Oberhaid.
sieben Kilometer von Bamberg entfernt, an der Bamberg-Würz-burg-Aschaffenburger Eisenbahn liegt das Pfarrdorf Oberhaidmit etwa 1000 Einwohnern. In der dortigen Pfarrkirche befindet sich einGnadcnbild der allerseligsten Jungfrau Maria, welches aus der ganzenUmgegend fleißig besucht und verehrt wird. Ueber die Entstehung dieserWallfahrt wird Nachstehendes berichtet.
Im Jahre 1770 hefteten zwei Eheleute ein gemaltes Bild, MarinHi lf genannt, an einen Birnbaum bei ihrem Acker am Mittelweg in derfrommen Absicht, damit die Vorübergehenden die Gottesmutter ehren möchten.Etwa nach 4 Jahren wurde dieses Bild durch Regen und Schnee sehr be-schädigt, so daß man es durch geeignete Vorkehrungen schützen mußte. Umdiese Zeit herrschte in Oberhaid und der Umgegend das kalte Fieber. Zndie Noth nahmen mehrere Frauen ihre Zuflucht zu Maria und verrichtetenihre Andacht vor dem genannten Bilde. Ihre Gebete wurden erhört undbald wurden auch andere wunderbare Gebetserhörungen ruchbar, welche vordiesem Bilde sich zugetragen haben sollten. Der Ruf von diesen Heilungenverbreitete sich bald in der ganzen Umgegend; von allen Seiten strömtendie Leute hinzu und da von immer mehr Gebetserhörungen berichtet wurde,so strömte das Volk in Schaaren von Hunderten unter Gebet und Gesanghinzu. Besonders war dieses am zweiten Pfingsttage der Fall und dieOpfer, welche bei dem Bilde dargebracht wurden, beliefern sich bald über60 fl. Da der Ort, wo sich das Bild befand, die Klingen hieß, so nannteman das Gnadenbild „Maria Hilf im Klingenthal".
Zu Anfang des Monats August 1774 wurde das Bild vom Birn- lbäum herab genommen und an einem Bildstock angeheftet, der mit zwei sGittern versehen und vor welchem zwei Betstühle angebracht wurden.
Gegen diese Andacht und Verehrung des Muttergottesbildes eiferte svorzüglich der damalige Pfarrer von Oberhaid, Thomas Göbel, und er zwurde von mehreren Pfarrern der Umgegend darin unterstützt. Da er in iPredigten und auf jede andere nur mögliche Weise der genannten Andacht sentgegentrat, so erbitterte er seine Gegner, welche Erbitterung wiederum smanche Mißbräuche im Gefolge hatte. So predigte ein versoffener Musi-kant von Trunstatt vor demselben und stellte die Behauptung auf, daß das ^Gebet unter Gottes freiem Himmel Gott viel angenehmer sei, als das inden Kirchen u. s. w.
In Folge dieser Streitigkeiten und da der Zudrang der Andächtigen Iimmer größer wurde (am Sonntage vor St. Laurentius 1774 sollen Tau- jsende von allen Seiten herbeigeströmmt sein), beauftragte die geistliche Re- >