Druckschrift 
[1]: 1887
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Niger sie auf Erden bekannt ist. Indessen ist auch möglich, daß in ihremGrabe sich eherne Tafeln, oder im Archiv der Burg Dokumente befinden,die über ihre Zeit, ihr Leben und ihren Tod berichten, worüber man Aus-kunft von den Vormündern der Edlen von Schall begehren müßte. Auchdas Grab der Heiligen müßte man mit gebührender Ehrfurcht und mit Er-laubniß des Erzbischofs öffnen und fleißig nachforschen, ob etwas darin ver-borgen, was der Seligen zu Ehren der Nachwelt überliefert werden könnte.

Eine Spur des Alterthums dürfen wir aber nicht unberücksichtigtlassen, nämlich eine neue Glocke, welche folgende Inschrift trägt: „Luchtelbin ich genant, die name up der alter Clocken is mpr bekant. Lanc-taImelltiläis virAO ora pro noiris. ^.nno Ost rnillesirno guinAöntesirnotrioasimo oots-vo." Aus dieser Inschrift geht deutlich hervor, daß die alteGlocke dieselbe Inschrift, nämlich den Namen der h. Luftildis, hatte, wie dieneue. Nun aber ist vor drei Jahren eine andere alte Glocke unbrauchbargeworden, welche im Jahre 1316 gegossen war. Nehmen wir nun an, daßdie erstgenannte Glocke eben so alt war, so folgt daraus, daß die h. Luftil-dis vor 300 Jahren als Heilige verehrt wurde. Bedenken wir aber, daßdie h. Luftildis schon lange gestorben und der Ruf ihrer Heiligkeit sich schonlange verbreitet haben mußte, ehe eine Glocke mit ihrem Namen benanntwurde, so dürfte es nicht gewagt erscheinen, anzunehmen, daß sie vor etwa400 Jahren, also im dreizehnten Jahrhundert gelebt habe.

Die h. Luftildis war nun aus edlem Geschlechte, treu im Glauben,eine heilige und treue Jungfrau, eifrig im Dienste Gottes, ergeben denWerken der Barmherzigkeit, freigebig gegen die Armen und Allen ein beson-deres Vorbild der Tugend und Frömmigkeit. Denn ein Gemälde, welchesin dieser Kirche von der Decke herabhängt und mehrere Episoden aus ihremLeben sowie Schriften in sehr alten fast verwischten Zügen enthält, beweistdieses zur Genüge. Es sollen aber mehrere solcher Gemälde vorhanden ge-wesen sein, welche das Leben der Heiligen darstellten. Aus diesem noch vor-handenen Gemälde ergibt sich nun Folgendes:

Der Vater der Jungfrau mußte mit Anderen Ländereien theilen, wor-über ein großer und heftiger Streit entstand, so daß man sich nicht einigenkonnte. Endlich wählte man die h. Luftildis, um den Streit zu entscheiden.Diese, welche stets, wenn sie ausging, Spindel und Rocken bei sich trug,umschritt die Ländereien und zog, wo sie hinging, den Faden her, so daßdurch denselben die Theilung angezeigt wurde, womit denn auch Alle zu-frieden waren. Aus dieselbe Weise soll sie auch einen Wald getheilt habenund dort, woher sie ging, ein Graben entstanden sein, welcher noch heute zusehen ist und der Graben der h. Luftildis genannt wird. Auf diesem Gra-ben aber wächst weder Kraut noch Gras und es erinnert dieses an eineGeschichte, welche Eusebius im 25. Kapitel des 7. Buches seiner Kirchenge-schichte von dem h. Bischof Gregor von Neocaesarea erzählt, welcher einen