Ordensmännern im 'Kloster zu St. Gallen zur Erziehung übergeben wer-den konnte. Hier unter frommen Mönchen wohnend legte er den Grund zuseiner künftigen Heiligkeit, wozu ihn die gottselige Klausnerin Wiborada,die in der Nähe des Klosters lebte, besonders ermunterte. Eines Tagesgab sie ihm einen Gürtel, den sie selbst verfertigt hatte, mit der dringendenErmahnung, er solle ja nicht vergessen, daß er deshalb von ihr mit diesemGürtel der Enthaltsamkeit umgürtet worden, damit er jeden Umgang mitdem weiblichen Geschlechte meide, in Versuchungen zu Gott um Beistandflehe und, falls der Feind nicht weiche, Feuer mit Feuer vertilge. DieseWorte machten einen so tiefen Eindruck auf sein reines Herz, daß er vonnun an die größte Strenge gegen sich selbst anwendete. Er trug ein rauhesBußgewand, schlief mit dem Haupte auf einem harten Steine und wartetestets als der Erste auf einem Stuhle oder auf der Erde hingestreckt auf denAnfang der Metten.
Die guten Mönche des Klosters gewannen ihn wegen seines kindlichfrommen Gemüthes und seiner engelreinen Unschuld so lieb, daß sie wünsch-ten, er möge immer bei ihnen bleiben. Ulrich fragte die gottselige Klaus-nerin um Rath. Diese betete drei Tage lang und sagte ihm dann, daß esder Wille Gottes nicht seif daß er in das Kloster trete, er solle vielmehrgegen Aufgang der Sonne, dort wo ein Fluß zwei Länder scheide, als Bi-schof dem Herrn dienen und daselbst auch Leiden erdulden, wie solche keinerseiner Vorfahren weder von Heiden noch von schlechten Christen erduldethabe, doch werde er zuletzt den Sieg erringen und dann in Ruhe seineTage verleben.
Bald darauf riefen ihn seine Eltern zurück und übergaben ihn derLeitung des weisen Bischofs Adalbero von Augsburg. Er war jetzt 18Jahre alt und in Tugend und Wissenschaften wohl ausgebildet. Der Bi-schof erkannte bald diese guten Eigenschaften an Ulrich und machte ihn zumKämmerer an seiner Kirche; hierauf ertheilte er ihm die heiligen Weihenund erhob ihn zum Domherrn.
In dieser Würde lebte Ulrich immer demüthig; er vermied jede Ge-fahr, die seiner Seele drohte; Gebet und Studium waren seine Beschäfti-gung; den Armen vertheilte er fast alle seine Einkünfte. Nach einiger Zeitmachte er eine Wallfahrt nach Rom zu den Gräbern der hh. Apostel Petrusund Paulus. Der h. Vater, Papst Sergius III., nahm ihn huldvoll ausund offenbarte ihm, sein Bischof Adalbero sei in Augsburg gestorben under sei zu seinem Nachfolger von Gott bestimmt. Ulrich erschrak und wei-gerte sich, diese Würde anzunehmen. Aber der Papst entgegnete ihm: „Wenndu die Kirche von Augsburg, welche jetzt keinen Hirten hat, gegenwärtignicht annimmst, wo sie noch des Friedens genießt, so wirst du sie verwaltenmüssen, wenn sie von ihren Feinden zerstört und geplündert sein wird."