derm im Jahre 1568 noch fünf — wurden Gelöbnisse und heimliche Wall-fahrten, selbst von Lutherischen, zu dem Bilde gemacht, deneu wunderbareKrankenheilungen und Gebetserhörungeu gefolgt sein sollen. Der Ruf hier-von kam auch zu Ohren des damaligen evangelischen Stadtpfarrers, der einübereifriger Lutheraner war und durch diese Nachricht in übermäßigen Zorngerieth. Derselbe lief sogleich hin, überhäufte die erschreckten Frauen mitbitteren Vorwürfen, verlangte die Auslieferung des „Götzen", wie er das Bildnannte, und drohte den sich Weigernden mit Hansaussuchen und Gewalt, wenn sieihm binnen drei Tagen nicht zu Willen seien. Die Meisterin, eine betagte,kränkliche Matrone, 'gebürtig von Frohnstetten, hatte eine Schwestertochter,welche im Kloster zu Laizz vor einiger Zeit in den Orden aufgenommenworden war. Dahin gedachten nun die bedrängten Ebinger Frauen ihrkostbares Heiligthum zu retten resp, zu schenken und ließen durch einen ver-trauten Boten die genannte Klosterfrau und eine Magd eiligst zu sich bittenund ihnen zugleich den Grund ihres Wunsches eröffnen. Als die Erbetenendes andern Tages augekommen waren, wurde heimlich verabredet, sie solltennach Anbruch der Nacht an einem gewissen Platze außerhalb der Stadt-mauer (auf der die Klause stand) das Bild in Empfang nehmen. DieAusführung dieses Wagestückes verursachte doch einiges Geräusch, wodurchein Nachtwächter aufmerksam geworden die Fliehenden anrief und, einenDiebstahl oder sonst etwas anderes Ungebührliches vermuthend, alsbald auchverfolgte. Die beiden Frauenspersonen, dieses bemerkend, eilten voll Angstund Schrecken mit ihrer theuren und keineswegs leichten Last, so schnell siedie Füße trugen, gerade aus durch Gräben und Wiesen dem Gebüsch amBache zu, durchwateten denselben und gewannen, von Wasser und Schweißtriefend mit unglaublicher Anstrengung bald den nahen Wald. Ungeachtetmehrerer weiterer unangenehmer Zwischenfälle entkamen sie der Verfolgungglücklich und erreichten bis zum Tode erschöpft gegen Morgen ihr Kloster,wo sie mit großem Jubel und inniger Freude empfangen wurden. Das den Händender Abtrünnigen mit so großer Gefahr und Mühe (die Klosterfrau verfiel inFolge der ausgestandenen Angst und Ueberanstrengung in ein hitziges Fieber)entrissene Bild der schmerzhaften Muttergottes wurde vorerst in einer zudiesem Zwecke eigens ausgeschmückten Klosterkapelle auf ein Märchen gestelltund von den Klosterfrauen in sehr hohen Ehren gehalten, indem sie täglichdreimal vor demselben ihre Psalmen und Lobgesänge gemeinschaftlich Gottdarbrachten.
Da von Ebingen aus keinerlei Ansprüche an das Bild gemacht wurden,obgleich der Verbleib desselben dort keineswegs ganz unbekannt gebliebenwar, so wurde es später auf Anrathen der Ordeusobern und mit Erlaub-niß des Bischofs in festlicher Weise in die Kirche übertragen und auf demsogmannten Frauenchor auf einem eigenen Altare zur öffentlichen Verehrungaufgestellt. Vier Geistliche besorgten die Uebertragung unter feierlichen Ge-