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Nach cincr zweimonatlichen Belagerung ergab sich die Stadt undBurg Bingen. Da geschah es, daß nach dem Abzüge der Besatzung aufdem Rupcrtsberge zwei Frevler, die aller Habe entblößt dem Heere des Kö-nigs, wie es zu geschehen pflegt, des Raubes, nicht des Kampfes wegen folg-ten, in das Rnpcrtskloster kamen, während sin der Stadt der König mitdem Erzbischofe Gerhard die Friedeusverhandlungcn eröffnete. Mit Emsig-keit durchforschten sie alle Stellen, um etwas zum Raube zu finden. Aberumsonst war ihre Mühe, mit welcher sie alle Winkel des Klosters durch-suchten; denn schon früher war Alles durch die Nonnen oder Andere fort-gebracht worden. Ebenso fruchtlos durchstöberten sie die Kirche. Vor demChöre in einem südlichen Winkel der Kirche befand sich ein zu Ehren derh. Katharina geweihter Altar, über dem sich in einer bogenförmigen Nischevon Künstlcrhaud ein schönes und zierlich gefertigtes Marienbild befand, eineKrone auf dem Haupte, worin rings 4 Kristallsteine eingefügt und befestigt;ein fünfter Krpstallstcin, größer als die anderen, war auf der Brust desh. Bildes angebracht.
Nachdem nun die Diebe die ganze Kirche durchsucht hatten ohne etwaszu finden, bestieg einer von ihnen vorbcnannten Altar und begann mit einemMesser die Steine aus der Krone auszugraben: „Was machst du, Nichts-würdiger, was machst du?" schalt ihn sein Mitgesell, „halt ein, die Mutterder Barmherzigkeit zu berauben, durch die allein nächst Gott uns Heil wi-derfährt, wenn es uns zu Theil werden sollte." Jedoch taub gegen solcheErmahnungen riß der Tcmpelräuber sämmtliche vier Steine aus der Kroneheraus. Hierauf begann er, den fünften aus der Brust des h. Bildes her-aus zu bohren, doch da ereignete sich eine wunderbare Begebenheit. Dennsobald er die h. Brust mit dem Messer zu berühren und zu verletzen wagt,fängt das Bild allenthalben zu schwitzen an. Obgleich beim Anblicke diesesWunders etwas erschrocken, ließ der Frevler dennoch von dem begonnenenVerbrechen nicht ab, sondern brach den Stein aus der Brust des Bildes. Daströmte aus der Wunde plötzlich Blut mit Milch vermischt in großer Fülle.Grauenhafter Schauder überfällt da den Unglücklichen; er springt vom Al-tare herab, flicht ans der Kirche, eilt an den Nahefluß, stürzt sich hinab indie Fluth und ertrinkt.
Ein Priester, der an diesem Altare Messe zu lesen pflegte, kam zu-fällig vorüber und das vorgefallene Wunder schauend, legte er ein Korpo-rale unter und sammelte das aus der Wunde fließende Blut, das man zuewiger Erinnerung, in ein Glas gefaßt, mit Reliquien der Heiligen in der-selben Kirche zur Verehrung ausstellte.
Als das Wunder bekannt wurde, strömten Schaaren von frommenGläubigen aus der Nähe und Ferne herbei. Zum Andenken an diesesWunder ward daselbst zu Ehren der unbefleckten Gottesmutter Maria mitBewilligung des Erzbischofs Gerhard von Mainz im Jahre 13l>3 eine