Mutter!" Das geschah 1100. Voller Freude verkündete dieser überall dieihm zu Theil gewordene Gnade und traf alsbald Anstalten, das Bildnißauf derselben Stelle, wo er die Erscheinung gehabt, und wo in der gegen-wärtigen Kirche der böhmische Beichtstuhl steht, an einer hölzernen Säuleaufzustellen.
Die Kunde dieses Ereignisses verbreitete sich bald in der ganzen Um-gegend und von allen Seiten strömten die Menschen dorthin. Maria zögerteauch nicht, die Aussage des Jünglings in Bezug auf ihr heiliges Bild zubestätigen. Eindringlich genug sprach sie an jedes Menschenherz durch eineMenge auffallender Begebenheiten, die schnell aufeinander folgten.
Trotz aller Verehrung aber, welche man dem h. Bilde erwies, befandes sich doch noch im Freien. Da gelobte ein böhmischer Edelmann, nachWartha zu wallfahrten, wenn sein gebrochenes Bein geheilt würde. Mariaerhörte die Bitte. Um nicht undankbar zu erscheinen, ließ er über demBilde eine hölzerne Kapelle erbauen, und da sich diese bald zu klein erwies,mußte sie einer größeren, massiven Kirche weichen. Dies ist der Ursprungder ersten Kirche in Wartha.
Dieses ursprünglich böhmisches Gotteshaus wurde 1241 von den Tar-taren zerstört. Wiederum aufgebaut, ward es auch bald wieder im Kriegevernichtet. Zum dritten Male erstand die Kirche, etwa um 1292, aber auchdiese erwies sich zu klein und die Aebte Johannes und Nikolaus vom Klo-ster Kamenz erbauten eine zweite Kirche für die Deutschen, welche 1421vollendet wurde.
Im Jahre 1428 brachen die Hnssiten in Schlesien ein. Auch Warthablieb nicht verschont. Mit wildem Fluchen und Toben brachen die Verwüsterin die bömische Kirche ein, um das Gnadenbild zu zerstören. Allein mehrereGläubige, welche dieses befürchtet, hatten das Gnadcnbild so versteckt, daßsie es nicht finden konnten. Wüthend über die Täuschung zündeten die Hns-siten den Ort und die beiden Kirchen an und nachdem sie alles Werthvollegeraubt hatten, zogen sie von Wartha ab, um anderwärts ihre Zerstörungfortzusetzen. Als aber die Einwohner die böhmische Kirche brennen sahen,in welcher das Gmadenbild verborgen war, wurden sie von Entsetzen er-griffen. Ein Cisterzinsermönch, mit Namen Jakobus, eilte in die brennendeKirche, ergriff das Bild und wollte mit ihm wieder aus der Kirche fliehen.Da stürzte die Kirche zusammen und begrub ihn nebst dem Bilde unter denTrümmern. Die Einwohner von Wartha hatten durch die Hussiten Allesverloren, aber nichts wär ihnen so schmerzlich, als der Verlust des Gnadcn-bildes. Sobald die Glut erkaltet war, begaben sie sich in die Kirche undgruben im Schütte nach. Da fanden sie das Gnadenbild unversehrt, ob-schon es mitten unter ausgebrannten Kohlen lag. Der Bruder war ver-brannt, aber die Hand, mit welcher er das Bild gehalten, unversehrt ge-