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Unsers liebe Frau zu Mainz.
Stadt Mainz, welche das Licht des Glaubens einem Apostel-'S^ schülcr, dem heil. Crescenz verdanken soll, war schon frühzeitigder Sitz eines Bischofs und wurde unter dem h. Bonifazius 748 zur erstenKirche in Deutschland erhoben. Unter den alten kirchlichen Gebäuden derStadt nahm die Kirche der heil. Jungfrau, dicht bei dem Dome, eine her-vorragende Stelle ein.
Da bereits 803 der Liebfraucnkirche Erwähnung geschieht, so gehörtesie sicher zu den ersten Kirchen von Mainz. Nach den meisten und glaub-würdigsten Geschichtsschrcibern erbaute um das Jahr 988 der Rath unddie Bürgerschaft der Stadt auf der Stelle der früheren Marienkirche eineneue Kirche.
Nachdem in der ersten Hälfte des l3. Jahrhunderts bedeutende Re-p araturen an der Kirche vorgenommen morden, brannte dieselbe 1285 ab,so daß ein Neubau derselben nothwendig wurde. 1311 wurde unter demSchutze der heiligen Jungfrau die neue Kirche zu ihrer Ehre durch denErzbischof Peter von Aichspalt eingeweiht. Neues Brandunglück traf denherrlichen Bau im Jahre 1637. Doch ward die Kirche bald wieder herge-stellt und wenn sie auch noch dreimal nämlich t561, 1609 und 1793 vonBrand heimgesucht wurde, so waren diese Unfälle jedoch von geringererBedeutung.
Die Kirche besitzt ein Gnadenbild, dessen Entstehung wir, nach demStile zu urtheilen, in das 14. Jahrhundert, also in die Zeit des Ncubanesder Kirche, versetzen dürfen. Es ist ans Holz kunstreich geschnitzt; die Figurensind kaum unter der natürlichen Größe. Maria ist ans einem Polstersitzend dargestellt; mit der rechten Hand unterstützt sie das auf ihrem Schooßemit einem Vogel fröhlich spielende Jesukind, dessen Füßchen ihre linke Handumschließt, die Krone bedeckt ihr von reichen Locken umstossenes Haupt, wäh-rend ein faltiger Mantel das anliegende Unterkleid leicht umwallt. Tie Ge-wänder, ursprünglich schon vergoldet, mit auf Kreidegruud zierlich ciugegra-benen Mustern, wurden wahrscheinlich nach dem Brande von 1561 mit dunklenArabesken in Oel auf Goldgrund bemalt.
Diesem Bilde wendete sich mehrere Jahrhunderte hindurch die besondereVerehrung der Bewohner von Mainz sowie vieler anderer Verehrer Ma-riens zu.
Das letzte Jahrzehent des vorigen Jahrhunderts brachte auch überMainz alle Gräuel und Schrecken der französischen Revolution und derKriege in ihrem Gefolge.