Druckschrift 
[1]: 1887
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Die Mannenkapelle bei Roggenburg.

uf dem sogenannteil Wannenberge zwischen dem alten und ge-werbreichen Städtchen Weißenhorn und dem ehemaligen statt-lichen Prämonstratenser-Reichsstifte und jetzigen Pfarrdorfe Roggenburg liegtmitten im Walde eine Kapelle, vom Volke gewöhnlich das „Wanäkäpple"geheißen, von Roggenburg etwa 20 Minuten, von Weißenhorn fünf Viertel-stunden entfernt. Ueber dem Altare der Kapelle hängt unter Glas und mitGoldrahmen eingefaßt ein auf sLeinwand gemaltes Marienbild. Die Ent-stehung dieser Wallfahrt wird in folgender Weise erzählt:

Als in den dreißiger und vierziger Jahren des siebenzehnten Jahrhun-derts die schwedischen Soldaten namentlich in Bayern und Schwaben wüthe-ten, hatte auch das Kloster Roggenburg von der Wuth und Grausamkeitderselben viel zu leiden. Als sie im Jahre 1633 sich nahten, suchten auchdie Mönche des Klosters in der Flucht ihr Heil und begaben sich in einihnen zugehöriges Haus in Weißenhorn. Nur ein Chorherr, FranziskusDoser, sowie der Koch und zwei Diener blieben zurück. Um nicht erkanntzu werden, legte U. Doser Bauernkleider an und so versah er denn in denOrtschaften Meßhofen, Jngstetten u. a. die Seelsorge. Da er sich nun einesTages, um das h. Meßopfer darzubringen, nach Meßhofen begeben hatte,wurde er verrathen. Anfangs verbarg er sich in der dortigen Kirche, daer sich hier aber nicht sicher genug fühlte, so begab er sich auf den Wegnach Weißenhorn. Doch unterwegs wurde er von sechs Soldaten ergriffen,welche ihn bis auf den Wannenberg schleppten, an einer Eiche aufhingenund dann davon liefen. In dieser Noth betete er inbrünstig zur MutterGottes, die er stets besonders verehrt hatte, um Hülfe und Beistand. Undnicht umsonst war sein Flehen. Es erschien ihm die allerseligste Jungfrau,welche hinderte, daß der Strick ihn erdrosselte, bis einer der Soldaten, vonReue und Angst gefoltert, zurückkehrte und den Strick zerhieb. An derDecke der Kapelle ist diese wunderbare Begebenheit in einem Gemälde dar-gestellt. — Nachdem ?. Franziskus sich von seiner Todesangst wieder er-holt hatte, begab er sich, Gott und der allerseligsten Jungfrau dankend nachWeißenhorn zu seinen Brüdern, aber erst auf seinem Sterbebette entdeckteer seinem Beichtvater die wunderbare Begebenheit, welche ihm durch den Bei-stand der Gottesmutter widerfahren war. Er starb als Prälat des Klostersam 7. Februar 1678 im Rufe der Heiligkeit.

Zum Andenken an diese Begebenheit erbante der Prälat Adalbert a»der Stelle, wo ?. Franziskus aufgehängt worden, eine Kapelle, statt wel-cher dann der Prälat Thaddäus Aigler 1794 eine neue größere erbaute, inwelche er ein Bild der Gottesmutter aufstellen ließ. In neuerer Zeit wurdeuun in Folge des steten Andranges von Wallfahrern eine Kirche daselbsterrichtet und am 28. Oktober 1845 kirchlich eingesegnet.