Druckschrift 
[1]: 1887
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in eisernen Truhen und vergruben dieselben. Viele Jahre hindurch bliebennun die Ruinen ein Schutthaufen, bis ein wunderbares Ereigniß die Auf-merksamkeit der Umwohner wieder auf dieselben hinlenkte. Ein blindesWeib von Widersberg, einem kleinen von Andechs eine Stunde entferntenDörfchen, so erzählt die Legende, wurde im Traume ermahnt, sie solle nachAndechs zu der Ruine der zerstörten Kapelle gehen und dort mit der Wurzeleiner Wachholderstaude, welche zur linken Seite der Stelle des ehemaligenAltars stand, ihre Augen bestreichen. Sie that es und wurde von derStunde an wieder sehend.

Dieser Vorfall erregte großes Aufsehen und als der Herzog Ludwigder Strenge, der Stifter des Klosters Fürstenfeld, das Ereigniß erfuhr, be-schloß er, daselbst eine neue Kapelle errichten zu lassen, welche um das Jahr1277 vollendet wurde.

Ungefähr 160 Jahre später wurden durch ein anderes merkwürdigesEreigniß die Reliquien ihrer Verborgenheit entrissen. Während nämlich einFranziskanermönch, Jakob Dachauer, in der Kapelle die heilige Messe las,kam im Angesichte des versammelten Volkes eine Maus aus dem Altare miteinem Zettel hervor, auf welchem der Priester mehrere Namen der in derKirche verborgenen Heiligthümer las.

Dieses führte auf die Vermuthung, daß die Reliquien unter demAltare verborgen seien. Auf die desfallsige Anzeige hin begaben sich diebayerischen Herzoge Stephan III., Friedrich und Johann nach Andechs,ließen ungesäumt an der genannten Stelle nachgraben und am 25. Juni1388 fand man denn auch die gesuchten Heiligthümer. Von nun an wurdeder Zulauf des Volkes so bedeutend, daß die Kapelle die Andächtigen nichtfassen konnte. Deshalb beschloß Herzog Stephan 1389, die Heiligthümernach München zu bringen und dort in der Kirche der alten Burg, demheutigen sogenannten alten Hof, aufzustellen.

Auf Verlangen der bayrischen Herzoge ertheilte Papst Bonifaz IX.zur Feier eines großen Gnadenfestes zu München im Jahre 1392 auf dieDauer von fünf Monaten, nämlich von Ostern bis Ende Juli einen voll-kommenen Ablaß allen, welche in dieser Zeit nach München wallen, dortsieben Tage verweilen und vor den Reliquien ihre Andacht verrichten wür-den. In unglaublicher Zahl strömten die Pilger dahin und München warkaum im Stande, die Menge der Andächtigen aufzunehmen. Hieraus istder große Münchener Sommer-Jahrmarkt, der sogenannte Jakobi-Dult ent-standen, welcher heute noch fortbesteht. Herzog Ernst I. ließ im Jahre 1433ans dem Berge Andechs auf dem Platze, wo die alte Kapelle stand, eineneue Kirche (St. Nikolai) und neben derselben aus den Ruinen des Schlossesein Gebäude für einen Propst und sechs Kanoniker mit reichlicher Stiftungerrichten. Nach deren Vollendung wurden die Heiligthümer von Münchenwieder an ihre frühere Stelle gebracht. Herzog Albrecht III., der Fromme,