Druckschrift 
[1]: 1887
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Jungfrauen, welche sie zu sich in das Schloß aufgenommen hatte. Einsthatten sie längere Zeit in dem Kirchlein verweilt. Auf dem Rückwege theilteStilla ihren Gefährtinnen mit, daß ihr Ende herannahe, wodurch diese sehrbetrübt wurden. Nach Hause angekommen, sprach Stilla zu ihnen: „Nichtwahr, ihr lieben Jungfrauen, ihr versprecht mir getreu und fest zu halten,um was ich euch jetzt in dieser ernsten Stunde bitte?" Die Jungfrauenerklärten, daß ihnen der Wille ihrer Gebieterin stets heilig sein werde. Jetztzog Stilla den Handschuh von ihrer Hand, überließ ihn den Winden, welcheam Schlosse vorüberzogen und sprach: „Nun sehet, wohin die Winde denHandschuh tragen, dort will ich einst begraben sein." Und alsbald flog derHandstluh wie eine weiße Taube gegen das Peterskirchlein hin und ließ sichneben demselben nieder. „Ja, so sei es!" rief Stilla freudig, da sie sah,daß Gotteswille mit ihrem Wunsche übereinstimmte: „Dort, wo ich mir sooft Ruhe und Trost erflehte, dort in jenem Kirchlein will ich ausruhen vondiesem Leben, und harren auf den Ruf des Herren zur Auferstehung desFleisches. Daß dieser mein Wille erfüllt werde, darauf haltet, meine Freun-dinnen, eures Versprechen eingedenk, wenn euch meine Ruhe im Grabelieb ist."

Bald darauf (1140) starb sie, und als man sie in der Familiengruftim Kloster Heilsbronn beisetzen wollte, widersprachen die Jungfrauen diesemVorhaben und erklärten, daß es der Wunsch der Seligen gewesen sei, indem Peterskirchlcin beerdigt zu werden. Man kam überein, die EntscheidungGott selbst zu überlassen. Am Morgen des Begräbnißtages, da der ganzeSchloßhof und die Umgebung mit Leidtragenden angefüllt war, wurde einmit zwei weißen Stieren bespannter Wagen vor das Schloß geführt unddie Leiche der Verstorbenen aus denselben gelegt. Niemand sollte die Thiereantreiben, Niemand sie führen, wo sie mit der Iheuren Last stehen blieben,da sollte die Ruhestätte der Entschlafenen sein. Kaum war die Leiche aufden Wagen gelegt, da zogen die Stiere ohne Antrieb den Wagen an undführten die Leiche nach der Peterskirche, wo sie stille standen. Dort wurdenun die Leiche beigesetzt und ein schöner 3^ Fuß hoher, 1l0/z Fuß laugerund 4s/g Fuß breiter Grabstein mit dem Bildnisse der Seligen deckt diesterbliche Hülle.

Gleich nach dem Tode wurde das Grab der Seligen von Bedrängtenaller Art besucht, um ihre Fürbitte und Hülfe anzurufen. Die Bollandistenführen 55 Wunder an, die zu verschiedenen Zeiten an ihrem Grabe gewirktwurden. Diese wunderbaren Vorfälle wurden von der obrigkeitlichen Be-hörde untersucht und als sich viele derselben als wahr erwiesen hatten, ließBischof Reinbotto von Eichstätt in dem Petruskirchlein ihr zu Ehren einenAltar errichten und ihre heiligen Gebeine zur öffentlichen Verehrung aus-stellen.