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[1]: 1887
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geschaffen haben. Die Namen vieler Ortschaften bezeugen den religiösen Ur-sprung. Besonders einflußreich auf die Gründung und das Emporkommenvon Städten und Dörfern hat sich der Marien-Kultus in katholischen Län-dern erwiesen. Diese Thatsache ist kirchlich und psychologisch leicht verständ-lich. Die Verehrung der Gnadenmutter als der Personifikation der reinstenMutterliebe mußte in den Völkern solchen Anklang finden, daß sie AllerHerzen entzündete. Es ist interessant, zu verfolgen, wie die Volkspoesieauch in der Bezeichnung der Orte, die ihren Ursprung der Verehrung derheiligen Maria verdanken, zum großen Theile aus dem reichen Borne derKirche geschöpft haben. Da gibt es Kirchen, Städte und Flecken mit demNamen „Maria Trost, Maria Schutz, Maria Sorg, Maria Lob, MariaSchein, Maria Hausmutter, Maria Stern, Maria Gnadenthal, MariaHeil" u. s. w. Am häusigsten ist der Name Maria Hilf. Wer wird nichtfreudig erregt, wenn er hört, daß Wien einen Theil seines Weichbildes die„Maria-Hilf-Linie" heißt? Der Ursprung davon entstammt einer von denBarnabiten 1660 auf der Feldmark des Dorfes Schöff erbauten Maria-Hilf-Kapelle, deren Besuch so zunahm, daß als Folge davon statt der Ka-pelle eine Kirche und die große Vorstadt Maria-Hilf entstanden. So führtedieselbe Begeisterung, die Dichter und Künstler zur Verherrlichung der Hei-ligen in aller Gluth von Farben und Tönen, deren Menschen fähig sind,antrieb, dazu, in Zeiten, wo die persönliche Sicherheit noch so gefährdet war,selbst Umsiedlungen unter dem Schutz von Heiligen — nicht von Burgen,wie anderwärts in alter Zeit vielfach geschehen — zu gründen. SolcheAnsiedlungen sind häufig Wallfahrtsorte geworden und sind als solche dietreuesten Erben der Tradition, die beredtesten Zeugen einer Geschichte, diefür der Menschheit Zwecke ersprießlicher gewirkt hat, als vieles Andere, dassich außerhalb vollzogen; besitzen sie gute Gcdenkbücher, so sind dies wahr-hast literarische Schätze."

III.

Nichts destoweniger sind gegen die Wallfahrten viele Einwürfe undzwar nicht nur von Andersgläubigen, sondern auch von Katholiken erhobenworden. Inwiefern solche sich auf die Verehrung der Heiligen und Reli-quien an und für sich beziehen, bemerken wir, daß hier nicht der Ort ist,darüber Belehrung zu geben, man möge die Werke nachschlagen, welche diesenGegenstand speziell behandeln; hier handelt es sich um die Art und Weise,Gott und die Heiligen durch Wallfahren zu ehren.

Wir geben nun zunächst zu, daß auch beim Wallfahren wirklich Miß-bräuche vorkommen, diese aber sind so gering, daß sie nicht in Betracht gezogenwerden können. Ueberhaupt bemerken wir, daß es keine auch noch so heiligeSache gibt, welche nicht von Menschen sei es aus Bosheit oder Unverstandmißbraucht wird. Dieses aber thut der Sache an und für sich keinen Ein-