Druckschrift 
[1]: 1887
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Stromberg mit dem heiligen Kreuzbilde gehalten wurde, stürzte plötzlich eineSchaar holländischer Soldaten aus einem Schlupfwinkel, brachen in dieKreuzkapelle ein und raubten Alles, was einigen Werth hatte. Dann sielensie über die Theilnehmer der Prozession her und entrissen ihnen das wun-derthätige Kreuzbild, um sich des Silbers zu bemächtigen, womit der ganzeKörper des Heilandes überdeckt war. Da das Silber aber fest angeheftetwar, schlugen sie mit Aexten den Kopf und die Arme vom Rumpfe, nahmendas Silber an sich und warfen die Stücke des Kruzifixes weg. Zwei Je-suiten, welche damals auf dem Stromberge den Gottesdienst besorgten, wur-den geschlagen und in das nahe gelegene Gehölz verfolgt. Da sie das ver-langte Lösegcld nicht bezahlen konnten, wurden sie nach Oelde geschleppt, wosie dann von einigen Freunden mit einer Summe von 200 Thalern losge-kauft wurden. Die umher zerstreuten Stücke des Kruzifixes wurden nachMünster geschickt und wieder zusammengesetzt.

Die ruchlosen Tempelschänder sollten aber der verdienten Strafe nichtentgehen. In dem Orte Ostbeveren stießen sie auf einen Hausen spanischerSoldaten, von denen sie sofort angegriffen wurden. Denjenigen, welcher demKruzifixe das Haupt abgeschlagen, wurde der Kopf gespalten, die klebrigenwurden theils niedergemacht, theils schwer verwundet; nur Einige entkamendem Blutbade durch die Flucht. Die Schwerverwundeten wurden nach Telgtegebracht, wo sie von den Jesuiten verpflegt und auf den Tod vorbereitetwurden.

Im folgenden Jahre konnte in Folge der Kriegsunruhen keine Pro-zession abgehalten werden; auch ließ man das Kreuzbild der größeren Sicher-heit halber in Münster. Der westfälische Geschichtschreiber Schecken berichtetindessen, Hirten auf dem Felde hätten wahrgenommen, wie auf dem Strom-berge Lieder gesungen worden und Schellen geklingelt Hütten, gleichsam alsob das Kreuz von Unsichtbaren in Prozession umhergetragen worden.

Im Jahre 1602 brachte man das Kreuz wieder nach Stromberg undhielt auch die uralte Kreuztracht ab. Anna Christina Schumacher, die amLeibe und an den Beinen so aufgeschwollen war, daß sie nicht gehen konnte,wurde bei dieser Gelegenheit geheilt. Die Zahl der Pilger betrug über60,000. Nach und nach aber nahm die Wallfahrt ab bis zur Gefangcn-nehmung des Erzbischofes Clemens August von Köln, durch welches Ereig-niß der Eifer für die katholische Sache namentlich in Westfalen neu belebtwurde.

In der Nacht vom 21. auf den 22. November 1844 wurde dieKreuzkapelle erbrochen und aller Werthsachen, auch des wnnderthätigen Kreu-zes, beraubt. Sofort schickte man nach allen Richtungen Leute aus, um denDieben nachzuforschen. In einem Gebüsche westlich von Stromberg fandman das Kreuz von der Spitze der Monstranz, sowie ein Pslugeisen, sodannunter einer Brücke auf der Straße nach Beckum den kupfernen Fuß der