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„Wie können Männer, die Christen sind, bei einem Weibe einkehren, wieich bin? Zu mir kommen nur solche, welche ein Leben wie ich führen." DerGerichtsdiener forschte nicht weiter und ging fort. Da aber Afra fürchtete,es möchte der Richter kommen und ihr Hans durchsuchen lassen, so versteckt-ste den heiligen Bischof und seinen Gefährten sorgfältig hinter einem Haufenvon Flachsbündeln, lief dann eilig zu ihrer Mutter Hilaria, die in einemanderen Hause wohnte, und erzählte ihr Alles, was vorgegangen war. Hi-laria erstaunte sehr, als ihr aber Afra sagte, daß der Bischof auch zu ihrkommen wolle, um sie zur Christin zu machen und ihre Sünden zu ver-geben, da rief sie voll Freude: „Gott gebe, daß dieses Heil auch mir wider-fahre!" und war voll des Trostes, als Afra sagte, daß sie während derNacht die Männer zu ihr führen werde.
In der folgenden Nacht kamen nun die beiden Männer, geführt vonAfra, in das Haus der Hilaria, welche sogleich die Kniee des Bischofs um-faßte und sprach: „Herr, hilf mir, daß ich Verzeihung meiner Sünden er-lange!" Der Bischof tröstete sie und sprach: „Selig ist dein Glaube, mitwelchem du so schnell die Wahrheit aufnimmst. Fanget nun alle an, mitdem heutigen Tage zu fasten und zu beten; sieben Tage will ich euch unter-richten, am achten Tage aber will ich euch taufen und ihr werdet rein wer-den von euern Sünden und jede Schuld soll euch entlassen werden." Hila-ria rief nun auch ihren Bruder Dionysius herbei, der ebenfalls zu demheiligen Bischof Zutrauen faßte und nun mit Mutter und Tochter und dendrei Dirnen dem Unterrichte beiwohnte und sich mit allem Eifer auf dieTaufe vorbereitete. Am achten Tage, als alle im christlichen Glauben unter-richtet waren, empfingen sie mit heiliger Inbrunst die Taufe. Das Hausder Hilaria weihte der Bischof zu einem christlichen Bethause, dem er Dio-nysius, den Bruder der Hilaria, zum Vorsteher gab. Afra änderte nungänzlich ihren bisherigen Lebenswandel, was in der Stadt das grüßte Auf-sehen erregte. Sie wurde als Christin angeklagt und da sie standhaft denGlauben bekannte, auf einer Insel des Lechftusses nicht weit von Augsburgverbrannt. Ihr Leichnam, der unversehrt blieb, wurde von den drei Mäg-den erhoben und von ihrer Mutter in eine Gruft, welche sie schon früherfür sich hatte Herrichten lassen, begraben. Während des Begräbnisses aber,von Feinden verrathen, wurde sie auf Befehl des Richters ebenfalls mitden drei Mägden in der Gruft verbrannt. Dieses geschah im Jahre 304.
Der h. Ulrich war ein Sohn des Grafen Hubald von Dillingen undin Augsburg geboren. In seiner Kindheit war er immer kränklich und somager und abgezehrt, daß seine Eltern ihn vor den Augen Fremder gewöhn-lich verbargen, weil sie sich seiner schämten. Doch Gott erhielt ihm wunder-bar die Gesundheit, so daß er, zum Jüngling herangereift, den frommen