Druckschrift 
[1]: 1887
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IM aus Ungarn berühmt, welche aber gleichzeitig auch andere Wallfahrts-orte wie Köln u. s. w. besuchten.

Im Jahre 1357 erschien die Königin von Ungarn mit einem Gefolgevon 700 Reitern in Aachen, um bei den Heiligthümern ihre Andacht zuverrichten. — König Ludwig von Ungarn ließ im Jahre 1382 im Münsterdie ungarische Kapelle bauen und stellte bei derselben einen Geistlichen seinerNationalität an, damit die zahlreichen Pilger in ihrer Muttersprache beich-ten und die Predigt anhören konnten. — Diese ungarischen Wallfahrtendauerten bis zum Jahre 1776 fort, wo Kaiser Joseph II. sie untersagte.

Mit den Ungarn kamen die „Wiener", worunter die Böhmen, Sla-ven u. s. w. verstanden wurden. Sie waren so zahlreich, daß sie ebenfallseigene Altäre und eigene Priester im Aachener Münster hatten. Im Durch-schnitt betrug die Zahl der österreichisch-ungarischen Pilger an 5000; siewurden durch die Klöster und die Stadt bewirthet und vom Bürgermeisterund den städtischen Beamten freundlich empfangen.

Im Jahre 1433 war der Zudrang der Pilger in der Stadt Aachenso groß, daß einige Häuser wegen Uebcrfüllung mit Pilgern einstürzten unddabei 18 Personen um's Leben kamen. Im Jahre 1447 mußten wegen desZudranges die Stadtthore geschlossen werden; sie wurden erst wieder geöff-net, wenn eine Schaar abgezogen war. — Im Jahre 1496 zählten dieThorwächtcr an einem Tage 142,000 Pilger, von welchen 80,000 Guldengeopfert wurden. — Im Jahre 1510, als Philipp von Vigneulles die Wall-fahrt nach Aachen machte, fand er alle Landstraßen in der Nähe der Stadtvon Pilgern bedeckt; in und um den Dom brannten so viele geopferte Ker-zen, daß derselbe wie im Feuer stand. Als er sich nach einer Herbergeumsah, mußte er über eine Stunde hin und her reiten, bis er ein Unter-kommen sand.

Die Ausstellung der Heiligthümer geschieht wie auch früher alle siebenJahre. Eine Ausnahme wurde nur bei Gelegenheit der Krönung des deut-schen Kaisers im Dome zu Aachen gemacht. Wenn in der Zwischenzeit Kö-nige und Fürsten mit hohem Gefolge in Aachen erschienen, so wurden ihnennur die kleinen, nicht aber die großen Heiligthümer gezeigt.

Die Ausstellung der Heiligthümer geschieht in folgender Weise. Ander West- und Südseite des Domes befindet sich je eine Galerie. Nachdemmit den Glocken am Vormittage ein Zeichen gegeben ist, erscheint auf den-selben zuerst ein Prälat und verkündet, daß die Heiligthümer gezeigt werdensollen. Zugleich ermähnt er die Zuschauer zum fleißigen Gebete. Dannerscheint eine Anzahl Geistlicher in prächtigen Kirchengewändern mit Weih-kessel und Rauchfässern. Zwei Geistliche legen nun zunächst das Kleid derMutter Gottes auf die Brüstung der Galerie, nachdem zuvor auf derselbenein kostbarer Stoff aus Gold und Seide ausgebreitet ist. Dabei wird lautverkündet, welches Heiligthum gezeigt werde und hierauf werden unter Mu-