BISMARCK-NATIONAL-DENKMAL d WETTBEWERB
45
Bismarckfigur anzugeben und alles weitere bis nach Entscheidung über die Architektur ab-zuwarten. Viele Bildhauer mögen das empfunden haben und deshalb vorläufig zurück-geblieben sein. Aussichtslos war es jedenfalls, hier mit einer Bismarckporträtfigur aufmehr oder minder reich dekoriertem Sockel zu kommen. Man mußte zur Großplastik über-gehen. Um so schwieriger war die Frage, wie der ins Große gesteigerte Bismarck in Ver-bindung mit Architektur zu bringen sei. Die Mehrzahl der Erläuterungsberichte stimmendarin überein, daß nur in einer geschlossenen oder halboffenen Halle, die der Figur Ruheund Maßstab gibt, das Bismarckbildnis wirken könnte, worüber die bisher besprochenen Ent-würfe zu vergleichen wären, so z. B. Lederer, W. Kreis und viele andere. Bei Auf-stellung im Freien mußte der Maßstab außerordentlich gesteigert und demgemäß schon derSockel kolossal gebildet werden. Es gehört Mut dazu, unter diesen Umständen am „historischenBismarck" in Kürassieruniform und Stiefeln festzuhalten, wie das mit Erfolg Bildhauer H. Schmidt,Berlin, tat (Nr. 161, Fig. 87, 88). Die 15 Meter hohe Figur soll wuchtig und wie gemauertwirken und dennoch auch in den Einzelheiten plastisch durchgeführt sein, ein lebendigerBismarck, aber in architektonischem Stile.
Ganz ohne „stilisieren" geht es dabei nicht ab, und die Gefahr einer Annäherung andie alten Rolandsfiguren lag nahe. Man begreift, daß die meisten solche Aehnlichkeit möglichstvermieden. Hat doch Lederer in Hamburg für den Rolandtypus eine so glänzende Lösunggefunden, daß er nicht übertroffen werden kann und jeder neue Versuch immer etwas nachPlagiat schmecken muß. Darum hielt sich Fritz Klimsch (Nr. 43, Fig. 89) mehr an DonatellosSt. Georg, der spreizbeinig und mit aufgestemmtem Schilde an Orsanmichele Wacht hält.Doch ist das Ganze hier richtig zu einer 32 Meter hohen Freifigur umgebildet, während dieFlorentiner Figur mehr als Hochrelief wirkt. Nicht ein Porträt, sondern ein „Wahrzeichenauf Bergeshöhe" soll geschaffen werden. Wie ein Riese, in monumentaler Größe ragt dieGestalt Bismarcks hervor, ohne Beiwerk, ohne erläuternden oder dekorativen Schmuck. DerSockel muß untergeordnet bleiben, keine Reliefs, Figuren oder Gesimse aufweisen. Wirkensoll die Größe der Formen, der Quader, die Qualität des Granitmaterials. Der „gepanzerteRitter" ist natürlich auch sonst reichlich vertreten, teils stehend (Nr. 88, Fig. 91), teils sitzend,von Hammerschmidt, Düsseldorf, (Nr. 226, Fig. 00) und von H. Dammann, Berlin (Fig. 96)rder seiner Statte 45 Meter Höhe gibt. Hammerschmidts Denkmal soll etwa 35 Meter hochragen, wovon 20 Meter auf die Bismarckfigur kommen. Ihr sind zwei große, 13 Meter langeDoggen als Wächter gesellt. Die Ausführung ist in Felsberg-Granit geplant. Darüber hinausversucht Grasegger, Köln, im Verein mit Architekt Klotz, nicht nur die Sitzfigur Bismarcks,sondern auch die ihn tragenden gewaltigen Muskelmänner zu streng architektonisch gegliederterMasse zusammenzuschließen (Fig. 93). „Fürst Bismarck erhebt sich aus dem von ihm ge-schaffenen Staatenbunde als nationales Wahrzeichen. Zum wahren Bismarck-Denkmal wirdes dann erhoben, wenn jeder Bundesstaat seinen Staaten-Pfeiler selbst setzt!" Es baut sichdas Denkmal terrassenförmig auf. Die Sockelterrasse hat 140 Meter im Quadrat Grundfläche,die Figurengruppe 75 Meter im Quadrat bei 22 Meter Höhe, die Bismarckfigur selbst noch35 Meter Höhe. Daß trotz dieser gigantischen Abmessungen und entsprechender Stilisierungdie Figuren ausdrucksvoll und lebendig gebildet werden sollen, beweist ein beigegebenesDetail, der Kopf (Taf. 54, Fig. 92). Noch mehr steinerne Größe verleihen dem sitzendengepanzerten Riesen Architekt A. Hartmann, Berlin (Nr. 73, Fig. 94), Bildhauer Bossard,Hamburg (Nr. 121, Fig. 98), Bildhauer K. Donndorf, Stuttgart (Nr. 185, Fig. 95). Ganzornamental behandelt ihn Architekt Schönefeld, Chemnitz (Nr. 246, Fig. 97). Sein Denk-mal gliedert sich in drei Hauptteile. Einen von Arkaden umschlossenen Ehrenhof mit 20Figurengruppen. Inmitten dieses Forums ein gewaltiger Gedenkturm von primitiver Form, dereine stimmungsvolle Gedächtnishalle umschließt. Vor dem Ganzen wächst aus dem Felsendie Kolossalfigur Bismarcks bis zu 45 Meter Höhe empor, flankiert von zwei Hünengestalten,deren Masse das Rheintal beherrscht. B. C. begnügt sich damit, an seinem turmartigen Kuppel-bau die Spuren eines Ritterkopfes im Eisenhelm anzudeuten (Nr. 18, Fig. 99). Verschiedent-
N