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gleichem Licht und gleicher Wärme, wie es jener Erste im tiefsten Gefühle,und sicherster Ueberzeugung gehegt und genossen."*)
Es ist natürlich, daß bei den Christen jenen Orten, wo der Heilandselbst gelebt und gelitten hatte, besondere Verehrung gezollt wurde, daß siees als ein hohes Glück betrachteten, diese durch das Wirken des Heilandesgeheiligten Stätten besuchen zu können. Es ist ferner natürlich, daß dieseStätten schon durch die Erinnerung, die sie in sich tragen, besonders aufdas Gemüth und Herz des Christen wirken mußten, so daß er sich an ihnenmehr als anderswo zur Andacht gestimmt sah. Hier glaubte er Gott näher,inniger mit ihm verbunden zu sein. Deshalb die seit den ersten Zeiten derChristenheit üblichen Wallfahrten nach Palästina, wie ja auch der h. Pau-lus, um ein Gelübde zu erfüllen, nach Jerusalem wallfahrtet?.
Aus dem gleichen Grunde wurden auch die Gräber der Apostel, dersonstigen Prediger des Evangeliums, der hh. Märtyrer u. s. w. von denChristen besucht; man hegte die Ueberzeugung, dort eher Erhörung zu fin-den, wo diese Glaubenshelden ihr Blut für Christus vergossen und dieKrone des ewigen Lebens empfangen hatten.
Es kann demnach keinen Zweifel unterliegen, daß die Wallfahrteneinem religiösen Bedürfnisse entsprechen und demnach als etwas durchausNaturgemäßes aufzufassen sind.
II.
Indessen auch in kulturgeschichtlicher Beziehung sind die Wallfahrtenvon hoher Bedeutung. Das Schlesische Kirchenblatt schreibt darüber Folgendes:„Die Wallfahrtsorte sind Sitze der interessantesten Volksversammlun-gen. Alle Schattirungcn von Volksstämmen, die verschiedensten Trachtenund Sitten finden sich hier vereint. Kein Nationalitätenhader wuchert indieser bunten Menge; alle fühlen sich als Glieder der großen Familie derChristen verbunden. Keine bacchantische Lust stört hier den Zweck; dieWeihe des Ortes veredelt die Physiognomie des Menschen. Als Erbauungs-und Bildungsstätten für Kreise von unbegrenzter Ausdehnung sind Wall-fahrtsorte in ihren Früchten ohne Berechnung. Ihr Gebiet umfaßt dieidealen Zwecke der Menschheit und was sie in dieser Hinsicht wirken, ent-zieht sich meist der unmittelbaren Beobachtung, weil es sich innerlich voll-zieht. Treffender als manches Andere bekunden Wallfahrtsorte in denMotiven ihres Bestehens, in den einzelnen Stadien ihrer Entwickelung undin ihrem Verfall das Wehen des Zeitgeistes. Ihre große kulturhistorischeBedeutung ist außer Zweifel.
Es ist bekannt, daß die Verehrung von Stätten, wo Heilige wirktenoder Gnadenbilder zur Andacht aufforderten, oft die Wohnsitze der Menschen
*) Man lese auch Goethe's Beschreibung des Rochusfestes in Biugen.