde und am 11. Dezember 1813 wurde das Wallfahrtsbild aus der Kirche zu Siegsdorf wieder an seine alte Stelle zurückgebracht. Am 16. Juni 1816 wurde sodann die Anstellung eines besonderen Wallfährtspriesters zu Marien-Eck genehmigt. Die Wallfahrt hob sich von da an wieder und nimmt auch jetzt noch immerfort zu. Ettal. er Name Ettal stammt der Sage nach von Ethiko oder Etto her. In alten Urkunden wird es vallis IRtonis und vallis Miedonis genannt. Das uralte, mächtige Geschlecht der Welsen war an im beiden Lechufern und in den Gauen der Amper begütert. Aus diesem Geschlechte stammte auch die schöne Jutta oder Judith, die zweite Gemahlin des Kaisers Ludwig des Frommen. Ethiko war ihr Bruder. Dieser zog sich von der Welt in das öde Thal an den Quellen der Amper zurück und baute sich dort in tiefer Verborgenheit ein kleines Kloster. Die enge Mündung des Thales am schroffen Kofel ließ er durch einen Verhau schließen. Nach seinem Tode zogen die Mönche in das Kloster Altomünster und Kloster Ettal verschwand bald wieder. Im Jahre 1327 hatte Kaiser Ludwig der Bayer den Römerzug an- . getreten und war am 16. Januar 1328 in Rom zum römischen Kaiser gekrönt worden. Bei seiner Rückkehr aus Italien gelobte er, der Mutter Gottes ein neues Kloster zu bauen. Die Legende berichtet darüber Folgendes: Als Kaiser Ludwig einst im italienischen Lande unter der großen Last der Sorgen von Schwermüthigkeit und drückenden Gefühlen ergriffen war, trat plötzlich ein Mönch von ehrwürdiger Gestalt im Benediklinerhabit vor ihn und sprach ihm Trost und Muth zu. Er werde glücklich wieder nach Deutschland zurück- kommen, wenn er verspreche, der Mutter Gottes an einem bestimmten Orte eine Kirche und ein Kloster nach oer Regel des h. Benedikt zu bauen. Zugleich übergab ihm der Mönch ein aus Stein gehauenes Muttergottesbild zur Aufstellung in der neuen Kirche und meldete ihm, daß alsbald ein reicher Herr sich bei ihm melden und ihm die Geldmittel zur Stiftung übergeben werde. Und bald darauf geschah es, daß sich ein vornehmer Herr bei dem Kaiser melden ließ und ihn nm die Freiheit sowohl seiner Person als des ihm untergebenen Landes ersuchte. Solches gestattete ihm der Kaiser, verlangte aber dafür die Summe von 166,066 Gulden. Der Herr aber gab dem Kaiser noch 50,000 Gulden mehr und seinem Kanzler 2000 Gulden. Nach seiner Rückkehr wählte nun der Kaiser Ettal zur Stätte für das neue Kloster und legte am 18. April 1830 den Grundstein zu demselben. Reichlich ward das Kloster begabt: Ammergau, Murnau, die Burgen Pei- lingau, Möhring und Eschenlohe nebst allem Zubehör verlieh er demselben. Zwanzig Benediktinermönche, unter ihnen vierzehn Priester, wurden in das Kloster eingesetzt, dessen erster Abt Friedrich hieß. Zugleich errichtete er daselbst ein Versorgungsinstitut für alte, treue Ritter. Dreizehn Waffengefährten Ludwigs nebst ihren Frauen, sowie sechs Wittwen ausgezeichneter Krieger erhielten dort Unterkommen. Das Statut für diese Anstalt, welches er am 17. August 1332 in Ettal feststellte, enthält unter Anderm Folgen- des: An der Spitze des Instituts stand ein Meister, welcher ans den Rittern gewählt wurde und die ganze ökonomische Pflege desselben leitete. Die Frauen waren blau gekleidet und standen unter einer Meisterin, welche der Meister unter Beistimmung der übrigen Ritter einsetzte. Die Tracht der Männer war blau und grau; goldene Gürtel und Sporen waren ihnen erlaubt; Tanz, Würfel und Spiel um Geld waren verboten, dagegen Belustigung mit Armbrustschießen, Jagen, Pürschen und Baizen gestattet. Zur Bedienung waren jedem Ritter und seiner Frau ein Knecht, eine Dirne und ein Heizer, den Wittwen insgesammt zwei Mägde, !der Meisterin noch eine besondere Dienerin bestimmt. Der Meister hatte vier Pferde, einen Koch, zwei Junker, einen Schreiber, einen Jäger mit zwölf Hunden und einen Falken mit zwei Lanfknechten. Für die übrigen Ritter wurden insgesammt acht Pferde und vier Pferde für die Knechte gehalten. Den Wittwern war es gestattet, sich wieder zu vermählen. Die Kinder, welche dort geboren wurden, durften drei Jahre in dem Institut verbleiben und der Meister mußte für ihre Bedürfnisse sorgen. Wenn sie nicht durch Krankheit gehindert waren, mußten die'Ritter täglich bei der Frühmette und bei allen Tagzeiten im Chöre der Kirche erscheinen und fünfmal im Jahr mußten sie die h. Communion empfangen. Ludwig verweilte oft in Ettal. Noch jetzt zeigt man daselbst den Raum des großen Zimmers über den Stallungen als das Kaisergemach, welches er bewohnte und nicht weit von da, am westlichen Gestade des Plansees in Tprol, führt eine Quelle den Namen Kaiserbrunnen und soll Ludwig sich oft auf der Jagd an dieser Quelle erquickt haben. Nach dem Tode Ludwigs wurde die weltliche Stiftung aufgelöst, nur 1 6 Jahre hatte sie bestanden. Aber das Benediktinerstift blieb und obschon die meisten Güter wieder eingezogen waren, wurde doch der Noth bald wieder durch neue Stiftungen gesteuert. Die im Jahre 1648 gestiftete Pfarre Ettal wurde dem Kloster einverleibt. Unter dem Abte Conrad wurde eine neue Klosterkirche gebaut, deren Einweihung am 5. Mai 1870 erfolgte. Auch empfing dieser Abt vom Papste Bonifaz IX. 1389 für. sich und seine Nachfolger die Auszeichnung mit Jnful und Stab. Im vorigen Jahrhundert gründete der Abt Placidus II. (1709 —I7W) eine treffliche Lehr- und Erziehungsanstalt für adelige Jünglinge. Dieses Institut fand allgemein Beifall; besonders der Kurfürst Karl Albert von Baiern begünstigte dasselbe und aus allen Gauen Deutschlands strömten die adeligen Jünglinge dorthin, um eine standesmäßige Erziehung zu erhalten. Allein im Jahre 1744 vernichtete ein verheerender Brand das ganze Gebäude nebst der reichhaltigen Bibliothek. Abt Benedikt III. begann den Neubau des Klosters und der Kirche, welche aber erst unter dem letzten Abte, Alphons Hafner, so weit vollendet wurde, wie man sie gegenwärtig erblickt. Das Marianische Gnadenbild wurde sZ. August 1790 mit großer Feierlichkeit in die neue Kirche übertragen. An Stelle des adeligen Erziehungsinstitutes wurde ein Studien-Seminar für Knaben aus allen Ständen errichtet, welches ebenfalls bald in hoher Blüthe stand. Bei der Säkularisation des Klosters im Jahre 1803 wurde das Vermögen desselben zum Staats Aerar eingezogen, die Kirche aber zur Pfarr- und Wallfahrtskirche bestimmt. Der (rechte Flügel des Gebäudes an der Kirche, die ehemalige Prälatur wurde zur Psarrwohnung und Schule eingerichtet, alle übrigen Klostergebäude wurden dagegen veräußert. Die Wallfahrtskirche wird zu den schönsten Denkmälern Bayerns gerechnet. Sie ist in Form einer Rotunde gebaut, an welche sich einige Stufen höher die Kapelle mit dem Hochaltar anschließt. Sämmtliche Wände sind mit Marmor bekleidet und die 188 Fuß hohe und 88 Fuß breite Kuppel ruht ohne Pfeiler und Säulen allein auf der Hauptmauer. Die Gewölbeflächen sind mit Gemälden vorzüglicher Meister geschmückt, ebenso haben die verschiedenen Altarbilder künstlerischen Werth. Das Gnadenbild stellt die allerseligste Jungfrau sitzend dar. Die rechte Hand ruht auf ihrem Schooße, mit der linken hält sie das Jesukind, welches auf ihrem linken Kniee steht und ihr sein Gesicht zuwendet. Leider ist durch das Behängen mit Gold und Perlen u. dergl. das Bild zu sehr verdeckt. Es ist 14 Zoll hoch und 18 Pfund schwer. Von Kunstkennern wird dasselbe als ein ausgezeichnetes Werk der Bildhauerkunst gerühmt. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Adens. rei und eine halbe Stunde von Freising entfernt liegt das Dorf Abens mit einer Psarr- und Wallfahrtskirche. Ueber die Entstehung und das Alter dieser Wallfahrt ist aus Mangel an Urkunden nichts Näheres bekannt; nach einer Aufzeichnung'des Pfarrers Hindermayer (1766 bis 1781) soll dieselbe seit ungefähr 1270 bestehen. Das aus Holz geschnitzte Gnadenbild der Muttergottes ist alt und 5 Fuß 9 Zoll hoch. In der rechten Hand hält sie eine Lilie, auf dem linken Arme das Jesukind. Unter dem Mantel blicken zwei Figuren hervor. Der rechte Fuß steht auf dem Halbmonde, der mit (einem nach Art der ägyptischen Mumien verhüllten Menschenkopfe versehen ist. Von der alten Kirche steht nur noch der Unterban des Thurmes. Sie hatte 4 Altäre. Der Hochaltar war zu Ehren der Muttergottes, die Seitmaltäre zu Ehren der h. Barbara, des h. Sebastian und des h. Abtes — 490 — Antonius geweiht. Im Verlaufe der Zeit war das Langhaus so sehr zerfallen, daß zu einem Neubau geschritten werden mußte. Diese neue Kirche wurde 1740 erbaut, sie ist im Innern 95 Fuß lang, 40 Fuß breit und 35 Fuß hoch. Im Thurme hängen drei Glocken, die kleinste hat die Umschrift: anno ckoruiui 1434 kuäit ine iollaunss vivis uoriruberAk; die große: Mit Fleiß zu Gottes Ehr und Preiß goß mich Bartholome Wengle in München 1628; die mittlere: 1681 Christoph Ferdinand Huber in Landshut. Um die Mitte dieses Jahrhunderts wurde die Kirche mit großen Kosten restaurirt. Die Gnadenkaxelle Mama-Egg zu Peiting. m Bezirksamte Schougau in Oberbaiern liegt am Flüßchen Peit- nach das wohlhabende Dorf Peiting mit der Gnadenkapelle Maria-Egg, über dessen Entstehung der Marianische Atlas von Maximilian Wartenberg 1673 Nachstehendes berichtet: „Peutingen in der Herrschaft Schongau, in Bayrn, ist ein Dorf, von demc, einen Musqutten-Schuß weit, ein Wunderthätige' vnserer lieben Frau kapell, deren Anfänger ein Schneider ist, mit Namen Lorentz, ein Inwohner dieses Dorffs: welcher, da er noch ein kleiner Knab, offt von seiner Großmutter oder Ahnfrau Apollonia gehört, es wären an diesem Orte diejenige, so auß der Pfarrei Peutingen an der Pest verstorben, begraben, wann er wurde groß werden, soll er aufs seinen Kosten ein vnser lieben Frauen-Bild machen lassen, und darein stellen, den armen Seelen in dem Fegfeuer zu Trost. Nach dem Tod der Apollonia ist alles in Vergeß gestellt worden: chis den Lorentz, da er schon,cin ge- standner Mann, bei dem Hertz ein großer ^Schmerzen ankommen, so von Tag zu Tag zugenommen, ohne Hüls eintzigen Mittels: Jndeme wird er in dem Schlaff ermahnet, wann er ein Mutter-Gottes-Bild allhero stellen werde, so werde das Uebel nachlassen: Als er erwachet, ist er der Wort seiner Groß - Mutter eingedenk gewesen, alsbald hingangen, den ersten Stein zu einem kleinen halbrunden Capellel, sechs Schuh hoch und vier breit, gelegt, hat auch der Schmertz augefangen nachzulassen, biß er völlig, mit Vollendung dieses Capellels, gantz verschwunden: hat ein hiltzenes Mutter -Gottes-Bild darein gestellt: solches haben die Pilgrams häusig besucht, und Wunder Gnaden empfangen, ist also hernach eine rechte, doch nit grosse Kirche daraus gemacht worden; Da man das Fundament gegraben, hat man die Todten- beiner gefunden, vnd gesehen, daß deß Lorentzens Anfrau recht gesaget." — 491 — Aehnlich lautet der Bericht des damaligen Pfarrers Seywalt, sowie cm altes Lied, das den Ursprung der Kapelle in das Jahr 1642 versetzt. Da nun von allen Seiten die Gläubigen hinzuströmten, so ertheilte 1655 Bischof Albert Sigmund die Erlaubniß, eine größere Kapelle zu bauen und in derselben die hl. Messe zu lesen. Die Länge derselben wnrde auf 40 Fuß, die Breite auf 24 Fuß und die Höhe bis zum Gesims auf 24 Fuß bestimmt. Papst Alexander VII. bewilligte 1663 auf das Fest Mariä Heimsuchung einen vollkommenen Ablaß. Nachdem die Kapelle l665 vollendet, weihte sie der Weihbischos von Freising, Johann Kaspar Kühner, feierlich ein. Im Jahre 1834 wurde die Kapelle erweitert. Das Gnadenbild ist 19 Zoll hoch und stellt die seligste Jungfrau dar als Gottesmutter mit dem Jesukinde auf dem Arme und als Königin Himmels und der Erde mit dem Scepter in der Rechten. Neben dem rechten Seitenaltare befindet sich ein altes geschnitztes Bild, ein Meisterwerk des 15. Jahrhunderts, die Anbetung der h. drei Könige darstellend. In früheren Zeiten befand sich bei der Kapelle Maria-Egg eine Einsiedelei. 1854 wurde ein Klösterlein für arme Schulschwestern daselbst errichtet, welche die Mädchenschule der Pfarre besorgen. Mariahilf auf der Schwarzlack bei Brannenburg. m Jahre 1659 erhielt ein Eremit, Georg Thanner, von der Gutsherrschaft, Baron Hund zu Brannenburg die Erlaubniß, auf einem AbHange des Sulzberges, fast gleich weit von den Weilern Schweinsteig und Ried gelegen, eine Klause zu bauen. Nach einiger Zeit fand der Eremit eines Morgens auf einem abgehauenen Baumstamm in der sogenannten „schwarzen Lacke" sein kleiner Sumpf, über welchem jetzt die Wallfahrtskirche steht) ein hübsch gemaltes Bild der lieben Gottes Mutter. Freudig nahm er es in seine Klause und verrichtete von nun an vor demselben seine Andacht. Bald kamen auch Andere, um das Bild zu sehen und vor demselben zu beten. Da befahl der damalige Pfarrer von Großholzhausen, Wolfgang Formajer, das Bild in die nahe Filialkirche zu Brannenburg zu übertragen; allein am folgenden Morgen befand sich das Bild wieder auf dem Stocke in der schwarzen Lacke. Solches wiederholte sich noch zweimal und in Folge dessen verblieb das Bild an seiner alten Stelle- Nun erbaute der Eremit an dieser Stelle eine kleine Kapelle, in welcher das Bild aufbewahrt wurde. Vier Jahre später, 1663, suchte Ferdinand, Freiherr von Hund, Besitzer der Hosmark Brannenburg, bei dem Bischöfe von Freising — 492 — um die Erlaubniß nach, für den Eremiten an der schwarzen Lacke em Betkirchlein erbauen zu dürfen. Jedoch es dauerte lange, bis solches bewilligt wurde und am 25. Januar 1687 wurde zuerst das h, Meßopfer in dem neuen Kirchlein dargebracht. Als das Kirchlein baufällig geworden, wurde es 1716 erneuert und ein Thürmchen mit 2 Glöcklein auf dasselbe gesetzt. Jedoch auch dieses Kirchlein wurde bald zu klein und es wurde, vorzüglich unter Beihülfe des Grafen von Preysing dieselbe vergrößert und dann die Kirche am 3. Juni 1767 durch den Weihbischof Ernst Johann Nepomuk von Freysing zu Ehren des h. Johannes von Nepomuk eingeweiht. Der Altar wurde zu Ehren des h. Märtyrers Florian geweiht. Das Kirchweihfest wurde auf den nächsten Sonntag nach dem Feste der Heimsuchung Maria festgesetzt und für diesen Tag ein Ablaß von 40 Tagen verliehen. Schon im Jahre 1763 hatte Gras Maximilian IV. von Preysing von Rom die Erlaubniß zur Feier der sogenannten 3 goldenen Samstage (nach dem Feste des h. Erzengels Michael) erhalten und für diese Tage vollkommenen Ablaß erwirkt. Ebenso erwirkte derseibe einen vollkommenen Ablaß für die 3 ersten Freitage des Monats März. Der Besuch des Kirchleins von Maria-Hilf war sehr groß und viele wunderbare Gebetserhörungen wurden durch die zahlreichen Votivtafeln angezeigt, welche an den Wänden derselben ausgehängt waren. Diese wurden bei dem Kirchensturme im Anfange dieses Jahrhunderts entfernt und mir wenige derselben sind noch bei den Nachbaren vorhanden. Wies bei Freising. ,ic ein ansehnliches Schloß das Thal beherrscht und dem Auge einen lieblichen Uebcrblick über dasselbe gewährt. Leicht und bequem steigt man den Berg auf 148, mchrmal mit Ruheplätzen unterbrochenen, rothmarmornen Stufen hinan. Nach alter Sage soll der heilige Rnpertus bei seinen apostolischen Wanderungen durch Bayern auf diesem Berge gewohnt und gepredigt haben, daher der Name Rupertsberg. Nupert soll daselbst die Kapelle erbaut und 32* — 300 — eingeweiht haben, welche heutzutage die Josephskapelle genannt ist. In derselben soll auf Anrathen und Geheiß dieses Heiligen, welcher um das Jahr 718 oder 723 selig im Herrn entschlief, schon zu seiner Lebenszeit oder bald nachher das wunderthätige Marienbild aufgestellt worden sein, das bis jetzt mehr als 1100 Jahre hindurch der Gegenstand der allgemeinen öffentlichen Verehrung ist. Im Jahre 1350 wurde neben der kleinen Kapelle auf dem Ruperts- bergc eine neue schöne geräumige Kirche, 153 Fuß lang und 54 Fuß breit, mit einem hohen Thurme erbaut. Nun wurde das Marienbild auf den Hochaltar dieser neuen Kirche gesetzt, wo es noch gegenwärtig seine Stelle einnimmt. Dieses Bildniß erscheint, wenn es von dem Schmucke der gold- und silbergestickten Kleider und der Krone entblößt ist, als ein Meisterwerk alter Bildhauerkunst. Es ist aus einem einzigen Stück Lindenholz geschnitzt und hat (in sitzender Stellung) in der Höhe fünf Schuh vier Zoll, in der Breite vier und in der Tiefe zwei Schuh. Das Haupt neigt sich ein wenig zur Rechten und ist umwallt von langen, Monden Haaren; die Züge des länglichen Gesichtes zeigen die heilige Jungfrau als eine mächtige, aber liebevolle Himmelskönigin. Die Rechte hält das Jesukind auf dem Schooße, die Linke eine Rose. Das lange Kleid ist voni rother Farbe mit vergoldeter Verbrämung. Die Mitte des Leibes umgibt ein Gürtel, den eine vergoldete Schnalle zusammen hält. Auf dem Herzen sind die Worten eingeschnitten: „Mutter der Gnaden." Die Verehrung des Marienbildes in der neuen Kirche zog viele Andächtige dahin und bald erblühte der Rupertsberg zu einem sehr besuchten Wallfahrtsorte. Schon um das Jahr 1400 wurde er häufig von Fremden besucht. Der Ruf der Wunderthätigkeit verbreitete sich immer mehr und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Mariadorfen unter die blühendsten Wallfahrten in Oberbayern gerechnet. Laut eines alten Saalbuches waren 8 oder 9 Priester zu Dorfen anwesend, um die Dienste in der Wallfahrtskirche zu versehen. Unter solchen Umständen nahm auch die Vergrößerung des Marktes zu und mehrte sich der Wohlstand der Einwohner. Als vorzüglicher Beförderer der Wallfahrt zu Dorfen wird der dortige Pfarrer Joseph Sailer genannt. Schon gleich bei dem Antritt seines Pfarramtes im Jahre 1705 verwendete er 3000 Gulden seines eigenen Vermögens zur Ausstattung des Gotteshauses auf dem Rupertsberge. Vom päpstlichen Stuhle wurde im Jahre 1711 ein vollkommener Ablaß für Alle erwirkt, welche den Gnadenort mit Ablegung reumüthiger Beicht und Empfang der heiligen Kommunion besuchen. — Sailers Predigten flössen über von Andacht und Vertrauen zu Maria und er besaß die Macht, jene Liebe, welche er zur Gottesmutter hegte, auch Andern einzupflanzen. So wirkte Sailer mehr als 30 Jahre für das Gedeihen der Wallfahrt, bis er im 82. Jahre seines Alters am 16. Januar 1737 sein thätiges Leben endete. Der Ruf der vielen — 501 — Wunder von der hülfreichen göttlichen Mutter zu Dorsen verbreitete sich allenthalben. Auf Sailers Bericht wurde im Jahre 1707 von dem Fürstbischöfe zu Freising eine Commission zur Untersuchung und Prüfung der aufgezeichneten vorzüglichsten Wunderthatcn niedergesetzt. 130 Bethciligte wurden eidlich über die erzeigte Wunderhilfe vernommen, verschiedene medizinische und polizeiliche Zeugnisse eingeholt und die zehn ältesten Personen in und um Dorsen über den früheren Ruf und Bestand der Wallfahrt verhört; dann nach Prüfung der älteren und neueren Dokumente und nach Erwägung aller Umstände wurde das Marienbild durch bischöflichen Ausspruch als gnadenreich und wunderthätig erklärt und hierauf am Dreifaltigkeitsfeste, den 19. Juni, unter dem Jubel einer ungemeinen Volksmenge von der Priesterschaft in feierlicher Prozession im Markte herumgetragen. Nun wurde der Zulauf der Andächtigen zu dem Gnadenbilde von Jahr zu Jahr immer größer. Eines der glänzendsten Feste feierte die Wallfahrtskirche im Jahre 1757 vom 2. Oktober an acht Tage hindurch. Es war die Jubelfeier der vor einem Jahrhunderte in derselben errichteten Rosenkranz-Bruderschaft, welche mit außerordentlicher Pracht begangen wurde. Mehr als 20,000 Gläubige empfingen die h. Kommunion; während der Oktav wurden wenigstens 460 hh. Messen in der Marienkirche gelesen. In dieser Kirche, deren auf breite und vorspringende Mauern gestützte Gewölbe ohne Säulen sind, fesselt die majestätische Zierde des Hochaltars, auf welchem das Gnadenbild thront, am meisten die Aufmerksamkeit des Besuchers. In der Mitte des Altars steht auf einem vergoldeten, mit silbernem Laubwerk gezierten Throne das Gnadenbild. Der Thron selbst schwebt auf einem silbernen, drei Fuß hohen Gewölle. Zwei große schwebende Engel mit ausgespannten vergoldeten Flügeln halten den Thron; etwas weiter unten befinden sich zwei kleinere schwebende Engel von Silber, welche ein Füllhorn mit zwei Leuchtern tragen, die zur Beleuchtung des Bildes dienen. Hinter dem Throne aufwärts schimmert ein vergoldeter Strahlenschein mit glühender Sonne in der Mitte und um den Achtkranz herum blinken wie Sterne in Form eines Kranzes, aus Silber gearbeitet, die fünfzehn Geheimnisse des heiligen Rosenkranzes auf künstlich gefertigten Schildern. Das erhabene Gotteshaus auf dem Rupertsberge steht jetzt in erneuerter Pracht da. Waria-Gich. ^"Vei Plancck in einem Eichenwalde, drei Stunden von München entfernt, liegt die kleine Wallfahrtskirche Maria-Eich, zu welcher jährlich Tausende von Pilgern gehen, um den Schutz der Gottesmutter anzurufen. — 502 — Die Entstehung dieser Wallfahrt wird uns in folgender Meise berichtet: Ein Schneidermeister, Namens Thalmayer, zu Plancck hatte zwei Söhne, Franz und Kaspar, welche einst von einem Wandersmanne, welcher mit thönernen Figuren Handel trieb, zwei Figuren kauften. Die Figur des Franz, die derselbe für 2^ Kreuzer erstand, war ein Bild der H.Jungfrau, etwa eine Spanne hoch, mit einer dreifachen Krone auf dem Haupte, das Jesukind auf dem linken Arme. Die andere Figur war eine Nachbildung des Gnadenbildes von Dorfen. Solches geschah 1711 oder 1712. Franz stellte sein Bild etwa eine Viertelstunde von Plancck entfernt, in der Höhlung einer alten dürren Eiche auf und verrichtete sodann fast täglich seine Andacht vor demselben. Seinem Beispiele folgten die Landleute, welche des Weges vorübergingen. Als nun späterhin die Eiche neues Leben erhielt und die Rinde das Bild so umschloß, daß nur noch die Häupter sichtbar waren, und man deshalb Rinde und Holz um das Bild wegschneiden mußte, da gewann dasselbe einen heiligen Ruf und man nannte die Stätte Maria-Eich. Nach 20 Jahren fand ein Ereigniß statt, in Folge dessen 1732 eine hölzerne Hütte um die Eiche gebaut wurde. Das fünfjährige Töchterlein des Schwaigers Georg Wastian von Plancck erkrankte schwer und bat seinen Vater um Hülfe, die ihm nur dann zu Theil werden konnte, wenn er dem Muttergottesbilde eine Kapelle baue. Der Vater versprach dieses und machte sich alsbald ans Werk. Noch am Abend desselben Tages fiel dem Kinde ein Auge aus und zugleich schwanden die Schmerzen. Bald daraus starb das Kind, wie es solches vorhergesagt hatte. Dies Ereigniß zog nun so viele Pilger nach Maria-Eich, daß man im Jahre 1744 die Erbauung einer gemauerten Kapelle beschloß. Als besondere Wohlthäter derselben werden Johann Baptist von Russin und dessen Gemahlin Johanna, die damaligen Besitzer Planccks genannt. Im Jahre 1768 war die Kapelle vollendet und wurde von dem Fürstbischöfe Theodor von Freising in der Frobnlcichnamsoktav eingeweiht. Die an die Kapelle angrenzende Wohnung für den Kirchendiener wurde von Russin 1745—1747 erbaut; in ihr wurde ein Einsiedler installirt, welcher zugleich den Kindern von Planeck Unterricht ertheilte. Der letzte Einsiedler, Niklas Müller, starb im Jahre 1837. Papst Clemens XIV. verlieh der Kapelle einen vollkommenen Ablaß. Als im Jahre 1775 der Kurfürst Maximilian Joseph von Bayern im Eichcnforste Planecks ein Trcibjagen abhielt, flüchtete ein lange vergebens verfolgter Hirsch in einen umzäunten Winkel der Marienkapellc. Die Hunde spürten indessen das Wild bald auf; ihnen folgte der Oberjägermeister mit den andern Jägern und selbst der Kurfürst kam in seiner Jagdkarosse herbei. Erstaunt darüber, daß das Thier hier Zuflucht gesucht, befahl er, demselben Leben und Freiheit zu schenken und die Jagd in einem andern Theile des Waldes fortzusetzen. Zum Andenken hieran ließ der Gutsherr von Planeck — 503 — eine Tafel an jener Stelle aufhängen, wohin sich der Hirsch geflüchtet hatte. Dieselbe enthält folgende Reime: Ein abgejagter Hirsch in seiner vollen Flucht Hat Schutz und Sicherheit an diesem Ort gesucht; Und was er hat gesucht, daß hat er auch gefunden. Die Jäger haben sich zu seinem Tod verbunden, Der Kurfürst selber kommt und sieht das Schauspiel au, Er gibt dem Thiere Schutz und wandte seine Bahn. O Batcr! welcher Preis muß deinen Namen zieren? Der beste kommt Dir zu bei Menschen und bei Thieren. Geschebcn den 12. Oktober 1775, renovirt 1811. B. von Russin. Am 26. Juli 1805, während der Priester am Altare das h. Meßopfer verrichtete, zog ein furchtbares Gewitter heran; ein Blitzstrahl fuhr in die Eiche und zertrümmerte ihre prachtvolle Krone. Die Kirche war aber unversehrt geblieben. Es wurde nun der Stamm der Eiche in der Höhe des Kapellcndachcs abgesägt und das Glockenthürmcheu mit einem Blitzableiter versehen. In Maria-Eich ist kein besonderer Wallsahrtspricster; der Gottesdienst wird von dem Pfarrer in Martinsricd versehen. Die eigentliche Wallfahrt beginnt um Ostern und endet gegen Michaelis. Bei großem Andränge der Pilger wird der Gottesdienst im Freien abgehalten. Keil'ig-'Mlut bei Grding. .Ungefähr eine Viertelstunde von Erding erhebt sich die Wallfahrtskirche zum heil. Blut, neben welchem) sich das Schloß des Frci- herrn von Grainger befindet. An Stelle der Kirche stand früher eine Kapelle, über deren Entstehung Nachfolgendes berichtet wird: „Im Jahre 1417 kamen zwei Bauersleute aus dem am heil. Blut anliegenden Dorfe Kletheim in ihrem Gespräche auf ihre Vermögensumstände, da der Eine wohlhabend, der Andere aber arm war. Der Arme fragte nun den Reichen: wie er's denn mache, daß das Glück ihn so begünstige, wahrend ihm, selbst bei aller angewandten Mühe, in seinem Hauswesen nichts Gedeihliches crsprießen wolle. Der Vermöglichc gab dem also Klagenden zur Antwort: Er glaube, sein Glück rühre davon her, West er in seinem Schreine das allerhciligste Sakrament des Altars ausbehalten habe (in dem Schreine imics Herzens, wie er gewiß verstanden wissen wollte). Allein, der Arme »ahm die Rede in seiner Einfalt anders, wie sein Benehmen zeigte. Er meinte einen wirklichen Schrein oder Kasten im Hause, und beschloß, durch gleiches Mittel wie sein Nachbar zu einer gleichen Glückseligkeit zu - — 304 — kommen. Die Gelegenheit dazu bot sich ohnehin bald durch die nahe Oster- zcit. In solchen Gedanken, eine heil. Hostie nach Hause zu bringen, begab er sich am grünen Donnerstage nach Altenerding, das nicht ^ Stunde entfernt liegt, und empfing die österliche Communion in der dortigen Pfarrkirche. Der Einfältige verbarg die heil. Hostie in ein Tüchlein und ging damit endlich nach Hause voll Freude, diesen Schatz in seinem Hauskasten aufzubewahren, um mit dem Allerhciligsten in seinem Hauswesen gesegnet zn werden. Indessen hatte es der göttlichen Vorsehung gefallen, seinem ungeziemenden Vorhaben entgegenzutreten. Als der Bauersmann freudigen aber auch schüchternen Gemüthes mit dem verborgenen Abendmahl an den Ort kam, wo jetzt zwischen Erding und Altenerding das Gotteshaus zum heil. Blut steht, entwich ihm die heil. Hostie so wunderbar, daß dieselbe lange ihm sichtbar in den Lüsten schwebte und endlich auf die Erde sich niederlassend, ihm aus den Augen kam. In seinem Innern ergriffen, geängstigt und beunruhigt, konnte der Mann mit treuer Seele nun nicht anders, als den Vorfall seinem Pfarrherrn mittheilen. Dieser kam mit seinem Pfarrvölke an den Ort, wo die heil. Hostie wieder sichtbarlich emporstieg, dann aber wieder in die Erde versank, ohne sich fassen zu lassen. Auf den pfarrlichen Bericht über diese wunderbare Sache kam der Bischof von Freising mit seinem Domkapitel dahin, und während sie nebst dem zahlreich versammelten Volke beteten, erschien die heil. Hostie auch diesmal schwebend in der Luft und versank endlich wieder in die Erde, ohne daß die Erhebung möglich wurde." An der Stelle dieses wunderbaren Ereignisses wurde eine Kirche zu Ehren des göttlichen Erlösers und seines heil. Blutes erbaut; da aber die Wallfahrt dahin immer mehr zunahm, errichtete man im Jahre 1675 die jetzige geräumige Kirche. Sie hat 4 Altäre. Der Hochaltar ist zu Ehren der Todesangst Christi geweiht und zugleich der Altar der Todesangst- Bruderschaft daselbst. In der Gruft befindet sich der Herz Jesu Altar, au welchem die Hcrz-Jesu-Bruderschaft ihre Andachten hält. Der dritte Altar ist der Kreuzaltar und der vierte den Heiligen Sebastian und Leonhard geweiht. Früher stand neben der Kirche (seit 1713) ein Emeritenhaus für die Mitglieder des ehemaligen Bartholomäer-Jnstituts. Dieses wurde 1863 aufgehoben und ging in Privatbesitz über. Wil'parting bei Irl'cbenberg. ^.lwa eine Viertelstunde von Jrschcnbcrg, Landgerichts Miesbach, liegt am AbHange der Wölkammerhöhe die Wallfahrtskirche Wilparting nebst einem großen Bauernhofe. r — 505 — Um das Jahr 654 kamen zwei Jrländer, Marin und dessen Schwestersohn Anian, ersterer als Bischof, letzterer als dessen Diakon nach Rom, um vom Oberhaupte der Kirche Sendung und Segen zu erbitten. Von Papst Eugen I. als Missionare nach Deutschland gesandt, kamen sie über die Alpen und ließen sich 657 in Wilparting nieder, wo sie bei ihrem ersten Erscheinen für Engel gehalten und mit Freuden aufgenommen wurden. Anian nahm bald darauf seinen Wohnsitz jenseits eines tiefen Grabens, eine Viertelstunde von Wilparting entfernt, welcher Ort jetzt Alb genannt wird. Vierzig Jahre lebten sie in dieser rauhen Wildniß, und bekehrten das umliegende Volk zum Christenthum, bis eine Horde räuberischer Vandalen hinkam und vom Bischof Auslieferung verborgener Schätze und Abschwörung des Christenthums verlangten. Da diesem Verlangen nicht entsprochen wurde, peinigten sie den h. Marin auf grausamer Folter und verbrannten ihn zuletzt auf einem Holzstoß. An demselben Tage verschied der h. Anian zu Alb an einer schweren Krankheit. Die beiden Glaubcnsheldcn wurden von den Gläubigen in ein Grab gelegt, über welchem man sodann die Kirche von Wilparting erbaute. Im 16. Jahrhundert kam eine Rotte Ungarn auf ihren Streifzügen zu dieser Kirche und wollte gewaltsam in dieselbe eindringen, aber mit Blindheit geschlagen, konnten sie am hellen Mittage den Eingang nicht finden und die Schläge, welche sie gegen die Mauern richteten, Prallten auf sie selbst wieder zurück. Unverrichteter Sache mußten sie abziehen und bald darauf, 955, wurden sie von Kaiser Otto I. auf dem Lechfelde geschlagen. Im Jahre 1672, so erzählt die Volkssage, begannen am Tage der Kirchweihe von Frauenried Nachmittags die Glocken in Wilparting von selbst an zu läuten, obgleich Niemand sich in der Kirche befand und die Thüren verschlossen waren. Die Zeit der Erbauung der jetzigen Kirche läßt sich aus Mangel an Urkunden nicht ermitteln. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts wurde in Mitten der Kirche über der Ruhestätte der Heiligen ein Grabdenkmal von 7 Fuß Länge, 4 Fuß Breite und 4 Fuß Höhe errichtet, über welchem sich zwei Steinplatten mit den Bildnissen der beiden Heiligen befinden. Dieses Grabmal wurde 1685 mit einem Eisengitter eingeschlossen. Besonders bemühte sich um die Hebung der Wallfahrt der Pfarrer Kaspar Kaindl von Jrschenberg, welcher 1674 den 15. November zum ersten Male und sodann alle Jahre das Fest der Heiligen unter großem Zudrange des Volkes feierlich beging. Nun aber traten die Benediktiner in Rott, deren Kirche zu Schutzpatronen diese Heiligen hatte, mit der Behauptung auf, die Leiber der Heiligen befänden sich nicht in Wilparting, sondern seien von dort nach Rott übertragen worden. Dieses veranlaßte einen heftigen Streit, und in Folge dessen ließ der Fürstbischof von Freising, Johannes Franziskus Freiherr von Eckher im Jahre 1723 eine Untersuchung anstellen. Er selbst kam am 25. August von Miesbach her nach Jrschenberg, brach des andern — 306 — Tages um 3 Uhr früh nach Wilparting auf, durchschritt trotz scines Alters von 74 Jahren rüstig den rauhen Wildgraben nach Alb und von da wieder zurück nach Wilparting, wo er das h. Meßopfer darbrachte und hierauf vor der Kirche das heilige Sakrament der Firmung spendete. Während dessen wurde in der Kirche das Grabmal geöffnet. „Das Gebeinwcrk Set. Marini „lag in einem Weißen kurzen, aus Tust ausgchaucncn Sarge mit Kieselstein- glatten zugedeckt, mit dem Haupte gegen den Altar, von dessen heil. Leib „geht mehr als der halbe Theil ab, — werden dabei gar viele Kohlen gefunden. — Der heil. Leichnam St. Anian lag ganz in der schönsten Ord- „nung auch in einem weißen, aus Tust gemachten Sarg um einen starken „Werkschutz tiefer als Set. Marin, ebenfalls mit Kieselstein-Platten bedeckt, „mit dem Haupte gegen den hintern Theil der Kirche, wie man die Weltlichen zu begraben Pflegt. Er war von Person ein großer Mann, weil er „mit den Füßen an dem Gemäuer gegen den Altar festangcstanden, uner- „achtet der Sarg mehr als 6 Werkschuh und einen halben lang war; dessen „heil. Haupt lag auf einem in dem Sarg aus Stein gehauenen Kissen." Die Gebeine wurden nach Jrschcuberg gebracht, in einen hölzernen Schrein gelegt und mit dem bischöflichen Siegel verschlossen. Am 19. September brachte man sie früh Morgens in die Kirche und nach dem Gottesdienste begann der feierliche Auszug nach Frcising. In allen Orten, welche man berührte, war feierlicher Empfang der Reliquien. Am folgenden Tage wurden zu Freising die heil. Leiber unter großer Feierlichkeit in die Gruft der Domkirche gebracht. Es wurden von den Gebeinen einige genommen, die des h. Marin in rothen, die des h. Anian in weißen Taflet eingewickelt, in zwei zinnerne Behältnisse gelegt, versiegelt, in hölzerne Verschlüge gebracht, und dem Pfarrer von Jrschcuberg mit der Weisung eingehändigt, dieselben in Wilparting auf dieselbe Weise einmauern zu lassen, wie sie aufgefunden worden. Die heil. Leiber selbst wurden in Freising in Verschlüge von Eichenholz ^gefaßt, versiegelt und am 23. August 1731 nach Wilparting zurückgebracht, wo sie in die frühere Grabstätte zu den übrigen Reliquien beigesetzt wurden. Die Benediktiner zu Rott suchten indessen ihre Behauptung aufrecht zu erhalten und es fand nun in der dortigen Kirche ebenfalls eine Nachgrabung statt, welche indessen ohne Resultat verlief. In Folge dessen erfolgte am 24. November 1724 von Frcising das Urtheil, daß die heil. Leiber zur öffentlichen Verehrung ausgestellt werden dürften. Ohne Zweifel war bei Errichtung des Grabmales in Wilparting ein . Theil der Reliquien nach Rott übcrbracht worden, denn bei der Ocffnung des Grabmales fand man ja auch nicht sämmtliche Reliquien vor. Der Irrthum der Benediktiner bestand darin, daß sie behaupteten, sämmtliche Reliquien erhalten zu haben. Am 1. September 1724 entstand in dem angrenzenden Maierhofe Feuer, welches auch die Kirche zum großen Theile zerstörte. In den folgenden Jahren stellte man die Kirche wieder her, gebrauchte aber die Vorsicht, den Maicrhof in weiterer Entfernung von der Kirche aufzubauen. Am 9.. November 1728 war die Kirche vollendet. 1776 fand eine zweite Erhebung der heil. Leiber statt. Mit einem zahlreichen Gefolge zog der Fürstbischof Ludwig Joseph, Freiherr von Melden, am 2. September in Wilparting ein uud feierte das h. Meßopfer. Man fand Alles so vor, wie es früher in das Grabmal eingelegt worden. Am 9. September folgte die feierliche Ueber- tragung nach Freising, von wo dieselben am 29. September 1778 wieder nach Wilparting zurückgebracht wurden. Die steinernen alten Abbildungen beider Heiligen wurden unter der Emporbühnc in aufrechter Stellung eingemauert, wo dieselben noch zu sehen sind. Das neue Grabmal ist eine Tumba aus rothem Marmor, über welcher sich in grauem Sandstein die 4 Fuß langen Statuen der beiden Heiligen liegend befinden. Tasselbe hat zwei Oeffnungen, vorne befinden sich die zinnernen und ein Glaslästlcin mit den Reliquien des h. Marinns, hinten diejenigen des h. Anian. Beide Abtheilungen sind durch eiserne Thürlcin und ein eisernes Gitter verschlossen, außerdem zieht sich ein größeres eisernes Gitter um das ganze Grabmal. Die vergoldete Inschrift auf demselben lautet in deutscher Uebersetzung wie folgt: 1. Auf der Evangelienseite: „In diesem Grabmale werden aufbewahrt die heil. Gebeine des heil. Bischofes „Marinns und seines Schwestersohnes des heil. Anianus, Diakons, geborne Jrländer, „40 Jahre hindurch Bewohner und Einsiedler der Wildniß zu Wilparting, von denen „ersterer auf seine Weigerung Christum zu verläugnen von den Wandalen auf die Folter „gespannt, grausam gemartert uud endlich auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde; „der andere aber am nämlichen Tage des glorreichen Martyrthums als Diakon seinem „Bischof, als Neffe seinem Oheim eines sanften Todes zum Himmel nachfolgte. Heilige „Beschützer des Vaterlandes bittet für uns! Im Jahre des Herrn 1778." 2. Auf der Epistelseite: „Dieses Denkmal, welches in sich schließt die heil. Gebeine des heil. Marin „und Anian, hat auf Anregung des Hochwürdigsten, Hochgeborenen Herrn Ludwig „Joseph, Bischof von Freising, und des heil, römischen Reiches Fürst, auf dessen Befehl „sie am 2. September 1776 aus der Vertiefung, über welches jetzt gegenwärtiges Denkmal „emporragt, erhoben wurden, die Frömmigkeit und der Neligionseifer der Jrschenbcrger „der umliegenden Bewohner errichtet im Jahre des Herrn 1778." Im Mai 1816 wurde die eilfhundertjährige Saekularfeier in Wilparting abgehalten, wofür Papst Pius VI. auf 4 Tage vollkommenen Ablaß verliehen hatte. Man zählte 8299 Communikanten. Im Jahre 1817 verlieh der Papst für die folgenden sieben Jahre ebenfalls vollkommenen Ablaß allen denen, welche am 1. Sonntage im Mai oder dem darauf folgenden Tage die Ruhestätte der Heiligen besuchen und dort die allgemein vorgeschriebenen Gebete:c. verrichten. Der Wallfahrtsbesuch hat in letzterer Zeit abgenommen und beschränkt sich auf die nähere Umgegend. So gehören auch die mehr als 100 Votiv- tafcln früheren Zeiten an. Am zahlreichsten ist der Besuch am 15. November, an welchem etwa 800 Personen die h. Communion empfangen und an welchem Tage vollkommener Ablaß gewonnen werden kann. Bei der h. Wandlung des Hochamtes vernimmt man dann auch den seltsamen Klang einer kleinen Glocke, mit welcher der h. Marin die Gläubigen zum Gottesdienst berufen haben soll. Sie ist von Eisen in Form einer Pickelhaube und 6 Pfd. schwer. Früher hing sie in der St. Veits-Kapelle. Diese Kapelle ist zehn Schritte von der Kirche entfernt und es soll an dieser Stelle der h. Marin seine Wohnung gehabt haben. Auch zeigt man im Thale noch das Brünnlein, aus welchem der h. Marin das Wasser schöpfte und in welches einstmals sein Ring gefallen sein soll. Die Kirche ist im Innern 38 Fuß lang, 27 Fuß breit und 30 Fuß hoch. Im Gewölbe des Schiffes ist der Martcrtod des h. Marin, im Chöre die Sendung beider Heiligen durch den Papst dargestellt. Maria-HHabHeim bei Wartenberg. Landgerichte und Dekanate Erding, drei Stunden von dieser Stadt entfernt, liegt unweit von Wartenberg auf einer Anhöhe das Dorf Maria-Thalheim mit einer schönen Wallfahrtskirche und einer St. Michaelskapelle. Ueber das Mariabild in der Wallfahrtskirche wird Nachstehendes berichtet: In älteren Zeiten befand sich zwischen zwei Stammästen' eines Hol- lunderstrauches dieses Marienbild, ohne daß man wußte, wie es dorthin gekommen war. Von vielen Andächtigen wurde das Bild besucht, und genoß somit eine allgemeine Verehrung. Dieser Strauch trug alljährlich Beeren aber nie Blüthen, auch blieben die Beeren grün und wurden nie reif. Dieser Strauch stand bis zum Jahre 1855, in welchem derselbe bei Vornahme der Restauration der Kirche abgehauen wurde, aus seinen Wurzeln sind aber neue Sprößlinge gewachsen. Man dachte daran, eine Kapelle zu bauen, um das Bild in derselben aufzubewahren und errichtete auch eine solche auf dem höchsten Punkte eines nahe gelegenen Berges, in welche man das Bild aufstellte, jedoch am nächsten Morgen befand sich das Bild wieder auf dem Hollunder- strauche. Dieses wiederholte sich mehrmals und man zog daraus den Schluß, daß die Kapelle bei dem Hollunderstrauch ausgebaut werden solle. Solches ist alsdann auch geschehen. Dieses Ereigniß wird in das 14. oder den Anfang des 15. Jahrhunderts gesetzt. Vorzüglich durch die Bemühungen des Pfarrers Friedrich Lindegut von Riding wurde 1439 ein Benefizium für einen Wallfahrtspriester in Thalheim gestiftet und soll dieser Pfarrer selbst der erste Verwalter desselben gewesen sein. Durch die vielen Opfergaben, welche in der Kapelle gespendet wurden, war es bald möglich gemacht worden, eine größere Wallfahrtskirche zu bauen, in welche nunmehr, 1645, das Gnadenbild übertragen und auf einem Seitenaltar aufgestellt wurde. Die alte Kapelle blieb stehen und wurde dem h. Erzengel Michael gewidmet. Im Jahre 1700 stiftete Georg Seerieder, Pfarrer von Steinkirchen, ein Kapital von 10,000 Florin zu einer Bruderschaft unter dem Titel „Maria Hüls". Ihr Zweck war die Vorbereitung zu einem seligen Tode durch Uebung frommer Werke der Andacht und Barmherzigkeit gegen Arme und Nothlcidende. Als besondere Wohlthäterin der Wallfahrt und Bruderschaft wird eine Freifrau vom Lambfritzhamb, Besitzerin des nahegelegenen Schlosses Pirka gerühmt. Einst wurde ihr Söhnlcin durch einen Thorflügel des Schlosses, den der Wind losgerissen hatte, zu Boden geschlagen, so daß jeder glaubte, das Kind sei durch das Gewicht des Thorflügels ganz zerquetscht worden. Die Mutter rief in größter Angst Maria um Beistand an und machte ein Gelöbniß nach Thalhcim. Und siehe! als man den Thorflügel aufhob, fand man das Kind ganz unverletzt. Der nächste Inhaber dieses Schlosses, Johann Christian Horneck, Neichsfreiherr von Hornberg, war ebenfalls ein besonderer Wohlthäter der Wallfahrt, besonders nachdem sein schon von den Aerzten aufgegebener Sohn durch die Fürbitte Maria's genesen war. Ein Jahr nach der Stiftung der oben genannten Bruderschaft kam ein Klausner, Jakob Zeilmair nach Thalheim und baute neben der Michaelskapelle eine Klause, in welcher er die Kinder der Umgegend im Lesen und Schreiben unterrichtete. Am 17. Januar 1735 wurde er in einem Alter von 76 Jahren von Räubern überfallen und ermordet. Auch in der Folge waren hier beständig Klausner bis zum 12. Mai 1804, wo die Klause durch Verordnung aufgehoben wurde. Bei einem 1726 ausgebrochenen heftigen Brande blieb die Kirche wunderbar erhalten; auch schreibt man die Bewahrung der Felder vor Hagelschauer und die Verschonung von einer heftig grassirenden Viehseuche der Fürbitte Maria's zu. Die beiden Seitenaltäre der Wallfahrtskirche wurden 1736 durch den Weihbischof von Freising, Johann Ferdinand Freiherr von Pödigkheim, cousekrirt. Auf denselben befinden sich die reich in Gold gefaßten Gebeine der hh. Märtyrer Florentius und Hilarius. Durch die Freigebigkeit der Wallfahrer wurde es möglich, die Kirche auf das Glänzendste auszuschmücken. Eine große Orgel würd e erbaut, eine kostbare Monstranz von gediegenem Silber und viele silberne Kirchengeräthe — 510 — und kostbare Paramentc angeschafft. Auch sonst wurde die Kirche mit Zierrath verschen, und der Thurm erhielt statt der Spitze seine jetzige Gestalt in Kugelform. Nach Vollendung der Reparatur im Jahre 1753 wurde unter großer Feierlichkeit das Gnadenbild auf den prachtvollen Hochaltar gesetzt. Die vorzüglichsten'Wallfahrtstage sind Maria Empfängniß, Maria Verkündigung, Maria Heimsuchung und der darauf folgende Sonntag, Maria Himmelfahrt und Maria Geburt. Die Versammlungstage der Bruderschaft sind das Fest der hh. Dreikönige, der Lichtineßtag, der 1. Mai und der Sonntag in der Seelen-Oktav. Die Wallfahrt wird von einem Bcnefiziaten versehen, dem zeitweise ein Hülfspriester beigegeben wird. Waria-Ginsieöeln irr Teifnrg bei Werrrncrrkt cr. ö. Wott. ine kleine halbe Stunde westlich von Neumarkt liegt das Dorf Teising mit einer Wallfahrskirche, deren Entstehung wie folgt angegeben wird. Der damalige Besitzer des dort gelegenen Schlosses, Nikasius Otto Heinrich Magensreitcr machte im Jahre 1623 mit seiner Gemahlin Johanna geb. von Greifensee eine Wallfahrtsreise nach Maria-Eiusicdcln in der Schweiz. In Zürich angekommen erkrankte die Gattin schwer und cr flehte zu Gott und der allerseligsten Jungfrau um Hülfe. Er that das Gelübde, wenn seine Ehefrau wieder gesund werde, so wolle er in seiner Heimath eine Kapelle nach dem Vorbilde der von Maria Einsiedeln bauen. Am folgenden Tage bereits genas Johanna und er konnte mit ihr die Wallfahrtsreise fortsetzen. In Einsiedeln nahmen sie genaue Abrisse von dem Gnadcnbildc und der Wallfahrtskapelle, und nach Hause zurückgekehrt ließen sie alsbald mit dem Bau der Kapelle beginnen, welche im August 1625 vollendet und am 26. September 1626 durch den Weihbischof von Chicmsee, Johann Christoph, mit größter Feierlichkeit eingeweiht wnrde. Bald wurde diese Kapelle für die weite Umgegend eine Zafluchtstätte der Leidenden und Bedrängten. In dem 1720 in Landshut erschienenen Büchlein „vsoiinso oder Zehent etwelcher denkwürdiger Gnadcncrweisungen, in der Maria Einsiedel-Kapellcn zu Teising" werden 50 Pfarreien genannt, welche dorthin Prozessionen führten. Dadurch wurde das Bedürfniß eines besonderen Wallfahrtspricstcrs fühlbar und 1603 ein solcher angestellt. Im Jahre 1726 wurde 8 Tage hindurch das Jubiläum des 166- jährigen Bestehens der Wallfahrt gehalten, bei welcher Gelegenheit man — 511 — 17,000 Kommunikanten zählte. Die Feier des 200jährigen Bestehens wurde vom 17- bis 26. August 1827 abgehalten und es empfingen mehr als 20,000 Pilger die h. Kommunion. Die Wallfahrtskirche besteht aus zwei Abtheilungen, der eigentlichen Kapelle und einem Anbau. Die Kapelle ist ein für sich abgeschlossenes längliches Viereck mit einer Nische für den Altar, auf welchem sich das Gnadenbild befindet. Der Anbau ist ein gleichseitiges Viereck, breiter als die Kapelle, mit zwei Eingängen, aus diesem führt eine schmale Thüre in die Kapelle. — Etwa 50 Schritte hinter der Wallfahrtskirche ist eine rundgebaute Kapelle, „Christus in der Rast" genannt. Das Bild in dieser Kapelle zeigt Christus im Kerker in Lebensgröße, sodann befindet sich hinter demselben noch ein Vesperbild. Kcrvtcrching der WüncHen. arlaching liegt am rechten Ufer der Jsar auf einer Anhöhe in der Pfarre Giesing. Wann die Kirche daselbst erbaut worden, ist unbekannt. Patronin der Kirche ist die heilige Anna, deren Bild diese Heilige auf einem Stuhle sitzend darstellt mit dem Jesukind auf dem Arme, während die h. Jungfrau Maria als Kind neben ihr steht. Das Bild soll über 300 Jahre alt sein. Die Kirche hat 3 Altäre, erhielt 1854 eine neue Orgel und wurde 1858 im Innern renovirt. Außer den 12 Monatsmessen an jedem 1. Sonntage im Monat und einer Wochenmcsse an einem schicklichen Tage im Monat sind noch besondere Gottesdienste daselbst am Oster- und Pfingstmontage, ain Kirchweihfeste (Sonntag nach der Geburt Johannes des Täufers), am St. Annatage, ain St. Stephanstage und am Tage der unschuldigen Kinder. Der Haupt- gottesdicust ist die Feier des Annadreißiger (vom Sonntag nach Mariä Geburt 30 Tage lang) durch das Verbündniß der h. Mutter Anna, welches Bündniß durch Papst Benedikt XIV. mit großen Ablässen begnadigt wurde. Der Ursprung dieser Feier ist nicht bekannt, sie bestand jedoch jedenfalls 1736. Im Jahre 1853 übernahm die Kirchcuvcrwaltung zu Harlaching die Haltung und Fortführung der Andacht. — Papst Pius VIII. verlieh am 30. Juni 1829 für Harlaching einen vollkommenen Ablaß auf 7 Jahre, der um Feste der h. Anna gewonnen werden kann. Besondere Wallfahrten gehen noch Harlaching jetzt jnur noch von Giesing aus am Markustage, in der Kreuzwoche und beim Beginn des St. Annadreißiger. — 512 — IHcükivcHen bei München. -GMUm linken Ufer der Jsar, nicht weit von München entfernt, liegt das Dorf Thalkirchen mit einer Wallfahrtskirche, welche sowohl von den Einwohnern Münchens als der Umgegend fleißig besucht wird. Zur Zeit Kaiser's Karl IV. waren die Städte bereits mächtig geworden und die Städte von Franken, Bayern und Schwaben hatten einen großen Bund, den rheinischen Städtebund, gebildet, so daß sie es mit den Fürsten und dem Adel aufnehmen konnten. Im Jahre 1372 hatten die bayerischen Herzoge unter Stephan II. sich gegen den Städtebund gerüstet und zogen auf der Straße gegen Augsburg wider die Bürger dieser Stadt zu Felde. Die beiden Frauenberger zu Haag, Wilhelm und Christian, deckten den Rückzug des Herzogs Stephan. Als sie an die Jsar kamen, und zwar an den Ort, wo Thalkirchcn steht, gelobten sie der Mutter Gottes eine Kirche und ein Kloster zu bauen, wenn sie ihnen Hülfe in dem nun beginnenden Gefechte leisten und über den Jsarfluß verhelfen werde. Glücklich gelangten sie über den Fluß und Christian erbaute die Kapelle und bestimmte auch Geld für ein daran zu erbauendes Kloster. Da er jedoch bald darauf einen Zug nach Ungarn unternehmen mußte und in der Schlacht von Nicopolis am 26. September 1396 blieb, so wurde der Bau des Klosters nicht ausgeführt. Zwei Gelübdetafcln an der Wand gegenüber dem Hochaltar stellen das glückliche Entkommen über die Jsar und den Ansang des Baues der Kapelle dar. Schon bald scheint Thalkirchen ein beliebter Wallfahrtsort gewesen zu sein. Herzog Albrecht III. (f 1460) schenkte an die Kirche eine in Silber gefaßte Kreuzpartikel und Kurfürst Maximilian I. wallfahrtete schon als 7jähriger Prinz 1580 mitsseinem Präceptor, dem frommen und gelehrten Böhmen Wenzeslaus Pctrsikh nach Thalkirchen. Der Prinz, so heißt es, „ritt auf einem Rapple" bis an die Wiese unweit des Dorfes und ging dann mit seiner Begleitung zu Fuß, die lauretanische Litanei singend, in die Kirche, woselbst er andächtig der h. Messe beiwohnte. Wie aus den äußeren Ucberbleibseln der abgebrochenen Strebepfeiler ersichtlich ist, war die Kirche in altdeutschem Style erbaut, hat aber von ihrer ursprünglichen Gestalt und Einrichtung nichts gerettet, als das schöne Muttergottesbild und die Statuen zweier Bischöfe, welche aus den Jahren 1312—1325 stammen sollen. Als im Jahre 1632 die Kirche durch die Schweden bis auf ihre Grundmauern zerstört worden, konnte sie in Ermangelung von Mitteln nur allmählig wieder aufgebaut werden. 1656 schlössen die Hofmusikcr von München ein Bündniß, um den Frauendreißiger (15. Aug. bis 15. Sept.) durch ihre musikalische Mitwirkung auf eine würdige Weise zu begehen und das Gnadcnbild in einem entsprechenden Schmucke zu erhalten. Dieses war der Anfang des Marianischen Ehr- und Zierdbündnisses, welches am 14. Februar 1757 von Benedikt XIV. förmlich bestätigt und mit Ablässen und Privilegien beschenkt, dann von Papst Clemens XIV. am 9. November 1773 und von Pins VI. am 8. Juni 1780 mit weiteren Ablässen begnadigt wurde. 1854 beging dieses Bündniß sein 100jähriges Bestehen auf besonders festliche Weise. Wcrmsvsöorf Sei München. ine Stunde von München entfernt liegt an der Rosenhcimer Straße das Dorf Ramersdorf, zur Pfarre Perlach gehörig. Nach den wenigen noch vorhandenen Nachrichten stand hier ursprünglich eine Feldkapelle, und das in derselben aufgestellte Marienbild zog so viele Wallfahrer an, daß an Stelle derselben bald eine Kirche gebaut werden konnte. Die Wallfahrten nahmen aber noch mehr zu, seitdem eine Partikel vom h. Kreuz, welche Kaiser Ludwig der Bayer (1313—1347) vom Papste Nikolaus V. erhalten und stets am Halse getragen, im Jahre 1377 in diese Kirche kam und zur öffentlichen Verehrung ausgesetzt wurde. Wie dieselbe in die Kirche kam, wird wie folgt berichtet: „Otto, Markgraf und Kurfürst von Brandenburg und sein Bruder Stephan wurden auf einer Wallfahrt nach dem gelobten Lande in Jerusalem entdeckt und liefen Gefahr, von den Sarazenen gefangen zu werden. Ein ehemals zu München ansässiger Jude, Penitus mit Namen, entdeckte dem im Gefolge des Fürsten befindlichen Hans Ligsalz, den er kannte, das Vorhaben der Sarazenen und rieth ihm zur Flucht. Um den Händen dieser um so sicherer zu entgehen, gelobte Otto, der Kirche zu Ramersdorf seinen köstlichsten Schatz, obige Partikel, zum Opfer zu bringen. Das Gebet wurde erhört, und die beiden fürstlichen Brüder landeten in kurzer Zeit, ihren Verfolgern entronnen, an Europa's Gestade. In München angekommen, legten sie, eingedenk ihres Gelübdes, auch sofort das kostbare Opfer auf den Altar der Gottesmutter nieder." Die zahlreichen Wallfahrten nach Ramersdorf machten es bald nothwendig, die Kirche zu vergrößern, welches im Jahre 1399 geschah. Nun nahmen die Wallfahrten noch mehr zu und die Opfer wurden so reichlich, daß aus denselben 1424 und 1425 drei Benefizien an der Kirche errichtet werden konnten, für welche dann auch 3 Wohnungen errichtet wurden. Auch das Dorf Ramersdorf vergrößerte sich immer mehr. — 1440 schenkte Hans Barth der Kirche 6 silberne Leuchter, sowie 1 silberne und 1 messingene Lampe, 1698 Ferdinand von Barth einen silbernen Kelch. 1589 ließ Herzog Wilhelm V. nach seiner Rückkehr von Loretto in Italien durch den Maler Hans Schöpfer und den Tischler Kaspar Drepl die Kirche verschönern und eine Schlaguhr in dem Thurme anbringen. 33 — 314 — Eine bedeutende Verschönerung verdankt die Kirche nachfolgendem Ereignisse: „Im dreißigjährigen, auch für unser bayerisches Vaterland so verderblichen Kriege, war am 17. Mai 1632 der Schwedenkönig Gustav Adolph von Freising her in Begleitung des Böhmeukönigs und Pfalzgrafen Friedrich V., des Pfalzgrafen August von Sulzbach, der beiden Herzoge Wilhelm und Bernhard von Sachsen-Weimar, des Herzogs von Holstein und einer großen Anzahl von Generalen in München eingezogen, und verließ dasselbe wieder am 27. Mai, um über Augsburg und Memmingen gegen den kaiserlichen Obersten Ossa zu ziehen. Auf die Nachricht, daß die seither getrennten kaiserlichen und bayerischen Heere unter Wallensteins und des Kurfürsten Maximilian I., seines unternehmendsten Feindes, Führung sich zu vereinigen suchten, und letzterer in die Oberpfalz gerückt sei, ging Gustav Adolf, um dieser Vereinigung zuvorzukommen, eilig von Augsburg nach München zurück, zog die in verschiedenen Orten als Besatzung zurückgelassenen Truppen an sich und verließ mit seiner Armee Bayerns Hauptstadt zum zweiten Male am 7. Juni 1632. Nachdem aber die Stadt München die von Gustav Adolf ihr bereits am 18. Mai 1632 auferlegte Brandschatzuug von 366,666 Rcichs- thalcrn nur bis zur Summe von 96,666 Thalern erlegt und sohin noch mit 216,666 Rcichsthaleru im Rückstände war, so forderte Gustav Adolf für diesen Rest 42 Geiseln von der Stadt, wovon die Hälfte aus weltlichen, die andere aus geistlichen Personen bestand. Noch am 7. Juni 1632 mußten diese Männer aus den besten Geschlechtern der Stadt die Reise nach Augsburg antreten. Weder die Ehrwürdigkeit ihres Standes, Herkommens und Alters, noch selbst ihr Unglück vermochte sie vor dem beschimpfenden Gespöttc eines gefühllosen Feindes zu bewahren. Von Augsburg kamen sie in der Folge mit noch mehreren Geiseln von anderen Städten, und zwar am 16. Juni nach Donauwörth und am 27. Juni nach Nördlingen, überall unter den unsäglichsten Strapazen, der schmählichsten Verspottung und schlechtesten Behandlung, und von da wieder zurück nach Augsburg, so daß sie beinahe 3 Jahre in der Gefangenschaft verbleiben mußten. Endlich kamen sie am 3. April 1634 unter lautem Jubel ihrer Mitbürger und Familien glücklich wieder in ihrer Vaterstadt an, vier von ihnen waren dem Elend in der Gefangenschaft erlegen. Während ihrer harten und traurigen Gefangenschaft verlobten sich diese Mänuer zu dem Gnadenbilde in Ramersdorf und zogen in feierlicher Prozession am 19. April 1634 in Begleitung der deutschen Congregation in die dortige Kirche ein, um daselbst ihres Gelübdes sich zu entledigen nnd der Gottesmutter für die ihnen geschenkte Freiheit und den erwiesenen Beistand ihren wärmsten Dank darzubringen." In derselben Weise gelobten die 26 Geiseln, welche am 6. Octobcr 1742 von den österreichischen Truppen nach Linz und von da nach Graz aus München in die Gefangenschaft geführt worden, in Ramersdorf ein Lob- und — 315 — Dankopfer, welches Gelübde sie nach ihrer Freilassung erfüllten. Beide Ereignisse sind auf Votivtafetn in der Kirche aufgestellt. Zu Anfang dieses Jahrhunderts hatte auch diese Kirche von den Franzosen vieles zu leiden, indem sie eines größeren Theiles ihres Schmuckes beraubt wurde. Das Gnadenbild der allcrscligstcn Jungfrau Maria, wahrscheinlich von dem Münchener Bildhauer Thomas Bader angefertigt, ist 7 Fuß hoch, aus Holz geschnitzt. Auf ihrem rechten Arme ruht das Jesukind, welches mit der Rechten segnet, während die Linke die Weltkugel hält. In der Linken hält Maria einen Scepter. Das frühere alte Mariabild, 2'/z Fuß hoch, steht in der Glockcnkapcllc. Auf der Evangclienscite steht ein altes aus Holz geschnitztes und theilweise bemaltes Altärchen, Scenen aus dem Leben Christi darstellend. Früher wohnte an der Kirche ein Klausner, welcher den Schulunterricht besorgte; der letzte war im Anfange dieses Jahrhunderts Melchior Mahr. Aivckrvccl'ö der Wußöovk. uf einem Vorspränge des 4272 Fuß hohen Henberges, an dessen Fuße sich das Pfarrdors Nußdvrf ausbreitet, steht das maria- nische Wallfahrtskirchlcin Kirchwald. Aus der weiten Umgegend strömen das ganze Jahr hindurch Wallfahrer dorthin, besonders aber an den drei „goldenen Samstagen" (nach Michaelis), an welchen vollkommener Ablaß gewonnen werden kann. Ueber die Entstehung dieser Wallfahrt berichtet die Chronik Folgendes: „Im Jahre 1643 wanderte ein Tuchmachergesellc, Namens Michael Schöpft, nach Rom. Er war in der Stadt Jglau in Mähren von lutherischen Eltern geboren- Als er in reiferen Jahren an verschiedenen Orten die katholische Religion kennen gelernt hatte, gewann er eine große Vorliebe für dieselbe und beschloß nach Rom, als dem Mittelpunkte der katholischen Kirche zu wandern, um dort den katholischen Glauben näher kennen zu lernen. Nachdem er dort in den Glaubenswahrheiten unterrichtet und in den Schoß der katholischen Kirche ausgenommen worden, faßte er den Entschluß, Gott in der Abgeschiedenheit von der Welt in Einsamkeit zu dienen und durch Gebet, Handarbeit und Buße sich auf die Ewigkeit vorzubereiten. Bei seinem Abgange von Rom erhielt er von einem Cardinal ein Muttergottesbild und getrost wanderte er durch Italien und Tirol und kam am 23. September 1644 nach Nußdorf. Da führte ihn der Weg etwa eine halbe Stunde außer Nußdorf auf den Berg in den Kirchwald. Als er nun dort, so erzählt die 33* — 516 — Sage, seiner Gewohnheit gemäß, das Bild aufgestellt und vor demselben seine Andacht verrichtete, kam es ihm vor, als sage eine innere Stimme zu ihm, er solle hier bleiben. Nach einiger Zeit bemerkte er, daß der Bundschuh an einem Fuße des Jesukindes, von den Bändern fast völlig gelöst, wie herunterfallend herabhing. Auch darin glaubte er einen Wink des Himmels zu erkennen, seine Wanderungen nicht weiter fortzusetzen. Somit ging er in das Dorf zurück und bat die Gemeinde um die Erlaubniß, sich an dieser Stelle als Eremit niederzulassen. Gerne wurde ihm diese ertheilt, und er baute nun auf dem Vorsprungc des Heubcrges, an dessen einer Seite der wilde Steinbach ein felsiges, düsteres Thal durchrauscht, und auf dessen anderer Seite sich immer höher aufsteigende Wälder und Felsen befinden, eine Hütte, seinem Marienbilde aber eine Kapelle von Holz. Nahe bei seiner Wohnung floß ein Wasser aus einem Berge, welches nach alter Beschreibung Menschen und Vieh schädlich war. Bruder Michael leitete das Wasser in eine Art gemauerten Brunnens zusammen, und machte eine Wallfahrt nach Högling, brachte von dort geweihtes Wasser mit, goß es in seinen Brunnen, legte heilige Reliquien von Rom hinein und betete inständig vor dem Bilde zur Mutter Gottes, sie möge durch ihre Alles vermögende Fürbitte diese Quelle in einen Gesundheitsbrunnen verwandeln. Sein Gebet wurde erhört, denn — wie die alte Beschreibung sagt — das Wasser ist so heilsam geworden, daß die Kranken in der weiten Umgegend es sich kommen ließen, und bald Linderung ihrer Schmerzen und oft völlige Gesundheit erhielten. So entstand denn auch die Wallfahrt zu dem wunderthätigen Bilde und Bruder Michael sah sich genöthigt, eine neue Kapelle mehr auswärts zu bauen. Er starb am 18. Januar 1667, nachdem er 20 Jahre als Klausner auf dem Kirchwalde gelebt hatte. Ihm folgte als Einsiedler Wolfgang Rieder von Aucrdors, welcher den Plan faßte, eine steinerne Kirche zu bauen, und dazu auch am 27. Juli 1667 den Grundstein legte. Nach vieler Mühe erlangte er auch die Erlaubniß, daß zweimal in der Woche, Dinstags und Samstags, die h. Messe in derselben gelesen werden durfte. Am 14. April 1670 wurde die erste h. Messe darin gefeiert. Am 22. September 1698 wurde die Kapelle von dem Bischöfe Karl Siegismund von Chiemsce eingeweiht. Nachdem der Eremit Rieder und sein Nachfolger Thomas Görz im Jahre 1710 ebenfalls gestorben war, ließ sich ein aus Nußdorf gebürtiger Eremit, Casimir Weiß, der in diesem Jahre zum Priester geweiht worden war, daselbst nieder. Derselbe baute die jetzige geräumige Kirche und ließ auch in der Nähe der Kirche eine größere Eremitenwohnung errichten, damit in derselben zwei Eremiten wohnen und zugleich die Schule halten könnten. Er starb am 16. Juli 1728. Im Anfange des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche geschlossen und sollte auf den Abbruch verkauft werden, jedoch auf Fürbitte des Reichsrathes Maximilian, Grafen von Preysing hin wnrde dieselbe erhalten. Am 8. Sep- — 517 — tembcr 1844 erhielt sodann der Eremit Michael KoPP die Erlaubniß, sich an der Kirche niederzulassen. In den Jahren 1843 und 1844 wurde die Kirche renovirt und durch dcn Pfarrer Franz Seraph Mahr das ursprüngliche Gnadenbild, welches früherhin in den Kriegszeiten in eine Kapelle an einer anderen Seite des Hcubcrges geflüchtet worden, wieder in die Kirche übertragen und auf dem Hochaltar aufgestellt, wodurch denn auch die Wallfahrt neuen Aufschwung gewonnen. Aer SaLvatorberg bei Kmünö. GDMM südlichen AbHange des Berges, welcher früher den Namen Experstem trug, nicht weit von der Stadt Gmünd, liegt die Wallfahrtskapelle zum heiligen Salvator Am Fuße dieses Berges steht das im Jahre 1850 errichtete Missionskreuz, von welchem man zu den Stationskapellen gelangt, die zur eigentlichen Gnadenkopclle hinaufführen. Tiefe besteht aus zwei übereinander liegenden Kapellen, welche in den Sandstein des Berges cingehauen sind und ihr Licht durch die in die Steinwand ein- geschnittenen Fenster erhalten, in der untersten Kapelle befinden sich das Gnadenbild und das Allerheiligste. Nach den Forschungen des gelehrten Syndikus Leonhard Fritz, welcher 1K20 eine Geschichte über diese Wallfahrtskirche schrieb, sollen schon die ersten Christen dieser Gegend dort ihren Gottesdienst gehalten und sich dorthin vor den Verfolgungen der Heiden geflüchtet haben. Nach anderen Nachrichten soll sich vor alter Zeit ein frommer Einsiedler dort niedergelassen haben, welcher den Sandstein behufs Einrichtung einer Kapelle auszuhöhlen.versuchte. Seine Nachfolger hätten das Werk fortgesetzt und so seien die beiden Kapellen entstanden. Eine unterirdische Höhle in der Nähe der Kapelle soll diesen Einsiedlern zur Wohnung gedient haben. In der unteren Kapelle befindet sich auf dem linken Seitenaltar ein in Stein ausgehauencs Kruzifix, neben welchem an der Wand in lateinischer Sprache folgende Worte zu lesen sind: „Dieses Bild des gekreuzigten Christus war schon angefertigt, bevor die Mauern der Stadt Gmünd erbaut wurden; es wurde rcnovirt im sechsten Jahre der Regierung des Kaisers Mathias." (Also im Jahre 1617). Wie der genannte Syndikus Fritz bemerkt, führten ehemals keine ordentlichen Wege auf den Salvatorberg und man mußte auf Leitern denselben besteigen. Es kann deshalb nicht aufsallen, daß die Wallfahrt weniger besucht, ja sogar so sehr vernachlässigt wurde, daß Räuber und Diebe sich daselbst aufhielten, und aus ihren Schlupfwinkeln die Stadt Gmünd und deren Umgegend überfielen. Von dem Feuer, welches dieselben unterhielten, wurden die Felsen ganz geschwärzt. Nachdem sie dingfest gemacht waren, erkoren muthwillige Knaben sich diese heilige Stätte zu ihren muthwilligcn Spielen. Ein aus Gmünd gebürtiger Priester, Heinrich Pfennigmann zu Salzfeld, hegte den frommen Wunsch, daß die beiden Kapellen wieder hergestellt werden möchten und vermachte deshalb im Jahre 1616 aus seinem Sterbebette zur Restauration derselben die Summe von zweihundert Gulden. Der Magistrat von Gmünd, im Einverständnisse mit den damaligen Bürgermeistern Kilian — 522 — Debler, Wilhelm Holzwarth, Laurenz Ramter und dem oben genannten Syndikus Leonhard Fritz, beschloß die Annahme des Legates und beauftragte den Kirchenmcister und Steinmetz Kaspar Vogt mit der Ausführung der Restauration. Dieser stellte im folgenden Jahre 1617 die untere und im Jahre 1620 die obere Kapelle wieder her; an die letztere wurde eine Vorhalle angebaut, welche mit einem Dache versehen wurde. In die Rückwand des Felsens in der oberen Kapelle meißelte er einen Oelbcrg ein, welcher nicht ohne Kunstwerth ist. Im Jahre 1618 wurden die Altäre der unteren Kapelle eingeweiht. Als Kaiser Ferdinand am 9. Juli dieses Jahres in Gmünd war, besuchte er die untere Kapelle mit einer Partikel vom heiligen Kreuze. Gegen die Mitte des vorigen Jahrhunderts stiftete sodann die Familie Debler von Gmünd auf dem Salvatorberge ein Benefizium und erbaute das dortige Benefiziaten- haus, in welchem der Wallfahrtspricstcr Wohnung fand. Sodann machte die Familie Stahl eine weitere Stiftung daselbst, so daß wöchentlich drei gestiftete Messen in der Kirche gehalten werden. Eine große Menge wunderbarer Gebetserhörungcn, welche auf dem Salvatorberge geschehen oder an denselben sich knüpfen, wird in dem angezogenen Manuskripte des Syndikus Fritz berichtet. Auch werden solche durch die Denkzeichen angekündigt, welche sich an diesem Wallfahrtsorte befinden. Eine solche Gcbetserhörung aus dem vorigen Jahrhunderte wollen wir hier anführen. Im Jahre 1721 fuhr der lutherische Bürgermeister Michael Keser von Weiler mit einem mit Wein bcladenen Wagen außerhalb der Stadt Gmünd an dem Katharinenhospital vorbei, als er plötzlich einen epileptischen Anfall bekam. Häufig nämlich litt er an solchen Anfällen. Eine in der Nähe befindliche Frau eilte ihm zu Hülse und gab ihm den Rath, seine Zuflucht zu dem gnadenreichen Kruzifixbilde auf dem Salvatorberge zu nehmen, sie zweifle nicht daran, daß sein Gebet bei Gott Erhörung finden werde. Der Bürgermeister befolgte diesen Rath und machte nun jedes Jahr eine Wallfahrt nach dem Salvatorberge, wo er seine Andacht verrichtete und ein Opfer niederlegte. Früher war er fast täglich von dieser Krankheit heimgesucht worden, aber jetzt trat alsbald Besserung ein und nach und nach verlor sich das Uebel gänzlich. Früher bestand auf dem Salvatorberge eine Bruderschaft, „von den heiligen fünf Wunden Christi", welcher von Papst Clemens XI. Ablässe verliehen wurden, dieselbe ist aber jetzt aufgelöst. Die Wallfahrt wird täglich, besonders aber an den Freitagen der heiligen Fastenzeit stark besucht. Vom Thale aus führt den Berg hinan jetzt ein breiter, schön angelegter Weg, längs dessen Bildstöcke und Stationskapellen, die Leidensgeschichte Christi in Holzskulpturen zeigend, dargestellt sind. — 523 — Diese Darstellungen sind: 1. Der schmerzliche Abschied Jesu von seiner Mutter; 2. Der Oelberg mit dem tröstenden Engel und dem Leidenskelche; 3. Die Geißelung; 4. Die Dornenkrönung; 5. Jesus wird von Malus dem Volke vorgestellt; ß. Jesus trägt das Kreuz und fällt unter demselben; 7. Jesus im Kerker; 8. Christus wird an das Kreuz genagelt; g. Unter dem Kreuze auf dem Kalvarienberge; 10. Der Tod des Erlösers; 11. Von den heiligen siinf Wunden Jesu auf dem BrndcrschaftSaltare in der unteren Kapelle; 12. Vor dem Vesperbilde Mariens; 13. Christus im Grabe; 14. Vor dem Schweißtnche Christi, in der oberen Kapelle; 15. Vor dem Bilde des verspotteten Heilandes, in der oberen Kapelle; 16. Die Darstellung des englischen Grußes. Die untere Kapelle ist 39 Fuß lang und 2V Fuß breit, die obere 30 Fuß lang und 14 Fuß breit. Die Vorhalle der oberen Kapelle hat eine Nnge von 28 Fuß und eine Breite von 20 Fuß. Die Wallfahrtskirche auf öem Wuffen (Affiugeu). twa eine Meile östlich von Riedlingen liegt der Bussen, der ausgezeichnetste Berg in Oberschwaben, daher auch von Alters her der Schwabcnberg (nions Lusvus), auch blos Schwabe genannt. Er erhebt sich frei und weithin sichtbar in der großen Donauebene bis zu einer Höhe von 759 Meter. Da aber seine Grundfläche schon sehr hoch liegt, sein Fuß sehr breit ist, so erreicht man jene Höhe ganz unvermerkt und mit aller Gemächlichkeit. Um den Berg her liegt eine Menge größere und kleinere Orte und das Dorf Ofsingen-Bussen reicht bis an den Scheitel des Berges hin. Die Abhänge sind gegen Norden und Osten bewaldet, auf der anderen Seite theils angebaut, theils öde. Der in die Länge gestreckte Scheitel des Berges hat eine ziemlich geräumige Oberfläche, welche durch einen tiefen Graben in zwei Theile getheilt ist. Auf dem vorderen Theile steht die alte Pfarrkirche Bussen, auf dem hintern liegen die Ruinen der Burg Bussen. Die Aussicht auf dem Bussen ist unvergleichlich schön: ganz Oberschwaben bis an den Bodensee, den man selbst noch auf dem Kirchthurm erblickt, und das Land bis tief nach Bayern hinab, liegt als eine unermeßliche Ebene vor Augen und in einer unübersehbaren Kette ziehen im Hintergrunde die Throler- und Schweizeralpen hin, oft so deutlich und klar sich darstellend, daß man — 524 — jeden einzelnen Berg mit bloßem Auge, und bei günstigem Lichte selbst die Landhäuser von St. Gallen unterscheiden kann. Mehr als 500 Ortschaften liegen vor dem Blicke des Beschauers. Das einzige ganze noch stehende Gebäude auf dem Bussen ist die Kirche, welche nebst dem Gottesacker zum Dorfe Offingcn gehört; sie wurde im Jahre 15l6 von den Trümmern der vorderen Burg umgebaut und 1781 abermals erneuert. Sie ist der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht, deren Bild als matsr ciolorosa, sie zu einer stark besuchten Wallfahrtskirche gemacht hat. Neben der Kirche ist ein Häuschen, das längst aus einer Eremitcnklause zur Wohnung einer kleinen Familie eingerichtet worden. Auf dem Bussen befanden sich in alten Zeiten zwei Burgen; die eine hieß die Vordcrburg, die andere die Hinterburg. Die erstere stand zunächst bei der Kirche und ist schon im 15. Jahrhundert ein Burgstall gewesen; die Hinterburg, auf dem Hinteren Theile des Berges stehend und durch einen Graben von der Kirche sowie von der andern Burg getrennt, hat sich am längsten wohnlich erhalten. Noch bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts war die Hinterburg bewohnbar, denn in einer alten handschriftlichen „Beschreibung der schwäbischen Burgen und Schlösser durch Ernst von Pslummern" heißt es: „Sonsten ist das jetzige Schloß auf dem Bussen (darinnen sich schwerlich ein Jäger mit der Wohnung betragen kann) gegen seinen alten Magnificenz gar schlecht und nit viel höcher oder besser, dann ein vergangnes Burgstall zu rechnen, sintemalen nit glaublich, daß Graf Gerold, welcher Kaiser Caroli Magni Schwager war, auch über Baiern und Schwaben ein Landvogt gewesen, und auf diesem Berg zum Bussen, allda er vornemlich rcsidirt, seinen gräflichen Stammen, als ein Graf von Bussen, aä xostvros transmittiret hat, selbiger Zeit diese Residenz nit viel stattlicher erbaut habe." Unter der zerstörenden Einwirkung der Zeit ist auch diese Burg nach nnd nach von selbst zerfallen und es sind nur noch wenige Ueberrestc von ihr vorhanden. Unter diesen zeichnet sich der Rumpf eines Thurmes durch seine eigene Bauart sowie durch seine gewaltigen wiewohl größtentheils geplünderten Steinmassen aus. Zuverlässig war dieser Thurm die erste Anlage einer Befestigung auf dem Bussen, vielleicht ein römischer Wachtthurm. An diesen Thurm wurde in der christlichen Zeit eine Burg gebaut, die in alten Schriften den Namen Kusvia. führte und der Sitz eines gewaltigen alemannischen Häuptlings oder Herzogs gewesen sein muß. Vielleicht war es schon Herzog Gottfried von Alemannien, der auf dem Bussen seinen Sitz hatte, denn seine Nachkommen sind nach ihm auf und um den Bussen herum begütert gewesen. Daß Graf Gerold, Schwager Karls des Großen, und durch seine Mutter Jmma Urenkel des Herzogs Gottfried auf dem Berge Bussen seinen Sitz hatte, ist wohl keinem Zweifel unterworfen. In den Annalen von Reichem» sowie in dem Nrbarium des Klosters Beuron heißt er ausdrücklich Graf von Bussen. Er war ein besonderer Liebling Karls des Großen und Gras in — 525 — Mchtoldsbaar, ja vielleicht Graf über mehrere Gaue, denn im schwäbischen Landrecht, dem Schwabenspiegel, heißt er Herzog Gerold von Schwaben und dort wird auch um seinetwillen den Schwaben das Recht verliehen, im Streite die Vorfechter zu sein. Es heißt darin: Kaiser Karl verlieh den Schwaben, wo man um des Reiches Noth streiten sollte, da sollten die Schwaben vor allen Anderen streiten und soll ihr Hauptmann sein der Herzog von Schwaben. Als Karl die bayerischen Verhältnisse ordnete, da übertrug er im Jahre 791 seinem Schwager die Statthalterschaft Bayerns, eine sehr bedeutende Stellung. Gerold hatte sich schon in früheren Kriegen, namentlich im sächsischen Kriege, ausgezeichnet; er hatte sein eigenes Gefolge von Vasallen. Gerold fiel im im Jahre 799 in einem Treffen gegen die Hunnen und wurde in dem Kloster Reichenau, das er reich begabt hatte, begraben. Nach einer Urkunde vom Jahre 811 hatte Gerold einen Sohn Berthold, dem Karl der Große die Vogtei über gewisse Orte von Bussen abnahm, weil er übel damit gehaust hatte. Dagegen wurde sie einem Grafen Adalbert übertragen unter dem eidlichen Versprechen, daß er ein treuer Bogt und Schirmer der Güter sein wolle, welche sein (Karls) lieber Vetter Egino (Bischof von Verona, Gründer der Kirche zu Nicderzell auf der Reichenau) dem Kloster zu Dürmentingen und Offingen geschenkt, sowie der Güter, welche Gerold zu Unlingen, Grü- ningcn und Altheim dem Kloster übergeben. Wenn nun auch ein Zeitgenosse aus der Reichenau sagt, Graf Gerold habe keine Nachkommen hinterlassen, so steht doch urkundlich fest, daß neben Graf Gerold ein Graf Berthold Güter um und auf dem Bussen besessen hat, denn im Jahre 790 vermacht derselbe Besitzungen an der Donau und am Bussen dem Kloster St. Gallen und seine Söhne Chadaloch und Paldebert siegeln mit dem Vater. Derselbe vergabt im Jahre 892 an Reichenau eine der Burgen auf dem Bussen und einen Antheil am Dorfe Offingen. Dann schenkten am 23. Oktober 805 der schon genannte Chadaloch und sein dritter Bruder Wago die Kirche (basilioam) aus dem Bussen und die Kirche am See (Seekirch) u. s. w. dem Kloster St. Gallen. Der Vater dieser drei Brüder, Berchthold, welcher 802 starb, hatte zur Gemahlin eine gewisse Gersinea und war zuverlässig ein Enkel jenes Berthold, der mit seinem Bruder Nebi den heiligen Pirmi- nius in der Reichenau einsetzte und ein Enkel des Herzogs Gottsried gewesen. Demnach ist es sehr wahrscheinlich, daß er von Vater und Großvater seine Besitzungen auf und um dem Bussen geerbt hat. So werden wir wieder auf den Bussen als einen uralten Hcrzogssitz gewiesen und es wird auch klar, wie Graf Gerold, Enkel jenes Herzogs Nebi, mit den Bertholden (Birtilouen) seinen nahen Verwandten, Herr auf dem Bussen gewesen. — Neben Gerold und den Bertholden war noch Mitbesitzer Egino, Bischof von Verona, der von sehr vornehmen Eltern in Schwaben abstammte und mit Karl dem Großen verwandt war. Er ging wieder in die Heimath zurück, wählte die Reichenau zu seinem Aufenthalte und gründete im Jahre 799 zu — 526 — Niederzell eine Kirche und eine Propste!; er starb allda, wo noch sein Grabmal zu sehen ist. Auch er vergabte Güter zu Dürmentingen und Offingen an die Neichenau. Hausbesitzer der Güter auf und um den Bussen sind noch gegen Schluß des 9. Jahrhunderts die Urenkel des genannten Berthold, denn im Jahre 889 bestätigen Graf Chadaloch nebst seinem Bruder Berthold eine Urkunde in dem Eritgau in dem Orte Pusse (Bussen). Nach den Birtilonen finden wir die Grafen von Vöhringcn und Ncllenburg, ohne Zweifel ihre Abkömmlinge, im Besitze der Bussengüter. Zu diesen gehörte auch wohl jener erlauchte Mann Peregrinus, der zweite Stifter des Klosters Bussen-Bcuren, der nach einem ihm in dem Kloster gesetzten Grabmal im Jahre 1092 auf seinem Schlosse Bussen gestorben ist. Im Jahre 1291 kaufte Kaiser Rudolf vom Grafen Heinrich von Vöh- ringen den Bussen und alle auf und an demselben gelegenen Güter und Orte, die Hinterburg auf demselben und die Vogtei über die Kirche. Die Vorderburg war Reichenau'sches Lehen, wie sich das Urbar vom Jahre 1303 ausdrückt: „Us dem Bussen die Hinterburg und ein Baumgartcn unter dem Thurme ist der Herrschaft (Oesterreich) eigen, so ist die Vorderburg Lehen von Owe (Reichenau)." Diese Vorderburg sowie den damit verbundenen Theil des Dorfes Osfingen trugen früher schon Johannes Wanner, Bürger zu Ricdlingen und die Familie von Klok zu Bibcrach zu Lehen. Wanner verkaufte seinen Antheil 1413 an das Kloster Zwiefalten, wobei Herzog Friedrich von Oesterreich den Lehnsvcrband auflöste; die von Klok verkauften ihren Antheil an Andreas Sonnenbcrg, Truchsesscn und Waldburg. Später ging auch die Vorderburg an Oesterreich über. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß Kaiser Rudolf von Habsburg, der bekanntlich für einen seiner Söhne wieder ein Herzogthum Schwaben errichten wollte, den Bussenberg, an den sich die Erinnerungen eines alten Hcrzogs- sitzes knüpften, zum Mittelpunkt und Hauptsitz einer neuen Schöpfung ersehen hatte. Ob je einer vom Habsburg'schen Hause auf der Burg Bussen saß, ist nicht bekannt, dagegen saßen nach dem genannten Urbar bereits im Jahre 1292 auf dem Bussen österreichische Burgvasallen, die von den Orten der Herrschaft Gefalle als Soldlehen bezogen. Unter anderen werden genannt: Ludwig von Hornstein 1313, Einer von Stadegen (Stadion), Conrad von Namstcin, Rudolf von Friedingcn, die beiden letzteren im Jahre 1498. Wie es scheint, hatten diese ihre Wohnsitze auf dem Bussen, denn in späteren Jahren verkauften Nachkommen derselben diese ihre ererbten Burgställe als freies Eigenthum an Andere. Wie die meisten österreichischen Besitzungen in Schwaben hatte auch die Herrschaft Bussen das Loos, mehrmals verpfändet zu werden. Im Jahre 1325 kam sie an die Grafen von Hohenbcrg, später an Burkhard von Ellcr- — 527 — bach und endlich an die Truchsessen von Waldburg. 1398 besaß diese Herrschaft Hans Truchseß von Waldburg, der zugleich die Schirmvogtei über die Neichenau'schen Besitzungen in der Gegend hatte. Neben diesen Inhabern erscheinen aber als österreichische Vögte die von Stein auf dem Bussen, weil Oesterreich die Landeshoheit über die Herrschaft beibehalten hatte. 1452 verkaufte Erzherzog Sigmund die Grafschaft Friedbcrg sammt dem Schlosse und der Stadt zu der Scheer und die Vogtei auf dem Schloß und Dorf Bussen und Dürmentingen an den Truchsessen Eberhard von Waldburg für 32,000 Gulden. Dieser wohnte 1483 auf dem Bussen. Als 1680 Oesterreich die Herrschaft wieder einlöste, blieb den Truchsessen Bussen und Dürmentingen als Mannlehen. Dieses Lehen enthielt die zerstörte Burg Bussen und die Orte Bussisch-Offingen, Hailtingen, Unlingen, Dentingcn und Altheim. 1786 verkauften die Truchsessen von Waldburg die Grafschaft Friedberg mit Bussen und Dürmentingen für 2,100,000 Gulden an den Fürsten Karl Anselm von Thurn und Taxis. 1806 kam Beides unter wücttembcrgische Oberhoheit. Im Jahre 1358 wurde der Bussen von Graf Eberhard von Württemberg ucbst den Städten Rotenburg und Horb den Grafen von Hohenberg und Haigerloch abgenommen. Am 14. und .15. Dezember 1633 wurde die Hintcrburg von den Schweden und Württembergern eingenommen und bis auf die Mauern ausgebrannt. — Als im Jahre 1796 der General Desaix mit dem linken Flügel der französischen Armee zwischen der Donau und dem Federsce eine Stellung einnahm, besetzte er den Fuß des Bussen mit Artillerie, warf von hier aus am 30. September die Oesterreicher über Ahlen zurück und begann von derselben Stellung aus am 2. Oktober den Angriff in der Schlacht bei Biberach gegen Seekirch hin. Die Pfarrkirche mit einem stattlichen Thurme und fünf Glocken, der schmerzhaften Gottesmutter und dem h. Johann-Baptist geweiht, liegt ^ Stunde vom Pfarrhause entfernt, ringsum frei und von dem gemeinschaftlichen Gottesacker und dessen Mauer umgeben. Sie wurde 1516 aus den Trümmern der vorderen Bussenburg erbaut und der Abt Piskator von Rcichcnau, früher Abt zu Zwiesalten, legte den Grundstein dazu. Als die Schweden das Schloß 1633 verbrannten, ließen sie die Kirche unberührt. 1713 wurde der Thurm vom Blitz getroffen und entzündet, die Glocken schmolzen und das Innere brannte aus. 1748 wurden die Decimatoren zur Reparatur des Kirchthurmcs beigezogcn. 1781 wurde der Dachstuhl baufällig und das Innere der Kirche war sehr verdorben. Mittels der vom Vikar Kienzlcr und dem Aushülfskapuziner Josef Weber von Riedlingen angestellten Kollekte konnten die 3 Altäre, Communionbank, Kanzel u. s. w. renovirt und die Kirche ausgebessert werden. Im Winter 1822/23 beschädigte der Sturm den Thurm und 1830 die westliche Seite des Daches. Am 11. Januar 1827 wurde der Thurm vom Blitz getroffen. Die Kirche ist 90 Fuß lang, 30 Fuß — 528 — breit und 36 Fuß hoch. Besonders an Samstagen wird dieselbe von Pilgern stark besucht. Die Bruderschaft vom unbefleckten Herzen Maria ist weit verbreitet. Weute bei Wcrtösee. m württembergischen Donaukreise, nicht weit von Waldsee, liegt das Pfarrdorf Reute, berühmt als Wallfahrtsort zu den Reliquien der dort in Gott verstorbenen seligen Klosterfrau Elisabeth, welche auch Bona genannt wird. Wir wollen zunächst in kurzen Worten dem Leser eine Beschreibung ihres Lebens vorführen. Elisabeth, auch Bona genannt, wurde im Jahre 1386 am 25. November in Waldsee geboren. Ihre Eltern, Jobannes Achler und Anno, erzogen sie sorgfältig und bestrebten sich besonders, sie zur Tugend und Gottesfurcht anzuleiten. Zur Jungfrau herangewachsen, faßte sie den Entschluß, in den dritten Orden des h. Franziskus einzutreten, welchen Entschluß sie auch ausführte, als ihr Beichtvater, der Propst Konrad Kugelin von Waldsee in Reute ein Kloster zu diesem Zwecke errichtet hatte. Aus diesem Kloster ging sie nie heraus, weshalb sie auch Klausnerin genannt wurde. Ihre Mutler Anna trat nach dem Tode ihres Mannes ebenfalls in dieses Kloster ein und verblieb in demselben bis zu ihrem Tode. Im Kloster war ihr ganzes Streben auf Erreichung der Vollkommenheit gerichtet und sie hatte einen solchen Abscheu auch vor der geringsten Sünde, daß sie lieber Alles erdulden wollte, als Gott irgendwie freiwillig zu beleidigen. Die Nächstenliebe, Armuth, Abtödtung, Gehorsam, Keuschheit übte sie in wunderbarer Vollkommenheit, ja selbst ihren Mitschwestern, von denen sie sehr beleidigt und verfolgt wurde, begegnete sie mit liebreichem Herzen. In christlicher Demuth übernahm sie die niedrigsten Arbeiten; aus Liebe zum gekreuzigten Jesu betrachtete sie bei allen ihren Handlungen und Arbeiten das Leiden und Kreuz Jesu und sagte, daß nichts so sehr den Stolz vernichte und die Demuth fördere, als die Betrachtung von Christi Leiden. Ja, stets bis zu ihrem Tode ängstigte sie sich darüber, daß sie in ihrer zarten Jugend zu wenig das Leiden Christi beherzigt habe. Gleichwie ihr seraphischer Vater Franziskus trug auch sie die fünf Wundmale unseres Herrn Jesus Christus an ihrem Leibe, welche auch bei der Eröffnung ihres Grabes im Jahre 1623 noch deutlich vorgefunden wurden. Als aus ihrem Sterbebette ihr Beichtvater sie ersuchte, die ihr von Gott ertheilten Gnaden kund zu thun, weigerte sie sich dessen und bat sie zu verschweigen, da sie eine große Sünderin sei und das Leben Christi, Maria's und der Apostel als Beispiel genüge. Nach Empfang der h. Sakramente befahl sie das Evangelium vorzulesen und bei den Worten „und er gab seinen Geist auf", starb sie sanft im Herrn am zz, November 1420 im 34. Lebensjahre. Gleich nach ihrem Tode ward sie öffentlich verehrt und diese Verehrung bestätigte Papst Clemens XIII. am 12. Juli 1766. Die näheren Umstände ihres Todes berichtet ihr Beichtvater, der oben genannte Propst, wie folgt: „Am Abende vorher kam ich an, um die ganze Nacht bei ihr und den iibrigcu Schwestern zu verbleiben und zur Zeit der Matutin befahl sie mir, alle Schwestern zu rufen. Als diese gekommen, fragte ich: Betha, wie alt bist du? Sie antwortete ruhig: Am Festtage der h. Katharina werde ich 31 Jahre alt. Ich fügte hinzu: Ebenso viele Jahre hat Christus auf Erden zugebracht. Und da du heute am Tage der h. Katharina zur Welt geboren bist, so, hoffe ich, wirst du an demselben Tage Gott zur ewigen Glückseligkeit geboren werden." Hierauf befahl sie, die Kerzen anzuzünden und die Leidensgeschichte vorzulesen; als man an die Stelle kam „und er gab seinen Geist auf", wo gesagt wird, daß Christus seinem himmlischen Vater seinen Geist übergeben habe, sagte ich zu ihr: „Betha, es ist gelesen worden, daß Christus am Kreuze seinen Geist in die Hände se-nes himmlischen Vaters empfohlen habe, ebenso empfehle ich dich dem himmlischen Vater." Sie begehrte nun den Segen des h. Johannes,") nahm drei Tropfen, reichte mir die Hand zum Abschied, dankend und ruhig sitzend, das Haupt auf meinen Arm gestützt, verschied sie ohne irgend ein Zeichen des Schmerzes und wie ich hoffe, bis zum Ende standhaft verharrend in heiliger Demuth, Andacht, Antrauen auf Gott, wahrem Glauben und der Liebe Gottes zu einem seligen und ewigen Leben im Jahre 1426. Vor ihrem Tode sagte ich zu ihr: „Liebe Betha, bitte den Herrn, daß er die große Gnade offenbare, die er dir in diesem Leben verliehen hat." Aber sie weigerte sich dessen und antwortete, sie werde beten, daß sie nicht offenbart werde. Als ich um den Grund fragte, antwortete sie: „Das Leben Christi, Maria's, der Apostel und der anderen Heiligen ist da, ich bin eine elende Sünderin." Die Grabschrift, welche man der seligen Elisabeth gleich nach ihrem Tode setzte, lautet: st anno ckni iÜKKXXIXX ipso ckis seo Irntsrino olliit elisabst aoiilin cko ^alss virAo inolnsa. in rnti Johannes gesegneten Wein zu geben. 34 — 530 — von Walse, Klausnerjungfrau in Reute, welche durch viele Wunder glänzte, vorzüglich durch die Wundmale Christi an ihrem Leibe und 20 Jahre weder Speise noch Schlaf noch sonstiges bedürfte. Ihr Beichtvater war 20 Jahre hindurch der Ordensvater in Christo Herr Konrad Kugelin, Propst von Waldsee, Stifter der genannten Klause. Am 6. August 1623 wurde mit Erlaubniß des Bischofs von Konstanz, Jakob Fugger, Graf von Kirchberg und Weißenborn das Grab und der Sarg der seligen Bona Betha, wo viele Wunder geschehen, geöffnet und an ihrem Leichname gewahrte man noch die Wundmale Christi. Wie wir früher bereits gesagt haben, gestattete Papst Clemens XIII. am 12. Juli 1766 die öffentliche Verehrung der seligen Elisabeth. Zugleich wurde bestimmt, daß das Fest derselben in der Stadt Konstanz und in Reute als änplex minus, in der übrigen Diözese als ssmiäuxlsx gefeiert werden sollte. Am 4. Mai 1767 erließ Franz Konrad von Rodt, Kardinalpriester und Bischof zu Konstanz, ein Dekret, daß mit Bewilligung des Papstes Clemens XIII. eine Novcnnc mit vollkommenem Ablaß gehalten werde, welche am letzten Mai ihren Anfang nahm. Im Jahre 1867 wurde das Jubiläum der seligen Elisabeth feierlich begangen. Es dauerte vom 1. bis 8. Juni und es war mit demselben zugleich eine Mission verbunden, welche von Jesuitcnvätern abgehalten wurde. Papst Pius IX. bewilligte für die Zeit desselben unterm 14. Mai 1867 einen vollkommenen Ablaß. Am ersten Tage ward eine feierliche Prozession mit den Reliquien, am letzten eine solche mit dem Alterheiligsten abgehalten. Es wurden 5500 heilige Kommunionen ausgetheilt und die Zahl der Wallfahrer betrug über 100,000. Im Jahre 1875 ward beschlossen, die Reliquien der seligen Elisabeth in einen von I. Götz in Regensburg neu angefertigten Schrein zu legen. Auf Erlaß des bischöflichen Ordinariates in Nottenburg vom 18. September 1875 wurde am 27. September in der Pfarrkirche zu Reute von den bestellten Kommissaren, dem Superior des Klosters und dem Pfarrer von Reute der Schrein mit den Reliquien der seligen Elisabeth in das Gastzimmer des Klosters getragen. Die Schwestern, welche mit der Fassung der Reliquien beauftragt waren, wurden vereidigt und hierauf die Reliquien durch den Oberamtsarzt Dr. Stiegele von Ravensburg untersucht, welcher dieselben mit Ausnahme der bedeutend schadhaften Rippen sehr gut erhalten fand. Einzelne Reliquien wurden auf Wunsch abgegeben an die Klöster zu Reute, Siegen, Gemünd und Rottenburg, ferner an die Gebrüder Bcnedikt und Johannes Birkenmaier von Gaisbeuren, Jungfrau Therese Stärk von Saulgau, Oberamtsarzt Dr. Stiegele, Or. Schulz in Waldsee, den Dekan vr. Mack in Ziegelbach, an den Superior Betz, den Pfarrer Schurer in.Reute und an das fürstliche Haus Wolfegg. Am 4. Oktober wurde der Schrein verschlossen, dann um i/z9 Uhr mit 47 Priestern in Prozession um die Kirche — 531 — getragen und nach Abhaltung von Hochamt und Predigt in die Kapelle der seligen Betha getragen. Reute war vor 1402 Kirche und Pfarrei, welche dem Chorherrenstift Waldsce einverleibt waren. Es stand im Staatsverbande mit dem Hause Oesterreich; Gutsherren waren die Grafen Truchseß-Waldburg, von denen Graf Georg im Jahre 1515 das Gericht Reute sammt dem Psarr- und Hciligcngut an das Chorherrenstift zu Waldsee unter Propst Hieror.ymus verkaufte, welcher das Pfarrgut auflöste und zu Lehengütern machte und bei der von den Chorherren pastorirten Pfarrei nur noch ein Psarr-Widdum von 8 Jauchcrt Ackerland, 1 Jauchert Wiesen und den Gärten ließ. Als Kaiser Joseph im Jahre 1719 das Chorherrenstift zu Waldsee aufhob, wurde das Gericht Reute an das gräslich Truchscssische und fürstliche Haus Waldsee für 121,000 Gulden verkauft, auch wurden mit Ausnahme der Gärten alle Pfarrgüter verkauft und die beiden in Reute wohnenden Geistlichen aus dem österreichischen Religionsfonds besoldet. Im Jahre 1633 brannten die Schweden mit der im Jahre 1407 »»ter Propst Jakob an die Kirche gebauten Schwesterklausur auch die Kirche und das Pfarrhaus ab. Nach dem schwedischen Kriege raffte die Pest viele Pfarrgenosscn weg. Die Pfarrkirche zur heiligen Elisabeth liegt am Ende des Dorfes auf einem 60 Staffeln hohen Erdhügel, welcher von einer 422 Fuß langen und 22 Fuß hohen Mauer umgeben ist. Sie wurde um 1635 an die alte kleine- Pfarrkirche angebaut, welche seitdem eine von Innen offene SeitenkapcUc bildet, worin seit 1766 die Gebeine der Schutzheiligen aus einem Altare rnhen. Die Kirche ist 145 Fuß lang, 91 Fuß breit und 44 Fuß hoch. Im Jahre 1870 wurde das alte Klostergebäude von den barmherzigen Schwestern zu Ehingen a. d. Donau angekauft. Die Ave Waria-WaCfcchrt 6er Deggingen. 3000 Schritte von Dcggingen entfernt, auf einer Anhöhe, ehemals Tugstein, jetzt Ave Maria-Berg genannt, liegt eine Kapelle, der allerscligsten Jungfrau geweiht, welche gewöhnlich Ave Maria- Kapelle genannt wird und wohin aus der weiten Umgegend zahlreiche Wallfahrten stattfinden. Ueber den Ursprung dieser Wallfahrt ist keine Kunde auf uns gekommen; das älteste Dokument ist vom Jahre 1477 und besagt, daß die Grafen von Helfenstein nebst anderen geistlichen und weltlichen Personen 1474 dieser Kapelle zu Errichtung einer immerwährenden Messe so viel ge- 34* — 532 — geben haben, daß ein Erbzins von 43 Pfund Heller erkauft werden konnte. Damit diese Stiftung Bestand habe, haben im Jahre 1477 Graf Friedrich zu Helfenstein und Georg Winterkötter, beider Rechten Licentiat und Chorherr zu Konstanz, den bei der Kapelle gelegenen Berg Tugstein (oder Taugstig) gegeben und zugleich verordnet, daß ein Kaplan bei der Kapelle wohnen, wöchentlich drei heilige Messen lesen und an den Fraucnfcsten, Ostermontag, Pfingstmontag und Kirchwcihe den Wallfahrtsdienst versehen soll. Nach dem im Degginger Ave Maria-Saalbuch vom Jahre 1572 eingetragenen Stiftungsbrief hat Graf Friedrich von Helfenstein als Grund- und Schirmherr im Jahre 1482 durch Zuweisung einiger Zinse und Grundstücke das Einkommen der Kapelle erweitert und fixirt. Indessen scheint damals noch kein Kaplan bei der Kapelle gewohnt zu haben, da nur von der Wohnung eines Meßners die Rede ist. Durch die Ausbreitung des Lutherthums in dieser Gegend litt auch die Ave Maria-Kapelle bedeutenden Schaden: sie wurde nebst dem Wohnhause des Meßners gänzlich demolirt. Auch der damalige Graf von Helfcnstein hatte die Lehre Luthers angenommen und zog nun die Renten der Kapelle ein. Nachdem aber der katholische Graf Rudolph der Aeltere von Helfenstein zum Besitze der Grafschaft gelangt war, wies er einen Theil der Revenuen der Kaplanei zu Reichenbach zu und erlangte ferner vom Bischöfe von Konstanz die Erlaubniß, aus den übrigen Gefällen die Kapelle zu restauriren. Da aber kein besonderer Geistlicher an derselben angestellt werden konnte, so verordnete Graf Rudolph, daß einer der drei Geistlichen von Deggingen am Samstage jeder Woche Messe lesen und an den Liebfraucnfcsten, Ostern und Pfingstmontag, sowie am Kirchweihfcste in der Kapelle Messe lesen und predigen sollte; die übrigen Renten aber sollten kapitalisirt werden, bis ein besonderer Geistlicher an derselben angestellt werden könne. Das Patronat der Kapelle blieb bei den Grafen von Helfenstein bis 1806, wo es an Bayern und später an Württemberg überging. Jetzt wohnt ein Kaplan bei der Kapelle, welcher dreimal wöchentlich in derselben eine heilige Messe lesen und an Sonn- und Feiertagen mit derselben eine Homelie verbinden muß. Er hat die Wallfahrer Beichte zu hören, jedoch leistet auch der Pfarrer von Deggingen dabei Aushülfe.' Die jetzige Kapelle wurde 1716 bis 1718 aus den Mitteln der Ave Maria-Pflege für 10,000 Gulden erbaut. Sie ist 120 Fuß lang, 39 Fuß breit und 44 Fuß hoch und enthält einen Hauptaltar und zwei Nebenaltäre. — 833 — Unsere Ließe Krau von MocHßerg. lochberg unweit Bopfingen, 2 Stunden von Nördlingen, ehemals ein schönes Schloß auf einem Berge und dabei ein Dorf gleichen Namens, den Grafen von Oettingen gehörend, soll ehemals Fluchtberg geheißen haben. Zur Zeit, als das ganze Rieß noch ein See gewesen sein soll, hätten die Schiffenden dorthin ihre Zuflucht genommen und sich angebaut. Nach Gottschalk's Beschreibung der Ritterburgen hatten die Edlen von Flochberg schon vor dem Jahre 1000 dort ihren Sitz und behaupteten ihre Ritterchre neben den Edlen der Nachbarschaft. In den damals kriegerischen Zeiten ist entweder der Stamm der Edlen von Flochberg erloschen oder durch die Macht der deutschen Kaiser verdrängt und so beschränkt worden, daß Flochberg eine kaiserliche Burg wurde, welche im Jahre 1149 von Herzog Wels von Bayern als Gegner des Kaisers belagert und erstürmt wurde. Diese Abhängigkeit dauerte noch im folgenden Jahrhundert fort, denn die Marquarte von Flochberg scheinen die Burg nur als Burgvögte und in lehnbarer Eigenschaft inne gehabt zu haben. In späterer Zeit erhielten dieses Lehen die Grafen von Oettingen-Wallerstein und zwar als ein Reichslehen für ihre rühmlichen Kriegsdienste, jedoch mit dem Auftrage, eine Beste dahin zu bauen, welche auch schon 1348 gestanden haben soll und auf welcher später die Grafen von Oettingen-Wallerstein ihre Hofhaltung hielten. Besonders wirkte hier wohlthätig und segensreich Graf Ulrich im 15. Jahrhundert. Durch diese Edlen von Flochberg und noch mehr durch die Grafen von Oettingen mag der Flecken entstanden sein, die gerne wie alle Ritter ihrer Dienstmannschaft um die Burgen herum Plätze einräumten, welche dieselbe mit ihren Frauen und Kindern bewohnten. Bis zur Zeit der Reformation war Flochberg ein Filial von Bopfingen. Ein gewisser reisender Priester, Wolfgang Vogel von Ettersdorf bei Nürnberg, predigte 1518 und 1519 die neue evangelische Lehre in Bopfingen, worauf dann Jakob Jettler, gewesener Kaplan daselbst, als evangelischer Prediger in Bopfingen angestellt wurde. Bopfingen mit seinen Unterthanen bekannte sich zur evangelischen Religion nnd so kam es auch, daß die Bopfingen'schen Hintersassen ebenfalls lutherisch wurden. Die übrigen Einwohner Flochbergs aber blieben der Religion ihrer Väter treu. Bon da an wurden die Katholiken Flochbergs von den Geistlichen des Klosters Kirchheim Pastorirt. Die Burg in Flochberg fiel nach der für die Schweden unglücklichen Schlacht bei Nördlingen (1634) in die Hände der Kaiserlichen, welche sie auch besetzten. Vom 5. bis 15. April 1648 wurde sodann diese Burg vom sogenannten Breitwange aus von den Schweden beschossen und zerstört. Ueber die Entstehung der Wallfahrt in Flochberg berichten uns die alten Urkunden Folgendes: — 534 — Wilhelm Winzerer, geboren am 3. September 1572, wurde am 26. Mai 1582 von der Epilepsie befallen und alle ärztliche Hülfe war nicht im Stande, ihm Heilung zu verschaffen. In dieser Noth gelobten die Eltern des Knaben eine Wallfahrt nach Unterbothen und das Opfer eines Pfundes Wachs, wenn der Knabe geheilt werde. Indeß aber dauerte das Uebel bis zum h. Pfingstfeste. In dieser Nacht erschien dem Knaben neben seinem Bette eine schöne Matrone in sichtbarer Gestalt in einem himmelblauen Kleide mit leuchtenden Spitzen an den Säumen desselben, das Haupt mit Hellem Glänze umgeben, welche sich würdigte, sein Haupt von dem Bette gleichsam wie eine liebreiche Mutter aufzuheben und zu ihm sprach: „Wilhelm, wenn man zu Abend das Gebet läutet, so gehe in den nächsten langen Roggcnacker; da ist eine Wurzel, grabe sie aus; die wird dir helfen und dich gesund machen." In der folgenden Nacht kam die Erscheinung wieder und der Knabe verlangte nun von seiner Mutter, auf diesen Roggenacker gebracht zu werden; allein die Mutter wollte den kranken Knaben nicht aus dem Hause lassen und ihren Mann, welcher damals in Wallerstein in Arbeit war, abwarten. Nach etwa 14 Tagen hatte der Knabe wieder die nämliche Erscheinung zum dritten Male, welche ebenfalls sagte: „Wilhelm, gehe bei anbrechender Nacht, wenn man das Gebet läutet, hinaus auf den laugen Noggenacker; du wirst da eine Wurzel finden, diese grabe aus und hänge sie an den Hals, so wirst du endlich wieder gesund werden." — Der Knabe erzählte nun dieses Gesicht seinem am Feste Pctri und Pauli von Wallcrstcin kommenden Bater, welcher Abends sogleich mit ihm auf den Roggcnacker gehen wollte, aber an diesem Vorhaben durch ein Gewitter verhindert wurde, welches so heftig war, daß der Knabe wieder in die Krankheit fiel und diese schrecklicher als früher wüthete. Die Krankheit hatte am 26. Mai ihren Anfang genommen, aber am 30. Juni ließ ihre Wuth nach und Abends gab der Vater dem Knaben ein Stemmeisen, um diese Wurzel, welche ihm die himmlische Erscheinung kundgethan, auszugraben. Hierauf ging er mit ihm zu dem langen Roggcnacker und sie warteten auf das Gcbetläuten. Bei demselben fielen sie auf ihre Kniee nieder und verrichteten ein kurzes Gebet. Sodann eilte der Knabe auf den Roggenacker, in den ein Weg führte; aber kaum war er dreißig Schritte gegangen, so kam ihm die genannte Erscheinung entgegen, welche die Wurzel in der Hand trug und sprach: „Mein Sohn, stehe auf, es soll dir geholfen werden." Hierauf drückte sie die Wurzel kreuzweise an seine Stirne, benetzte ihre Fingerspitzen mit Wasser aus einem Kristallfläschchen und bezeichnete damit den Knaben an der Stirne, dem Herzen, den Händen und den Füßen in Form eines Kreuzes, indem sie sprach: „Mein Sohn, gehe hin, diese Krankheit soll dich dein ganzes Leben nicht mehr befallen, sei fromm, bete, rufe Gott an, gehe fleißig in die Kirche, höre Gottes Wort und vollbringe die Wallfahrt, die du gelobt hast." Die Erscheinung verschwand und der Knabe war gesund. — 535 — Nagclius, ein gelehrter Theologe, untersuchte die Wahrheit dieser Geschichte und gab sie am 4. September 1582 zu Wallerstcin in Druck heraus. Die frommen Eltern des Knaben vollbrachten nun mit demselben die versprochene Wallfahrt nach Untcrkochen und der Knabe opferte das Pfund Wachs während der h. Messe. Der Vater desselben, Georg Winzerer, ließ nun auf dem Roggenacker an eben jener Stelle, wo sein Wilhelm die letzte Erscheinung gehabt und gesund geworden war, einen Bildstock errichten und auf einer blechernen Tafel das Bild malen, wie es dem Knaben erschienen, welches an dem Bildstocke befestigt wurde. Von dieser Zeit an wurde der Ort von Gläubigen viel besucht und es stellte sich im Jahre 1613 die Nothwendigkeit heraus, auf dieser Stelle eine Kapelle zu bauen. Zum Baue derselben schenkte am 7. Mai 1610 Hans Miller von Bopfingen, Hintersaß von Flochberg, 300 Florin. Dieselbe war 35 Fuß lang, 18 Fuß breit und 14 Fuß hoch. Patron derselben war der heil. Johannes der Täufer. In ihr wurde ein Altar errichtet, welcher bis 1666 stand, wo ein neuer Altar an dessen Stelle trat. Von 1613 bis 1744, also 131 Jahre hindurch stand diese Kapelle und entging der Zerstörung, als das Schloß zu Flochberg, wie wir früher bemerkt haben, 1648 in die Luft gesprengt wurde. Vom Jahre 1705 an hielt der benachbarte Pfarrer von Härtsfcld- hausen, Johann Georg Zinck, an allen Montagen, wenn kein Feiertag auf denselben fiel, in der Kapelle die h. Messe. Nach und nach kamen auch andere Geistliche aus der Nachbarschaft, um in derselben die h. Messe zu feiern, und nach einem Verzeichnisse wurden von 1713 bis 1744 9890 h. Messen in derselben gelesen. Im Jahre 1734 erhielt der Dechant und Stadtpfarrer Karl Mack zu Neresheim vom bischöflichen Generalvikariate den Auftrag, darüber zu berichten, was die Wallfahrt zu Flochberg an Geldmitteln und Opfer besitze und ob dieses zur Errichtung eines geistlichen Bencfiziums und zur Dotation der Kirche hinreiche. Da die Antwort bejahend ausfiel, wurde derselbe Dechant beauftragt, bei Jhro Hochgräflichen Excellenz dem Grafen Anton Karl zu Oettingen-Wallerstcin, welcher sich damals am kaiserlichen Hoflager zu Wien aufhielt, zu bewirke», daß bei dieser Wallfahrt aus den Einkünften der Kirche ein Benefizium errichtet, durch Anlegung eines Kapitals die Dotation der Kirche gesichert und an Stelle der Kapelle, welche ruinös sei, eine neue, größere Kirche gebaut werde. Am 3. August 1735 berichtete sodann der Dekan Mack in Neresheim an den Grafen in Wien, aus welchen Gründen die Errichtung eines Bencfiziums und der Bau einer größcrn Kirche nothwendig sei, wie und welche Mittel zum Baue der Kirche zu verwenden seien, wie die Einrichtung des Benefiziums zu treffen und der erforderliche Kirchenornat zu beschaffen sei. Ein Grundriß der neuen Kirche und spezificirter Ueberschlag der Baukosten — 536 — war dcm Schreiben beigefügt. Am 14. November 1736 verordnete der Graf von Wallcrslliu, daß sein Kanzler, Valentin Franz von Emmerich, unter Zuziehung des bischöflichen Kommissars, Dekans Mnck von Neresheim, die Einrichtung eines Bcncfiziums und Anstellung eines Priesters an der Wallfahrt in's Werk setzen soll, worauf dann zwischen beiden am 15. Dezember 173g in Flochbcrg und am 15. Februar 1737 in Neresheim Konferenzen stattfanden. Auch der Fürstbischof Johann Franz von Augsburg verwendete sich am 23. Juli 1737 in einem besondern Schreiben bei dcm Grafen Karl Anton, worauf am 5. August der Graf seiner Regierung zu Wallerstein auftrug, einen Geistlichen zu präsentiren. So wurde nun am 15. Januar 1738 Johann Alban Rimcte, gewesener Hoskaplan, provisorisch für dieses Beue- fizium bestimmt, welcher am 16. September pro onra geprüft und am 2. Oktober bestätigt wurde. Da aber der Graf Karl Anton am 21. Januar 1738 starb, so erlitt dadurch die definitive Regelung dieser Angelegenheit einigen Aufschub. Durch die Anstellung eines besondern Geistlichen war auch die Beschaffung eines Tabernakels nothwendig geworden, welches der Dechant Mack ain 15. Januar 1738 bencdizirte. Am 18. Dezember desselben Jahres wurden die neuen silbernen, vergoldeten h. Oelgefäße von dem Dekan gesendet. Das Bencfiziathaus war bereits im Jahre 1732 aus den Mitteln der Kirche und einer Beihülfe des Grafen Wolfgang von OettingcwWallerstein von 660 st. erbaut worden. Gegen Ende 1739 vertauschte Johann Alban Rimcle seine Stelle als Bcnefiziat mit Elias Martin Widemann, Pfarrer zu Pflanmloch. Dieser wurde 1743 Pfarrer zu Dunstclkingen und am 14. August dieses Jahres trat an seine Stelle als Bcnefiziat Johann Balthasar Manz von Ellwangcu. Allein dieser tauschte noch in demselben Jahre mit Anton Schund, Pfarrer zu Dorfmerkingen. Am 1. August 1741 wurde der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt. Sie wurde in Form eines Kreuzes erbaut, 92 Fuß lang; die Breite des Langschiffcs beträgt 57 Fuß, die Höhe desselben bis an's Gewölbe 45 Fuß, die Höhe des Chores 39 Fuß. Am 18. November 1745 war sie soweit vollendet, daß in derselben ein neuer Altar mit dem Gnadenbildc aufgestellt und die h. Messe gefeiert werden konnte. Am 5. August 1747 wurde sie vom Dekan Mack eingeweiht. Ein Scitenaltar wurde dem h. Joseph, der andere dem h. Johannes von Nepomuk gewidmet. Zur Vollendung der Kirche hatte Franz von Emmerich, Herr zu Schönberg und Mekerisch, am 17. Februar 1747 300 fl. beigesteuert. Am 15. Juni 1765 wurde sodann die Kirche durch den Wcihbischof von Augsburg, Franz Xaver Adclmann von Adclmannsfcldcn, unter dem Titel Mariä Heimsuchung feierlich nebst vier Altären konsekrirt. Vom Jahre 1750 bis 1837 wurde jährlich am 3V. Juni Abends ein besonderer Gottesdienst zum Andenken an die Erscheinung abgehalten. Im Jahre 1864 ward ein neuer Hochaltar beschafft und am 17. Juli dieses Jahres konsckrirt. Der jetzige Thurm der Kirche ward 1872 erbaut. Die Bruderschaft zum h. Herzen Maria, welche in der Wallfahrtskirche besteht, wurde am 11. November 1740 durch den Kuratoren Johann Anton Schund gegründet. Die Kirche besitzt an Reliquien: eine Partikel des h. Kreuzes, einen Theil vom Schleier der Mutter Gottes und eine Reliquie von den Gebeinen des h. Johannes von Nepomuk. Früher war auch eine Partikel vom Mantel des h. Joseph vorhanden, welche aber verloren gegangen ist. Die Kirche besitzt drei Glocken. Die ältere wurde 1774 von Joseph Arnold gegossen und hat die Inschrift: Naria Aratia plona Domiuus toeum. Die neue große Glocke (1871) hat die Inschrift: In moin. I. vat. ozo. eono. Horn. ine. inzenon (Wol. inloll. nruA. ?ont. R. sx Eatll. «Wo.. die kleinere neue: 0 Naria sino Iaido oonoopta ora pro nollis. Diese beiden Glocken wurden von Konrad Zoller in Biberach gegossen. Steinhaufen. n dem württembergischcn Donaukrcise, Bezirksamt Biberach, au der Nottum, liegt der Wallfahrtsort Steinhaufen mit einer Einwohnerzahl von ungefähr 180 Seelen. lieber die Entstehung dieser Wallfahrt und den Ursprung des Gnadenbildes der schmerzhaften Mutter in der Pfarrkirche daselbst ist uns urkundlich nichts bekannt und müssen wir uns hier auf das Wenige beschränken, was uns aus Dokumenten überliefert worden ist. Steinhaufen gehörte ehemals mit Oberstcttcn und den umliegenden Ortschaften den Herren von Obcrstetten, welche auf dem benachbarten Schloßbcrgc Buchhalden ihre Burg, Obcrstetten genannt, hatten. Nach den Herren von Oberstettcn waren die Herren von Mungoldingen im Besitze dieser Herrschaft, lvclche die Pfarrei gründeten und mit einem Gute in Ehrcnsberg dotirten. Die Pfarrkirche, „Allahußen" genannt, in welche die Herrschaft Oberstem» cingepfarrt war, stand bei dem Schlosse. Unterhalb des Schlosses scheint noch ein zweiter Sitz, „Steiuhauß" gemimt, gestanden zu haben, was Anlaß zur spätern Benennung des Ortes gegeben hat. An der Stelle, wo jetzt die Pfarrkirche steht, stand eine Filial- ^pelle, „zum Steinhauß" genannt, in welcher sich das wunderthätige Gnadcn- bild „Mariahilf" befand. — 338 — Im Jahre 1392 kaufte Nikolaus I., Abt von Ochscnhauscn, von dcn Vormündern der Söhne des Lutz von Mungoldiugen Schloß und Weiler Obcrstetten nebst Kirche und Kirchcnsatz. Der Abt ließ hierauf das Schloß und die Kirche abbrechen und neben der Kapelle zu Steinhaus eine neue Kirche bauen, auf diese die pfarrlichen Rechte übertragen und in ihr auch das Gnadenbild aufstellen. Von dieser Zeit an verschwand der Name Obcrstetten und es trat der Name Steinhausen an seine Stelle. Mit dieser Zeit begann erst eigentlich die Entstehung des Dorfes und die Ochsenhausencr Chronik nennt es daher ein neues Dorf „villain mc)ä