Druckschrift 
[1]: 1887
Seite
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Monstranz. Einige Monate später kam der israelitische Kaufmann AbrahamGutmann aus Berchum zu einem Silberschmicde in Hagen und bot dem-selben altes Silber zum Kaufe an. Dieser schöpfte Verdacht und benach-richtigte die Polizei, welche den Juden einkerkerte, jedoch aus Mangel anBeweis wieder frei lassen mußte.

Im Jahre 1847 wollte Gutmann nach Amerika auswandern und ließseine Effekten auf den Bahnhof zu Dortmund fahren. Ein Fuhrmann,welchem Gntmann Geld schuldete, befand sich auf dem Bahnhofe und da erdort erfuhr, daß Gutmann auswandern wolle, erbrach er eine Kiste dessel-ben, um sich durch Entnahme von Gegenständen schadlos zn machen. Ernahm aus der Kiste ein Bettkissen, als er dieses aber auf den Boden warf,entstand ein ganz eigenthümlicher Ton. Dadurch aufmerksam gemacht, unter-suchte er das Bettkissen und fand in demselben Silberstücke mit dem NamenStromberg. Alsbald wurde die Polizei benachrichtigt und der Jude wan-derte in's Gefängniß. Die anderen Theile der Kirchengeräthe fand manspäter in einem Walde, allerdings sehr verstümmelt; nur das Kreuzbild,das Werthvollste, fehlte noch.

Da geschah es, daß am 3. September 1854 der Schäfer Anton Mers-mann in einem Eichenschlage seine Schäferschippe in den Boden stieß undeinen harten Gegenstand gewahrte. Bei näherer Untersuchung fand er zuerstden Rumpf des Bildes, dann aber auch, getrennt von demselben den Kopf,die beiden Füße, die beiden Arme und die rechte Hand. Die linke Handkonnte man jedoch trotz eifrigster Nachforschung nicht auffinden.

Das Bild wurde dem Bildhauer Broker und dem SilberarbeiterBrandkamp zu Beckum zur Reparatur übergeben. Bei dieser Gelegenheitfand man auf der Rückseite des Christuskörpers zwei mit Kupfcrplatten ge-schlossene Nischen; die eine enthielt kleine Holzsplitter, die andere 23 inrother Seide eingewickelte Reliquien, jedoch war die Schrift aus den dabeibefindlichen Pergamentstreifen erloschen.

Am 14. September sollte das Bild von Beckum nach dem Strombergeüberbracht werden. Nachdem in der Kreuzkapelle der Segen gegeben, setzte sichdie Prozession nach Beckum in Bewegung. Die Geistlichkeit von Beckum kamder Prozession entgegen, welche um 1 Uhr in die Pfarrkirche einzog. DasKreuz wurde auf den Hochaltar gestellt und von Neuem benedizirt. DerGeneralvikar Melchers von Münster, der Bischof von Mainz, Freiherr vonKettler, höhere und niedere Geistliche, viele Mitglieder des hohen Adels undeine unzählige Menge Gläubiger waren dabei zugegen.

Nach dem feierlichen Gottesdienste ging die Prozession zunächst nachdem Eichenwalde, wo das Kreuzbild aufgefunden worden. Dort hielt derBischof von Mainz eine ergreifende Predigt. Dann setzte sich die Prozession,mehr als 20,000 Personen stark, nach Stromberg in Bewegung, woselbstunter wiederholter Feierlichkeit das Kreuz an seinem altenDrtcaufgestellt wurde.