44
BISMARCK-NATIONAL-DENKMÄL o WETTBEWERB
'
Ganz eigenartig sind die von Max Länger, Karlsruhe, gebotenen Platzlösungen, vondenen Nr. 361 (Motto: „Stein und E i ch e n") mit einem Preis ausgezeichnet wurde. Auchder andere Entwurf wäre wohl des gleichen Vorzuges würdig gewesen (Nr. 220, Motto: „Ge-wissen und Kraft"). Im Erläuterungsbericht gedenkt Läuger zunächst der glanzvollendeutschen Vergangenheit und der harmonischen Schönheit des Denkmalplatzes. Weder eineStatue noch ein Turm kann da die rechte Stimmung geben, sondern nur ein in Schönheitsich hinlagerndes Bauwerk, dessen Raumentwicklung monumental wirkt. Um der Schönheitwillen scheut er sich nicht, das Werk mit starken Anklängen an die Antike zu gestalten.Der von einer Säulenhalle umschlossene Bau (Nr. 361) soll hoch über die Lande hin grüßen,im Innern aber in schlichtem Raum die Heldengestalt Bismarcks in Plattenharnisch umschließen(Taf. 49, Fig. 84). Die Wände zeigen im Relief die Volksmacht zu Wasser und zu Land. DieserFestbau liegt auf einer allmählich sich abstufenden Terrasse, von der ein Steig zur Straßehinabführt und die durch niedrige Brüstungs-mauern umgrenzt ist. Darüber hinaus schweiftder Blick weit in die Landschaft. An diesen Platzschließt sich ein schmuckreicher, von Nutz-bauten umgrenzter Vorhof (Taf. 49, Fig. 85).Dahinter erhebt sich in der Hauptachse einedritte hochgelegene Terrasse, die den Abschlußnach dem Waldrande hin bildet. Auf ihrerHöhe steht altarartig die Feuerstelle. DieseHauptachse wird im mittleren Hof rechtwinkligvon einer zweiten Achse geschnitten, die durchbaumbestandene Höfe zu den breiten Zufahrts-straßen hinführt. Statuen und Säulen, Reliefsund Bronzebecken schmücken alle diese Flächen.Auch die fein verteilten Treppenanlagen dienennicht minder als Schmuck.
Der Entwurf Nr. 220 bietet eine wichtigeVariante (Taf. 50, Fig. 86). Hier ist der eigent-liche Festplatz nicht rechteckig umschlossen,sondern in Anpassung an das Terrain als einFünfeck entwickelt, das mit der einen Seite zumFelsabhang sich wendet und hier sich abstuft.Hinter diesem fünfeckigen Platz liegt ein zweitergrößerer, der unter Verschiebung der Achsesich an eine der Fünfeckseiten anlehnt; er istdurch mehrere kleinere Bauten belebt. Aufdiesen Platz münden die Zufahrtsstraßen. Durch den Wald hindurch führt ein Steig zu einerdritten abseits gelegenen Terrasse empor, auf der ein Feueraltar sich erhebt. Mag man auchgegen diese etwas unregelmäßige Anlage gewisse Bedenken äußern können, so wird mananderseits die originelle Behandlung und die fein erwogene Aufteilung nicht unterschätzendürfen. Ein solcher Platz mit seinen mannigfachen Bauten würde auf Generationen hinauseiner Fortbildung und Ausgestaltung durch Hinzufügung von Kunstwerken jeder Art Raumbieten, in dem Sinne etwa, wie einst die Griechen den Temenos um ihre Göttertempel mitWeihestatuen allmählich füllten.
So haben die deutschen Architekten eine schier unerschöpfliche Fülle von Vorschlägenfür die Ausgestaltung des Denkmals gemacht. Auffällig ist dagegen die Zurückhaltung derBildhauer bei diesem Wettbewerb. Allerdings ging ja aus dem Wortlaut des Preisaus-schreibens schon hervor, daß nur architektonische Lösungen in Verbindung mit Plastik inBetracht kommen könnten. Darum genügte es, zunächst nur skizzenhaft Ort und Art der
Abb. 26. Panathenäen (Nr. 234).Architekt H. Poelzig und Bildhauer Th. v. Gosen, Breslau.
,