Druckschrift 
[1]: 1887
Seite
243
Einzelbild herunterladen
 

— 243 —

birges bildet. Auf ersterem ist die Stadt und ehemalige Festung Altbreisacherbaut, die letzte ist mit den Ruinen der Limburg geschmückt, wo KaiserRudolf von Habsburg geboren war. Nicht weit von der Limburg steht einHügel, St. Luciansberg, vom Volke nur Letzenberg genannt. Hinter denletzten Häusern des Dorfes Sasbach, wozu er gehört, erhebt er sich in nörd-licher Richtung in einer Höhe von nahezu 300 Fuß; er ist vulkanischer Na-tur, wie der Kaiserstuhl, von dem er nach einer Unterbrechung von einerStunde durch eine Ebene getrennt wurde. Oben zeigt er gestampfte Kegel-form und ist umwachsen von Rebgeländen, welche einen vorzüglichen Roth-wem erzeugen. Von der oberen etwas eingedrückten Ebene genießt maneine Fernsicht; doch nicht wegen dieser, sondern um dem Gnadenbilde derschmerzhaften Muttergottes seine Verehrung in der Kirche zu bezeugen, welcheden Gipfel krönt, pilgert das christliche Volk dort hinaus. Vom Fuß desHügels führt ein sanft ansteigender Weg, an dessen Seiten sich recht passenddie Kreuzwegstationen befinden, durch das Rebgelande zur Kirche. An ihreWestseite ist ein Meßnerhäuschen von zwei Stockwerken angebaut, in wel-chem ein Eremit oder Waldbruder zum Dienste des Priesters und zur Hut desHeiligthums wohnt. Eine Sage meldet: In früheren Zeiten schwerer Heim-suchung für die Bewohner Sasbachs und der Umgegend haben einige frommeMänner des Dorfes das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter Gottes her-beigebracht; woher sie es nahmen, ist unbekannt. Nach längerer Berathungüber den Ort der Aufstellung und über die Erbauung der Kapelle wurdedasselbe auf dem Litzelberge hinaufgetragen; an der Stelle, wo es gegen-wärtig noch verehrt wird, konnten sie es es nicht weiter bringen und er-kannten daraus, daß diese Stelle der für die Niederlassung von der Vor-sehung bestimmte Platz sei, weshalb von einem Versuche, es weiter zu tragen,abgelassen wurde. Alan erbaute dort eine dürftige Kapelle und stellte dasBild darin auf.

Nach und nach wurde die Kapelle zu enge und konnte besonders anden Marienfesten die Zahl der Besucher von nah und fern nicht mehr fassen.Es wurde deshalb ein Neubau im größeren Maßstabe ausgeführt, aberwann und durch wen dies geschehen, kann nicht ermittelt werden. Imdreißigjährigen Kriege wurde dieses zweite Gebäude der Art beschädigt, daßes zum Gottesdienste ganz unbrauchbar wurde. Die wilden Kriegshordenschonten nicht einmal die Gotteshäuser, ja gerade die Maria geweihten Ortewurden von den andersgläubigen Soldaten mit vandalischer Lust geschändetund zerstört. Die Wallfahrtsbesuche, wenigsten von Auswärtigen, unterbliebenauf lange Zeit. Nach dem Kriege erwachte um so mehr das Verlangen nachWiederherstellung des Gnadenortes. Jetzt tritt ein bestimmter Bauherr erst-mals und allein auf: Hannibal, Freiherr Girardi von Kastell, Weper undLimburg, Herr zu Sasbach, kaiserl. regierender Rath, oberster Präfekt undJägermeister in den vorderösterreichischen Landen des Breisgaues. Die Wall-