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Bevor aber der fromme Bischof Narzissus sich zu Tische setzte, betete er mitseinem Gefährten laut das Tischgebet und segnete die Speisen. Afra er-staunte, denn noch nie hatte sie solches gesehen noch gehört. Die Andachtdes Bischofs und die heiligen Worte drangen ihr zu Herzen. Sie fragteihn, wer er sei. Als sie nun vernahm, er sei ein Bischof der Christen,war sie wie vom Donner getroffen. Schon Manches hatte sie vom from-men Lebenswandel der Christen gehört, der Anblick dieses heiligen Mannesrührte sie aber noch mehr. Voll Scham und^Reue fiel sie ihm zu Füßenund sprach: „O Herr, ich bin es nicht werth, daß Du mein Haus betrittst,denn ich bin das sündigste Weib der ganzen Stadt." Narzissus lehrte sienun Jesum Christum kennen, der in diese Welt gekommen, die Sünder alleselig zu machen. „Seine Liebe zu den sündigen Menschen," sprach er, „kannvon der Sünde nicht befleckt werden. Seine Liebe ist gleich dem Glänzeder Sonne; sie erleuchtet die ganze Erde, sie leuchtet auch in die Sümpfeund Moräste und wird dadurch nicht verunreinigt. So bleibt auch rein dixLiebe Jesu, welche mit ihrem Lichte die Sünder erleuchtet. Oeffne nur,meine Tochter, deine Seele dem Lichte des Glaubens, damit du von allenSünden gereinigt und von der reinen Liebe Jesu erfüllt meinen Eintritt indein Haus ewig segnen mögest." Afra erwiderte: „Ach, wie könnte ich vonso vielen Sünden gereinigt werden. Meine Sünden sind mehr, als dieHaare meines Hauptes." Narzissus antwortete: „Glaube an Christus, laßdich taufen und du wirst selig werden." Sogleich eilte Afra getröstet undhocherfreut hinaus, um auch ihre Dienstmägde an dem Heile, das ihr ange-kündigt worden, Theil nehmen zu lassen. „Dieser Mann, der in unserHaus kam," rief sie ihnen zu, „ist ein Bischof der Christen. Er sprach zumir: Wenn du an Christus glaubst und dich taufen lässest, so kannst durein werden von allen deinen Sünden. Was sagt ihr nun dazu?" AlleDrei sprachen einmüthig: „Du bist unsere Gebieterin. Wir folgten dir, dadu sündigtest, wie sollen wir dir nun nicht folgen, um Verzeihung zu er-langen?" Indessen war es Nacht geworden. Der heilige Bischof stimmtemit seinem Diakon Felix Gott einen Lobgesang an und brachte beinahe dieganze Nacht mit Beten und Psalmensingen zu. In stiller Andacht undtiefer Verwunderung hörten Afra und die drei Mägde den schönen Gesän-gen zu. Als es Tag geworden, suchten Gerichtsdiener überall in der Stadtnach den beiden Fremden, da man entdeckt hatte, daß sie Christen seien, undals sie erfahren hatten, daß sie sich im Hause der Afra aufhielten, lauertensie an der Hausthüre, um sie bei ihrem Austritte zu verhaften und vorGericht zu führen. Endlich drang einer von den Gerichtsdienern in dasHaus und sagte zu Afra: „Ich habe erfahren, daß gestern zwei Männerzu dir gekommen sind. Ich weiß, daß sie Christen sind, denn sie bezeich-neten ihre Stirne mit dem Zeichen des Kreuzes, an dem ihr Christus ge-storben ist. Wo sind diese Männer? Zeige sie mir!" Afra entgegnete: